Gert Fröbe (Karl Gerhart Fröbe) wurde am 25. Februar 1913 im damaligen Oberplanitz (heute Zwickau-Planitz) als Sohn des Seilermeisters, Lederhändlers bzw. Schusters Karl-Otto Fröbe und dessen Frau Alma in eine nicht gerade begüterte Familie hineingeboren. Schon als Schüler spielte er Solovioline im Rundfunk und verdiente sich als Stehgeiger mit seinem Tanzmusiktrio sein Taschengeld. Mit vierzehn Jahren hatte er einen schweren Unfall und war ein Jahr lang fast gelähmt.
Nach dem Besuch des Realgymnasiums in Zwickau machte er von 1933 bis 1935 eine Lehre als Bühnenmaler in Dresden am Stadttheater; seine Schauspielausbildung erfuhr er bei Erich Ponto*) (1884 – 1957) in Dresden und später bei Paul Günther (1887 – 1962) in Berlin.
Gert Fröbe 01 1937 erhielt er sein erstes Engagement als Schauspieler und Operettenbuffo an den Städtischen Bühnen Wuppertal; unter Kurt Meißner spielte er im gleichen Jahr am Frankfurter Schauspielhaus, ab 1939 war er fest am Frankfurter Opernhaus und Schauspielhaus engagiert. 1940 verschlug es Fröbe ans Wiener Volkstheater, sein Engagement mit dem Burgtheater für das Jahr 1944 wurde jedoch durch den "totalen Krieg" nichtig. In Lazaretten, Wirtshäusern und auf provisorischen Bühnen deklamierte er Morgenstern und Schiller. 1947 stand er gemeinsam mit Karl Valentin im Münchner "Simpl"; dort und auch an an anderen Kabarett-Bühnen, trat er als Jongleur, Pantomimiker sowie mit Rezitationen unter anderem von Kästner und Morgenstern, auf.
Weitere Auftritte folgten im Frankfurter Großkabarett "Skala", in verschiedenen Münchner Nachtclubs und der Hamburger "Bonbonniere". 1950 glänzte er als Stargast in Günter Neumann's Programm "Schwarzer Markt" im Frankfurter Komödienhaus, mit diesem Programm ging er anschließend auf Deutschlandtour.
 
  
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt. 
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
Bundesweit bekannt wurde Fröbe dann 1948 in der Filmsatire "Berliner Ballade"1) von R. A. Stemmle; dort wurde er als spindeldürrer "Otto Normalverbraucher" zum Synonym des Deutschen und mit der Zunahme seines Körperumfangs symbolisiert Fröbe bald das Wirtschaftswunder.
Da Fröbe zunächst nur wenige Filmangebote mit kleineren Nebenrollen bekam, arbeitete er eine Zeit lang beim Varieté und Zirkus, spielte dann häufig bei Viktor Tourjanski und Paul Hoeven. Die Unfähigkeit des deutschen Nachkriegsfilms, ihn seinem Typ entsprechend einzusetzen, begründete Fröbes internationale Filmkarriere. Bei Orson Welles spielte Fröbe 1954 den Detektiven Eduard Linkers in "Herr Satan persönlich"2) (Mr. Arkadin), neben Joseph Cotten und Eva Bartok den schwedischen Koch Olaf in John Brahms' Komödie "Vom Himmel gefallen" (1955), den Hermann aus Dresden in Yves Ciampis "Die Helden sind müde"1) (1955, Les héros sont fatigués) an der Seite von Yves Montand und in "Taifun über Nagasaki" (1957, Typhon sur Nagasaki) sah man ihn mit Danielle Darrieux und Jean Marais, ebenfalls von Yves Ciampi in Szene gesetzt. 1957 agierte Fröbe in Jules Dassins "Der Mann, der sterben muss" (Celui qui doit mourir) und Henri Decoins "Kavaliere" (Charmants garçons), ein Jahr später in Giles Grangiers "Polizeiaktion Dynamit" (Échec au porteur).

