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Thomas Holtzmann wurde am 1. April 1927 als Sohn eines Journalisten in München geboren. Bereits
während seiner Schulzeit galt seine Leidenschaft dem Theater, nach dem
Abitur studierte er an der Universität seiner Geburtsstadt zwei Jahre lang Theaterwissenschaft und
Literatur bei Prof. Artur Kutscher1) (1878 1960),
nahm unter anderem kurze Zeit Sprechunterricht bei Paul Wagner1)
(1899 1970). Sein
Bühnendebüt gab er 1949 mit der Rolle des Jason in Anouilhs
"Medea" am "Münchner Ateliertheater", schon
während des Studiums hatte Holtzmann dort erste darstellerische Erfahrungen
gesammelt. Weitere Engagements führten
den jungen Schauspieler an das "Landestheater Schleswig", an die
"Städtischen Bühnen Nürnberg",
das "Staatstheater Saarbrücken" sowie nach Köln an die
"Städtischen Bühnen".
Mit seiner Titelrolle in Kleists "Der Prinz von Homburg" unter der
Regie von Boleslaw Barlog1)
(1906 1999) am Berliner "Schillertheater" schaffte er dann 1961 den
Durchbruch zum bedeutenden Charakterdarsteller.
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin
Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
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In München, Berlin, Hamburg und Wien
konnte Holtzmann sowohl in klassischen Dramen als auch modernen Stücken immer
wieder seine enorme schauspielerische Vielseitigkeit unter Beweis stellen. Vor allem mit seiner Interpretation zahlreicher Shakespeare-Figuren feierte
er, auch bei den Salzburger Festspielen, wahre Triumphe. Zu seinem
herausragenden Repertoire zählen die tragischen Figuren der Weltliteratur,
so beispielsweise der König Ödipus von Sophokles, Goethes
"Torquato Tasso", "Faust" und "Clavigo", der
Major von Tellheim in Lessings "Minna von Barnhelm"
der "Caligula" von Camus oder der Orest in Sartres
"Die Fliegen" um nur einige der vielen
bedeutenden Rollen zu nennen.
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin
Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
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Von 1977 bis 2001 war Holtzmann festes Mitglied im Ensemble der "Münchner
Kammerspiele", legendär ist die als Leseprobe inszenierte Ausführung von Samuel Becketts
"Warten auf Godot". Regie führte George Tabori, und Holtzmann spielte wie so oft an den
"Kammerspielen" an der Seite von Peter Lühr2.)3)
Dann wechselte er gemeinsam mit Dieter Dorn und zahlreichen anderen Schauspielern
der "Kammerspiele" an das "Bayrische Staatsschauspiel". Hier inszenierte Dorn
unter anderem mit Holtzmann als Antonio den "Kaufmann von Venedig" von
Shakespeare. Unter der Regie von Regie Barbara Frey gab er den Hamm in Becketts "Endspiel" und war als
Alexander Wladimirowitsch Serebrjakow in Tschechows
"Onkel Wanja" zu sehen. Das Stück wurde 2004 auch im
Fernsehen ausgestrahlt und gehörte viele Jahre vor zum Spielplan des
"Residenz Theaters". Zu den weiteren herausragenden Bühneninterpretationen
des charismatischen Charakterdarstellers zählt die Figur des Henrik in der von Dieter Dorn inszenierten Uraufführung des Botho Strauß-Stückes
"Die eine und die andere", das Ende Januar 2005 am "Residenz Theater"
Premiere hatte.
In den letzten Jahren fesselt Holtzmann das Publikum vermehrt mit
literarischen Lesungen, so beispielsweise mit einem Kapitel aus dem Roman
"Der Zauberberg" bzw. dem literarischen Soloabend "Fülle des
Wohllauts", welcher von der Theaterkritik für den
"Friedrich-Luft-Preis" vorgeschlagen wurde. Auf zahlreichen
Audioproduktionen des klassischen Genres ist seine eindrucksvolle Stimme zu
hören, auch für verschiedene Hörspiele stand er vor dem Mikrofon.
Einem breiten Publikum bekannt wurde Thomas Holtzmann durch
verschiedenste, wenn auch eher seltene Auftritte bei Film und Fernsehen.
Sein Leinwanddebüt hatte er 1954 mit einer kleinen Rolle in Rolf
Hansens Melodram "Geliebte Feindin" an der Seite von Werner Hinz und Ruth Leuwerik
gegeben, es folgte der Episodenfilm "Unser Wunderland bei Nacht" (1959).
