Jean Gabin wurde am 17. Mai 1904 als Sohn eines Künstlerehepaares mit bürgerlichem Namen Jean-Alexis Moncorgé im Pariser*) Stadtteil Montmartre1) geboren. Seine Eltern waren Varietékünstler, der Vater Ferdinand-Joseph Moncorgé (Künstlername Gabin, 1868 – 1933) spielte kleine Opernrollen, seine Mutter Hélène Petit (1865 – 1918) sang unter anderem in den Cafés. Die Kindheit und Jugend verbrachte er überwiegend in der Kleinstadt Mériel1) in der Île-de-France1), wohin der Vater mit seiner Frau sowie den drei Kindern Ferdinand-Henri (1888 – 1939), Madeleine (1890 – 1970) und Reine (1893 – 1952), im Jahre 1900 gezogen war. Aufgewachsen mit seinen Geschwistern, drei weitere waren bereits im Kindesalter verstorben, machte Gabin nach einer Maurerlehre und diversen handwerklichen Berufen ab 1924 seine ersten Schritte im Showgeschäft. Er trat als Statist, später als Sänger und Tänzer in den Revuen der Pariser "Folies Bergéres"1) auf und erregte unter anderem durch seine Imitationen des berühmten Maurice Chevalier (1904 – 1972) Aufmerksamkeit.
Entdeckt worden war er 1928 von der legendären Mistinguett (1875 – 1956), dem damaligen Star des Revuetheaters, die ihm auch ein Engagement im ebenfalls berühmten "Moulin Rouge"1) verschaffte. 1931 gab Gabin dann sein eigentliches Leinwanddebüt in der nach einer Operette gedrehten, französischen Version der Verwechslungskomödie mit dem symbolträchtigen Titel "Chacun sa chance" ("Jedem seine Chance"), unter der Co-Regie des deutschen Hans Steinhoff1) (1882 – 1945). Allgemeine Beachtung fand er jedoch erst vier Jahre später mit Produktionen wie dem Melodram "Maria Chapdelaine" (1934, "Das träumende Herz") nach dem gleichnamigen Roman1) von Louis Hémon1) oder neben Josephine Baker in dem Musical "Zou-Zou"2) (1934), mauserte sich in den 1930er Jahren dann rasch zum beliebtesten und bestbezahlten Stars des französischen Kinos.
 
Wohlfahrtsmarke Jean Gabin
Wohlfahrtsmarke Jean Gabin
Ausgabetag 11. Oktober 2001
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung
des Bundesministeriums der Finanzen
sowie Antonia Graschberger, München (Entwurf)

Gabins Darstellungen von Arbeitern und Außenseitern in Filmen von Julien Duvivier1), Jean Renoir1) und Marcel Carné1) hatten wesentlichen Anteil am Weltruhm des französischen Films jener Jahre. Vorzugsweise gestaltete er schweigsame Eigenbrötler, die in einer dunklen Welt einem vorbestimmten Schicksal folgten. Julien Duvivier entdeckte als Erster das dramatische Potential des jungen Schauspielers Gabin und besetzte ihn als Legionär Pierre Gilieth in dem Abenteuer "La bandéra"2) (1935, "Kompanie der Verlorenen"), als Arbeiter Jean, genannt "Jeannot", in dem Streifen "La belle équipe" (1936, "Zünftige Bande") und als Gangster Pépé in der Literaturadaption "Pépé le Moko"1) (1937, "Pépé le Moko – Im Dunkel von Algier") – drei Filme, die den Mythos Gabin als tragischem Arbeiterhelden begründeten.
Die Maxim Gorki-Verfilmung "Les bas-fonds"1) (1936, "Nachtasyl") nach dem gleichnamigen Theaterstück1) und der Rolle des Einbrechers Pepel Wasska war Gabins erste Zusammenarbeit mit Jean Renoir, unter dessen Regie er seine besten Leistungen erbrachte. 1937 folgte das Meisterwerk bzw. der Kriegsfilm "La grande illusion"1) ("Die große Illusion"), wo er eindrucksvoll die Rolle des französischen Jagdfliegers Maréchal spielte. In Renoirs Verfilmung "La bête humaine"1) (1938, "Bestie Mensch") nach dem gleichnamigen Roman1) von Émile Zola1)1) überzeugte Gabin als der obsessive Lokomotivführer Jacques Lantier, im gleichen Jahr als  zynischer Deserteur Jean in "Le quai des brumes"1) (1938, "Hafen im Nebel"), gedreht von Marcel Carné nach dem gleichnamigen Roman von Pierre Mac Orlan1). 1939 folgte die Rolle des desillusionierten Mechanikers François in Marcel Carnés Drama "Le jour se lève"1) ("Der Tag bricht an"), einem der bedeutendsten Beispiele für den poetischen Realismus des französischen Films in den 1930er Jahren.
  
