Liselotte Pulver wurde am 11. Oktober 1929 in Bern als jüngste Tochter eines städtischen Tiefbau-Ingenieurs und einer Sängerin geboren; die Pulvers zählten zu einer der alten Berner Familien. Der Vater Fritz Eugen Pulver hatte eigentlich Kunstmaler werden wollen, begrub dann aber diese Pläne und ernährte seine Familie als Ingenieur und baute Landstraßen. Mutter Germaine hatte mit der Geburt ihres dritten Kindes endgültig den Traum aufgegeben, Opernsängerin zu werden. "Liselotte von der Pfalz", Herzogin von Orléans und Schwägerin des französischen Königs Ludwig XIV., soll Vorbild bei der Namenswahl gewesen sein. Da ihr Vater darauf bestand, dass sie die Handelsschule besuchte und Kurt Hirschfeld vom Zürcher Schauspielhaus, bei dem sich die junge Liselotte zum Vorsprechen einfand, den elterlichen Plan unterstützte, biss sie sich bis zum Diplom als viersprachige Sekretärin durch. Sie arbeitete danach noch eine Zeit lang als Mannequin, nahm dann aber Schauspielunterricht am Berner Konservatorium sowie Privatunterricht bei Paul Kalbeck1) (1884 – 1949), dem damaligen Oberspielleiter des Berner Theaters.
Die ersten Rollen sollten nicht lange auf sich warten lassen, 1949 erhielt sie ein erstes Engagement am Schauspielhaus in Zürich. Schon bald spielte sie ihre erste prägnante Figur in "Faust II", trat neben Stars wie Gustav Knuth, Will Quadflieg, Maria Becker und Käthe Gold auf. Die junge, überaus talentierte Liselotte Pulver überzeugte etwa mit der Titelrolle in Heinrich von Kleists "Das Käthchen von Heilbronn" oder als "Luise" in Schillers "Kabale und Liebe", spielte sich durch das Repertoire der deutschen Klassiker.
Liselotte Pulver als Vreneli in dem Film "Uli der Knecht" (1951); Quelle: www.cyranos.ch bzw. Archiv "Praesens-Film AG, Zürich", mit freundlicher Genehmigung von Peter Gassmann (Praesens-Film AG, Zürich); Copyright Praesens-Film AG Wegen ihrer Fotogenität wurde die Debütantin vom Theater weg zunächst für kleine Filmrollen engagiert und hatte 1949/50 unter der Regie von Leopold Lindtberg ihren ersten (kurzen) Filmauftritt in der schweizerisch-amerikanischen Produktion "Swiss Tour" (1950, auch "Ein Seemann ist kein Schneemann"). Das von Rolf Hansen gedrehte Bergdrama "Föhn – Sturm in der Ostwand" – einem Remake von Arnold Fancks "Die weiße Hölle vom Piz Palü"1) aus dem Jahre 1929 – war 1950 der Auftakt zur steilen Karriere der Schweizerin; hier mimte die Pulver an der Seite von Hans Albers eine Bergsteigerin. Es folgte die Studentenschmonzette "Heidelberger Romanze"1) (1951) mit O. W. Fischer, dann die Kriminalkomödie "Klettermaxe"1) (1952) von Kurt Hoffmann und ein Jahr später Erich Waschnecks Rührstück "Hab' Sonne im Herzen", in der sie eine sympathische Kinderbetreuerin darstellte. Nach einigen eher unbedeutenden Streifen drehte Liselotte Pulver dann in ihrer Schweizer Heimat und in heimischem Schweizerdeutsch mit "Uli der Knecht"1) (1954) ihren ersten Kinohit, inszeniert von Franz Schnyder nach der klassischen Schweizer Volkserzählung "Wie Uli der Knecht glücklich wird" von Jeremias Gotthelf. Nach der Fortsetzung "Uli der Pächter"1), der im Folgejahr die Kinokassen klingeln ließ, war sie als "Vreneli" nicht nur in der Schweiz ein Star und aus dem Schaugeschäft nicht mehr wegzudenken, avancierte in der nachfolgenden Zeit zu einer deutschen Audrey Hepburn auf der Leinwand.

