Klausjürgen Wussow wurde am 30. April 1929 in Cammin/Pommern als
Sohn eines Lehrers und Kantors geboren. Er besuchte zunächst in Lünen
die Schule, wurde dann in den letzten Kriegstagen von seiner Familie getrennt und als Soldat
einberufen; ab 1946 beendete er die Schulausbildung in Waren/Mecklenburg.
Ursprünglich wollte Wussow Medizin
studieren, aus politischen Gründen war ihm dies in der DDR jedoch nicht möglich.
Da er Gefallen an der Bühne fand, absolvierte er die Schauspielschule des Berliner
"Hebbel-Theaters" Roma Bahn1) (1886 1975) und
Karl Meixner1)
(1903 1976) vermittelten ihm das notwendige Rüstzeug für
seine spätere Karriere. 1947 debütierte
er an der "Volksbühne" in Schwerin und der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Wussow
wurde binnen kurzer Zeit auf den Bühnen von Frankfurt, Köln, Zürich, Düsseldorf und München
heimisch. Das Publikum konnte ihn in zahlreichen Rollen erleben, unter anderem
als Schiller-Interpret mit der Titelfigur in
"Don Carlos" oder als Karl Moor in "Die Räuber".
Sein Filmdebüt gab Wussow 1958 als Oberleutnant Wagner in Werner Klinglers Streifen "Blitzmädels
an die Front" und danach war er kontinuierlich auf der Leinwand zu
sehen. Besonders Ende der 1950er und Anfang der 60er Jahre schwamm er
unter anderem auf der
Welle der Wallace-Streifen mit, zeigte sich als Detektiv Derrick Yale
in "Der Rote Kreis"1) (1960),
als Inspektor James in der "Der Grüne Bogenschütze"1) (1961) und
als geheimnisvoller Mann namens C. G in "Die Tote von Beverly Hills" (1964).
Die Rollen, die er in weiteren Kinoproduktionen mimte, waren
ganz auf überwiegend seichte Unterhaltungsstreifen abgestellt und forderten kaum sein
eigentliches Talent als Schauspieler.
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin
Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
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1964 kam er zur wichtigsten Bühne im deutschsprachigem Raum: Er
wurde an das Wiener "Burgtheater" engagiert und brillierte in vielen
klassischen Rollen, beispielsweise als "Don Carlos",
"Faust", "Mephisto" und "Egmont". 1986 verabschiedete er sich von
der Bühne des Wiener "Burgtheaters" mit der starken Rolle des Horatio
in Shakespeares "Hamlet". Wussow war so erfolgreich und
beliebt, dass er sogar die österreichische Ehrenstaatsbürgerschaft erhielt.
Doch dies war nur der Anfang. Der Ordenregen, der seither auf den Schauspieler
niederging, kann sich sehen lassen, so erhielt er 1985 einen "Bambi"
und eine "Goldene Kamera", 1987 eine "Ehren-Professur" und 1997
das "Bundesverdienstkreuz". Mit dem Theatererfolg
stellten sich dann auch die Fernsehangebote ein, die letztendlich seine Laufbahn bestimmen sollten.
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Klausjürgen Wussow und Ingrid van Bergen
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin
Virginia Shue (Hamburg)
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Als Wussow 1985 die Rolle des Dr. Brinkmann in dem Quotenrenner "Die
Schwarzwaldklinik"1)
annahm, war er damit nicht nur "der" Wegbereiter der Ärzteschwemme
auf allen Fernseh-Kanälen, sondern
gewann auch enorm an Popularität, obgleich er auch schon in den 1970er Jahren mit
Serien wie "Der Kurier der Kaiserin"2) (1970)
und "Sergeant Berry"1) (1974) auf dem
Bildschirm hatte Erfolge feiern können; außerdem hatte er prägnante Figuren in
populären Krimiserien wie "Tatort" und "Derrick" gespielt.
"Die Schwarzwaldklinik", die Mutter aller Arztserien,
startete am 22. Oktober 1985. Klausjürgen Wussow als Professor
Brinkmann wurde zum Prototyp aller TV-Ärzte, die nach ihm kamen.
