Filmografie
Jean Marais (Jean Alfred Villain-Marais) wurde am 11. Dezember 1913 als Sohn des Tierarztes Alfred Emmanuel Victor Paul Villain-Marais (1882 – 1959) und dessen Ehefrau Aline Marie Louise (1887 – 1973) in der französischen Hafenstadt Cherbourg1) (heute Teil von Cherbourg-Octeville1), Département Manche1)) geboren. Er durchlebte eine turbulente Kindheit, wurde mehrfach der Schule verwiesen, anfangs von seiner Mutter abgelehnt und später von seinem Vater verstoßen. Jean Marais war erst fünf Jahre alt, als die Eltern sich trennten, gemeinsam mit seinem Bruder Henri (* 19.12.1909) wurde er von seiner Mutter, seiner Tante Joséphine und seiner Großmutter in einem großen Haus in Le Vésinet1) nahe Paris aufgezogen. Kurz vor Jeans Geburt war die 1911 geborene Madeleine verstorben, Mutter Aline betrachtete ihren Sohn im Kindesalter als Ersatz-Tochter und behandelte ihn wie ein kleines Mädchen.
Als Heranwachsender entwickelte er eine tiefe Zuneigung zu seiner Mutter, die er trotz ihrer Strenge verehrte. Schon früh wollte Marais, der zudem eine Leidenschaft für das Zeichnen entwickelte, Schauspieler werden, obwohl er bei seiner Familie für diesen Wunsch keine Unterstützung fand. Nach einer Lehre als Porträtfotograf arbeitete er zunächst als Retuscheur in Paris, die Aufnahmeprüfung am Konservatorium – er wollte bildende Kunst studieren – schaffte er nicht. 1936 besuchte er die Schauspielkurse von Charles Dullin1) und erhielt erste kleinere Bühnenrollen an dessen Pariser "Théâtre de l'Atelier"1). Zwischen 1933 und 1936 arbeitete er mit Regisseur Marcel L'Herbier1) zusammen, der ihm winzige Aufgaben in seinen Filmen verschaffte, der große Durchbruch als Leinwanddarsteller gelang Marais jedoch zunächst nicht.
1937 wurde der legendäre französische Dichter Jean Cocteau1) (1889 – 1963) auf den attraktiven jungen Schauspieler aufmerksam und gab ihm Hauptrollen in seinen Theaterstücken. Die Freundschaft und Liebe zwischen dem knapp 25 Jahre älteren Dichter und seinem Mimen währte ein Vierteljahrhundert bis Jean Cocteau am 11. Oktober 1963 starb. Jean Marais verwand den Tod seines Freundes nie so recht, seine Beziehung zu Jean Cocteau ("Seit er tot ist, tue ich nur noch so, als ob ich lebe") schilderte er in seiner Autobiographie "Spiegel meiner Erinnerung", die 1982 auch in deutscher Sprache erschien.

