Horst Caspar, fotografiert von Hanns Holdt (1887 – 1944); Quelle: cyranos.ch; Lizenz: gemeinfrei Horst Caspar (Horst Joachim Arthur Caspar) wurde am 20. Januar 1913 als Sohn eines ehemaligen Offiziers in der Kleinstadt Radegast1) (heute Ortsteil von Südliches Anhalt1)) geboren. Sein Interesse galt schon früh dem Theater, daher ließ er sich in Berlin von Lucie Höflich (1883 – 1956) und Ilka Grüning (1876 – 1964), zwei berühmten Theater- und Filmdarstellerinnen jener Zeit, zum Schauspieler ausbilden. Sein Bühnendebüt gab Caspar 1933 am "Bochumer Stadttheater"1), wo er von Intendant Saladin Schmitt1) gefördert wurde. 1934 gestaltete er in Bochum anlässlich der "Schiller-Woche" den Karl Moor in "Die Räuber"1), den Ferdinand in "Kabale und Liebe"1), den Max Piccolomini1) in "Wallenstein"1)und den Don Cesar in "Die Braut von Messina"1), diese Darstellungen begründeten seinen Ruf als idealer Schiller-Jüngling.*) 1938 folgte er einem Ruf Otto Falckenbergs1) an die "Münchner Kammerspiele"1), wo er 1939 Erfolge als Titelheld in dem Kleist-Drama "Prinz Friedrich von Homburg"1) und der Shakespeare-Tragödie "Hamlet"1)  feierte. 1940 wechselte er nach Berlin an das von Heinrich George geleitete "Schillertheater"1), wo er bis zur kriegsbedingten Schließung im Jahre 1944 auf der Bühne stand. Als nach den "Nürnberger Rassengesetzen"1) so genannter "Mischling zweiten Grades" erhielt er unter dem NS-Regime eine Sondererlaubnis, um als Schauspieler arbeiten zu dürfen.

Horst Caspar, fotografiert von Hanns Holdt1) (1887 – 1944)
Quelle: cyranos.ch; Angaben zur Lizenz siehe hier

Auch am "Schillertheater" wiederholte er in einer Inszenierung von Jürgen Fehling1) seinen Triumph als "Prinz von Homburg", hierzu schrieb unter anderem Florian Kienzl im Berliner "12 Uhr Blatt" (08.02.1940): "Der Prinz von Homburg ist Horst Caspar aus München. Ein Darsteller, der gewiß zu den schönsten Erwartungen berechtigt. Ein edel geschnittenes Gesicht mit ungewöhnlicher Ausdrucksfähigkeit, ein strahlendes Temperament. Unter der Zucht Fehlings ist er noch nicht ganz frei im Sprachlichen. Aber es gibt Szenen, wie die erste Liebesszene mit Natalie, die ich noch nie mit solcher Innigkeit gefüllt sah."*) Eine weiteres herausragendes Spiel Caspars war 1940 die Figur des Jacob Doorn in dem Stück "Der Strom" von Max Halbe1), ebenfalls in Szene gesetzt von Jürgen Fehling.
Eine weiteres herausragendes Spiel Caspars war 1940 die Figur des Jacob Doorn in dem Stück "Der Strom" von Max Halbe, ebenfalls in Szene gesetzt von Jürgen Fehling. Er brillierte beispielsweise als Friedrich Wetter Graf vom Strahl in dem Kleist-Schauspiel "Das Käthchen von Heilbronn"1) (1943) oder mit der Titelrolle in Goethes "Urfaust"1) (1944; Regie: Heinrich George). Zudem gab er seit 1942 Gastspiele am Wiener "Burgtheater"1), beeindruckte dort unter anderem als Protagonist in Goethes "Torquato Tasso"1) (1942; Regie: Karlheinz Martin1)).
 
Nach Ende des 2. Weltkrieges trat Caspar zwischen 1945 und 1948 in Berlin am "Deutschen Theater"1) auf, glänzte hier zur Spielzeit 1945/46 in einer Inszenierung von Gustav von Wangenheim als Shakespeare'scher "Hamlet"1), an der Seite unter anderem von Walter Richter (Claudius), Gerda Müller1) (Gertrude) und Agathe Poschmann1) (Ophelia). 1947 begeisterte er Publikum und Kritiker gleichermaßen als Orest1) in Goethes "Iphigenie auf Tauris"1), derJournalist und Literaturwissenschaftler Paul Rilla1) schwärmte: "Horst Caspar ist der moderne Darsteller, der das klassische Maß hat.".*)

Horst Caspar mit der Titelrolle in "Hamlet" von William Shakespeare
am "Deutschen Theater" in Berlin im Dezember 1945, Regie: Gustav von Wangenheim;
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0000036_025) © SLUB Dresden/Deutsche Fotothek
Urheber: Abraham Pisarek1) (1901–1983); Datierung: 1945.12 / Lizenz CC-BY-SA 3.0
Originalfoto und Beschreibung: Wikimedia Commons bzw. Wikipedia; → weitere Fotos

