Heinz Rühmann 1968; Copyright Günter Rittner Wohl kaum ein deutscher Schauspieler erlangte eine solch enorme Popularität wie der am 7. März 1902 in Essen geborene Heinz (Heinrich Wilhelm) Rühmann. Auch mehr als einem Jahrzehnt nach seinem Tod am 3. Oktober 1994 wurde er 2006 im Rahmen der ZDF-Reihe "Unsere Besten" in der Sendung "Lieblingsschauspieler" vom Publikum auf den 1. Platz gewählt.
Rühmanns Eltern, Hermann Rühmann und dessen Frau Margarethe, zogen schon bald nach der Geburt ihres zweiten Sohnes Heinrich Wilhelm in das benachbarte Wanne (heute Stadtteil von Herne), wo sie für mehrere Jahre die Bahnhofsgaststätte pachteten. Etwa um 1913 ging die Familie wieder zurück nach Essen, Vater Hermann übernahm dort gemeinsam mit seiner Frau das neu eröffnete Hotel "Handelshof" in der Nähe des Bahnhofs. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten musste Hermann Rühmann schon bald Bankrott anmelden, was auch gravierende Auswirkungen auf die Familie hatte. Rühmanns Mutter trennte sich von ihrem Mann, im März 1915 erfolgte die Scheidung. Hermann Rühmann zog nach Berlin, wo er wenig später wahrscheinlich durch Suizid ums Leben kam. Die genauen Todesumstände konnten nie geklärt werden.1)
 
Das gezeigte Portrait stammt von dem renommierten Maler Günter Rittner,
der es mir freundlicherweise gestattet hat, das Bild zu zeigen; das Copyright liegt bei dem Künstler.
Die Mutter zog etwa 1916 mit ihren drei Kindern nach München, wo Heinz Rühmann ab 1919 die Luitpold-Oberrealschule besuchte, die er jedoch kurz vor dem Abitur zugunsten einer Schauspielerausbildung verließ. Schon in der Schule war der junge Rühmann durch sein komödiantisches Talent aufgefallen, konnte er doch ungeliebte Lehrer in Sprechweise und Haltung täuschend echt nachahmen. Er schloss sich einem Laienensemble an, mit Unterstützung seiner Mutter gelang es ihm schließlich, von dem renommierten Hoftheaterschauspieler und Regisseur Friedrich Basil2) (1862 –1938) als Schauspielschüler angenommen zu werden. Nur ein halbes Jahr später wurde der Breslauer Theaterdirektor Richard Gorter auf das Nachwuchstalent aufmerksam und bot ihm ein erstes Engagement an. Im Juni 1920 gab Rühmann mit Nebenrollen in Hauptmanns Schauspiel "Rose Bernd" und Wedekinds Drama "Die Büchse der Pandora" in Breslau sein Bühnendebüt.
Der erhoffte große Erfolg blieb in Breslau aber aus. Seine Rollen waren zu oft auf einen männlichen, heldenhaften Typen ausgelegt. Seine relativ geringe Körpergröße und sein jungenhaftes Aussehen standen hierzu im Widerspruch. Die negativen Kritiken versuchte Heinz Rühmann durch Auffallen in der Öffentlichkeit zu kompensieren. Jede Gelegenheit, die sich hierzu bot, nutzte er aus, was auch dazu führte, dass er sich privat sehr exzentrisch kleidete. Diese Strategie half ihm allerdings nicht.3) Nachdem der Schauspieler ungefähr ein Jahr in Breslau gearbeitet hatte, wechselte die Direktion. Gortner ging und wurde durch Paul Barnay ersetzt. Dieser übernahm das gesamte Ensemble; als einzige Ausnahme wurde Heinz Rühmann wegen mangelnder Begabung nicht wieder engagiert. Als ihm in dieser Situation das Residenztheater Hannover ein Angebot unterbreitete, war es daher nicht überraschend, dass er es sofort annahm.4)

In Hannover erhielt Rühmann nun Rollen als jugendlicher Liebhaber, trat auch an der Seite von zwei anderen Schauspielern auf, die schon bald sehr populär werden sollten – Rudolf Platte und Theo Lingen. Doch das Theater musste im Zuge der herrschende Wirtschaftskrise wegen finanzieller Probleme schließen, Rühmanns nachfolgendes Engagement im Herbst 1922 am Bremer Schauspielhaus blieb trotz seines überragenden Erfolgs mit der Hauptrolle des Billy Bartlett in Avery Hopwoods Lustspiel "Der Mustergatte" nur ein kurzes Intermezzo, da es zu Differenzen mit der Theaterdirektion gekommen war. Nach zunächst vergeblichen Versuchen ein festes Engagement zu erhalten, gelang es Rühmann schließlich im August 1923 als Mitglied der Bayrischen Landesbühne ein neue Betätigungsfeld zu finden und dort vor allem sein komisches Talent unter Beweis zu stellen. Während dieser Zeit lernte er auch seine spätere erste Frau, die knapp fünf Jahre ältere jüdische Schauspielerin Maria Bernheim (1897 – 1957) kennen, die unter dem Künstlernamen Maria Herbot auftrat. Am 9. August 1924 heiratete das Paar, Maria Bernheim gab ihren Beruf als Schauspielein auf und wurde Rühmanns "Privatregisseurin", wie er es in seiner Autobiografie "Das war's – Erinnerungen" (1982) formulierte.
 
1925 folgte Rühmann einem Ruf der damaligen Direktorin Hermine Körner5) (1878 – 1960) an die Münchener Kammerspiele, avancierte nun endlich zu einem erfolgreichen, anerkannten Bühnenschauspieler. Vor allem als Protagonist in "Der Mustergatte" feierte er Triumphe, die Figur des schüchternen und peniblen Bankdirektors Billy Bartlett wurde Rühmanns Paraderolle, mehr als 2 000 Mal spielte er den "Mustergatten" in den nachfolgen Jahrzehnten, der am 13. Oktober 1937 im Berliner Gloria-Palast uraufgeführte gleichnamige Kinofilm geriet zum Kassenschlager. Inszeniert von Wolfgang Liebeneiner, trat an der Seite von Rühmann unter anderem Leny Marenbach als seine Filmehefrau Margret auf.
Aber auch in der weltberühmten Farce "Charleys Tante" von Brandon Thomas erntete Rühmann in München glänzende Kritiken, ebenfalls eine Rolle, mit der er Jahrzehnte später auf der Leinwand noch einmal Furore machen sollte. Nicht nur in München, auch in Berlin stand Rühmann erfolgreich auf der Bühne, Max Reinhardt vom "Deutschen Theater" hatte ihm unter anderem eine Rolle in "Lockvögel" (1927) übertragen, in der Komödie "Eltern und Kinder" (1928) von George Bernhard spielte er beispielsweise 75 Aufführungen lang an der Seite von Marlene Dietrich und Paul Hörbiger, in Shakespeares "Die lustigen Weiber von Windsor" brillierte er 1929 neben Werner Krauss als Junker Schmächtig; mehr zu Rühmanns Theaterwirken bei www.ruehmann-heinz.de).
 
