 |
Gustl Bayrhammer wurde am 12. Februar 1922 als Adolf Gustav
Rupprecht Maximilian Bayrhammer in München geboren; sein Vater war der
sächsische Hof- und bayrische Staatsschauspieler
Max Bayrhammer1)
(1869 – 1942), der in Theatern von Frankfurt bis Petersburg auf
der Bühne stand. So war es nicht verwunderlich, dass sich der junge Gustl
schon als Kind für alles interessierte, was mit dem Theater zusammenhing
und schon früh beschloss, ebenfalls Schauspieler zu werden. Auf Drängen
seines Vaters, der von dem Berufswunsch seines Sohnes nicht sonderlich
begeistert war, machte Gustl Bayrhammer zunächst die "mittlere
Reife" und besuchte anschließend eine Kaufmannsschule. Während des
2. Weltkrieges meldete er sich freiwillig zum Militärdienst, wurde als
Nachrichtenfunker eingesetzt, nahm nebenher Schauspielunterricht am
Schiller-Theater, das damals von Heinrich George2)
geleitet wurde, und bestand dort 1944 auch seine Abschlussprüfung als
"Rupprecht" in Kleists "Der zerbrochene Krug" – in
der Uniform eines Obergefreiten der Luftwaffe. In der Jury saßen "der
Gründgens, der Klöpfer und ein ganz junger Schauspieler namens
Minetti – große Nazis", erzählte Bayrhammer später in
einem Interview.
Foto: Gustl Bayrhammer mit der Rolle des Bombardon
in dem "Komödienstadel"-Stück "Die Tochter des Bombardon" (1982)
Foto (Bildname: 11973-59-06) zur Verfügung gestellt
vom Bayerischen Rundfunk (BR)
© BR/Foto Sessner |
Nach Kriegsende ging er im Herbst 1945 ins schwäbische Sigmaringen, wo
der Schauspieler Robert Marencke gerade junge Leute für sein neu
gegründetes Theater suchte. Bayrhammer gab dort Ende November 1945
sein Bühnendebüt in "Die Mitschuldigen" von Johann Wolfgang
von Goethe.
In den nächsten rund 20 Jahren folgten Engagements an
Provinzbühnen, wie das Württembergische Landestheater in Tübingen, die
Augsburger Städtischen Bühnen (1952 – 1955) und das
Staatstheater Karlsruhe, 1964 schließlich kam er zum Landestheater
nach Salzburg; von 1962 an wirkte er für zwei Jahre auch bei den
Luisenburg-Festspielen in Wunsiedel/Fichtelgebirge mit. Von Salzburg aus
trat Bayrhammer 1966, als 44-Jähriger und für 40 DM Tagesgage,
in Marieluise Fleißners "Der starke Stamm" auf, das als
Gastspiel im Münchner Volkstheater aufgeführt wurde; dort entdeckte ihn Therese Giehse2).
Sie verhalf ihm dazu, dass er noch im gleichen Jahr bei den renommierten
"Münchner Kammerspielen" unter Intendant Schweikart unter Vertrag genommen
wurde; bis 1971 gehörte der Schauspieler zum Ensemble, danach arbeitete er
als freier Schauspieler.
Für Bayrhammer begann eine "große
Zeit", sein Repertoire reichte von Shakespeare über Schiller, Shaw und
Horváth bis hin zu Kroetz, an dessen Uraufführung von
"Hartnäckig" er ebenso beteiligt war wie an der Premiere von
Martin Sperrs "Landshuter Erzählungen". Zu seinen großen
Rollen gehörte auch der Gütler "Paulimann", der seine Tochter
Magdalena ersticht, weil sie die Familie "in die Schand" gebracht
hat. Andere bedeutende Volksschauspieler – das Volk sei jedoch
"nicht tümlich", betonte Bayrhammer immer wieder – wie
Wastl Witt oder Rudolf Vogel hatten schon vorher mit diesem Part
brilliert. Besonders angetan hatten es ihm jedoch stets die Gestalten in
Ludwig Thomas Stücken, etwa die Titelrolle in der dramatisierten
Fassung des "Wittiber". In nachhaltiger Erinnerung ist er als
"Petrus" in dem Dauerbrenner "Der Brandner Kaspar und das ewig' Leben"1)
geblieben, über 700 Mal mimte er diese Figur am
"Residenztheaters" neben Fritz Straßner2)
in der Titelrolle des Kaspar, war damit auch 1975 unter der Regie von
Kurt Wilhelm in der vom BR produzierten Fernsehfassung zu erleben.
