Filmografie / Hörspiel
Dieter Borsche wurde am 25. Oktober 1909 als Dieter Albert Eugen Rollomann Borsche in Hannover1) geboren; sein Vater Willi Felix Borsche1) (1878 – 1858) war Musiklehrer sowie Kammermusiker und Kapellmeister an der Städtischen Oper, seine Mutter Anna Friederike Berta Oratoriensängerin.
Nach dem Gymnasium, das er bis zur Oberprima besuchte, nahm Dieter Borsche Tanzunterricht bei der Hannoveraner Ballettmeisterin und Choreographin Yvonne Georgi1) (1903 – 1975) sowie bei dem legendären Harald Kreutzberg1) (1902 – 1968). Anschließend erhielt er 1930 in seiner Geburtsstadt ein Engagement an der "Städtischen Oper"1), dessen Ballettensemble er bis 1935 angehörte. 
Parallel dazu nahm Borsche Unterricht an der "Schauspielschule Blech", erhielt nach Abschluss der Studien am "Deutschen Nationaltheater"1) in Weimar ein erstes Theater-Engagement als jugendlicher Liebhaber.
Dieter Borsche und Lotte Berger (1907 – 1990) in Goethes Lustspiel "Die Mitschuldigen"; Urheber: Helmuth Ellgaard (1913 – 1980), aufgenommen 1937 bei Proben am Theater; Quelle: Familien-Archiv Ellgaard bzw. Wikipedia; Genehmigung durch den Nutzungsrechteinhaber bzw. Sohn Holger Ellgaard (CC-by-sa 2.0/de) Man sah ihn in Inszenierungen von Max Brock, unter anderem als Gustav Piepers in dem Schwank "Wenn der Hahn kräht"1) von August Hinrichs1) (Premiere: 27.09.1933) oder als Charly Brown in dem Erfolgsstück "Robinson soll nicht sterben" von Friedrich Forster1) (Premiere: 23.11.1933), aber auch als königstreuen Bushy in dem Shakespeare-Drama "Richard II."1) (Regie: Georg Kruse, Premiere: 24.04.1934). 
Nach einem kurzen Intermezzo in Kiel (1935) wurde 1939 das "Staatstheater"1) in Danzig eine weitere Station. Hier machte er beispielsweise als Pylades1) in Goethes "Iphigenie auf Tauris"1) auf sich aufmerksam, als Georg, Hannes Liebhaber, in dem Hauptmann-Drama "Fuhrmann Henschel"1) oder als Alfred Bornemann in dem Lustspiel "Hochzeitsreise ohne Mann" von Leo Lenz1). 1942 wechselte Borsche an die "Städtischen Bühnen" in Breslau (heute "Oper Breslau"1)), wo er bis zur Schließung des Theaters im Herbst 1944 auftrat; unter anderem gab er 1943 den Tschang-ling in "Der Kreidekreis"1) von Klabund1).
Gegen Kriegsende wurde Borsche noch zum Wehrdienst eingezogen, in der Eifel verwundet und gefangen genommen. Nach seiner Entlassung lag er noch längere Zeit in einem Tübinger Lazarett, fand seine Familie in Wölsau (heute Stadtteil von Marktredwitz1) ) im Fichtelgebirge wieder und betätigte sich dort eine Zeit lang als Schreiner und Spielzeighersteller mit eigener Werkstatt.
 
