Hans Clarin 01; Copyright Virginia Shue Hans Clarin wurde am 14. September 1929 als Hans Joachim Schmied und Sohn eines Beamten in Wilhelmshaven geboren, kurze Zeit nach der Geburt zog die Familie nach Frankfurt am Main; dort besuchte Clarin später ein humanistisch-musisches Gymnasium. Nach dem Abitur – inzwischen lebte Clarin in Ulm – besuchte er ab 1946 zwei Jahre lang die renommierte, private Schauspielschule von Ruth von Zerboni1) (1903 – 1991) und ließ sich zum Schauspieler ausbilden. Sein Bühnendebüt gab er 1950 in München als "Attalus" in Grillparzers "Weh dem, der lügt", war zuerst an den "Kammerspielen" sowie von 1961 bis 1967 am "Bayerischen Staatsschauspiel" engagiert; darüber hinaus gab er zahlreiche Gastspiele und war unter anderem auch bei den Salzburger Festspielen zu sehen. Im Laufe der Jahre spielte Clarin, der 1961 zum "Bayerischen Staatsschauspieler" ernannt worden war, Rollen in Klassikern von Molière, Nestroy, Strindberg oder Shakespeare, so glänzte er beispielsweise als Puck in Shakespeares "Ein Sommernachtstraum", zeigte aber auch in anspruchsvollen Boulevardstücken wie "Charley's Tante" seine darstellerische Vielseitigkeit und auch das Musical und die Oper gehörten zu seinem Wirken. Auf einen bestimmten Typus war er nie festgelegt, mimte sowohl tragische als auch komische Figuren → Übersicht zum Theaterwirken (Auszug) bei Wikipedia.
  
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der
Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt. 
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
Nicht zuletzt durch mehr als 100 TV- und zwei Dutzend Kinorollen wurde Hans Clarin schnell einem breiten Publikum bekannt und eroberte sich einen festen Platz unter den deutschen Charakter- und Komödien-Darstellern, wird jedoch vor allem dem Fernsehpublikum durch seine hintergründig-heiteren Rollen in nachhaltiger Erinnerung bleiben.
Erste Erfahrungen vor der Kamera hatte Clarin bereits 1949 mit einer winzigen Rolle in Josef von Bákys "Der Ruf"1) gemacht, 1953 folgte die Titelfigur in dem Märchenfilm "Zwerg Nase"1) , ein Jahr später die Rolle des "Siebengescheit" in "
Die goldene Gans"1) (1953). Weitere Produktionen in den 1950ern waren beispielsweise das Melodram "Oberarzt Dr. Solm"1) (1954, mit Hans Söhnker), Kurt Hoffmanns Komödie "Feuerwerk"1) (1954, mit Lilli Palmer) und das Erfolgs-Lustspiel "Das Wirtshaus im Spessart"1) (1958, mit Liselotte Pulver), ebenfalls unter der Regie von Kurt Hoffmann. In dessen Fortsetzung "Das Spukschloss im Spessart"1) mimte er 1960 erneut neben Liselotte Pulver einfach herrlich den Prinzen Kalaka, als Fred, den missratenen Bruder von Max' Gattin Pauline, sah man ihn in dem Rühmann-Film "Max, der Taschendieb"1). In dem Wallace-Krimi "Das indische Tuch"1) agierte er 1963 als wahnsinniger Lord Edward Lebanon jr. und in "Zimmer 13"1) gab er im gleichen Jahr den Mr. Igle, gemeinsam mit Hildegard Knef stand er für den Thriller "Wartezimmer zum Jenseits"1) (1964) vor der Kamera. 1967 drehte er mit Gila von Weitershausen "Engelchen oder die Jungfrau von Bamberg"1), 1969 war er der Dr. Glücklich in "Pepe, der Paukerschreck"1) an der Seite von Uschi Glas. Kurz darauf zeigte Clarin sich als "Donner-Karlsson" in Olle Hellboms Astrid Lindgren-Verfilmung "Pippi Långstrump"1) (1969, Pippi Langstrumpf), eine Figur, die er 1969 auch in der gleichnamigen schwedischen TV-Serie sowie in der Kino-Fortsetzung "Här kommer Pippi Långstrump" (1969, Pippi Langstrumpf: Pippi geht von Bord) verkörperte.
  