Während der Besetzung Frankreichs ging der bestbezahlte Star des französischen Films für eine kurze Stippvisite nach Hollywood und spielte dort jedoch nur zwei mehr oder weniger unbedeutende Rollen – so war er als Partner von Ida Lupino1) in dem Melodram "Moontide"1) (1942, "Nacht im Hafen") nach dem Roman von Willard Robertson1) zu sehen sowie in dem Drama "The Imposter" (1944), in Szene gesetzt von Julien Duvivier. Desillusioniert von Hollywood ging Gabin 1943 nach Frankreich zurück, trat in die "Forces françaises libres"1) der französischen Marine1) ein, kämpfte als Soldat in Nordafrika, nahm als Panzerkommandant der "2. Panzerdivision"1) an der Befreiung Frankreichs teil und erwarb hohe Auszeichnungen. Nach Kriegsende verloeß er die Armee und widmete sich wieder seiner Arbeit als Filmschauspieler. Seine Karriere kam jedoch zunächst nur schleppend in Gang – den ihm angebotenen Rollen mangelte es an Qualität. Sein erster Nachkriegsfilm war das Melodram "Martin Roumagnac"1) (1946) mit Marlene Dietrich als Partnerin, mit der er zwischen 1941 und 1948 eine Liebesbeziehung hatte. Auch Affären mit seinen Kolleginnen Mireille Balin1), mit der er in "Pépé le Moko" spielte, und Michèle Morgan, seiner schönen jungen Geliebten Nelly in "Hafen im Nebel", wurden ihm nachgesagt.
1951 erhielt Gabin erstmals wieder internationale Anerkennung, wurde für seine einfühlsame Darstellung des erblindeten Lokomotivführers Raymond Pinsard in dem Drama "La nuit est mon royaume"2) ("So nimm denn meine Hände") bei den  "Internationalen Filmfestspielen von Venedig"1) mit dem "Coppa Volpi"1) ausgezeichnet. 1954 konnte Gabin mit der Rolle des gerissenen, letztlich auch melancholischen Gangsterchefs im Ruhestand Max in Jacques Beckers1) Kultfilm "Touchez pas au grisbi"1) ("Wenn es Nacht wird in Paris") wieder an die Qualität seiner Vorkriegsfilme anknüpfen und wurde in Venedig erneut mit dem "Volpi"-Pokal geehrt. Ein neuer Gabin war geboren, der romantische Held der Vorkriegsjahre war einem rauen Antihelden gewichen.
Weitere Erfolge ließen nicht auf sich warten, so brillierte Gabin in Claude-Autant-Laras1) hinreißenden Komödie "La traversée de Paris"1) (1956, "Zwei Mann, ein Schwein und die Nacht von Paris") an der Seite von Bourvil und Louis de Funès, der hier mit einer Nebenrolle glänzen konnte: Der arbeitslose Taxifahrer Marcel Martin (Bourvil) und sein Kumpan Grandgil (Gabin) transportieren für den Metzger Jambier (Louis de Funès) ein schwarz geschlachtetes Schwein quer durch Paris. Bourvil mimte den Schwarzhändler Martin in einer erstaunlichen Mischung von Klamauk, schwarzem Humor und echter Tragödie, Jean Gabin erwies sich dabei mit der Figur des charakterlich völlig unterschiedlichen Typus als kongenialer Partner.
"French Can Can": Abbildung DVD-Cover mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film, welche den Musikfilm Mitte September 2013 als Extended Edition (erstmals in ungekürzter  Fassung und digital restauriert) auf DVD herausbrachte. "French Can Can": Szenenfoto mit Jean Gabin und Françoise Arnoul; mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film, welche den Musikfilm Mitte September 2013 als Extended Edition (erstmals in ungekürzter  Fassung und digital restauriert) auf DVD herausbrachte. Eine schöner Part war auch der des Varieté-Direktors Henri Danglard in dem Musikfilm "French Can Can"1) (1955) mit Françoise Arnoul1) als Partnerin bzw. Tänzerin Nina und in Szene gesetzt von Jean Renoir1). So notiert das "Lexikon des Internationalen Films": "Jean Renoir hat seine Kompositionskunst und seine Liebe zu dramatischen Details völlig ausgespielt in einem Film, der wie kaum ein anderer die "Belle Epoque" erstrahlen läßt; die Ausstattung wird dabei zum integralen Handlungselement." → filmdienst.de
  