Foto: Dieter Borsche und Lotte Berger1) (1907 – 1990)
in dem Goethe-Lustspiel "Die Mitschuldigen"1) am "Theater Kiel"
Urheber: Helmuth Ellgaard1) (1913 – 1980), aufgenommen 1937 bei Proben am Theater
Quelle: Familien-Archiv Ellgaard bzw. Wikipedia
Genehmigung durch den Nutzungsrechte-Inhaber bzw. Sohn Holger Ellgaard1) (CC-by-sa 2.0/de)
Ende 1946 traf Borsche in München den Charaktermimen Bernhard Minetti (1905 – 1998), der ihn wieder zurück an das "Theater Kiel"1) holte. Dort stand Borsche ab 1947 wieder erfolgreich auf der Bühne, überzeugte beispielsweise als Ingenieur Oderbruch in "Des Teufels General"1) von Carl Zuckmayer1), als Dauphin Karl1) in "Die heilige Johanna"1) von George Bernard Shaw1) oder als Ritter Andreas Bleichenwang in "Was ihr wollt"1) von William Shakespeare1); gleichzeitig war er bis 1949 als Oberspielleiter des Schauspiels tätig. Etwa zu dieser Zeit fand Borsche mit der Rolle des katholischen Kaplans  in dem teils pathetischen Melodram "Nachtwache"1) (1949) auch wieder zum Film zurück. "Seine Rolle als Kaplan von Imhoff bildete den Wendepunkt in seinem zuvor erfolglosen Filmschauspielerleben." urteilt Wikipedia.
Sein Leinwanddebüt hatte der Schauspieler bereits 1935 im der Weiß-Ferdl-Komödie "Alles wegen dem Hund" gegeben, 1937 folgte die Operettenadaption "Wie einst im Mai"2) und ein Jahr später die Rolle des Prinzen Karl in dem Historienstreifen "Preußische Liebesgeschichte"1), der jedoch von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels wegen seiner Affäre mit der Filmschauspielerin Lída Baarová vor der Premiere verboten wurde; erst am 12. April 1950 gelangte die Geschichte unter dem Titel "Liebeslegende" in die Kinos. Als Borsche 1935 seine Filmkarriere startete, hatte man in ihm zunächst als jugendlichen Liebhaber besetzt, doch er besaß zu wenig Ausstrahlungskraft, um sich in diesem Rollenfach entscheidend durchzusetzen.
Erst im Nachkriegsfilm kamen die eigentlichen schauspielerischen Qualitäten von Borsche zum Durchbruch. Nach seiner Rolle als Geistlicher in "Nachtwache" – hier verkörperte er einfühlsam den Ex-Flieger und katholischen Kaplan von Imhoff, der seinem protestantischen Amtsbruder Pfarrer Johannes Heger (Hans Nielsen) aus einer Lebens- und Glaubenskrise hilft – avancierte Borsche rasch zu einem der populärsten Leinwanddarsteller jener Jahre.
"Der erste religiöse deutsche Nachkriegsfilm war bei Publikum und Kritik wohl auch deshalb ein großer Erfolg, weil er ein Bedürfnis nach moralischer Geborgenheit im Schoß der Kirche befriedigte. Aus der zeitlichen und emotionalen Distanz sind Sentimentalität, spirituelle Halbherzigkeit und Geschwätzigkeit des ökumenischen Dramas deutlicher zu erkennen. Auch die filmische Umsetzung kann trotz sichtbarer Bemühungen des Regisseurs nicht ganz überzeugen." notiert das Filmlexikon → zweitausendeins.de. Borsche wurde "zu einer Identifikationsfigur, die vor Augen führt, was der Kulturjournalist Walther Schmieding1) (1928 – 1980) die "Rückführung der durch den Krieg glaubens- und heillos gewordenen Menschen zu den Quellen des Christentums" genannt hat. Der religiöse Film der Nachkriegsgeschichte, der richtiger als klerikaler Film zu bezeichnen wäre, nimmt mit der 'Nachtwache' seinen Ausgang." – so 1985 der Filmhistoriker Klaus Kreimeier1).

