
Wegen ihrer Fotogenität wurde die Debütantin vom Theater weg zunächst für kleine Filmrollen engagiert und hatte 1949/50 unter der Regie von Leopold Lindtberg ihren ersten (kurzen) Filmauftritt in der schweizerisch-amerikanischen Produktion "Swiss Tour" (1950, auch "Herz geht vor Anker"). Das von Rolf Hansen gedrehte Bergdrama "Föhn" einem Remake von Francks "Die weiße Hölle am Piz Palü" aus dem Jahre 1929 war 1950 der Auftakt zur steilen Karriere der Schweizerin; hier spielte die Pulver an der Seite von Hans Albers eine Bergsteigerin. Es folgte die Studentenschmonzette "Heidelberger Romanze"1) (1951) mit O. W. Fischer, dann die Kriminalkomödie "Klettermaxe" (1952) von Kurt Hoffmann und ein Jahr später Erich Waschnecks Rührstück "Hab' Sonne im Herzen", in der sie eine sympathische Kinderbetreuerin mimte. Nach einigen eher unbedeutenden Streifen drehte Liselotte Pulver dann in ihrer Schweizer Heimat und in heimischem Berndeutsch mit "Uli der Knecht"1) (1954) ihren ersten Kinohit, inszeniert von Franz Schnyder nach der klassischen Schweizer Volkserzählung "Wie Uli der Knecht glücklich wird" von Jeremias Gotthelf. Nach der Fortsetzung "Uli der Pächter"1), der im Folgejahr die Kinokassen klingeln ließ, war sie als "Vreneli" nicht nur in der Schweiz ein Star und aus dem Schaugeschäft nicht mehr wegzudenken und avancierte in der nachfolgenden Zeit zu einer deutschen Audrey Hepburn auf der Leinwand. Ihre steile Karriere wurde dann noch "steiler" mit zwei Filmen, die ihr Image prägen sollten: 1955 landete sie einen Riesenerfolg mit dem von Kurt Hoffmann nach einem Roman von Hugo Hartung in Szene gesetzten heiter-wehmütigen Sommermärchen "Ich denke oft an Piroschka"1), in dem sie unwiderstehlich mit ihrem unverwechselbaren Lachen und den blitzenden Augen die Tochter eines ungarischen Bahnhofsvorstehers, die sich in einen deutschen Studenten verliebt, spielte. Ein zweiter Kassenschlager wurde 1958 die Musikkomödie "Das Wirtshaus im Spessart"1), in der sie als "Wanderbursche" in eine Hosenrolle schlüpfte, um leichter in der Männerwelt zu bestehen. Aufgrund des enormen Erfolgs fand dieser Film 1960 mit "Das Spukschloss im Spessart"1) und 1967 mit "Herrliche Zeiten im Spessart"1) seine Fortsetzungen. Mit diesen Rollen wurde "Lilo" "zum Prototyp des frischen, burschikosen, dabei aber durchaus liebreizenden jungen Mädchens im Film der fünfziger Jahre", wie ein Kritiker einmal meinte. |
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Ich denke oft an Piroschka Uraufführung: 29.12.1955 im Kölner Filmtheater "Rex am Ring" Regie: Kurt Hoffmann Drehbuch: Hugo Hartung, Per Schwenzen, Joachim Wedekind Musik: Franz Grothe Kamera: Richard Angst Darsteller: Liselotte Pulver: Piroschka, Gunnar Möller: Andreas, Wera Frydtberg: Greta, Gustav Knuth: István Rácz Margit Symo: Etelka Rácz, Rudolf Vogel: Sándor Richard Hintz-Fabricius: Johann von Csíky, Adrienne Gessner: Ilonka von Csíky Annie Rosar: Pensionsinhaberin, Otto Storr: Pfarrer und andere (Link: Wikipedia bzw. Kurzportrait innerhalb dieser HP)
Die Geschichte:
Auszeichnungen:
Film-Dienst: |
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Das Wirtshaus im Spessart nach dem Roman von Wilhelm Hauff Erstaufführung: 15.01.1958, Berlin Regie: Kurt Hoffmann Drehbuch: Heinz Pauck, Luiselotte Enderle Musik: Franz Grothe Liedertexte: Willy Dehmel, Günter Neumann Kamera: Richard Angst Darsteller: Liselotte Pulver: Franziska Comtesse von und zu Sandau, Carlos Thompson: Räuberhauptmann Günther Lüders: Baron Sperling, Rudolf Vogel: Buffon Parucchio, Wolfgang Neuss: Räuber Knoll, Wolfgang Müller: Räuber Funzel, Hans Clarin: Peter, Hubert von Meyerinck: Obrist von Teckel, Helmuth Lohner: Felix, Kai Fischer: Räuberbraut Bettina, Ina Peters: Zofe Barbara, Paul Esser: Korporal, Ralf Wolter: Räuber, Otto Storr: Pfarrer, Vera Comployer: Wirtin, Veronika Fitz: Magd Luise, Herbert Hübner: Graf Sandau, Anette Karman: Küchenmagd Adele, Ernst Braasch: Diener Anton, Heini Göbel: Kutscher Gottlieb, Karl Hanft: Knecht Jakob, und andere (Link: Wikipedia bzw. Kurzportrait innerhalb dieser HP)