Foto: Gustl Bayrhammer als der heilige Portner in
"Der Brandner Kaspar und das ewig' Leben" (1975)
Foto (Bildname: 17449-0-00) zur Verfügung gestellt
vom Bayerischen Rundfunk (BR)
© BR/Foto Sessner |
 |
|
1966 hatte Bayrhammer seinen Durchbruch als Schauspieler auch auf dem
Bildschirm mit der Rolle des Dr. Gerst in dem von Rainer Erler
gedrehten TV-Film "Bohrloch oder Bayern ist nicht Texas" neben
Fritz Straßner und
Ludwig Schmid-Wildy2).
Das Medium Fernsehen machte ihn nun über die bayerischen Grenzen hinweg
bekannt, Angebote vom Film folgten und von da ab war der Bayer ein
vielgefragter Mann. Einen bundesweiten Bekanntheitsgrad erlangte er auch
durch die Fernsehübertragungen des "Komödienstadel"1)
mit Hauptrollen in Stücken wie "Die drei
Dorfheiligen" (1973) oder "Das
sündige Dorf"3) (1974), vor allem aber durch seine
Rolle des Kriminalhauptkommissar Veigl in der Krimi-Serie
"Tatort", den er ab 1972 rund zehn Jahre lang verkörperte.
Zusammen mit seinen Assistenten Kriminalhauptmeister Lenz alias Helmut Fischer2)
und Kriminalobermeister Brettschneider alias Willy Harlander2)
löste der "Lodenkriminaler Veigl" mal mit mal ohne
Dackel Oswald insgesamt 15 Fälle.
Foto: Gustl Bayrhammer als Kriminaloberinspektor Veigl in seinem
ersten dem Tatort
"Münchner Kindl" (1972) zusammen mit mit seinem biertrinkenden Dackel Oswald,
den er täglich als Aktenmaterial getarnt in der Aktentasche ins Präsidium schmuggelt.
Foto (Bildname: 21962-1-04) zur Verfügung gestellt
vom Bayerischen Rundfunk (BR)
© BR/Foto Sessner
|
|
Mit der Kinderserie "Meister Eder und sein Pumuckl"1)
spielte er sich dann ab 1979 vor allem in die Herzen der jugendlichen
Zuschauer. mimte 52 TV-Folgen lang der grantelnde "Meister
Eder", der mit seinem Kobold "Pumuckl" in einer
Schreinerwerkstatt hauste. Auch in dem Kinofilm "Pumuckl
und der blaue Klabauter"1) (1994) übernahm er
diese Rolle, es war zugleich seine letzte Arbeit vor der Kamera.
|
Daneben zeigte er sich während seiner Karriere als Schauspieler in mehreren
Episoden der Serie "Königlich Bayerisches Amtsgericht"2)
oder in den "Weißblaue
Geschichten"1) auf dem Bildschirm, 1976 sah man ihn in
Hans W. Geißendörfers "Sternsteinhof" auf der
Kino-Leinwand. In den 1980er Jahren trat er beispielweise in TV-Serien wie
"Monaco
Franze – Der ewige Stenz"1), "Unsere schönsten Jahre"1)
oder "Die Wiesingers"1)
auf – wann immer ein typischer, waschechter Bayer gebraucht wurde
war Gustl Bayrhammer zur Stelle.
