Wirken am Theater (Auszug) / Filmografie / Hörspiel
Helmuth (auch Helmut) Lohner wurde am 24. April 1933 in Wien als Sohn eines Schlossers geboren und wuchs im Gemeindebezirk Ottakring1) auf. Nach der Lehre als Chemiegraphiker entschied sich der Nachfahre von Heinrich Lohner (1786 – 1855), dem Begründer der Wiener "Lohner-Werke"1), für die Schauspielerei, nahm privaten Unterricht und debütierte am "Stadttheater Baden"1) (1952). Über das "Stadttheater Klagenfurt"1), wo er auch als Operetten-Buffo eingesetzt wurde, wechselte er 1954 an das Wiener "Theater in der Josefstadt"1), wo er (vorerst) bis 1961 zum Ensemble gehörte. Eine seiner ersten Rollen war zur Spielzeit 1954/55 der Fähnrich Masham in dem Lustspiel "Das Glas Wasser"1) von Eugčne Scribe1) (Regie: Rudolf Steinboeck1)), viel Beachtung fand seit der Premiere am 27.11.1956 seine Figur des Armand Duval in "Die Kameliendame" nach dem gleichnamigen Roman1) von Alexandre Dumas d. J.1) an der Seite von Hilde Krahl in der Titelrolle der Marguerite Gautier (Regie: Paul Hoffmann) oder sein Hochstapler Lelio in "Der Lügner" von Carlo Goldoni1), inszeniert von Arno Assmann (Premiere: 15.02.1961). Zur Spielzeit 1960/61 glänzte er zudem als Hamlet, Sohn aus erster Ehe von Grace Nicholson (Susi Nicoletti) in dem Stück "Die Spur der Leidenschaft" von Elmer Rice1) (Regie: Leonard Steckel).

Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt. Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Helmut Lohner; Copyright Virginia Shue
Danach folgten Engagements unter anderem an der "Komödie Basel"1), den "Münchner Kammerspielen"1), in Hamburg am "Deutschen Schauspielhaus"1) und "Thalia Theater"1), dem "Düsseldorfer Schauspielhaus"1), dem "Schauspielhaus Zürich"1) und dem Wiener "Burgtheater"1), wo er erneut in den 1980er Jahren zum Ensemble gehörte. Unter der Regie von Otto Schenk, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft sowie Bühnenpartnerschaft verbinden sollte, trat Lohner wiederholt bei den "Salzburger Festspielen"1) auf, so erstmals 1972 bis 1974 als Sir Andrew Bleichenwang in der Shakespeare-Komödie "Was ihr wollt", unter anderem mit Josef Meinrad (Malvolio), Klaus Maria Brandauer (Orsino), Sabine Sinjen (Olivia), Christiane Hörbiger (Marie) und Christine Ostermayer (Viola). Eine seiner Paraderollen war der Titus Feuerfuchs in der Nestroy-Posse "Der Talisman"1), den er in Salzburg 1976 sowie 1978 bis 1980 gestaltete. 1980 und 1981 gab er den Jacques in Schenks Inszenierung des Shakespeare-Stücks "Wie es euch gefällt"1), mit Romuald Pekny (Herzog in der Verbannung), Kurt Heintel (Herzog Friedrich), Sascha Hehn1) (Orlando), Hartmut Becker (Oliver), Barbara Sukowa (Rosalinde) und Otto Schenk (Probstein). Lohner brillierte 1982 bis 1984 als Herr von Lips in der Nestroy-Posse "Der Zerrissene"1) zusammen mit Fritz Muliar (Krautkopf) und Otto Schenk (Gluthammer), 1983 gestaltete er erstmals den Teufel im "Jedermann"1) von Hugo von Hofmannsthal1), den er in den Inszenierungen von Ernst Haeusserman1) bis 1994 an der Seite von Klaus Maria Brandauer in der Titelrolle spielte. 1990 interpretierte er dann bei den Festspielen unter der Regie von Gernot Friedel1) erstmals selbst den "Jedermann" und erntete bis 1994 furiose Kritiken.
 
