Filmografie / Hörspiel
Hans Clarin 01; Copyright Virginia Shue Hans Clarin wurde am 14. September 1929 als Hans Joachim Schmied und Sohn eines Beamten in Wilhelmshaven1) geboren, kurze Zeit nach der Geburt zog die Familie nach Frankfurt am Main1); dort besuchte Clarin später ein "Musische Gymnasium"1). Nach dem Abitur – inzwischen lebte Clarin in der Nähe von Ulm1) – besuchte er ab 1948 zwei Jahre lang die renommierte, private Schauspielschule von Ruth von Zerboni1) (1903 – 1991) und ließ sich zum Schauspieler ausbilden. Sein Bühnendebüt gab er 1950 als Attalus in dem Lustspiel "Weh dem, der lügt"1) von Franz Grillparzer1) an den "Münchner Kammerspielen", war bis 1953 blieb. Anschließend wechselte er bis 1967 an das "Bayerische Staatsschauspiel"1) ("Residenztheater"), gab darüber hinaus zahlreiche Gastspiele und war unter anderem auch bei den "Salzburger Festspielen"1) zu sehen. Hier gestaltete er zwischen 1983 und 1987 unter der Regie von Ernst Haeusserman1) den "Dünnen Vetter" in den traditionsreichen "Jedermann"1)-Aufführungen von Hugo von Hofmannsthal1) an der Seite von Klaus Maria Brandauer als Jedermann. Im Laufe der Jahre spielte Clarin, der 1961 zum "Bayerischen Staatsschauspieler"1) ernannt worden war, prägnante Rollen in Klassikern von Johann Wolfgang von Goethe1), Friedrich Schiller1)  oder William Shakespeare1), brillierte in Komödien von Molière1) und Carlo Goldoni1) ebenso wie in Stücken von Johann Nestroy1), aber auch in Dramen von August Strindberg1) und Gerhart Hauptmann1). So glänzte er beispielsweise als Puck in der Shakespeare-Komödie "Ein Sommernachtstraum"1), zeigte aber auch in anspruchsvollen Boulevardstücken seine darstellerische Vielseitigkeit.
 
   
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt. Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
Die Oper und das Musical gehörten ebenfalls zu seinem Wirken, beispielsweise erfreute er das Publikum am "Deutschen Theater"1) in München seit der Uraufführung am 9. März 1967 mit der Titelrolle des Lord Babberley, genannt "Babbs", in der musikalischen Version der Farce "Charley's Tante"1) von Brandon Thomas1) mit der Musik von Ralph Maria Siegel1). sowie den Buch- und Gesangstexte von Robert Gilbert1) und Max Colpet1) → musicallexikon.eu. Auf einen bestimmten Typus ließ sich Clarin nie festgelegen, er überzeugte sowohl mit tragischen als auch komischen Figuren. Aus der Fülle seines vielseitigen Repertoires seien beispielhaft genannt die Titelrolle in "Peter Pan" von James Matthew Barrie1), der Diener La Flèche in "Der Geizige"1) von Molière, der Herr von Gigl in der Nestroy-Posse "Das Mädl aus der Vorstadt"1), der Beamte Chlestakow in der Komödie "Der Revisor"1) von Nikolai Gogol1) oder der Dr. Franz Jura in dem Lustspiel "Das Konzert"1) von Hermann Bahr1). Er wurde unterem anderem gefeiert als Felix Ungar in dem Erfolgsstück "Ein seltsames Paar" von Neil Simon1) oder als Phileas Foggs Diener Passepartout in "Reise um die Erde in 80 Tagen"2) von Pavel Kohout1) nach dem gleichnamigen Roman1) von Jules Verne1). Bei den "Ruhrfestspielen"1) in Recklinghausen gab er 1969 unter der Regie von Willi Schmidt1) den Valerio in dem Lustspiel "Leonce und Lena"1) von Georg Büchner1) sowie den Andres1) in dem Büchner-Drama "Woyzeck"1) → Übersicht zum Theaterwirken (Auszug) bei Wikipedia.