Er war menschelnd, mit persönlichen Problemen, gütig. 70 Folgen der Erfolgsserie
wurden bis 1989 produziert. Auch international konnte "Die Schwarzwaldklinik" Erfolge verbuchen, die Serie wurde in insgesamt 42 Länder verkauft und gehört damit neben
"Derrick" zu den Bestsellern des ZDF im Ausland. An den Drehorten im Schwarzwald hatte die Serie zudem einen Touristenboom ausgelöst
→ www.schwarzwald-tv-klinik.de.
Nachdem Wussow den Arztkittel in der "Schwarzwaldklinik" an den
Nagel gehängt hatte, zeigte er sich mit Gastauftritten in etlichen
Unterhaltungsserien und Einzelproduktionen, begann dann ab 1996 mit der
ARD-Reihe "Klinik
unter Palmen" als Dr. Frank Hofmann seinen alten
"Arzt-Glamour" wieder aufleben zu lassen. Insgesamt wurden bis 2003
acht Staffeln mit 23 melodramatischen Folgen produziert, in denen Wussow vor
wechselnder exotischer Kulisse wieder als rettender, gütiger Mediziner
seinen Dienst versah. In der Episode "Letzte Liebe" (EA: 10.01.2003) fand er
dann auf Kuba mit der Fotografin Dorothea Ebel, medienwirksam
dargestellt von "Schwarzwald"-Ehefrau Gaby Dohm, ein kurzes, privates neues
Glück und starb den Serientod; Inhalt der einzelnen Folgen bei www.fernsehserien.de. Nach
der Kultserie "Die Schwarzwaldklinik" und der sechsteiligen
deutsch-italienischen SAT.1-Produktion "Auf des Messers Schneide"3) (1993, La scalata)
war dies seine dritte Rolle als umschwärmter "Halbgott in Weiß" gewesen.
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In den Zeiten Dr. Brinkmanns war Wussow seit 1960 in zweiter Ehe mit der
österreichischen Schauspielerin Ida Krottendorf1) (1927 1998) verheiratet; der Ehe entstammen zwei Kinder,
die beide in die Fußstapfen der Eltern getreten sind: Tochter Barbara Wussow1) (geb. 1961) ist
ein viel gefragter TV-Star und auch Sohn Alexander Wussow1) (geb. 1964) gab 1987 im "Erbe
der Guldenburgs" sein Schauspieldebüt. Die langjährige Ehe der Wussows
zerbrach leider und Klausjürgen verließ seine Frau mit 61 Jahren. Nach der Scheidung (1991) von
Ida Krottendorf, die im Sommer 1998 an Krebs starb,
folgten Auseinandersetzungen mit den Kindern Sascha und Barbara,
die medial ausgetragen und von der Yellow-Press entsprechend ausgeschlachtet wurden.
Tochter Konstanze stammt aus Wussows ersten Ehe (1951 bis 1960) mit der Schauspielerin Jolande Franz.
Foto: Klausjürgen Wussow 1993 mit Ehefrau Ida Krottendorf
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin
Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
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1992 fand der Schauspieler ein neues privates Glück, heiratete 1992
in dritter Ehe die 26 Jahre jüngere Journalistin Yvonne Viehöfer1)
(1955 2006), die er bei einem Interview kennen
gelernt hatte; aus der Ehe stammt der 1993 geborene Sohn Benjamin. Aber
auch dieser Ehe war "nichts für die Ewigkeit" und der schmutzige
Scheidungskrieg gab den einschlägigen Gazetten dauerhafte Nahrung;
2003 wurde die Verbindung nach einem mehr als einem Jahr andauernden Rosenkrieg
und mehreren geplatzten Scheidungsterminen endlich per Gerichtsbeschluss
getrennt. Seit geraumer Zeit lebte Wussow mit der Witwe von Boxlegende Bubi Scholz1)
(1930 2000) in
Berlin, 2004 heirate das Paar ohne jeglichen Medienrummel. Wussow hatte zuletzt in einem Interview bedauert,
sein Leben lang von den Frauen ausgenutzt worden zu sein, ohne Sabine Scholz würde er auf der Straße stehen.
