Brigitte Helm wurde am 17. März 1908*) (nach anderen Quellen 1906) als Brigitte Eva Gisela Schittenhelm und Tochter des preußischen Offiziers Edwin Alexander Johannes Schittenhelm (1871 – 1913) und dessen Ehefrau Gertrud Martha Tews (1877 – 1955) in Berlin geboren und wuchs zusammen mit ihrer älteren Schwester Elisabeth Margarete (1900 – 1989) auf; der 1903 geborene Bruder Heinz Robert Paul Schittenhelm war im Alter von drei Jahren verstorben. Schon während ihrer Schulzeit im "Johanna-Stift", einem von dem Gutsbesitzer Eduard Arnhold1) gestifteten Waisenheim für Mädchen mit angeschlossener Schule an der alten Zollstation Werftpfuhl in Hirschfelde1) (heute Werneuchen-Hirschfelde, Brandenburg1)), spielte sie bei Schulaufführungen und mit 14 Jahren stand sie für einen Kulturfilm erstmals vor der Kamera. Nach dem Abitur machte sie auf Drängen ihrer Mutter Probeaufnahmen bei Fritz Lang1) (1890 – 1976), der sie 1927 mit der Doppelrolle des gutmütigen Arbeitermädchens Maria und dem nach ihrem Ebenbild erschaffenen kaltherzigen Maschinenmenschen in seiner stummen Zukunftsvision "Metropolis1) besetzte. "Übergroße Augen im schmalen Gesicht, das von einer Strahlenkrone gerahmt wurde, ein biegsamer Mädchenkörper, dunkler Sog und blickloses Trauern – ihre ebenso ätherische wie zweideutige Schönheit schien Brigitte Helm für immer auf die Rolle der "femme fatale" festzulegen." schrieb die "taz" am 13.06.1996 anlässlich des Todes der Schauspielerin in einem Nachruf.
Fritz Lang und seine Schauspielerriege schrieben Filmgeschichte, 2001 wurde "Metropolis" als erster überhaupt in das "Weltdokumentenerbe"1) der UNESCO1) aufgenommen  → Artikel zu dem Stummfilm-Klassiker bei filmportal.de.

Szenenfoto aus "Metropolis" mit Brigitte Helm und Heinrich George,
der den Grot, Wächter der Herz-Maschine, spielte
Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek1) (ÖNB)
Urheber/Körperschaft: Künstlerpostkarte im "Ross-Verlag"1), Berlin
© "Ross-Verlag" / ÖNB Wien; Bildarchiv Austria (Inventarnummer Pf 2580 : C (4))