Nicht zuletzt durch mehr als 200 TV- Kinorollen wurde Hans Clarin schnell einem breiten Publikum bekannt und eroberte sich einen festen Platz unter den deutschen Charakter- und Komödien-Darstellern, wird jedoch vor allem dem Fernsehpublikum durch seine hintergründig-heiteren Rollen in nachhaltiger Erinnerung bleiben. Anlässlich Clarins 60. Geburtstag schrieb der Journalist und Theaterkritiker Gerhard Stadelmaier1): "So wie er aussieht, hätte er eigentlich ein bedeutender Schauspieler werden müssen. Eine kleine, schmale Gestalt, ein zarter Kopf; glasklare, alles durchdringende Augen; eine helle Stimme. Das wäre genug Material fürs Geistige und schwierig Schwerelose gewesen. (…) Hans Clarin hat sich dagegen in dem Terrain ganz gut eingerichtet, durch das die sicheren Erdenwege führen und auch mancher Trampelpfad. (…) Er hielt und hält sich rundum zur Verfügung. Selbst für fünf Mark ist er dabei; bei den Spots der Fernsehlotterie. Man hat ihn oft gebraucht. Zu selten hat man ihn gefordert." (FAZ, 14.09.1989).*)
Erste Erfahrungen vor der Kamera machte Clarin bereits 1949 mit einer winzigen Rolle in dem von Josef von Báky1) nach einem Drehbuch von Fritz Kortner (auch Hauptrolle) gedrehten  Kinofilm "Der Ruf"1). 1953 folgte die Titelfigur in "Zwerg Nase"1) nach dem Märchen "Der Zwerg Nase"1) von Wilhelm Hauff1) sowie der Part des Siebengescheit in "Die goldene Gans"1) nach dem gleichnamigen Märchen1) der Gebrüder Grimm1). Weitere Produktionen in den 1950ern waren beispielsweise das Melodram "Oberarzt Dr. Solm"1) (1954) mit Hans Söhnker, der von Kurt Hoffmann1) gedrehte Streifen "Feuerwerk"1) (1954) nach der musikalischen Komödie "Das Feuerwerk"1) von Paul Burkhard1) mit Lilli Palmer und das Erfolgs-Lustspiel "Das Wirtshaus im Spessart"1) (1958), wo er, ebenfalls unter der Regie von Kurt Hoffmann, neben Liselotte Pulver und Carlos Thompson gemeinsam mit Helmuth Lohner als Handwerksbursche auftrat. In Hoffmanns Fortsetzung "Das Spukschloss im Spessart"1) mimte er 1960 erneut neben Liselotte Pulver einfach herrlich den Prinzen Kalaka, als Kleinkriminellen Fred, Schwager des Gentleman-Diebs Max Schilling (Heinz Rühmann), sah man ihn in der Geschichte "Max, der Taschendieb"1) (1962). In dem Wallace-Krimi "Das indische Tuch"1) (1963) kam er als der wahnsinniger Lord Edward Lebanon jr. daher, in "Zimmer 13"1) (1964) gab er den Mr. Igle, gemeinsam mit Hildegard Knef stand er für den nach dem Roman "Zahle oder stirb" ("Mission To Siena") von James Hadley Chase1) entstandenen Thriller "Wartezimmer zum Jenseits"1) (1964) vor der Kamera und spielte als