Liselotte Pulver als Vreneli in dem Film "Uli der Knecht" (1951)
Quelle/Link: cyranos.ch bzw. Archiv "Praesens-Film AG" Zürich,
mit freundlicher Genehmigung von Peter Gassmann (Praesens-Film AG, Zürich
© Praesens-Film AG → DVD-Veröffentlichung

Ihre steile Karriere wurde dann noch "steiler" mit zwei Filmen, die ihr Image prägen sollten: 1955 landete sie einen Riesenerfolg mit dem von Kurt Hoffmann nach einem Roman von Hugo Hartung in Szene gesetzten heiter-wehmütigen Sommermärchen "Ich denke oft an Piroschka"1), in dem sie unwiderstehlich mit ihrem unverwechselbaren Lachen und den blitzenden Augen die Tochter eines ungarischen Bahnhofsvorstehers, die sich in einen deutschen Studenten verliebt, spielte. Ein zweiter Kassenschlager wurde 1958 die Musikkomödie "Das Wirtshaus im Spessart"1), in der sie als "Wanderbursche" in eine Hosenrolle schlüpfte, um leichter in der Männerwelt zu bestehen. Aufgrund des enormen Erfolgs fand dieser Film 1960 mit "Das Spukschloss im Spessart"1) und 1967 mit "Herrliche Zeiten im Spessart"1) seine Fortsetzungen. Mit diesen Rollen wurde "Lilo" "zum Prototyp des frischen, burschikosen, dabei aber durchaus liebreizenden jungen Mädchens im Film der fünfziger Jahre", wie ein Kritiker einmal meinte.
      
Ich denke oft an Piroschka
Uraufführung: 29.12.1955 im Kölner Filmtheater "Rex am Ring"
Regie: Kurt Hoffmann
Drehbuch: Hugo Hartung, Per Schwenzen, Joachim Wedekind
Musik: Franz Grothe
Kamera: Richard Angst
Darsteller:
Liselotte Pulver: Piroschka, Gunnar Möller: Andreas,
Wera Frydtberg: Greta, Gustav Knuth: István Rácz
Margit Symo: Etelka Rácz, Rudolf Vogel: Sándor
Richard Hintz-Fabricius: Johann von Csíky, Adrienne Gessner: Ilonka von Csíky
Annie Rosar: Pensionsinhaberin, Otto Storr: Pfarrer
und andere
(Link: Wikipedia bzw. Kurzportrait innerhalb dieser HP)

Die Geschichte:
Andreas (Gunnar Möller), ein junger Austauschstudent aus Deutschland, verbringt im Jahre 1925 seine Sommerferien in einem kleinen Dorf in der ungarischen Puszta. Die Reisebekanntschaft bzw. die hübsche Greta (Wera Frydtberg), hat er bald vergessen, denn er wird regelrecht verzaubert von der Gastfreundschaft der Dorfbewohner, allen voran von Piroschka Liselotte Pulver), der hübschen und temperamentvollen Tochter des Stationsvorstehers István Rácz (Gustav Knuth) von Hódmezövásárhelykutasipuszta. Glückliche und unbeschwerte Wochen liegen vor "Andi" und Piroschka, bis plötzlich ein unerwartetes Wiedersehen mit Greta die Idylle zerstört …

Es ist ein bezaubernder Film und man sollte ihn gesehen haben. Er vereint alle Elemente, die ein guter Film haben muss: Humor, eine Liebesgeschichte und eine spannende Handlung. Unvergesslich bleiben Lilos bzw. Piroschkas Worte "Mach Signal, Andi!", in wunderschönem ungarischem Akzent.

Auszeichnungen:
Filmbewertungsstelle Wiesbaden (FBW): Prädikat "Wertvoll"
Deutscher Filmpreis 1956: "Filmband in Silber" (überdurchschnittlicher abendfüllender Spielfilm)
IFF Ostende: "Prix Femina du Cinéma" 1956 an Lieselotte Pulver
Verband der Deutschen Kritiker e. V: Kritikerpreis (Film) 1956 an Kurt Hoffmann

Film-Dienst:
Mit der Verfilmung von Hugo Hartungs gleichnamigem Roman, einer zwar etwas weltfremden, aber zu Herzen gehenden und sehr komischen Liebesgeschichte, gelang Kurt Hoffmann einer seiner großen Lustspielerfolge des Nachkriegskinos.
Der Tagesspiegel:
Ein ganz eigenes Werk voll herzhafter Munterkeit, bukolischen Charmes und übermütig-wehmütiger Humorigkeit.
Lexikon des internationalen Films:
Mit der Verfilmung der zwar etwas weltfremden, aber zu Herzen gehenden und stellenweise sehr komischen Liebesgeschichte, gelang ein Lustspielklassiker der Nachkriegskinos.
 
