Wirken am Theater (Auszug) / Filmografie
Gustaf Gründgens wurde am 22. Dezember 1899 in Düsseldorf-Oberkassel als Gustav Heinrich Arnold Gründgens und Sohn des Arnold Gründgens und dessen Ehefrau Emmi in eine wohlhabende, alteingesessenen rheinische Industriellenfamilie hineingeboren (nach anderen Quellen war der Vater kaufmännischer Angestellter); seine jüngere Schwester war die einst sehr bekannte Chansonette und Kabarettistin Marita Gründgens1) (1903 – 1985). Nach dem Besuch des Gymnasiums in Oberkassel (heute: "Comenius-Gymnasium") und dem Gymnasium zu Mayen (heute "Megina-Gymnasium Mayen"1)), welches er Ostern 1917 mit der Versetzung in die Obersekunda verließ, machte er eine dreimonatige kaufmännischen Lehre in Düsseldorf. Im Herbst 1917 zum Militär einberufen, wurde Gründgens zu einer Fronttheatergruppe nach Saarlouis1) versetzt, mit der Verlegung nach Thale (Harz) fungierte er 1918 als Leiter des Theaters; nach Kriegsende existierte die Frontbühne als "Bergtheater Thale"1) weiter.
Gustaf Gründgens 1936  in der Titelrolle des "Hamlet" im Staatlichen Schauspielhaus unter der Regie Lothar Müthels; Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, Bild 183-S01144; Fotograf: Naumann / Datierung: 21. Januar 1936 / Lizenz CC-BY-SA 3.0. Gründgens entschied sich nun endgültig für die Schauspielerei, 1919/20 nahm er bei Louise Dumont1) und Gustav Lindemann1) Unterricht an deren "Hochschule für Bühnenkunst" des "Düsseldorfer Schauspielhauses"1), seine Lehrer waren Paul Henckels (1885 – 1967), Peter Esser (1886 – 1970) und Elsa Dalands (1878 – 1964). Anschließend sammelte er weitere Bühnenerfahrungen bzw. erhielt erste kurze Engagements an den "Städtischen Bühnen" in Halberstadt1) (Spielzeit 1920/21), am "Vereinigten Städtischen Theater" in Kiel1) (Spielzeit 1921/22), am Berliner "Theater in der Kommandantenstraße" (Spielzeit 1922/23) sowie am "Kurtheater Eckernförde" (Sommerspielzeit 1923) aufeinander, wo er zudem als Regisseur debütierte. 
 
 
Foto: Gustaf Gründgens 1936  in der Titelrolle des "Hamlet"1)
im "Staatlichen Schauspielhaus" unter der Regie Lothar Müthels1) 
Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, Bild 183-S01144;
Fotograf: Naumann / Datierung: 21. Januar 1936 / Lizenz CC-BY-SA 3.0
Genehmigung des Bundesarchivs zur Veröffentlichung innerhalb dieser Webpräsenz wurde am 11.10.2010 erteilt.
Originalfoto und Beschreibung:
Deutsches Bundesarchiv Bild 183-S01144 bzw. Wikimedia Commons
1923 folgte Gründgens einem Ruf Erich Ziegels an die "Hamburger Kammerspiele"1), wo er in den nächsten fünf Jahren in 71 Rollen auf der Bühne stand und bei 32 Inszenierungen Regie führte. Er erarbeitete sich ein breites Repertoire, von klassischen Dramen über Konversationsstücke bis zur zeitgenössischen Dramatik von Frank Wedekind1), Carl Sternheim1) und Georg Kaiser1).
1924 debütierte Gründgens als Regisseur und inszenierte unter anderem die Zweitaufführung von Klaus Manns "Anja und Esther"
1) sowie 1927 die Uraufführung von Manns "Revue zu Vieren"1). In beiden Stücken spielte Gründgens mit Erika1) und Klaus Mann1) sowie Pamela Wedekind1) die Hauptrollen. Im Juli 1926 heiratete der Künstler Erika Mann, die Tochter des berühmten Schriftstellers Thomas Mann, ließ sich jedoch am 9. Januar 1929 wieder von ihr scheiden.
1927 erhielt Gründgens ein Engagement an den "Kammerspielen" des "Deutschen Theaters"
1) in Berlin. Zwischen 1928 und 1933 inszenierte und spielte er an verschiedenen Berliner Bühnen; 1929 folgte die erste Opernregie bei Mozarts "Die Hochzeit des Figaro"1) (unter der musikalischen Leitung von Otto Klemperer1)), daneben hatte er Kabarett-Auftritte mit Grethe Weiser und Ernst Busch1) in der "Nelson-Revue".