Mitte der 1920er Jahre begann Rühmanns Karriere als Filmschauspieler, seine erste Rolle spielte er (nach anfänglichem Zögern) als gewalttätiger Sohn Oskar Erdmann in Géza von Bolvárys stummen Drama "Das deutsche Mutterherz", das Ende Juli 1926 in die Lichtspielhäuser kam. Nach einem weiteren Stummfilm, der Komödie "Das Mädchen mit den fünf Nullen"2) (1927) und seiner Rolle eines Provinzjünglings, gelang Rühmann gleich mit seinem ersten Tonfilm der Durchbruch zum Kinostar: Der Produzent Erich Pommer2) (1889 – 1966), der mit Filmen wie "Metropolis"2) (1927) und "Der blaue Engel"2) (1930) Filmgeschichte geschrieben hat, besetzte Rühmann neben den Publikumslieblingen Willy Fritsch5) und Lilian Harvey5) sowie Oskar Karlweis5) in der Filmoperette "Die drei von der Tankstelle"2)  (1930) mit der Hauptrolle des Hans, gleichzeitig erhielt der Schauspieler einen Jahresvertrag bei der Ufa. Die von Wilhelm Thiele2) (1890 – 1975) in Szene gesetzte heitere Geschichte, mit Ohrwürmern wie "Ein Freund, ein guter Freund", "Lieber guter Herr Gerichtsvollzieh'r" oder "Liebling, mein Herz lässt Dich grüßen", geriet zum Kassenschlager, das "Lexikon des internationalen Film" notiert: "Der berühmt gewordene Film, der durch seinen virtuosen Umgang mit Erzählung, Tanz und integrierter Musik eine neue filmische Form erfand, mit der er das US-Musical vorwegnahm." Bei prisma-online wird vermerkt: "Der schwungvolle, sehr unterhaltsame Film erfand durch den virtuosen Umgang mit Erzählung, Tanz und integrierter Musik eine damals neue filmische Form: das Musical. Er ließ die kleine Handlung mit Liedern besingen, die äußerst populär wurden (…) und den Erfolg des Films mitbegründeten."; siehe auch die Filmbeschreibung bei der Murnau Stiftung.
 
Nun ging es Schlag auf Schlag, Rühmann drehte in rascher Folge einen Erfolgsfilm nach dem anderen und gehörte schon bald zu den Top-Stars bzw. bestbezahlten Schauspieler der deutschen Filmszene. Neben dem Gespann Fritsch/Harvey tauchte er als charmant-eleganter Monsieur Sérigny in der musikalischen Ehekomödie "Einbrecher"2) (1930) auf, in Robert Siodmaks musikalischen Kriminalburleske "Der Mann, der seinen Mörder sucht"2) (1931) mimte er den verhinderten Selbstmordkandidaten Hans Herfort, der in das Ganovenmilieu abrutscht. Nach der Filmoperette "Bomben auf Monte Carlo"2) (1931) als 1. Offizier Peter, wo er an der Seite von Hans Albers als kraftvollem Kapitän Craddock das Lied "Das ist die Liebe der Matrosen" schmetterte, folgten Kurt Gerrons "Meine Frau, die Hochstaplerin"2) (1931) mit Käthe von Nagy als Partnerin, Fritz Kortners "Der brave Sünder" (1931) mit Max Pallenberg und Dolly Haas sowie "Der Stolz der 3. Kompanie" (1932), wo Rühmann an der Seite von Viktor de Kowa und Adolf Wohlbrück sein komödiantisches Talent als Musketier Diestelbeck voll ausleben konnte.
Rühmann agierte in etlichen Lustspielen, die ganz dem Publikumsgeschmack jener Jahre entsprachen, so in "Man braucht kein Geld"2) (1932), "Es wird schon wieder besser"2) (1932), "Strich durch die Rechnung" (1932), "Ich und die Kaiserin"2) (1932), "Lachende Erben"2) (1933), "Heimkehr ins Glück"6) (1934), "Die Finanzen des Großherzogs"6) (1934), "Heinz im Mond"6) (1934) oder "So ein Flegel"2) (1934), der ersten Verfilmung des Romans "Die Feuerzangenbowle" von Heinrich Spoerl mit Rühmann in der Doppelrolle des Dr. Hans Pfeiffer bzw. Erich Pfeiffer.
 
Rühmann war ein Publikumsmagnet und ein Garant für volle Lichtspielhäuser, auch wenn nicht alle seiner Streifen heute noch erinnerungswürdig erscheinen. Erwähnt werden sollen das musikalische Lustspiel "Ein Walzer für dich"2) (1934) mit Theo Lingen, Camilla Horn und Adele Sandrock, die deftige Verwechslungskomödie "Der Himmel auf Erden" (1935) mit Hans Moser, die temporeiche Romanze "Allotria"2) (1936) von Willi Forst mit Renate Müller, Géza von Bolvárys Nestroy-Adaption "Lumpazivagabundus" (1936) mit Paul Hörbiger, Hans Holt und Hilde Krahl sowie die Krimikomödie "Der Mann, der Sherlock Holmes war"2) (1937) mit einem gut aufgelegten Gespann Albers/Rühmann. Der Song "Jawoll, meine Herr'n", den das Duo in der Badewanne zum Besten gibt, wurde berühmt; Infos zum Film auch bei prisma-online.
In "Die Umwege des schönen Karl"2) (1938), nach dem gleichnamigen Roman von Paul Enderling, glänzte Rühmann als fescher Kellner Karl Kramer, in "Fünf Millionen suchen einen Erben"2) (1938) als Staubsaugervertreter Peter Pitt bzw. dessen Vetter Patrick, unsterblich machte Rühmann sich hier mit dem Song "Ich brech' die Herzen der stolzesten Frau'n". Rühmann erweist sich bei der Interpretation als begnadeter Komiker. Das Imponiergehabe des Textes wird durch die kleinwüchsige Figur und die scheinbar linkischen Bewegungen Rühmanns bei dessen Bühnendarbietung konterkariert. Ein Mann pfeift dazwischen, und ausgerechnet die angesprochenen Frauen unterhalten sich während der Gesangseinlage über andere Dinge. vermerkt Wikipedia.
 
