Bernhard Goetzke wurde am 5. Juni 1884 in Danzig1) (heute Gdańsk, Polen) geboren. Bevor er zu einem vielbeschäftigten und prägenden Darsteller im Stummfilm avancierte, hatte privaten Schauspielunterricht genommen und anschließend in Düsseldorf1) sein Bühnendebüt gegeben. Über Hagen1) und Dresden1) kam er während des 1. Weltkrieges nach Berlin, spielte dort an verschiedenen Theatern wie den von Max Reinhardt1) geleiteten "Reinhardt-Bühnen"1) und kam auch mit dem aufstrebenden Filmgeschäft in Kontakt. Erstmals wird sein Name in dem stummen Streifen "Das Bild der Geliebten" (1916)sowie in dem Horrorfilm "Furcht"1) (1917) erwähnt, bis Ende der 1910er Jahre sollten zunächst kleinere Parts in weiteren Produktionen folgen. Zu Goetzkes frühen Leinwandauftritten zählen unter anderem der dreiteilige Monumentalfilm "Veritas Vincit"1) (1919) von Regisseur Joe May1), der Detektivfilm mit Max Landa "Die Japanerin"2) (1919) oder "Der Dolch des Malayen"1) (1919) aus der "Joe Deebs"1)-Reihe mit Carl Auen als Detektiv Joe Deebs, wo der markante Mime fremdländische Figuren darzustellen hatte. In dem von Ernst Lubitsch1) in Szene gesetzten Historienfilm "Madame DuBarry"1) (1919) mit Pola Negri in der Titelrolle der Marie-Jeanne Bécu, comtesse du Barry1) und Emil Jannings als König Ludwig XV.1) tauchte er als Revolutionär auf,  wenig später wirkte er in dem vierteiligem Abenteuer "Die Jagd nach dem Tode"1) (1920/21) mit und trat als Lubzang, Diener von Bauingenieur McAllan (Nils Chrisander1) in Erscheinung → siehe auch die Infos zu Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4 bei der "Murnau Stiftung".

Foto: Bernhard Goetzke um 1922
Urheber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: Wikipedia; Ross-Karte Nr. 497/2 (Ausschnitt)
Angaben zur Lizenz (gemeinfrei) siehe hier

Bernhard Goetzke um 1922; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: Wikipedia; Ross-Karte Nr. 497/2 (Ausschnitt); Lizenz: Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei.
Einmal mehr an der Seite von Emil Jannings als Pharao Osorco und Erna Morena als Prinzessin Amnertis zeigte er sich als Paophis in dem Drama "Der Schädel der Pharaonentochter"1) (1920) sowie als einer der Söhne des alten  Karamasoff (Fritz Kortner) in "Die Brüder Karamasoff"1) (1920), gedreht von Carl Froelich1) nach dem gleichnamigen Roman1) von Fjodor Dostojewski1) mit Jannings als Dimitri), Goetzke als Iwan und Hermann Thimig als Alexej Karamasoff. In Joe Mays monumentalem Klassiker "Das indische Grabmal"1) (1921) mit den beiden Teilen "Die Sendung des Yoghi"2) und "Der Tiger von Eschnapur"2) nach dem Drehbuch von Fritz Lang1) und Thea von Harbou1) bzw. deren Romanvorlage mimte er den Yoghi Ramigani 'Rami', in dem Drama "Die Verschwörung zu Genua1) (1921) nach Motiven des Dramas "Die Verschwörung des Fiesco zu Genua"1) von Friedrich Schiller1) mit Wilhelm Diegelmann als Doge von Genua Andreas Doria1), Fritz Kortner als dessen Neffe Gianettino Doria und Hans Mierendorff als Kopf der Verschwörer Fiesco, Graf von Lavagna, gehörte Goetzke als Verschworener Calcagno ebenfalls zur hochkarätigen Darsteller-Riege.
Szenenfoto mit Bernhard Goetzke und Lil Dagover aus "Der müde Tod" (1921); aus: "Vom Werden deutscher Filmkunst/1. Teil: Der stumme Film" von Dr. Oskar Kalbus (Berlin 1935, S. 64) bzw. Bilder aus dem Sammelwerk Nr. 10/Ross-Verlag 1922/1923); Urheber: Unbekannter Fotograf; Quelle: virtual-history.com; Lizenz: gemeinfrei Spätestens mit seiner genialen Interpretation von "Tod", "Gärtner El Mot" und "Bogner des Kaisers" in Fritz Langs Meisterwerk "Der müde Tod"1) (1921) mit dem Untertitel "Ein deutsches Volkslied in sechs Versen" wurde Bernhard Goetzke berühmt und weltbekannt: Ein geheimnisvoller Fremder, niemand Geringerer als "Der Tod" (Bernhard Goetzke), nimmt einer jungen Frau (Lil Dagover) den Geliebten. In ihrer Überzeugung, dass die Liebe stärker sei als der Tod, fordert die Frau den Geliebten (Walter Jansen) zurück. In einem Meer von flackernden Kerzen, Millionen von sprichwörtlichen Lebenslichtern, wird ihr der Wunsch gewährt, jedoch nur unter der Bedingung, dass es ihr gelänge, drei der Flammen am Erlöschen zu hindern.
 