Harry Mason den Freund und Vertrauten von Donald Micklem (Götz George). Als Graf tauchte Clarin an der Seite von Protagonistin Gila von Weitershausen in der Komödie "Engelchen oder die Jungfrau von Bamberg"1) (1968) auf, war der Studienrat Dr. Glücklich in dem Klamauk "Pepe, der Paukerschreck"1) (1969) mit Hansi Kraus1) und unter anderem Uschi Glas. Kurz darauf zeigte Clarin sich als Landstreicher Donner-Karlsson in Olle Hellboms1) Astrid Lindgren-Verfilmung "Pippi Långstrump"1) (1969, "Pippi Langstrumpf") mit Titelheldin Inger Nilsson1) als Pippi Langstrumpf1), eine Figur, die er 1969 auch in der gleichnamigen schwedischen TV-Serie1) sowie in der Kino-Fortsetzung "Här kommer Pippi Långstrump"1) (1969, "Pippi geht von Bord") darstellte. Bis Anfang der 2000er Jahre übernahm Hans Clarin immer mal wieder Aufgaben in Kinoproduktionen, beispielsweise als Figaro (Friseur) in dem Spielfilm "Die Jugendstreiche des Knaben Karl"1) (1977), als Herzog von Bayern Maximilian I.1) in dem Biopic "
Marie Ward – Zwischen Galgen und Glorie"1) (1985) mit Hannelore Elsner als Marie Ward1) oder als orientalischer König in dem Kinderfilm "Lippels Traum"1) (1991) nach dem gleichnamigen Roman1) (1991) von Paul Maar1). In den Komödien von Reinhard Schwabenitzky1) "Ein fast perfekter Seitensprung"1) (1996), "Eine fast perfekte Scheidung"3) (1998) und "Eine fast perfekte Hochzeit"4) (1999) mit Elfi Eschke1) als Henriette "Henny" Schönberg mimte er deren Vater Uwe Schönberg, in "Pinky und der Millionenmops"1) (2000), frei nach dem Kinderkrimi "Detektiv Pinky"1) von Gert Prokop1), den eigenwilligen Multimillionär, Hobbyzauberer, Kaufhaus- und Burgerladenbesitzers Jonathan Morgan.
Hans Clarin mit Alfred Pongratz im Hörspielstudio während der Aufnahmen zur Serie "Meister Eder und sein Pumuckl"; Foto Verfügung gestellt vom Bayerischen Rundfunk (BR); Copyright BR/Fred Lindinger War Clarin bisher dahin viele Jahre die unverwechselbare Stimme des lustigen Kobolds Pumuckl1) nach der gleichnamigen Kinderbuch-Reihe1) von Ellis Kaut1) sowohl in der Hörspielreihe "Meister Eder und sein Pumuckl"1) (1962–1973)  als auch in der TV-Serie " Meister Eder und sein Pumuckl" (1982/83/1988/89) und in den Kinofilmen "Meister Eder und sein Pumuckl"1) (1982) und "Pumuckl und der blaue Klabauter"1) (1994) mit Gustl Bayrhammer als Meister Eder1) gewesen, so trat er in der Geschichte "Pumuckl und sein Zirkusabenteuer"1) (2003) dann erstmals selbst in Erscheinung und spielte als Ferdinand Eder den Cousin des verstorbenen Meister Eder – Pumuckl wurde diesmal von Kai Taschner1) gesprochen.
 