"Der Mann, von dem man spricht"16) (1937, mit Hans Moser), "13 Stühle"2) (1838, mit Hans Moser), "Nanu, Sie kennen Korff noch nicht?"6) (1938), "Der Florentiner Hut"2) (1938), "Paradies der Junggesellen"6) (1938) oder "Hurra, ich bin Papa!" (1939) sind Beispiele für Rühmanns Dauereinsatz auf der Leinwand bis Ende der 1940er Jahre. Seine Arbeit am Theater vernachlässigte Rühmann während seiner umfangreichen Arbeit für den Film nicht, so brillierte er neben seinem Dauerauftritt als "Mustergatte" unter anderem zur Spielzeit 1934/35 am "Deutschen Theater" in Inszenierungen von Heinz Hilpert, so als Zwirn in Nestroys "Lumpacivagabundus" oder mit der Titelrolle in Molieres "George Dandin" (1935).
Rühmann arbeitete unermüdlich, stand in den 1930er Jahren mitunter für bis zu sieben Produktionen pro Jahr vor der Kamera und kletterte auf der Erfolgleiter immer höher hinauf. Darüber hinaus war er seit Ende der 1930er Jahre als Produzent (siehe Wikipedia) und Regisseur tätig. Während des Nazi-Regimes versuchte er sich politisch weitgehend neutral zu verhalten, wohl auch, um seine Karriere nicht zu gefährden. Rühmanns erste Ehe mit Maria Bernheim war gescheitert, am 19. November 1938 erfolgte in beiderseitigem Einvernehmen die Scheidung. Später musste sich Rühmann den Vorwurf gefallen lassen, er habe sich auf Druck der Nazis von seiner jüdischen Frau getrennt, doch die Ehe galt schon längere Zeit als zerrüttet; so wird ihm auch eine Liebesbeziehung mit Schauspielerkollegin Leny Marenbach (19078) – 1984) nachgesagt.
Maria Bernheim heiratete den in Deutschland lebenden, die schwedische Staatsbürgerschaft besitzenden Schauspieler Rolf von Nauckhoff5) (1909 – 1968) und wohnte zunächst weiterhin in Berlin. Die als "Zweckehe" eingestufte Verbindung endete 1942 mit der Scheidung, als das Leben im Nazi-Deutschland für Maria Bernheim zu gefährlich wurde, ging sie mit Rühmanns Hilfe Ende März 1943 nach Stockholm ins Exil, wurde von Rühmann finanziell unterstützt; nach Kriegsende kehrte Maria Bernheim nach Deutschland zurück.7)
Heinz Rühmann und seine Frau Herta Feiler im Jahre 1946; Copyright: SLUB Dresden/Deutsche Fotothek;  Urheber Roger und Renate Rössing; Datierung 1946; Lizenz CC-BY-SA 3.0. Sein Regiedebüt hatte Rühmann mit der Komödie "Lauter Lügen"6) (1938) mit der Wiener Schauspielerin Herta Feiler5) in der weiblichen Hauptrolle gegeben. Die Zusammenarbeit war nicht nur beruflicher Natur, das Paar verliebte sich ineinander, heiratete am 1. Juli 1939 und führte bis zu Herta Feilers Tod am 1. November 1970 eine glückliche Ehe; aus dieser Verbindung stammt Rühmanns einziges Kind, der am 7. Juni 1942 geborene Sohn Heinzpeter "Peter" Rühmann2).
 
Heinz Rühmann und seine Frau Herta Feiler im Jahre 1946
Quelle: Deutsche Fotothek, (file :df_roe-neg_0000041_001);
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek
Urheber: Roger Rössing (1929–2006) / Renate Rössing (1929–2005)
Datierung: 1946 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Genehmigung der Deutschen Fotothek zur Veröffentlichung innerhalb
dieser Webpräsenz wurde am 12.11.2010 erteilt.
Originalfoto und Beschreibung:
commons.wikimedia.org bzw. Wikipedia
Auch in zwei weiteren Regiearbeiten Rühmanns während des 2. Weltkrieges trat Herta Feiler als Protagonistin auf, so in der Komödie "Lauter Liebe"6) (1940) und in der Romanze "Der Engel mit dem Saitenspiel"6) (1944; siehe auch Wikipedia); mit Hannelore Schroth in der Hauptrolle realisierte er "Sophienlund"6) (1943).
 
Foto (Historische Originalbeschreibung): Spielleiter Rühmann hat den Platz des Kameramannes eingenommen und prüft noch einmal die Einstellung.
  
Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, Bild 146-1986-098-18;
Fotograf: Unbekannt / Datierung: 1942 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Genehmigung des Bundesarchivs zur Veröffentlichung innerhalb
dieser Webpräsenz wurde am 11.10.2010 erteilt.
Originalfoto und Beschreibung:
Deutsches Bundesarchiv Bild 146-1986-098-18 bzw. commons.wikimedia.org
Heinz Rühmann als Kameramann; Historische Originalbeschreibung: Spielleiter Rühmann hat den Platz des Kameramannes eingenommen und prüft noch einmal die Einstellung. Quelle: Deutsches Bundesarchiv; Fotograf: Unbekannt; Datierung: 1942; Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Doch vor allem als Schauspieler gehörte Rühmann während der Kriegsjahre zu den Top-Stars der Filmszene. Auch wenn er als Pilot zur Grundausbildung als Abwehrflieger einrücken musste – der passionierte Flieger hatte bereits 1931 seinen Pilotenschein gemacht und sich ein eigenes Flugzeug gekauft – blieb er vom aktiven Einsatz in der Wehrmacht verschont. Die Hauptaufgabe des 1940 zum "Staatsschauspieler" ernannten Rühmanns bestand vielmehr darin, das Publikum mit unterhaltsamen Streifen vom Kriegsalltag abzulenken. Es entstanden Filme wie Helmut Käutners Gottfried Keller-Adaption "Kleider machen Leute"2) (1940) mit Rühmann als pfiffigem Schneidergesellen Wenzel oder Theo Lingens Ehe-Verwirr-Lustspiel "Hauptsache glücklich"2) (1941), nach einer Erzählung von Guy de Maupassant, mit Ehefrau Herta Feiler als Partnerin. In Carl Froelichs "Der Gasmann"2) (1941), nach dem gleichnamigen Roman von Heinrich Spoerl, mimte er den der der Auslandsspionage verdächtigten Gaskassierer Hermann Knittel, neben Anny Ondra als seiner Filmehefrau. Zum Kassenschlager geriet Kurt Hoffmanns propagandistisch gefärbtes Abenteuer "Quax, der Bruchpilot"2) (1941), eine turbulente Fliegerkomödie mit einem Schlager von Werner Bochmann ("Heimat, deine Sterne"), viel Situationskomik und zahlreichen Flugszenen, die nicht zuletzt davon leben, dass Heinz Rühmann auch im wirklichen Leben ein begeisterter Sportflieger war. Als bei den Dreharbeiten der zur Verfügung gestellte Berufspilot wegen eines Beinbruchs ausfiel und aufgrund des Krieges kein Ersatz zu bekommen war, flog Rühmann in sämtlichen Szenen selbst, darunter auch die Kunstflug-Einlagen.9);siehe auch Filmbeschreibung der "Murnau Stiftung". Die noch kurz vor Kriegsende fertig gestellte, stark rassistische Fortsetzung "Quax in Afrika"6) (1945) wurde erst am 22. Mai 1953 als geschnittene Fassung uraufgeführt, "Quax in Fahrt" (1945) kam nicht mehr in die Kinos.
 
Nach Kurt Hoffmanns witzigen Komödie "Ich vertraue Dir meine Frau an"6) (1943) kam ein Film in die Kinos, mit dem nicht nur Rühmann Leinwandgeschichte schrieb – "Die Feuerzangenbowle"2) (1944), basierend auf dem gleichnamigen humoristischen Buch2) von Heinrich Spoerl und Hans Reimann, inszeniert von Helmut Weiss2) (1907 – 1969). "Die Feuerzangenbowle", unter anderem mit Erich Ponto, Paul Henckels und Hans Leibelt in köstlichen Rollen als "Lehrkörper", gehört bis heute zu den Klassikern der Kinounterhaltung. Wer kennt nicht Rühmanns hinreißenden Pennäler Pfeiffer ("mit drei F"), der noch mal die Schulbank drückt, Professor Bömmels (Paul Henckels) Lehrstunde zum Thema "Dampfmaschine" ("Wat is en Dampfmaschien?") oder "die alkoholische Gärung" von Professor Crey, genannt "Schnauz" (Erich Ponto); siehe auch Info zum Film innerhalb dieser HP sowie die Beschreibung bei prisma-online).
1944 wurde die Erstaufführung des Films "Die Feuerzangenbowle" zunächst von der nationalsozialistischen Filmzensur wegen "Respektlosigkeit gegen Autoritäten" verboten. Durch gute Beziehungen zum Regime konnte Rühmann dennoch die öffentliche Aufführung des Films durchsetzen. Er brachte den Film selbst ins Führerhauptquartier Wolfsschanze, wo eine Privatvorführung unter anderem für Hermann Göring stattfand, der daraufhin die Aufhebung des Filmverbots durch Hitler erreichte. (Quelle: Wikipedia)
Rühmanns letzter Film während des Krieges "Sag’ die Wahrheit"6) (1945; Regie Hellmut Weiss) blieb unvollendet.
Heinz Rühmann 01; Copyright Rainer Binder

Nach Kriegsende belegte die Alliierten Rühmann zunächst kurzfristig mit einem Auftrittsverbot, am 28. März 1946 wurde im Rahmen der sogenannten "Entnazifizierung" festgestellt, es bestünden "keine Bedenken gegen eine weitere künstlerische Betätigung des Herrn Rühmann". Er spielte anfangs wieder Theater, ging 1946 mit dem Erfolgsstück "Der Mustergatte" durch die sowjetische Besatzungszone auf Tournee, gründete dann 1947 die Filmgesellschaft "Comedia", mit der er jedoch nicht erfolgreich war und 1953 Konkurs anmelden musste; mehrere Jahre lang hatte Rühmann finanzielle Probleme wegen der Tilgung eines enormen Schuldenberges.
Seinen ersten Nachkriegsfilm drehte Rühmann mit Heinz Hilpert, "Der Herr vom andern Stern"2) (1948) fand jedoch an den Kinokassen wenig Anklang. Die von ihm produzierten Streifen "Das Geheimnis der roten Katze"10) (1949) und "Ich mach Dich glücklich" (1949; mit Ehefrau Herta Feiler) fanden ebenso wenig Resonanz beim Publikum. Erfolgreicher waren da schon Paul Verhoevens Komödie "Das kann jedem passieren"11) (1952) sowie E. W. Emos heitere Verwechslungsgeschichte "Schäm dich, Brigitte" (1952; auch "Wir werden das Kind schon schaukeln"). Doch erst mit der von Theaterregisseur Ulrich Erfurth inszenierten Geschichte "Keine Angst vor großen Tieren"12) (1953) und der Rolle des schüchternen technischen Zeichners Emil Keller feierte Rühmann ein Comeback auf der Kinoleinwand und konnte an seine früheren Erfolge anknüpfen. Er hatte sich vom Schauspieler mit dem lausbübischen Lächeln zu einem vielschichtigen Charaktermimen entwickelt, der unbekümmerte "Lausbub" wandelte sich mehr und mehr zu einem Mann mit oftmals tragikomischen Zügen, was er in den nachfolgenden Jahren in etlichen weiteren Produktionen eindrucksvoll unter Beweis stellen sollte.