Szenenfoto /Standbild mit Bernhard Goetzke und
Lil Dagover aus "Der müde Tod" (1921)
Produktion: "Decla-Bioscop AG"1) (Berlin), Produzent: Erich Pommer1)
Aus: "Vom Werden deutscher Filmkunst/1. Teil: Der stumme Film"
von Dr. Oskar Kalbus1) (Berlin 1935, S. 64) bzw. Bilder aus dem
Sammelwerk Nr. 10/Ross-Verlag 1922/1923); Urheber: Unbekannter Fotograf
Quelle: virtual-history.com; Angaben zur Lizenz (gemeinfrei) siehe hier
In drei Episoden, die im Bagdad der Kalifen, im Venedig der Renaissance und im alten China spielen, verwebt der Film nun diese Aufgabe mit dem Kampf junger Frauen um die Leben ihrer Verlobten. Doch keine der Flammen überdauert die ihr zugestandene Zeit, und so geht die Frau schließlich auf ein letztes unmögliches Angebot des Todes ein… (Quelle: stummfilmmusiktage.de)  
Die Zusammenarbeit mit Fritz Lang fand ihre Fortsetzung in dem zweiteiligen Klassiker "Dr. Mabuse, der Spieler"1) (1922) nach der Romanvorlage von Norbert Jacques1) mit Rudolf Klein-Rogge als Dr. Mabuse und seinem Part des Staatsanwalts von Wenk, dem Leiter des Spezialdezernats zur Bekämpfung der Spielleidenschaft, sowie in dem Nibelungen-Zweiteiler1) (1924) "Siegfried"2) mit Paul Richter als Siegfried1) und "Kriemhilds Rache"2) mit Margarete Schön als Kriemhild1), wo er die Figur des Spielmanns Volker von Alzey1) darstellte. Ernst Lubitsch besetzte ihn erneut in der aufwendig in Szene gesetzten Geschichte "Das Weib des Pharao"1) (1922) neben Emil Jannings (Pharao Amene) und Dagny Servaes (griechische Sklavin Theonis), mit Asta Nielsen und Paul Wegener stand Goetzke für die Adaption "Vanina oder Die Galgenhochzeit"1) (1922) nach Motiven der Novelle "Vanina Vanini" von Stendhal1) vor der Kamera, erneut neben Jannings als russischer Zar Peter der Große1) präsentierte er sich in dem Historienstreifen "Peter der Große"1) (1922) und stellte den Minister Menschikoff dar. Eindrucksvoll war auch sein aus dem Gefängnis entlassener Ingenieur Kramer in dem Sozialdrama "Die Verrufenen"1) (1925) mit Aud Egede Nissen als Straßenmädchen Emma, eine von Gerhard Lamprecht1) inszenierte "Milljöh"1)-Studie "nach Erlebnissen" von Heinrich Zille1), die mit "Die Unehelichen"1) (1926) eine Fortsetzung fand und in der er den Schiffer Lorenz spielte. In dem als verschollen geltenden Kriegs-Melodram "Die versunkene Flotte"1) (1926) nach dem Roman des ehemaligen deutschen Marineoffiziers Helmut Lorenz konnte Goetzke fas Publikum als Korvettenkapitän Barnow überzeugen,
Bis Ende der 1920er Jahre blieb Bernhard Goetzke ein vielbeschäftigter Stummfilmdarsteller, wirkte zudem in internationalen Produktionen mit, so unter anderem in den deutsch-britischen Co-Produktionen "Die Prinzessin und der Geiger"1) (1925, "The Blackguard") und "Der Bergadler"1) (1926, "The Mountain Eagle"). Bereits bei der von Regisseur Graham Cutts1) realisierten Romanverfilmung "The Blackguard" hatte Alfred Hitchcock1) als Co-Autor fungiert sowie auch mehrere Szenen für den Film selbst gedreht, bei dem Drama "The Mountain Eagle" war Hitchcock dann allein für die Regie zuständig. In Italien entstand unter der Regie von Carmine Gallone1) und Amleto Palermi1) der Monumentalfilm "Die letzten Tage von Pompeii" (1926, "Gli Ultimi giorni di Pompeii") nach dem Roman "Die letzten Tage von Pompeji"1) von Edward Bulwer-Lytton1), in dem er als der ägyptische Isis1)-Priester Arbacesin erschien, in Frankreich "La vestale du Gange" (1927, Regie: André Hugon) und mit "Falschmünzer"2) (1928, "Salamandra") die erste deutsch-sowjetischen Co-Produktion überhaupt. In dem von Grigori Lwowitsch Roschal frei nach der tragischen Geschichte des österreichischen Biologen Paul Kammerer1) (1880 – 1926) gedrehten Streifen war Goetzke der ehrbare und klassenkämpferische Universitätsprofessor Zange, der Züge von Kammerer trägt und von konservativen Kräften aus seinem Kollegenkreis und der Kirche verleumdet wird. In Deutschland wurde der Film unter dem Titel "Falschmünzer" jedoch nicht zugelassen. Die Zensur bezeichnete ihn als "antideutschen Hetzfilm", der nicht nur die Zuschauer mit Aufnahmen aus unterschiedlichen deutschen Städten verwirren, sondern "der Herabsetzung des Ansehens des Geisteslebens" dienen würde ("Berliner Börsen-Zeitung", Nr. 40,  24.01.1929)." (Quelle: filmblatt.de).