Hans Clarin mit Alfred Pongratz im Hörspielstudio während der Aufnahmen
zur Serie "Meister Eder und sein Pumuckl"; die Rolle des Meister Eder wurde
in den ersten Hörspielaufnahmen (1962–1965) von Volksschauspieler
Franz Fröhlich, dann bis 1973 von Schauspieler und Opernsänger Alfred Pongratz
gesprochen → Übersicht einzelne Folgen.
Foto Verfügung gestellt vom Bayerischen Rundfunk (BR)
© BR/Fred Lindinger
Mit einer letzten Leinwandrolle zeigte sich Clarin in "Hui Buh – Das Schlossgespenst"1) (2006) mit Michael  Herbig1) als Hui Buh bzw. Ritter Balduin und mimte den Kastellan von Schloss Burgeck; der Streifen war nach Motiven der Buch- bzw. Hörspielreihe Hui Buh"1) von Eberhard Alexander-Burgh1) entstanden, in der Clarin ebenfalls lange Jahre dem Hui Buh seine Stimme geliehen hatte → Übersicht Kinofilme.
 
Auf dem Bildschirm war Hans Clarin seit Mitte der 1950er Jahre neben Theater-Aufzeichnungen in zahlreichen Literaturadaptionen, Komödien, Krimis oder Serien vertreten, seinen Einstand gab er als Esprit in der Marcel Proust1)-Verfilmung "Madame Aurélie" (1955). Man sah ihn beispielsweise als Schäfer Lamon in "Die Laune des Verliebten"5) (1957) nach dem gleichnamigen Schäferspiel1) in Versen von Johann Wolfgang von Goethe1), als Karl Pichwit, Sekretär des invaliden Baron Werland (Rudolf Fernau), in "Dumala"5) (1963) nach dem gleichnamigen Roman1) von Eduard Graf von Keyserling1) oder als Robert, Schulfreund des Pariser Architekten Bernard (Harald Leipnitz), in "Boeing Boeing"5) (1965) nach der Komödie von Marc Camoletti1).
Als Curley, Sohn des Chefs (Alfred Schieske), überzeugte er in "Von Mäusen und Menschen"3) (1968) nach dem gleichnamigen Roman1) von John Steinbeck1) mit Peer Schmidt als Wanderarbeiter George Milton und Wolfgang Reichmann als dessen Freund, dem geistig zurückgebliebenen Lennie Small, in "Christoph Kolumbus oder Die Entdeckung Amerikas1) (1969) nach dem gleichnamigen Bühnenwerk von Walter Hasenclever1) und Kurt Tucholsky1) (alias Peter Panter) als Pepi in der Gegenwart, Nachfahre von Pepi (Walter Hoor1)), dem Mitreisenden von Christoph Kolumbus1) (Karl-Michael Vogler).

Abbildung DVD-Cover bzw. Szenenfoto mit
Peer Schmidt (l.) als George und Hans Clarin als Curley
Mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film, welche die
Produktion Mitte November 2012 auf DVD herausbrachte.

"Von Mäusen und Menschen": Szenenfoto mit Peer Schmidt (l.) als George und Hans Clarin als Curley, Sohn des Chefs (Alfred Schieske); mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film, welche die Produktion Mitte November 2012  auf DVD herausbrachte. "Von Mäusen und Menschen": Abbildung DVD-Cover mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film, welche die Produktion Mitte November 2012  auf DVD herausbrachte.
Seit den Ende der 1960er Jahren kamen viele schöne Rollen in beliebten Serien hinzu, wie erwähnt tauchte Clarin als Landstreicher Donner-Karlsson in der deutsch-schwedischen Serien "Pippi Langstrumpf"1) (1969) auf, in "Vater Seidl und sein Sohn"1) (1976–1979) mit Walter Sedlmayr und Stefan Sichlinger war er der Herr Brandstetter), in den Geschichten "Vorsicht, frisch gewachst!"6) (1978) als Josef Böbele, genannt "Onkel Joe", der hilfreiche Schwager von Hauswirt Richard Göttelmann (Günter Strack). Gemeinsam mit Filmehefrau Lotti Krekel führte er als der "Paragraphenwirt" Friedrich Stroltz in der gleichnamigen Serie5) (1983) das Lokal "Zur letzten Instanz", spielte den Küster Lodders in einigen Folgen der Jugendserie "Mandara"1) (1983), erfreute das Publikum zwischen 1984 und 2001 in etlichen Episoden der "Weißblaue Geschichten"1). Eine schöne Rolle war die des geheimnisvollen Grafen Esteban in dem Sechsteiler "Oliver Maass" (1985) mit dem Untertitel "Das Spiel mit der Zaubergeige", ebenso wie der Gerichtsvollzieher Otto Bödefeld in der Familienserie "Fest im Sattel"6) (1988–1990) oder der Stallmeister Rolf Lesch in "Rivalen der Rennbahn"1) (1989), den Stories um Liebe, Intrigen und die glamouröse Welt des Pferderennsports". In den Jahren 1995 bis 1999 wirkte Clarin als Geisterbahnbesitzer Silvio Kirsch in der Kindersendung "Pumuckl TV"1) mit.
Szenenfoto aus "Der Spatzenmörder" (1988); Regie: Wolfgang Gremm; mit freundlicher Genehmigung von www.ziegler-film.com; Copyright Ziegler Film GmbH & Co. KG Dass der sympathische Clarin im Krimi-Genre zu überzeugen wusste, bewies er beispielsweise in den "Tatort"-Folgen "Die Macht des Schicksals"1) (1987) und "Die Brüder"1) (1988) oder in "Tagebuch für einen Mörder1)1) (1988) nach dem Bühnenstück von Francis Durbridge1). In "Der Spatzenmörder" (1989) nach dem gleichnamigen Krimi von Jürgen Breest1) wurde er als "Haushüter" Meurer in den Strudel der Ereignisse hereingezogen.
 