Dass Borsche auch weniger schwergewichtige Rollen glaubhaft zu interpretieren verstand, bewies er in der Thomas-Mann-Verfilmung "Königliche Hoheit"1) (1953). Seine Darstellung als Prinz Klaus Heinrich ist mit verhaltenem, um Liebe und humanistisches Verständnis werbenden Einfühlungsvermögen gezeichnet. Zusammen mit Ruth Leuwerik bildete der eckig smart-coole Borsche das Traumpaar des deutschen Nachkriegsfilms; in heiteren Familienfilmen wie "Vater braucht eine Frau"1) (1952) oder ironischen Gesellschaftskomödien wie "Muss man sich gleich scheiden lassen?"1) (1953) war er mit seiner geradlinigen Männlichkeit und diskretem Charme die perfekte Ergänzung zu Leuweriks gepflegtem Darstellungsstil. Beide gaben in den 1950ern ein ebenso ehrenhaftes wie tröstliches Bild deutscher Familienidylle, die durch kein Ärgernis zu zerstören war. Doch auch für andere weibliche Stars jener Zeit war Borsche der perfekte Partner in verschiedensten Melodramen: So erlebte man ihn beispielsweise 1950 als schmucken Korporal Friedrich Mombour in der Literaturadaption "Es kommt ein Tag"1) und ein Jahr später im makellosen Arztkittel als "Dr. Holl"1) an der Seite von Maria Schell. Mit Gisela Uhlen und Maria Wimmer zeigte er sich in dem unkonventionellem Drama "Der fallende Stern"1) (1950), als Komiker versuchte er sich in dem Travestie-Schwank "Fanfaren der Liebe"1) (1951, einem Vorläufer des Billy Wilder Klassikers "Manche mögen's heiß"1) (1959), und in der Fortsetzung "Fanfaren der Ehe"1) (1953).
Dieter Borsche wird 1954 von Heribert Meisel in einem Wiener Hotel interviewt; Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Urheber/Körperschaft: United States Information Service (USIS); Datierung: 03.1954;  Copyright ÖNB/Wien, Bildarchiv (Inventarnummer US 23.589)

Doch Borsche bleibt eher mit seinen "edlen" Figuren in Erinnerung, so als "korrekter, aber gehemmter ostpreußischer Gutsbaron"2) Fried von Barring und Partner Nadja Tillers in dem Familienepos "Die Barrings"1) (1955) nach gleichnamigen Romanvorlage von William von Simpson1) oder als König Friedrich Wilhelm III.1)  in dem Drama "Königin Luise"1) (1957), gedreht von Wolfgang Liebeneiner1) und erneut neben von Ruth Leuwerik in der Rolle der vom Volk verehrten Königin Luise1). In einigen internationalen Produktionen zeigte Borsche, dass er durchaus diesem Klischee entrinnen konnte, so als Abdel, Anführer der Räuber, in dem humorvollen Abenteuer "Ali Baba"1) (1954, "Ali Baba et les quarante voleurs"), in Szene gesetzt von Jacques Becker1) mit Fernandel als Titelheld Ali Baba. Jean Dréville1) besetzte ihn neben Dany Robin1) und Heinz Rühmann als Pilot Eddie Miller in der Liebesromanze "Zwischenlandung in Paris1) (1955, "Escale ŕ Orly"), Douglas Sirk1) als Hauptmann Rahe in dem Kriegsdrama "Zeit zu leben und Zeit zu sterben"1) (1958, "A Time to Love and a Time to Die"), dass nach dem Roman von Erich Maria Remarque1) entstanden war.

Dieter Borsche wird 1954 von Heribert Meisel1) in einem Wiener Hotel interviewt
Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek1) (ÖNB)
Urheber/Körperschaft: United States Information Service (USIS)1); Datierung: 03.1954
 © ÖNB/Wien, Bildarchiv (Inventarnummer US 23.589)

Spätestens mit seinen Rollen der 1960er Jahre verabschiedete sich Borsche von seinem bisherigen Leinwand-Image und bevorzugte nun meist zwielichtige Charaktere. So tauchte er in einigen Edgar Wallace-Verfilmungen1) auf, mimte den geheimnisvollen Heimleiter Paul Dearborn in dem Krimi "Die toten Augen von London"1) (1961), den undurchsichtigen Lord Harry Chelford in "Der schwarze Abt"1) (1963) und den verrückten Wissenschaftler Dr. Mac Ferguson in "Der Henker von London"1) (1963) nach "The White Carpet" von Bryan Edgar Wallace1)

