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Der erhoffte große Erfolg blieb in Breslau aber aus. Seine Rollen waren zu oft auf einen männlichen, heldenhaften Typen ausgelegt. Seine relativ geringe Körpergröße und sein jungenhaftes Aussehen standen hierzu im Widerspruch. Die negativen Kritiken versuchte Heinz Rühmann durch Auffallen in der Öffentlichkeit zu kompensieren. Jede Gelegenheit, die sich hierzu bot, nutzte er aus, was auch dazu führte, dass er sich privat sehr exzentrisch kleidete. Diese Strategie half ihm allerdings nicht.3) Nachdem der Schauspieler ungefähr ein Jahr in Breslau gearbeitet hatte, wechselte die Direktion. Gortner ging und wurde durch Paul Barnay ersetzt. Dieser übernahm das gesamte Ensemble; als einzige Ausnahme wurde Heinz Rühmann wegen mangelnder Begabung nicht wieder engagiert. Als ihm in dieser Situation das Residenztheater Hannover ein Angebot unterbreitete, war es daher nicht überraschend, dass er es sofort annahm.4) In Hannover erhielt Rühmann nun Rollen als jugendlicher Liebhaber, trat auch an der Seite von zwei anderen Schauspielern auf, die schon bald sehr populär werden sollten Rudolf Platte und Theo Lingen. Doch das Theater musste im Zuge der herrschende Wirtschaftskrise wegen finanzieller Probleme schließen, Rühmanns nachfolgendes Engagement im Herbst 1922 am Bremer Schauspielhaus blieb trotz seines überragenden Erfolgs mit der Hauptrolle des Billy Bartlett in Avery Hopwoods Lustspiel "Der Mustergatte" nur ein kurzes Intermezzo, da es zu Differenzen mit der Theaterdirektion gekommen war. Nach zunächst vergeblichen Versuchen ein festes Engagement zu erhalten, gelang es Rühmann schließlich im August 1923 als Mitglied der Bayrischen Landesbühne ein neue Betätigungsfeld zu finden und dort vor allem sein komisches Talent unter Beweis zu stellen. Während dieser Zeit lernte er auch seine spätere erste Frau, die knapp fünf Jahre ältere jüdische Schauspielerin Maria Bernheim (1897 1957) kennen, die unter dem Künstlernamen Maria Herbot auftrat. Am 9. August 1924 heiratete das Paar, Maria Bernheim gab ihren Beruf als Schauspielein auf und wurde Rühmanns "Privatregisseurin", wie er es in seiner Autobiografie "Das war's Erinnerungen" (1982) formulierte. 1925 folgte Rühmann einem Ruf der damaligen Direktorin Hermine Körner5) (1878 1960) an die Münchener Kammerspiele, avancierte nun endlich zu einem erfolgreichen, anerkannten Bühnenschauspieler. Vor allem als Protagonist in "Der Mustergatte" feierte er Triumphe, die Figur des schüchternen und peniblen Bankdirektors Billy Bartlett wurde Rühmanns Paraderolle, mehr als 2 000 Mal spielte er den "Mustergatten" in den nachfolgen Jahrzehnten, der am 13. Oktober 1937 im Berliner Gloria-Palast uraufgeführte gleichnamige Kinofilm geriet zum Kassenschlager. Inszeniert von Wolfgang Liebeneiner, trat an der Seite von Rühmann unter anderem Leny Marenbach als seine Filmehefrau Margret auf. Aber auch in der weltberühmten Farce "Charleys Tante" von Brandon Thomas erntete Rühmann in München glänzende