Gustaf Gründgens als König Richard II.1) in dem
gleichnamigen Drama1) von William Shakespeare1) anlässlich der Festaufführung
der "Staatlichen Schauspiele Berlin"1) 1939 am Wiener "Burgtheater"1)
im Rahmen der "6. Reichstheaterfestwoche", Regie: Jürgen Fehling1)
Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB)1)
Körperschaft: Weltbild; © ÖNB/Wien; Datierung: 07.08.1939
Bildarchiv Austria (Inventarnummer P 583/2)

Gustaf Gründgens als König Richard II. in dem gleichnamigen Drama von William Shakespeare anlässlich der Festaufführung der "Staatlichen Schauspiele Berlin" 1939 am Wiener "Burgtheater" im Rahmen der "6. Reichstheaterfestwoche"; Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Körperschaft: Weltbild; Copyright ÖNB/Wien; Datierung: 07.08.1939; Bildarchiv Austria (Inventarnummer P 583/2)
Porträt Gustaf Gründgens; Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Körperschaft/Autor: Ungenannt; Copyright ÖNB/Wien; Datierung: ungenannt; Bildarchiv Austria (Inventarnummer FO300173/02) Im selben Jahr begann Gründgens auch beim Film zu arbeiten. Durch seine Theaterarbeit war er auf zwielichtige Charaktere festgelegt, in den Gesellschaftskomödien spielte er häufig Verführer, elegant-zynische Lebemänner, Hochstapler und Erpresser – Rollen, die auch beim Film beliebt waren. Den Ganovenanführer "Schränker" in Fritz Langs Tonfilm-Meisterwerk "M – eine Stadt sucht einen Mörder"1) (1931) gestaltet Gründgens mit manieriert-glatter, eleganter Brutalität und großer krimineller Energie. Dennoch strahlte ein Stück der Komik seiner Untergebenen (Paul Kemp, Theo Lingen) auch auf ihn ab. Verschlossen, stur auf die eigene Ehre bedacht und von kalter Grausamkeit war 1933 auch Gründgens Baron Eggersdorff in Max Ophüls Schnitzler-Adaption "Liebelei"1).2)
Auf der Operettenbühne war das Multitalent Gründgens ebenfalls erfolgreich: Nachdem Künneke seine Operette "Liselott von der Pfalz"1) am 25. Dezember 1927 in Altenburg erstmals auf die Bühne gebracht hatte, errang es in einer Neufassung am 17. Februar 1932 im Berliner "Admiralspalast"1) mit Gustaf Gründgens in der Partie des Herzogs von Orléans1) einen durchschlagenden Erfolg. Als Schlager noch heute weithin bekannt "Oh Gott, wie sind wir vornehm", damals interpretiert von Hilde Hildebrand und Gustaf Gründgens.
 