Foto: © Rainer Binder
(Das Foto (auch Hintergrund) wurde mir freundlicherweise von dem Fotografen Rainer Binder zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Rainer Binder; das Foto darf nicht für andere Zwecke verwendet werden.)
Rühmann war wieder gefragt, nach der Tragikomödie "Briefträger Müller"2) (1953) kam es mit Wolfgang Liebeneiners "Auf der Reeperbahn nachts um halb eins"1) (1954) zur dritten Zusammenarbeit mit Hans Albers. Beide Stars sorgten für eine hohe Zuschauerakzeptanz dieses "volkstümlichen Unterhaltungsfilms um zwei erprobte Stars im St.-Pauli-Milieu, mit populären Melodien und Reeperbahn-Romantik angereichert.13) Ohrwürmer wie "Auf der Reeperbahn nachts um halb ein", "In einer Sternennacht am Hafen", "Komm auf die Schaukel, Luise", "Kleine Möwe, flieg nach Helgoland", "Einmal noch nach Bombay" oder "Schön ist die Liebe im Hafen" machten den Film zu einem unvergessenen Kino-Erlebnis. "Wolfgang Liebeneiners mit leichter Hand inszenierter Musikfilm war einer der erfolgreichsten Filme des frühen deutschen Nachkriegskinos der Adenauer-Zeit." vermerkt prisma-online.
Rühmann tauchte danach in der deutsch-französischen Co-Produktion "Zwischenlandung in Paris"2) (1955) auf, in dem anrührend, von Hans Quest inszenierten Film "Wenn der Vater mit dem Sohne"2) (1955) schlüpfte er in das Kostüm des traurigen Varietekünstlers bzw. Clowns Teddy Lemke und bleibt bis heute mit dem für seinen Pflegesohn Ulli (Oliver Grimm) gesungenen Gutenachtlied "La-Le-Lu, nur der Mann im Mond schaut zu" in nachhaltiger Erinnerung. Der Film gab Rühmann die Möglichkeit, in seine erklärte Lieblingsrolle zu schlüpfen: die eines Clowns. Er tat dies so perfekt, dass die "Internationale Artistenloge" ihm die "Goldene Artistennadel" verlieh – eine für einen "Amateur" einmalige Auszeichnung. (Quelle: Wikipedia)
 

Foto: © Rainer Binder
(Das Foto wurde mir freundlicherweise von dem Fotografen Rainer Binder zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Rainer Binder; das Foto darf nicht für andere Zwecke verwendet werden.)

Heinz Rühmann 02; Copyright Rainer Binder
Als Verkleidungskünstler bzw. großer Komiker zeigte sich Rühmann mit einer weiteren Paraderolle – in Hans Quests Verfilmung der britischen Bühnenfarce "Charleys Tante" aus dem Jahre 1956. "Der Komiker Rühmann hat in der jüngeren Filmgeneration noch keinen Nachfolger gefunden. Er will nicht Komiker sein, er ist es." schrieb unter anderem DIE ZEIT.14)
Einen seiner größten Triumphe als ernsthafter Charakterdarsteller feierte Rühmann wenig später mit seiner glänzenden Darstellung des Schusters Wilhelm Voigt in Helmut Käutners Zuckmayer-Verfilmung "Der Hauptmann von Köpenick"2) (1956). Der Film wurde nicht nur ein riesiger Publikumserfolg, auch die Kritiker überschlugen sich und lobten Rühmanns liebenswürdig-verschmitzte Interpretation. Für seine Leistung erhielt Rühmann 1957 das "Filmband in Gold" als "Bester Hauptdarsteller" sowie den "Berliner Kritikerpreis".
In den nachfolgenden Jahren "zeigte Rühmann die gesamte Bandbreite seiner Darbietungskunst"15), spielte sowohl in leichten Unterhaltungsstreifen wie auch in ambitionierten Filmen mit Tiefgang bzw. anspruchsvollen Rollen. In Kurt Meisels "Das Sonntagskind"11) (1956), der Verfilmung des Bühnenschwanks "Schneider Wibbel" des Düsseldorfer Heimatdichters Hans Müller-Schlösser, gab er dem rheinischen Schneider Anton Wibbel ein Gesicht, in "Vater sein dagegen sehr"2) (1957) – ebenfalls von Kurt Meisel inszeniert – mimte er den braven Schriftsteller und Junggesellen Lutz Ventura, der sich plötzlich um zwei herzige Waisenkinder kümmern muss. Hervorragend seine (ganz entgegen seines bisherigen Rollentypus besetze) Verkörperung des Züricher Kantonspolizisten Dr. Hans Matthäi in dem Krimi "Es geschah am hellichten Tag"2) (1958), an dessen Drehbuch auch Friedrich Dürrenmatt beteiligt war. Knapp ein Jahrzehnt später sollte Rühmann erneut einen Ermittler darstellen und in Alfred Weidenmanns "Maigret und sein größter Fall"16) (1966) in die Rolle des berühmten Simenon-Kommissars schlüpfen.
 
Bis Ende der 1950er Jahre war Rühmann in Kinoproduktionen wie "Der Mann, der nicht nein sagen konnte" (1958), "Der Pauker"2) (1958), "Der eiserne Gustav"16) (1958), "Ein Mann geht durch die Wand"2) (1959) sowie in der mit O. W. Fischer, Michčle Morgan, Sonja Ziemann und Gert Fröbe hochkarätig besetzten Vicki Baum-Adaption "Menschen im Hotel"17) (1959) auf der Leinwand präsent. Mit Beginn des neuen Jahrzehnt zeigte sich der Schauspieler gleich in vier Kinoproduktionen , so als engagierter Dr. Ferdinand Bluhme in "Der Jugendrichter"17) (1960), als Geldbriefträger Ludwig Fuchs in "Mein Schulfreund"2) (1960), als scharfsinnig-pfiffiger Pater Brown in "Das schwarze Schaf"2) (1960) sowie in einer weiteren Paraderolle mit schlitzohrig-hintergründigem Humor, als "Der brave Soldat Schweijk"17) (1960) in dem gleichnamigen Film von Axel von Ambesser nach dem antimilitaristisch-satirischer Schelmenroman von Jaroslav Hašek2) (1883 – 1923) in Szene gesetzten Film.
Ebenfalls ganz auf den Protagonisten Rühmann zugeschnitten waren Ladislao Vajdas eher rührselige Geschichte "Der Lügner"2) (1961) und Imo Moszkowicz's Gaunerkomödie "Max, der Taschendieb"2) (1962), in der Fortsetzung von "Das schwarze Schaf", dem Krimi "Er kann's nicht lassen"2) (1962), ging der Hobby-Detektiv Pater Brown alias Heinz Rühmann erneut auf Verbrecherjagd. In die "Die Abenteuer des Kardinal Brown"16) (1968, "Operazione San Pietro") war er dann zum Kardinal aufgestiegen und legte auch diesmal den Ganoven das Handwerk.
 