Foto: Bernhard Goetzke vor 1929
Ross-Karte Nr. 497/1; Urheber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
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Bernhard Goetzke vor 1929; Urheber: Alexander Binder (1888–1929): Lizenz: gemeinfrei
Erwähnenswert sind weiterhin das in China spielende Abenteuer "Die Gefangene von Shanghai"1) (1927) mit seiner Rolle des General Hai Lung, chinesischer Gegenspieler des englischen Konsuls Ralph Sinclair (Jack Trevor) und dessen Gemahlin Maria (Carmen Boni), die Adaption "Feme"1) (1927) nach dem Roman von Vicki Baum1) mit Goetzke als Universitätsprofessor Lenzberg und das Drama "Das gefährliche Alter" (1927) nach dem Roman von Karin Michaëlis1) mit dem Part des Hochschulprofessor Richard Lindtner bzw. Gatten von Elsie (Asta Nielsen). Letzte Auftritte in Stummfilmen waren der Gefangene Abbé Faria in der von HenriFescourt1) gedrehten französischen Produktion "Der Graf von Monte Christo"3) (1929, "Monte Christo") nach dem gleichnamigen Roman1) von Alexandre Dumas d. Ä.1) mit Jean Angelo1) als Edmond Dantčs und der Lehrer in Richard Oswalds1) Verfilmung "Frühlingserwachen"1) (1929) nach dem gleichnamigen Drama1) von Frank Wedekind1) → Übersicht Stummfilme.
  
