Helmut (auch Helmuth) Lohner wurde am 24. April 1933 in Wien als Sohn eines Schlossers geboren; nach der Lehre als Chemiegraphiker begann er ein Schauspielstudium, kam über das Stadttheater Baden bei Wien und das Stadttheater Klagenfurt nach Berlin und München. Unter Otto Schenks Regie spielte er häufig in Salzburg und gab bei den Festspielen 1990 zum ersten Mal den "Jedermann" und erntete überaus positive Kritiken; zu seinen herausragenden Bühnenrollen zählen unter anderem der Kleist'sche "Prinz von Homburg", Goethes "Mephisto", Shakespeares "Richard III." und "Hamlet", Hofmannsthals "Der Schwierige", aber auch die Titelrolle in "Tod eines Handlungsreisenden" von Arthur Miller.

Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt. Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
Helmut Lohner 01
Der renommierte Interpret volkstümlicher, aggressiver Nestroy- und subversiver Horváth-Rollen begann seine Leinwandkarriere im Rollenfach spontaner, aber harmloser, bestenfalls etwas ungehobelter junger Männer. Sein einfacher, frisch und natürlich wirkender Umgangston machte schon zu einem Zeitpunkt auf ihn aufmerksam, als er noch sehr kleine Charakterrollen zu spielen hatte wie 1957 in dem Kurt Hoffmann-Film "Salzburger Geschichten". Erste Erfahrungen vor der Kamera hatte der junge Schauspieler - noch ungenannt - in dem Melodram "Wenn du noch eine Mutter hast" (1954) gemacht, sein wienerischer Charme, der ihn für den regionalen Typ des "Hallodri" zu prädestinieren schien, kam ihm 1957 in dem Streifen "Wie schön, dass es dich gibt " zugute, wo er einen sympathischen jungen Burschen mit Ansätzen zum Hochstapler darstellte. Nach leichten Unterhaltungsfilmen wie "Herrscher ohne Krone" (1957, mit O.W. Fischer), "Salzburger Geschichten"1) (1957, mit Marianne Koch und Paul Hubschmid) oder "Witwer mit 5 Töchtern"1) (1957, mit Heinz Erhardt) bewährte sich seine Wandlungsfähigkeit auch 1958 in der musikalischen Komödie "Das Wirtshaus im Spessart"1) von Kurt Hoffmann, wo er als Wandergeselle Felix in Frauenkleider schlüpfte, um der jungen Dame seines Herzens alias Liselotte Pulver beistehen zu können.
  
Parallel zur Etablierung als prominenter Bühnendarsteller wurden Lohner nun sukzessive mehr differenzierte, zwielichtige und doppelbödige Rollen im Film angeboten wie beispielsweise die des sich zynisch gebenden Frank Gardner in Ákos Ráthonyis Shaw-Adaption "Frau Warrens Gewerbe" (1960), wo er mit Lilli Palmer, O.E. Hasse und Johanna Matz vor der Kamera stand. Während sein junger, solider und verliebter Rechtsanwalt in "Immer will ich Dir gehören" (1960) oder der Hannes Niklas in "Blond muß man sein auf Capri" (1961) eher einen Rückfall in die frühere Rollenschablone darstellte, strahlte Lohner 1961 in John Oldens Kinofilm "Im sechsten Stock" als Arbeiter Jojo, der das geliebte junge Mädchen (Sabine Sinjen) heiratet, das ein Kind von einem anderen erwartet, rührende Offenheit und Anständigkeit aus. Eindrucksvoll war auch seine Rolle des deutschen Soldaten Willi, der sich in dem britischen Kriegsfilm "Hannibal Brooks" (1968) für einen entflohenen englischen Kriegsgefangenen aufopfert.
Helmut Lohner 02 In den 70er Jahren und zu Beginn der 80er Jahre versäumte der junge deutsche Film, sich das darstellerische Potential des inzwischen zum großen Charakterschauspieler gereiften Lohner zunutze zu machen und so arbeitete er neben seiner Theatertätigkeit vermehrt für das Fernsehen. So sah man ihn beispielsweise 1974 mit der Hauptrolle unter der Regie Arno Assmanns in der Komödie "Der Lügner" auf dem Bildschirm, 1981 mit der Titelrolle in "Tarabas" oder als Alois Stange in der TV-Serie "Der elegante Hund" (1987/88). In Neil Simons "Sonny Boys" mimte er 1999, an der Seite von Otto Schenk als Willie Clark, den Al Lewis, im gleichen Jahr erlebten die Fernsehzuschauer ihn als Graf Almaviva in Ödön von Horváths "Figaro lässt sich scheiden". 
  
