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Über zwei Jahrzehnte lang war er einer der größten deutschen Schauspieler,
für viele sogar "der Jahrhundertschauspieler": Heinrich George. Geboren am 9. Oktober 1893 in Stettin als Georg August Friedrich Hermann Schulz (seit 1932 auch mit bürgerlichem Namen Heinrich George) und Sohn eines ehemaligen Deckoffiziers besuchte er später die Oberrealschule in Berlin und zeigte schon als Schüler großes Interesse für das Theater; noch vor dem Abitur verließ er die Schule, um in seiner Geburtsstadt Schauspielunterricht zu nehmen. Erste Engagements am Kolberger Stadttheater, in Bromberg (heute Polen) sowie am Hoftheater von Neustrelitz in Mecklenburg schlossen sich ab 1912 an. Mit Ausbruch des 1. Weltkrieges meldete der junge Schauspieler sich freiwillig zu den Pionieren, wurde im Winter 1915 schwer verwundet und 1917 aus dem Kriegsdienst entlassen.
George, der seine Schauspieltechnik einmal als "kontrollierte Trance" bezeichnet hat (Berliner illustrierte Nachtausgabe, 8.10.1943), hatte seine besten Szenen immer dann, wenn er ganze Passagen in einem Stück durchgehend spielen konnte, so gilt beispielsweise seine Verteidigungsrede in "Affäre Dreyfus" (1930) noch heute als "meisterlich". "Der Postmeister" ist einer der berühmtesten Filme des großen deutschen Schauspielers Heinrich George. Es ist nicht nur einer seiner berühmtesten Filme, sondern auch eines der besten Beispiele für Filmpropaganda während des Dritten Reiches, auch wenn der Filminhalt scheinbar ganz unpolitischer Natur war. Denn nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 verschwand "Der Postmeister" schnell aus den deutschen Lichtspielhäusern, weil er vom nunmehrigen Feind ein zu menschliches und freundliches Bild zeichnete. In der Zeit vor dem "Unternehmen Barbarossa", der Zeit des Nichtangriffspakts zwischen Hitler und Stalin, war es genau umgekehrt. |
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War Heinrich George in den 20er Jahren Sympathisant der Kommunisten
gewesen, so wandelte er sich jedoch mit der Machtübernahme der
Nationalsozialisten zum bereitwilligen Unterstützer der neuen Ideologie. Er
spielte Hauptrollen, wenn auch nur wenige, in notorischen Propagandafilmen wie
"Hitlerjunge Quex"1),
"Jud Süß"1)
und "Kolberg"1).
Schließlich wurde er als "Staatsschauspieler" ausgezeichnet und
bekam 1937 die Intendanz des Berliner Schillertheaters übertragen, die
er Ende 1938 nach dem Umbau des Hauses antrat. George holte die großen
Regisseure und Schauspieler jener Zeit wie Fehling und Felsenstein,
Paul Wegener und Horst Caspar, Ernst Legal und den jungen
Will Quadflieg an die Bühne und spielte seine berühmten Rollen mit
vitaler Kreatürlichkeit und Urigkeit. "Er war ein so besessener
Schauspieler, dass er ohne Theater nicht hätte leben können", urteilte
Will Quadflieg über seinen ehemaligen Kollegen und Intendanten
Heinrich George.
