Wirken am Theater / Filmografie / Hörspiel
Der Schauspieler, Regisseur und Hörspielsprecher Leonard Steckel wurde am 8. Januar1) 1901 im damals zur Doppelmonarchie Österreich-Ungarn gehörenden Knihinin, einer Vorstadt von Stanislau (heute Iwano-Frankiwsk2), Ukraine2)), als Leonhard Steckel geboren. Der Sohn eines Verwalters bei der Reichsbahn wuchs nach dem frühen Tod seines Vaters – Markus Steckel war erst 28 Jahre alt – bei den Großeltern mütterlicherseits in Berlin auf. Dort besuchte er das "Köllnische Gymnasium"2), welches er mit dem Abitur verließ, um sich dann für eine Laufbahn als Schauspieler zu entscheiden. Steckel nahm auf Empfehlung seines Deutschlehrers entsprechenden, privaten Unterricht bei Charlotte Bildt († Anfang 1945), der Ehefrau von Paul Bildt (1885 – 1957), welcher dem aufstrebenden Talent 1920 ein erstes Engagement an dem von ihm geleiteten Berliner "Neuen Volkstheater" an der Köpenickerstraße2) verschaffte. Hier blieb Steckel bis 1923, im selben Jahr spielte er mit der Theatergruppe "Die Truppe" in dem Shakespeare-Drama "Der Kaufmann von Venedig"2) sowie in der Uraufführung des Stücks "Nebeneinander" von Georg Kaiser2). Zur Spielzeit 1923/24 wirkte er am "Lustspielhaus"2) und an der "Volksbühne"2), 1924/25 am "Preußischen Staatstheater"2), 1925/26 am "Deutschen Theater"2), 1926/27  wieder an der "Volksbühne". Dann wechselte er 1927/28 an das "Theater am Nollendorfplatz"2), 1928/29 an das "Theater am Schiffbauerdamm"2), ging 1929/30 erneut an das "Theater am Nollendorfplatz", um dann 1930 bis 1932 ein weiteres Mal eine Verpflichtung an der "Volksbühne" anzunehmen.
Steckel profilierte sich in Inszenierungen namhafter Regisseure – vor allem von Erwin Piscator2) und Leopold Jessner2) – zu einem angesehenem Charakterdarsteller, der sowohl in klassischen als auch Werken der Moderne zu überzeugen wusste. Ende der 1920er Jahre 1928 wandte er sich erstmals der Regie zu und inszenierte am 8. Januar 1928 im Studio der "Piscator-Bühne"2) die Uraufführung des Stücks "Heimweh"3) des Schriftstellers und Revolutionärs Franz Jung2). Zeitweise zeigte er auch Interesse für die Kleinkunst sowie für die "leichte Muse", trat 1929 im Kabarett "Larifari" seiner Freunde Rosa Valetti und Aribert Wäscher auf. "Anfang 1933 begann er – inzwischen arbeitslos – mit dem Musicalstar Gitta Alpár und anderen gefährdeten jüdischen Schauspielern eine von den Brüdern Fritz2) und Alfred Rotter2) organisierte zweimonatige Skandinavientournee mit der Operette Die Dubarry"2) von Karl Millöcker2). – und entging so dem Überfall der SA2) auf den "roten" Künstlerblock2) am "Laubenheimer Platz" unmittelbar nach dem Reichstagsbrand2)." (Quelle: Brigitte Bruns in "Deutsche Biographie")
 