Kritiken, ebenfalls eine Rolle, mit der er Jahrzehnte später auf der Leinwand noch einmal Furore machen sollte. Nicht nur in München, auch in Berlin stand Rühmann erfolgreich auf der Bühne, Max Reinhardt vom "Deutschen Theater" hatte ihm unter anderem eine Rolle in "Lockvögel" (1927) übertragen, in der Komödie "Eltern und Kinder" (1928) von George Bernhard spielte er beispielsweise 75 Aufführungen lang an der Seite von Marlene Dietrich und Paul Hörbiger, in Shakespeares "Die lustigen Weiber von Windsor" brillierte er 1929 neben Werner Krauss als Junker Schmächtig; mehr zu Rühmanns Theaterwirken bei www.ruehmann-heinz.de). Mitte der 1920er Jahre begann Rühmanns Karriere als Filmschauspieler, seine erste Rolle spielte er (nach anfänglichem Zögern) als gewalttätiger Sohn Oskar Erdmann in Géza von Bolvárys stummen Drama "Das deutsche Mutterherz", das Ende Juli 1926 in die Lichtspielhäuser kam. Nach einem weiteren Stummfilm, der Komödie "Das Mädchen mit den fünf Nullen"2) (1927) und seiner Rolle eines Provinzjünglings, gelang Rühmann gleich mit seinem ersten Tonfilm der Durchbruch zum Kinostar: Der Produzent Erich Pommer2) (1889 1966), der mit Filmen wie "Metropolis"2) (1927) und "Der blaue Engel"2) (1930) Filmgeschichte geschrieben hat, besetzte Rühmann neben den Publikumslieblingen Willy Fritsch5) und Lilian Harvey5) sowie Oskar Karlweis5) in der Filmoperette "Die drei von der Tankstelle"2) (1930) mit der Hauptrolle des Hans, gleichzeitig erhielt der Schauspieler einen Jahresvertrag bei der Ufa. Die von Wilhelm Thiele2) (1890 1975) in Szene gesetzte heitere Geschichte, mit Ohrwürmern wie "Ein Freund, ein guter Freund", "Lieber guter Herr Gerichtsvollzieh'r" oder "Liebling, mein Herz lässt Dich grüßen", geriet zum Kassenschlager, das "Lexikon des internationalen Film" notiert: "Der berühmt gewordene Film, der durch seinen virtuosen Umgang mit Erzählung, Tanz und integrierter Musik eine neue filmische Form erfand, mit der er das US-Musical vorwegnahm." Bei prisma-online wird vermerkt: "Der schwungvolle, sehr unterhaltsame Film erfand durch den virtuosen Umgang mit Erzählung, Tanz und integrierter Musik eine damals neue filmische Form: das Musical. Er ließ die kleine Handlung mit Liedern besingen, die äußerst populär wurden ( ) und den Erfolg des Films mitbegründeten."; siehe auch die Filmbeschreibung bei der Murnau Stiftung. Nun ging es Schlag auf Schlag, Rühmann drehte in rascher Folge einen Erfolgsfilm nach dem anderen und gehörte schon bald zu den Top-Stars bzw. bestbezahlten Schauspieler der deutschen Filmszene. Neben dem Gespann Fritsch/Harvey tauchte er als charmant-eleganter Monsieur Sérigny in der musikalischen Ehekomödie "Einbrecher"2) (1930) auf, in Robert Siodmaks musikalischen Kriminalburleske "Der Mann, der seinen Mörder sucht"2) (1931) mimte er den verhinderten Selbstmordkandidaten Hans Herfort, der in das Ganovenmilieu abrutscht. Nach der Filmoperette "Bomben auf Monte Carlo"2) (1931) als 1. Offizier Peter, wo er an der Seite von Hans Albers als kraftvollem