Horst Caspar mit der Titelrolle in "Hamlet" von William Shakespeare am "Deutschen Theater" in Berlin im Dezember 1945; Copyright: SLUB Dresden/Deutsche Fotothek; Urheber: Abraham Pisarek; Datierung: 1945.12 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
"Salzburger Festspiele" 1948, Horst Caspar als Leander; Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Körperschaft: United States Information Service1) (USIS); Copyright ÖNB Wien/USIS; Bildarchiv Austria (Inventarnummer US 20.306) Gastspiele gab er auch Münchner Bühnen und am Berliner "Renaissance-Theater"1), beispielsweise 1945 als erfolglose Schauspieler Henri in der Groteske "Der grüne Kakadu"1) von Arthur Schnitzler1). Bei den "Salzburger Festspielen"1) konnte man den Charaktermimen ebenfalls bewundern, als Ernst Lothar1) dort 1948 das Trauerspiel "Des Meeres und der Liebe Wellen" (→ franzgrillparzer.at) von Franz Grillparzer1) inszenierte, besetzte er Caspar als Leander, Paula Wessely gab dessen Geliebte Hero sowie unter anderem Karl Paryla Leanders Freund Naukleros und Judith Holzmeister die Dienerin Janthe → gutenberg.spiegel.de.
1949 und 1952 arbeitete Caspar bei Gustaf Gründgens am "Düsseldorfer Schauspielhaus"1), spielte hier 1949 unter anderem einmal mehr den "Torquato Tasso" und die Titelrolle in Goethes "Faust I". sowie 1952 den Königssohn Sigismund in dem Versdrama "Das Leben ein Traum"1) von Pedro Calderón de la Barca1).
 

Foto: "Salzburger Festspiele" 1948, Horst Caspar als Leander
in "Des Meeres und der Liebe Wellen" von Granz Grillparzer
Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek1) (ÖNB)
Körperschaft: United States Information Service1) (USIS)
© ÖNB Wien/USIS; Bildarchiv Austria (Inventarnummer US 20.306)

In den 1950er Jahren erlebte man Horst Caspar beispielsweise am Berliner "Hebbel-Theater"1) unter der Regie von Fritz Kortner seit der Premiere am 3. Dezember 1950 als Marquis von Posa in Schillers "Don Karlos"1) (1950), Kortner selbst hatte das Stück neu für die Bühne bearbeitet und verkörperte zudem den König Philipp II.1); die Inszenierung rief damals Proteste wegen antitotalitärer Aktualisierung hervor → www.zeit.de. An den "Münchner Kammerspielen" stellte er für Fritz Kortner den Major von Tellheim in dem Lessing-Lustspiel "Minna von Barnhelm"1) (Premiere: 06.11.1951) an der Seite von Titelheldin Maria Wimmer dar, zur gleichen Spielzeit setzte Hans Schweikart1)  zunächst in München sowie anschließend in Berlin Büchners Drama "Dantons Tod"1) mit Caspar in der Titelrolle des Georges Danton1) in Szene.
War das Theater seine eigentliche Domäne, so ist der Schauspieler doch auch mit seinen wenigen Leinwandrollen in nachhaltiger Erinnerung geblieben: 1940 verkörperte er in Herbert Maischs1) Literaturadaption "Friedrich Schiller – Der Triumph eines Genies"1), gedreht nach dem Roman "Leidenschaft" von Norbert Jacques1) über Schillers künstlerische Anfänge, den Dichter Friedrich Schiller.
Horst Caspar als Friedrich Schiller und Hannelore Schroth als Laura Rieger in "Friedrich Schiller-Der Triumph eines Genies", einem Historienfilm aus dem Jahre 1940; Foto: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung Der Film, der von den Nazis eigentlich als Darstellung einer idealistischen Führerfigur gedacht war, verkehrte sich ins Gegenteil, wurde vom Publikum eher als Sehnsucht nach Freiheit vom Joch des Tyrannen verstanden: Herzog Karl Eugen von Württemberg1) (Heinrich George) lässt die begabtesten Söhne des Landes an einer von ihm gegründeten Militärakademie zu Offizieren, Juristen und Medizinern ausbilden. Auch der junge Friedrich Schiller muss sich widerwillig dieser harten Schule unterziehen, weshalb er sich gegen den despotischen Landesherren auflehnt und heimlich seine "Räuber"1) schreibt. Nach der Uraufführung stellt sich Schiller unerschrocken dem Strafgericht in Stuttgart, wo er "Freiheit dem Geist, Freiheit dem Volk" fordert. Beim Herzog in Ungnade gefallen, soll Schiller eine lebenslange Kerkerhaft absitzen. Er kann jedoch fliehen und sich außer Landes in Sicherheit bringen, wo er sich frei und ungezwungen seinen Dichtungen widmen kann…2)
 
 
 
