Filmografie / Hörspiel
Hans-Reinhard Müller 1962; Urheber/Fotograf: Willy Pragher (1908–1992); Lizenz: CC BY 3.0 DE; Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg,  Abt. "Staatsarchiv Freiburg", W 134 (Filmegative III) Sammlung Willy Pragher I: Filmnegative II; Rechteinhaber: Landesarchiv Baden-Württemberg Hans-Reinhard Müller wurde am 15. Januar 1922 als Sohn des Gymnasialprofessors Johannes Baptista Müller (1877 – 1948) in Nürnberg1) (Bayern) geboren. Seine Mutter Marga Müller (1892 – 1981), Schriftstellerin, Pianistin und Pädagogin, gründete im Herbst 1948 gemeinsam mit Freunden in Pullach1) bei München den Verein "Katholisches Familienwerk"1) (KFW) und eröffnete im Januar 1950 einen Kindergarten für berufstätige und allein stehende Mütter; später kamen eine Volksschule (1953), ein Gymnasium (1963) und eine Realschule (1969) dazu → marga-mueller-kiga.de.
Gleich nach dem Abitur, das Hans-Reinhard Müller 1940 am Münchener "Wilhelmsgymnasium"1) ablegte, nahm er bei dem Schauspieler Friedrich Kayssler (1874 – 1945) Unterricht, 1941 gab er sein Bühnendebüt am "Stadttheater Klagenfurt"1) in der Operette "Das Land des Lächelns"1) von Franz Lehár1).
Müllers beginnende Schauspielerkarriere wurde durch den 2. Weltkrieg unterbrochen, er musste seinen Kriegsdienst leisten und konnte erst nach 1945 seine beruflichen Pläne wieder aufnehmen. Zunächst trat er am Münchner "Theater der Jugend" auf, von 1946 bis 1948 war er bei Erich Engel1) an den "Münchner Kammerspielen"1) engagiert. Während dieser Zeit studierte er gleichzeitig Philosophie, neuere deutsche Literaturgeschichte und Geschichte des Mittelalters.

Hans-Reinhard Müller 1962
Urheber/Fotograf: Willy Pragher1) (1908–1992); Lizenz: CC BY 3.0 DE
Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg,  Abt. "Staatsarchiv Freiburg",
W 134 (Filmegative III) Sammlung Willy Pragher I: Filmnegative II
Rechteinhaber: Landesarchiv Baden-Württemberg1)

1948 wurde Müller an das "Bayerische Staatsschauspiel"1) verpflichtet, wo ihm Intendant Kurt Horwitz 1952 eine ersten Regie anvertraute und ihn ein Jahr später zu seinem persönlichen Mitarbeiter machte. Bis 1960 wirkte Müller dort als Schauspieler und Regisseur, seit 1954 war er überdies stellvertretender Intendant, wurde 1957 zum Koordinator der drei "Bayerischen Staatstheater" ernannt. 1960 übernahm er die Intendanz der "Städtischen Bühnen"1) in Freiburg/Breisgau und "leitete dieses Drei-Sparten-Haus neun Jahre lang mit außerordentlichem künstlerischen und wirtschaftlichen Erfolg; Nachwuchsentdeckung und -pflege lagen ihm besonders am Herzen."2) Zu Müllers wichtigen Inszenierungen in Freiburg zählten unter anderem die Uraufführung des Schauspiels "Die Abendgesellschaft" (1961) von Maria Matray und Answald Krüger1) und die deutschen Erstaufführung des Stücks "Andacht zum Kreuz" (1962) von Calderón de la Barca1).