In "Das Phantom von Soho"1) (1964), ebenfalls nach Bryan Edgar Wallace,  ging er als Chefinspektor Hugh Patton selbst auf Mörderjagd, um dann in die Welt von Karl May1) einzutauchen: In "Der Schut"1) (1964), "Durchs wilde Kurdistan"1) (1965) und "Im Reiche des silbernen Löwen" (1965) verkörperte er den spleenigen Engländer Sir David Lindsay1). Weitere Filme der 1960er mit Dieter Borsche waren unter anderem das eher mäßige Melodram "Ein Frauenarzt klagt an"1) (1964), das Abenteuer "Die Goldsucher von Arkansas"1) (1964), der Krimi "Der Arzt von St. Pauli"1) (1968) mit Curd Jürgens und das Historienabenteuer "Lady Hamilton – Zwischen Schmach und Liebe"1) (1968) von Christian-Jaque1) über das historisch verbürgte Liebespaar Lord Horatio Nelson1) und Emma Hamilton1) mit Richard Johnson1) und Michčle Mercier1), wo er als Dr. Graham in Erscheinung trat. Mit dem Streifen "Der Pfarrer von St. Pauli"1) (1970), erneut mit Curd Jürgens als Protagonist, verabschiedete sich Borsche von der Leinwand; wie schon in "Der Arzt von St. Pauli" spielte er einen Pastor → Übersicht Kinofilme.

Dieter Borsche als Herr Sidler in "Angeklagt nach § 218"1)
Schweizer Titel: "Der Arzt stellt fest…" → cyranos.ch
Quelle/Link: cyranos.ch bzw. Archiv "Praesens-Film AG" Zürich,
mit freundlicher Genehmigung von Peter Gassmann (Praesens-Film AG, Zürich)
© Praesens-Film AG