Die Geschichte: Auszeichnungen: Siehe auch Wikipedia
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Das Spukschloss im Spessart Erstaufführung: 15.12.1960, Berlin Regie: Kurt Hoffmann Drehbuch: Günter Neumann, Heinz Pauck Musik: Friedrich Hollaender, Olaf Bienert, Alfred Strasser Liedertexte: Günter Neumann Kamera: Günther Anders Liselotte Pulver: Comtesse Charlotte von Sandau, Hanne Wieder: Geist Katrin, Heinz Baumann: Martin Hartog, Hubert von Meyerinck: Major von Teckel/Oberregierungsrat von Teckel, Hans Clarin: Prinz Kalaka, Georg Thomalla: Geist Max, Curt Bois: Geist Hugo, Hans Richter: Geist Jockel, Paul Esser: Geist Toni, Elsa Wagner: Tante Yvonne, Ernst Waldow: Onkel Ernst August, Herbert Hübner: Hartog Veronika Fitz: Sophie, und andere (Link: Wikipedia bzw. Kurzportrait innerhalb dieser HP) Die Geschichte: Auszeichnungen: Quelle: www.deutscher-tonfilm.de (die Seite ist nicht mehr existent) |
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Liselotte Pulver interpretierte aber auch durchaus subtilere Rollen, z. B. 1959 in
Alfred Weidenmanns zweiteiliger Thomas Mann-Verfilmung
"Buddenbrooks"1), in der sie die unglückliche Tony verkörperte oder 1960
in "Das Glas Wasser" als "Queen Anne"
neben Hilde Krahl und Gustaf Gründgens. Das Filmmusical mit Gustaf Gründgens in
der männlichen Hauptrolle gilt als ein Glanzlicht in Liselotte Pulvers Karriere
und ganz generell ein Höhepunkt im Kino der frühen deutschen
Nachkriegszeit. Ihre Filme unterschieden sich überhaupt im Niveau
wohltuend von den Durchschnittskomödien des deutschen Nachkriegsfilms,
ihr ansteckendes und unwiderstehliches Lachen gerieten zu ihrem Markenzeichen,
ihr schalkhaftes Spiel begeisterte eine ganze Generation. Der schalkhafte Kobold mit der frechen Stupsnase ließ sich nie auf Allerweltstypen ein. Ihr Lachen kam tief aus der Kehle, sie war der "Klettermaxe" des Nachkriegskinos und verkörperte die kesse, intelligente Naive, ließ ihre Figuren mit durchtriebenem Witz ihre frechen Spielchen treiben. Rainer Werner Fassbinder hielt sie für "eine Knattermimin", sie selbst sah sich anders: "Vielleicht interessieren sich die Leute mehr für meinen Durchschnittstyp als für irrsinnig schöne Frauen und Superweiber."2) Das Besondere an Liselotte Pulver war stets ihre darstellerische Vielseitigkeit: Sie konnte den burschikosen Kumpel genauso glaubhaft spielen wie die kapriziöse junge Dame oder die verspielte Frau wie beispielsweise 1957 in Helmut Käutners heiterer Romanze "Die Zürcher Verlobung"1) mit Paul Hubschmid und Bernhard Wicki als Partnern. In dem Historienfilm "Gustav Adolfs Page"3) (1960) nach der gleichnamigen Novelle von Ferdinand Meyers mimte sie an der Seite von Curd Jürgens einmal mehr eine junge Frau in Männerkleidern, ein weiteres Highlight war 1962 die Doppelrolle in dem bereits mehrfach verfilmten bäuerlichen Schwank "Kohlhiesels Töchter"1), in dem übrigens auch ihr langjähriger Ehemann, der Schauspieler Helmut Schmid, mit von der Partie war. Weitere Highlights mit der Schauspielerin waren "Dr. med. Hiob Prätorius"1) (1965) nach dem gleichnamigen Bühnenstückes von Curt Goetz mit Heinz Rühmann in der Titelrolle, ein Jahr später erfolgte eine erneute Zusammenarbeit in der Curt Goetz-Adaption "Hokuspokus oder: Wie lasse ich meinen Mann verschwinden ?"1) (1966). Mit Dieter Hallervorden drehte sie den Klamauk "Die Hochzeitsreise"1) (1969; alternativ: Eine Nervensäge gegen alle), doch die große Zeit des deutschen Lustfilms neigte sich dem Ende entgegen. Liselotte Pulver spielte zwar typische, heitere Figuren der Zeit, aber auch ernsthafte Rollen wie 1954 in Harald