Szenenfoto mit Paul Cabanis (Ralf) und Hans Clarin (Meurer)
aus dem Krimi "Der Spatzenmörder" (1988) nach dem
gleichnamigen Roman von Jürgen Breest
Regie: Wolfgang Gremm1) → ziegler-film.com
Mit freundlicher Genehmigung von www.ziegler-film.com
© Ziegler Film GmbH & Co. KG

Bis zuletzt gehörte Clarin in zahlreichen weiteren Fernsehproduktionen zu den Favoriten der Zuschauer/-innen, wurde vor allem für seine humorig angelegten Rollen geliebt. So auch für die des Bürgermeisters Paul Schneck in der RTL-Serie "Peter und Paul"1) (1994), der mit seinem Verwandten und Amtskollegen Peter Elfinger (Helmut Fischer) auf amüsante Weise so manchen Nachbarschaftsstreit ausfocht. Herrlich auch die Figur als Dorfpfarrers Gustav in "Hochwürden erbt das Paradies"1) (1993), eine lose Reihe, die mit "Hochwürdens Ärger mit dem Paradies"1) (1996) und "Hochwürden wird Papa"6) (2002) ihre Fortsetzung fand. Mehrfach trat er zwischen 1986 und 1995 in den Stücken des "Chiemgauer Volkstheaters"1) in Erscheinung und war auch beim "Komödienstadel"1) zu sehen. Hier spielte er in dem Schwank "Der Zigeunersimmerl"6) (1999) als Simon "Simmerl" Hausinger den Schwager des Cholerikers und Hypochonders Postwirt Vinzenz Raab (Max Griesser). 

Hans Clarin und (Max Grießer (r.)
in dem "Komödienstadel"-Stück "Der Zigeunersimmerl" (1999)
Foto (Bildname: 11973-14-07) zur Verfügung gestellt vom Bayerischen Rundfunk (BR)
© BR/Foto Sessner; Link: www,br.de

Hans Clarin als armer Schwager Simmerl mit Max Grießer als Postwirt Vinzenz Raab in dem "Komödienstadel"-Stück "Der Zigeunersimmerl" (1999); Foto (Bildname: 11973-14-07) zur Verfügung gestellt vom Bayerischen Rundfunk (BR); Copyright BR/Foto Sessner
Im Jahre  2001 so aus, als müsse Clarin seine Karriere beenden: Sieben Wochen lang lag der Sprecher des "Pumuckl" nach einer Stimmband-Operation im Koma, tagelang kämpfte er mit dem Tod; doch glücklicherweise erholte sich Hans Clarin wieder. Somit konnte der Vollblutschauspieler on seinen letzten noch einige interessante, filmische Aufgaben übernehmen, zeigte sich unter anderem 2004 und 2005 mit der kleinen, dennoch prägnanten Rolle des Notars Reinhard Lortzing in den ersten drei Folgen der Reihe "Zwei am großen See"1) mit Uschi Glas und Ruth Drexel, in  der Pilcher-Verfilmung "Solange es dich gibt"1) (2004) konnte man ihn als Lord David Forster erleben. Eine seiner letzten TV-Rollen war die des Bischofs Weingärtner in der zweiteiligen, melodramatischen Reihe "Der Bergpfarrer"1) (2004/2005) mit Stephan Luca1) als Pfarrer Sebastian Reiter; die Dreharbeiten zu "Der Bergpfarrer – Heimweh nach Hohenau"6) (EA: 18.12.2005) konnte er nicht mehr vollenden → Übersicht TV-Produktionen.
  
