Josef Meinrad 01 Josef Meinrad, eigentlich Josef Mouckaw, wurde am 21. April 1913 in Wien als Sohn eines Straßenbahners und einer Milchfrau geboren. Zunächst besuchte er auf Wunsch seiner Eltern bis 1929 ein Priesterseminar, war später Bürolehrling und arbeitete mehrere Jahre bis 1936 als Angestellter in einer Lackfabrik. Als er in einem Krippenspiel "das spitzbübische Teuferl" spielte, wurde ihm klar, dass seine Zukunft auf Brettern lag, die die Welt bedeuten. Meinrad nahm in seiner Freizeit heimlich Schauspielunterricht, besuchte schließlich die Schauspielschule in der Wiener "Neuen Galerie" und legte 1938 die "Reichstheaterkammerprüfung" ab. Beim Kabarett "ABC" stand er erstmals auf der Bühne, anschließend spielte er an der Wiener "Komödie", wo er als "Lancelot" in "Lancelot und Sandarein" debütierte. Zwischen 1940 und 1944 spielte Meinrad an verschiedenen Wiener Bühnen, war auch im Rahmen der Truppenbetreuung am "Fronttheater" in Metz zu sehen. 1940 hatte er seinen ersten Auftritt am Wiener Burgtheater, wurde mit der Titelrolle in Hermann Bahrs "Franzl" quasi über Nacht in Wien bekannt. Noch gegen Ende des 2. Weltkrieges wurde Meinrad dienstverpflichtet, anschließend zum Volkssturm eingezogen; 1945 war er kurze Zeit in Internierungshaft.
  
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
In den Jahren 1947 bis 1978 spielt Meinrad fast ausschließlich am Wiener "Burgtheater", avancierte dort zum Publikumsliebling und zu einem unverwechselbar Star der Wiener Theaterszene. Seine herausragenden Interpretationen vor allem als Raimund-, Grillparzer- und Nestroy-Darsteller machten ihn legendär, Meinrad brillierte jedoch auch in Max Zweigs "Franziskus", in "Don Juan in der Hölle" oder mit der Titelrolle in Molières "Der eingebildete Kranke"; glänzend war seine Darstellung des "Professor Higgins" in dem Musical "My Fair Lady", der "Don Quijote" in dem Musical "Der Mann von La Mancha" war nach Meinrads eigenem Bekenntnis "die Erfüllung des Schauspielertraums". 1959 erhielt Meinrad nach dem Tod von Werner Krauß den "Iffland-Ring", die höchste Auszeichnung für einen lebenden Schauspieler. Werner Krauß schrieb in seiner Verfügung: "Sie sind für mich in Ihrer Einfachheit, Ihrer Schlichtheit und Ihrer Wahrhaftigkeit der Würdigste." Meinrad selbst verfügte 1984 testamentarisch, wie nach seinem Tod 1996 bekannt wurde, dass Bruno Ganz der nächste Träger des "Iffland-Ringes" sein solle. Gemessen an seiner überragenden Bedeutung für das Theater war Meinrads Beitrag für den Film eher bescheiden. So spielte er im österreichischen Kino jahrelang Nebenrollen, in seinem ersten Film "Die Welt dreht sich verkehrt" (1947) einen "Kümmeltürk", oder in "Mein Freund, der nicht nein sagen kann" (1949) einen liederlichen Junggesellen. In den drei Sissi-Filmen (1956, 1957) mit Romy Schneider war er als Major Böckl der Adjutant der Kaiserin. Seine großen Rollen blieben auf den Film übertragene Raimund- oder Nestroy-Figuren wie in "Einen Jux will er sich machen" (1957). Zu seinen bekanntesten Filmen der 50er Jahre zählen unter anderem "Erzherzog Johanns große Liebe" (1950), "Kaisermanöver" (1954), "Der Kongreß tanzt" (1956), "Die Trapp-Familie" (1956), "Auf Wiedersehen, Franziska!" (1957), "Die Trapp-Familie in Amerika" (1958) und "Die Schöne Lügnerin" (1959). International beachtlich war 1963 sein Kardinal Innitzer in Otto Premingers "The Cardinal", dabei "tariert er Starrsinn und Fürsorge dieses Oberhirten so aus, dass sich daraus das Bild eines diplomatisch geschulten Streiters für Gott ergibt", wie ein Kritiker schrieb.

In seinen frühen Filmen intonierte Meinrad mit schelmischem Bubengesicht und ironischem Tonfall des Wiener Schlawiners meist Diener und Untergebene in all seiner Heurigenseligkeit; in den späteren Rollen kam dann seine großartige Wandlungsfähigkeit zum Tragen, er wurde der "Bürger als Edelmann", der seinen Gestalten Klugheit, Lebensphilosophie und Haltung einhauchte.