Mit der so genannten "Machtergreifung"2) der Nationalsozialisten wurde die Situation für den als "Jude" eingestuften Künstler in Deutschland zunehmend bedrohlich, ein Engagement am "Schauspielhaus Zürich"2) bedeutete für Steckel und seine Familie die Rettung. Gemeinsam mit seiner ersten Ehefrau, der Ausdruckstänzerin und späteren Schriftstellerin Elfriede Alice Kuhr (1902 – 1989; Künstlernamen Jo Mihaly2)), die er 1927 geheiratet hatte, sowie der gemeinsamen Tochter Anja (1933 – 2011), ging Steckel im Juli 1933 über Wien ins Schweizer Exil. Hier gehörte er für rund zwei Jahrzehnte zu den Säulen des bis dato international wenig beachteten Privattheaters, dass sich in der Zeit des 2. Weltkrieges zur wohl bedeutendsten deutschsprachigen Bühne entwickelte.*)
Steckels Repertoire als Schauspieler und Regisseur umfasste neben den Klassikern (vor allem Shakespeare2)) Werke von Autoren, die im nationalsozialistischen Deutschland nicht aufgeführt werden durften, wie Franz Werfel2), Jean Giraudoux2), George Bernard Shaw2), T. S. Eliot1), Thornton Wilder2), Bertolt Brecht2), Arthur Schnitzler2), Eugene O'Neill2) und Marcel Pagnol2), später kamen Werke beispielsweise von Max Frisch2) und Friedrich Dürrenmatt2) hinzu.  
Steckels Arbeiten als Regisseur bzw. seine Inszenierungen umfassten Klassiker – allein neun Mal brachte er Shakespeare-Stücke auf die Bühne –, vor allem aber zeitgenössische Schauspiele von Gerhart Hauptmann2), Brecht, Giraudoux, Jean-Paul Sartre2), Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt. Die Welturaufführung von Brechts "Der gute Mensch von Sezuan"2) trug 1943 Steckels Handschrift, ebenso wie zahllose andere Stücke, die unter seiner Regie erstmals auf die Bühne gebracht wurden. Darüber hinaus galt er als Experte für italienische, spanische und französische Autoren wie Carlo Goldoni2), Federico García Lorca2), Lope de Vega2), Calderón de la Barca2) oder Marcel Pagnol.
  
Nach Ende des 2. Weltkrieges konnte der Künstler zunächst nicht nach Deutschland zurückkehren, da ihm von den Siegermächten aus unbekannten Gründen (eventuell wegen der Kontakte zu Brecht) die Einreise untersagt wurde. Steckel wirkte weiter am "Schauspielhaus Zürich", wo er unter anderem das Schauspiel "Armut, Reichtum, Mensch und Tier"2) von Hans Henny Jahnn2) zur Aufführung brachte (Premiere: 20.04.1950) und die Uraufführung (10.02.1951) von Max Frischs2) Drama "Graf Öderland"2) inszenierte. Erst nach Intervention des damaligen Berliner Regierenden Bürgermeisters Ernst Reuter1) sowie des Bundespräsidenten Theodor Heuss2) erhielt Steckel im Herbst 1952 die Einreisegenehmigung und einen deutschen Pass.
Am 23. Dezember 1952 brachte er in West-Berlin mit "Kiss me Kate"2) von Cole Porter2) am "Theater am Kurfürstendamm"2) erstmals ein amerikanisches Musical auf eine deutsche Bühne. Die Übersetzung des Buchs von Samuel und Bella Spewack2) stammte von Günter Neumann2),  es spielten unter anderem Wolfgang Preiss (Fred Graham/Petrucchio) und Hannelore Schroth (Lilli Vanessi/Katharina) sowie das beliebte Duo Wolfgang Neuss (1. Ganove) und Wolfgang  Müller2) (2. Ganove); mit dieser Inszenierung konnte Steckel auch in Hamburg Erfolge verbuchen. Als Schauspieler und Regisseur war er an vielen bedeutenden, deutschsprachigen Theatern aktiv, Verpflichtungen führten ihn neben Berlin und München unter anderem nach Bochum, Münster und Basel sowie zu den "Salzburger Festspielen"2), wo er 1963 und 1964 unter der Regie von Helene Thimig in dem traditionell aufgeführten Schauspiel "Jedermann"2) von Hugo von Hofmannsthal2) neben Protagonist Walther Reyer als "Mammon" glänzte. Ebenfalls 1964 sah man ihn in Salzburg als Kentaur Chiron in der Goethe-Tragödie "Faust II"2), in Szene gesetzt von Leopold Lindtberg2) mit Thomas Holtzmann als Faust und Will Quadflieg als Mephistopheles. Zwischen 1958 und 1959 fungierte Steckel überdies kurz als Leiter des "Theaters am Kurfürstendamm" → Übersicht Wirken am Theater (Auszug); siehe auch tls.theaterwissenschaft.ch.
  