Dieter Borsche als Herr Sidler in "Angeklagt nach § 218" (Schweizer Titel: "Der Arzt stellt fest…"); Quelle: cyranos.ch bzw. Archiv "Praesens-Film AG" Zürich, mit freundlicher Genehmigung von Peter Gassmann (Praesens-Film AG, Zürich); Copyright Praesens-Film AG
Seit den 1960ern übernahm Dieter Borsche vermehrt Aufgaben für das Fernsehen, so überraschte er auch hier mit der "Schurkenrolle" des Malers John Hopedean in dem legendären sechsteiligen Durbridge-Straßenfeger "Das Halstuch" (1962). Doch überwiegend waren es Charakterrollen, die Borsche auf dem Bildschirm verkörperte. In "Die kleinen Füchse"3) (1962), nach dem Bühnenstück "The Children's Hour" von Lillian Hellman1), überzeugte er unter der Regie von Peter Beauvais1) als herzkranker Horace Giddens, der von seiner korrupten Ehefrau Regina (Gisela Uhlen) in den Tod befördert wird, als er nicht bereit ist, deren windige Bankgeschäfte zu unterstützen. Eine schöne Rolle war auch die des Funkhaus-Intendanten Osterode in den TV-Fassungen von Heinrich Bölls Satire "Doktor Murkes gesammeltes Schweigen" (1964), die Drehbucher zu "Doktor Murkes gesammeltes Schweigen"3) (1964) und "Doktor Murkes gesammelte Nachrufe"3) (1965) stammten von Dieter Hildebrandt, der auch den Redakteur Dr. Murke spielte, Robert Meyn1) mimte den Professor Bur-Malottke, Regie führte Rolf Hädrich1). Verschiedentlich verkörperte Borsche historische Persönlichkeiten, bereits 1959 sah man ihn als Oberstleutnant Marie-Georges Picquart1) in "Affäre Dreyfus3) nach dem Theaterstück "Die Affäre Dreyfus" von Hans José Rehfisch1) und Wilhelm Herzog1) über die Dreyfus-Affäre1). In dem Dokumentarspiel "In Sachen Erzberger gegen Helfferich" (1967) über den Erzberger-Helfferich-Prozess1) mit Helmut Peine1) als Reichsfinanzminister Matthias Erzberger1) und Heinz Weiss als ehemaliger Staatsminister Karl Helfferich1) trat er als Politiker Kuno Graf von Westarp1) auf, ebenso in "Hugenberg – Gegen die Republik"3) (1967) mit Hans Fitze1) als Medien-Mogul Alfred Hugenberg1). In "Berliner Blockade"3) (1968) über die "Berliner Luftbrücke" verlieh er dem US-General Lucius D. Clay1) Kontur, in "Der Reformator"1) (1968) über den von Christian Rode1) gespielten Reformator Martin Luther1) schlüpfte er in die Rolle des Theologen und Luther-Gegners Dr. Johannes Eck1). Das Doku-Drama "Das Haus Lunjowo"3) (1970) entstand nach dem Bericht "Odyssee in Rot"1) von Heinrich Gerlach1), hier beeindruckte er als General Walther Kurt von Seydlitz-Kurzbach1), der während der Schlacht von Stalingrad1) nachdrücklich gegen den Durchhaltebefehl Hitlers den Ausbruch aus dem Stalingrad-Kessel gefordert hatte und später in der Gefangenschaft für ein Anti-Hitler-Korps auf Seiten der Alliierten aus den gefangenen deutschen Soldaten warb. In dem Zweiteiler "Preußen über alles … – Bismarcks deutsche Einigung"4) (1971) mit Heinz Klevenow1) als Reichskanzler Otto von Bismarck1) war er der deutsche Kaiser  Wilhelm I.1), in "Max Hölz. Ein deutsches Lehrstück"1)  (1972) über den Komministen Max Hoelz1) (Günter Mack) der Oberpräsident Otto Hörsing1).
In den 1970ern stand Borsche wiederholt für die beliebte Krimi-Serie "Der Kommissar" vor der Kamera, spielte beispielsweise den Chef von Scotland Yard in dem Zweiteiler "Hoopers letzte Jagd" (1972, mit Max Mairich) oder war der Erzähler in dem Fünfteiler "Die Powenzbande" (1973) nach dem Roman von Ernst Penzoldt1), unter anderem mit Gustav Knuth als vitalem Familienoberhaupt Baltus Powenz und Ruth-Maria Kubitschek als dessen Ehefrau Sabine. Zu Borsches letzten bemerkenswerten Arbeiten vor der TV-Kamera zählten die Serie "Algebra um acht"1) (1973) mit dem Part des Schuldirektors Lenz, der Dreiteiler "Der Strick um den Hals" (1975) nach dem gleichnamigen Krimi von Émile Gaboriau1) – hier mimte er den nach einem Anschlag schwer verletzten Grafen von Claudieuse – und die Serie "Goldene Zeiten – Bittere Zeiten"4) (1981), wo er einige Folgen lang mit der Figur des Generals Walter Bielstock in Erscheinung trat → Übersicht TV-Produktionen.
 