Horst Caspar als Friedrich Schiller
und Hannelore Schroth als Laura Rieger
in "Friedrich Schiller – Der Triumph eines Genies"
einem Historienfilm aus dem Jahre 1940 
Foto mit freundlicher Genehmigung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
In Veit Harlans, bis heute zu den Vorbehaltsfilmen1) zählende NS-Durchhaltestreifen "Kolberg"1) (1945) verkörperte Caspar neben Kristina Söderbaum (Maria) und Heinrich George (Joachim Nettelbeck1)) eindrücklich den preußischen Generalfeldmarschalls Graf Neidhardt von Gneisenau1): Der 1943/44 mit großen Aufwand an Menschen und Material im Auftrag von Goebbels1) inszenierte Durchhaltefilm "Kolberg" schildert in tendenziös verfälschter Weise den Widerstand der Kolberger Bürger gegen die Truppen Napoleons in den Jahren 1806/07. Es wurde der letzte fertiggestellte Spielfilm aus der nationalsozialistischen Propaganda-Fabrik, ein monumentales Dokument der Geschichtsverfälschung, Anmaßung und fatalen Vereinnahmung, zudem inszenatorisch eher schwach. Nachdem der Film lange Jahre in den Archiven verschwunden war, kam er als "30. Januar 1945" in vollständiger Fassung 1965 wieder in die Kinos, umrankt von einer erklärenden Dokumentation, die den Film in die Verhältnisse zur Zeit seiner Entstehung einzuordnen versuchte, indem sie die im Film geschilderten Ereignisse den tatsächlichen Begebenheiten entgegensetzte. In den Vorspann wurde auch die vollständige "Deutsche Wochenschau"Nr. 3/1945 eingearbeitet. Ein durchaus ernsthafter und mit Sachkenntnis unternommener, insgesamt aber dennoch nicht überzeugender Versuch, ideologische NS-Filme als Diskussionsangebot und "zeithistorische Belehrung" wieder ins Kino zu bringen.3) Horst Caspars letzte Arbeiten für das Kino waren dann neben Heidemarie Hatheyer und Paul Klinger die Titelfigur in "Begegnung mit Werther"1) (1949), ein Film, den Karl-Heinz Stroux1) nach dem Goethe-Roman "Die Leiden des jungen Werthers"1) anlässlich des 200. Geburtstags des deutschen Dichterfürsten für die Leinwand inszeniert hatte, sowie seine Hauptrolle des Reporters Peter Zabel, der in Helmut Käutners1) Politthriller "Epilog – Das Geheimnis der Orplid"1) (1950) die Hintergründe einer Schiffskatastrophe aufklären will.
Verschiedentlich stand Caspar auch im Hörspielstudio, eine Auswahl der bei der ARD Hörspieldatenbank gelisteten Produktionen findet man hier.
Eine hehre schlanke Gestalt, blauäugig, mit offenen Zügen, war er das Ideal des romantisch-heldischen Jünglings. Von nervöser Empfindsamkeit und Leidenschaftlichkeit, beherrschte er virtuos alle theatralischen Mittel, schien er wie in Trance zu agieren. Preußische Strenge verbanden sich bei ihm mit der Tiefe des Gefühls. Ein Held der Übergangszeit, der zum einen das "deutsche Wesen" verkörperte, aber dennoch zu den Gezeichneten, den Davongekommen zählte.4)
 
Mit nur 39 Jahren starb der Charakterdarsteller überraschend am 27. Dezember 1952 in Berlin-Dahlem1) an einem Blutsturz; die letzte Ruhe fand Horst Caspar in einem Ehrengrab auf dem dortigen "St.-Annen-Kirchhof"1) bzw. dem "Friedhof Dahlem"1) → Foto der Grabstelle bei knerger.de sowie Wikimedia Commons.
Seit 1944 war Caspar mit Schauspielerkollegin Antje Weisgerber (1922 – 2004) verheiratet, die später neben ihrem Mann beigesetzt wurde; aus der Verbindung stammt(e) Sohn Frank, der 1952 kurz nach seinem Vater verstarb, sowie Tochter Renate.
Seit 30. Mai 1967 erinnert der Der "Horst-Caspar-Steig" in Berlin-Neukölln1) an den großen Mimen, dessen ganze Liebe dem Theater galt und der sich vor allem durch seine Interpretation klassischer, jugendlicher Heldenrollen einen Namen machte. Im Münchner Stadtbezirk Ramersdorf-Perlach1) gedenkt man seit 1981 mit der "Horst-Caspar-Straße" ebenfalls dem Schauspieler.

Porträt des Schauspielers Horst Caspar
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0000087_010)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek
Urheber: Abraham Pisarek1) (1901–1983); Datierung: ungenannt;
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017

Portrait des Schauspielers Horst Caspar; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0000087_010); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek; Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983); Datierung: ungenannt; Quelle: www.deutschefotothek.de
Quelle (unter anderem: "Henschel Theaterlexikon"*)  
Siehe auch Wikipedia, filmportal.de 
*) "Henschel Theaterlexikon", Hrsg. C. Bernd Sucher (Henschel Verlag, 2010, S. 129/130)
Fremde Links: 1) Wikipedia
Quellen:
2) Jan-Eric Loebe, von der nicht mehr existenten Seite .deutscher-tonfilm.de
3) Lexikon des internationalen Films
4)  "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S. 62)
Lizenz Foto Horst Caspar (Urheber: Hanns Holdt):
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(Fremde Links: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung), Wikipedia)
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