"French Can Can": Abbildung DVD-Cover
sowie Szenenfoto mit Jean Gabin und Françoise Arnoul
Mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film, welche
den Musikfilm Mitte September 2013 als "Extended Edition"
(erstmals in ungekürzter  Fassung und digital restauriert)
auf DVD herausbrachte.
1958 trat Gabin als Protagonist Jean Valjean in der zweiteiligen, Co-Poproduktione "Les misérables" ("Die Elenden") nach dem gleichnamigen Roman1) von Victor Hugo1) in Erscheinung, realisiert von der DEFA1), der Pariser "Société Nouvelle Pathé Cinéma"1) und der italienischen "SERENA-Film" sowie inszeniert von Jean-Paul Le Chanois1). 1959 erhielt Gabin bei den "12. Internationalen Filmfestspielen Berlin"1) den "Silbernen Bär"1) für seine wunderbare, komödiantische Rolle des Clochards Archimedes in der Komödie "Archimède le clochard" ("Im Kittchen ist kein Zimmer frei").

"Im Kittchen ist kein Zimmer frei": Abbildung DVD-Cover
sowie Szenenfoto mit Jean Gabin als Clochard Archimedes
Mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film, welche
die Komödie Mitte April 2017 auf DVD herausbrachte.

"Im Kittchen ist kein Zimmer frei": Szenenfoto mit Jean Gabin als Clochard Archimedes; mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film, welche die Komödie Mitte April 2017 auf DVD herausbrachte. "Im Kittchen ist kein Zimmer frei": Abbildung DVD-Cover mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film, welche die Komödie Mitte April 2017 auf DVD herausbrachte.
Es folgten so erfolgreiche Produktionen wie beispielsweise die turbulente Geschichte "Un singe en hiver"1) (1962, "Ein Affe im Winter"), wo Gabin als dem Alkohol nicht abgeneigter Hotelier Albert Quentin bzw. ehemaliger Marineinfanterist beim französischen Expeditionskorps in China mit einem sympathischen Spießgesellen (Jean-Paul Belmondo) durch die Lande reiste.1964 glänzte Gabin in der amüsanten Geschichte "Monsieur"1) als der angesehene, arrivierte Bankdirektor und Grandseigneur vom Scheitel bis zur Sohle René Duchêne, genannt "Monsieur", dessen Welt durch den Tod seiner Ehefrau aus den Fugen geraten ist. Seine Absicht, sich vor lauter Trauer das Leben zu nehmen, wird durch sein ehemaliges Dienstmädchen, die jetzige Prostituierte Suzanne Duchênes (Mireille Darc1)), durchkreuzt, die ihm mitteilt, dass "Madame" ihn schon lange mit einem anderen betrogen habe. 
"Monsieur": Abbildung DVD-Cover mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film, welche die Komödie Mitte November 2020 auf DVD herausbrachte. "Monsieur": Szenenfoto mit Jean Gabin als René Duchêne alias Butler Georges Baudin; mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film, welche die Komödie Mitte November 2020 auf DVD herausbrachte. Unterstützt von Suzanne als seiner angeblichen Tochter betätigt "Monsieur" sich nun unter dem Namen "Georges Baudin" erfolgreich als Butler bei dem Konserven-Fabrikanten Bernadac (Philippe Noiret1)), dessen Gattin Elisabeth (Liselotte Pulver) eine keck-kapriziöse, dennoch charmante Hausherrin ist. "Unterhaltsame "unmoralische" Komödie mit glänzenden Hauptdarstellern" urteilt das "Lexikon des Internationalen Films".
 