Dann ging Müller nach München zurück und leitete bis 1973 die renommierte "Otto-Falkenberg-Schule"1). Als Nachfolger von August Everding1) (1928 – 1999) betraute man Müller dann 1973 mit der Intendanz der "Münchner Kammerspiele", eine Funktion, die er für die nächsten zehn Jahre überaus erfolgreich ausfüllte. So umstritten seine Wahl gewesen war – dank eines basisdemokratischen Experiments siegte er mit der Stimmenmehrheit der nicht-künstlerischen Angestellten des Hauses gegen starke Konkurrenzr –, so schwierig sich dann auch seine Anfangsjahre gestalteten: Mit der Verpflichtung von Dieter Dorn1) und Ernst Wendt1) gelang ihm 1976 der entscheidende Durchbruch. Unter seiner klug vermittelnden, zurückhaltenden Leitung behaupteten sich die "Kammerspiele" als eine der führenden deutschen Bühnen. Ganz im Dienst des Hauses, seiner Regisseure und Schauspieler stehend, traf und trug Müller wagemutige künstlerische Entscheidungen, auch wenn sie seinen weltanschaulichen Überzeugungen zuwiderliefen, und verstand es, sein Theater gegen politische und juristische Angriffe wirkungsvoll zu verteidigen. 1983 setzte er sich für die Wahl Dieter Dorns zu seinem Nachfolger ein und sorgte so für künstlerische Kontinuität weit über das Ende seiner eigenen Amtszeit hinaus.2) Er selbst brachte unter anderem zur Spielzeit 1975/76 Ibsens Drama "Gespenster"1) und das Lustspiel "Der Unbestechliche"1) von Hugo von Hofmannsthal1) auf die Bühne, inszenierte die deutschsprachige Erstaufführung des mit dem "Pulitzer-Preis" für Theater"1) ausgezeichneten Zwei-Personenstücks "Gin Rommé" (Premiere: 20.06.1978) von Donald L. Coburn1) mit Maria Nicklisch und Peter Lühr → rowohlt-theaterverlag.de. Nach seiner Zeit an den "Münchner Kammerspielen" übernahm Müller gelegentlich Gastinszenierungen am Theater, führte bei einigen Fernsehproduktionen Regie und arbeitete wieder verstärkt als Schauspieler.
Als Darsteller beeindruckte der vielseitige Künstler unter anderem als Notar Dettmichel in der satirischen Komödie "Die Kassette" von Carl Sternheim1) und als Graf Aloysius Palen in "Der Snob"1) (auch Regie) – ebenfalls von Sternheim. Den Paulus Snyder, Major der Schwarzen Strohhüte, spielte er in dem Brecht-Drama "Die heilige Johanna der Schlachthöfe"1), in dem Ibsen-Schauspiel "Die Wildente"1) (auch Regie) interpretierte er den alternden Großkaufmann Konsul Werle, unter der Regie von Dieter Dorn gab er den Teufel in dem Weltendrama "Merlin oder Das wüste Land"1) (1981/82) von Tankred Dorst1). Weitere Bühnenfiguren gestaltete er beispielsweise in dem Drama "Doña Rosita oder die Sprache der Blumen" von Federico García Lorca1) (1976/77; 1978 auch TV), in der Tragödie "Judith"1) von Friedrich Hebbel1) (Premiere: 26.04.1983; Regie: Frank-Patrick Steckel1)) und in dem Schauspiel "Die Möwe"1) von Anton Tschechow1) (1984).