Porträt Gustaf Gründgens
Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB)1)
Körperschaft/Autor: Ungenannt; © ÖNB/Wien; Datierung: ungenannt
Bildarchiv Austria (Inventarnummer FO300173/02)
1932 begann Gründgens Arbeit am "Preußischen Staatstheater"1) in Berlin, gleich mit seiner ersten Rolle des Mephisto in Lothar Müthels1) Inszenierung von Goethes "Faust I"1) feierte Gründgens an der Seite von Werner Krauss als Faust und Käthe Gold als Gretchen Triumphe, gehörte fortan zu den Charakterdarstellern schlechthin und interpretierte die großen Rollen der dramatischen Weltliteratur. Herbert Ihering1) schrieb damals im "Berliner Börsen-Courier" (03.12.1932) unter anderem: "Eins kann man nicht leugnen: Spannung erzeugt ein Schauspieler wie Gustaf Gründgens, wo immer er auftritt. (…) Gründgens spielt den Agenten Fausts, einen Manager Schmelings, einen Stellenvermittler der Hölle. Er agitiert und treibt an, ein Demagoge, ein Unterhändler. (…) Er ist Kabarettsänger und Charleys Tante, Kavalier und zierige Dame. Er blitzt und funkelt. Er spielt ein naives Zaubermärchen mit lächelndem Snobismus. Er spielt hundert Variationen über das Thema Mephisto, aber niemals das Thema selbst. Er spielt Bemerkungen zum Mephisto, witzige Fußnoten gegen die Goethe-Philologen, aber niemals den neuen, modernen Mephisto selbst."3)
1933 wurde Gründgens durch Hermann Göring zum künstlerischen Leiter des "Preußischen Staatstheaters" ernannt, ein Jahr später folgte die Ernennung zum Intendanten des "Preußischen Staatstheaters" und zum "Staatsschauspieler"; 1936 verlieh man ihm den Titel "Preußischer Staatsrat". 
Von 1937 bis 1945 war Gründgens Generalintendant der "Preußischen Staatstheater", unter seiner Leitung standen vornehmlich deutsche Klassiker auf dem Spielplan. Furore machte er beispielsweise 1941 mit seiner Neuinszenierung von "Faust I", bei der er, wie auch bei "Faust II"1) (1942), Regie führte und erneut als Mephisto brillierte – eine Figur, mit der er Theatergeschichte schrieb und die untrennbar mit dem Namen Gründgens verbunden bleibt.
Szenenfoto aus dem Stück "Der Snob" von Carl Sternheim am "Deutschen Theater" Berlin im März 1946; Antje Weisgerber als Marianne von Palen (rechts) und Gustaf Gründgens als Christian Maske;  Copyright: SLUB Dresden/Deutsche Fotothek; Urheber: Abraham Pisarek; Datierung: 1946.04 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.

Szenenfoto aus dem Stück "Der Snob"1) von Carl Sternheim1)
am "Deutschen Theater" Berlin im April 1946
Antje Weisgerber als Marianne von Palen und
Gustaf Gründgens als Christian Maske
 
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0000069_024)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek
Urheber: Abraham Pisarek1) (1901–1983)
Datierung: 1946.04 / Lizenz CC-BY-SA 3.0
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dieser Webpräsenz wurde am 12.11.2010 erteilt.
Originalfoto und Beschreibung: Wikimedia Commons bzw. Wikipedia