Der Schauspieler mit der markanten, unverwechselbaren Stimme war seit den 1950er Jahren umfangreich, überwiegend beim "Bayerischer Rundfunk", für das Hörspiel tätig, bereicherte neben den "Pumuckl"-Hörspielen viele Sendungen; eine Auswahl der bei der ARD Hörspieldatenbank gelisteten Produktionen findet man hier. Nicht zuletzt durch seine Tätigkeit als Sprecher bleibt Hans Clarin in nachhaltiger Erinnerung, die krähenden Kobold-Kommentare wurden zu seinem Markenzeichen, die auch auf zahlreichen Audio-Kassetten zu hören sind. Berühmt machte er mit seinem selbst ausgedachten "Kookie-Kiekser" zudem den Krimiassistenten Kookie (Ed Byrnes1)) in der legendären amerikanischen US-Serie "77 Sunset Strip" (1958–1964). Als Erzähler sprach er in der polnisch-österreichischen Puppen-Animationsserie "Die Mumins"1) (1977–1982) sämtliche Dialoge, die Titelrolle für die Schallplatten und Kassetten "Hui-Buh – Das Schlossgespenst"1) sowie die "Asterix"1)-Reihe mit Clarin als Asterix und Günter Pfitzmann als Obelix sowie Wolfgang Völz (Majestix), Eric Vaessen1) (Miraculix) und Wolfgang Draeger1) (Erzähler) gehörte zu seinem Repertoire – von 1986 bis 1992 wurden die ersten 29 Bände (bis auf "Asterix und Maestria") unter der Regie von Heikedine Körting1) als Hörspielreihe auf Kassette für das Label EUROPA1) produziert. Weiterhin wirkte Hans Clarin unter anderem in der Folge "Gekaufte Spieler" (55) der Reihe "Die drei ???"1) mit, 1969 war er in "Raumschiff UX3 antwortet nicht" der Erzähler und sprach den Commander Tex Terry → mehr bei synchronkartei.de.  
Darüber hinaus machte sich Clarin als Autor und Regisseur einen Namen, veröffentlichte 1968 das Jugendbuch "Paquito oder die Welt von unten", das unter seiner Regie für das Fernsehen verfilmt wurde. 1994 trat er auch wieder als Sänger auf, zusammen mit Maxie Renner1), Tochter der Sängerin und Moderatorin Dagmar Frederic1), erreichte er beim "Grand Prix der Volksmusik"1) mit dem Lied " Das Mädchen und der Clown" immerhin den achten Platz. Bereits in den 1960er/1970er Jahren war er im Fernsehen in musikalischen Komödien und Operetten aufgetreten, beispielsweise als Célestin/Floridor in "Mamsell Nitouche" (1969) nach der Operette "Mam'zelle Nitouche"1) von Hervé1) (Musik) mit Isy Orén1) in der Titelrolle oder als Dichter Joseph Calicot an der Seite von Ingeborg Hallstein1) in "Madame Pompadour"1) (1974) von Leo Fall1) (Musik).
Seine Erinnerungen brachte das Allround-Talent 1995 in Zusammenarbeit mit Manfred Glück unter dem Titel "Hans Clarin – Durchgeblättert" auf den Markt und lässt darin mit "Herz, Humor und Augenzwinkern" sein Leben von der Kindheit in Frankfurt bis zum Idyll auf dem Moserhof sowie seine einzigartige Karriere Revue passieren. In einem Interview meinte er einmal: "Das Buch habe ich für meine fünf Kinder gemacht. Irgendwie muss ich ihnen doch erklären, warum ich so oft nicht zu Hause war."
 