Ebenfalls seit den 1960er Jahren konzentrierte sich Dieter Borsche auf seine Arbeit am Theater um der Gefahr der Standardisierung zu entgehen. So erlebte man ihn 1963 in Berlin am "Theater am Kurfürstendamm"1) – dem damaligen Haus der "Freien Volksbühne"1) – in der Inszenierung von Erwin Piscator1) bzw. Uraufführung des Schauspiels "Der Stellvertreter"1) von Rolf Hochhuth1) eindrucksvoll als Papst Pius XII.1) – unter anderem gestaltete Günther Tabor1) den fiktiven Jesuitenpater Riccardo Fontana, Malte Jaeger1) dessen Vater, den Grafen Fontana, einen maßgeblichen Berater von Pius XII. und Siegfried Wischnewski den SS-Obersturmführer Kurt Gerstein1). Die Premiere des Stücks am 20. Februar 1963, welches der Autor "ein christliches Trauerspiel" nannte und die Frage aufwarf, ob sich der Pontifex indirekt mitschuldig am Holocaust gemacht habe bzw. zu den Judendeportationen schwieg, rief weitreichende Kontroversen hervor ("Stellvertreter-Debatte") und führte zu internationalen diplomatischen Verwicklungen. Trotz der hitzigen Diskussionen brachte der "Hessische Rundfunk" (HR) die legendäre Aufführung als Hörspielfassung (EA: 21.10.1963) mit dem kompletten Uraufführungs-Ensemble heraus → ARD-Hörspieldatenbank; inszwischen ist die Produktion seit Januar 2033 auf CD verfügbar. 1964 glänzte Borsche ebenfalls an der "Freien Volksbühne" mit der Titelrolle des Dr. J. Robert Oppenheimer in der von Erwin Piscator in Szene gesetzten Berliner Uraufführung (23.01.1964) des Schauspiels "In der Sache J. Robert Oppenheimer"1) von Heiner Kipphardt1). Die Reaktionen waren ambivalent, ein Kritiker der F.A.Z, meinte damals: "Borsche macht die gescheite Nervosität eines gebildeten Mannes, die eitle Resignation eines Wissenschaftlers, der sich einer Zumutung ausgesetzt sieht, die Qual eines von seinen Forschungsergebnissen entsetzten Forschers – er macht sie vor, aber alle diese Gesten sind mühsame, äußere Rekonstruktion." (Quelle: deutschlandfunk.de). Rund 15 Jahre später sollte Borsche 1981 am "Bayerischen Staatsschauspiel"1) erneut in diesem Dokumentarstück auftreten, unter der Regie von Dieter Giesing1) gab er diesmal das Untersuchungsausschuss-Mitglied Ward V. Evans an der Seite von Hans-Michael Rehberg als J. Robert Oppenheimer. Ein weiteres Stück, in dem Borsche als Charakterdarsteller Aufsehen erregte, war seit der Premiere am 19. Oktober 1965 Erwin Piscators West-Berliner Inszenierung des auf den ersten Auschwitz-Prozessen1) in Frankfurt/M basierenden Dramas "Die Ermittlung"1) von Peter Weiss1) im Rahmen einer Ring-Uraufführung (an 17 Bühnen) im "Theater der Freien Volksbühne Berlin" ("Haus der Berliner Festspiele"1)), hier brillierte er als Richter, zusammen mit Horst Niendorf (Verteidiger) und Günter Pfitzmann (Ankläger) → www.zeit.de, Foto bei spiegel.de.
Dieter Borsche; Copyright Werner Bethsold

Unvergessen bleibt auch 1960 seine schauspielerische Leistung bzw. die Interpretation des Leutnants Franz Gerlach in dem Stück "Die Eingeschlossenen von Altona" von Jean-Paul Sartre1) an den "Städtischen Bühnen Essen", heute "Grillo-Theater"1) (Regie: Erwin Piscator, Premiere: 02.05.1960).
 
Der von allen Kollegen wegen seiner Professionalität hochgeschätzte Star litt seit 1944 an Muskelschwund und konnte in seinen letzten Jahren oft auf der Bühne nur noch wenige Schritte gehen. Als Psychiater Martin Dysart in "Equus"1) von Peter Shaffer1), bei dessen Aufführungen Borsche schon wegen der fortschreitenden Krankheit an den Rollstuhl gefesselt war, feierte er 1974 an der "Freien Volksbühne" in der Inszenierung von Kurt Hübner einen seiner letzten großen Theater-Erfolge.
Dennoch blieb Borsche aktiv, arbeitete weiterhin, wenn auch sporadisch, als Synchronsprecher, lieh unter anderem Max von Sydow (als Pater Lankester Merrin) in dem Horrorstreifen "Der Exorzist"1) (1973, "The Exorcist") seine Stimme → synchronkartei.de. Zunehmend war er im Hörspielstudio zu finden, wo er bereits seit Anfang der 1950er Jahre so manches Hörspiel bereichert hatte; eine Auswahl der bei der ARD Hörspieldatenbank gelisteten Produktionen findet man hier.