Mit Beginn des Tonfilms verblasste der Ruhm des Stummfilmstars, Goetzke stand zwar weiterhin vor der Kamera, musste sich jedoch immer öfter mit kleineren Aufgaben begnügen. Sein erster Tonfilm war unter der Regie von Richard Oswald der Klassiker "Alraune"1) (1930) nach der Schauergeschichte "Alraune. Die Geschichte eines lebenden Wesens"1) von Hanns Heinz Ewers1) mit Brigitte Helm als Prostituierte Alma sowie Alraune und Albert Bassermann als ihr gewissenloser Schöpfer Geheimrat Prof. ten Brinken, wo er dessen Assistenten Dr. Petersen mimte. Markante Nebenrollen Rollen hatte er anschließend in zwei weiteren, von Richard Oswald inszenierten Produktionen, die des Untersuchungsleiters General de Pellieux in "Dreyfus"1) (1930) über die "Dreyfus-Affäre"1) mit Fritz Kortner als Hauptmann Alfred Dreyfus1) und die des Königs Peter I. von Serbien1) in "1914, die letzten Tage vor dem Weltbrand"1) (1931) nach "Die kritischen 39 Tage von Sarajewo bis zum Weltbrand" des Historikers Eugen Fischer-Baling1). Auch in Gerhard Lamprechts1) Historienfilm "Der schwarze Husar"1) (1932) konnte Goetzke als Herzog Friedrich Wilhelm von Braunschweig1) noch einmal an frühere Glanzzeiten anknüpfen. In all den weiteren, zahllosen Kinoproduktionen, in denen er bis Kriegsende mitwirkte, blieb er meist auf unbedeutende Nebenrollen reduziert.
Im Nachkriegsfilm fand Goetzke so gut wie keine Beschäftigung mehr, lediglich in zwei DEFA1)-Produktionen wurde er noch einmal mit (stummen) Rollen besetzt, zeigte sich als Priester in dem Biopic "Semmelweis – Retter der Mütter"1) (1950) mit Karl Paryla als Dr. Ignaz Philipp Semmelweis1) und als armer Bauer am Karussell in "Das kalte Herz"1) (1950) nach dem gleichnamigen Märchen1) von Wilhelm Hauff1) mit Lutz Moik als Peter Munk → Übersicht Tonfilme.
Beim Fernsehen konnte er ebenfalls nicht Fuß fassen, so sah man ihn noch als Herrn Woods in den dem Stück "Gericht bei Nacht" (1957) nach dem Schauspiel von Ladislas Fodor1) und als 1. Lord in "Elisabeth von England"3) (1961) nach dem Theaterstück von Ferdinand Bruckner1) mit Elisabeth Flickenschildt als Elisabeth I.1).
Der Schauspieler widmete sich nach 1945 nun vornehmlich der Arbeit am Theater und wirkte zudem als Sprecher beim Rundfunk. So hörte man ihn unter anderem als Bauer Michel in "Der gestiefelte Kater"5) (EA: 23.09.1949) nach der gleichnamigen Komödie1) von Ludwig Tieck1).

Bernhard Goetzke, der bis zu seine Tod Jahrzehnte lang ein renommiertes Ensemblemitglied des Berliner "Schillertheaters"1) war, starb am 7. Oktober 1964 im Alter von 81 Jahren in Berlin (West). Im "Deutschen Bühnenjahrbuch" (1964) wird er folgendermaßen gewürdigt: "Er gehörte mit seinem scharf geprägten Antlitz, der hohen Stirn und den tiefliegenden Augen sowie der hohen, schlanken Gestalt zu den eindrucksvollsten Erscheinungen unter den deutschen Stummfilmschauspielern." 
Siehe auch cyranos.ch, Wikipedia sowie
den Artikel von Volker Wachter bei der ehemaligen
Website defa-sternstunden.de → web.archive.org
Fotos bei virtual-history.com
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) filmportal.de, 3) filmdienst.de, 4) Die Krimihomepage, 5) ARD Hörpieldatenbank
Lizenz Foto Bernhard Goetzke (Urheber: Alexander Binder): Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei.
Lizenz Szenenfoto aus "Der müde Tod" (1921): Dieses Bild ist gemeinfrei, da das Urheberrecht abgelaufen und der Autor anonym ist. Das gilt in der EU und solchen Ländern, in denen das Urheberrecht 70 Jahre nach anonymer Veröffentlichung erlischt.
  
Filme
Stummfilme / Tonfilme / Fernsehen
Filmografie bei der
Internet Movie Database sowie filmportal.de
(Fremde Links: Wikipedia, filmportal.de, Murnau Stiftung, cyranos.ch, Die Krimihomepage; R = Regie)
Stummfilme (Auszug) Tonfilme Fernsehen
  • 1957: Gericht bei Nacht (nach dem Schauspiel von Ladislas Fodor; als Herr Woods;  → IMDb; Kurzinfo: Der Gärtner
    Jehuda Jacobsohn (Reinhard Kolldehoff) steht vor Gericht. Er wird beschuldigt, die Leiche Christi heimlich beiseite geschafft zu haben.
    Leidenschaftlich widerlegt sein Verteidiger (Paul Edwin Roth) diese Behauptung. Der Staatsanwalt (Friedrich Joloff) läßt im Laufe
    des Prozesses fast alle Personen der biblischen Überlieferung vernehmen. Jede Frage zielt dabei auf den Kern des christlichen
    Glaubens: ist Christus auferstanden? Fodor, der in den USA lebende ungarische Schriftsteller, sucht in seinem Bühnenstück
    mit modernen Mitteln die religiös Gleichgültigen zu einer Auseinandersetzung mit dem Christentum zu bringen.
    (Quelle: hoerspiele.dra.de))
  • 1961: Elisabeth von England (nach dem Theaterstück von Ferdinand Bruckner; mit Elisabeth Flickenschildt als Elisabeth I.; als 1. Lord)
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