Marais in der Garderobe während der Pressekonferenz
im Hamburger "Thalia Theater"1) zum Stück "Cocteau-Marais"
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin
Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt. 
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Jean Marais 01; Copyright Virginia Shue
Marais' Bühnenlaufbahn wurde während des 2. Weltkrieges zeitweilig unterbrochen, 1939/40 leistete er seinen Militärdienst ab, anschließend setzte er bis 1942 seine Theaterarbeit im von den Deutschen okkupierten Frankreich fort; bis Ende 1943 diente er zudem als Soldat bei der US-amerikanischen Armee. Der Durchbruch zum gefeierten Filmstar gelang Marais mit der Rolle des Minen-Arbeiters Daniel, Verlobter von Denise (Élina Labourdette1)), in der von Jacques de Baroncelli1) nach dem Theaterstück von Steve Passeur1) gedrehten Tragikomödie "Le pavillon brûle" (1941), vor allem aber als der junge Patrice und Partner von Madeleine Sologne1) in dem Spielfilm "L'éternel retour"1) (1943, "Der ewige Bann"), der unter der Regie von Jean Delannoy1) nach einem Drehbuch von Jean Cocteau entstand, basierend auf dem Mythos von Tristan und Isolde1). Marais erlangte nun nicht nur in seiner Heimat Frankreich sondern auch international Bekanntheitsgrad, avancierte zu einem der umjubelten Schauspieler jener Ära. Trotz seiner Homosexualität bzw. Beziehung mit Cocteau war Marais kurzzeitig zwischen 1944 und 1946 mit seiner Kollegin Mila  Parély1) (1917 – 2012) verheiratet.
Während des Krieges stand Marais für den von Christian-Jaque1) in Szene gesetzten Krimi "Voyage sans espoir"2) (1943, "Reise ohne Hoffnung") vor der Kamera und zeigte sich als der sich auf der Flucht befindende Bankangestellte Alain Ginestier, der Geld unterschlagen hat, auch bei der Adaption "Carmen"2) (1944) nach der gleichnamigen Oper1) von Georges Bizet1), basierend auf der gleichnamigen Novelle1) von Prosper Mérimée1) führte Christian-Jaques wieder Regie, Viviane Romance gab die Carmen, Marais den Don José.
  
Nach Kriegsende übernahm der attraktive Franzose Hauptrollen in allen poetischen Klassikern Cocteaus der 1940er Jahre, so trat er in dem nach dem Märchen "Die Schöne und das Biest"1) von Jeanne-Marie Leprince de Beaumont1) realisierten, berühmten Spielfilm "La Belle et la bête"1) (1946, "Es war einmal") der Herumtreiber und Spieler Avenant, die Bestie und der Prinz in Erscheinung, Josette Day1) sah man als Bella, jüngste Tochter des armen Kaufmanns (Marcel André; 1885–1974) und auch Mila Parély gehörte als Félicie, eine der beiden hochnäsigen Schwestern der "Schönen", zur Besetzung.
Nach seinem gleichnamigen Theaterstück drehte Cocteau das Drama "L'aigle à deux têtes"1) (1948, "Der Doppeladler") mit Marais als der Anarchist Stanislas und Edwige Feuillère1) als die Königin, ebenfalls auf Cocteaus Werk basierte die Tragikomödie "Les parents terribles"2) (1948, "Die schrecklichen Eltern"), hier war er als als Michel der Sohn von Yvonne (Yvonne de Bray; 1889–1954) und Georges (Marcel André; 1885–1974) sowie Neffe von Yvonnes ledigen Schwester Léonie, genannt "Tante Léo" (Gabrielle Dorziat1)), der in Madeleine (Josette Day1)), der Geliebten seines Vaters, verliebt ist. "Geschliffenes Dialogstück über ein moralisch verwahrlostes Bürgertum, dessen morbides Klima in Cocteaus Filmversion mit sezierendem Blick kritisiert wird. Die Atmosphäre des Films erschließt sich auch über seine Ausstattung und die erhitzten Gesichter der Darsteller, die das Werk zu einem packenden Erlebnis werden lassen." urteilt filmdienst.de. Zu einer von Marais' filmischen Höhepunkten geriet die Titelrolle in "Orphée"1) (1949, "Orpheus"), basierend auf der antiken Sage von Orpheus1) und Eurydike1) mit einer in die Gegenwart verlegten Handlung und Marie Déa1) als Partnerin. Das schöpferische Potential des Duos Cocteau/Marais brachte Meilensteinen der Filmgeschichte hervor; "Er war mein Hexenmeister und ich sein Zauberlehrling", charakterisierte Jean Marais später die Zusammenarbeit mit seinem Mentor.