Helmuth Lohner bei den "Salzburger Festspielen" …

Helmut Lohner als "Teufel" in "Jedermann" Salzburger Festspiele 1985; Copyright Virginia Shue

Helmuth Lohner bei den Salzburger Festspielen 1980 als Jacques in "Shakespeares "Wie es euch gefällt" mit Romuald Pekny (Der Herzog in der Verbannung)
… als "Teufel"
in "Jedermann" (1985)
→ www.salzburgerfestspiele.at
… als Edelmann Jacques in
"Wie es euch gefällt" (1980)
mit Romuald Pekny (Der Herzog in der Verbannung)
→ www.salzburgerfestspiele.at
Die Fotos wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
 
Helmuth Lohner mit der Titelrolle im "Jedermann" (1990) zusammen mit Sunnyi Melles (Buhlschaft); Urheber/Körperschaft: Foto Weber/Archiv der "Salzburger Festspiele"; Lizenz: CC BY 3.0; Quelle: Wikimedia Commons bzw. salzburgerfestspiele.at
... mit der Titelrolle im "Jedermann" (1990) zusammen mit Sunnyi Melles1) (Buhlschaft)
Urheber/Körperschaft: Foto Weber/Archiv der "Salzburger Festspiele"
Lizenz: CC BY 3.0; Quelle: Wikimedia Commons bzw. salzburgerfestspiele.at

Grandios war 1987 und 1989 sein Stephan von Sala in dem Schauspiel "Der einsame Weg"1) von Arthur Schnitzler1), inszeniert von Thomas Langhoff1) mit Wolfgang Hübsch1) (Professor Wegrat), Elisabeth Orth (Gabriele), Christoph Waltz1) (Felix), Anne Bennent1) (Johanna) Heinz Bennent (Julian Fichtner), Cornelia Froboess (Irene Herms) und Martin Schwab1) (Doktor Reumann). Für seine darstellerische Leistung wurde Lohner 1988 von der Zeitschrift "Theater heute"1) zum "Schauspieler des Jahres" gewählt, eine Auszeichnung, die er erneut für die Figur des Friedrich Hofreiter in der Schnitzler-Tragikomödie "Das weite Land"1) entgegennehmen konnte, aufgeführt und in Szene gesetzt zur Spielzeit 1987/88 am "Schauspielhaus Zürich" von Hans Hollmann1). Letztmalig konnte man den Charaktermimen in Salzburg 1995 und 1997 als Alpenkönig Astralagus in dem Raimund-Zauberspiel "Der Alpenkönig und der Menschenfeind"1) zusammen mit Otto Schenk (Herr von Rappelkopf) bewundern, auf die Bühne gebracht von Peter Stein1).
Zu Lohners zahlreichen facettenreichen, herausragenden Bühnenrollen zählten sowohl Klassiker als auch Stücke der Moderne, als Shakespeare-Interpret feierte er Triumphe mit der Figur des "Hamlet"1), des "Richard III."1) und des Jago in "Othello"1), er war Goethes Mephisto im "Faust" oder der Ferdinand in Schillers " "Kabale und Liebe", aber auch der Graf Almaviva in "Figaro lässt sich scheiden"1) von Ödön von Horváth oder der Willy Lohmann in "Tod eines Handlungsreisenden"1) von Arthur Miller1).
Helmut Lohner; Copyright Werner Bethsold

Der Journalist Ulrich Weinzierl1) schrieb unter anderem in der F.A.Z.1) (24.04.1993) über den Schauspieler: "Ihm eignen zauberische Bühnenpräsenz und Unverwechselbarkeit trotz ausgeprägtem Verwandlungstalent, er hat Perfektionswahn und artistische Intelligenz. (…) Auf dem Theater ist Helmut Lohner, und keineswegs infolge bubenhafter Aura allein, der ewige Gymnasiast, der die Reifeprüfung mit Auszeichnung bestanden hat und gerade deshalb vom Versagen träumen muß. Die stets gegenwärtige Furcht gibt Lohners komischen und tragischen Gestalten etwas kostbar Gebrochenes, sie läßt durch Ritzen und Spalten ins weite Land der Seele blicken."*) → Übersicht Wirken am Theater (Auszug)

Foto zur Verfügung gestellt von Werner Bethsold1) (1925–2019)
© Werner Bethsold1)
Das Foto entstand 1989 während einer Hörspielproduktion.

