Brigitte Horney
Brigitte Horney wurde am 29. März 1911 in Berlin als älteste von drei Töchtern eines Industriellen (nach anderen Quellen war ihr Vater Arzt) und einer international anerkannten Psychoanalytikerin geboren. Die Mutter Karen war 1931 in die USA übergesiedelt, hatte jahrelang eine psychoanalytische Abteilung an der Universität Chicago und später in New York geleitet, wo sie 1952 verstarb; mit ihr gingen damals auch die zwei ältesten Töchter nach Amerika.
Brigitte Horney besuchte ein Lyzeum in Berlin und verbrachte später einige Zeit in einem Internat in der Schweiz;  sie besuchte die "Ilka-Grüning-Schauspielschule" (1928 – 1930), erhielt Tanzunterricht bei Mary Wigman. 1930 wurde ihr der "Max Reinhardt-Preis" als die beste Nachwuchsschauspielerin verliehen. Bevor sie ihr erstes Engagement in Würzburg antreten konnte, holte Robert Siodmak die Schauspielerin zu ihrer ersten Filmrolle in "Abschied" (1930) nach Babelsberg. Anschließende Theaterstationen wurden das "Deutsche Theater", die "Volksbühne" und das "Lessingtheater" in Berlin, dann kehrte sie 1934 zum Film zurück.  

Mit der Rolle des Mädchens Rubby in "Liebe, Tod und Teufel" hatte sie ihren ersten Erfolg. Das Lied, das sie darin mit tiefer, brüchiger Stimme sang, "So oder so ist das Leben, so oder so ist es gut…", wurde für sie zu einer Art Leitmotiv. Über Nacht war aus der Horney ein Star geworden, deren spröder Charme auch internationale Beachtung fand. Unvergessliche Filmrollen verkörperte sie in den 30er und 40er Jahren unter anderem in "Der grüne Domino" (1935) oder als Nastasia Dashenko in dem Albers-Streifen "Savoy Hotel 217" (1936); in Großbritannien drehte sie "Secret Lives" (1937) und "The House of the Spaniard", in Deutschland stand sie unter anderem für "Revolutionshochzeit" (1937), "Anna Favetti" (1938), "Du und ich" (1938), "Verklungene Melodie" (1938), "Der Gouverneur" (1939), "Eine Frau wie du" (1939), "Illusion" (1941), "Geliebte Welt" (1942) vor der Kamera, sowie in "Münchhausen" (1943) als Zarin Katharina II.
Kurz vor Kriegsende siedelte die Horney mit einer Zwischenstation in Österreich in die Schweiz über und spielte bald darauf am Schauspielhaus Zürich wieder Theater. So begeisterte sie dort ab 1946 zwei Jahre lang unter anderem in Stücken von von Max Frisch wie "Santa Cruz" und "Ihr Morgen ist Finsternis", beeindruckte in Sartres "Schmutzige Hände"; ab 1950 stand sie in Basel auf der Bühne. Von 1953 bis 1956 spielte sie in Göttingen bei Heinz Hilpert, unter anderem in Zuckmayers "Ulla Windblad" oder war als "Alkmene" in Kleists "Amphitryon" zu bewundern. Weitere herausragende Bühnenrollen hatte sie als "Agnes" in Frischs "Als der Krieg zu Ende war", als "Eliza" in Shaws "Pygmalion" und und unvergessen bleibt 1975 in Zürich die Titelrolle in Giraudouxs "Die Irre von Chaillot".

Seit 1948 hatte die Horney auch ihre Arbeit für den Film wieder aufgenommen, nach "Die Frau am Wege" (1948) drehte sie 1949 erstmals wieder mit "Verspieltes Leben" in einer deutschen Kinoproduktion mit. In den 50ern erlebte man sie beispielsweise als Mona Arendt in "Solange du da bist" (1953), sie spielte in "Gefangene der Liebe" (1954), "Der letzte Sommer" (1954) und "Der gläserne Turm" (1957). In Frank Wisbars Kriegsdrama "Nacht fiel über Gotenhafen"1) (1960) verkörperte sie eindrucksvoll die Generalin von Reuss, war die Tante Eleonore in "Das Erbe von Björndal"1) (1960), die Mrs. Sandbo in "Ruf der Wildgänse" (1961) oder die Lady Aston in "Neues vom Hexer"1) (1965).