Jean Marais in "Orphée" (1949, "Orpheus")
Urheber: Carl Van Vechten1) (1880 – 1964)
Quelle: Wikimedia Commons von der
der "Carl Van Vechten Collection" der "Library of Congress"1)
ID: LC-USZ62-131416; Lizenz: CC BY 2.0; laut der Bibliothek
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der Verwendung dieses Werkes → siehe hier

Jean Marais in "Orphée" (1949, "Orpheus"); Urheber: Carl Van Vechten1) (1880–1964); Quelle: Wikimedia Commons von der der "Carl Van Vechten Collection" der "Library of Congress"; ID: LC-USZ62-131416; Lizenz: CC BY 2.0; laut der Bibliothek gibt es keine bekannten Copyright-Einschränkungen in der Verwendung dieses Werkes
Darüber hinaus machte Marais auf der Leinwand als französische Antwort auf Douglas Fairbanks und Errol Flynn bzw. als draufgängerischer, fechtender Abenteurer sowie Liebhaber in zahlreichen Historienfilmen Furore. So kam er in dem von Pierre Billon1) nach dem Theaterstück "Ruy Blas" von Victor Hugo1) bzw. Script von Jean Cocteau gedrehten Streifen "Ruy Blas" (1948, "Ruy Blas – Der Geliebte der Königin") als Ruy Blas/Don César de Bazan daher, Danielle Darrieux stellte die spanische Königin Maria Anna von Pfalz-Neuburg1) dar. Das Drama "Le secret de Mayerling"2) (1949, "Das Geheimnis von Mayerling") handelte von der tragisch endenden Liebesgeschichte zwischen dem österreichischen Kronprinzen Rudolf1) (Marais) und dessen Geliebten Maria Vetsera1) (Dominique Blanchar; 1927–2018), die sich in der Nacht vom 29. auf den 30. Januar 1889 in Schloss Mayerling1) das Leben nahmen. Allerdings stellte Regisseur Jean Delannoy1) in dieser Verfilmung die These auf, das Paar habe nicht Selbstmord begangen, sondern sei aus staatspolitischen Gründen ermordet worden.
Ganz im Gegensatz zu seinen privaten Präferenzen war Marais im Kinofilm der Liebhaber schöner Frauen schlechthin, der seine Partnerinnen betörte, so als Rémi Marsay die verheiratete Staatsanwalts-Gattin Évelyne (Michèle Morgan) in dem von René Clément1) nach dem Roman "Rendezvous in Paris"1) von Vicki Baum1) realisierten Drama "Le château de verre"1) (1950, "Rendezvous in Paris") oder als der Student, später geschiedene Jérôme die Studentin/Krankenschwester Claudia (Alida Valli1)) in Yves Allégrets1) Streifen "Miracles n'ont lieu qu'une fois"1) (1950, "Einmal nur leuchtet die Liebe"), "die Geschichte einer unglücklichen Liebe, mit dick aufgetragenen Gefühlen inszeniert." vermerkt filmdienst.de.
Einmal nicht um das "schöne Geschlecht" sondern um in seelische Bedrängnis geratene Männer ging es in der italienisch-französischen Co-Produktion "La voce del silenzio"1) (1953, "Männer ohne Tränen"), wo Marais für Georg Wilhelm Pabst1) den früheren Widerstandskämpfer, jetzt Politiker Andrea Sanna darstellte, dass er auch im Krimi zu überzeugen wusste, bewies er unter der Regie von Henri Decoin1) als Inspektor Désiré Marco in "Dortoir des grandes"2) ("1953, "Im Schlafsaal der großen Mädchen"). Heiter ging es dann in der von Marc Allégret1) nach dem Roman von Louise de Vilmorin1)gedrehten Komödie "Julietta"3) (1953) zu, in der sich die junge Titelheldin (Dany Robin1)) in den Anwalt André Landrecourt (Marais) verliebte, obwohl sie doch eigentlich auf Wunsch der Mutter (Denise Grey1)) mit dem älteren Playboy Prinz Hector d'Alpon (Bernard Lancret; 1912–1983) verlobt war; dass Andrés Freundin Rosie Facibey (Jeanne Moreau) Hectors "Verflossene" war, verkomplizierte die Situation. "Die Geschichte ist mit sympathischer Leichtigkeit inszeniert, gut gespielt und reich an ironischen Seitenhieben auf die bessere Pariser Gesellschaft." meint filmdienst.de.
Als Protagonist Edmond Dantès glänzte der athletische Marais in der vielfach, nach dem gleichnamigen Roman1) von Alexandre Dumas d. Ä.1) verfilmten Adaption "Le Comte de Monte-Cristo"4) (1954, "Der Graf von Monte Christo") und musste sich, wie auch in seinen anderen Kostümfilmen, für die spektakulären Stunts nicht doubeln lassen. Hatte er in dem von Sacha Guitry1) groß angelegten Historien-Epos "Si Versailles m'était conté1) (1854, "Versailles – Könige und Frauen"), der Geschichte um das berühmte Schloss Versailles1) von seinen Anfängen bis 1918 bzw. den darin stattfindenden Liebschaften, dem König Ludwig XV.1) Kontur verliehen, gehörte er in dem monumentalen, Star-besetzten Biopic "Napoléon"1) (1955, "Napoleon") ebenfalls Besetzung, das Guitry nach eigenem Drehbuch und mit sich in der Rolle des Staatsministers Talleyrand1) sowie Daniel Gélin als der junge Napoleon Bonaparte1) und Raymond Pellegrin1) als der ältere Kaiser Napoleonin Szene setzte, und präsentierte sich als Marquis de Montholon1), Napoleons Generaladjutant. Diese Figur verkörperte er übrigens noch einmal in dem nach einem Roman von André Castelot1) entstandenen Biopic "Napoléon II, l'aiglon" (1961, "Kaiserliche Hoheit") über das kurze Leben des von Bernard Verley1) dargestellten Napoleon Franz Bonaparte1), Herzog von Reichstadt (1811 – 1832), dem einzigen Sohn von Napoleon Bonaparte (Jean-Marc Thibault1)).
  
