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| Theo Lingen wurde am 10. Juni 1903 als Franz Theodor Schmitz und Sohn eines Justizrats in Hannover geboren. Die Schule, das "Königliche Goethegymnasium" in seiner Geburtsstadt, verließ er nach dem Abitur – der junge Mann wollte ernsthafter Charakterschauspieler werden. Körperlich gesehen brachte Theodor Schmitz nicht unbedingt die besten Vorrausetzungen für seine Pläne mit, lang, hager und mit leicht abstehenden Ohren gehörte er nicht zum Idealtypus der damaligen Theaterhelden – seine näselnde Stimme schien darüber hinaus ein weiteres Handicap. Doch er ließ sich nicht beirren, bereits 18-Jährig gab er ohne jegliche Schauspielausbildung sein Bühnendebüt an der "Schauburg" Hannover, 1922 erhielt er ein Engagement am "Residenztheater". | ||||||
"Sein Näseln und Hüsteln, seine gestische Wendigkeit, die allerdings einer inneren Eleganz entsprach, sein vielsagendes Schweigen, seine stets pfiffige Miene all das verlieh seinen Kammerdienern, Heiratsschwindlern, Erbonkeln und Pechvögeln, die er darstellte, unwiderstehliche liebenswürdige Gegenwart" schrieb einmal ein Kritiker in der FAZ. Es gab Zeiten, in denen die bloße Erwähnung seines Namens im Filmvorspann beim Publikum Heiterkeit und Beifall hervorrief, auf der anderen Seite machten ihm dennoch manche Neider den Vorwurf, er widme seine Kunst dem trivialen Klamauk. Erste Erfahrungen vor der Kamera hatte Lingen in dem Kurzfilm "Ins Blaue hinein" (1929) machen können, es folgten Auftritte (auch schon mal tänzerische Einlagen) in heiteren Unterhaltungsstreifen wie "Dolly macht Karriere"1) (1930) oder "Zwei Krawatten"1) (1930), aber auch in Produktionen, die Filmgeschichte geschrieben haben: In den Fritz Lang-Krimis "M Eine Stadt sucht einen Mörder"2) (1931) und "Das Testament des Dr. Mabuse"2) (1933) gab er noch den (freundlichen) Schurken, ab 1933 war Lingen dann aber fast nur noch in komischen Rollen gefragt. Gern provozierte er diese Situationskomik, indem er in aussichtslosen Lagen Etikette bewies oder korrekt vom Scheitel bis zur Sohle daherkam, während um ihn herum alles durcheinander lief, er war dann der "steife Stock" in der Brandung. So erlebte man ihn beispielsweise mit Hauptrollen in "Mann ist Mann" (1931), "Die Firma heiratet" (1931), "Gipfelstürmer" (1933), "Der Verkannte Lebemann" (1936), "Heiratsinstitut Ida & Co" (1937), "Fremdenheim Filoda" (1937) sowie in Robert A. Stemmles "Johann"1) (1943), bei der Lingen in der Doppelrolle eines Bauunternehmers und Dieners glänzte. Vor allem in dem nuschelnden Österreicher Hans Moser hatte er bald einen ebenbürtigen Filmpartner gefunden, das brillante Zusammenspiel der beiden Komiker gelang nicht zuletzt wegen der äußeren Gegensätzlichkeit. Aus dieser Zeit resultieren unter anderem "Fräulein Veronika" (1936), "Die unruhigen Mädchen" (1937), "Die verschwundene Frau" (1937), "Opernball"2) (1939), "Sieben Jahre Pech" (1940), "Der ungetreue Eckehart" (1940), "Rosen in Tirol"1) (1940), "Sieben Jahre Glück" (1942) oder "Wiener Blut"2) (1942). Bis Ende der 1940er Jahre stand Lingen für so erfolgreiche Kinoproduktionen wie beispielsweise "Das Lied der Nachtigall"1) (1944, auch Drehbuch und Regie) oder "Um eine Nasenlänge" (1949) vor der Kamera und konnte auch im deutschen Nachkriegsfilm seine Leinwanderfolge ungebrochen fortsetzen. In "Heute nacht passiert's" erlebte man ihn 1953 als Studienrat Dr. Bräutigam an der Seite von Hans Holt, im gleichen Jahr neben Grethe Weiser in "Hurra – ein Junge!" (1953).