Eine dritte Karriere begann Brigitte Honey Ende der 60er Jahre im deutschen Fernsehen, in dem sie 1959 erstmals in Sartres "Geschlossene Gesellschaft" zu sehen gewesen war. Neben Auftritten in so beliebten Krimi-Reihen wie "Derrick" oder "Der Kommissar" hatte sie eindrucksvolle Fernsehrollen unter anderem in "Eine etwas sonderbare Dame" (1968), "Die Vitrine" (1972), dem Dokumentarspiel "Kleine bunte Freudenspender" (1977), "Einzelzimmer" (1979) oder als Tante Polly in der Fernsehserie nach Mark Twains "Tom Sawyer und Huckleberry Finn" (1980). In "Teegebäck und Platzpatronen" (1980) mimte sie die Flora Lungley, unvergesslich bleibt sie durch die Fernseh-Reihe "Jakob und Adele"1) zusammen mit Carl Heinz Schroth; in der ZDF-Serie "Das Erbe der Guldenburgs"1) (1987 – 1990) spielte die Horney noch einmal mit der Rolle der vitalen Gräfin Herta von Guldenburg eine dieser alten Damen, die durch ihre Strenge imponieren und dennoch – dank lebenserfahrener Direktheit – liebenswert wirken.
Während der Dreharbeiten zu 13 neuen Folgen der "Guldenburg"-Serie verstarb der Ufa-Star Brigitte Horney am 27. Juli 1988 in Hamburg an Kreislaufversagen.
  
Ihre herbe Ausnahmeerscheinung mit den markanten Gesichtszügen, dem gewölbten, spitzen Mund, hervorstehenden Backenknochen, eingefallenen Wangen und großen dunkelgrauen Augen prädestinierte sie für ehrgeizige, selbstbewusste Frauengestalten. Ob sie Zarinnen, Krankenschwestern, große Damen oder gute Kameradinnen verkörperte, sie besaß immer weltoffenen Charme und eine gelassene damenhafte Nonchalance. Nach ihren sonderbaren Damen in den Wallace-Filmen der sechziger Jahre spielte sie am Ende überwiegend vehemente Alte, die kess und bezaubernd wach sind. ("Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz)

Die Schauspielerin hatte seit 1952 ihren ständigen Wohnsitz in Boston, wo ihr zweiter Mann, der Kunsthistoriker Dr. Hanns Swarzenski, als Kurator des "Museums of Fine Arts" wirkte. Jahr für Jahr kehrte sie jedoch nach Deutschland zurück, um dort ihren verschiedenen Schauspielverpflichtungen nachzukommen. In erster Ehe war die Horney von 1941 bis 1954 mit dem Kameramann Konstantin Irmen-Tschet verheiratet gewesen.
Zahlreiche Ehrungen zeugen von dem herausragenden Leistungen der Horney. So wurde sie bereits 1930 mit dem "Reinhardt-Preis" ausgezeichnet, erhielt für ihre langjährige Filmarbeit 1972 das "Bundesfilmband in Gold"; 1983 wurde ihr die "Goldene Kamera" der Zeitschrift HÖRZU überreicht und 1987 der von WDR und ZDF vergebene Fernsehpreis "Tele-Star".
 
1) Der Link führt zu Wikipedia
Textteile des Kurzportraits aus: "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz
Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch
Fotos bei film.virtual-history.com
  
Kinofilme
Filmografie bei der german.imdb.com
(Die Links führen zur Murnau-Stiftung)
1930: Abschied
1930: Rasputin, Dämon der Frauen
1931: Fra Diavolo
1933: Heideschulmeister Uwe Karsten
1934: Der Ewige Traum
1934: Ein Mann will nach Deutschland
1934: Liebe, Tod und Teufel
1934: Rêve éternel
1935: Blutsbrüder
1935: Der Grüne Domino
1936: Savoy-Hotel 217
1936: Stadt Anatol
1936: The House of the Spaniard
1937: Der Katzensteg
1937: Secret Lives
1938: Anna Favetti
1938: Du und ich
1938: Revolutionshochzeit
1938: Verklungene Melodie
1938: Ziel in den Wolken
1939: Aufruhr in Damaskus
1939: Befreite Hände
1939: Der Gouverneur
1939: Eine Frau wie Du
1940: Feinde
1941: Das Mädchen von Fanö
1941: Illusion
1942: Geliebte Welt
1943: Münchhausen
1947: Am Ende der Welt
1949: Die Frau am Wege
1949: Verspieltes Leben
1950: Melodie des Schicksals
1953: Solange Du da bist
1954: Der Letzte Sommer
1954: Gefangene der Liebe
1957: Der Gläserne Turm
1959: Nacht fiel über Gotenhafen
1960: Das Erbe von Björndal
1961: Ruf der Wildgänse
1963: Miracle of the White Stallions
1965: Neues vom Hexer
1966: Das Geheimnis der weißen Nonne
1966: Ich suche einen Mann
1981: Charlotte
1983: Bella Donna
Fernsehfilme (Auszug):
Eine etwas sonderbare Dame (1960)
Ein Stern in einer Sommernacht (1961)
Antonia (1968)
Das Geheimnis der alten Mamsell (1972)
Eine Nacht im Oktober (1976–1977)
Wunder einer Nacht (1979)
Billy (20 Teile, 1981)
Das Traumschiff (1983)
Alte Gauner (Serie 1985)
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