Der populäre Schauspieler Hans Clarin, der privat eher als nachdenklich und ernst galt, starb am 28. August 2005 – wenige Wochen vor seinem 76. Geburtstag – in seiner Wahlheimat Aschau am Chiemsee1) an Herzversagen; die letzte Ruhe fand er auf dem dortigen Gemeindefriedhof. Die Trauerfeier und anschließende Beisetzung fand am 1. September im Kreise der Familie sowie zahlreicher Freunde und Weggefährten statt → Foto der Grabstelle bei knerger.de sowie Wikimedia Commons. Zu den mehreren hundert Trauergästen, die Clarin die letzte Ehre erwiesen, gehörten Kollegen/Kolleginnen wie Christine Neubauer1), Joachim Fuchsberger, Christian Wolff, Wolfgang Fierek1), Günther Maria  Halmer oder Produzent Helmut Ringelmann1) und Moderator Dieter Thomas Heck1). "Mit Hans Clarin verliert Bayern einen seiner größten Staatsschauspieler" würdigte unter anderem der damalige Bayerische Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst Thomas Goppel1) das Lebenswerk des beliebten Charakterdarstellers, Thomas Gruber1), von 2002 bis 2011 Intendant des "Bayerischen Rundfunks"1) bezeichnete ihn als "universellen Künstler mit einzigartiger Stimme". "Pumuckl"- Mutter Ellis Kaut sagte: "Er wird immer mein 'Pumuckl' bleiben."
Am 16. September 2006 wurde im Beisein seiner Witwe an Clarins Geburtshaus in Wilhelmshaven eine Gedenktafel enthüllt, die an den berühmten Schauspieler erinnert. Laut Beschluss vom 6. Juli 2017 gibt es im Münchener Neubaugebiet Freiham1) (Stadtbezirk Aubing-Lochhausen-Langwied1)) den "Hans-Clarin-Weg".
Hans Clarin 02; Copyright Virginia Shue Hans Clarin war in erster Ehe mit Irene Reiter verheiratet, die 1955 geborene Tochter Irene Clarin1), jüngste der drei Töchter aus dieser Verbindung, ist selbst als Bühnen- und TV-Schauspielerin bekannt geworden, insbesondere durch die Hauptrolle in der TV-Serie "Pfarrerin Lenau"1) (1990/91). Mit seiner zweiten Frau, Margarethe Freiin von Cramer-Klett, einer Tochter des Jagdschriftstellers Ludwig Benedikt von Cramer-Klett1), hatte Hans Clarin Sohn Philipp und Tochter Anne. Mit Christa Maria Gräfin von Hardenberg, Tochter des Rennfahrers und Automobilhändlers Günther Graf von Hardenberg1) (1918 – 1985), war der Schauspieler und Komödiant seit 1995 in dritter Ehe verheiratet und wohnte mit ihr in dem mehr als 400 Jahre alten "Moserhof" im oberbayerischen Aschau. Das Anwesen erwarb er bereits 1974 und erfüllte sich damit einen Jugendtraum; zu seinen liebsten Hobbys zählten auch seine rund 30 Tiere, die dort mit ihm lebten.
 
Zahlreiche Auszeichnungen belegen Clarins schauspielerische Leistungen sowie seine Popularität; der bereits 1961 zum "Bayerischen Staatsschauspieler"1) ernannte Mime erhielt 1994 das "Bundesverdienstkreuz 1. Klasse"1), im gleichen Jahr wurde er mit der Verdienstmedaille "PRO MERITIS" des Bayerischen Kultusministers geehrt. 1996 würdigte man ihn mit dem "Oberbayerischen Kulturpreis des Bezirks Oberbayern"1), 1997 folgte der "Bayerische Verdienstorden"1). Zudem wählte man ihn 1988 zum "Pfeifenraucher des Jahres"1).
 
 
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der
Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt. 
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Quelle (unter anderem): "Henschel Theaterlexikon"*)
Siehe auch prisma.de, Wikipedia, filmportal.de und das Interview bei "Deutsche Welle" (1975)
sowie die Nachrufe bei www.spiegel.de und www.faz.net
*) Henschel Theaterlexikon (Hrsg. C. Bernd Sucher; Henschel Verlag, 2010, S. S. 138/139)
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) theatertexte.de, 3) filmportal.de, 4) prisma.de, 5) Die Krimihomepage, 6) fernsehserien.de
     
Filme
Kinofilme / Fernsehen
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie filmportal.de
(Fremde Links: Wikipedia, filmportal.de, Bayerisches Musiker-Lexikon, Die Krimihomepage, fernsehserien.de)
Kinofilme Fernsehen (Auszug)
Hörspielproduktionen (Auszug)
1950er Jahre 1960er Jahre 1970er Jahre 1980er Jahre
1962–1973: "Meister Eder und sein Pumuckl"
(Fremde Links: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung), 
Wikipedia (deutsch/englosch), theatertexte.de, deutsches-filmhaus.de)
1950er Jahre 1960er Jahre 1970er Jahre 1980er Jahre 1962–1973: "Meister Eder und sein Pumuckl" nach der gleichnamigen Kinderbuch-Reihe von Ellis Kaut (als Pumuckl)
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