Zwischen all seiner umfangreichen Theaterarbeit fand Steckel immer wieder Zeit, Filmangebote anzunehmen. Erste Erfahrungen vor der Kamera sammelte er bereits 1927 in einem stummen Kurz-Dokumentarfilm, zwischen 1930 und 1933 bis zur Emigration trat er dann mit prägnanten Nebenrollen in rund 20 Produktionen in Erscheinung. Darunter befanden sich Klassiker bzw. Kassenschlager wie Fritz Langs2) Meisterwerk "M – Eine Stadt sucht einen Mörder"2) (1931), das Hans Albers-Abenteuer "Der Draufgänger"2) (1931, Regie: Richard Eichberg2)) oder Richard Oswalds Adaption "Der Hauptmann von Köpenick"2) (1931) nach dem gleichnamigen Theaterstück2) von Carl Zuckmayer2) mit Max Adalbert als Wilhelm Voigt2), wo er den Trödler Krakauer mimte. Als Geheimdienstchef Oberst Salit sah man ihn in dem Harry Piel-Abenteuer "Der Geheimagent"2) (1932), als Sucharow, Chef der Werkspionage, in dem Spionage- und Kriminalfilm "Salon Dora Green"2) (1933) sowie (vorerst zuletzt) als Santos, Chef des Verbrecherkonsortiums, in dem Agenten-Streifen "Unsichtbare Gegner"2) (1933).
Ab den 1950er Jahren wirkte Steckel dann erneut in zahlreichen Unterhaltungsfilmen mit, führte zudem Regie. Dass er seine Regie-Kompetenz auch hinter der Kamera zu nutzen wusste, bewies er bereits in den 1940er Jahren bei zwei Schweizer Produktionen: Nach dem Roman "Im Namen der Liebe" von Rösy von Känel2); mit Trudi Stössel4) in der Titelrolle entstand der Streifen "Fräulein Huser"2) (1940), ein Jahr später, gemeinsam mit Max Werner Lenz2), das Biopic "Bider, der Flieger2) (1941) über den Schweizer Flugpionier Oskar Bider2), dargestellt von Robert Freitag → Fotomaterial bei cyranos.ch. Zusammen mit Emil Berna realisierte er den Schweizer Film "Palace Hotel"2) (1952) mit unter anderem Paul Hubschmid und Anne-Marie Blanc, erneut mit Paul Hubschmid sowie Hilde Krahl und Heinrich Gretler drehte er die die Literaturadaption "Die Venus vom Tivoli"2) (1952) nach dem Theaterstück (1931) von Peter Haggenmacher, die bei uns unter dem Titel "Zwiespalt des Herzens" in die Lichtspielhäuser kam. Seine einzige Regie-Arbeit in der BRD blieb das Melodram "Du mein stilles Tal"2) (1955) nach der Erzählung "Schweigepflicht" von Jacques Companéez2), wo er an der Seite der Protagonisten Curd Jürgens, Winnie Markus, Bernhard Wicki und Ingeborg Schöner2) auch einen kleinen Part als Arzt übernahm.

Leonard Steckel während der Dreharbeiten zu dem Film "Palace Hotel"4) (1952)
Quelle: cyranos.ch bzw. Archiv "Praesens-Film AG" Zürich, mit freundlicher
Genehmigung von Peter Gassmann (Praesens-Film AG, Zürich);
© Praesens-Film AG