Im Fernsehen spielte er unter anderem in so bekannten Serien wie "Weißblaue Geschichten"1) (1985), "Tante Tilly" (1986)", "Fest im Sattel" (1988), "Rivalen der Rennbahn" (1989) oder "Titus, der Satansbraten" (1997), auch in beliebten Krimi-Reihen wie "Ein Fall für zwei", "Der Alte" oder "Tatort" war er auf dem Bildschirm präsent; bis zuletzt gehörte Clarin in zahlreichen weiteren Fernsehproduktionen zu den Publikumslieblingen. Eine schöne Rolle war beispielsweise die des Bürgermeisters Paul Schneck in der RTL-Serie "Peter und Paul"1) (1994), der mit seinem Verwandten und Amtskollegen Peter Elfinger alias Helmut Fischer auf humorvolle Weise so manchen Nachbarschaftsstreit ausficht. Herrlich auch seine Rolle als Dorfpfarrers Gustav in "Hochwürden erbt das Paradies" (1993; → film.at), eine lose Reihe, die mit "Hochwürdens Ärger mit dem Paradies"2) (1996) und "Hochwürden wird Papa"2) (2002) ihre Fortsetzung fand.
 
Szenenfoto aus "Der Spatzenmörder" (1988); Regie: Wolfgang Gremm; mit freundlicher Genehmigung von www.ziegler-film.com; Copyright Ziegler Film GmbH & Co. KG
Szenenfoto aus "Der Spatzenmörder" (1988)
Regie: Wolfgang Gremm
mit freundlicher Genehmigung von www.ziegler-film.com
© Ziegler Film GmbH & Co. KG

Auch durch seine markante Stimme, die er unter anderem in den 1980er Jahren dem bekannten Fernsehkobold "Pumuckl" lieh, bleibt Hans Clarin in nachhaltiger Erinnerung, die krähenden Kobold-Kommentare wurden zu seinem Markenzeichen, die auch auf zahlreichen Audio-Kassetten zu hören sind. Den anarchischen Kobold synchronisierte er auch 1994 in dem Kinofilm "Pumuckl und der blaue Klabauter"1). Das Hörspielgespenst "Hui Buh" spricht ebenfalls mit Clarins Stimme, unverwechselbar und berühmt machte er mit seinem selbst ausgedachten "Kookie-Kiekser" den Krimiassistenten Kookie (Ed Byrnes) in der legendären amerikanischen US-Serie "77 Sunset Strip"3).

Darüber hinaus machte sich Clarin als Regisseur einen Namen, veröffentlichte unter anderem das Jugendbuch "Paquito oder Die Welt von unten", das unter seiner Regie verfilmt wurde. 1994 trat er auch als Sänger auf, zusammen mit Maxie erreichte er beim " Grand Prix der Volksmusik" mit dem Lied " Das Mädchen und der Clown" immerhin den achten Platz. Seine Erinnerungen brachte das Allround-Talent 1995 unter dem Titel "Hans Clarin – Durchgeblättert" auf den Markt und lässt darin mit "Herz, Humor und Augenzwinkern" sein Leben von der Kindheit in Frankfurt bis zum Idyll auf dem Moserhof sowie seine einzigartige Karriere Revue passieren. In einem Interview meinte er einmal: "Das Buch habe ich für meine fünf Kinder gemacht. Irgendwie muss ich ihnen doch erklären, warum ich so oft nicht zu Hause war."

Auch im fortgeschrittenen Alter übernahm der Vollblutschauspieler noch viele interessante Aufgaben für Film und Fernsehen. Dabei sah es 2001 so aus, als müsse er seine Karriere beenden: Sieben Wochen lang lag der Sprecher des "Pumuckl" nach einer Stimmband-Operation im Koma, tagelang kämpfte er mit dem Tod. Doch glücklicherweise erholte sich Hans Clarin und so sah man ihn beispielsweise 2003 in dem Jugendfilm "Pumuckl und sein Zirkusabenteuer"1) als Ferdinand Eder, den Cousin und Erben des "Meister Eder", auf der Leinwand. In dem Streifen "Hui Buh – Das Schlossgespenst"1), der 2006 mit Michael Herbig in der Titeltrolle in die Kinos kam, mimte er einen Kastellan.
 