Szenenfoto aus "Metropolis" mit Brigitte Helm und Heinrich George, der den Grot, Wächter der Herz-Maschine, spielte; Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Urheber/Körperschaft: Künstlerpostkarte im "Ross-Verlag", Berlin; Copyright "Ross.Verlag" / ÖNB Wien; Bildarchiv Austria (Inventarnummer Pf 2580 : C (4))
Brigitte Helm vor 1929; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: Wikimedia Commons Die Produktion bzw. ihr Leinwanddebüt geriet für Brigitte Helm zu einem großen Erfolg, sie erhielt von der UFA1) einen Zehn-Jahres-Vertrag und wirkte in der Folgezeit in etlichen weiteren Stummfilmen überwiegend als Hauptdarstellerin mit. So zeigte sie sich unter anderem 1927 als Magda, Tochter des Müllers (Albert Steinrück), in dem Anti-Kriegsfilm "Am Rande der Welt"1) und neben der Titelheldin Édith Jéhanne1) als blinde, hilflose Gabriele Ney in Georg Wilhelm Pabsts1) Melodram "Die Liebe der Jeanne Ney"1) sowie als Protagonistin in der nicht minder melodramatischen Geschichte "Die wunderbare Lüge der Nina Petrowna"1) (1929). Vor allem aber machte Brigitte Helm 1928 mit der Figur des männermordenden Vamps Alraune in dem von Henrik Galeen1) in Szene gesetzten gleichnamigen Stummfilm1) nach dem Schauerroman "Alraune. Die Geschichte eines lebenden Wesens"1) von Hanns Heinz Ewers1) Furore, eine Figur, die sie für Regisseur Richard Oswald1) auch in der Tonfilmfassung "Alraune"1) (1930) verkörperte. Eine ihrer letzten Stummfilmrollen war die der blonden, verführerischen Cleo in der Geschichte "Manolescu – Der König der Hochstapler"1) (1929) mit Iwan Mosschuchin als eleganter Herzensbrecher Georges Manolescu1). Und bei Wikipedia kann man lesen: "Brigitte Helm, der ewigen Vamp-Rollen überdrüssig, klagte angesichts ihrer neuerlichen femme-fatale-Besetzung, Nacktszene im Badezuber inklusive, gegen die UFA. Im September 1929 kam es deswegen zu einem Prozess, in dem die Helm klagte: "Unter Tränen habe ich die Ufa gebeten, mich nicht immer als Vamp herauszustellen – ich will nicht immer Vamp sein – ich habe in Nina Petrowna doch auch gezeigt, daß ich anderes kann. Als ich die Rolle in Manolescu bekam, da habe ich sie zurückgegeben weil sie unanständige Szenen enthielt, die ich nicht spielen wollte. Die Rolle wurde dann umgearbeitet, die unanständigen Szenen blieben trotzdem. Sie wurden dann aber von einer anderen Schauspielerin gegeben." (zit. nach "Der Deutsche", Berlin, Nr. 223, vom 22.09.1929)
  
Brigitte Helm vor 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: Wikimedia Commons
Den Übergang zum Tonfilm schaffte Brigitte Helm nicht ganz problemlos, da ihr die entsprechende Sprachschulung fehlte. Dennoch gelang es ihr sich 1930 als Partnerin von Star-Tenor Jan Kiepura in Carmine Gallones1) Romanze "Die singende Stadt"2) zu behaupten.
Ihr Ruf als männermordender Vamp entstand durch ihre Doppelrolle (Alraune ten Brinken/Alma) in dem 1930 gedrehten Film "Alraune". Ihre somnambule Figur legte sie meist im Film auf laszive Verführerinnen, maskenstarre Luxuswesen von hohler Hübschheit, herzlose Herrinnen und Hexen von äußerlicher Sinnesglut und innerer Eiseskälte fest. Doch sie konnte auch komplizierte Charaktere glaubhaft darstellen, um ihre Existenz kämpfende moderne Mädchen, verbitterte Mittelstandsfrauen in der Männergesellschaft, hochgebildete Damen der Gesellschaft oder tragisch Liebende. Mit ihrer schlanken Gestalt bewegte sie sich ungezwungen vor der Kamera und ihre Gesten und Gänge über die Leinwand ließen oftmals die Handlung der Filme vergessen.
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Eine ihrer letzten Vamp-Rollen mimte sie 1932 als Wüstenkönigin Atinea in allen drei Sprachversionen von Georg Wilhelm Pabsts1) Abenteuer "Die Herrin von Atlantis"1) ("L'Atlantide"/"The Mistress of Atlantis"). Weitere Produktionen mit Brigitte Helm waren unter anderem die Komödie "Die Gräfin von Monte Christo"2) (1932) mit Rudolf Forster,  die Literaturadaption "Fürst Woronzeff"2) (1934) mit Albrecht Schoenhals und der Science-Fiction-Streifen "Gold"1) (1934) mit Hans Albers, Produktionen, von denen auch französischsprachige Versionen mit Brigitte Helm realisiert wurden.
Während ihrer kurzen, steilen Karriere als Filmschauspielerin drehte Brigitte Helm nebenbei auch in Frankreich und in Großbritannien, wo sie unter anderem auch die ausländischen Versionen ihrer deutschen Filme synchronisierte. Nach Komödie "Ein idealer Gatte"1) (1935), gedreht von Herbert Selpin1) nach dem gleichnamigen Bühnenwerk1) von Oscar Wilde1), bzw. der Rolle der distinguierten Lady Chiltern und Ehefrau von Lord Robert Chiltern (Karl Ludwig Diehl) zog sich der Star 1935 mit knapp dreißig Jahren nach rund zehn Stumm- und 26 Tonfilmen nach Ablauf des Ufa-Vertrages wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem NS-Regime sowie persönlichen Schwierigkeiten – sie 1934 hatte einen Autounfall verschuldet und saß für kurze Zeit in Haft – aus dem Filmgeschäft zurück → Übersicht Filmografie.
Nach dem Scheitern ihrer ersten Ehe (1928–1934) mit Rudolf Weißbach heirate sie wenig später im April 1935 den aus einer reichen, sehr distinguierten Industriellenfamilie stammenden Kaufmann Dr. phil. Hugo Eduard Kunheim (1902 – 1986), Leiter der von Caesar Wollheim (1814 – 1882) gegründeten Kohlengroßhandlung gleichen Namens4),  und zog mit ihm zunächst nach Italien, dann in die Schweiz, wo sie von der Öffentlichkeit zurückgezogen bis zuletzt lebte. Aus der Verbindung mit Kunheim gingen vier Kinder hervor,  Pieter (1936 – 2010), Viktoria "Tora" (1937 – 2012), Matthias (* 1938/39) und Christoph (* 1942).
1968 erhielt die Leinwand-Legende das "Filmband in Gold"1) für "langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film".