Der renommierte Mimet volkstümlicher, aggressiver Nestroy- und subversiver Horváth-Rollen begann seine Leinwandkarriere im Rollenfach spontaner, aber harmloser, bestenfalls etwas ungehobelter junger Männer. Sein einfacher, frisch und natürlich wirkender Umgangston machte schon zu einem Zeitpunkt auf ihn aufmerksam, als er noch sehr kleine Charakterrollen zu spielen hatte wie in Kurt Hoffmanns Kästner-Adaption "Salzburger Geschichten"1) (1957). Erste Erfahrungen vor der Kamera machte der junge Schauspieler – noch ungenannt – in dem Paula Wessely-Melodram "Das Licht der Liebe" (1954), sein wienerischer Charme, der ihn für den regionalen Typ des "Hallodri" zu prädestinieren schien, kam ihm in dem Streifen "Wie schön, dass es dich gibt" (1957) zu Gute, wo er einen sympathischen jungen Burschen mit Ansätzen zum Hochstapler darstellte. Nach leichten Unterhaltungsstreifen wie "Herrscher ohne Krone"1) (1957, mit O.W. Fischer) oder "Witwer mit 5 Töchtern"1) (1957, mit Heinz Erhardt) bewährte sich seine Wandlungsfähigkeit auch in der musikalischen Komödie "Das Wirtshaus im Spessart"1) (1958), wo er als Wandergeselle Felix in Frauenkleider schlüpfte, um der jungen Dame seines Herzens alias Liselotte Pulver beistehen zu können. In nachhaltiger Erinnerung ist Lohner auch mit der Figur des Martin Graf Waldau in der von Axel von Ambesser inszenierten, zur Zeit des Wiener Kongresses im Jahr 1815 angesiedelten heiteren Geschichte "Die schöne Lügnerin"1) (1959) an der Seite von Romy Schneider und Jean-Claude Pascal geblieben.
Parallel zur Etablierung als prominenter Bühnendarsteller wurden Lohner nun sukzessive mehr differenzierte, zwielichtige und doppelbödige Rollen im Film angeboten wie beispielsweise die des sich zynisch gebenden Frank Gardner in der Shaw-Adaption "Frau Warrens Gewerbe"1) (1960), wo er mit Lilli Palmer, O. E. Hasse und Johanna Matz vor der Kamera stand. Während sein junger, solider und verliebter Rechtsanwalt Klaus Stettner in dem musikalischen Verwechslungslustspiel "Immer will ich Dir gehören"1) (1960) oder der Hannes Niklas in "Blond muß man sein auf Capri"1) (1961) eher einen Rückfall in das frühere Rollenklischee darstellte, strahlte Lohner in dem Kinofilm "Im 6. Stock"1) (1961), von John Olden1) gedreht nach dem Bühnenstück "Sixičme étage" von Alfred Gehri, als Arbeiter Jojo, der das geliebte junge Mädchen (Sabine Sinjen) heiratet, das ein Kind von einem anderen erwartet, rührende Offenheit und Anständigkeit aus. Eindrucksvoll war auch seine Rolle des deutschen Soldaten Willi, der sich in dem britischen Kriegsfilm "Hannibal Brooks"1) (1969) für einen entflohenen englischen Kriegsgefangenen aufopfert. In Otto Schenks Verfilmung von Schnitzlers Theaterstück "Reigen"1) (1973) gab er den Grafen an der Seite prominenter Kollegen wie Senta Berger, Helmut Berger oder Maria Schneider1). Nach langer Pause übernahm Lohner einen kleinen Part als Onkel Albrecht in dem von Heiner Lauterbach mitproduzierten blutigen Gangster-Thriller "Harms" (Regie: Nikolai Müllerschön1)) mit Lauterbach als Ex-Knacki Harms. Uraufgeführt wurde der Streifen am 1. Juli 2013 anlässlich des "32. Filmfestes München"1), allgemeiner Kinostart war der 12. Juni 2014 → "Harms" bei filmportal.de.
→ Übersicht Kinofilme
Szenenfoto mit Helmuth Lohner aus "Till Eulenspiegel" (1967); mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film, welche die Produktion Mitte Oktober 2018 auf DVD herausbrachte.

Auf dem Bildschirm war der Österreicher neben verschiedenen Theateraufzeichnungen seit Ende der 1950er präsent. Hervorzuheben ist die Figur des jungen Leutnants Carl Joseph Trotta in der zweiteiligen Verfilmung "Radetzkymarsch"1) (1965) nach dem gleichnamigen Roman1) von Joseph Roth1) oder der Titelheld in dem von Martin Frič1) in Szene gesetzten ZDF-Zweiteiler "Till Eulenspiegel" (1967), "eine Komödie mit Musik über den mittelalterlichen Schalk und Volkshelden Till Eulenspiegel1), der seinen Mutterwitz als Waffe benutzt und dadurch beim Fürsten in Ungnade fällt." wie fernsehserien.de vermerkt. Weitere Mitwirkende waren unter anderem Catherine Schell1) (Nele), Hans Karl Friedrich1) (Marionettenspieler Riepe), Joachim Teege (Fürst Kaltenlohe) und Ingeborg Lüscher1) (Gräfin Nettelburg) → Besetzung IMDb.