Eher zu vernachlässigen ist die Komödie "Meine Tochter und ich"2)  (1963), sehenswert dagegen Helmut Käutners "Das Haus in Montevideo"2) (1963), der nach 1951 zweiten Verfilmung des gleichnamigen Bühnenstückes von Curt Goetz5) (1888 – 1960), mit einem glänzend aufgelegten Heinz Rühmann als sittenstrengem Professor Traugott Hermann Nägler und Ruth Leuwerik als seiner Filmehefrau. Nach Günter Gräwerts "Vorsicht Mr. Dodd!" (1964; u.a. mit Mario Adorf als Mafioso) agierte Rühmann in einer weiteren Curt Goetz-Verfilmung und spielte in Kurt Hoffmanns "Dr. med. Hiob Prätorius"2) (1965) die Titelrolle. 1950 war das Bühnenstück erstmals vom Autor Goetz selbst für den Film adaptiert und mit ihm und seiner Ehefrau in den Hauptrollen verfilmt worden. Ein Jahr später hatte Joseph L. Mankiewicz mit der Komödie "People Will Talk" einen weiteren Film auf der Grundlage des Bühnenstückes mit Cary Grant in der Rolle des Frauenarztes Dr. Noah Prätorius gedreht.
Das Remake von 1964/65 inszenierte Kurt Hoffmann, der bereits 1953 mit "Hokuspokus"
2) ein Bühnenstück von Curt Goetz mit diesem in der Hauptrolle verfilmt hatte. 1966 drehte Hoffmann mit "Hokuspokus oder: Wie lasse ich meinen Mann verschwinden…?"2) ein weiteres Remake eines Curt-Goetz-Filmes. Für beide Produktionen konnte er Heinz Rühmann für die jeweilige Hauptrolle gewinnen, den sich der 1960 verstorbene Goetz nach Aussagen seiner Witwe Valérie von Martens als Darsteller für seine Figuren ausdrücklich gewünscht hatte.18)
 
Eine schwierige Charakterrolle, die des Juden Julius Lowenthal, spielte Rühmann in Stanley Kramers Oscar-prämierten Hollywood-Produktion "Ship of Fools"2) (1965, Das Narrenschiff) nach dem gleichnamigen Roman der US-amerikanischen Pulitzer-Preisträgerin Katherine Anne Porter2) (1890 – 1980), was ihm auch internationale Anerkennung einbrachte. In dem turbulenten Abenteuer "Geld oder Leben" (1966, La bourse et la vie) sah man ihn an der Seite des legendären französischen Schauspielers bzw. Don Camillo-Darstellers Fernandel5) (1903 – 1971). "Die Vollblut-Komödianten Rühmann und Fernandel ergänzen sich perfekt", "Diese kriminelle Duo ist einfach köstlich" notiert www.cinema.de. Ebenfalls 1966 kam Rolf Thieles Dürrenmatt-Adaption "Grieche sucht Griechin"16) in die Kinos, in der Rühmann als schüchterner Buchhalter und Junggeselle Archilochos überzeugte, der sich in eine Prostituierte verliebt. Zur Hochform lief der Schauspieler dann als Wissenschaftler, der versehentlich in die Nervenklinik gerät, in Rolf Thieles zeitkritischen Satire "Die Ente klingelt um halb acht"2) (1968) auf, dem letzten gemeinsamen Film mit seiner Frau Herta Feiler, die zwei Jahre später an den Folgen ihrer Krebserkrankung verstarb.
Heinz Rühmann; Copyright Virginia Shue Danach stand Rühmann nur noch für wenige Kinoproduktionen vor der Kamera, so mit den Titelrollen in Kurt Hoffmanns "Der Kapitän"2) (1971) und Franz Peter Wirths "Oh Jonathan – oh Jonathan!"2) (1973). In Wolfgang Liebeneiners Melodram "Das chinesische Wunder" (1977) gab er an der Seite von Senta Berger den geheimnisvollen alten Russen Poliakoff, in Michael Verhoevens Drama "Gefundenes Fressen"2) (1977) den alten Obdachlosen Alfred Eisenhardt, der sich einen Lebenstraum erfüllen möchte. Seinen letzten Kinoauftritt hatte der inzwischen 91-jährige Rühmann als alter Chauffeur Konrad in Wim Wenders' "In weiter Ferne, so nah!"2) (1993).
  
Seit Ende der 1960er Jahren war Rühmann neben seiner Arbeit für Theater und Kino vermehrt mit eindrucksvollen Rollen im Fernsehen zu sehen, oftmals in Stücken, mit denen er auch auf der Bühne seine schauspielerische Kraft unter Beweis gestellt hatte. Es entstanden TV-Filme wie "Der Tod des Handlungsreisenden" (1968) nach dem Drama "Death of a Salesman" von Arthur Miller mit Rühmann als brillantem Handlungsreisenden Willy Loman oder unter der Regie von Kurt Wilhelm die heiter-tragische Geschichte "Mein Freund Harvey"2) (1970), nach der gleichnamigen Kult-Komödie von Mary Chase, mit der Paraderolle des liebenswert-schrulligen Elwood P. Dowd, der mit seinem unsichtbaren Freund, dem Hasen Harvey, seine Mitmenschen irritiert.
 