Inzwischen hatte man ihm auch im deutschen Film mehr Beachtung geschenkt und gab ihm prägnante Chargenrollen. Unter den über einhundert Filmen gibt es ein paar herausragende Produktionen und Rollen für den vielseitigen Schauspieler: In Helmut Käutners "Ein Mädchen aus Flandern"1) (1955) mit Nicole Berger und Maximilian Schell mimte er den bornierten deutschen Rittmeister Kupfer im besetzten Flandern. In Josef von Bàkys schöner Friedrich-Forster-Verfilmung "Robinson soll nicht sterben"1) (1957) spielte er neben Romy Schneider und Horst Buchholz den Menschenschinder Mr. Gillis; 1958 war "Grabenplatz 17" von Erich Engels ein ansehnlich spannender Krimi mit Fröbe als Titu Goritsch. Die Rolle des unglückseligen Kindermörders Schrott in Ladislav Vajdas "Es geschah am helllichten Tag"1) und der Wirtschaftswunder-Manager Generaldirektor Bruster in Rolf Thieles Nitribitt-Film "Das Mädchen Rosemarie"1) waren 1958 die beiden interessantesten Filmrollen – und zugleich die besten deutschen Filme des Jahres.
Günther Groll, einer der prominentesten Kritiker der 50er/60er Jahre schrieb damals in der Süddeutschen Zeitung über Fröbe: "Seine Skala reicht vom Pantomimiker bis zum schweren Helden, er hat verspielte, gewichtige, vitale und morbide, komödiantisch-temperamentvolle und gehalten dezente Rollen mit reicher Bravour und Intensität gestaltet."

Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt. 
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Gert Fröbe 02
Als Fritz Lang 1960 sein Mabuse-Remake "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse"1) drehte, besetzte er Fröbe als Kommissar Kras. Zwar war Paul Mays "Via Mala"1) (1961) nach John Knittels Roman kein besonders guter Film, doch Fröbe als volltrunkener Sägewerkbesitzer Jonas Lauretz ist eine wunderbare Charakterrolle. Wolfgang Staudtes Brecht-Verfilmung der "Dreigroschenoper"1) (1962) mit Curd Jürgens als Mackie Messer und Fröbe als Jonathan Jeremiah Peachum wurde zwar von einer Reihe Kritiker verrissen, doch Fröbes Jeremiah Peachum zählt zu seinen besten schauspielerischen Leistungen. Schließlich war er als preußischer Oberst von Holstein in Ken Annakins "Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten"1) (1965, Those Magnificent Men in Their Flying Machines), wie auch als kinderhassender Schurke Baron Bomburst in Ken Hughes' Fantasy-Streifen "Tschitti Tschitti Bäng Bäng"1) (1968, Chitty Chitty Bang Bang) in herzerfrischenden Rollen zu sehen. 
Der grüne Bogenschütze; Copyright Einhorn-Film Ein Highlight in seiner Filmkarriere wurde 1964 der grinsende Bösewicht Auric Goldfinger in dem James Bond-Film "Goldfinger"1), eine Figur, die ihn zum international beachteten Superstar machte. Dazwischen lagen weitere prägnante Rollen, beispielsweise die Figur des Geldschrankknackers Paul Wittkowski in Axel von Ambessers Krimikomödie "Der Gauner und der liebe Gott"1) (1960), der eitle Amerikaner Abel Bellamy in dem Wallace-Streifen "Der grüne Bogenschütze"1) (1961; siehe auch prisma-online.de) oder der Kommissar Lohmann in "Im Stahlnetz des Dr. Mabuse"1) (1961) und "Das Testament des Dr. Mabuse"1) (1963). In Terence Youngs Agentenfilm "Spion zwischen zwei Fronten"1) (1967, Triple Cross) mit Christopher Plummer in der Hauptrolle mimte er den Oberst Steinhäger, im gleichen Jahr sah man ihn als grimmigen Rasputin in Robert Hosseins "Ich tötete Rasputin (J'ai tué Raspoutine). 
 
Foto mit freundlicher Genehmigung von Einhorn-Film
© Einhorn-Film/Weltlichtspiele Kino GmbH
Weitere internationale Produktionen wie Richard Brooks' Krimikomödie "Der Millionenraub"1) (1971, Dollars), Luchino Viscontis "Ludwig II."1) (1972), Ingmar Bergmanns "Das Schlangenei"1) (1977) oder Terence Youngs "Blutspur"2) (1978, Sidney Sheldon's Bloodline) sind zu nennen, in denen Fröbe prägnante Rollen spielte. Unvergessen bleibt der Charakterschauspieler in der (fast unkenntlichen) Maske des Räuber Hotzenplotz1) in dem gleichnamigen Film (1974) nach dem Kinderbuchbestseller von Otfried Preußler. Als markiger Deichgraf Tede Volkerts glänzte er in Alfred Weidenmanns Neuverfilmung der Theodor Storm-Novelle " Der Schimmelreiter"1) (1978).
 