Im Folgejahr gelangte unter der Regie von Jean Renoir1) das vor dem Hintergrund von Frankreichs Belle Époque1) angesiedelte Drama "Elena et les hommes"1) (1956, "Weiße Margariten") in die Kinos, in dem er den General François Rollan spielte, der durch Graf Henri de Chevincourt (Mel Ferrer) die elegante Generals-Witwe Elena Sokorowska (Ingrid Bergman) kennenlernt. Wenig tauchte Marais als der draufgängerische Herzensbrecher Henri La Tour in dem Mantel-und-Degen-Film1) bzw. dem Historien-Abenteuer "La tour, prends garde!"1) (1957, "Des Königs bester Mann") auf, "der für die die schöne Antoinette (Cathia Caro1)), Tochter seines ermordeten Freundes Saint-Sever (Paul-Émile Deiber1)), Kopf und Kragen riskiert und den Lauf der (Film-)Geschichte günstig verändert." so filmdienst.de. Sehr frei nach der gleichnamigen Novelle1) von Fjodor Dostojewski1) entstand von Regisseur Luchino Visconti1) der Liebesfilm "Le notti bianche"1) (1957, "Weiße Nächte"), in dem die von Mario (Marcello Mastroianni) verehrte junge, bezaubernde Natalia (Maria Schell) sehnsüchtig auf ihren Geliebten (Marais) wartete. Auch in dem Kriegs-Drama "Typhon sur Nagasaki" (1957, "Taifun über Nagasaki")  gab er als der in Nagasaki1) lebende französische Ingenieur Pierre Marsa einmal mehr einen Liebhaber, diesmal der Journalistin Françoise Fabre (Danielle Darrieux).  
Das Abenteuer "Le bossu"5) (1959, "Der Gejagte – Ritter der Nacht") nach dem Roman (dt. "Der Bucklige") von Paul Féval1) mit dem Part des Chevalier Henri de Lagardère alias "Le bossu" und Bourvil als dessen treuer Diener Passepoil bildete den Auftakt zu vier von André Hunebelle1) inszenierten, ganz auf Jean Marais zugeschnittenen Mantel-und-Degen-Filmen. Es folgte "Le capitan"6) (1960, "Mein Schwert für den König") nach dem Roman von Michel Zévaco1) als der Edelmann "Le Capitan" François de Capestan sowie erneut mit Bourvil als der getreue Gefolgsmann Cogolin, und "Le miracle des loups"1) (1961, "Im Zeichen der Lilie") nach dem Roman von Henry Dupuy-Mazuel (1885 – 1962) als Paladin1) Robert de Neuville, der im 15. Jahrhundert unter dem französischen König Ludwig XI.1) (Jean-Louis Barrault1)) dient und für dessen bildschönes Patenkind Jeanne de Beauvais (Rosanna Schiaffino1)) schwärmt, die jedoch von Ludwig mit dem intriganten Karl dem Kühnen1) (Roger Hanin1)) vermählt werden soll → fernsehserien.de. In "Le mystères de Paris"5) (1962, "Der Graf mit der eisernen Faust") nach dem Roman "Les mystères de Paris"1) von Eugène Sue1) zog er als eleganter Graf Rodolphe de Sambreuil, Geliebter von Irène (Dany Robin1)), wieder alle Register seines schauspielerischen Könnens als verwegener Held. Mit "Le capitaine Fracasse"5) (1961, "Fracass, der freche Kavalier") kam die von Pierre Gaspard-Huit1) gedrehte Verfilmung des Romans "Captain Fracasse"1) von Théophile Gautier1) in die Lichtspielhäuser, in der Marais als der verarmte Edelmann Baron Philippe de Sigognac, alias "Le Capitaine Fracasse" glänzen konnte, der sich in die schöne Komödiantin Isabelle (Geneviève Grad1)) verliebte.
Jean Marais Mitte 1965 bei der Ankunft auf dem Flughafen Amsterdam Schiphol; Rechteinhaber: Nationaal Archief (Den Haag, Rijksfotoarchief; Bestandsnummer: 917-6465); Urheber/Fotograf: Jack de Nijs / Anefo;; Quelle: Wikimedia Commons; Ausschnitt des Originalfotos); Lizenz:  CC BY-SA 3.0 NL bzw. CC0 1.0 (Verzicht auf das Copyright) In den 1960er Jahren zeigte sich Marais unter anderem in dem von Abel Gance1) mit Pierre Mondy1) als Kaiser Napoléon Bonaparte1) gedrehten, prominent besetzten Monumentalfilm "Austerlitz"1) (1960, "Austerlitz – Glanz einer Kaiserkrone") als der Offizier, Mathematiker und Politiker Lazare Nicolas Marguerite Carnot1), als Gemahl der Prinzessin von Clève (Marina Vlady) in dem Melodram "Princesse de Clèves"1) (1961, "Die Prinzesin von Cleve"), in Szene gesetzt von Jean Delannoy1) nach dem Roman "La princesse de Clèves"1) von Marie-Madeleine de La Fayette1) bzw. dem Drehbuch von Jean Cocteau1) oder in dem Abenteuer "Il ratto delle sabine"1) (1961, "Der Raub der Sabinerinnen"), basierend auf der Legende vom Raub der Sabinerinnen durch die Römer1) mit Roger Moore als Romulus1), Bruder des ermordeten Remus, als Kriegsgott Mars1), der Sage nach Vater von Romulus und Remus. Als den legendären Musketier d'Artagnan1) konnte man ihn neben Jean-François Poron1) (Henri/Ludwig XIV.1)) in "Le masque de fer"2) (1962, "Die eiserne Maske") nach dem Roman "Le Vicomte de Bragelonne ou L’homme au masque de fer" von Alexandre Dumas d. Ä.1) über den "Mann mit der eisernen Maske"1) bewundern.
 