Kapitän Craddock das Lied "Das ist die Liebe der Matrosen" schmetterte, folgten Kurt Gerrons "Meine Frau, die Hochstaplerin"2) (1931) mit Käthe von Nagy als Partnerin, Fritz Kortners "Der brave Sünder" (1931) mit Max Pallenberg und Dolly Haas sowie "Der Stolz der 3. Kompanie" (1932), wo Rühmann an der Seite von Viktor de Kowa und Adolf Wohlbrück sein komödiantisches Talent als Musketier Diestelbeck voll ausleben konnte. Rühmann agierte in etlichen Lustspielen, die ganz dem Publikumsgeschmack jener Jahre entsprachen, so in "Man braucht kein Geld"2) (1932), "Es wird schon wieder besser"2) (1932), "Strich durch die Rechnung" (1932), "Ich und die Kaiserin"2) (1932), "Lachende Erben"2) (1933), "Heimkehr ins Glück"6) (1934), "Die Finanzen des Großherzogs"6) (1934), "Heinz im Mond"6) (1934) oder "So ein Flegel"2) (1934), der ersten Verfilmung des Romans "Die Feuerzangenbowle" von Heinrich Spoerl mit Rühmann in der Doppelrolle des Dr. Hans Pfeiffer bzw. Erich Pfeiffer. Rühmann war ein Publikumsmagnet und ein Garant für volle Lichtspielhäuser, auch wenn nicht alle seiner Streifen heute noch erinnerungswürdig erscheinen. Erwähnt werden sollen das musikalische Lustspiel "Ein Walzer für dich"2) (1934) mit Theo Lingen, Camilla Horn und Adele Sandrock, die deftige Verwechslungskomödie "Der Himmel auf Erden" (1935) mit Hans Moser, die temporeiche Romanze "Allotria"2) (1936) von Willi Forst mit Renate Müller, Géza von Bolvárys Nestroy-Adaption "Lumpazivagabundus" (1936) mit Paul Hörbiger, Hans Holt und Hilde Krahl sowie die Krimikomödie "Der Mann, der Sherlock Holmes war"2) (1937) mit einem gut aufgelegten Gespann Albers/Rühmann. Der Song "Jawoll, meine Herr'n", den das Duo in der Badewanne zum Besten gibt, wurde berühmt; Infos zum Film auch bei prisma-online. In "Die Umwege des schönen Karl"2) (1938), nach dem gleichnamigen Roman von Paul Enderling, glänzte Rühmann als fescher Kellner Karl Kramer, in "Fünf Millionen suchen einen Erben"2) (1938) als Staubsaugervertreter Peter Pitt bzw. dessen Vetter Patrick, unsterblich machte Rühmann sich hier mit dem Song "Ich brech' die Herzen der stolzesten Frau'n". Rühmann erweist sich bei der Interpretation als begnadeter Komiker. Das Imponiergehabe des Textes wird durch die kleinwüchsige Figur und die scheinbar linkischen Bewegungen Rühmanns bei dessen Bühnendarbietung konterkariert. Ein Mann pfeift dazwischen, und ausgerechnet die angesprochenen Frauen unterhalten sich während der Gesangseinlage über andere Dinge. vermerkt Wikipedia. "Der Mann, von dem man spricht"16) (1937, mit Hans Moser), "13 Stühle"2) (1838, mit Hans Moser), "Nanu, Sie kennen Korff noch nicht?"6) (1938), "Der Florentiner Hut"2) (1938), "Paradies der Junggesellen"6) (1938) oder "Hurra, ich bin Papa!" (1939) sind Beispiele für Rühmanns Dauereinsatz auf der Leinwand bis Ende der 1940er Jahre. Seine Arbeit am Theater vernachlässigte Rühmann während seiner umfangreichen Arbeit für den Film nicht, so brillierte er neben seinem Dauerauftritt als "Mustergatte" unter anderem