Bereits seit 1958 wurde Müller durch die TV-Sendung "Samstagnachmittag zu Hause"3), einer bunten Unterhaltungsshow mit Müller und Gästen sowie Filmbeiträgen, einem breiten Publikum bekannt, bis 1967, war er damit auf dem Bildschirm präsent. Hatte er in den 1960er Jahren überwiegend beim Fernsehen als Regisseur fungiert, übernahm er ab Mitte der 1970er Jahre vermehrt schauspielerische Aufgaben und zeigte sich meist in Produktionen mit bayerischem Kolorit. Er trat mit Episodenrollen beispielsweise Vorabendserie "Münchner Geschichten"1) (1974) auf, tauchte in der "Tatort"-Folge "Schwarze Einser"1) (1978) neben Kommissar Veigl (Gustl Bayrhammer) auf. Ein Jahr später verkörperte er den bayerischen Schriftsteller Ludwig Ganghofer1) in dem Film "Blauer Himmel, den ich nur ahne" (1979), gedreht von Stephan Rinser (Sohn von Luise Rinser1)) und einem Drehbuch von Georg Althammer1) nach den Tagebuchaufzeichnungen von Ludwig Thoma1) mit Jörg Hube als Thoma. Franz Josef Wild1) besetzte ihn als Sägewerksbesitzer Kern in seinem Problemfilm "Die Undankbare"1) (1980), in der Literaturadaption "Kerbels Flucht"4) (1984) nach dem gleichnamigen Roman von Uwe Timm1) mit Peter Sattmann in der Hauptrolle war er ebenso zu sehen wie in der Kult-Serie "Monaco Franze – Der ewige Stenz"1).  So richtig populär bzw. selbst zum Serien-Star wurde Müller wenig später in den Geschichten um "Die Wiesingers"1) bzw. einer Familie von der Jahrhundertwende bis 1932. In den Jahren 1984 und 1988 entstanden vom "Bayerischen Rundfunk"1) zwei Staffeln mit insgesamt 20 Folgen à 45 Minuten nach einem Drehbuch von Leopold Ahlsen1) und in Szene gesetzt von Bernd Fischerauer1). Hier erfreute er die Zuschauer als Kommerzienrat Anton Wiesinger bzw. Seniorchef der angesehenen Münchner Brauerfamilie "Wiesinger Bräu" – Hans-Reinhard Müller bleibt mit dieser Rolle bis heute unvergessen: Anton ist ein "typischer Patriarch und neigt dazu, wichtige Entscheidungen für sich allein im "stillen Kämmerlein" zu treffen und die Familie häufig nicht einmal zu informieren. Seinen erwachsenen Kindern gegenüber verhält er sich autoritär und bevormundend. Während Sohn Ferdl (Werner Stocker) ihm grundsätzlich nichts recht machen kann wird Tochter Theres (Irene Clarin1)) von ihm übertrieben behütet. Lediglich Nesthäkchen Toni (Florian Kern, später Ulrich Gebauer1)) kann sich im Windschatten der Geschwister relativ unbelastet entwickeln. Antons erste Ehe mit Gabriele (Gaby Dohm) leidet auch unter seiner häufigen Untreue. Nach deren Unfalltod heiratet er die wesentlich jüngere Französin Lisette (Diane Stolojan)" notiert Wikipedia.
Weitere Arbeiten für das Fernsehen waren unter anderem die "Tatort"-Folge "Schicki-Micki"1) (1985) mit Kriminalkommissar Ludwig Lenz (Helmut Fischer), wo Müller auch Regie führte. Seine Leinwandauftritte bleiben überschaubar, in "Marie Ward – Zwischen Galgen und Glorie"1) (1985) mit Hannelore Elsner in der Titelrolle der englischen Ordensschwester Marie Ward1) stellte er den Papst Gregor XV.1) dar, gehörte mit einer (ungenannten) Rolle zur Besetzung des Biopics über den Jesuiten Rupert Mayer1) (Dietrich Mattausch) mit dem Titel "Flammenzeichen" (1985). Eine letzte Leinwandrolle übernahm er als Dr. Juckenack in "Das schreckliche Mädchen"1) (1989), gedreht von Michael Verhoeven nach dem authentischen Fall der Anna Elisabeth Rosmus mit Lena Stolze in der Titelrolle, eine Produktion, die erst nach seinem Tod in die Kinos gelangte → Übersicht Filmografie.