Szenenfoto mit Helmuth Lohner aus "Till Eulenspiegel"
Mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film,
welche die Produktion Mitte Oktober 2018 auf DVD herausbrachte.

Ein Jahr später machte Lohner auf dem Bildschirm mit dem Part des Journalisten Manfred Krupka Furore, der in dem spannenden Dreiteiler "Babeck" (1968) seinen verschwundenen Vater sucht. In den 1970er Jahren und zu Beginn der 1980er Jahre versäumte der junge deutsche Film, sich das darstellerische Potential des inzwischen zum großen Charakterschauspieler gereiften Lohner zunutze zu machen und so arbeitete er neben seiner Theatertätigkeit nun überwiegend für das Fernsehen. Er tauchte mit Episodenrollen in populären Krimiserien wie "Derrick"1), "Der Kommissar" und "Der Alte"1) auf, zeigte sich als "der Schuldige" Ullrich Wältzing in dem Krimi "Aus nichtigem Anlass"2) (1976) oder mit de ganz anders gearteten Rolle des Kellners Leopold in "Im weißen Rössl"3) nach dem Singspiel von Ralph Benatzky1) (Musik) mit Margot Werner1) als Rössl-Wirtin. 1981 sah man ihn erneut in einer Joseph Roth-Adaption, diesmal als Protagonist bzw. russischen Gutsbesitzersohn Nikolaus Tarabas in "Tarabas"3) nach dem Roman "Tarabas. Ein Gast auf dieser Erde"1).
 

Abbildung DVD-Cover mit freundlicher Genehmigung von
"Universal Music Entertainment GmbH"
www.universal-music.de

Babeck; Abbildung DVD-Cover mit freundlicher Genehmigung von "Universal Music Entertainment GmbH" (www.universal-music.de)
DVD-Cover von "Die Flucht ohne Ende" (1985); mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film, welche die Produktion am 01.07.2011 auf DVD herausbrachte Helmuth Lohner als Franz Tunda in "Die Flucht ohne Ende" (1985); mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film, welche die Produktion am 01.07.2011 auf DVD herausbrachte. Eine weitere Joseph Roth-Verfilmung mit Helmuth Lohner in der Hauptrolle war der Vierteiler "Die Flucht ohne Ende4) (1985), wie schon die genannten Roth-Adaptionen gedreht von Michael Kehlmann1). Der Roman "Die Flucht ohne Ende"1) erzählt von dem Kriegsheimkehrer Franz Tunda (Lohner), der 1916 als k.u.k. Oberleutnant der österreichischen Armee aus russischer Gefangenschaft flieht und auf dem langen Heimweg von Irkutsk nach Wien in den russischen Bürgerkrieg hineingezogen wird. Glücklich daheim angekommen, weiß der Offizier, einer der Verlierer des 1. Weltkriegs, nichts mit sich anzufangen. Hilfe von der Nachkriegsgesellschaft kann er weder in Wien noch in Paris erwarten → Besetzung IMDb.
 