zur Spielzeit 1934/35 am "Deutschen Theater" in Inszenierungen von Heinz Hilpert, so als Zwirn in Nestroys "Lumpacivagabundus" oder mit der Titelrolle in Molieres "George Dandin" (1935). Rühmann arbeitete unermüdlich, stand in den 1930er Jahren mitunter für bis zu sieben Produktionen pro Jahr vor der Kamera und kletterte auf der Erfolgleiter immer höher hinauf. Darüber hinaus war er seit Ende der 1930er Jahre als Produzent (siehe Wikipedia) und Regisseur tätig. Während des Nazi-Regimes versuchte er sich politisch weitgehend neutral zu verhalten, wohl auch, um seine Karriere nicht zu gefährden. Rühmanns erste Ehe mit Maria Bernheim war gescheitert, am 19. November 1938 erfolgte in beiderseitigem Einvernehmen die Scheidung. Später musste sich Rühmann den Vorwurf gefallen lassen, er habe sich auf Druck der Nazis von seiner jüdischen Frau getrennt, doch die Ehe galt schon längere Zeit als zerrüttet; so wird ihm auch eine Liebesbeziehung mit Schauspielerkollegin Leny Marenbach (19078) 1984) nachgesagt. Maria Bernheim heiratete den in Deutschland lebenden, die schwedische Staatsbürgerschaft besitzenden Schauspieler Rolf von Nauckhoff2) (1909 1968) und wohnte zunächst weiterhin in Berlin. Die als "Zweckehe" eingestufte Verbindung endete 1942 mit der Scheidung, als das Leben im Nazi-Deutschland für Maria Bernheim zu gefährlich wurde, ging sie mit Rühmanns Hilfe Ende März 1943 nach Stockholm ins Exil, wurde von Rühmann finanziell unterstützt; nach Kriegsende kehrte Maria Bernheim nach Deutschland zurück.7)
Nach Kurt Hoffmanns witzigen Komödie "Ich vertraue Dir meine Frau an"6) (1943) kam ein Film in die Kinos, mit dem nicht nur Rühmann Leinwandgeschichte schrieb "Die Feuerzangenbowle"2) (1944), basierend auf dem gleichnamigen humoristischen Buch2) von Heinrich Spoerl und Hans Reimann, inszeniert von Helmut Weiss2) (1907 1969). "Die Feuerzangenbowle", unter anderem mit Erich Ponto, Paul Henckels und Hans Leibelt in köstlichen Rollen als "Lehrkörper", gehört bis heute zu den Klassikern der Kinounterhaltung. Wer kennt nicht Rühmanns hinreißenden Pennäler Pfeiffer ("mit drei F"), der noch mal die Schulbank drückt, Professor Bömmels (Paul Henckels) Lehrstunde zum Thema "Dampfmaschine" ("Wat is en Dampfmaschien?") oder "die alkoholische Gärung" von Professor Crey, genannt "Schnauz" (Erich Ponto); siehe auch Info zum Film innerhalb dieser HP sowie die Beschreibung bei prisma-online). 1944 wurde die Erstaufführung des Films "Die Feuerzangenbowle" zunächst von der nationalsozialistischen Filmzensur wegen "Respektlosigkeit gegen Autoritäten" verboten. Durch gute Beziehungen zum Regime konnte Rühmann dennoch die öffentliche Aufführung des Films durchsetzen. Er brachte den Film selbst ins Führerhauptquartier Wolfsschanze, wo eine Privatvorführung unter anderem für Hermann Göring stattfand, der daraufhin die Aufhebung des Filmverbots durch Hitler erreichte. (Quelle: Wikipedia) Rühmanns letzter Film während des Krieges "Sag’ die Wahrheit"6) (1945; Regie Hellmut Weiss) blieb unvollendet.