Die filmische Laufbahn von Gründgens hatte 1930 zunächst mit prägnanten Nebenrollen in Gesellschaftskomödien und Melodramen begonnen, meist verkörperte er elegante Intriganten, kalte Intellektuelle, zynische Snobs, Lebemänner und Bösewichter, die ihm beeindruckend zu Gesicht standen. Als Gentleman-Gauner mit Monokel hetzte er Peter Lorre in "M – Eine Stadt sucht einen Mörder"1) (1931) durch die Berliner Unterwelt, und als eiskalter adliger Hahnrei mit geschliffenen Umgangsformen rächte er sich in "Liebelei"1) (1933) an seinem Rivalen. Für den positiven Helden fehlte ihm alles, für Komödien, Historienschinken oder Propagandafilme – obwohl er sie spielte – war das scharfsinnig-psychologisierende Gestaltungstalent dieses Schachspielers unter den Schauspielern verschwendet. Auch wenn er als Oscar Wilde-Weltmann in "Eine Frau ohne Bedeutung"1) (1936) mit feinziselierten Wortarabesken glänzte, wird er für das Kino nennenswert bleiben als Akteur, der "in kleinen, bösen Rollen als prägnanter Charakterdarsteller unerfreulicher Charaktere" (Friedrich Luft1)) auftrat.4) 
In verschiedenen Filmen der 1930er und 1940er Jahre wurde Gründgens öfter auch als positive männliche Figur besetzt, jedoch blieb er mit diesem Typus, bis auf wenige Ausnahmen wie als Friedemann Bach1) in dem gleichnamigen Film1) aus dem Jahre 1941, weniger eindrucksvoll. Er präsentierte sich beispielsweise in Streifen wie Hans Behrendts "Danton"1) (1931), wo er neben einem großartigen Fritz Kortner in der Titelrolle des Georges Danton1) dessen Gegenspieler Robespierre1) verkörperte, als französischer König Karl VII.1) in Hans Steinhoffs Historienepos "Das Mädchen Johanna" (1935) mit Angela Salloker als Johanna von Orléans1) oder als Pantomime Jean-Gaspard Deburau1) in der ebenfalls von Steinhoff in Szene gesetzten Geschichte "Tanz auf dem Vulkan"1) (1938), einer Mischung aus Spielfilm, Historienfilm und Revuefilm. Aber auch in dem antibritischen NS-Propagandafilm "Ohm Krüger"1) (1941) mit Emil Jannings als südafrikanischer Politiker Paulus Kruger1) trat Gründgens (gezwungenermaßen) in Erscheinung, wo er den englischen Ministerpräsidenten Joseph Chamberlain1) mimte. 1938 hatte Gründgens bei der "Terra Filmkunst GmbH"1) eine eigene Herstellungsgruppe übernommen, führte Regie bei der Fliegerkomödie "K
apriolen"1) (1937) und inszenierte mit Ehefrau Marianne Hoppe in der Hauptrolle mit "Der Schritt vom Wege"1) (1938) eine vielbeachtete Adaption des Fontane-Romans "Effi Briest"1).
Nach Ende des 2. Weltkrieges wurde Gründgens von den Sowjets in Berlin verhaftet und für neun Monate im "Speziallager Jamlitz"1) interniert. Ausschlaggebend für seine Entlassung aus der Haft im Rahmen der Entnazifizierung1) war unter anderem die intensive Bemühung des Schauspielers Ernst Buschs1) (1900 – 1980), den Gründgens während des Zweiten Weltkriegs durch seine Intervention bei Göring vor dem Galgen gerettet hatte. Weitere prominente Künstler und deren Familien, die Gründgens vor den Nazi-Schergen bewahrte, waren unter anderem der Hamburger Intendant Erich Ziegel (1876 – 1950), die Schauspieler(innen) Wolfgang Kühne1) (1905 – 1969), Adelheid Seeck (1913 – 1973) und Pamela Wedekind1) (1906 – 1986) sowie sein Freund und persönlicher Referent Erich Zacharias-Langhans. Auch die Theater- und Filmlegenden Paul Bildt (1885 – 1957) und Paul Henckels (1885 – 1967) – Bildt hatte eine jüdische Frau und Henckels war durch seinen Vater Paul Abraham Henckels Halbjude –, die mit ihren Familien immer durch Gründgens geschützt worden waren, setzten sich für den großen Theatermann ein. Aus Berlin (initiiert von Paul Wegener) und München (initiiert von Erich Kästner1) und Axel von Ambesser) wurden Sammelschreiben an die Sowjets geleitet, die erfolgreich zur Freilassung Gründgens beitrugen.
 

Portrait Gustaf Gründgens
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_hauptkatalog_0163852)
Eigentümer / © SLUB Dresden/Deutsche Fotothek 
Bildinfo
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017