Foto freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Werner Bethsold1) (1925–2019)
© Werner Bethsold
Das Foto entstand Ende der 1970er Jahre während einer Hörspielproduktion.

Dieter Borsche starb am 5. August 1982 im Alter von 72 Jahren in einem Nürnberger1) Krankenhaus; die letzte Ruhe fand er in einem anonymen Grab auf dem Hauptfriedhof Öjendorf1) in Hamburg (Urnenfeld 1) → Foto bei knerger.de. Sein schriftlicher Nachlass befindet sich im Archiv der Berliner "Akademie der Künste" → Dieter-Borsche-Archiv.
Er hinterließ seine dritte Ehefrau, die Schauspielerin Ursula Willick1) (1940 – 2019), die er 1970 geheiratet hatte und mit der er in Nürnberg lebte. Aus seiner 1935 mit der Bühnenbildnerin Ursula Poser geschlossenen ersten Ehe stammen die Söhne Kai (geb. 1938), Peter (geb. 1940) und Michael (geb. 1944). Sohn Kai Borsche1) hat sich einen Namen als Kameramann und Regisseur gemacht, Peter Borsche als Fotograf und Graphik-Designer → norbert-graz.com. 1958 ließ sich das Paar scheiden, zwei Jahre später ehelichte Borsche die damals 25-jährige Berliner Zahnarzttochter Monika Drum; aus dieser 1970 geschiedenen Ehe ging Sohn Christian hervor.
 

Dieter Borsche gehört zu den Schauspielern, die den deutschen Nachkriegsfilm maßgeblich geprägt haben. Mit seinem Primanergesicht konnte er noch im Alter von Vierzig Studenten, Erbprinzen und Nachwuchsärzte spielen. Er verkörperte, was in der Adenauer-Zeit gesucht wurde: das Edle, Anständige und eine klare Welt, die nach Persönlichkeit und geistiger Reife geordnet sein sollte. Trotz virtuoser Ausflüge ins Heitere wie in "Fanfaren der Liebe" (1951) blieben seine Paraderollen die des Seelenvollen mit tiefen Blicken und einem Siegelring am Finger, der in eine Liebesbeziehung wie in einen Gottesdienst eintritt; ebenso im steifen Hemd gespielte preußische "Exerzierstöcke", deren eckige Körpersprache im anrührenden Gegensatz  zum warmen Stimmen-Timbre des Schauspielers standen.5)
An Auszeichnungen erhielt der Schauspieler 1951 und 1952 einen "Bambi"1) jeweils als "publikumsstärkster Filmstar des Jahres" sowie 1974 das "Filmband in Gold"1) für "langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film". Am 5. Januar 1979 wurde Borsche mit dem "Bundesverdienstkreuz am Bande"1) geehrt.

Siehe auch Wikipediacyranos.ch, filmportal.de sowie
den Artikel bei www.dw.com ("Deutsche Welle")
Fotos bei film.virtual-history.com
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) filmportal.de, 3) .Die Krimihomepage, 4) fernsehserien.de
Quelle: 5) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzlmeier/Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S. 47)
    
Filme
Kinofilme / Fernsehen
Filmografie bei der Internet Movie Database, filmportal.de
(Fremde Links: filmportal.de, Wikipedia, Die Krimihomepage, fernsehserien.de)
Kinofilme Fernsehen (Auszug)
Hörspielproduktionen (Auszug)
1950er / 1960er / 1970er1980er
(Fremde Links: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung), Wikipedia (deutsch/englisch), whoswho.de)
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