Einen seiner größten Triumphe als ernsthafter Charakterdarsteller feierte Rühmann wenig später mit seiner glänzenden Darstellung des Schusters Wilhelm Voigt in Helmut Käutners Zuckmayer-Verfilmung "Der Hauptmann von Köpenick"2) (1956). Der Film wurde nicht nur ein riesiger Publikumserfolg, auch die Kritiker überschlugen sich und lobten Rühmanns liebenswürdig-verschmitzte Interpretation. Für seine Leistung erhielt Rühmann 1957 das "Filmband in Gold" als "Bester Hauptdarsteller" sowie den "Berliner Kritikerpreis". In den nachfolgenden Jahren "zeigte Rühmann die gesamte Bandbreite seiner Darbietungskunst"15), spielte sowohl in leichten Unterhaltungsstreifen wie auch in ambitionierten Filmen mit Tiefgang bzw. anspruchsvollen Rollen. In Kurt Meisels "Das Sonntagskind"11) (1956), der Verfilmung des Bühnenschwanks "Schneider Wibbel" des Düsseldorfer Heimatdichters Hans Müller-Schlösser, gab er dem rheinischen Schneider Anton Wibbel ein Gesicht, in "Vater sein dagegen sehr"2) (1957) ebenfalls von Kurt Meisel inszeniert mimte er den braven Schriftsteller und Junggesellen Lutz Ventura, der sich plötzlich um zwei herzige Waisenkinder kümmern muss. Hervorragend seine (ganz entgegen seines bisherigen Rollentypus besetze) Verkörperung des Züricher Kantonspolizisten Dr. Hans Matthäi in dem Krimi "Es geschah am hellichten Tag"2) (1958), an dessen Drehbuch auch Friedrich Dürrenmatt beteiligt war. Knapp ein Jahrzehnt später sollte Rühmann erneut einen Ermittler darstellen und in Alfred Weidenmanns "Maigret und sein größter Fall"16) (1966) in die Rolle des berühmten Simenon-Kommissars schlüpfen. Bis Ende der 1950er Jahre war Rühmann in Kinoproduktionen wie "Der Mann, der nicht nein sagen konnte" (1958), "Der Pauker"2) (1958), "Der eiserne Gustav"16) (1958), "Ein Mann geht durch die Wand"2) (1959) sowie in der mit O. W. Fischer, Michčle Morgan, Sonja Ziemann und Gert Fröbe hochkarätig besetzten Vicki Baum-Adaption "Menschen im Hotel"17) (1959) auf der Leinwand präsent. Mit Beginn des neuen Jahrzehnt zeigte sich der Schauspieler gleich in vier Kinoproduktionen , so als engagierter Dr. Ferdinand Bluhme in "Der Jugendrichter"17) (1960), als Geldbriefträger Ludwig Fuchs in "Mein Schulfreund"2) (1960), als scharfsinnig-pfiffiger Pater Brown in "Das schwarze Schaf"2) (1960) sowie in einer weiteren Paraderolle mit schlitzohrig-hintergründigem Humor, als "Der brave Soldat Schweijk"17) (1960) in dem gleichnamigen Film von Axel von Ambesser nach dem antimilitaristisch-satirischer Schelmenroman von Jaroslav Hašek2) (1883 1923) in Szene gesetzten Film. Ebenfalls ganz auf den Protagonisten Rühmann zugeschnitten waren Ladislao Vajdas eher rührselige Geschichte "Der Lügner"2) (1961) und Imo Moszkowicz's Gaunerkomödie "Max, der Taschendieb"2) (1962), in der Fortsetzung von "Das schwarze Schaf", dem Krimi "Er kann's nicht lassen"2) (1962), ging der Hobby-Detektiv Pater Brown alias Heinz Rühmann erneut auf Verbrecherjagd. In die "Die Abenteuer des Kardinal Brown"16) (1968, "Operazione San Pietro") war er dann zum Kardinal aufgestiegen und legte auch diesmal den Ganoven das Handwerk. Eher zu vernachlässigen ist die Komödie "Meine Tochter und ich"2) (1963), sehenswert dagegen Helmut Käutners "Das Haus in Montevideo"2) (1963), der nach 1951 zweiten Verfilmung des gleichnamigen Bühnenstückes von Curt Goetz5) (1888 1960), mit einem glänzend aufgelegten Heinz Rühmann als sittenstrengem Professor Traugott Hermann Nägler und Ruth Leuwerik als seiner Filmehefrau. Nach Günter Gräwerts "Vorsicht Mr. Dodd!" (1964; u.a. mit Mario Adorf als Mafioso) agierte Rühmann in einer weiteren Curt Goetz-Verfilmung und spielte in Kurt Hoffmanns "Dr. med. Hiob Prätorius"2) (1965) die Titelrolle. 