Jean Marais Mitte 1965 bei der Ankunft auf
dem Flughafen Amsterdam Schiphol1)
Rechteinhaber: Nationaal Archief (Den Haag, Rijksfotoarchief;
Bestandsnummer: 917-6465); Urheber/Fotograf: Jack de Nijs1) / Anefo;
Quelle: Wikimedia Commons; Ausschnitt des Originalfotos)
Lizenz:  CC BY-SA 3.0 NL bzw. CC0 1.0 (Verzicht auf das Copyright)
In dem Sandalenfilm1) bzw. der Bibel-Verfilmung "Ponzio Pilato"1) (1962) mit dem deutschen Titel "Pontius Pilatus – Statthalter des Grauens" präsentierte er sich dem Publikum mit dem für ihn eher untypischen Part des römischen Statthalters Pontius Pilatus, Gemahl von Claudia Procula1) (Jeanne Crain1)); unter anderem sah man John Drew Barrymore1) in der Doppelrolle des Verräters Judas Ischariot1) und Jesus von Nazaret1).Sein komödiantisches Talent lebte Marais in den drei "Fantômas"-Filmen aus, gedreht von André Hunebelle nach Motiven aus den gleichnamigen Romanen1) der französischen Autoren Pierre Souvestre1) und Marcel Allain1).  Der erste Streifen "Fantômas"1) gelangte 1964 in die Kinos, auf Grund des riesigen Erfolgs kam es mit "Fantômas se déchaîne"1) (1965, "Fantômas gegen Interpol") zu einer Fortsetzung, dem "Fantômas contre Scotland Yard"1) (1967, "Fantômas bedroht die Welt") folgte. In allen drei Teilen, in denen Marais in die verschiedensten Masken schlüpfte, fand der berüchtigte Verbrecher Fantomas in dem hektischen Kommissar Juve (Louis de Funès) einen hartnäckigen Gegner, der den Produktionen eine humorvolle Note verlieh. 
  