Leonard Steckel während der Dreharbeiten zu dem Film "Palast Hotel" (1952), wo er Regie führte. Quelle/Link: cyranos.ch bzw. Archiv "Praesens-Film AG" Zürich, mit freundlicher Genehmigung von Peter Gassmann (Praesens-Film AG, Zürich); Copyright Praesens-Film AG
Steckels erster Kinofilm als Darsteller war nach dem Krieg die von Robert Adolf Stemmle2) in Szene gesetzte musikalische Geschichte "Südliche Nächte"2) (1953), gefolgt von dem Zweiteiler "Meines Vaters Pferde" (1953, "Lena und Nicoline"2) / "Seine dritte Frau"2)) nach dem Roman von Clemens Laar"2). Steckel mimte in den nachfolgenden Produktionen schon mal Kommissare wie in "Der letzte Sommer"2) (1954) nach Motiven der gleichnamigen Novelle von Ricarda Huch2), Herren der Gesellschaft wie in "Ewiger Walzer"2) (1954) mit Bernhard Wicki als Walzerkönig Johann Strauss2), hochrangige Militärs wie in "Geliebte Feindin"2) (1954) nach dem Roman von Maria von Kirchbach mit Ruth Leuwerik, Werner Hinz und Thomas Holtzmann oder Professoren wie in "Liebe ohne Illusion"2) (1955) nach dem Bühnenstück "Ärztliches Geheimnis" von Ladislas Fodor2). Als Helmut Käutner2) erneut die Zuckmayer-Adaption "Der Hauptmann von Köpenick"2) (1956) diesmal mit Heinz Rühmann auf die Leinwand bannte, besetzte er Steckel als den Uniform-Schneider Adolph Wormser, in dem Biopic "Stresemann"2) (1956) über den von Ernst Schröder dargestellten Politiker und Friedensnobelpreisträgers Gustav Stresemann2) verlieh er dem französischen Ministerpräsidenten Aristide Briand2) Kontur. Steckel zeigte sich in Kriegsdramen wie "Der Arzt von Stalingrad"2) (1957) und "Die grünen Teufel von Monte Cassino"2) (1958), Komödien wie "Majestät auf Abwegen"2) (1958), Melodramen wie "Liebling der Götter"2) (1960) oder Krimis wie "Das Geheimnis der schwarzen Koffer"2) (1962). Letzte Arbeiten für das Kino waren zwei Filme nach Werken von Friedrich Dürrenmatt: Bernhard Wickis Inszenierung "Der Besuch" (1964, "The Visit") nach dem Bühnenstück "Der Besuch der alten Dame"2) mit Ingrid Bergman als Claire Zachanassian und Anthony Quinn als Serge Miller (im Stück: Alfred Ill), wo er einen Priester spielte, und "Grieche sucht Griechin"2)(1966) nach dem gleichnamigen Roman1) mit Heinz Rühmann, wo sich Steckel als Maîre (Bürgermeister) Dutour zeigte. Im Vergleich zu Steckels Theater-Wirken bleiben seine Ausflüge auf die Leinwand jedoch von eher nachrangiger Bedeutung → Übersicht Kinofilme.
 
Seit den 1960er Jahren arbeitete der vielseitige Künstler vermehrt für das Fernsehen und war, neben einigen Theater-Aufzeichnungen, in etlichen Produktionen mit interessanten Rollen auf dem Bildschirm präsent. Unter anderem sah man ihn als einen der fünf angesehenen Herren in der kriminalistischen Geschichte "Das Kartenspiel"5) (1961), als Box-Promoter Roxy Gottlieb in "Golden Boy"2) nach dem Theaterstück von Clifford Odets2) mit Klaus Kammer als Joe Bonaparte oder als den jüdischen Fabrikanten Dr. Jakob Blum in "Affäre Blum"5) (1962) nach dem gleichnamigen Schauspiel von Erich Engel2) und Robert Adolf Stemmle2) (auch Regie/Drehbuch) über den Magdeburger Justizskandal2) von 1925/26. Unter anderem gab Steckel den Senator Clark in "Die ehrbare Dame"5) (1963) nach dem Theaterstück von Jean-Paul Sartre2), den Landstreicher Oliver Erwenter in "Die Silberflöte"5) (1964) nach der gleichnamigen Tragikomödie von Robert E. McEnroe (1916 – 1998), den Untersuchungsrichter Hazelhoff in "Plädoyer für einen Rebellen"5) (1965) oder den Marduk in "Pontius Pilatus"5) (1966) nach der Novelle von Roger Caillois2) über Pontius Pilatus2) in der Bearbeitung von Harald Zusanek2) mit Wolfgang Preiss in der Titelrolle. Eine seiner Glanzrollen war, wie auf der Bühne, der Gutsbesitzer Puntila in "Herr Puntila und sein Knecht Matti"(1966), von Rolf Hädrich2) in Szene gesetzt nach dem gleichnamigen Theaterstück2) von Bertolt Brecht2) mit Mario Adorf als Knecht Matti. In "Graf Öderland"5) (1968) nach dem gleichnamigen Drama2) von MaxFrisch2) mit Bernhard Wicki als Staatsanwalts Martin trat er als der Hellseher Mario in Erscheinung, eine seiner letzten TV-Auftritte war der Shulman in dem Fernsehspiel "Chopin-Express"2)(1971) über die Situation polnischer Juden während des 2. Weltkriegs und in der Volksrepublik Polen2) → Übersicht TV-Produktionen.
 
