|
|||||||||||||
Am "Theater in der Josefstadt" glänzte er mit vielen Titelfiguren, so beispielsweise in Ben Jonsons "Volpone", als Salieri in Shaffers "Amadeus" oder als "Geiziger" in der Komödie von Molière. In Salzburg wurde er als depressiver Fortunatus Wurzel in Jürgen Flimms Raimund-Inszenierung "Der Bauer als Millionär" (1987) gefeiert, in der "Süddeutschen Zeitung" stand unter anderem " Otto Schenk ( ) sucht den gebrochenen Charakter, will den Raimund am Wurzel packen, den depressiven Künstler offenbaren, der noch im höchsten Ruhm die 'Aschen' nicht verdrängen konnte, den Tod. ( ) Dieser Mensch, der erst nach Champagner brüllt und dann um Kamillentee winselt, ist weder mopsfidel als Bauer noch als Edelmann von Wurzel. Sondern von Beginn an ein armer Kerl. ( ) In Schenks matten Augen, seiner zerfurchten Stirn, seiner geduckten Haltung, der stockenden, keineswegs selbstbewussten Sprechweise, erkennen wir schon früh den Lebensüberdrüssigen, der sich verschwendet, weil er nicht mehr mag." (C. Bernd Sucher, SZ vom 13. 8. 1987). Vor allem als Opernregisseur machte Schenk schon früh von sich reden, bereits 1957 hatte er am "Landestheater Salzburg" Mozarts "Die Zauberflöte" inszeniert, 1962 brachte er Alban Bergs "Lulu" an der "Wiener Staatsoper" auf die Bühne, wurde damit ebenso gefeiert wie 1966 mit seiner "Carmen"-Inszenierung von Bizet, die ihn in die Riege der internationalen Spitzenklasse der Opernregisseure aufsteigen ließ. Seither arbeitete er als ständiger Regisseur an der "Wiener Staatsoper", oftmals schieden sich die Geister an seinen Interpretationen, so wie 1967 an seiner eigenwilligen "Don Giovanni"-Aufführung, die wegen der ironisch gebrochenen Regie und Ausstattung zum ausgemachten Premierenskandal geriet. Auch an anderen Häusern zeigte Schenk seine Sichtweise von klassischen Musikwerken, am "Münchener Nationaltheater" bot er unter anderem Richard Strauss' komische Oper "Der Rosenkavalier" (1972) und die Johann Strauß-Operette' "Die Fledermaus" (1975) dar, in in den1980ern "Der Barbier von Bagdad" (1984, von Peter Cornelius) und Offenbachs "Hoffmanns Erzählungen" (1986). In Hamburg feierte er Triumphe mit den Richard Strauss-Opern "Ariadne auf Naxos" (1979) und "Arabella" (1983), die Salzburger Festspielbesucher erlebten unter anderem 1981 seine Uraufführung von Cerhas "Baal".An der New Yorker "Metropolitan Opera" debütierte er 1970 mit Beethovens "Fidelio", 1978 inszenierte er dort Richard Wagners "Tannhäuser", ab 1986 setzte er außerdem zum ersten Mal seit 1965 Wagners kompletten "Ring" an der "Met" in Szene. Otto Schenk bespielte die führenden Opernhäuser und Theater der Welt, unter anderem auch die "Mailänder Scala" (1974, Mozarts "Le nozze di Figaro") und die "Convent Garden Opera" in London, weitere Operninszenierungen erarbeite er unter anderem für die "Deutsche Oper Berlin", die "Bayerische Staatsoper" und die "Staatsoper" in Hamburg. Nach rund 120 Inszenierungen zog sich Schenk 1988 mit Mozarts "Die Zauberflöte" an der "Wiener Staatsoper" für viele Jahre von der Opernregie zurück, nun ist er wieder zurück: In jüngerer Zeit bereitete er eine Inszenierung von Donizettis Oper "Don Pasquale" an der "Met" in New York vor, die zur Spielzeit 2005/06 mit James Levine am Dirigentenpult und den Opernstars Simone Alaimo, Anna Netrebko und Juan Diego Flórez aufgeführt und mit überaus positiver Kritik bedacht wurde.