DVD-Cover und Szenenfoto aus "Die Flucht ohne Ende"
Mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film,
welche die Produktion am 01.07.2011 auf DVD herausbrachte.
In der Serie "Der elegante Hund"4) (1987/88) erfreute er die Zuschauer als Lebenskünstler Alois Stangl, der als Mitarbeiter im exklusiven Tiersalon "Der elegante Hund" eine Schwäche für das schöne Geschlecht hat. Für Regisseur Reiner Erler1) mimte er in "Zucker – Eine wirklich süße Katastrophe"1) (1989) den ehrgeizigen Wissenschaftler Prof. Dr. Dr. Dr. Leo Kaminski, in dem Zweiteiler "Mozart und da Ponte"4) (1989) stellte er den Komponisten Mozart1) dar Ferruccio Soleri1) sah man als italienischen Dichter Lorenzo Da Ponte1). In Lawrence Schillers Historiendrama "Stauffenberg – Verschwörung gegen Hitler"1) (1990,"The Plot To Kill Hitler") über Vorbereitungen und Konsequenzen des fehlgeschlagenen Attentats vom 20. Juli 19441) mit Brad Davis1) als Claus Schenk Graf von Stauffenberg1) verlieh er dem Heeresoffizier Friedrich Fromm1)  Kontur. Der TV-Film "Der Meister des jüngsten Tages"3) (1990) entstand nach dem gleichnamigen Roman1) von Leo Perutz1), hier überzeugte Lohner als Rittmeister Gottfried Adalbert Freiherr von Yosch, in dem Dreiteiler "Herwarth Walden und "Der Sturm"" (1992) verkörperte er den Herwarth Walden1), der 1910 die Zeitschrift "Der Sturm"1) gründete, um dann in der Serie "Der Gletscherclan" (1994) die Rolle des Florian Jauffenberger zu übernehmen. Mit den ganz auf Otto Schenk zugeschnittenen Komödien "Mein Opa ist der Beste" (1995) und "Mein Opa und die 13 Stühle"1) (1997) hinterließ er auch im Fernsehen seine Handschrift als Regisseur. Die Fernsehzuschauer kamen auch in den Genuss, das kongeniale Paar Lohner/Schenk in zwei Inszenierungen des "Theaters in der Josefstadt" zu erleben: 1999 wurde der Neil Simon-Klassiker "Sonny Boys" mit Lohner als Al Lewis und Otto Schenk als dessen Gegenspieler Willie Clark ausgestrahlt, 2005 kam das Duo mit der Nestroy-Posse "Kampl"1), einer Geschichte um Ehe- und Erbschaftsintrigen, erneut die heimischen Wohnzimmer und waren als idealistischer Landarzt Kampl (Lohner) und arbeitsscheuer Kanzleidiener Gabriel Brunner (Schenk) Garanten für vergnügliche Fernsehunterhaltung; die Aufführung hatte am am 9. Dezember 2004 am "Theater in der Josefstadt" eine furiose Premiere gefeiert.
Hatte sich Lohner in den letzten Jahren auf dem Bildschirm eher rar gemacht, stand er zuletzt für Hans Steinbichlers Framiliendrama "Das Dorf des Schweigens"1) als Hans Perner, Stiefvater von Lydia (Ina Weisse1)) vor der Kamera. Die deutsche Uraufführung am 1. Juli 2015 dieser ZDF-Produktion mit Petra Schmidt-Schaller1), Ina Weisse, Hildegard Schmahl1) und Simon Schwarz1) in den Hauptrollen anlässlich des "Münchener Filmfestes" erlebte Lohner nicht mehr; zur Ausstrahlung im ZDF gelangte der Film erst am 22. Februar 2016. "Auch die Charaktere selbst, die alten Perners, fern vom üblichen Alltagsrealismus großartig von Helmut Lohner (in seiner letzten Rolle) und Hildegard Schmahl verkörpert, erschaffen ihre eigenen Räume – aus Nikotin und Whisky, aus bleierner Selbstgerechtigkeit und körperlicher Hinfälligkeit." notiert unter anderem tittelbach.tv. → Übersicht TV-Filme (Auszug)
Erwähnt werden sollte, dass Lohner sporadisch im Hörspiel-Studio zu finden war, eine Auswahl der bei der ARD Hörspieldatenbank gelisteten Produktionen findet man hier
  