"Monsieur": Abbildung DVD-Cover sowie Szenenfoto mit
Jean Gabin als René Duchêne alias Butler Georges Baudin
Mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film, welche
die Komödie Mitte November 2020 auf DVD herausbrachte.
In dem Publikumshit "Le clan des Siciliens"1) (1969, "Der Clan der Sizilianer") zeigte er sich unter anderem als der in kriminelle Geschäfte verstrickte sizilianische Familienpatriarch Vittorio Manalese mit Lino Ventura als Gegenspieler Kommissar Le Goff, sowie in dem düsteren Ehedrama "Le chat"1) (1971, "Die Katze") nach dem gleichnamigen Roman1) von Georges Simenon1) an der Seite von Simone Signoret. Beiden brachte die eindrückliche Gestaltung des alten Julien Bouin bzw. dessen gehbehinderten Ehefrau und ehemaligen Artistin Clémence auf der "Berlinale 1971"1) einen "Silbernen Bär"1)  als "Bester Hauptdarsteller" bzw. "Beste Hauptdarstellerin" ein. Großartig war auch Gabins Rolle des verurteilten Mörders bzw. Bauern Gaston Dominici1) in dem Thriller "L'affaire Domenici"3) (1973, "Die Affäre Dominici"), gedreht von Claude Bernard-Aubert1) nach dem authentischen, ungeklärten Kriminalfall: Dominici tötete am 4. August 1952 eine dreiköpfige britische Familie von Urlaubern, die er auf seinem Bauernhof im Tal der Durance1) unter freiem Himmel hatte übernachten lassen. Nach seiner Verhaftung am 13. November 1953 legte Dominici ein volles Geständnis ab, welches er später widerrief. Die am 28. November 1954 zunächst einstimmig verhängte Todesstrafe wurde per Gnadenakt seitens Charles de Gaulle1) in eine lebenslange Zuchthausstrafe umgewandelt, aus der er bereits 1960 altersbedingt freigelassen wurde. Übrigens sieht man Gérard Depardieu1) in einer seiner frühen Rollen, er mimte Dominicis Enkel, den jungen, geistig behinderten Roger Perrin, genannt "Zézé".
"Die Affäre Dominici": Abbildung DVD-Cover mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film, welche den Krimi Anfang März 2017 auf DVD herausbrachte. "Die Affäre Dominici": Szenenfoto mit Jean Gabin als Gaston Dominici; mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film, welche den Krimi Anfang März 2017 auf DVD herausbrachte. Bei filmdienst.de kann man lesen: "Der ungeklärt gebliebene Fall der Ermordung einer englischen Urlauberfamilie im französischen Süden. Ein von seinen Söhnen beschuldigter alter Bauer wurde ohne schlüssige Beweise zum Tode verurteilt, von de Gaulle jedoch später begnadigt. Die Darstellung bemüht sich um nüchterne Sachlichkeit und hat mehr dokumentarischen als dramatischen Charakter; zugleich zeichnet sie ein Sittenbild vom festen Zusammenhalt eines Familienclans und attackiert die Befangenheiten und Unzulänglichkeiten von Kriminaluntersuchung und Justiz. Durch die hervorragende Charakterstudie von Jean Gabin schauspielerisch überragend."
 