In nachhaltiger Erinnerung bleiben Rollen wie des Kommissars Joseph Mallinger in Xaver Schwarzenbergers Krimikomödie "Duett" (1992) sowie sein Opa Franz Sedlak in den beiden Lustspielen "Unser Opa ist der Beste" (1995) und "Mein Opa und die 13 Stühle" (1997), bei denen Helmut Lohner Regie geführt hatte. In "Ein Schutzengel auf Reisen"1) (1997) erlebte man mit Schenk zusammen mit dem Erzkomödianten Fritz Muliar, in dem Neil Simon-Stück "Sonny Boys" mimte Schenk dann 1999 neben Helmuth Lohner als Al Lewis einen herrlichen Willie Clark, weitere Rollen spielte er in dem Drama "Die Verhaftung des Johann Nepomuk Nestroy" (2000, nach Peter Turrini), Peter Weck besetzte ihn neben Klausjürgen Wussow mit der Hauptrolle in der Komödie "Zwei unter einem Dach"3) (2001). In dem ebenso humorvollen wie turbulenten TV-Film "Hochwürden wird Papa"3) (2002) zeigte er sich an der Seite von Hans Clarin und Fritz Wepper als italienischer Star-Koch und Opern-Liebhaber Enrico Beloni, in Joseph Vilsmaiers "August der Glückliche"3) (2002) mimte er hinreißend den alternden Busfahrer August Grandits, der plötzlich zu einer Million Euro kommt Verwicklungen sind somit vorprogrammiert. Zu Schenks letzten Auftritten vor der Fernsehkamera zählt Dieter Wedels "Mein alter Freund Fritz"1) (2007). Vereinzelt übernimmt Schenk auch Aufgaben für die Synchronisation, in der österreichischen Fassung des mit dem "Trickfilm-Oscar" ausgezeichneten computeranimierten 3D-Spielfilms "Oben"1) (2009, Up) sprach er den ebenso abenteuerlustigen wie grantigen Witwer Carl Fredricksen (deutsche Version: Fred Maire); Karlheinz Böhm lieh übrigens dem verrückten Wissenschafter Charles Muntz seine Stimme. Das Multitalent Schenk wurde nicht nur als Schauspieler, Regisseur und Theaterleiter bekannt und berühmt, sondern auch als Autor mit zahlreichen heiteren Büchern: 1992 erschien seine Texte "Sachen zum Lachen", mit denen er auch bei Leseabenden das Publikum begeistert, mit der Witze-Sammlung "Garantiert zum Lachen" (2003) setzte er seinen Erfolg fort. Das Buch "Otto Schenk Nach außen bin ich ja viel jünger" (2006) enthält autobiografische Texte sowie viele Abbildungen, weiterhin ein Verzeichnis der Theaterrollen und der Regiearbeiten für Schauspiel, Oper und Operette. 2007 erschien "Wer kocht, ist selber schuld" mit dem Untertitel "Angefressene Memoiren", das Buch "Darum das ganze Theater. Nichts ist so komisch wie das Leben" (2008) enthält Anekdoten und Pointen, Witziges und Weises zum Leben und zur Kunst. Ein weiteres "Muss für Otto Schenk-Fans ist sicherlich die CD "Gedachtes, Belachtes, Verbranntes" mit Live-Mitschnitten aus dem Wiener "Burgtheater". Gemeinsam mit Helmut Lohner, mit dem er auch 1996 bei den Salzburger Festspielen als " Rappelkopf" in Peter Steins Raimund-Inszenierung "Der Alpenkönig und der Menschenfeind" zu sehen gewesen war, brachte er das Buch "Lacherfolge" auf den Markt, welches auf dem gleichnamigen Programm mit Lohner basiert: "Eine Sternstunde des Humors ist garantiert, wenn zwei Vollblutkomödianten wie Otto Schenk und Helmuth Lohner gemeinsam auf der Bühne stehen und ihr Programm "Lacherfolge Sketches aus fünf Jahreszeiten" präsentieren. Mit "Lacherfolge die besten Sketches aus 5 Jahrzehnten" verwirklichen sich die beiden Schauspielerfreunde einen langjährigen Traum, nämlich gemeinsam einen Abend lang zu blödeln und die lustigsten Sketches wieder oder erstmals zur Aufführung zu bringen. Denn alles begann vor rund 50 Jahren im Studio Hamburg, als Otto Schenk Helmuth Lohner für eine Fernsehshow einlud, um den Sketch "Auf den Flügeln des Gesangs" aufzuführen. Viele skurrile Szenen wie, der Versuch eine Giraffe per Bahn zu versenden, die Brandrede eines volltrunkenen Antialkoholikers gegen den Alkohol, oder die schnorrigen Versuche eines verarmten Dichters sich Geld zu leihen, oder der politschwangere Anton Kuh Text "Mein Nachtbar in Grinzing", sind Inhalt des Programms." (Zitat: www.events.at)