"Pulverfass und Diamanten"5) / "Le gentleman de Cocody" (1964, Regie: Christian-Jaque); Abbildung DVD Cover mit freundlicher Genehmigung von Pidax Film, welche das Abenteuer Ende August 2017 auf DVD herausbrachte. "Pulverfass und Diamanten"5) / "Le gentleman de Cocody" (1964, Regie: Christian-Jaque); Szenenfoto mit Jean Marais als der französische Diplomat Jean-Luc Hervé de la Tommeraye; mit freundlicher Genehmigung von Pidax Film, welche das Abenteuer Ende August 2017 auf DVD herausbrachte.
"Pulverfass und Diamanten"5) / "Le gentleman de Cocody" (1964, Regie: Christian-Jaque)
Abbildung DVD Cover sowie Szenenfoto mit Jean Marais als der französische Diplomat
Jean-Luc Hervé de la Tommeraye, der unversehens in den Krieg zweier rivalisierender
Gangsterbanden hineingezogen wird, als er einer hübschen Pariserin,
genannt "Baby" (Liselotte Pulver), nachstellt.
Mit freundlicher Genehmigung von Pidax Film, welche das Abenteuer Ende August 2017 auf DVD herausbrachte.

Marais trat unter anderem in dem von Christian-Jaque1) nach einem Roman von Leslie Charteris1) gedrehten, amüsanten Krimi "Le saint prend l'affût"1) (1966, "Der Lord mit der MP") als Protagonist Simon Templar1), genannt "Der Heilige", auf, spielte in dem Historien-Abenteuer "Sept hommes et une garce"6) (1966, "Sieben Männer und eine Frau") als Offizier Dorgeval den Freund von Hauptmann Duprat (Sydney Chaplin), die sich beide in die kapriziöse Comtesse Carlotta (Marilú Tolo1) verlieben. In dem Krimi "Le paria"2) (1969, "Paria") war er dann der Bandit Manuel Thomas genannt "Manu", der, von einer Gangsterbande und der Polizei verfolgt, Zuflucht in einem Haus in den Bergen bei der Witwe eines Schmugglers Lucia (Marie-José Nat1)) findet, die dort mit ihrem kleinen Sohn José (Eric Donat) lebt.
Ab Ende der 1960er Jahre zog sich das Multitalent Marais weitgehend vom Filmgeschäft zurück und stand nur noch selten vor der Kamera. Erwähnenswert ist der von Jacques Demy1) nach dem gleichnamigen Märchen1) von Charles Perrault1) in Szene gesetzte Film "
Peau d'âne"1) (1970, "Eselshaut"), in dem er als der König in Erscheinung trat, Catherine Deneuve gab dessen (verstorbene) Gemahlin sowie deren Tochter, die Prinzessin, bzw. die mit einer Eselshaut verkleidete Magd, Jacques Perrin den Prinzen. "Eine einfallsreiche, poetische und zuweilen ironische distanzierende Märchenverfilmung mit vielen anachronistischen Brechungen, deren Leichtigkeit zwar auch Kinder anspricht, deren ernster Sinngehalt sich jedoch an ein erwachsenes Publikum wendet." vermerkt filmdienst.de.