Gemeinsam mit Otto Schenk brachte der vielseitige Künstler im Februar 2005 das Buch "Lacherfolge" auf den Markt, welches auf dem gleichnamigen Programm mit Schenk basierte: "Eine Sternstunde des Humors ist garantiert, wenn zwei Vollblutkomödianten wie Otto Schenk und Helmuth Lohner gemeinsam auf der Bühne stehen und ihr Programm "Lacherfolge – Sketches aus fünf Jahreszeiten" präsentieren. Mit "Lacherfolge – die besten Sketches aus 5 Jahrzehnten" verwirklichen sich die beiden Schauspielerfreunde einen langjährigen Traum, nämlich gemeinsam einen Abend lang zu blödeln und die lustigsten Sketches wieder oder erstmals zur Aufführung zu bringen. Denn alles begann vor rund 50 Jahren im Studio Hamburg, als Otto Schenk Helmuth Lohner für eine Fernsehshow einlud, um den Sketch "Auf den Flügeln des Gesangs" aufzuführen. Viele skurrile Szenen wie, der Versuch eine Giraffe per Bahn zu versenden, die Brandrede eines volltrunkenen Antialkoholikers gegen den Alkohol, oder die schnorrigen Versuche eines verarmten Dichters sich Geld zu leihen, oder der politschwangere Anton Kuh Text "Mein Nachtbar in Grinzing", sind Inhalt des Programms."5)
Seit 1997 leitete er als Nachfolger Otto Schenks gemeinsam mit Robert Jungbluth, dann von 1999 bis 2003 mit Alexander Götz das Wiener "Theater in der Josefstadt". Im April 2003 feierte der Künstler sowohl 70. Geburtstag als auch sein 50-jähriges Jubiläum an der Wiener Josefstadt. Aus diesem Anlass wurden die Leistungen des österreichischen Schauspielers, Regisseurs und Intendanten mit einer Gala, die Heinz Sichrovsky1) moderierte und an der neben Lohner selbst auch seine Wegbegleiter und Freunde Otto Schenk, Fritz Muliar und Elfriede Ott1) mitwirkten, gewürdigt. Inzwischen hatte sich Lohner als Direktor von seiner ehemaligen Wiener Wirkungsstätte vorerst verabschiedet, stand dem Haus jedoch nach wie vor als "Künstlerischer Berater" zur Verfügung. Im Januar 2004 ging durch die Presse, das Lohner ab September 2004 als interimistischer Direktor die Bühne wieder übernehmen werde, was er bis 2006 gemeinsam mit Alexander Götz dann auch tat; im September 2006 übernahm Herbert Föttinger1) gemeinsam mit Alexander Götz die Direktion.
Als Schauspieler war Lohner dem Theater nach wie vor verbunden, mit der Titelrolle in Henrik Ibsens Drama "John Gabriel Borkman"1) konnte man ihn am "Theater in der Josefstadt" seit der Premiere am 1. März 2012 bewundern. "Diesen verbitterten, überheblichen, gefühlskalten Ex-Bankier spielt Helmuth Lohner, das Ur-Gestein der Josefstadt, in einer irritierenden, bisweilen schrulligen Mischung aus todesnaher Zerbrechlichkeit und Spucke sprühender Leidenschaft." kann man bei nachtkritik.de lesen. Helmut Lohner sei "ein fulminanter, auch furioser Borkman" meinte Michaela Mottinger im "Kurier" (03.03.2012 → kurier.at). Eine weitere Hauptrolle, die des James Tyrone, gestaltete er in Eugene O'Neills Familiendrama "Eines langen Tages Reise in die Nacht"1), Premiere war am 19. April 2012. In Hans Neuenfels'1) Inszenierung von Heiner Müllers1) Zweipersonenstück "Quartett"1) nach dem Briefroman "Les Liaisons Dangereuses"1) ("Gefährliche Liebschaften") von Choderlos de Laclos1) beeindruckte als Vicomte Valmont bzw. Partner von Elisabeth Trissenaar1) , welche die Marquise Merteuil gab (Premiere: 06.02.2014). So schrieb  Ronald Pohl1) in "Der Standard" (08.02.2014): "Merteuil und Valmont werfen einander die Müller-Bonmots wie Leckerbissen zu. Jede dieser Satzpralinen ist randvoll mit Gift." Trissenaar spiele Merteuil "als hennarote Naturgewalt", und in "Lohners unvergleichlicher Kunst" seien "drei, vier Bedeutungsebenen gleichzeitig aufgehoben. Die Josefstädter Aufführung von "Quartett" ist vor allem auch ein Triumph dieses völlig einzigartigen Schauspielers." Fazit: "Jubel für eine Glanzstunde." (Quelle: nachtkritik.de)  "Es ist ein intimes Kammerspiel, das die Sprache von Heiner Müller zelebriert. Helmuth Lohner und Elisabeth Trissenaar zeigen auf eindrucksvolle Weise, dass der Abgesang auf eine verlorene Liebe ewig gültig ist." notierte 3sat.de. Das Stück wurde ab Mitte November zudem am "Berliner Ensemble"1) aufgeführt.