Quelle: Wikipedia (teilweise) sowie www.deutscher-tonfilm.de (die Seite ist nicht mehr existent)

   
Das Wirtshaus im Spessart
nach dem Roman von Wilhelm Hauff
Erstaufführung: 15.01.1958, Berlin
Regie: Kurt Hoffmann
Drehbuch: Heinz Pauck, Luiselotte Enderle
Musik: Franz Grothe
Liedertexte: Willy Dehmel, Günter Neumann
Kamera: Richard Angst
Darsteller:
Liselotte Pulver: Franziska Comtesse von und zu Sandau, Carlos Thompson: Räuberhauptmann
Günther Lüders: Baron Sperling, Rudolf Vogel: Buffon Parucchio,
Wolfgang Neuss: Räuber Knoll, Wolfgang Müller: Räuber Funzel,
Hans Clarin: Peter, Hubert von Meyerinck: Obrist von Teckel,
Helmuth Lohner: Felix, Kai Fischer: Räuberbraut Bettina,
Ina Peters: Zofe Barbara, Paul Esser: Korporal,
Ralf Wolter: Räuber, Otto Storr: Pfarrer,
Vera Comployer: Wirtin, Veronika Fitz: Magd Luise,
Herbert Hübner: Graf Sandau, Anette Karman: Küchenmagd Adele,
Ernst Braasch: Diener Anton, Heini Göbel: Kutscher Gottlieb,
Karl Hanft: Knecht Jakob, und andere
(Link: Wikipedia bzw. Kurzportrait innerhalb dieser HP)

Die Geschichte:
Die Komtesse Franziska von und zu Sandau (Liselotte Pulver) ist mit ihrem Verlobten Baron Sperling (Günther Lüders), der Zofe Barbara (Ina Peters) und einem Pfarrer (Otto Storr) in einer Kutsche nach Würzburg unterwegs, als sie im Spessart einen Unfall haben. Sie ahnen nicht, dass es sich um eine Falle der berüchtigten Räuberbande handelt, folgen dem Rat zweier zwielichtiger Gestalten und steigen im nahegelegenen Wirtshaus ab. Dort treffen sie nicht nur auf die zwei Handwerksburschen Felix (Helmuth Lohner) und Peter (Hans Clarin). Auch die Räuber erwarten die Komtesse und nehmen sie als Geisel, um von ihrem Vater ein Lösegeld zu erpressen. Diese tauscht kurzerhand mit Felix die Kleider und kann entkommen. Als sich der Vater weigert das Lösegeld zu zahlen und stattdessen das Militär schickt, kehrt Franziska zu den Räubern zurück. Dort dient sie in ihrer Verkleidung dem Hauptmann (Carlos Thompson) als Burschen. Der erkennt die Situation schon bald und verliebt sich in Franziska. Aber auch die eifersüchtige Räuberbraut Bettina (Kai Fischer) schöpft Verdacht …
 
Lexikon des internationalen Films:
Nach Wilhelm Hauffs romantischer Geschichte vom wilden Räuberhauptmann im dunklen Walde und der Grafentochter, die in Burschenkleidern unter die Galgenvögel geht, ein bunter, genußvoll gruseliger und heiter musikalischer Film mit parodistischem Einschlag.

Auszeichnungen:
Filmbewertungsstelle Wiesbaden (FBW): Prädikat: "Wertvoll"
Deutscher Filmpreis 1958:
"Filmband in Gold" für Liselotte Pulver (Beste Hauptdarstellerin)
"Ernst-Lubitsch-Preis" der Berliner Filmjournalisten 1958 an Kurt Hoffmann
"Bambi" 1959 für den geschäftlich erfolgreichsten Film des Jahres 1958

Siehe auch Wikipedia
 
Quelle: www.deutscher-tonfilm.de (die Seite ist nicht mehr existent)