1950 war das Bühnenstück erstmals vom Autor Goetz selbst für den Film adaptiert und mit ihm und seiner Ehefrau in den Hauptrollen verfilmt worden. Ein Jahr später hatte Joseph L. Mankiewicz mit der Komödie "People Will Talk" einen weiteren Film auf der Grundlage des Bühnenstückes mit Cary Grant in der Rolle des Frauenarztes Dr. Noah Prätorius gedreht. Das Remake von 1964/65 inszenierte Kurt Hoffmann, der bereits 1953 mit "Hokuspokus"2) ein Bühnenstück von Curt Goetz mit diesem in der Hauptrolle verfilmt hatte. 1966 drehte Hoffmann mit "Hokuspokus oder: Wie lasse ich meinen Mann verschwinden…?"2) ein weiteres Remake eines Curt-Goetz-Filmes. Für beide Produktionen konnte er Heinz Rühmann für die jeweilige Hauptrolle gewinnen, den sich der 1960 verstorbene Goetz nach Aussagen seiner Witwe Valérie von Martens als Darsteller für seine Figuren ausdrücklich gewünscht hatte.18) Eine schwierige Charakterrolle, die des Juden Julius Lowenthal, spielte Rühmann in Stanley Kramers Oscar-prämierten Hollywood-Produktion "Ship of Fools"2) (1965, Das Narrenschiff) nach dem gleichnamigen Roman der US-amerikanischen Pulitzer-Preisträgerin Katherine Anne Porter2) (1890 1980), was ihm auch internationale Anerkennung einbrachte. In dem turbulenten Abenteuer "Geld oder Leben" (1966, La bourse et la vie) sah man ihn an der Seite des legendären französischen Schauspielers bzw. Don Camillo-Darstellers Fernandel5) (1903 1971). "Die Vollblut-Komödianten Rühmann und Fernandel ergänzen sich perfekt", "Diese kriminelle Duo ist einfach köstlich" notiert www.cinema.de. Ebenfalls 1966 kam Rolf Thieles Dürrenmatt-Adaption "Grieche sucht Griechin"16) in die Kinos, in der Rühmann als schüchterner Buchhalter und Junggeselle Archilochos überzeugte, der sich in eine Prostituierte verliebt. Zur Hochform lief der Schauspieler dann als Wissenschaftler, der versehentlich in die Nervenklinik gerät, in Rolf Thieles zeitkritischen Satire "Die Ente klingelt um halb acht"2) (1968) auf, dem letzten gemeinsamen Film mit seiner Frau Herta Feiler, die zwei Jahre später an den Folgen ihrer Krebserkrankung verstarb.
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Rühmanns Altersrollen sind bemerkenswert, so verlieh er dem Schriftsteller
Sam Kinsale in "Endspurt" (1970), dem meistgespielten Stück von
Peter Ustinov, eindringliche Züge. Er verkörperte grandios die Titelfigur
des Pfandleihers Hilary in "Der Pfandleiher" (1971) sowie den alten
Landstreicher Davies in "Der
Hausmeister"2) (1973), inszeniert von August Everding nach
dem gleichnamigen Theaterstück von Literatur-Nobelpreisträger Harold Pinter.
Es folgten Auftritte in der Episodengeschichte "Diener und andere
Herren" (1978) und in Claus Peter Witts TV-Special "Noch 'ne Oper" (1979)
zum 70. Geburtstag des unvergessenen Heinz Erhardt. In diversen Rühmann-Specials
spielt er anrührende Gestalten, so in "Balthasar im Stau" (1979)
einen Taxifahrer, in "Aller guten Dinge sind drei" (1980) einen
Kolonialwarenhändler, einen leidenden Ehemann und einen Organisten; in
dem TV-Film "Ein Zug nach Manhattan" (1981) kam er als Kantor Leon Sternberger daher,
mit der Figur des alten Pariser Bankiers Perret-Latour in
dem ZDF-Stück "Es gibt noch Haselnuß-Sträucher"16) verabschiedete
sich der Schauspieler Rühmann am 3. April 1983 als Schauspieler
von seinem Fernsehpublikum.
"Nach einem Roman von Georges Simenon entstand der TV-Film, in dem Heinz Rühmann
einen einsam gewordenen Menschen verkörpert, der unversehens mit den Problemen der Jugend konfrontiert wird.