"Die Affäre Dominici": Abbildung DVD-Cover sowie
Szenenfoto mit Jean Gabin als Gaston Dominici
Mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film, welche
den Krimi Anfang März 2017 auf DVD herausbrachte.
Nach dem Gangsterstreifen "Deux hommes dans la ville"1) (1973, "Endstation Schafott") mit der Figur des alten, erfahrenen Bewährungshelfers Germain Cazeneuve, der sich um den um den frisch entlassenen Bankräuber Gino Strabliggi (Alain Delon) kümmert, und dem Krimi-Drama "Le verdict"2) (1974, "Das Urteil") trat Gabin mit Jean-Claude Brialy als Partner für die Komödie "L'année sainte"2) (1976, "Zwei scheinheilige Brüder") letztmalig vor die Kamera. "Eine Gaunerkomödie um zwei ausgebrochene Verbrecher, die das Heilige Jahr benutzen, um als Priester verkleidet nach Rom zu kommen, dabei aber in eine Flugzeugentführung geraten. Unterhaltsame Komödie mit Starbesetzung." schreibt filmdienst.de.
Ab Mitte der 1950er Jahre war Gabin häufig in Rollen autoritärer, zuweilen auch Selbstjustiz favorisierender Charaktere von stoischem Zuschnitt zu sehen. Die Anschauungen Gabins wurden kaum mehr unterscheidbar, so unter anderem mit der Rolle des Kommissar Maigret1), den er 1958 in Jean Delannoys1) Simenon-Verfilmung "Maigret tend un piège"1) ("Kommissar Maigret stellt eine Falle") nach dem gleichnamigen Krimi1) erstmalig darstellte. Zwei weitere Filme mit Gabin als Maigret folgten, so "Maigret et l'affaire Saint-Fiacre"4) (1959, "Maigret kennt kein Erbarmen") nach dem Roman "L'affaire Saint-Fiacre"1) und "Maigret voit rouge"3) (1963, "Kommissar Maigret sieht rot") nach "Maigret, Lognon et les gangsters"1).
Gemeinsam mit dem großen Fernandel (1903 – 1971) besaß Gabin zeitweilig eine einige Filmproduktionsfirma, die "GAFER" (= GAbin + FERnandel), bei der er 1965 mit seinem Partner in der prächtigen Komödie "L'âge ingrat"2) ("Flegelalter") zusammenwirkte → Übersicht Filmografie.
 
Der Privatmann Gabin lebte sehr zurückgezogen und entzog sich weitgehend dem Glamour der Filmindustrie. Neben der Schauspielerei leistete er sich ein kostspieliges Hobby, betrieb in der Normandie ein 100 Hektar großes Gut, wo er Trabrennpferde züchtete. 

Der 1960 zum "Ritter der Ehrenlegion" ernannte Jean Gabin, einer der führenden Charakterdarsteller des französischen Kinos, starb am 15. November 1976 im Alter von 72 Jahren in der Privatklinik "Hôpital américain de Paris" im Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine1) an Herzversagen bzw. einem Lungeninfarkt. Nur wenige Wochen zuvor war er mit einem mit einem "Spezial-César"1) für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden. Sein Leichnam wurde eingeäschert und die sterblichen Überreste mit militärischen Ehren bzw. von dem Marineschiff, der Korvette "Détroyat", vor dem Atlantikhafen Brest1) in der See verstreut.
In erster Ehe war die Kinolegende seit 26. Februar 1925 bis 1930 mit der Schauspielerin Gaby Basset5) (1902 – 2001) verheiratet gewesen. Am 20. November 1933 ehelichte er die Tänzerin Suzanne Marguerite Jeanne Mauchain (1900 – 1965), doch auch diese Verbindung hielt nur knapp zehn Jahre und endete am 19. Januar 1943 vor dem Scheidungsrichter. Ehefrau Nr. 3 wurde am 28. März 1949 das Mannequin Christiane "Dominique" Fournier
(1918 – 2002), mit der er bis zu seinem Tod zusammen lebte. Gabin hinterließ außer seiner Ehefrau die drei gemeinsamen Kinder Florence (geb. 1949), Valérie (geb. 1952) und Mathias (geb. 1956); Florence Moncorgé-Gabin wurde später eine erfolgreiche Schriftstellerin und Drehbuchautorin, deren 1981 geborener Sohn Jean Paul Moncorgé-Gabin trat als Schauspieler in die Fußstapfen seines Großvaters. Weiterhin soll Gabin noch Vater von drei weiteren Kindern gewesen sein, Mary Moncorgé, Cleia Moncorgé und Alexis Moncorgé.