Portrait Gustaf Gründgens; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_hauptkatalog_0163853); Eigentümer / Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek; Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017
Bereits 1946 konnte Gründgens seine Bühnenkarriere fortsetzen, zwischen 1947 und 1951 war er Generalintendant der "Städtischen Bühnen" in Düsseldorf, 1952 gründete er in Düsseldorf die selbständige "Schauspielhaus GmbH", das spätere "Düsseldorfer Schauspielhaus"1); der Platz vor dem Schauspielhaus wurde nach dem großen Mimen benannt ("Gustaf-Gründgens Platz"). 1955 übernahm er als Generalintendant die Leitung des "Deutschen Schauspielhauses"1) in Hamburg, brachte unter anderem neben Klassikern Stücke der Moderne von Hans Henny Jahnn1) und Bertolt Brecht1) auf die Bühne. Seine Inszenierung von Goethes "Faust I" aus dem Jahre 1957 mit Will Quadflieg als Faust, Antje Weisgerber als Gretchen, Elisabeth Flickenschildt als Marthe Schwerdtlein und natürlich Gründgens als eindrucksvollem Mephisto gilt bis heute als Meilenstein in der Theatergeschichte. "Den Eingeweihten war klar, dass der Theatermagier Gründgens nicht einen "entrümpelten", sondern einen zeitlosen "Faust" auf die Bühne bringen wollte, und das gelang ihm in einer denkwürdigen Premiere. (…) Seit seinen Anfänger als Schauspieler war "Faust" für Gründgens eines der zentralen Themen seiner künstlerischen Entwicklung, und besonders den Mephisto hatte er unzählige Male gespielt. Was ihn zu der schließlich zeitlosen Inszenierung befähigte, die am Ostermontag 1957 das Publikum erst ergriffen und dann begeistert reagieren ließ, hat sein Freund und Biograf Curt Riess1) richtig formuliert. (…) Weltweit, in Moskau wie in New York, feierte Gründgens mit dieser Inszenierung Triumphe. Das Moskauer Gastspiel im Dezember 1959 ließ Boris Pasternak1) in seinem Haus in Peredelkino1) voller Begeisterung zur Feder greifen: "Ich danke Ihnen und in Ihrer Person der ganzen Truppe für all das Wahre und Große, das Sie alle mich sehen und empfinden ließen."" kann man unter anderem bei www.welt.de lesen. 1960 entstand unter der Regie von Gründgens Adoptivsohn bzw. Lebensgefährten Peter Gorski1) diese legendäre Aufführung als Filmversion1). Kurz zuvor hatte Gründgens in der Komödie "Das Glas Wasser"1) 1960), die Helmut Käutner1) nach dem Bühnenstück "Un verre d'eau"1) des Franzosen Eugène Scribe1) in Szene gesetzt hatte, als Sir Henry St. John zusammen mit Liselotte Pulver und anderen Stars jener Jahre noch einmal einen Leinwanderfolg feiern können → Übersicht Filmografie.
Seinen letzten Bühnenauftritt hatte Gründgens in Hamburg als spanischer König Philipp II.1) in dem Schiller-Drama "Don Karlos"1) mit Sebastian Fischer1) in der Titelrolle (Premiere: 20.11.1962, mit der "Hamlet"1)-Inszenierung und Maximilian Schell als Titelheld lieferte er die letzte Arbeit als Regisseur ab. Seine Einstellung zur Regie formuliert Gründgens in seiner Schrift " Wirklichkeit des Theaters" aus dem Jahre 1953 folgendermaßen: "Regie als theatralische Ausdrucksform ist niemals und darf niemals Selbstzweck sein, sondern immer nur Mittel zum Zweck. Der Regisseur ist der natürliche Vermittler zwischen dem Dichter und dem Publikum. (…) Der gute Regisseur darf keine eigene Auffassung vom Werk haben, sondern es muß sein Talent ausmachen, daß er die Auffassung des Dichters wiedergeben kann." → Übersicht (Auszug) Arbeiten am Theater.
Zur Spielzeit 1962/63 bzw. im Sommer 1963 legte Gründgens überraschend die Intendanz in Hamburg nieder und ging auf eine Weltreise. Wenig später starb der große "Theatermann" in der Nacht vom 6. zum 7. Oktober 1963 in Manila1) auf den Philippinen im alter von 63 Jahren an einer Magenblutung. Ob diese von einer Überdosis Schlaftabletten ausgelöst wurde, ob es Suizid oder ein Unfall war, wurde nie eindeutig geklärt. Sein diesbezügliches Vermächtnis schrieb er auf einen Briefumschlag: "Ich habe glaube ich zu viel Schlafmittel genommen, mir ist ein bißchen komisch, laß mich ausschlafen." (Thomas Blubacher1): "Gustaf Gründgens") Die letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof Ohlsdorf1) in Hamburg, neben dem Grab von Ida Ehre, der Prinzipalin der "Hamburger Kammerspiele", und in unmittelbarer Nähe zu Jürgen Fehling → Foto der Grabstelle bei Wikimedia Commons sowie knerger.de.
 