Der Film wurde in Paris an Originalschauplätzen gedreht."
(Quelle: prisma-online.de) Auf der Bühne erlebte man ihn letztmalig im Sommer 1986 im Aachener Stadttheater mit "Karneval der Tiere/Peter und der Wolf". Seit Anfang der 1950er Jahre hatte Rühmann regelmäßig Theater gespielt, war beispielsweise in München an der "Kleinen Komödie" und in den "Kammerspielen" zu sehen, als weitere Theaterstationen sind unter anderem Hamburg, Wien (1960 bis 1962 Mitglied des Wiener Burgtheaters) und Berlin zu nennen. Neben seinen "Dauerbrennern" wie "Der Mustergatte" und "Mein Freund Harvey" überzeugte er das Publikum auch mit ernsten Auftritten, wie beispielsweise 1954 an den Münchner Kammerspielen in der berühmten Kortner-Inszenierung von Becketts "Warten auf Godot". Am Wiener Burgtheater (Akademietheater) brillierte er 1960 in Arthur Millers "Der Tod des Handlungsreisenden", an den Münchener Kammerspielen 1962 in Zuckmayers "Der Hauptmann von Köpenick" und 1974 zusammen mit Paul Verhoeven in der von Boleslaw Barlog inszenierten Erfolgskomödie "Sonny Boys" von Neil Simons. An der Wiener Staatsoper gab er am 31.12.1975 einen glänzend aufgelegten Frosch in der Operette "Die Fledermaus" ab.
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Heinz Rühmann, schon zu Lebzeiten eine lebende Legende und von
Regisseur Wim Wenders einmal als
"das lebende Denkmal des kleinen Mannes im deutschen Film" bezeichnet,
starb am 3. Oktober 1994 im Alter von 92 Jahren in seinem Haus in Aufkirchen/Berg am
Starnberger See bei München. Auf eigenen Wunsch wurde sein Leichnam
eingeäschert, die Urnenbeisetzung fand am 30. Oktober 1994 in Aufkirchen
statt. Die Auszeichnungen, die der Vollblut-Mime im Laufe seines Lebens erhielt, lassen sich kaum alle aufzählen. Der, wie erwähnt, 1940 zum "Staatsschauspieler" ernannte Rühmann konnte alleine zwölf Mal den Publikumspreis "Bambi" entgegen nehmen, so jährlich zwischen 1962 und 1965, erneut zwischen 1967 und 1971, dann noch einmal 1972 und 1973 sowie 1978 und 1984. Dazwischen lagen Ehrungen wie beispielsweise der "Ernst-Lubitsch-Preis" (1959), das "Filmband in Gold" (1961) als "Bester Hauptdarsteller" für "Das schwarze Schaf", der "Goldene Bildschirm" (1967), das "Filmband in Gold" (1972) für "langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film" oder der "Bayerische Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst" (1981).
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Die ARD widmete Rühmann in ihrer Reihe "Legenden"
(Erstausstrahlung am 26.08.2007) eine von Sebastian Dehnhardt realisierte
Dokumentation, welche erstmals hinter die Kulissen blickt und den wohl beliebtesten deutschen Schauspieler als
Privatmann zeigt. "Rühmann war nicht komisch, er spielte nur komische
Rollen", verrät beispielsweise eine ehemalige Filmpartnerin.
Doch diese Rollen, die ihm so auf den Leib geschnitten waren, machten
ihn nie wirklich glücklich. Wie gerne hätte der kleine Komiker einmal
einen großen tragischen Helden gemimt, wie sehr hasste er es, wenn die Menschen
abseits der Bühne über ihn
lachten. (
) Ungewöhnlich offen reden Rühmanns letzte Ehefrau,
sein Sohn und seine Schwiegertochter sowie ehemalige Kollegen über
ihre Erfahrungen mit dem Ausnahmeschauspieler. Sie gewähren
intime Einblicke in das private Leben Rühmanns und offenbaren seine
Stärken, seine Schwächen und seine Widersprüche. Dank der uneingeschränkten
Unterstützung durch Rühmanns Familie gelingt es dem Film nah an den Menschen Heinz Rühmann heranzukommen.