   
Das Spukschloss im Spessart
Erstaufführung: 15.12.1960, Berlin
Regie: Kurt Hoffmann
Drehbuch: Günter Neumann, Heinz Pauck
Musik: Friedrich Hollaender, Olaf Bienert, Alfred Strasser
Liedertexte: Günter Neumann
Kamera: Günther Anders
Liselotte Pulver: Comtesse Charlotte von Sandau, Hanne Wieder: Geist Katrin,
Heinz Baumann: Martin Hartog,
Hubert von Meyerinck: Major von Teckel/Oberregierungsrat von Teckel,
Hans Clarin: Prinz Kalaka, Georg Thomalla: Geist Max,
Curt Bois: Geist Hugo, Hans Richter: Geist Jockel,
Paul Esser: Geist Toni, Elsa Wagner: Tante Yvonne,
Ernst Waldow: Onkel Ernst August, Herbert Hübner: Hartog
Veronika Fitz: Sophie, und andere
(Link: Wikipedia bzw. Kurzportrait innerhalb dieser HP)

Die Geschichte:
Polizeimajor von Teckel (Hubert von Meyerinck) lässt die Räuber aus dem Spessart in ihrer einstigen Räuberhöhle, einem unheimlichen Wirtshaus, einmauern. Als Generationen später die alten Gemäuer beim Bau der Spessartautobahn wieder auftauchen, befördert man die Räuber in Form von Gespenstern wieder zu Tage. Um ihre einstigen Untaten zu büßen, wollen sie eine gute Tat verüben. Da kommt ihnen die verarmte Comtesse, Charlotte von Sandau (Liselotte Pulver) im nahegelegenen Schloss gerade recht. Als dort der Bonner Minister von Teckel (Hubert von Meyerinck) aufkreuzt, um im Schloss den hohen Staatsbesuch Prinz Kalaka (Hans Clarin) aus Indien unterzubringen, keimt Hoffnung bei den Schlossbewohnern auf. Im Schloss hält sich aber auch Martin Hartog (Heinz Baumann) auf, der das Schloss im Auftrag seines Vaters ausspionieren soll. Dieser hat nämlich die Absicht, das Schloss zu kaufen und in ein Luxushotel umzubauen. Als die Gespenster auf die unüberlegte Idee kommen, den Schmuck des indischen Prinzen zu stehlen, reist dieser ab und Charlotte wird als vermeintliche Diebin verhaftet. Nun müssen die Gespenster den Minister, den Prinzen und das Gericht von ihrer Existenz überzeugen …
Anmerkung:
Die Schluss-Szene wurde noch vor der Uraufführung durch den Verleih gekürzt. Die fehlenden Szenen gelten als verschollen.

Auszeichnungen:
Filmbewertungsstelle Wiesbaden (FBW): Prädikat: "Wertvoll"
Internationale Filmfestspiele Moskau 1961: Silberne Medaille (Beste Filmkomödie)
Preis der Deutschen Filmkritik 1961:
 – Beste Regie (Kurt Hoffmann)
 – Beste Kamera (Günther Anders)
 – Bester männlicher Nebendarsteller (Hubert von Meyerinck)
Bambi 1961 für den
 – künstlerisch wertvollsten deutschen Film
 – geschäftlich erfolgreichsten deutschen Film
Internationale Filmfestspiele Karlovy Vary 1962: Preise der nationalen Jury an Kurt Hoffmann (Regie), Günter Neumann und Heinz Pauck (Drehbuch)
 
Lexikon des internationalen Films:
Das einfallsreich inszenierte "Grusical" steht über dem Durchschnitt bundesdeutscher Lustspiele jener Jahre und schwingt sich manchmal sogar zur Satire auf: auch eine kabarettistische "Bonn-Parodie" ist dabei.
 
Siehe auch Wikipedia

Quelle: www.deutscher-tonfilm.de (die Seite ist nicht mehr existent)

  
Liselotte Pulver interpretierte aber auch durchaus subtilere Rollen, z. B. 1959 in Alfred Weidenmanns zweiteiliger Thomas Mann-Verfilmung "Buddenbrooks"1), in der sie die unglückliche Tony verkörperte oder 1960 in "Das Glas Wasser" als "Queen Anne" neben Hilde Krahl und Gustaf Gründgens. Das Filmmusical mit Gustaf Gründgens in der männlichen Hauptrolle gilt als ein Glanzlicht in Liselotte Pulvers Karriere und ganz generell ein Höhepunkt im Kino der frühen deutschen Nachkriegszeit → filmportal.de.
Ihre Filme unterschieden sich überhaupt im Niveau wohltuend von den Durchschnittskomödien des deutschen Nachkriegsfilms, ihr ansteckendes und unwiderstehliches Lachen gerieten zu ihrem Markenzeichen, ihr schalkhaftes Spiel begeisterte eine ganze Generation.
Der schalkhafte Kobold mit der frechen Stupsnase ließ sich nie auf Allerweltstypen ein. Ihr Lachen kam tief aus der Kehle, sie war der "Klettermaxe" des Nachkriegskinos und verkörperte die kesse, intelligente Naive, ließ ihre Figuren mit durchtriebenem Witz ihre frechen Spielchen treiben. Rainer Werner Fassbinder hielt sie für "eine Knattermimin", sie selbst sah sich anders: "Vielleicht interessieren sich die Leute mehr für meinen Durchschnittstyp als für irrsinnig schöne Frauen und Superweiber."2)