Am 12. Juni 2005 feierte Otto Schenk, der wie kaum ein anderer die österreichische Schauspielszene geprägt hat und zu den größten Komikern des Landes zählt, seinen 75. Geburtstag. Auch an diesem Ehrentag stand er auf der Bühne: Im Großen Festspielhaus in Salzburg spielte er das Ein-Personen-Stück "Die Sternstunde des Josef Bieder", in dem er seit 1992 einen Requisiteur verkörpert, einen Mann voller Träume und Sehnsüchte, den das Theater nicht loslässt ganz wie im richtigen Leben; das Stück wurde 1992 auch im Fernsehen übertragen. Auch kurz vor seinem seinen 80. Geburtstag am 12. Juni 2010 stand der Jubilar auf der Bühne, zwei Tage zuvor hatte im "Theater an der Josefstadt" die Uraufführung von Klaus Pohls "Einmal noch" stattgefunden, eine Hommage an das Geburtstagskind und Schenk förmlich auf den Leib geschrieben. Als Geburtstagsgeschenk präsentiert die "Josefstadt" gleich eine Uraufführung: "Einmal noch" von Klaus Pohl. Naturgemäß mit dem Jubilar in der Hauptrolle eines abgetakelten Dirigenten. "Grant", die wienerische Form des Griesgrams und Raunzens, kommt laut Hugo von Hofmannsthal von den spanischen Granden. Der Grant-Seigneur Otto Schenk, gerade erst mit dem sehr selten verliehen Ehrentitel "Bürger von Wien" ausgezeichnet, wird heute 80. (Quelle: Artikel "Depressionshumorist: Otto Schenk zum Achtzigsten" bei www.welt.de) So schrieb die FAZ unter anderem "( ) der Otti Schenk absolvierte sein Einpersonenstück für sechs Schauspieler derart frisch, hochkonzentriert und mit seinem typisch larmoyanten Raunzen, dass man bei jedem ehrfürchtigen Szenenapplaus an Maradona denken musste ( ) und die "Salzburger Nachrichten" brachten es auf den Punkt: "Er grantelt, weisheitelt, pointelt, sarkastelt, weltschmerzlt und sehnsüchtelt vor sich hin und ist ganz in seinem Element. Otto Schenk ist Otto Schenk.".
Der Künstler, welcher seit 1956 mit Ehefrau Renee verheiratet ist, kann auf eine außergewöhnliche Karriere zurückblicken: Mit über hundert Rollen hat er das Publikum begeistert, fast ebenso viele Opern- und rund fünfzig Theater-Inszenierungen tragen seine Handschrift. |
|||||||||||||
| Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3) prisma.de | Stand: Februar 2012 | ||||||||||||
|
Einige Textbausteine des Kurzportraits stammen von kundendienst.orf.at
Die offizielle Website findet man unter www.otto-schenk.at Siehe auch Wikipedia, www.josefstadt.org Filmografie bei www.imdb.de |
|||||||||||||
|
|||||||||||||
|
|
|||||||||||||
| Lizenz Foto Otto Schenk (Urheber: Manfred Werner Tsui): Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung 3.0 Unported lizenziert. Es ist erlaubt, die Datei unter den Bedingungen der GNU-Lizenz für freie Dokumentation, Version 1.2 oder einer späteren Version, veröffentlicht von der Free Software Foundation, zu kopieren, zu verbreiten und/oder zu modifizieren; es gibt keine unveränderlichen Abschnitte, keinen vorderen und keinen hinteren Umschlagtext. Der vollständige Lizenztext ist im Kapitel GNU-Lizenz für freie Dokumentation verfügbar. | |||||||||||||
|
Um zur Seite der Publikumslieblinge zurückzukehren, bitte dieses Fenster
schließen. Home: www.steffi-line.de |