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg) 
zur Verfügung gestellt. Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
Rühmanns Altersrollen sind bemerkenswert, so verlieh er dem Schriftsteller Sam Kinsale in "Endspurt" (1970), dem meistgespielten Stück von Peter Ustinov, eindringliche Züge. Er verkörperte grandios die Titelfigur des Pfandleihers Hilary in "Der Pfandleiher" (1971) sowie den alten Landstreicher Davies in "Der Hausmeister"2) (1973), inszeniert von August Everding nach dem gleichnamigen Theaterstück von Literatur-Nobelpreisträger Harold Pinter. Es folgten Auftritte in der Episodengeschichte "Diener und andere Herren" (1978) und in Claus Peter Witts TV-Special "Noch 'ne Oper" (1979) zum 70. Geburtstag des unvergessenen Heinz Erhardt. In diversen Rühmann-Specials spielt er anrührende Gestalten, so in "Balthasar im Stau" (1979) einen Taxifahrer, in "Aller guten Dinge sind drei" (1980) einen Kolonialwarenhändler, einen leidenden Ehemann und einen Organisten; in dem TV-Film "Ein Zug nach Manhattan" (1981) kam er als Kantor Leon Sternberger daher, mit der Figur des alten Pariser Bankiers Perret-Latour in dem ZDF-Stück "Es gibt noch Haselnuß-Sträucher"16) verabschiedete sich der Schauspieler Rühmann am 3. April 1983 als Schauspieler von seinem Fernsehpublikum. "Nach einem Roman von Georges Simenon entstand der TV-Film, in dem Heinz Rühmann einen einsam gewordenen Menschen verkörpert, der unversehens mit den Problemen der Jugend konfrontiert wird. Der Film wurde in Paris an Originalschauplätzen gedreht." (Quelle: prisma-online.de)
 
Auf der Bühne erlebte man ihn letztmalig im Sommer 1986 im Aachener Stadttheater mit "Karneval der Tiere/Peter und der Wolf". Seit Anfang der 1950er Jahre hatte Rühmann regelmäßig Theater gespielt, war beispielsweise in München an der "Kleinen Komödie" und in den "Kammerspielen" zu sehen, als weitere Theaterstationen sind unter anderem Hamburg, Wien (1960 bis 1962 Mitglied des Wiener Burgtheaters) und Berlin zu nennen. Neben seinen "Dauerbrennern" wie "Der Mustergatte" und "Mein Freund Harvey" überzeugte er das Publikum auch mit ernsten Auftritten, wie beispielsweise 1954 an den Münchner Kammerspielen in der berühmten Kortner-Inszenierung von Becketts "Warten auf Godot". Am Wiener Burgtheater (Akademietheater) brillierte er 1960 in Arthur Millers "Der Tod des Handlungsreisenden", an den Münchener Kammerspielen 1962 in Zuckmayers "Der Hauptmann von Köpenick" und 1974 zusammen mit Paul Verhoeven in der von Boleslaw Barlog inszenierten Erfolgskomödie "Sonny Boys" von Neil Simons. An der Wiener Staatsoper gab er am 31.12.1975 einen glänzend aufgelegten Frosch in der Operette "Die Fledermaus" ab.
Heinz Rühmann, der nach dem Tod seiner zweiten Frau Herta Feiler seit 9. Oktober 1974 mit der Verlegerin Hertha Droemer verheiratet war, entdeckte in seinen letzten Lebensjahren die Rezitation als eine neue Leidenschaft und tauschte mehr und mehr Bühne und Leinwand gegen Rezitationspult und Plattenstudio. Besondere Beliebtheit erlangten in diesem Zusammenhang seine Weihnachtslesungen, die im Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) gezeigt wurden, u.a. 1984 in der St. Michaelis-Kirche in Hamburg.19) Seine besondere Affinität zu der Figur des Clowns zeigte er auch noch im hohen Alter, sein im unnachahmlichen Sprechgesang vorgetragene Song "Der Clown" ist vielen heute noch im Ohr.
1982 veröffentlichte der bereits 80-jährige Rühmann seine Erinnerungen unter dem Titel " Das war's", 1987 folgte anlässlich des 85. Geburtstages die Bildbiografie "Ein Leben in Bildern"; bereits 1978 war das Buch "Heinz Rühmann erzählt vom Geschenk der Weisen und andren Begebenheiten" erschienen.
Seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte Heinz Rühmann am 15. Januar 1994 in der ZDF-Fernsehshow "Wetten, dass…?".
 

Foto: Heinz Rühmann in den 1980er Jahren im Zirkus "Roncalli"
 
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg) 
zur Verfügung gestellt. Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Heinz Rühmann in den 80er Jahren im Zirkus "Roncalli"; Copyright Virgina Shue
Heinz Rühmann, schon zu Lebzeiten eine lebende Legende und von Regisseur Wim Wenders einmal als "das lebende Denkmal des kleinen Mannes im deutschen Film" bezeichnet, starb am 3. Oktober 1994 im Alter von 92 Jahren in seinem Haus in Aufkirchen/Berg am Starnberger See bei München. Auf eigenen Wunsch wurde sein Leichnam eingeäschert, die Urnenbeisetzung fand am 30. Oktober 1994 in Aufkirchen statt.
 
Die Auszeichnungen, die der Vollblut-Mime im Laufe seines Lebens erhielt, lassen sich kaum alle aufzählen. Der, wie erwähnt, 1940 zum "Staatsschauspieler" ernannte Rühmann konnte alleine zwölf Mal den Publikumspreis "Bambi" entgegen nehmen, so jährlich zwischen 1962 und 1965, erneut zwischen 1967 und 1971, dann noch einmal 1972 und 1973 sowie 1978 und 1984. Dazwischen lagen Ehrungen wie beispielsweise der "Ernst-Lubitsch-Preis" (1959), das "Filmband in Gold" (1961) als "Bester Hauptdarsteller" für "Das schwarze Schaf", der "Goldene Bildschirm" (1967), das "Filmband in Gold" (1972) für "langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film" oder der "Bayerische Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst" (1981).
Filmproduzent Gyula Trebitsch, Heinz Rühmann und "Roncalli"-Direktor Bernhard Paul; Copyright Virginia Shue Das "Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland" wurde Rühmann bereits 1966 verliehen, 1972 folgte das "Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland mit Stern" und 1977 das "Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland mit Stern und Schulterband". Mit der "Goldenen Kamera" in der Kategorie "Größter deutscher Schauspieler des Jahrhunderts" würdigte man seine Leistungen 1994 posthum; eine vollständige Liste der Auszeichnungen und Ehrungen findet man bei Wikipedia.
 