Foto: Liselotte Pulver 1971; Ausschnitt aus einem Foto
"Bundeskanzler Willy Brandt empfängt Filmschauspieler" (23. Juni 1971)
Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, B 145 Bild-F034157-0033;
Fotograf: Engelbert Reineke  / Datierung: 23. 6.1971 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Genehmigung des Bundesarchivs zur Veröffentlichung innerhalb dieser Webpräsenz wurde am 11.10.2010 erteilt.
Originalfoto und Beschreibung: Deutsches Bundesarchiv B 145 Bild-F034157-0033 bzw. Wikimedia Commons

Liselotte Pulver 1971; Ausschnitt aus einem Foto "Bundeskanzler Willy Brandt empfängt Filmschauspieler" (23. Juni 1971);  Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, B 145 Bild-F034157-0033; Fotograf: Engelbert Reineke  / Datierung: 23. 6.1971 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Das Besondere an Liselotte Pulver war stets ihre darstellerische Vielseitigkeit: Sie konnte den burschikosen Kumpel genauso glaubhaft spielen wie die kapriziöse junge Dame oder die verspielte Frau wie beispielsweise 1957 in Helmut Käutners heiterer Romanze "Die Zürcher Verlobung"1) mit Paul Hubschmid und Bernhard Wicki als Partnern. In dem Historienfilm "Gustav Adolfs Page"3) (1960) nach der gleichnamigen Novelle von Ferdinand Meyers mimte sie an der Seite von Curd Jürgens einmal mehr eine junge Frau in Männerkleidern, ein weiteres Highlight war 1962 die Doppelrolle in dem bereits mehrfach verfilmten bäuerlichen Schwank "Kohlhiesels Töchter"1), in dem übrigens auch ihr langjähriger Ehemann, der Schauspieler Helmut Schmid, mit von der Partie war. Weitere Highlights mit der Schauspielerin waren "Dr. med. Hiob Prätorius"1) (1965) nach dem gleichnamigen Bühnenstückes von Curt Goetz mit Heinz Rühmann in der Titelrolle, ein Jahr später erfolgte eine erneute Zusammenarbeit in der Curt Goetz-Adaption "Hokuspokus oder: Wie lasse ich meinen Mann verschwinden…?"1) (1966). Mit Dieter Hallervorden drehte sie den Klamauk "Die Hochzeitsreise"1) (1969; alternativ: Eine Nervensäge gegen alle), doch die große Zeit des deutschen Lustfilms neigte sich dem Ende entgegen.
 