In den letzten Jahren seines Lebens arbeitete Fröbe auch verstärkt für das Fernsehen. So brillierte er als Schmierentheaterdirektor Emanuel Striese in Rolf von Sydows TV-Fassung von Franz und Paul von Schönthans Komödie "Raub der Sabinerinnen" (1982) oder als sächsischer Kurfürst "August der Starke" in dem gleichnamigen Fernsehspiel aus dem Jahre 1984. Zu einer seiner letzten Arbeiten vor der Kamera zählt die Figur des Vampirjägers und Friedhofswärters Geiermeier in der TV-Serie "Der kleine Vampir"
1) (1986); die Ausstrahlung seiner Gastrolle in der Episode "Hochzeit mit Hindernissen" (1989) aus dem Quotenrenner "Die Schwarzwaldklinik", wo er einen 100-Jährigen mimte, erlebte er nicht mehr.
 
Gert Fröbe und "Schwarzwaldklinik"-Chef Professor Brinkmann alias Klausjürgen Wussow Gert Fröbe und Jane Tilden
Gert Fröbe und "Schwarzwaldklinik"-Chef Professor Brinkmann
alias Klausjürgen Wussow
© Virginia Shue
Gert Fröbe und Jane Tilden
© Virginia Shue

Gert Fröbe war einer der ganz wenigen Charakterdarsteller, die es zu internationaler Popularität gebracht haben. Seine Erfolgsbilanz umfasste das Kino ebenso wie Kabarett, Pantomime und Theater. Gert Fröbe selbst sagte einmal zu seiner Schauspielerkarriere: "Ich habe mehr als zwanzig Jahre Theater gespielt. Habe in der Provinz angefangen – was viele Kollegen heute als unwürdig bezeichnen. Es muss eben nicht gleich München oder Berlin sein… Als Schauspieler muss man so was wie eine Persönlichkeit werden. Wenn man auf die Bühne kommt, müssen die Leute sagen – Ah da kommt jemand! – Dazu muss aber in einem etwas gewachsen sein. Und dazu trägt alles bei: die Liebe, die Trauer, der Schmerz, die Hoffnung und auch das Unglücklichsein. Das alles trägt dazu bei, die Persönlichkeit zu formen, von der man eines Tages sagen kann: das war ein vernünftiger Schauspieler. Ich bin glücklich, wenn man mich für einen vernünftigen Schauspieler hält – aber ein Star bin ich nicht."

Gert Fröbe und Marion Kracht

Gert Fröbe und Ida Ehre
Gert Fröbe und Marion Kracht  
© Virginia Shue
Gert Fröbe und Ida Ehre  
© Virginia Shue
  
Gert Fröbe hat in über 125 Filmen gespielt. Er war Komiker, Kindermörder, Gauner und "Goldfinger". 22 Filme produzierte er in englisch und 17 in französisch und einen sogar in japanisch; dafür musste er 52 Sätze in Originalsprache lernen, die er nie mehr vergaß.
1961 erhielt er für "Der Gauner und der liebe Gott" den Schauspielerpreis und im gleichen Jahr den Ernst-Lubitsch Preis, sowie 1978 den Deutschen Filmpreis Honorary Award und 1978 das Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film.
Fröbe zählt zu den ganz wenigen typisch deutschen Schauspieler-Persönlichkeiten, die es zu internationalem Ansehen gebracht haben. Er war sowohl der schwere Charakterkomiker und Bösewicht vom Dienst, das schwammige Ungeheuer und der liebenswerte Großvater. Es steckte ein wenig von Charles Laughton und Michel Simon in ihm, nur blieb er stets in jeder Maske der unverwechselbare Deutsche, dem nichts vom Weltbürger anhaftet. Fröbe "tanzte auf allen Hochzeiten": als Komiker, Killer und Kommissar, er repräsentierte das Bild des typischen Deutschen im Weltkino, schwergewichtig, hässlich, aber auch gutmütig. So schnell wie seine spindeldürre Gestalt an Gewicht zunahm, entwickelte sich das deutsche Wirtschaftswunder: Er war dessen persönlichster Ausdruck. Dabei verwandelte sich der Pantomime in den kaltherzigen Schurken, verstand es, seine Figuren bis zum Wahnhaften zu verfremden. In seiner Mischung aus dämonischem Weichling und ordinärem Kraftprotz verwaltete er das Erbe von Peter Lorre und Emil Jannings. Der Grimasseur und Übermime war ein Komiker von valentineskem Format, er brillierte gleichermaßen als Mabuse, Hotzenplotz oder Rasputin.3)
DVD-Cover: Legenden -  Gert Fröbe; Abbildung DVD-Cover mit freundlicher Genehmigung von "Pidax film"