Abbildung DVD-Cover "Cagliostro" (erschienen April 2007) mit freundlicher Genehmigung von "Concorde Home Entertainment"; Copyright Concorde Home Entertainment In nachhaltiger Erinnerung bleibt Marais auch mit der Figur des italienischen Abenteurers Alessandro Graf von Cagliostro1) in dem ZDF-Dreiteiler "Cagliostro" (1973/74) nach dem Roman "Joseph Balsamo"1) aus dem Zyklus "Mémoires d’un médicin" (dt. "Memoiren eines Arztes"1)) von Alexandre Dumas d. Ä.1). Einmal mehr unter der Regie von André Hunebelle1) standen überwiegend französische Schauspieler/-innen auf der Besetzungsliste, lediglich Doris Kunstmann und Udo Kier waren von deutscher Seite vertreten. Als Erzähler führte der deutsche Schauspieler und Synchronsprecher Michael Chevalier1) durch die Handlung.
In der Roman-Verfilmung "Lien de parenté"7) (1986, "Familienbande") beeindruckte er als der irgendwo in Südfrankreich lebende, exzentrische, eigenbrötlerische Bauer Victor Blaise, der plötzlich erfährt, dass er einen dunkelhäutigen Enkel Clément (Serge Ubrette) hat, in dem abenteuerlichen Kinderfilm "Les enfants du naufrageur"2) (1992, "Ein Fall für die Inselkinder") war er der einstige Widerstandskämpfer Marc-Antoine, ehemals große Liebe der unter mysteriösen Umständen verstorbenen Martha (Jenny Clève1)). Letzte Arbeiten für das Kino waren der von Claude Lelouch1) mit Jean-Paul Belmondo in einer Dreifach-Rolle gedrehte Spielfilm "Les misérables" (1996, "Les misérables du vingtième siècle") nach dem Roman (dt. "Die Elenden"1)) von Victor Hugo1) mit seinem Part des Monseigneur Myriel und unter der Regie von Bernardo Bertolucci1) der Streifen "Io ballo da sola1) (1996, "Stealing Beauty" / "Gefühl und Verführung"), in dem er als Monsieur Guillaume zur Besetzung gehörte → Übersicht Filmografie.
 
Abbildung DVD-Cover "Cagliostro" (erschienen Juni 2007)
mit freundlicher Genehmigung von "Concorde Home Entertainment"
© Concorde Home Entertainment
Jean Marais feierte bis ins hohe Alter Erfolge am Theater, zuletzt trat er noch 1997 am "Folies Bergère"1) in dem Stück "L’Arlésienne"1) von Alphonse Daudet1), zu dem Georges Bizet1) ursprünglich die Bühnenmusik komponierte, als der alte Hirte Balthazar an der Seite von Bernadette Lafont1) auf. Im wesentlichen prägte jedoch die Malerei, Töpferei und Bildhauerei seine letzten Lebensjahre. Er verbrachte seine Zeit zuletzt zurückgezogen in seiner Villa in der Töpferstadt Vallauris1) an der Côte d'Azur1). Dort hatte er sich ein Privatmuseum mit den Büsten des Jean Cocteau1) eingerichtet. Er schuf unter anderem das Modell für die Bronzefigur "Le passe-muraille" ("Der Mann, der durch die Wand ging"), die am Montmartre1) in Paris an dem Platz zu sehen ist, der nach Marcel Aymé1), dem Autor der gleichnamigen Novelle, benannt ist. 
Marais war nicht nur als Schauspieler und bildender Künstler erfolgreich, er verfasste literarische Werke und war der Autor eines Balletts. Unter anderem erschienen 1957 seine ersten Erinnerungen mit dem Titel "Mes quatres vérités", 1975 folgten "Histoires de ma vie" ("Geschichte meines Lebens") und schließlich 1978 "Contes de Jean Marais". Darüber hinaus gehörten seine Inszenierungen von Cocteau-Stücken in den 1950er Jahren zu den international erfolgreichsten französischen Regiearbeiten.