Nach dem Zusammenbruch und Ende des 2. Weltkrieges wurde George von den Russen verhaftet und in Hohenschönhausen interniert, später in das sowjetische Speziallager 2, das ehemalige KZ Sachsenhausen bei Oranienburg verbracht, das den Russen nach dem Sieg über die Nazis in die Hände gefallen war. Auch hier brachte es George trotz geschwächten Gesundheitszustandes und seelischen Leidens fertig, eine Lagertheatertruppe zusammenzustellen und mit dieser den "Faust" mit ihm in der Titelrolle einzustudieren. Aufgrund verdorbener Nahrungsmittel musste George am Blindarm operiert werden. Die Behandlung wurde jedoch solange hinausgezögert, bis der Eingriff zu spät kam. Zwei Tage nach der Operation starb Heinrich George am 26. September 1945 in Sachsenhausen wenige Wochen vor seinem 52. Geburtstag. Als "Sondervergünstigung" wurde ihm von der Lagerkommandantur ein Sarg bewilligt, in dem er im angrenzenden Oranienburger Wald begraben wurde. Nach dem Ende der DDR wurde das lange verschollene Grab ausfindig gemacht, die sterblichen Reste identifiziert und George schließlich Mitte Oktober 1994 auf dem Friedhof Berlin-Zehlendorf im Kreise von Familie und Freunden beigesetzt (Der Link führt zu www.gbbb-berlin.com, mit einem Foto der Grabstätte Heinrich Georges). Mag Georges Wirken während der Nazi-Zeit auch umstritten sein, unbestritten ist die schauspielerische Kraft und Dominanz des vielschichtigen Charakterdarstellers. Mehr als 50 Jahre nach dessen Tod im NKDW-Lager Sachsenhausen plädierten mit Will Quadflieg, Gisela Uhlen und vielen anderen nicht zuletzt auch Georges Söhne Götz und Jan für ein Ende der Verurteilung Heinrich Georges als Nazi und Staatskünstler des Dritten Reiches. Tatsächlich war George nie Mitglied irgendeiner Parteiorganisation der NSDAP, tatsächlich hat seine Moskauer Akte kein belastendes Material hervorgebracht. Beifall und Begünstigung der braunen Elite hat er freilich gern genossen, hat ihr formell gehuldigt und in den meisten "großen" Propagandafilmen wichtige Rollen gespielt. Heinrich George war der einzige unter Deutschlands bedeutenden Künstlern, der nach Kriegsende ein solch tragisches Ende fand, zurück blieb das hässliche Bild eines Mitläufers. Ihm bot sich nicht wie seinen Kollegen die Chance, durch neue Arbeiten das einstige Bild verblassen zu lassen und Korrekturen einzufordern. Überlebt hat er in den Erinnerungen, in den Filmen und in seinem berühmten Sohn Götz George. Seit 1933 war Heinrich George mit der Schauspielerin Berta Drews2) (1905 1987) verheiratet gewesen, die häufig mit ihm auf der Bühne stand. Sohn Götz George3) kam 1938 zur Welt, und avancierte später ebenfalls zu einem renommierten Schauspieler. Der ältere Bruder Jan George (geb. 1931) machte sich einen Namen als Fotograf, Dokumentar- und Werbefilmer. Über den großen Charakterdarsteller Heinrich George ist viel geschrieben worden: Im März 2000 veröffentlichte Kurt Fricke "Spiel am Abgrund. Heinrich George, eine politische Biographie"; das Buch entstand 1999 aus einer Dissertation an der MLU Halle-Wittenberg und enthält eine Fülle von dokumentarischem Material. Behandelt wird der Aufstieg Georges zum umjubelten Film- und Theaterstar in der Weimarer Republik, sein Engagement für die sozial Schwachen in dieser Zeit, seine Tätigkeit unter Erwin Piscator, seine Entscheidung 1933 in Deutschland zu bleiben, die Einbindung in den NS-Kulturbetrieb, die Hilfe für gefährdete Kollegen und Mitmenschen sowie das Ende in sowjetischer Lagerhaft. Bereits 1996 war von Heinrich George und Peter&Laregh (Herausgeber) "Heinrich George. Komödiant seiner Zeit" erschienen sowie zwei Jahre später "Heinrich George. Mensch, aus Erde gemacht. Die politische Biographie" von Werner Maser. Basierend auf teils sensationellen Dokumenten aus deutschen und russischen Archiven, zeichnet das Buch umfassend die immer wieder kontrovers diskutierten politischen Intentionen des großen Schauspielers Heinrich George nach, seine "Beziehungen" zu den jeweiligen Machthabern, seine innere Haltung wie öffentliche Wirkung. |
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| Link: 1) Filmbeschreibung der Murnau-Stiftung, 2) Wikipedia, 3) Kurzportrait innerhalb dieser Webpräsenz | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Textbausteine des Kurzportraits aus:
"Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf
Heinzelmeier/Berndt Schulz, CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film sowie Dirk Jaspers Filmlexikon und www.prisma-online.de; Siehe auch www.dhm.de, www.cyranos.ch, Wikipedia Fotos bei film.virtual-history.com |
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