Während seiner 60 Jahre umspannenden beeindruckenden Leinwandkarriere war Gabin in über 90 Kinofilmen zu sehen und etablierte sich als einer der ganz Großen des französischen Films. Er war in den unterschiedlichsten Rollen zu sehen, überzeugte als Aristokrat ebenso wie als Bauer, spielte den Clochard genau so gut wie den vornehmen Herrn, konnte einen Dieb oder gerissenen Gauner ebenso lebensnah wie einen Managertypen darstellen und war der nachdenkliche Kommissar Maigret mit der Pfeife im Mundwinkel. Man sagte ihm nach, dass er nie seine Rollen "spielte", sondern er selbst zu der Figur wurde, die er in jedem seiner Filme darstellte. Eine Umfrage von "PARIS MATCH" stellte Gabin 1996 neben General Charles de Gaulle1) unter die markantesten Franzosen unseres Jahrhunderts. 1981 war der "Jean-Gabin-Preis"1) ins Leben gerufen worden, mit dem jährlich ein männlicher Nachwuchsschauspieler ausgezeichnet wird.
Nicht nur in Frankreich ist Jean Gabin im Rahmen der Serie "Acteurs de cinéma français" neben Romy Schneider, Simone Signoret, Bernhard Blier, Louis de Funes und Lino Ventura mit einer Briefmarke geehrt worden, 2001/2002 erschien auch in Deutschland eine Wohlfahrtsmarke mit dem Konterfei des großen französischen Schauspielers. In der Gemeinde Mériel, in der Gabin seine Kindheit und Jugend verbrachte, existiert heute auf seinem früheren Anwesen ein Museum ("Musée Jean Gabin") → Foto bei Wikimedia Commons; Webpräsenz: www.musee-gabin.com; zudem erinnert in Mériel eine Büste an den legendären Künstler → Foto bei Wikimedia Commons.
Der von Michel Viotte realisierte Dokumentarfilm mit dem Titel "Jean Gabin – Eine Fresse zum Verlieben"3) (2001, "Jean Gabin, gueule d'amour"), angelehnt an den Titel der von Jean Grémillon1) inszenierten gleichnamigen Tragikomödie2) aus dem Jahre 1937 mit Gabin als Prototyp des "proletarischen Helden", ist eine Hommage an diesen Schauspieler, der – obwohl er zu den Bekanntesten seiner französischen Kollegen zählt – doch immer wieder verkannt wird. Der Dokumentarfilm kombiniert seltene Videoaufnahmen und Photos mit bisher unveröffentlichten Interviews und ermöglicht so der Person Gabins näher zukommen und die enge Verbindung zwischen Lebensweg und Entwicklung der Karriere des Schauspielers besser zu verstehen. Eine hervorragende Begegnung eines Schauspielers mit seinem Publikum, das auch heute noch diesem exzessiven, mürrischen, aber immer durch und durch ehrlichen Mann die Treue hält. (Quelle: prisma.de)

Textbausteine des Kurzportraits von prisma.de
Siehe auch Wikipedia
*) nach anderen Angaben in Mériel, einer kleinen Gemeinde im französischen Departement Val d'Oise; hier verbrachte er jedoch seine Kindheit
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