Nach seiner kurzen Ehe (Heirat 1926, Scheidung 1929) mit Erika Mann1) (1905 – 1969) hatte Gründgens am 22. Juni 1936 die Schauspielerin Marianne Hoppe (1909 – 2002) geheiratet, mit der er zehn Jahre lang verbunden blieb. Die Ehe existierte jedoch nur auf dem Papier, die Hoppe erklärte später einmal, dass die Ehe nie vollzogen worden sei und nur dazu gedient habe, dem homosexuellen Gründgens im Nazi-Deutschland Schutz vor Verfolgung zu geben bzw. ihre eigene Karriere fördern.
Die Rolle Gründgens im Nazi-Deutschland ist umstritten, seine Gegner werfen ihm politischen Opportunismus vor, andere befürworten seine Zusammenarbeit mit den Nazis, weil er auf dieser Grundlage eine gewisse künstlerische Tradition habe bewahren und retten können. 
Gustaf Gründgens als Mephisto in Goethes "Faust"; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_hauptkatalog_0158526); Eigentümer / Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek; Foto: Clausen; Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017 Über 30 Jahre lang war er die wohl faszinierendste Gestalt des deutschen Theaters gewesen. Auf der Bühne genial, als "Mephisto" – den er 1932 erstmals spielte – unerreicht, als Intendant und Regisseur wegweisend, politisch jedoch wegen seiner Nähe zum Dritten Reich schwer belastet.5)
Anlässlich des 100. Geburtstages des Künstlers bezeichnete die "Die Frankfurter Allgemeine Zeitung" ihn als einen "Mitmacher, der nicht mitmachte", die "Berliner Zeitung" schrieb unter anderem "Gründgens hat das Theater nicht missbraucht, nicht in den Dienst ideologischen Terrors gestellt." Klaus Manns vielgelesener Exilroman "Mephisto"1) mit dem Untertitel "Roman einer Karriere" aus dem Jahre 1936 beschreibt die Laufbahn Gustaf Gründgens' (im Buch als "Hendrik Höfgen" deutlich identifizierbar) am schärfsten, Gründgens habe, so Mann, "seine Künstler-Seele schamlos an die Nazis verkauft". Anfang der 1980er Jahre verfilmte István Szabó1) den seit 1966 auf Antrag von Gründgens' Adoptivsohn Peter Gründgens-Gorski1) (1921 – 2007) in Deutschland gerichtlich verbotenen Roman (→ das Verbot) unter dem Titel "Mephisto"1) (1981) mit Klaus-Maria Brandauer in der Hauptrolle. Das Verbot ist bis heute rechtsgültig, wurde jedoch durch die 1981 im "Rowohlt Verlag" erschienene Taschenbuchausgabe faktisch aufgehoben.
  
Gustaf Gründgens als Mephisto in Goethes "Faust"
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_hauptkatalog_0158526)
Eigentümer / © SLUB Dresden/Deutsche Fotothek; Foto: Clausen →Bildinfo
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017
Zum "runden" Geburtstag der Theaterlegende, die zu den schillerndsten und zugleich umstrittensten Gestalten der deutschen Theaterszene gehörte, fanden zahlreiche Gedenkveranstaltungen statt, so präsentierte beispielsweise die Berliner Staatsbibliothek vom 22.12.1999 bis zum 12.02.2000 eine Dokumentenschau aus dem Nachlass des Schauspielers und Regisseurs. Bereits 1965 war von Curt Riess1) die Biografie "Gustaf Gründgens" erschienen, 1999 veröffentlichte Peter Michalzik1) das Buch "Gustaf Gründgens. Der Schauspieler und die Macht", in dem der Autor das Porträt eines charismatischen, theaterbesessenen Mannes, ungreifbar und gierend nach gesellschaftlichem Aufstieg, nachzeichnet. Jenseits von Glorifizierung oder Dämonisierung beschreibt Peter Michalzik Gründgens' Werdegang als Schauspieler, untersucht dessen Verhältnis zu den Größen des Nazi-Regimes und zeigt, wie es zu dem Mythos "Gründgens" kommen konnte.
Eine weitere Lebensbeschreibung des legendären Theatermannes ist das Buch von Dagmar Walach "Gustaf Gründgens. Aber ich habe nicht mein Gesicht. Eine deutsche Karriere", das ebenfalls 1999 erschienen ist. Die Autorin, verantwortliche Organisatorin der Gründgens-Ausstellung in der Berliner Staatsbibliothek, schaut hinter die Kulissen und erläutert die Facetten und Widersprüchlichkeiten seiner Person. 2005 kam von Carola Stern1) das Werk "Auf den Wassern des Lebens. Gustaf Gründgens und Marianne Hoppe" auf den Markt→ spiegel.de. Von Thomas Blubacher1) stammt "Gustaf Gründgens. Biografie" (2013), von Renate Berger1) "Tanz auf dem Vulkan. Gustaf Gründgens und Klaus Mann" (2016) → Literatur bei Wikipedia.
Der schriftliche Nachlass Gründgens wird von der Berliner "Akademie der Künste"1) verwaltet → "Gustaf-Gründgens-Sammlung".