Foto: Filmproduzent Gyula Trebitsch*) (1914 – 2005), Heinz Rühmann und "Roncalli"-Direktor Bernhard Paul
*)
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt. Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
*) Link: Wikipedia
Im Rahmen der Serie "Deutschsprachige Filmschauspieler" gab die Deutsche Post am 12. Oktober 2000 die Wohlfahrtsmarke "Heinz Rühmann" heraus. Nach einer zweijährigen "Tournee" durch deutsche Großstädte wurde Ende März 2004 ein Denkmal für den Schauspieler Heinz Rühmann endgültig in Berlin am Potsdamer Platz vor dem Filmmuseum aufgestellt, die den Schauspieler in der Rolle eines Clowns zeigt. Geschaffen wurde die Skulptur von dem Essener Bildhauer und Rühmann-Fan Thorsten Stegmann.
 
Veröffentlichung der Briefmarken-Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Bundesministeriums der Finanzen sowie der Künstlerin Antonia Graschberger, München (Entwurf)
Wohlfahrtsbriefmarke 2000: Heinz Rühmann
Die ARD widmete Rühmann in ihrer Reihe "Legenden" (Erstausstrahlung am 26.08.2007) eine von Sebastian Dehnhardt realisierte Dokumentation, welche erstmals hinter die Kulissen blickt und den wohl beliebtesten deutschen Schauspieler als Privatmann zeigt. "Rühmann war nicht komisch, er spielte nur komische Rollen", verrät beispielsweise eine ehemalige Filmpartnerin. Doch diese Rollen, die ihm so auf den Leib geschnitten waren, machten ihn nie wirklich glücklich. Wie gerne hätte der kleine Komiker einmal einen großen tragischen Helden gemimt, wie sehr hasste er es, wenn die Menschen abseits der Bühne über ihn lachten. (…) Ungewöhnlich offen reden Rühmanns letzte Ehefrau, sein Sohn und seine Schwiegertochter sowie ehemalige Kollegen über ihre Erfahrungen mit dem Ausnahmeschauspieler. Sie gewähren intime Einblicke in das private Leben Rühmanns und offenbaren seine Stärken, seine Schwächen und seine Widersprüche. Dank der uneingeschränkten Unterstützung durch Rühmanns Familie gelingt es dem Film nah an den Menschen Heinz Rühmann heranzukommen. Unveröffentlichte Privatbilder und Amateurfilme, die zum großen Teil seitens der Familie erstmals zur Verfügung gestellt wurden, zeigen Rühmann von bisher unbekannten Seiten.  (Quelle: www.daserste.de). 
Verschiedene Biografen haben sich mit dem Leben und Wirken Rühmanns beschäftigt, eine Übersicht zur Literatur findet man bei Wikipedia sowie Literatur von und über Heinz Rühmann im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek.
 
Heinz Rühmann hat bis heute mit seinem unnachahmlichen Spiel im deutschen Kino, aber auch in der Theaterlandschaft nachhaltige Spuren hinterlassen und gilt als eine Schauspieler-Institution. Er fiel oft auf die Nase, rappelte sich aber immer wieder auf – im Film wie im Leben. Seine Pleiten baute er zunächst in seine Theater-, später in seine Leinwandfiguren ein, er stellte sich ihnen, und so wuchs der kleine und gehemmt wirkende Mutterwitz-Mann mit der neugierig-spitzen Nase. Rühmanns lausbübische Schnoddrigkeit, mit sanftem, nasalen Organ oft gegen den Tonfall gesprochen, hatte zwei Seiten. Er konnte sie als Waffe gegen die Goliathe einsetzen, sie konnte sich aber auch gegen ihn selbst richten und seine Helden tragikomisch, ja tragisch erscheinen lassen. Aber noch unter Tränen lächelte er augenzwinkernd und zog damit auch die Rührung der Sieger auf seine Seite. Sein Publikum hat Heinz Rühmann 60 Jahre lang gerührt, ob als "Mustergatte" (1937), als "Charleys Tante" (1955) oder als "Der Hauptmann von Köpenick" (1956). Das machte: Er war immer ein redlicher Mann, in seiner verschmitzten Kleinkariertheit einer von uns. Immer pfiffig, beflissen, gütig und heiter. Ein Schalk, der trotz der großen Tiere als Letzter lachte.20)

 
 Quellen:
1) Wikipedia (vgl. Greulich, Anja/Knopp, Guido: Heinz Rühmann. in: Knopp, Guido (Hrsg.): Hitlers nützliche Idole, C. Bertelsmann Verlag, 1. Aufl., München 2007, S. 14 ff.
3) Wikipedia (vgl. Greulich, Anja/Knopp, Guido: Heinz Rühmann. in: Knopp, Guido (Hrsg.): Hitlers nützliche Idole, C. Bertelsmann Verlag, 1. Aufl., München 2007,S. 22 f.
4) Wikipedia (vgl. Rühmann, Heinz: Das war's – Erinnerungen, Ullstein Verlag, 1. Aufl., Berlin, Frankfurt/M., Wien 1982, S. 41.
7) www.ruehmann-heinz.de
9) Wikipedia: Quax, der Bruchpilot
13) Lexikon des internationalen Films
14) Wikipedia: Charleys Tante
15) Biografie Heinz Rühmann: LeMO-Projekt (Deutsches Historisches Museum)
18) Wikipedia: Dr. med. Hiob Prätorius
19) Wikipedia
20) Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars von Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 309/310
Links:
2) Wikipedia, 5) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 6) Murnau Stiftung, 10) Dirk Jasper FilmLexikon, 
11) br-online.de, 12) filmmuseum-hamburg.de, 16) prisma-online.de, 17) www.filmportal.de
8) nach anderen Quellen 1916
Siehe auch Wikipedia, www.prisma-online.de, www.whoswho.de
sowie wie den tabellarischen Lebenslauf des LeMO-Projekts (Deutsches Historisches Museum);
weiterhin www.helmut-zenz.de und die "Heinz Rühmann-Gedenkseite"
Zur Kino-Filmografie von Heinz Rühmann innerhalb dieser HP;
Heinz Rühmann in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database
Fotos bei www.virtual-history.com
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