Neben seiner umfangreichen Tätigkeit vor allem für das Theater machte sich Hans-Reinhard Müller auch einen Namen als Autor: Er veröffentlichte zahlreiche Bücher, unter anderem "Ein deutsches Stadttheater – Freiburg 1866–1966", "Reden und Aufsätze", "Linien – eine Dokumentation", "Stress – unser Schicksal" und (als Herausgeber) "Theater für München. Ein Arbeitsbuch der Kammerspiele 1973–1983". Zudem ist er mit seinen Lesungen aus dem Versepos "Heilige Nacht"1) von Ludwig Thoma1) in nachhaltiger Erinnerung geblieben, erzählt wird die Weihnachtsgeschichte nach dem Lukasevangelium1) in bairischem Dialekt. Auch im Hörspielstudio war Müller zu finden, beispielsweise sprach er ab 1955 im "Bayerischen Rundfunk"1) den Schriftsteller Anton Pfister, genannt "Tonerl", in mehr als 100 Folgen der Kinder-Reihe "Geschichten vom Kater Musch" aus der Feder von "Pumuckl"-Erfinderin Ellis Kaut1), Partnerin war Elfriede Kuzmany als die sprechende Katze. Eine Auswahl der bei der ARD Hörspieldatenbank gelisteten Produktionen findet man hier. "Lehraufträge in München ("Universität"1) und "Hochschule für Fernsehen und Film"1)) sowie seine Tätigkeit im Beirat der "Freiburger Universität"1) runden das Bild seiner weitgespannten, auch pädagogischen und wissenschaftlichen Interessen ab."2)
Für seine Leistungen erhielt er das "Bundesverdienstkreuz I. Klasse"1) (1976), die Stadt München ehrte ihn mit der "Ludwig-Thoma-Medaille"1) (1976) sowie der "Goldenen Ehrenmünze der Landeshauptstadt München"1) (1983). Außerdem trug er seit 1959 den Titel "Bayerischer Staatsschauspieler", war zudem Träger des "Bayerischen Verdienstordens"1) und ab 1984 bis zu seinem Tod Leitungsmitglied der "Katholische Akademie in Bayern"1)

Der Theaterintendant, Regisseur und Schauspieler Hans-Reinhard Müller starb am 5. März 1989 im Alter von 67 Jahren im oberbayerischen Bad Feilnbach1) an Herzversagen. Er war seit 1945 mit Ehefrau Irene verheiratet und hatte drei Söhne, Thomas (geb. 1946), Gabriel (geb. 1949) und Florian (geb. 1954). Die letzte Ruhe fand der Künstler auf dem Münchener Nordfriedhof1).
In einem seinem Nachruf schrieb C. Bernd Sucher1) am 8. März.1989 in der "Süddeutschen Zeitung" unter anderem "… Er wollte nicht als Regisseur, nicht als Schauspieler sich in den Vordergrund manövrieren, sondern mit Menschen, die er schätzte, seine (christliche) Vision vom Theater als moralische Anstalt verwirklichen; wollte für Künstler einen Freiraum der Arbeit schaffen. Hans-Reinhard Müller verdanken Dieter Dorn und Ernst Wendt viele ihrer Erfolge. Müller, ein integrer, gebildeter, nobler Konservativer, ließ an seinem Hause Aufführungen zu, die seinem Verständnis wohl manchmal zuwider waren; er stritt für sie in der Öffentlichkeit, ja gar gegen die katholische Kirche. Er sah in all diesen Produktionen, für die er einstand, eine Qualität 'Wir sind gegen Moden angerannt'." 
Quelle (unter anderem): Wikipedia, deutsche-biographie.de, deutsches-filmhaus.de
Siehe auch den Artikel bei "100 Jahre Kammerspiele"
Fremde Links: 1) Wikipedia, 3) fernsehserien.de, 4) deutsches-filmhaus.de
2) Quelle: Wachsmann, Michael, "Müller, Hans-Reinhard" in: "Neue Deutsche Biographie 18" (1997, S. 400–401) → Online-Version
       
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(Fremde Links: Wikipedia, Die Krimihomepage, fernsehserien.de, deutsches-filmhaus.de)
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Hörspielproduktionen (Auszug)
(Fremde Links: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung), Wikipedia)
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