Brauns "Der letzte Sommer" nach einer Novelle von Ricarda Huch, in der es um die Frage der Gewaltlosigkeit in der Politik ging; für ihre Leistung wurde die Pulver 1956 in Ostende mit dem "Prix Femina" ausgezeichnet. Durch ihre Erfolge, an denen der große Komödienregisseur Kurt Hoffmann entscheidenden Anteil hatte insgesamt drehte er zehn Filme mit der Pulver , wurde auch der internationale Film auf die charmante Schauspielerin aufmerksam, und so drehte sie in Frankreich sowie in den USA unter Billy Wilder und Douglas Sirk, war Partnerin von Juliette Gréco, Orson Welles oder von Gérard Philipe in Claude Autant-Laras Dostojewski-Adaption "Le joueur"3) (1958, Das Spiel war sein Fluch). Ein Hollywood-Aufenthalt endete 1958 für sie zunächst ohne Engagement, zwei spätere Angebote für "Ben Hur" und "El Cid" musste sie wegen anderer Verpflichtungen ablehnen. Internationalen Ruhm erlangte sie schließlich 1961 mit der Kapitalismus-Satire "One, two, three"1) (Eins, zwei, drei) von Billy Wilder; unvergessen wie sie als "Fraulein" Ingeborg" in einer grandiosen Monroe-Parodie auf dem Tisch tanzte und den Männern den Kopf verdrehte. Den künstlerische Höhepunkt ihrer Karriere stellte die Rolle als lesbische Äbtissin in Jacques Rivettes zeitweilig verbotenem Skandalfilm "Suzanne Simonin, la religieuse de Diderot"3) aus dem Jahre 1966 dar. In den 1970er und 80er Jahren wurden die Filmauftritte seltener, zuletzt war Liselotte Pulver 1996 in Sönke Wortmanns Komödie "Das Superweib"1) als Mutter neben Veronica Ferres und Heiner Lauterbach auf der Leinwand zu sehen.
Die ARD widmete dem Kinoliebling Liselotte Pulver 2009 ein Portrait in der Reihe "Legenden" → www.daserste.de. Die Preise und Auszeichnungen, die Lilo Pulver im Laufe ihrer Karriere erhielt, können sich sehen lassen: den Bundesfilmpreis, das "Filmband in Silber", erhielt sie 1958 als "Beste Hauptdarstellerin" für ihre hinreißende Darstellung in "Das Wirtshaus im Spessart", insgesamt sechs "Bambis" (1963, 1964, 1965, 1967, 1968, 1990) konnte sie entgegennehmen, dazu mehrfach den "Otto" der Zeitschrift "Bravo". 1980 wurde sie mit dem "Filmband in Gold" für "langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film" geehrt, sechs Jahre später überreicht man ihr das "Bundesverdienstkreuz I. Klasse". Bei der 42. Verleihung der "Goldenen Kamera" der deutschen Medienillustrierten "Hörzu" erhielt sie am 1. Februar 2007 anlässlich der Gala-Veranstaltung in der mit viel Prominenz besetzten Ullstein-Halle des Axel-Springer-Hauses in Berlin den "Ehrenpreis für das Lebenswerk". "Hier bin ich wieder, himmelhoch jauchzend und aufgewühlt durch diese hohe Auszeichnung" sagte die in einem eleganten lila Kostüm gekleidete, immer noch jugendlich wirkende Schweizerin. Doch habe sie die Auszeichnung gar nicht verdient habe, sei sie "ja eigentlich die Knallcharge des deutschen Films" gewesen, meinte sie selbstironisch. In ihrer Rede erinnerte sie an ihren verstorbenen Mann, ihre Tochter und an Regisseur Kurt Hoffmann, mit dem sie zehn Filme drehte. Der Dank ging auch an ihre Familie, Sohn Marc-Tell mit Ehefrau und Enkel sowie ihren Bruder und dessen Frau, die sie zu der Show begleitet hatten. Seit 12. April 2011 hat nun auch Liselotte Pulver einen "Stern" auf dem am 10. September 2010 eingeweihten Berliner "Boulevard der Stars"1). |
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Link: 1) Wikipedia, 3) prisma.de, 4) Kurzportrait innerhalb dieser HP 2) Quelle: "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S. 289) |
Stand Dezember 2011 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Textbausteine des Kurzportraits aus: "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S. 288/289) Siehe auch Wikipedia, www.prisma-online.de, www.whoswho.de Fotos bei www.virtual-history.com |
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