Darüber hinaus widmete sich Steckel dem Hörspiel sowohl als Sprecher als auch als Regisseur, auch hier ist seine Arbeit recht beeindruckend. Unter anderem sprach er zwischen 1957 und 1960 in sieben Krimis nach Romanen von Georges Simenon2) den berühmten Kommissar Jules Maigret2), bis auf ""Frau Maigret als Detektiv"6) (EA: 28.05.1957) jeweils unter der Regie von Gert Westphal. Die bei der ARD Hörspieldatenbank gelisteten Produktionen findet man hier.
Im Synchronstudio war er ebenfalls mitunter zu finden, so lieh er beispielsweise Charles Laughton als tyrannischem Chef Earl Janoth in "Spiel mit dem Tode"2) (1948, "The Big Clock) seine Stimme, sprach für SebastianCabot2) den Nazim in dem Abenteuer "Sturm über Persien"2) (1957, "Omar Khayyam"), für Hugh Griffith2) den Scheich Ilderim in dem Klassiker "Ben Hur"2) (1959) oder für Lionel Jeffries2) den Dr. Goovaerts in dem Audrey Hepburn-Melodram "Geschichte einer Nonne"2) (1959, "The Nun's Story"). In der Komödie "Eins, zwei, drei"2) (1961, "One, Two, Three") übernahm er für Leon Askin2) den Part des Kommissars Peripetchikoff und für Enzo Fiermonte2) den des Sharp in dem Streifen "Hügel der blutigen Stiefel"2) (1969, "La collina degli stivali") → synchronkartei.de.
  
Die Inszenierung in Hamburg am  "Deutschen Schauspielhaus"2) der Farce "Einer muss der Dumme sein" von Georges Feydeau2), die 1971 auch im Fernsehen ausgestrahlt wurde, sollte Steckels letzte Arbeit für das Theater sein. Pläne, im Juni 1971 eine viermonatige Welttournee durch 16 Länder mit dem Brecht-Stück "Herr Puntila und sein Knecht Matti" zu starten, konnte der leidenschaftliche Theatermann nicht mehr realisieren. Steckel, der noch am 8. Januar 1971 seinen 70. Geburtstag feierte, wurde rund einen Monat später durch einen tragischen Unfall mitten aus dem Leben gerissen: Als am 9. Februar 1971 bei Aitrang2) (Allgäu) ein Eisenbahnunglück geschah bzw. der Zug entgleiste (→ Wikipedia), saß Steckel in dem Trans-Europ-Express (TEE) "Bavaria"2) von München nach Zürich und verstarb, wie weitere 28 Insassen, an den Folgen des Unfalls.
"Für mich bedeutet dieser Tod mehr als der Verlust eines Freundes. Ich bin Bühnenschriftsteller, und ich komme mir vor wie ein Maler, dem plötzlich eine bestimmte Farbe abhanden gekommen ist, mit der er arbeitete." sagte Friedrich Dürrenmatt2) in einem Nachruf. Einen letzte großen Erfolg als Charakterdarsteller hatte Steckel fünf Jahre zuvor mit der Figur des Literaturnobelpreisträgers Wolfgang Schwitter in der Uraufführung (20.01.1966) von Dürrenmatts Persiflage "Der Meteor"2) am "Schauspielhaus in Zürich" feiern können. Das Stück hatte Friedrich Dürrenmatt eigens für ihn geschrieben. Darin verarbeitete der Dramatiker schauspielerische Erlebnisse von Steckel. Dieser spielt in dem Stück den Nobelpreisträger Schwitter, einen Menschen, der nicht sterben kann, der immer wieder aufersteht und doch nicht an seine Auferstehung glaubt. "Das Stück heißt Meteor", so Dürrenmatt, "weil ein Meteor ein Stück Materie ist, das in unsere Atmosphäre hineinsaust, und alles verglüht, und so kommt mir der tragische Tod von Leonard Steckel in irgendeiner Weise sinnbildlich vor, es kommt mir so vor, als hätte ich ihn vorausbeschrieben."7)
Die letzte Ruhe fand Leonard Steckel auf dem Berliner "Friedhof Heerstraße"2)  → Foto der Grabstätte bei knerger.de sowie Wikimedia Commons. Wikipedia notiert: "Auf Beschluss des Berliner Senats2) ist die letzte Ruhestätte von Leonard Steckel (Grablage: II–W–C–34) seit 2. September 1997 als "Ehrengrab des Landes Berlin" gewidmet. Diese Widmung wurde im August 2021 um die übliche Frist von zwanzig Jahren verlängert." Der schriftliche Nachlass wird von der Berliner "Akademie der Künste"2) verwaltet, dessen Mitglied Steckel seit 1969 war → "Leonard Steckel Archiv". 1998 erschien von dem Schweizer Publizisten und Schriftsteller Franz Rueb2) das Buch "Leonard Steckel – Schauspieler und Regisseur. Eine Theatermonographie". Herbert Ihering2) schreibt in seinem Werk "Von Reinhardt bis Brecht. Vier Jahrzehnte Theater und Film" (Bd. 3, S. 21): "Leonard Steckel ist eine seltene Ausnahme, Er spielt mit Leidenschaft kleine Rollen. (…) Er versucht auch die kleinste Rolle in eine Form zu bringen, Er geht nicht von der Nachahmung, sondern von der Phantasie aus. Diese Phantasie hat zusammendrängende Kraft. Eine Kraft, die die Rolle auf einige wenige, aber einprägsame Grundlinien bringt. Komik und Tragik werden dem selben Stilwillen untergeordnet."8)
 