Gern wird über den Klamauk wie "Der Theodor im Fußballtor" (1950), "Der Doppelbräutigam" (1934) oder wie in den "Lümmel"-Filmen aus den 1960er bzw. 70er Jahren übersehen, dass Lingen als Regisseur von fast 20 Spielfilmen wie beispielsweise die Operettenverfilmung "Frau Luna"1) (1941, mit Lizzi Waldmüller) oder "Hauptsache glücklich"1) (1941, mit Heinz Rühmann), ferner als TV-Moderator, Karikaturist und als Verfasser eigener Bühnenstücke und Operettenlibretti so etwas wie ein kleiner Medienprofi war, der allerdings nie die politische Öffentlichkeit suchte. Das Fernsehpublikum erfreute er Mitte der 1960er Jahre mit Sendungen wie "Theo Lingen präsentiert Tierisches" oder "Allzu Tierisches" in den 1970ern lockte er mit seiner "Witzakademie" oder "Lachen Sie mit Stan und Ollie" Millionen vor den Bildschirm. So hatte er bereits 1947 zusammen mit Fritz Gribitz die Komödie "Theophanes" verfasst, auch das Schauspiel "Römischer Kaneval" stammt aus Lingens Feder. Zusammen mit S. Bernfeld schrieb er das Buch zur Operette "Die türkische Puppe", weiterhin unter anderem seine Biografie "Ich über mich" und das Libretto für die Oper "Der mysteriöse Herr X", zu der A. Uhl die Musik komponiert hatte und die bei den Wiener Festwochen 1966 uraufgeführt wurde. 1969 veröffentlichte Theo Lingen mit dem Buch "Ich bewundere " eine Liebeserklärung an das Theater. Seit Ende der 1950er Jahre war der Schauspieler auch öfter im Fernsehen präsent: So etwa 1959 in "Die gute Sieben", 1960 als H. F. Pheeming in "Sie können's mir glauben" und als Heinrich Krull in der Sternheim-Adaption "Die Kassette"; 1964 spielte er in der TV-Fassung von Lessings "Minna von Barnhelm", 1966 den Theo Lampe in der Serie "Die Donau Geschichten" und ein Jahr später den Sanftleben in "Die Heiden von Kummerow und ihre lustigen Streiche". 1973 mimte er den Bürgermeister Dattel in dem Mehrteiler "Die Powenzbande"4), 1974 den Sergeant Cuff in dem Mehrteiler "Der Monddiamant"3), 1975 sah man ihn in der ZDF-Serie "Hoftheater". Im gleichen Jahr präsentierte er das nostalgische "Schlagerfestival 1925", 1976 lief unter der Regie von Peter Weck ein Porträt des beliebten Komikers unter dem Titel "Lingen über Lingen" über die deutschen Bildschirme; das Drehbuch dazu hatte er selbst verfasst. Theo Lingen galt in der Presse als äußerst schwierig und zugeknöpft. Wichtig war ihm nur seine Familie.
"Während sich mein Vater Fremden gegenüber sehr abgekapselt und verschlossen gibt,
ja manchmal unfreundlich wirkt, ist er zuhause ein rührender Familienvater.
Er liebt die Einsamkeit und
hasst jeglichen Rummel", charakterisierte ihn seine Tochter Ursula
Lingen2) selbst
anspruchsvolle Charakterschauspielerin aus der Ehe mit der
Opernsängerin Marianne Zoff2) (1893 1984).
Marianne Zoff war in erster Ehe zwischen 3. November 1922 bis September 1928
mit dem Dramatikers Bertolt Brecht2)
(1898 1956) verheiratet gewesen, kurz darauf heiratete sie 1928 Theo Lingen.
Zoffs Tochter aus erster Ehe, die 1923 geborene Hanne Marianne Brecht (1923 2009),
wuchs bei Marianne Zoff und Theo Lingen auf und feierte später unter dem Künstlernamen
Hanne Hiob2)
Erfolge als Bühnendarstellerin.5) |
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Link: 1) Murnau-Stiftung, 2) Wikipedia, 4) Beschreibung innerhalb dieser HP Quelle: 3) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 224, 5) Wikipedia |
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Textbausteine des Kurzportraits aus: "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf
Heinzelmeier/Berndt Schulz sowie von www.prisma-online.de Siehe auch Wikipedia, www.dhm.de und www.cyranos.ch, www.volksschauspieler.de, www.whoswho.de Fotos von Theo Lingen bei der film.virtual-history.com |
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