Helmuth Lohner im Juni 2013
Urheber: Franz Johann Morgenbesser; Lizenz: CC BY-SA 2.0
Quelle: Wikimedia Commons bzw. flickr.com

Helmuth Lohner im Juni 2013; Urheber: Franz Johann Morgenbesser; Lizenz: CC BY-SA 2.0; Quelle: Wikimedia Commons bzw. flickr.com
Plakat zur Aufführung "Die Mitschuldigen" von Johann Wolfgang von Goethe (Regie: Helmuth Lohner sowie Rolle des Alcest); Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Körperschaft: Todt-Druck GmbH; Datierung: 1982; Copyright  ÖNB Wien; Bildarchiv Austria (Inventarnummer PLA16820836) Seit Mitte der 1990er Jahre wandte sich Lohner neben seinen Bühnenauftritten zudem vermehrt der Regiearbeit zu. Er inszenierte etliche Opern und Operetten, unter anderem am "Opernhaus Zürich"1) Lehárs "Die lustige Witwe"1) (1997), bei den "Seefestspielen Mörbisch"1) zuletzt 2012 "Die Fledermaus"1) von Johann Strauss, an der "Volksoper Wien"1) Mozarts "Die Zauberflöte"1) (2005) oder an der "Oper Köln1) 2003 ebenfalls "Die Fledermaus" sowie die wenig gespielte Opera buffa "L'elisir d'amore"1) ("Der Liebestrank") von Gaetano Donizetti1). Zur Spielzeit 1982/83 beispielsweise ging er mit dem Goethe-Lustspiel "Die Mitschuldigen"1) auf Gastspielreise und übernahm selbst den part des Alcest, am "Theater in der Josefstadt" brachte er unter anderem die Nestroy-Possen "Der böse Geist Lumpacivagabundus"1) (1994/95) und "Höllenangst"1) auf die Bühne. Lohners letzte Schauspiel-Regiearbeit war Bob Larbeys Altersheim-Komödie "Schon wieder Sonntag" mit Otto Schenk in der Paraderolle des sarkastisch-grantigen Heiminsassen Cooper, welche am 26. März 2015 anlässlich Schenks bevorstehendem 85. Geburtstag an den Josefstädter "Kammerspielen" Premiere feierte → Arbeiten als Regisseur.

Plakat zur Aufführung "Die Mitschuldigen" von Johann Wolfgang von Goethe1)
Weitere Mitwirkende: Brigitte Strohbauer, Uwe-Jens Pape1), Robert Hauer-Riedl1)
Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek1) (ÖNB)
Körperschaft: Todt-Druck GmbH; Datierung: 1982
©  ÖNB Wien; Bildarchiv Austria (Inventarnummer PLA16820836)

Am 24. April 2008 feierte Lohner, der zu den ganz Großen der Theaterszene zählte, seinen 75. Geburtstag. Auch wenn er nach eigenen Aussagen "Geburtstage nie gemocht" hat, ließ er sich doch im engsten Kreis feiern. Das ORF ehrte den introvertierten Künstler mit dem von Michael Bukowsky1) gedrehten 30-minütigen Porträt "Helmuth Lohner – Ein Suchender"; Lohner selbst gewährte dem Publikum damit auch Einblicke in sein Leben und seine Gedankenwelt. An an seinem 80. Geburtstag am 24. April 2013 wurde der Vollblutmime ebenfalls gebührend gefeiert, der ORF gratuliert Helmuth Lohner mit einem Programmschwerpunkt.
Zahlreiche Auszeichnungen des 1992 zum "Kammerschauspieler"1) ernannten Helmuth Lohner belegen vor allem sein Wirken als exzellenter Charakterdarsteller, die "Kainz-Medaille"1) (1980), der "Nestroy-Ring"1) (1988) und die Ehrenmitgliedschaft (seit 2003) des "Theaters in der Josefstadt" sind zu nennen. 2004 dem Doyen des "Theaters in der Josefstadt" das "Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse"1) verliehen, 2006 das "Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien"1) → Wikipedia.
Der von der Presse als "facettenreicher, disziplinierter und hochsensibler Darsteller brüchiger Charaktere" gefeierte Künstler starb in den frühen Morgenstunden des 23. Juni 2015 in Wien – rund zwei Monate nach seinem 82. Geburtstag – an den Folgen seiner Magenkrebserkrankung. "Sein Tod bedeutet einen großen Verlust für das deutschsprachige Theater und großen Schmerz für alle, die ihn kennen und ihm nahe standen" sagte Herbert Föttinger, Direktor des Wiener "Theaters in der Josefstadt". In der letzten Zeit bereits von schwerer Krankheit gezeichnet, hatte Lohner noch viele Pläne: Mitte Dezember wollte er erneut an seiner "Hausbühne" auftreten, diesmal als Protagonist in Arthur Schnitzler Einakter "Anatol"1) in einer Fassung von Peter Turrini1) sowie Herbert Föttinger.
Otto Schenk zeigte sich zutiefst betroffen über das Ableben seines Freundes: "Mein halbes Theaterleben ist weg. Ich habe keinen Partner, der auch nur so ähnlich ist" sagte der Schauspieler in einem Gespräch mit der "Austria Presse Agentur" (APA) und meinte weiter "Unser Zusammenleben war ein ständiges miteinander Theaterspielen. Ich kann das Loch gar nicht schildern, das er jetzt in mein Leben reißt." Ronald Pohl, schrieb in derstandard.at: "Mit Lohner ist jetzt (…) ein völlig singulärer Künstler 82-jährig verstorben, ein feinnerviger Mensch, ein kluger Regisseur, ein zu jeder Verwandlung befähigter Proteus. Einen solchen Verlust pflegt man völlig zu Recht unersetzlich zu nennen."
Die Beisetzung fand in aller Stille und im engsten Familienkreis auf dem Grinzinger Friedhof1) (Abteilung MA Nr. 66) im Wiener Gemeindebezirk Döbling statt → Foto der Grabstelle bei knerger.de sowie Wikimedia Commons.
Von Eva Maria Klinger1) erschien wenige Monate nach dem Ableben Lohners im Oktober 2015 die Biografie "Nie am Ziel. Helmut Lohner" → nachtkritik.de.