Brigitte Helm vor 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: www.cyranos.ch;
Angaben zur Lizenz siehe hier

Brigitte Helm vor 1929; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929); Quelle: www.cyranos.ch
Brigitte Helm starb am 11. Juni 1996 im Alter von 88 Jahren an Herz-Kreislauf-Versagen im schweizerischen Ascona1); die letzte Ruhe fand sie auf dem dortigen Friedhof an der Seite ihres Ehemannes → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
Hanns-Georg Rodek1) schrieb in seinem Nachruf in "Die Welt" am 13.06.1996 unter anderem "Im Laufe von 100 Jahren hat der deutsche Film genau zwei Ikonen hervorgebracht, die weltweit sofort Erkennung finden. Die eine schlägt, auf einem Piano sitzend, die langen Beine übereinander, heißt Marlene Dietrich und stammt aus dem "Blauen Engel"1). Die andere steckt in einer Art Ritterrüstung, welche die Brüste betont, und assoziiert sofort "Metropolis". Nur – anders als bei Marlene – ist der dazugehörige Name in Vergessenheit geraten. Brigitte Helm wollte es so."
Von Daniel Semler stammt die im Februar 2008 publizierte, reich bebilderte Monografie "Brigitte Helm – Der Vamp des deutschen Films" → hhprinzler.de sowie filmhistoriker.de.
Siehe auch Wikipedia, cyranos.ch, filmhistoriker.de (mit diversen Presseartikeln), filmportal.de sowie
die Artikel bei www.welt.de und www.sueddeutsche.de
Fotos bei film.virtual-history.com sowie filmstarpostcards.blogspot.com
*) Geburtsjahr 1908 laut Inschrift des Grabsteins → knerger.de
Fremde Links:  1) Wikipedia, 2) filmportal.de
Quelle:
3) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzlmeier/Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S. 154)
4) "Fünf Monate in Berlin: Briefe von Edgar N. Johnson aus dem Jahre 1946", herausgegeben von Werner Breunig, Jürgen Wetzel (Verlag: De Gruyter, Fußnote 19, S. 117). Der Vater von Dr. phil. Hugo Eduard Kunheim war der Chemiker Dr. Erich Kunheim (1872–921), der in vierter Generation das Unternehmen "Fabrik chemischer Produkte Kunheim & Co." (→ "Berliner Blau") leitete sowie Mitglied im Preußischen Abgeordnetenhaus war → www.luise-berlin.de.
Lizenz Fotos Brigitte Helm (Urheber: Alexander Binder): Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
   
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(Fremde Links: Wikipedia (deutsch/englisch), Murnau Stiftung, filmportal.de)
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