Hans Clarin als armer Schwager Simmerl
mit Max Grießer3) (rechts) als Postwirt Vinzenz Raab
in dem "Komödienstadel"-Stück "Der Zigeunersimmerl" (1999)
Foto (Bildname: 11973-14-07) zur Verfügung gestellt vom Bayerischen Rundfunk (BR)
© BR/Foto Sessner

Hans Clarin als armer Schwager Simmerl mit Max Grießer als Postwirt Vinzenz Raab in dem "Komödienstadel"-Stück "Der Zigeunersimmerl" (1999); Foto (Bildname: 11973-14-07) zur Verfügung gestellt vom Bayerischen Rundfunk (BR); Copyright BR/Foto Sessner
Auf dem Bildschirm verkörperte Clarin 2004 und 2005 die kleine, dennoch prägnante Rolle des Reinhard Lortzing in der Reihe "Zwei am großen See"1) mit Uschi Glas und Ruth Drexel in den Hauptrollen, auch in der Pilcher-Verfilmung "Solange es dich gibt"1) (2004) konnte man ihn als Lord David Forster erleben; eine seiner letzten Rollen war die des Bischofs Weingärtner in der Reihe "Der Bergpfarrer"1) (2004), die Dreharbeiten zu "Der Bergpfarrer – Heimweh nach Hohenau" konnte er nicht mehr vollenden.
 
Der populäre Schauspieler Hans Clarin, der privat eher als nachdenklich und ernst galt, starb am 28. August 2005 – wenige Wochen vor seinem 76. Geburtstag – in seinem Heim in Aschau am Chiemsee an Herzversagen; seine letzte Ruhe fand er auf dem dortigen Gemeindefriedhof → Foto der Grabstelle bei knerger.de. Die Trauerfeier und anschließende Beisetzung fand am 1. September im Kreise der Familie sowie zahlreicher Freunde und Weggefährten statt. "Mit Hans Clarin verliert Bayern einen seiner größten Staatsschauspieler" würdigte unter anderem der bayerische Kunstminister Thomas Goppel das Lebenswerk des beliebten Charakterdarstellers, Thomas Gruber, der Intendant des Bayerischen Rundfunks bezeichnete ihn als "universellen Künstler mit einzigartiger Stimme". "Pumuckl"- Mutter Ellis Kaut sagte: "Er wird immer mein 'Pumuckl' bleiben."
Am 16. September 2006 wurde im Beisein seiner Witwe an Clarins Geburtshaus in Wilhelmshaven eine Gedenktafel enthüllt, die an den berühmten Schauspieler erinnern soll.
Hans Clarin 02; Copyright Virginia Shue Hans Clarin war in erster Ehe mit Irene Reiter verheiratet; Tochter Irene Clarin1), Jahrgang 1955, die jüngste der drei Töchter aus dieser Verbindung, ist selbst als Bühnen- und TV-Schauspielerin bekannt geworden, insbesondere durch die Hauptrolle in der TV-Serie "Pfarrerin Lenau" (1991). Mit seiner zweiten Frau, Margarethe Freiin von Cramer-Klett, hatte Hans Clarin Sohn Philipp und Tochter Anne. Mit Christa Maria Gräfin von Hardenberg  war der Schauspieler und Komödiant seit 1995 in dritter Ehe verheiratet und lebte mit ihr in dem mehr als 400 Jahre alten "Moserhof" im oberbayerischen Aschau; das Anwesen hatte er 1974 erworben und sich damit einen Jugendtraum erfüllt, zu seinen liebsten Hobby zählten auch seine rund 30 Tiere, die mit ihm dort lebten.
 
Zahlreiche Auszeichnungen belegen Clarins schauspielerische Leistungen sowie seine Popularität; der bereits 1961 zum "Bayerischen Staatsschauspieler" ernannte Mime erhielt 1994 das "Bundesverdienstkreuz erster Klasse", im gleichen Jahr wurde er mit der Verdienstmedaille "PRO MERITIS" des Bayerischen Kultusministers geehrt. 1996 würdigte man ihn mit dem "Oberbayerischen Kulturpreis des Bezirks Oberbayern"1), 1997 folgte der "Bayerische Verdienstorden"1).
 
 
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der
Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt. 
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Siehe auch www.prisma.de, Wikipedia, www.whoswho.de sowi
die Nachrufe bei www.spiegel.de und www.faz.net
Link: 1) Wikipedia, 2) prisma.de, 3) Beschreibung bzw. Kurzportrait innerhalb dieser HP
  
Kinofilme
Filmografie bei der
Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, filmportal.de, prisma.de)
Um zur Seite der Leinwandstars zurückzukehren, bitte dieses Fenster schließen.
Home: www.steffi-line.de