Filmografie / Hörspiel
Portrait des Schauspielers Alfred Schieske; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0001068_004); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek; Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983); Datierung: ungenannt; Quelle: www.deutschefotothek.de Alfred Schieske erblickte am 6. September 1908 als Sohn eines Deutschen und einer Französin in Stuttgart1) das Licht der Welt. Sein darstellerisches Rüstzeug erwarb er sich bei der schwäbischen Schauspielerlegende Willy Reichert (1896 – 1973), 19-jährig gab er sein Bühnendebüt am "Landestheater Stuttgart"1). Es folgten Engagements in Heidelberg, Eßlingen am Neckar, Bochum und Köln, 1940 folgte er dem Ruf von Gustaf Gründgens an das Berliner "Preußische Staatstheater"1); noch gegen Kriegsende wurde er in die so genannte "Gottbegnadeten-Liste"1) aufgenommen.
Nach Kriegsende war Schieske zunächst in Köln tätig, ehe er 1947 nach Berlin an das "Theater am Schiffbauerdamm"1) ging, wo er drei Jahre lang blieb und unter anderem im November 1947 mit der Titelrolle in der Uraufführung des Stücks "Oberst Kusmin" von Lew Schejnin1)/Gebrüder Tur brillierte (→ Foto deutschefotothek.de) oder 1950 mit der Titelrolle des Florian Geyer1) in dem gleichnamigen Historiendrama1) von Gerhart Hauptmann1) in einer Inszenierung von Lothar Müthel1) begeisterte. Dann wirkte Schieske ab Anfang der 1950er Jahre am West-Berliner "Schillertheater"1) und "Schlossparktheater"1), außerdem am "Düsseldorfer Schauspielhaus"1) (u. a. Mitte September 1955 als Bettler in "Das große Welttheater"1) von Calderón de la Barca1)), bei den "Ruhrfestspielen"1) in Recklinghausen sowie den "Burgfestspielen Jagsthausen"1) (1959 und 1960 mit der Titelrolle in Goethes "Götz von Berlichingen"1)), zudem zeigte er seine schauspielerische Kunst im Rahmen diverser Gastspiele.
 
Portrait des Schauspielers Alfred Schieske
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0001068_004)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek
Urheber: Abraham Pisarek1) (1901–1983); Datierung: ungenannt;
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017
Der im fortgeschrittenen Alter mit einer stämmigen Gestalt und voluminösen Stimme versehene Schieske2) eignete sich weniger für Helden- und Liebhaber-Rollen, sein Rollenrepertoire war dennoch breit gefächert. "Schieske ist ein Erzkomödiant und vitaler Menschendarsteller, den man mit Heinrich George und Paul Wegener vergleicht." schrieb Volker Wachter1) bei defa-sternstunden.de (Seite nicht mehr verfügbar). So gestaltete er unter anderem als Grillparzer-Interpret den Milota in "König Ottokars Glück und Ende"1) und den Melchior Klesel1) in "Ein Bruderzwist in Habsburg"1), er glänzte als Shakespeare Darsteller mit der Figur des Bolingbroke in "Richard II."1), als George, Herzog von Clarence, in Richard III."1) und als Tobias von Rülps in "Was ihr wollt"1). Schieske feierte Erfolge als Dorfrichter Adam in Kleists "Der zerbrochne Krug"1) ebenso wie als "Big Daddy" in "Die Katze auf dem heißen Blechdach"1) von Tennessee Williams1). Weitere herausragende Rollen waren unter anderem der Major Hubert Henry1) in "Die Affäre Dreyfus" von Wilhelm Herzog1) und Hans José Rehfisch1) über die Dreyfus-Affäre1), der Wladimir in Samuel Becketts "Warten auf Godot"1) und der Phil Cook in "Ein Mädchen vom Lande" von Clifford Odets1), ein Stück, das in den 1950er Jahren in den USA mit Bing Crosby und Grace Kelly auch verfilmt wurde → "Ein Mädchen vom Lande"1) (1954). Als Karl-Heinz Stroux1) im "Düsseldorfer Schauspielhaus" die deutsche Erstaufführung von Eugene O'Neills1) Schauspiel "Fast ein Poet" in Szene setzte (Premiere: 25.02.1958), betraute er Schieske mit dem Part des Majors a. D. Cornelius Melody, nun heruntergekommener Wirt eines verschuldeten Landgasthauses. Am Berliner "Renaissance-Theater"1) erntete er wie Partnerin Heidemarie Hatheyer im Frühjahr 1961 mit der Rolle des Königs in der Komödie "Anna und der König" ("Sœur Anne ou la Jument du roi") von Jean Canolle (1919 – 2009) in einer Inszenierung von Viktor de Kowa viel Applaus. Eine Paraderolle für den Vollblutschauspieler wurde seit der Premiere am 25. Oktober 1961 im Berliner "Theater des Westens"1) der Alfred P. Doolittle bzw. Vater der von Karin Hübner dargestellten Titelheldin in dem Musical "My Fair Lady"1) nach Shaws Bühnenstück "Pygmalion"1). Paul Hubschmid gab den Professor Higgins, Friedrich Schoenfelder den Oberst Pickering, Agnes Windeck Higgins Mutter und Rex Gildo den Freddy Eynsford-Hill; Jahre lang wurde die stets ausverkauften Aufführungen in vielen großen Städten gezeigt.
 