Seine Erinnerungen veröffentlichte der Schauspieler 1988 unter dem Titel "Auf ein Neues, sagte er … Und dabei fiel ihm das Alte ein. Geschichten aus meinem Leben". 

Nach langer, schwerer Krebserkrankung, die er überwunden hatte, feierte Fröbe im Februar 1988 in Hamburg noch seinen 75. Geburtstag, doch im Herbst desselben Jahres, am 5. September 1988, erlag der große Schauspieler in München den Folgen eines Herzinfarkts; seine letzte Ruhe fand er auf dem Waldfriedhof im oberbayerischen Icking → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
Gert Fröbe war fünf Mal verheiratet: Clara Peters war seine erste Frau, aus der Ehe stammt Sohn Utz. Die Ehe mit Journalistin bzw. Filmkritikerin Hannelore Görts dauerte von 1953 bis 1959. Anschließend ehelichte er die Schauspielerin Tatjana Iwanow1), deren 1945 geborenen Sohn Andreas (aus Iwanows Ehe mit Wilfried Seyferth1)) er adoptierte; Andreas Seyfehrt1) ergriff später den Beruf des Schauspielers. Mit der Hörfunkjournalistin Beate Bach war Fröbe von 1962 bis zu deren Tod im Jahre 1968 verheiratet; Karin Pistorius, eine Freundin von Beate Bach, wurde 1970 seine fünfte Frau, mit der er Tochter Beate adoptierte.
 
In der Reihe "Legenden" sendete die ARD erstmals am 16. August 2010 den von Michael Strauven gedrehten 45-minütigen Dokumentarfilm "Gert Fröbe. Der Mann mit den tausend Gesichtern" → www.daserste.de. Inzwischen ist die SWR-Produktion seit Ende August 2013 auf DVD im Handel erhältlich.
 
 
Abbildung DVD-Cover mit freundlicher Genehmigung von "Pidax film"

Ihm zu Ehren gab die Deutsche Post eine Sondermarke heraus. Zu Fröbes weiteren Auszeichnungen zählen unter anderem 1959 der "Preis der Deutschen Filmkritik", 1965 überreichte man ihm den "Blue Ribbon Award" der amerikanischen Filmindustrie, 1966 und 1967 jeweils einen "Bambi". 1973 wurde der Schauspieler mit dem "Großen Bundesverdienstkreuz" geehrt, 1982 mit dem "Bayerischen Verdienstorden". Seit 1972 war Gert Fröbe Ehrenbürger der französischen Stadt Cognac; erwähnt werden soll auch der "Karl-Valentin-Orden, den Fröbe 1976 erhielt.
 
Foto: Wohlfahrtsmarke "Gert Fröbe" aus der Serie "Deutschsprachige Filmschauspieler" (Ausgabetag 12. Oktober 2000)
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Bundesministeriums der Finanzen sowie der Künstlerin Antonia Graschberger, München (Entwurf)

Wohlfahrtsbriefmarke 2000: Gert Fröbe
*) Kurzportrait innerhalb dieser HP
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) prisma-online.de
3) Quelle: "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 111
Textbausteine des Kurzportraits von www.prisma-online.de
sowie aus "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz
Siehe auch Wikipedia, Dirk Jasper FilmLexikon, www.whoswho.de
  
Filme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, filmportal.de, prisma.de)
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