Wie die Presse berichtete, lebte der
Schauspieler seit Juli 2006 aufgrund von gesundheitlichen Problemen in einem Pflegeheim in der Nähe von Berlin.
Zuletzt ging durch die Medien, dass sich der Gesundheitszustand des
ehemaligen Stars dramatisch verschlechtert habe. Der 77-Jährige erlitt einen
Herz-Kreislaufkollaps sowie mehrere Schlaganfälle und befand sich auf der Intensivstation.
Am 19. Juni 2007 verlor der beliebte Schauspieler nach längerem
Klinikhausaufenthalt den Kampf gegen seine Krankheit und starb im Alter
von 78 Jahren in Berlin.
Der Gedenkgottesdienst für den beliebten einstigen TV-Liebling fand am 30. Juni 2007
in der überfüllten Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche statt,
Familie, Freunde, Weggefährten und zahlreiche Fans nahmen Abschied von dem
"Sympathieträger der erfolgreichsten deutschen Serie", wie ZDF-Intendant Schächter
die Fernsehlegende würdigte. "Er hat den Zuschauern ein besonderes Stück Menschlichkeit nach Hause
gebracht", mit seiner "charismatischen Souveränität" habe er sich selbst im Fernsehen ein Denkmal
gesetzt, sagte er unter anderem weiter. Fernsehpfarrer Jürgen Fliege hielt
eine bewegende Predigt, in der er unter anderem die "väterliche
Ausstrahlung" des Schauspielers hervorhob. Nach der Trauerfeier wurde
Wussow auf dem Friedhof an der Trakehner Allee in Berlin-Charlottenburg
beigesetzt, wo sich auch die Gräber vieler prominenter Kollegen und
berühmter Künstler befinden.
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Bekannt wurde Wussow als romantischer, junger Wilder, dessen
weiche Züge schon von der Erfahrung des Vergeblichen geprägt zu sein schienen.
Melancholisch verklärte, gebrochene Figuren gelangen ihm deshalb am besten.
Im reiferen Alter, mit ergrauten Schläfen, verstärkte sich seine Aura
männlicher Zuverlässigkeit und er machte
eine TV-Blitzkarriere als Chefarzt im blütenreinen Kittel.
Wenn er auch nicht durch seine Leinwandfilme großen Ruhm ernten konnte, so
ist er doch durch seine "Schwarzwaldklinik" zum Mythos einer ganzen
Fernsehgeneration geworden; von den einen heiß geliebt, von den anderen als
sentimentaler Seelenkitsch-Doktor abgetan.5)
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin
Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
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Dass die "Schwarzwald"-Fan-Gemeinde immer noch groß ist, bewies das
Special "Die Schwarzwaldklinik Die nächste
Generation"5), welches das ZDF Ende Februar 2005 ausstrahlte und
damit das 20-jährige Bestehen der erfolgreichsten deutschen Fernsehserie
aller Zeiten feierte. Zwei Jahrzehnte nach den ersten Dreharbeiten für die
legendäre ZDF-Serie sah man Wussow erneut als Professor Brinkmann
auf dem Bildschirm, aus Altersgründen spielte er diesmal jedoch nicht mehr den
Chefarzt. Die melodramatische Geschichte knüpfte an Dr. Benjamin Brinkmann
(Alexander Wussow) an, der in die Fußstapfen seines Vaters getreten ist und
als Assistenzarzt in der Schwarzwaldklinik arbeitet. Auch alle anderen
ehemaligen Stars der legendären Serie waren mit von der Partie, so
Gaby Dohm als Dr. Christa Brinkmann, Sohn Udo alias Sascha Hehn, Eva-Maria Bauer als ehemalige
Oberschwester
Hildegard und Evelyn Hamann als Haushälterin
Carsta Michaelis sowie viele mehr und
selbstverständlich Kausjürgen Wussow als Dr. Brinkmann.
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin
Virginia Shue (Hamburg)
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