Bildquelle: © Werner Bethsold
Das Foto entstand 1989 während einer Hörspielproduktion.
2005 kamen Lohner und Schenk in dem Nestroy-Stück "Kampl", einer Komödie um Ehe- und Erbschaftsintrigen, welches am 9. Dezember 2004 am "Theater in der Josefstadt" eine furiose Premiere gefeiert hatte, erneut in die heimischen Wohnzimmer und waren Garanten für vergnügliche Fernsehunterhaltung. 
Gemeinsam mit Otto Schenk, mit dem er auch 1996 bei den Salzburger Festspielen als " Rappelkopf" in Peter Steins Raimund-Inszenierung "Der Alpenkönig und der Menschenfeind" zu sehen gewesen war, brachte Lohner im Februar 2005 das Buch "Lacherfolge" auf den Markt, welches auf dem gleichnamigen Programm mit Schenk basiert: "Eine Sternstunde des Humors ist garantiert, wenn zwei Vollblutkomödianten wie Otto Schenk und Helmuth Lohner gemeinsam auf der Bühne stehen und ihr Programm "Lacherfolge – Sketches aus fünf Jahreszeiten" präsentieren. Mit "Lacherfolge – die besten Sketches aus 5 Jahrzehnten" verwirklichen sich die beiden Schauspielerfreunde einen langjährigen Traum, nämlich gemeinsam einen Abend lang zu blödeln und die lustigsten Sketches wieder oder erstmals zur Aufführung zu bringen. Denn alles begann vor rund 50 Jahren im Studio Hamburg, als Otto Schenk Helmuth Lohner für eine Fernsehshow einlud, um den Sketch "Auf den Flügeln des Gesangs" aufzuführen. Viele skurrile Szenen wie, der Versuch eine Giraffe per Bahn zu versenden, die Brandrede eines volltrunkenen Antialkoholikers gegen den Alkohol, oder die schnorrigen Versuche eines verarmten Dichters sich Geld zu leihen, oder der politschwangere Anton Kuh Text "Mein Nachtbar in Grinzing", sind Inhalt des Programms." (Zitat: www.events.at)

In den letzten Jahren stand Lohner, der 1988 mit dem "Nestroy-Ring" geehrt worden war, neben Burgtheater-Gastspielen vornehmlich in Zürich auf der Bühne und führte auch Regie; seit 1997 leitete er als Nachfolger Otto Schenks das Wiener "Theater in der Josefstadt". Im April 2003 feierte der Künstler seinen 70. Geburtstag und sein 50jähriges Jubiläum an der Wiener Josefstadt. Aus diesem Anlass wurden die Leistungen des österreichischen Schauspielers, Regisseurs und Intendanten mit einer Gala, die Heinz Sichrovsky moderierte und an der neben Lohner selbst auch seine Wegbegleiter und Freunde Otto Schenk, Fritz Muliar und Elfriede Ott mitwirkten, gewürdigt. Inzwischen hatte sich Lohner als Direktor von seiner ehemaligen Wiener Wirkungsstätte vorerst verabschiedet, stand dem Haus jedoch nach wie vor als "Künstlerischer Berater" zur Verfügung. Im Januar 2004 ging durch die Presse, das Lohner ab September als interimistischer Direktor die Bühne wieder übernehmen werde, was er bis 2006 gemeinsam mit Alexander Götz dann auch tat; seit September 2006 wird das Haus von Herbert Föttinger und Alexander Götz geleitet.
Am 24. April 2008 feierte Lohner, der zu den ganz Großen der Theaterszene zählt, seinen 75. Geburtstag. Auch wenn er nach eigenen Aussagen "Geburtstage nie gemocht" hat, ließ er sich doch im engsten Kreis feiern. Das ORF ehrte den introvertierten Künstler mit dem von Michael Bukowsky gedrehten 30-minütigen Portrait "Helmuth Lohner – Ein Suchender"; Lohner selbst gewährte dem Publikum damit auch Einblicke in sein Leben und seine Gedankenwelt.
  