Jean Marais anlässlich der "César"1)-Verleihung 1991
Quelle: Wikimedia Commons;
Urheber: Georges Biard;  Lizenz: CC-BY-SA 3.0

Jean Marais bei bei der César-Verleihung 1991; Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons; Urheber: Georges Biard; Lizenz CC-BY-SA 3.0.; Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung 3.0 Unported lizenziert.
Jean Marais starb am 8. November 1998 im Alter von 84 Jahren im "Hôpital des Broussailles" in Cannes1) an den Folgen einer Lungenentzündung; die letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof der Gemeinde Vallauris → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
In den frühen 1960er Jahren adoptierte er den am 31. August 1942 geborenen Serge Ayala, der mit Hilfe von Marais eine kurze Karriere als Sänger und Schauspieler startete; am 2. März 2012 schied Ayala 69-jährig durch Freitod aus dem Leben. 
Die Beliebtheit des Franzosen, der sich in den 1950er/1960er Jahren auf den Höhepunkt seines filmischen Schaffens befand, lässt sich an verschiedenen Preisen ablesen, unter anderem erhielt er in Deutschland drei Mal einen "Bambi"1) (1954, 1955, 1956) in der Kategorie "Schauspieler International", fünf Mal (1948, 1950, 1953, 1958, 1960) war er für diesen Medienpreis nominiert. 1993 würdigte man sein Lebenswerk mit dem "César"1)-Ehrenpreis ("César d’honneur"1)). Drei Mal wurde er mit dem französischen Verdienstorden "Légion d’honneur"1) ("Ehrenlegion") ausgezeichnet, "Chevalier de la Légion d'honneur" (1964), "Officier de la Légion d'honneur" (1983) und "Commandeur de la Légion d'honneur" (1996), ebenfalls 1996 erhielt er dem "Ordre des Arts et des Lettres" (dt. "Orden der Künste und der Literatur") in der Ordensklasse "Commandeur" → Auszeichnungen (Film) bei der "Internet Movie Database".

Siehe auch Wikipedia (deutsch), Wikipedia (englisch), prisma.de
Fotos bei Wikimedia Commons, virtual-history.com, filmstarpostcards.blogspot.com

Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) filmdienst.de, 3)  film.at, 4) prisma.de, 5) wunschliste.de, 6) fernsehserien.de, 7) fernsehenderddr.de
     
Jean Marais im Hamburger "Thalia Theater" mit dem Stück "Cocteau-Marais"
Die Fotos zeigen den Künstler vor dem Plakat und während der Aufführung.
Die Fotos wurden mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt. 
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
Jean Marais COCTEAU 01;  Copyright Virginia Shue Jean Marais COCTEAU 02; Copyright Virginia Shue
Jean Marais COCTEAU 03; Copyright Virginia Shue Jean Marais COCTEAU 04; Copyright Virginia Shue
Jean Marais COCTEAU 05; Copyright Virginia Shue Jean Marais COCTEAU 06; Copyright Virginia Shue
Filme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Fremde Links: Wikipedia, prisma.de (deutscher Titel: R = Regie))
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