Foto: Gustl Bayrhammer als Kilian Lechner in der Episode "Alles falsch
verstanden" (1991) aus der TV-Serie "Café Meineid"1),
zusammen mit Café-Pächterin Olga Grüneis (Monika Baumgartner1))
Foto (Bildname: 22995-2-01) zur Verfügung gestellt
vom Bayerischen Rundfunk (BR)
© BR/Foto Sessner
|
|
Im Oktober 1988 beispielsweise
erlebte man ihn im ZDF als verwitweten Restaurator Hugo Kargus in
"Wieviel Liebe braucht der Mensch" von Michael Günther, im
März 1991 spielte er im ZDF-Film "Stein und Bein" den
pensionierten Speisewagenkoch Bein, dem – wie anderen
Hausbewohnern – die Kündigung droht. Im Mai 1991 begann
das ZDF mit neuen Episoden der "Weißblauen Geschichten", die
sich seit Jahren schon als "Bayrhammer-Specials" großer Beliebtheit
erfreuten und im Juni 1992 zur Aufführung kamen. Nach dem Tod von
Walter Sedlmayr und Beppo Brem war Bayrhammer – so damals
die Stuttgarter Zeitung – das einzig verbliebene "bayerische
Biotop" in der Mainzer Anstalt. Dass er dem Bayerischen Rundfunk den
Rücken kehren würde, hatte sich schon früher angedeutet, als er sich gegen
Versuche wehrte, ihn für die staatliche Medienpolitik zu vereinnahmen.
Bis
zuletzt vor der Kamera stehend, nahm er kein Blatt mehr vor den Mund und "grantelte"
gegen den Qualitätsverfall des öffentlich-rechtlichen Fernsehens.
Der sympathische Volkschauspieler, der rund 5.000 Mal auf einer Theaterbühne
gestanden und in über 250 Fernseh- und Theaterproduktionen mitgewirkt hat,
erlag am 24. April 1993 im bayerischen Krailling mit 71 Jahren den Folgen seines zweiten Herzinfarkts.
"Als Schauspieler hat Bayrhammer es stets verstanden, in seiner Person echte bayerische Lebensart zu
verkörpern, ohne falsche Volkstümelei oder krachledernes Gehabe"
formulierte der langjährige Intendant des Bayerischen Rundfunks, Albert Scharf,
anlässlich des Todes des Schauspielers.
 |
Für seine schauspielerischen Leistungen erhielt Bayrhammer, der 1981
zum "Staatsschauspieler" ernannt worden war, zahlreiche
Auszeichnungen, wie beispielsweise den "Bayerischen Verdienstorden"1)
(1976), die "Ludwig-Thoma-Medaille" (1977), den
"Bayerischen Filmpreis"1) (1983) oder die "Goldene Medaille des
Bayerischen Rundfunks". Den "Bayerischen
Poetentaler"1) konnte er 1982 in Empfang nehmen, 1990 ehrte
man ihn mit dem "Oberbayerischen
Kulturpreis"1).
Die Lebensgeschichte des
"Vorzeige-Bayer" porträtierte Manfred Glück in dem Buch
"Gustl Bayrhammer – Das Herz gehört dazu".
Bayrhammer war seit Kriegsende mit der Schauspielerin Irmgard Henning
verheiratet; aus der Verbindung stammt Sohn Max, der Aufnahmeleiter beim
Fernsehen wurde.
Foto: Gustl Bayrhammer mit der Rolle des Bäckermeisters Alois Weinzierl
zusammen mit Ruth Kappelsberger1) als Witwe Julia Schiebl
in dem "Komödienstadel"-Stück "Die kleine Welt" (1973)
Foto (Bildname: 11973-69-09) zur Verfügung gestellt
vom Bayerischen Rundfunk (BR)
© BR/Foto Sessner
|
|