Helmuth Lohner Anfang Mai 2015
Urheber: Franz Johann Morgenbesser; Lizenz: CC BY-SA 2.0
Quelle: Wikimedia Commons bzw. bzw. flickr.com

Helmuth Lohner Anfang Mai 2015; Urheber: Franz Johann Morgenbesser; Lizenz: CC BY-SA 2.0; Quelle: Wikimedia Commons
Helmut Lohner war von 1962 bis 1976 in dritter Ehe mit der Schauspielerin Karin Baal verheiratet; aus der Verbindung stammt die gemeinsame, 1967 geborene Tochter Therese Lohner1), die in die Fußstapfen ihrer Eltern trat und sich inzwischen ebenfalls einen Namen als renommierte Schauspielerin gemacht hat. Lohners erste, 1958 geschlossene Ehe mit der Schauspielerin Susanne Cramer1) (1936 – 1969) war nach nur fünf Monaten geschieden worden, danach heiratete das Paar erneut, um sich anschließend nach kurzer Zeit wieder offiziell zu trennen; Tochter Konstanze Lohner, welche heute als Pädagogin in Wiesbaden tätig ist, erblickte 1959 das Licht der Welt. Bis 1994 war Lohner mit der österreichischen Journalistin Ricarda Reinisch-Zielinski1) verheiratet, danach lebte der Schauspieler mit der österreichischen Unternehmerin Elisabeth Gürtler-Mauthner1) zusammen, die unter anderem das bekannte Wiener "Hotel Sacher"1) leitete. Nach 19 Jahren "wilder Ehe" gab sich das Paar wenige Tage vor Weihnachten 2011 offiziell das Ja-Wort6) 

Quelle (unter anderem: "Henschel Theaterlexikon"*)
Siehe auch Wikipedia, austria-forum.org, geschichtewiki.wien sowie
Theaterlexikon der Schweiz
*) "Henschel Theaterlexikon", Hrsg. C. Bernd Sucher (Henschel Verlag, 2010, S. 540)
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) Die Krimihomepage 3) prisma.de, 4) fernsehserien.de
Quelle: 5) www.events.at, 6) wien.orf.at
     
Theater-Wirken (Auszug)
als Darsteller / als Regisseur
Quelle (unter anderem): "Henschel Theaterlexikon",
 Hrsg. C. Bernd Sucher (Henschel Verlag, 2010, S. 540)
(Fremde Links: Wikipedia, tls.theaterwissenschaft.ch;
 R = Regie,  UA = Uraufführung, DSE = Deutschsprachige Erstaufführung, P = Premiere)
Als Darsteller, zur Spielzeit … Als Regisseur
Filme
Kinofilme / Fernsehen
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie filmportal.de
(Fremde Links:  Wikipedia, filmportal.de, Die Krimihomepage, prisma.de
 fernsehserien.de, tls.theaterwissenschaft.ch, felix-bloch-erben.de, staatsoper.de)
Kinofilme Fernsehen (Auszug)
Hörspielproduktionen (Auszug)
(Fremde Links: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung), Wikipedia, krimilexikon.de)
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