Liselotte Pulver spielte zwar typische, heitere Figuren der Zeit, aber auch ernsthafte Rollen wie 1954 in Harald Brauns "Der letzte Sommer" nach einer Novelle von Ricarda Huch, in der es um die Frage der Gewaltlosigkeit in der Politik ging; für ihre Leistung wurde die Pulver 1956 in Ostende mit dem "Prix Femina" ausgezeichnet. Durch ihre Erfolge, an denen der große Komödienregisseur Kurt Hoffmann entscheidenden Anteil hatte – insgesamt drehte er zehn Filme mit der Pulver –, wurde auch der internationale Film auf die charmante Schauspielerin aufmerksam, und so drehte sie in Frankreich sowie in den USA unter Billy Wilder und Douglas Sirk, war Partnerin von Juliette Gréco, Orson Welles oder von Gérard Philipe in Claude Autant-Laras Dostojewski-Adaption "Le joueur"3) (1958, Das Spiel war sein Fluch). Ein Hollywood-Aufenthalt endete 1958 für sie zunächst ohne Engagement, zwei spätere Angebote für "Ben Hur" und "El Cid" musste sie wegen anderer Verpflichtungen ablehnen. Internationalen Ruhm erlangte sie schließlich 1961 mit der Kapitalismus-Satire "One, two, three"
1) (Eins, zwei, drei) von Billy Wilder; unvergessen wie sie als "Fraulein" Ingeborg" in einer grandiosen Monroe-Parodie auf dem Tisch tanzte und den Männern den Kopf verdrehte. Den künstlerische Höhepunkt ihrer Karriere stellte die Rolle als lesbische Äbtissin in Jacques Rivettes zeitweilig verbotenem Skandalfilm "Suzanne Simonin, la religieuse de Diderot"3) aus dem Jahre 1966 dar. In den 1970er und 1980er Jahren wurden die Filmauftritte seltener, zuletzt war Liselotte Pulver 1996 in Sönke Wortmanns Komödie "Das Superweib"1) als Mutter neben Veronica Ferres und Heiner Lauterbach auf der Leinwand zu sehen.
Seit Mitte der 1960er Jahre trat die Pulver wieder am Theater in Zürich und Hamburg auf und intensivierte ihre Arbeit für das Fernsehen. Bereits Anfang der 1950er Jahre hatte sie erste Erfahrungen vor der Fernsehkamera gemacht, spielte beispielsweise gemeinsam mit Michael Heltau und Mathias Wieman in Thornton Wilders Stück "Unsere kleine Stadt" (1954). Die Live-Ausstrahlung erreichte zwar damals nur wenige Zuschauer, dennoch war die Resonanz durchaus positiv. Ab den 1970er Jahren folgten Gastauftritte in TV-Shows wie "Dalli Dalli" oder "Stars in der Manege", von 1973 bis 1983 moderierte sie die Kult-Kinderserie "Sesamstraße"1), erreichte ein Millionenpublikum und damit eine neue, ganz anders geartete Popularität. Darüber hinaus ging sie auf Tourneen und war bis Ende der 1980er Jahre sporadisch in einigen beliebten TV-Serien, unter anderem 13 Folgen lang als Schwester des Pfarrers Dr. Dr. Adam Kempfert (Günter Strack) in dem Quotenrenner "Mit Leib und Seele"1), auf dem Bildschirm präsent.

Liselotte Pulver als Jeanne in "Jeanne oder die Lerche" (1956)
nach dem Bühnenstück "Jeanne ou l'alouette" von Jean Anouilh1)
Produktion: SWR; Regie: Franz Peter Wirth1)
Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; © SWR

Liselotte Pulver als Jeanne in "Jeanne oder die Lerche" (1956) nach dem Bühnenstück "Jeanne ou l'alouette" von Jean Anouilh; Produktion: SWR; Regie: Franz Peter Wirth; Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; Copyright SWR
Lilo Pulver mit Familie; Copyright Virginia Shue Ihren Ehemann Helmut Schmid4) hatte Liselotte Pulver über den Film kennen gelernt, 1961 heiratete das Paar; Sohn Marc Tell wurde 1962 geboren, Tochter Melisande erblickte 1968 das Licht der Welt. Nach 31 glücklichen Ehejahren ohne irgendwelche in der Showbranche sonst eher üblichen Skandalen starb Helmut Schmid am 18. Juli 1992 im Alter von 67 Jahren an den Folgen eines Herzanfalls. Ein weiterer tragischer Verlust für die "Die Meisterin des Lachens" war der Selbstmord der Tochter Melisande im Jahre 1989 gewesen. Nur mit Hilfe ihrer Familie konnte der Star diese privaten Schicksalsschläge verwinden, lebte lange Zeit sehr zurückgezogen in ihrer Villa am Genfer See. 
Ihr schmuckes Appartement in einem Heim für betreutes Wohnen am Stadtrand von Bern gab sie nach nur wenigen Jahren im Herbst 2011 wieder auf, lebte erneut in ihrem großen Haus am Genfer See um sich dann endgültig in eine Altersresidenz niederzulassen.
 