Seit Anfang der 1940er Jahre übernahm Schieske Aufgaben für den Film, gab sein Leinwanddebüt an der Seite von Gustaf Gründgens mit dem winzigen Part eines Gastwirts in dem Künstlerdrama "Friedemann Bach"1) (1941). Es folgten weitere, zum Teil winzige Aufgaben, so der Kriegsrat in der Märchenverfilmung "Das tapfere Schneiderlein"1) (1941), ein Bassist in dem ganz auf Zarah Leander zugeschnittenen Kriminaldrama "Damals"1) (1943) und der Werkmeister Fritz Martens in der ebenfalls dramatischen Geschichte "Meine vier Jungens"3) (1944). Die Produktionen "Die Schenke zur ewigen Liebe"1) (1945) sowie "Der Puppenspieler"1) (1945) nach der Novelle "Pole Poppenspäler"1) von Theodor Storm1) blieben unvollendet.
Seine wohl bedeutendste Leinwandrolle spielte Schieske nach Kriegsende in dem von Erich Engel1) in Szene gesetzten DEFA-Film "Affaire Blum"1) (1948) als erfahrener Kriminalkommissar Otto Bonte, der den angeklagten jüdischen Fabrikanten Dr. Jakob Blum (Kurt Ehrhardt1)) rettet bzw. den wahren Täter überführt. Als Redner Schneidewind tauchte er in Robert A. Stemmles1) satirischen Parabel "Berliner Ballade"1) (1948) an der Seite von Gert Fröbe (Otto Normalverbraucher1)) auf, um dann erneut in zwei DEFA-Filmen mitzuwirken – als sympathischer Professor Mangold in dem Gegenwartsstreifen "Quartett zu fünft"1) (1949) und als Spreefischer bzw. Hehler Wulkow in Erich Engels Hauptmann-Adaption "Der Biberpelz"1) (1949).
Nach seinem Auftritt als KZ-Lagerkommandant Fritz Suhren1) in dem britischen Kriegsstreifen "Odette"4) (1950) über die von Anna Neagle1) dargestellte Agentin Odette Sansom1), zeigte er sich als Oberst Schedy in der tragischen Liebesgeschichte "Es kommt ein Tag"1) (1950) zusammen mit dem "Traumpaar" Maria Schell und Dieter Borsche, mimte unter anderem den Dr. Unkelhäuser in der Zuckmayer-Verfilmung "Der fröhliche Weinberg"1) (1952) und den Arbeiter Juhnke in dem bis in die kleinste Nebenrolle prominent besetztem Film "Der 20. Juli"1) (1955) über das gescheiterte  Attentat auf Adolf Hitler vom 20. Juli 19441) mit Wolfgang Preiss als Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg1). Eine herausgehobene Rolle war die des Pastors Angermann in Robert Siodmaks1) Hauptmann-Verfilmung "Dorothea Angermann"1) (1959) mit Ruth Leuwerik in der Titelrolle, danach sollte es mehr als ein Jahrzehnt dauern, bis Schieske wieder in zwei Kinoproduktionen mitwirkte. So trat er als Gastwirt in dem schwedischen Kinderfilm "Pippi in Taka-Tuka-Land1) (1970, "Pippi Långstrump på de sju haven") und als bodenständig-biederer Beamter Egon Mills in dem Drama "Unter den Dächern von St. Pauli"1) (1970) in Erscheinung → Übersicht Kinofilme.
 