Porträt Gustaf Gründgens 1939
Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB)1)
Körperschaft: Weltbild; © ÖNB/Wien; Datierung: 1937
Bildarchiv Austria (Inventarnummer P 583/1)

Porträt Gustaf Gründgens 1939; Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Körperschaft: Weltbild; CopyrightÖNB/Wien; Datierung: 1937; Bildarchiv Austria (Inventarnummer P 583/1)
Gustaf Gründgens-Plakette; Quelle: Wikimedia Commons; Urheber: Wikimedia-Nutzer Nicola; Lizenz: CC BY-SA 4.0 Neben dem "Gustaf-Gründgens Platz" erinnert in Düsseldorf im Hofgarten1) (im Terrassengarten auf der Nordseite des "Düsseldorfer Schauspielhauses") ein 1984 von Peter Rübsam1) geschaffenes Denkmal an den legendären Künstler. Die zugehörige Gedenkplatte trägt die Worte: "Er liebte es nicht den Vorhang zu öffnen hinter dem er sich selbst verbarg. Wir wollen nach seinem Tod nicht zudringlicher werden als zu seinen Lebzeiten."  → Fotos bei Wikimedia Commons der Statue bzw. der Gedenkplatte.
Am Geburtshaus (Graf-Adolf-Str. 92) von Gustaf Gründgens befindet sich eine vom Heimatverein 2Alde Düsseldorfer" gestiftete Plakette mit der Inschrift: "Der bedeutendste deutsche Schauspieler, Regisseur und Theaterleiter unseres Jahrhunderts wurde hier am 22. Dez. 1899 geboren."
 
 
Gustaf Gründgens-Plakette
Quelle: Wikimedia Commons
Urheber: Wikimedia-Nutzer Nicola
Lizenz: CC BY-SA 4.0
2011 wurde in Hamburg ein mit 15.000 Euro dotierter "Gustaf-Gründgens-Preis" ins Leben gerufen, initiiert durch das "Ernst Deutsch Theater"1) sowie den "Lions Clubs International"1) und gestiftet von der Hamburger "Mercedes-Benz"-Niederlassung, in Erinerung an den bedeutenden Theatermann Gustaf Gründgens erinnern, der als Schauspieler, Regisseur und Intendant Theatergeschichte geschrieben hat. Mit dem alle zwei Jahre vergebenen Preis sollen Persönlichkeiten geehrt werden, die mit ihrem  Schaffen die darstellende Kunst in Hamburg und darüber hinaus geprägt haben. Bisher ausgezeichnet wurden der US-amerikanische Tänzer, Choreograf und Ballettdirektor John Neumeier1) (2012), der niederländische Theater- und Filmproduzent Joop van den Ende1) (2015), der iranisch-deutsche Künstler Michel Abdollahi1) sowie am 14. April 2019 der deutsche Schauspieler, Regisseur und Schriftsteller Joachim Meyerhof1) → gustaf-gruendgens-preis.de.
Siehe auch Wikipedia, www.dhm.de, www.cyranos.ch,
prisma.de, filmportal.de, deutsche-biographie.de
Fotos bei www.virtual-history.com
  
Fremde Links: 1) Wikipedia,
Quellen:
2) deutsches-filminstitut.de (Seite nicht mehr abrufbar)
3) "Henschel Theaterlexikon",  Hrsg. C. Bernd Sucher (Henschel Verlag, 2010, S. 291–293)
4) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzlmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 136
5)  www.prisma.de
Theater-Wirken (Auszug)
Quelle (überwiegen): "Henschel Theaterlexikon",
 Hrsg. C. Bernd Sucher (Henschel Verlag, 2010, S. 291–293) sowie
"Akademie der Künste", Berlin (Gustaf-Gründgens-Sammlung) → archiv.adk.de
(Fremde Links: Wikipedia;  R = Regie, P = Premiere, UA = Uraufführung, DE = Deutsche Erstaufführung)
"Hamburger Kammerspiele" "Theater in der Josefstadt", Wien "Deutsches Theater", Berlin "Preußisches Staatstheater", Berlin ("Schauspielhaus Berlin") "Wiener Staatsoper" "Städtischen Bühnen" / "Düsseldorfer Schauspielhaus" (1947 bis 1955 Generalintendant) "Deutsches Schauspielhaus", Hamburg (1955 bis Sommer 1963 Generalintendant) "Salzburger Festspiele"
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database, filmportal.de
(Fremde Links: filmportal.de, Wikipedia)
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