Helmut Lohner als "Teufel" in "Jedermann"

Helmuth Lohner als "Teufel" in "Jedermann"
Salzburg 1985
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin'
  Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt. 
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Helmut Lohner war von 1962 bis 1976 in zweiter bzw. dritter Ehe mit der Schauspielerin Karin Baal1) verheiratet; aus der Verbindung stammt die gemeinsame Tochter Therese Lohner, die in die Fußstapfen ihrer Eltern trat und sich inzwischen ebenfalls einen Namen als renommierte Schauspielerin gemacht hat. Lohners erste, 1958 geschlossene Ehe mit der Schauspielerin Susanne Cramer1) (1936 – 1959) war nach nur fünf Monaten geschieden worden, danach heiratete das Paar erneut, um sich anschließend nach kurzer Zeit wieder offiziell zu trennen; Tochter Konstanze Lohner, welche heute als Pädagogin in Wiesbaden tätig ist, wurde 1959 geboren. Derzeit lebt der Schauspieler mit der österreichischen Unternehmerin Elisabeth Gürtler-Mauthner1) zusammen, die das Wiener Hotel Sacher leitet.
 

1) Der Link führt zu Wikipedia Stand Mai 2010
Siehe auch Wikipedia
  
Filme (Auszug)
Filmografie bei der german.imdb.com
1954: Wenn du noch eine Mutter hast 1955: Urlaub auf Ehrenwort
1955: Hotel Adlon 1955: An der schönen blauen Donau
1956: Meine 16 Söhne 1957: Mrs. Cheneys Ende (TV)
1957: Salzburger Geschichten 1957: Wie schön, dass es dich gibt
1957: Das Wirtshaus im Spessart 1957: Witwer mit 5 Töchtern
1957: Herrscher ohne Krone1) 1958: Das Dreimäderlhaus
1958: Die Halbzarte 1958: Stefanie
1959: Die Schöne Lügnerin 1959: Marili
1960: Frau Warrens Gewerbe 1960: Immer will ich dir gehören
1960: Pension Schöller 1961: Blond muss man sein auf Capri1)
1961: Im sechsten Stock 1961: Das Letzte Kapitel
1961: Mann im Schatten 1961: Mein Mann, das Wirtschaftswunder
1962: …und ewig knallen die Räuber 1962: So toll wie anno dazumal
1964: Geschichten aus dem Wienerwald (TV) 1964: Das Siebente Opfer
1965: Radetzkymarsch (TV) 1967: Kriminalmuseum – Die Briefmarke (TV)
1967: Der Paukenspieler 1968: Babeck (TV Serie)
1969: Hannibal Brooks 1970: Hier bin ich, mein Vater (TV)
1971: Liliom (TV) 1973: Reigen
1973: Was Ihr wollt (TV) 1981: Der Lebende Leichnam
1981: Tarabas (TV) 1982: Shalom Pharao
1983: Die Geschichte einer Vielgeliebten (TV 1986: Flucht ohne Ende (TV)
1987: Der Elegante Hund (TV Serie) 1988: Achterloo (TV)
1988: Vier linke Hände (TV) 1989: Zucker
1990: The Plot to Kill Hitler 1994: Der Gletscherclan (TV)
1999: Figaro lässt sich scheiden (TV) 1999: Sonny Boys (TV)
2005: Kampl (TV)
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