Ab den sechziger Jahren war Meinrad immer wieder im Fernsehen – meist in Theaterverfilmungen – zu sehen; er überzeugte unter anderem mit der Titelrolle in der 38teiligen Serie "Pater Brown" und in der Doppelrolle der Zwillingsbrüder Blau in Nestroys "Der Färber und sein Zwillingsbruder" und auch auf dem Bildschirm erlebte man den Schauspieler 1965 mit seiner Paraderolle des "Don Quijote".
Bis ins hohe Alter spielte Meinrad Theater,blieb auf Leinwand und Bildschirm präsent. Zu seinem 70. Geburtstag 1983 spielte der Schauspieler im Akademietheater der Burg mit dem Hofmannsthalschen "Unsterblichen" auf der Bühne noch einmal eine seiner Paraderollen. 1974 erlebte man ihn als Petrosilius Zwackelmann in der "Räuber Hotzenplotz"-Verfilmung auf der Leinwand, in einer Neuinszenierung der "Fledermaus" begeisterte 1978 in London als "Frosch", war im selben Jahr im Fernsehen mit der Rolle des Mörders Jack in dem Thriller "Gaslicht" zu sehen. In der 12teiligen Serie "Ringstraßenpalais" war er 1980 im ZDF als Emil Hoffeneder zu sehen und übernahm anschließend in dem zweiteiligen Fernsehspiel "Ihr ergebener Luciani" die Rolle des Priesters, der später als Papst Johannes Paul I. in die Geschichte einging. Zusammen mit Heidi Kabel stand Meinrad 1985 in Jugoslawien für die sechsteilige Serie "Der Sonne entgegen" vor der Kamera, vier Episoden mit Meinrad umfasste die ZDF-Sendung "Wie das Leben so spielt – C'est la vie" (1986).
  
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
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Josef Meinrad 02
Die Rolle des Joseph Haydn interpretierte Meinrad 1986 in Percy Adlons TV-Spiel "Herschel und die Musik der Sterne", ein Jahr später übernahm er in Walter Rupps Theaterstück "Ich schweige nicht" die Rolle des Jesuitenpaters Rupert Mayer. Im Dezember 1993 strahlte das ZDF sechs Folgen der Serie "Ora et labora" mit Meinrad als Abt Korbinian aus, die in einem fiktiven bayerischen Benediktiner-Kloster spielt. Neben dem Ifflandring erhielt Josef Meinrad 1955 die Ernennung zum "Kammerschauspieler", 1961 den "Blue Ribbon Award" für seine Rolle in "Die Trapp-Familie". 1963 nahm er die "Kainz-Medaille" entgegen, im gleichen Jahr wurde er mit dem "österreichischen Ehrenkreuz 1. Klasse für Wissenschaft und Kunst" gewürdigt und 1983 erhielt er den Ehrenring der Stadt Wien.
Der großartige Schauspieler Josef Meinrad verstarb am 18. Februar 1996 mit 82 Jahren in seinem Altersitz nahe Salzburg; er war seit 1950 mit der Französin Germaine Renée verheiratet. Mit einer großen Trauerfeier im Wiener Burgtheater nahmen Ende Februar 1996 führende Vertreter aus Politik, Kirche und Kultur Abschied von Josef Meinrad. Das Feuilleton würdigte ihn als einen der "größten deutschsprachigen Schauspieler seiner Zeit".
Die Erinnerungen Meinrads erschienen, aufgezeichnet von Gerd Holler, unter dem Titel "Da streiten sich die Leut' herum".
  
Siehe auch wikipedia.org, www.always-the-king.de
  

Filme (Auszug)
Filmografie bei german.imdb.com
Triumph der Liebe (1947) Der Prozess (1948)
Anni (1948) Erzherzog Johanns große Liebe (1950),
Eva erbt das Paradies (1951) Fräulein Casanova (1952)
Kaisermanöver (1954) Sissi (1955)
Wir Deutschmeister (1955), Sarajewo – um Thron und Liebe (1955)
Die Trapp-Familie (1956) Familie Schimek (1957)
Zirkuskinder (1958) Rendezvous in Wien (1959)
Der Räuber Hotzenplotz (1973-1974; auch TV-Fassung).
Fernsehfilme (Auszug)
Der Färber und sein Zwillingsbruder (1954) Der Verschwender (1956)
Der Bauer als Millionär (1961) Die Rebellion (1962)
Liliom (1963) Der eingebildete Kranke (1965)
Der Tod läuft hinterher (1967, 3 Teile) Die schöne Helena (1974)
Gaslicht (1977) Ringstraßenpalais (1980-82, Serie)
Kalkstein (1982) Der Unbestechliche (1986)
Der Vorhang fällt (1986) Ich schweige nicht (1987)
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