Helmuth (auch Helmut) Lohner wurde am 24. April 1933 in Wien
als Sohn eines Schlossers geboren. Nach der Lehre als Chemiegraphiker
begann er ein Schauspielstudium an der "Falckenbergschule" in
München, kam über das Stadttheater Baden bei Wien (1952) an das Stadttheater Klagenfurt,
wo er auch als Operetten-Buffo glänzte. Ab 1953 gehörte er 10 Jahre lang
zum Ensemble des Wiener "Theaters in der Josefstadt", danach folgten Engagements in Berlin, München, Hamburg, Düsseldorf und Zürich.
Unter der Regie von Otto Schenk spielte er häufig in Salzburg, gab bei den
Festspielen 1990 zum ersten Mal den "Jedermann" und erntete
furiose Kritiken. Zu Lohners herausragenden Bühnenrollen zählen
unter anderem der Kleist'sche "Prinz von Homburg", Goethes
"Mephisto", Shakespeares "Richard III." und
"Hamlet", Hofmannsthals "Der Schwierige", aber auch
die Titelrolle in "Tod eines Handlungsreisenden" von
Arthur Miller.
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue
(Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
|
|
Der renommierte Interpret volkstümlicher, aggressiver Nestroy- und
subversiver Horváth-Rollen begann seine Leinwandkarriere im Rollenfach
spontaner, aber harmloser, bestenfalls etwas ungehobelter junger Männer.
Sein einfacher, frisch und natürlich wirkender Umgangston machte schon zu
einem Zeitpunkt auf ihn aufmerksam, als er noch sehr kleine
Charakterrollen zu spielen hatte wie 1957 in dem Kurt Hoffmann-Film
"Salzburger
Geschichten"1). Erste Erfahrungen vor der Kamera hatte
der junge Schauspieler noch ungenannt in dem Melodram "Wenn du
noch eine Mutter hast" (1954) gemacht, sein wienerischer Charme, der
ihn für den regionalen Typ des "Hallodri" zu prädestinieren
schien, kam ihm 1957 in dem Streifen "Wie schön, dass es dich
gibt" zugute, wo er einen sympathischen jungen Burschen mit
Ansätzen zum Hochstapler darstellte. Nach leichten Unterhaltungsfilmen
wie "Herrscher
ohne Krone"1) (1957, mit O.W. Fischer)
oder "Witwer mit 5 Töchtern"1) (1957, mit Heinz Erhardt)
bewährte sich seine Wandlungsfähigkeit auch 1958 in der
musikalischen Komödie "Das Wirtshaus im Spessart"1) von
Kurt Hoffmann, wo er als Wandergeselle Felix in Frauenkleider
schlüpfte, um der jungen Dame seines Herzens alias Liselotte Pulver
beistehen zu können. In nachhaltiger Erinnerung ist Lohner auch mit
der Figur des Martin Graf Waldau in der von Axel von Ambesser
inszenierten, zur Zeit des Wiener Kongresses im Jahr 1815 angesiedelten
heiteren Geschichte "Die
schöne Lügnerin"1) (1959) an der Seite von
Romy Schneider und Jean-Claude Pascal geblieben.
Parallel zur Etablierung als prominenter Bühnendarsteller wurden Lohner
nun sukzessive mehr differenzierte, zwielichtige und doppelbödige Rollen
im Film angeboten wie beispielsweise die des sich zynisch gebenden
Frank Gardner in Ákos Ráthonyis Shaw-Adaption "Frau Warrens
Gewerbe" (1960), wo er mit Lilli Palmer, O.E. Hasse und Johanna Matz
vor der Kamera stand. Während sein junger, solider und verliebter
Rechtsanwalt in "Immer will ich Dir gehören" (1960) oder
der Hannes Niklas in "Blond muß man sein auf Capri" (1961) eher
einen Rückfall in die frühere Rollenschablone darstellte, strahlte
Lohner 1961 in John Oldens Kinofilm "Im sechsten Stock" als
Arbeiter Jojo, der das geliebte junge Mädchen (Sabine Sinjen)
heiratet, das ein Kind von einem anderen erwartet, rührende Offenheit und
Anständigkeit aus. Eindrucksvoll war auch seine Rolle des deutschen
Soldaten Willi, der sich in dem britischen Kriegsfilm "Hannibal
Brooks" (1968) für einen entflohenen englischen
Kriegsgefangenen aufopfert. Im Fernsehen brillierte Lohner 1965 mit der
Figur des des jungen Leutnants Carl Joseph Trotta in Michael Kehlmanns
zweiteiligen Verfilmung "Radetzkymarsch"1)
nach dem gleichnamigen Roman von Joseph Roth.