Leonard Steckel war, wie erwähnt, in erster Ehe seit 1927 mit der Tänzerin und späteren Schriftstellerin Jo Mihaly2) (Künstlername) verheiratet, 1955 kam es zur Scheidung. Die 1933 geborene und am 28. September 2011 verstorbene, gemeinsame Tochter Anja trat unter dem Namen "Anja Golz" als Schauspielerin in Erscheinung und war mit dem Fernsehproduzenten Theo Ott verheiratet. Steckels zweite Ehefrau wurde 1955 die Münchener Fotoagentin und Leiterin einer Presse-Fotoagentur Hermi Mertens (1916 – 2010), die später als Mitarbeiterin die Arbeit ihres Mannes unterstützte.
Quellen (unter anderem)*) **): Wikipedia, cyranos.ch, tls.theaterwissenschaft.ch, deutsche-biographie.de sowie
"Leonard-Steckel-Archiv" im Archiv der Berliner "Akademie der Künste"
Fotos bei virtual-history.com
*) Kay Weniger: Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben … Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht. (ACABUS Verlag, Hamburg 2011, S. 481 ff)
**) Handbuch des deutschsprachigen Exiltheaters 1933 – 1945; Herausgeber: Frithjof Trapp, Werner Mittenzwei, Henning Rischbieter, Hansjörg Schneider; Band 2: Biographisches Lexikon der Theaterkünstler von Frithjof Trapp, Bärbel Schrader, Dieter Wenk, Ingrid Maaß (Teil 2, L-Z; K G  Saur, München 1999)
1) Die meisten Quellen (so auch die hier genannten (Kay Weniger und "Handbuch des deutschen Exiltheaters" sowie filmportal.de)  weisen den 8. Januar aus; bei IMDb und Wikipedia wird der 18. Januar genannt.
Fremde Links: 2) Wikipedia, 3) theatertexte.de, 4) cyranos.ch, 5) Die Krimihomepage, 6) ARD-Hörspieldatenbank
7) Quelle: exilarchiv.de (Artikel nicht mehr abrufbar)
8) Quelle: Henschel Theaterlexikon (Hrsg. C. Bernd Sucher; Henschel Verlag, 2010, S. 829)
Wirken am Theater (Auszug)
Als Schauspieler / Als Regisseur
Quelle (u. a.): Leonard-Steckel-Archiv der Berliner "Akademie der Künste"
(R = Regie, UA = Uraufführung/EA = Erstaufführung; DEA = Deutschsprachige Erstaufführung, P = Premiere;
Fremde Links: felix-bloch-erben.de, Wikipedia (deutsch/englisch), zeno.org, tls.theaterwissenschaft.ch,
theatertexte.de, suhrkamptheater.de, Historisches Lexikon der Schweiz)

Als Schauspieler

Berliner Bühnen

"Schauspielhaus Zürich" Sonstige Bühnen

Als Regisseur (Auszug)

"Schauspielhaus Zürich", zur Spielzeit …
(Quelle: archiv.schauspielhaus.ch, Leonard-Steckel-Archiv) Berliner "Theater am Kurfürstendamm" (Auszug) "Freie Volksbühne Berlin" (Auszug) Wiener "Theater in der Josefstadt" zur Spielzeit …
Filme
Stummfilme / Tonfilme / Fernsehen
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie filmportal.de
(Fremde Links: filmportal.de, Wikipedia (deutsch/englisch, cyranos.ch; Die Krimihomepage)
Stummfilme Tonfilme

Fernsehen

Hörspielproduktionen
Als Sprecher / Als Regisseur
(Fremde Links: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung), Wikipedia)
Als Sprecher

Als Regisseur (ohne Theater-Mitschnitte)

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