Internationale Beachtung fand Holtzmann mit seiner Rolle des legendenumrankten Spions
Richard Sorge1)
(1895 1944) in dem von Yves Ciampi inszenierten französischen Thriller "Qui êtes-vous, Monsieur Sorge?" (1961, Wer sind Sie, Dr. Sorge?)
an der Seite von Mario Adorf. In den
1960er Jahren trat Holtzmann in einigen wenigen weiteren Kinoproduktionen wie in Orson Welles' Kafka-Adaption "Le Procès"1) (1962, Der Prozess), Guy Hamiltons
"Funeral in Berlin"1) (1966,
Finale in Berlin) sowie Volker Schlöndorffs Kleist-Adaption "Michael Kohlhaas Der Rebell"1) (1969)
in Erscheinung, wo er neben Protagonist David Warner als Reformator Martin Luther1) brillierte.
In den 1990er Jahren stand der Schauspieler für Streifen wie Franz Xaver Bogners
"Café Europa"1) (1990),
der Lion Feuchtwanger-Verfilmung "Erfolg" (1991; Regie: Franz Seitz),
dem Kassenschlager "Schtonk!"1) (1992) und
Herbert Achternbuschs Drama "Hades"1) (1995)
vor der Kamera.
Die Fernsehzuschauer erlebten den Mann mit dem markant zerfurchten Gesicht
in einigen TV-Adaptionen von Theaterstücken wie Falk Harnacks "Die Wölfe" (1963) nach
Romain Rolland oder Peter Beauvais' Arthur Schnitzler-Verfilmung
"Professor Bernhardi" (1964), aber auch in historischen Sujets wie Franz Peter Wirths aufwändigem, 165-minütigem
Theater-Fernsehspiel "Wallenstein" (1986),
in dem Holtzmann die Titelrolle spielte (nicht zu verwechseln mit dem Vierteiler2)
aus dem Jahre 1978). Holtzmann zeigte sich unter anderem als Generalmajor
von Scharnhorst in dem Doku-Drama "Gneisenau Die politische Auflehnung eines Soldaten" (1970)
neben Ullrich Haupt in der Titelrolle, in dem Mehrteiler "Die Fabrik der Offiziere" (1989),
nach dem Roman von Hans Hellmut Kirst, mimte er den Generalmajor
Modersohn. In der für das Fernsehen übernommenen Inszenierung des "König Lear"
von Dieter Dorn sah man ihn 1992 als Graf von Gloucester, neben Rolf Boysen
in der Titelrolle, auf dem Bildschirm. 1998 wirkte Holtzmann in einer Folge
von "Der Bulle von Tölz" mit und zu seinen jüngeren Arbeiten
für das Fernsehen zählt der Thriller "Das Phantom" (2000)
sowie die Verfilmung von Anton Tschechows Werk " Onkel Wanja" (2004). Verschiedentlich stand Holtzmann auch mit prägnanten Gastrollen
für die beliebten Krimi-Serien "Der Alte" und "Derrick"
vor der Kamera.
Der Schauspieler zählt zu den wichtigsten Persönlichkeiten des
deutschsprachigen Theaters und wurde 1989 für seine Leistungen mit dem
"Fritz-Kortner-Preis"1)
ausgezeichnet, zehn Jahre später ehrte man den großen Charaktermimen
mit dem "Bayerischen Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst"1).
Gemeinsam mit Rolf Boysen2) erhielt Thomas Holtzmann 2003 den
"Deutschen Kritikerpreis"1) (Ehrenpreis), 2009 wurde ihm das
"Große Bundesverdienstkreuz" überreicht.
Thomas Holtzmann ist seit den 1950er Jahren mit der Schauspielerin Gustl Halenke1) verheiratet und lebt abwechselnd in Berlin und München.
Szenenfoto von der TV-Aufzeichnung "Triumph der Liebe"*)
des Rokoko-Komödien-Schreibers Pierre Carlet de Marivaux1) (1688 1763),
mit Thomas Holtzmann (Philosoph Hermokrates) und Jutta Lampe (Prinzessin Leonida);
aufgeführt im Mai 1985 an der an der Berliner "Schaubühne", Regie: Luc Bondy
Foto mit freundlicher Genehmigung von www.ziegler-film.com
© Ziegler Film GmbH & Co. KG
Link: *) Ziegler Film
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