In den 1970er Jahren und zu Beginn der 80er Jahre versäumte der
junge deutsche Film, sich das darstellerische Potential des inzwischen zum
großen Charakterschauspieler gereiften Lohner zunutze zu machen und so
arbeitete er neben seiner Theatertätigkeit vermehrt für das Fernsehen.
|
So sah man ihn beispielsweise 1974 mit der Hauptrolle unter der Regie
Arno Assmanns in der Komödie "Der Lügner" auf dem
Bildschirm, 1981 mit der Titelrolle in Michael Kehlmanns
zweiteiligen Joseph Roth-Adaption "Tarabas"2) oder als
Alois Stange in der TV-Serie "Der elegante
Hund" (1987/88). In Neil Simons Klassiker "Sonny Boys"
mimte er 1999, an der Seite von Otto Schenk als Willie Clark,
den Al Lewis, im gleichen Jahr erlebten die Fernsehzuschauer ihn als
Graf Almaviva in Ödön von Horváths "Figaro lässt sich
scheiden". Mit den ganz auf Otto Schenk zugeschnittenen Komödien "Mein Opa ist der Beste" (1995)
und "Mein Opa und die 13 Stühle" (1997) hinterließ er auch im Fernsehen seine Handschrift als Regisseur.
2005 kamen Lohner und Schenk in dem Nestroy-Stück
"Kampl", einer Komödie um Ehe- und Erbschaftsintrigen, welches
am 9. Dezember 2004 am "Theater in der Josefstadt"
eine furiose Premiere gefeiert hatte, erneut in die heimischen Wohnzimmer
und waren Garanten für vergnügliche Fernsehunterhaltung.
Foto: © Werner Bethsold
Das Foto entstand 1989 während einer Hörspielproduktion.
|
Gemeinsam mit Otto Schenk, mit dem er auch 1996 bei den Salzburger
Festspielen als " Rappelkopf" in Peter Steins
Raimund-Inszenierung "Der Alpenkönig und der Menschenfeind" zu
sehen gewesen war, brachte Lohner im Februar 2005 das Buch
"Lacherfolge" auf den Markt, welches auf dem gleichnamigen
Programm mit Schenk basiert: "Eine Sternstunde des Humors ist
garantiert, wenn zwei Vollblutkomödianten wie Otto Schenk und
Helmuth Lohner gemeinsam auf der Bühne stehen und ihr Programm
"Lacherfolge – Sketches aus fünf Jahreszeiten"
präsentieren. Mit "Lacherfolge die besten Sketches aus
5 Jahrzehnten" verwirklichen sich die beiden Schauspielerfreunde
einen langjährigen Traum, nämlich gemeinsam einen Abend lang zu blödeln
und die lustigsten Sketches wieder oder erstmals zur Aufführung zu
bringen. Denn alles begann vor rund 50 Jahren im Studio Hamburg, als
Otto Schenk Helmuth Lohner für eine Fernsehshow einlud, um den
Sketch "Auf den Flügeln des Gesangs" aufzuführen. Viele
skurrile Szenen wie, der Versuch eine Giraffe per Bahn zu versenden, die
Brandrede eines volltrunkenen Antialkoholikers gegen den Alkohol, oder die
schnorrigen Versuche eines verarmten Dichters sich Geld zu leihen, oder
der politschwangere Anton Kuh Text "Mein Nachtbar in
Grinzing", sind Inhalt des Programms."3)
In den letzten Jahren stand Lohner neben Burgtheater-Gastspielen
vor allem in Zürich auf der Bühne, wandte sich vornehmlich
mit Operetten- und Operninszenierungen auch vermehrt der Regiearbeit zu. Seit 1997 leitete er als Nachfolger Otto Schenks das Wiener