Unveröffentlichte Privatbilder und Amateurfilme, die zum großen Teil seitens der Familie erstmals zur
Verfügung gestellt wurden, zeigen Rühmann von bisher unbekannten
Seiten. (Quelle: www.daserste.de). Verschiedene Biografen haben sich mit dem Leben und Wirken Rühmanns beschäftigt, eine Übersicht zur Literatur findet man bei Wikipedia sowie Literatur von und über Heinz Rühmann im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek. Heinz Rühmann hat bis heute mit seinem unnachahmlichen Spiel im deutschen Kino, aber auch in der Theaterlandschaft nachhaltige Spuren hinterlassen und gilt als eine Schauspieler-Institution. Er fiel oft auf die Nase, rappelte sich aber immer wieder auf im Film wie im Leben. Seine Pleiten baute er zunächst in seine Theater-, später in seine Leinwandfiguren ein, er stellte sich ihnen, und so wuchs der kleine und gehemmt wirkende Mutterwitz-Mann mit der neugierig-spitzen Nase. Rühmanns lausbübische Schnoddrigkeit, mit sanftem, nasalen Organ oft gegen den Tonfall gesprochen, hatte zwei Seiten. Er konnte sie als Waffe gegen die Goliathe einsetzen, sie konnte sich aber auch gegen ihn selbst richten und seine Helden tragikomisch, ja tragisch erscheinen lassen. Aber noch unter Tränen lächelte er augenzwinkernd und zog damit auch die Rührung der Sieger auf seine Seite. Sein Publikum hat Heinz Rühmann 60 Jahre lang gerührt, ob als "Mustergatte" (1937), als "Charleys Tante" (1955) oder als "Der Hauptmann von Köpenick" (1956). Das machte: Er war immer ein redlicher Mann, in seiner verschmitzten Kleinkariertheit einer von uns. Immer pfiffig, beflissen, gütig und heiter. Ein Schalk, der trotz der großen Tiere als Letzter lachte.20) |
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Quellen: 1) Wikipedia (vgl. Greulich, Anja/Knopp, Guido: Heinz Rühmann. in: Knopp, Guido (Hrsg.): Hitlers nützliche Idole, C. Bertelsmann Verlag, 1. Aufl., München 2007, S. 14 ff. 3) Wikipedia (vgl. Greulich, Anja/Knopp, Guido: Heinz Rühmann. in: Knopp, Guido (Hrsg.): Hitlers nützliche Idole, C. Bertelsmann Verlag, 1. Aufl., München 2007,S. 22 f. 4) Wikipedia (vgl. Rühmann, Heinz: Das war's Erinnerungen, Ullstein Verlag, 1. Aufl., Berlin, Frankfurt/M., Wien 1982, S. 41. 7) www.ruehmann-heinz.de 9) Wikipedia: Quax, der Bruchpilot 13) Lexikon des internationalen Films 14) Wikipedia: Charleys Tante 15) Biografie Heinz Rühmann: LeMO-Projekt (Deutsches Historisches Museum) 18) Wikipedia: Dr. med. Hiob Prätorius 19) Wikipedia 20) Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars von Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 309/310 Links: 2) Wikipedia, 5) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 6) Murnau Stiftung, 10) Dirk Jasper FilmLexikon, 11) br-online.de, 12) filmmuseum-hamburg.de, 16) prisma-online.de, 17) www.filmportal.de 8) nach anderen Quellen 1916 |
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Siehe auch Wikipedia,
www.prisma-online.de,
www.whoswho.de sowie wie den tabellarischen Lebenslauf des LeMO-Projekts (Deutsches Historisches Museum); weiterhin www.helmut-zenz.de und die "Heinz Rühmann-Gedenkseite" Zur Kino-Filmografie von Heinz Rühmann innerhalb dieser HP; Heinz Rühmann in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database Fotos bei www.virtual-history.com |
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