Während der Kinofilm kaum das schauspielerische Potential von Schieske nutzte, konnte sich der Mann mit der markanten Statur vor allem in den 1960er Jahren im Fernsehen als Charakterdarsteller in etlichen Literaturverfilmungen profilieren. Bereits 1952 hatte man ihn in dem kurzen, von Siegfried Lenz1) geschriebenen Krimi "Inspektor Tondi"5) als Protagonisten erlebt, in "Cardillac"5) (1957), gedreht nach einem berühmten Kriminalfall um den Pariser Goldschmied Cardillac, gab er diese mysteriöse, historische Figur, die E. T. A. Hoffmann1) zu seiner Novelle "Das Fräulein von Scuderi"1) inspirierte. 1962 glänzte Schieske gleich in zwei Verfilmungen, nach Werken von Hans Fallada1), so als Hauptwachtmeister Rusch in dem Dreiteiler "Wer einmal aus dem Blechnapf frißt" (Regie: Fritz Umgelter1)) mit Klaus Kammer als Protagonist Willi Kufalt, positive Kritiken erntete er für seine Darstellung des Handwerkers Otto Quangel in "Jeder stirbt für sich allein"1) (Regie: Falk Harnack1)); seine Ehefrau Anna Quangel wurde nicht minder bravourös von Edith Schultze-Westrum dargestellt → Kurzinhalt des Romans bei Wikipedia.
Schieske überzeugte in etlichen Hauptrollen, beispielsweise – wie schon auf der Bühne des "Renaissance-Theaters" – als Denis Diderot1) in "Rameaus Neffe" (1964) nach dem gleichnamigen philosophischen Dialog1) von Denis Diderot mit O. E. Hasse als titelgebende Figur Jean François Rameau, Neffe des französischen Komponisten und Musiktheoretikers Jean-Philippe Rameau1), oder als amerikanischer Gesandter Hiram B. Otis in "Das Gespenst von Canterville"5) (1965) nach der berühmten, gleichnamigen Erzählung1) von Oscar Wilde
1).
"Kollege Crampton": Abbildung DVD-Cover mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film, welche die WDR-Produktion am 3. Januar 2014 auf DVD herausbrachte. "Kollege Crampton": Szenenfoto mit Stanislav Ledinek als Cramptons Faktotum Löffler und Alfred Schieske als Professor Crampton; mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film, welche die WDR-Produktion am 3. Januar 2014 auf DVD herausbrachte. Schieske war der Stadthauptmann Anton Antonowitsch in "Der Revisor"5) (1965) nach dem gleichnamigen Theaterstück1) von Nikolai Gogol1) und der Protagonist Professor Crampton in "Kollege Crampton" (1967) nach der gleichnamigen Komödie1) von Gerhart Hauptmann1), überzeugte als treuer, aber auch niederträchtig-mörderischer Hagen von Tronje1) in dem von ebenfalls von Wilhelm Semmelroth in Szene gesetzten Zweiteiler "Die Nibelungen"5) (1967).
 
DVD-Cover bzw. Szenenfoto mit Stanislav Ledinek1)
als Cramptons Faktotum Löffler und Alfred Schieske
als Professor Crampton (Regie: Wilhelm Semmelroth1))
→ www.youtube.com
Mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film, welche die
WDR-Produktion am 3. Januar 2014 auf DVD herausbrachte.
Im darauffolgenden Jahr präsentierte sich Schieske als Regierungsschulrat Prof. Dr. Prell in "Flachsmann als Erzieher" (1968, Regie: Rolf von Sydow1)) nach dem Bühnenstück von Otto Ernst1) mit Wolfgang Preiss als Flachsmann, spielte unter der Regie von Hans Quest den Richter Sir Lawrence Wargrave in dem Agatha Christie-Krimi "Zehn kleine Negerlein"5) (1969). Zu Schieskes letzten Arbeiten vor der Fernsehkamera zählte das zweiteilige Dokumentarspiel "Peenemünde"9) mit Dieter Kirchlechner als Wernher von Braun1), wo er eindrücklich dem britischen Premierminister Winston Churchill1) Kontur verlieh. Die Erstausstrahlung am 12. August 1970 erlebte Schieske ebenso wenig wie die der zwei Teile der deutsch-schweizerischen Koproduktion "Der Fall Hetzel"5) aus der Serie "Recht oder Unrecht"1); hier konnte man ihn Mitte Januar 1971 mit der Rolle des Prof. Dr. Görner sehen → Übersicht TV-Produktionen.
Zudem stand Schieske des öfteren im Hörspielstudio, eine Auswahl der bei der ARD Hörspieldatenbank gelisteten Produktionen findet man hier
 
Der beliebte Charakterschauspieler Alfred Schieske starb am 15. Juli 19706) mit nur 61 Jahren in Berlin (West); die letzte Ruhe fand er auf dem landeseigenen "Friedhof Zehlendorf"1) (Abt. 9 UW 9) → Foto der Grabstelle bei knerger.de sowie Wikimedia Commons; hier wurde auch Ehefrau (?) Ruth Schieske beigesetzt (14.12.1915 – 10.03.1982).
Sein am 25. April 1945 im sauerländischen Dahle1) (heute Stadtteil von Altena1)) geborener Sohn Geriet Schieske1) ergriff ebenfalls den Schauspielerberuf, machte sich zudem als Regisseur und Autor einen Namen → gerietschieske.de.
Quelle (unter anderem): Wikipedia
Fremde Links: 1) Wikipedia (deutsch), 3) filmportal.de, 4) Wikipedia (englisch), 5) Die Krimihomepage
2) F.-B. Habel, Volker Wachter: "Das große Lexikon der DDR-Stars" (Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 1999, S. 293)
6) laut Grabstelle; nach anderen Quellen am 14.07.1070
      
Filme
Kinofilme / Fernsehen
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie filmportal.de
(Fremde Links: Wikipedia, filmportal.de, Die Krimihomepage, fernsehserien.de)
Kinofilme Fernsehen (Auszug)
Hörspielproduktionen (Auszug)
(Fremde Links: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung), Wikipedia)
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