"Theater in der Josefstadt". Im April 2003 feierte der
Künstler seinen 70. Geburtstag und sein 50-jähriges Jubiläum an der
Wiener Josefstadt. Aus diesem Anlass wurden die Leistungen des
österreichischen Schauspielers, Regisseurs und Intendanten mit einer Gala,
die Heinz Sichrovsky moderierte und an der neben Lohner selbst auch
seine Wegbegleiter und Freunde Otto Schenk, Fritz Muliar und
Elfriede Ott mitwirkten, gewürdigt. Inzwischen hatte sich Lohner als
Direktor von seiner ehemaligen Wiener Wirkungsstätte vorerst
verabschiedet, stand dem Haus jedoch nach wie vor als "Künstlerischer
Berater" zur Verfügung. Im Januar 2004 ging durch die Presse,
das Lohner ab September als interimistischer Direktor die Bühne wieder
übernehmen werde, was er bis 2006 gemeinsam mit Alexander Götz dann auch
tat; seit September 2006 wird das Haus von Herbert Föttinger und Alexander Götz geleitet.
|

|
Helmuth Lohner als "Teufel" in "Jedermann"
Salzburg 1985
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin'
Virginia Shue
(Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
|
Am 24. April 2008 feierte Lohner, der zu den ganz Großen der Theaterszene
zählt, seinen 75. Geburtstag. Auch wenn er nach eigenen Aussagen
"Geburtstage nie gemocht" hat, ließ er sich doch im engsten Kreis
feiern. Das ORF ehrte den introvertierten Künstler mit dem von Michael Bukowsky gedrehten
30-minütigen Portrait "Helmuth Lohner Ein Suchender";
Lohner selbst gewährte dem Publikum damit auch Einblicke in sein Leben und
seine Gedankenwelt.
Zahlreiche Auszeichnungen des 1992 zum "Kammerschauspieler"1)
ernannten Helmuth Lohner belegen vor allem sein Wirken als exzellenter
Charakterdarsteller, die "Kainz-Medaille"1) (1980),
der "Nestroy-Ring"1) (1988)
und die Ehrenmitgliedschaft (seit 2003) des "Theaters in der Josefstadt"
sind zu nennen. 2004 wurde ihm das "Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse"1)
verliehen, 2006 das "Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien"1).
Helmut Lohner war von 1962 bis 1976 in zweiter bzw. dritter Ehe mit der Schauspielerin
Karin Baal4) verheiratet; aus der Verbindung stammt die gemeinsame,
1967 geborene Tochter Therese Lohner1), die in die Fußstapfen ihrer Eltern trat und
sich inzwischen ebenfalls einen Namen als renommierte Schauspielerin
gemacht hat. Lohners erste, 1958 geschlossene Ehe mit der Schauspielerin
Susanne Cramer1) (1936 1959) war nach nur fünf Monaten geschieden
worden, danach heiratete das Paar erneut, um sich anschließend nach
kurzer Zeit wieder offiziell zu trennen; Tochter Konstanze Lohner,
welche heute als Pädagogin in Wiesbaden tätig ist, wurde 1959
geboren. Derzeit lebt der
Schauspieler mit der österreichischen Unternehmerin Elisabeth Gürtler-Mauthner1) zusammen, die
das Wiener Hotel Sacher leitet; jüngst ging durch die Presse, dass sich
das Paar nach 19 Jahren "wilder Ehe" wenige Tage vor Weihnachten 2011 offiziell das Ja-Wort gegeben habe.4)
|