Foto: Liselotte Pulver mit Familie
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt. 
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
Auch als Autorin hat sich der Publikumsliebling des deutschen Nachkriegsfilms einen Namen gemacht, 1993 schrieb Liselotte Pulver ihre Memoiren unter dem Titel "…wenn man trotzdem lacht" und 1996 die Fortsetzung "Bleib doch noch ein bisschen". 1999 erschien ihr drittes Buch "Meine Wunder dauern etwas länger. Geschichten und Bilder aus meinem Leben", in dem die Schauspielerin humorvoll über skurrile Alltagserlebnisse und aktuelle Zeiterscheinungen plaudert. Im Oktober 2004 veröffentlichte "Das Geheimnis meines Lachens", ein vergnüglicher Streifzug durch die Karriere und das bewegte Privatleben der berühmten Schweizer Komödiantin. Mit der Mitte September 2016 publizierten neuerlichen Biografie "Liselotte Pulver. Dem Leben ins Gesicht gelacht" – erschienen im Verlag "Hoffmann und Campe" – blickt die inzwischen über 85-Jährige im Gespräch mit Olaf Köhne und Peter Käfferlein auf ihr Leben nach der Karriere zurück.
Von der Journalistin und älteren Schwester Corinne Pulver1) stammt das Buch "Lilo. Meine Schwester", welches 1990 publiziert wurde.
Die ARD widmete dem Kinoliebling Liselotte Pulver 2009 ein Portrait in der Reihe "Legenden" → www.daserste.de.
 
Die Preise und Auszeichnungen, die Lilo Pulver im Laufe ihrer Karriere erhielt, können sich sehen lassen:  Den "Bundesfilmpreis", das "Filmband in Silber"1), erhielt sie 1958 als "Beste Hauptdarstellerin" für ihre hinreißende Darstellung in "Das Wirtshaus im Spessart", insgesamt sechs "Bambis"1) (1963, 1964, 1965, 1967, 1968, 1990) konnte sie entgegennehmen, dazu mehrfach den "Otto" der Zeitschrift "Bravo".

Foto: Lilo Pulver mit Ehemann Helmut an  der Hamburger Alster am 08.09.1983.
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt. 
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Lilo Pulver mit Ehemann Helmut an der Hamburger Alster am 08.09.1983; Copyright Virginia Shue
1980 wurde sie mit dem "Filmband in Gold"1) für "langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film" geehrt, sechs Jahre später überreicht man ihr das "Bundesverdienstkreuz I. Klasse". Bei der 42. Verleihung der "Goldenen Kamera"1) der deutschen Medienillustrierten "Hörzu" erhielt sie am 1. Februar 2007 anlässlich der Gala-Veranstaltung in der mit viel Prominenz besetzten Ullstein-Halle des Axel-Springer-Hauses in Berlin den "Ehrenpreis für das Lebenswerk". "Hier bin ich wieder, himmelhoch jauchzend und aufgewühlt durch diese hohe Auszeichnung" sagte die in einem eleganten lila Kostüm gekleidete, immer noch jugendlich wirkende Schweizerin. Doch habe sie die Auszeichnung gar nicht verdient habe, sei sie "ja eigentlich die Knallcharge des deutschen Films" gewesen, meinte sie selbstironisch. In ihrer Rede erinnerte sie an ihren verstorbenen Mann, ihre Tochter und an Regisseur Kurt Hoffmann, mit dem sie zehn Filme drehte. Der Dank ging auch an ihre Familie, Sohn Marc-Tell mit Ehefrau und Enkel sowie ihren Bruder und dessen Frau, die sie zu der Show begleitet hatten. Seit 12. April 2011 hat nun auch Liselotte Pulver einen "Stern" auf dem am 10. September 2010 eingeweihten Berliner "Boulevard der Stars"1) → weitere Auszeichnungen bzw. Übersicht bei Wikipedia.

Nach fast zehn Jahren erschien Liselotte Pulver wieder in der Öffentlichkeit – zuletzt hatte sie sich 2007 bei der Verleihung der "Goldenen Kamera" gezeigt. In dem Länderduell "Spiel für Dein Land"1) mit dem Untertitel "Das größte Quiz Europas", das am 1. Oktober 2016 mit jeweils drei Teams aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in der ARD, bei SRF 1 und ORF eins ausgestrahlt wurde, begrüßte Moderator Jörg Pilawa1) die prominente Schweizerin, welche am 11. Oktober 2016 ihren 87. Geburtstag feiert, als Stargast.

Textbausteine des Kurzportraits aus:
"Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S. 288/289)
Siehe auch Wikipedia, www.prisma.de, www.whoswho.de, tls.theaterwissenschaft.ch, filmportal.de
Fotos bei www.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia, 3) prisma.de, 4) Kurzportrait innerhalb dieser HP
2) Quelle: "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S. 289)
Stand Oktober 2016
Filme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: prisma.de, Wikipedia, filmportal.de, Beschreibung innerhalb dieser HP)
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