Einem breiteren Publikum wurde die Schauspielerin ab
Anfang der 1960er Jahre durch zahlreiche Film- und TV-Rollen bekannt. Für
das Fernsehen übernahm sie viele ihrer Theaterrollen, von Tschechow
über Maupassant bis hin zu Anzengruber. Man sah Erika Pluhar
beispielsweise 1963 als Mascha Schamjarewa in Tschechows "Die Möwe",
1966 brillierte sie als Andromache in "Die Troerinnen" von Jean-Paul Sartre
auf dem Bildschirm und in Shakespeares "Was Ihr wollt" war sie 1968 die Olivia.
Aber auch in dem Tatort-Krimi "Der Richter in Weiß"2)
wirkte sie 1971 als Brigitte Beerenberg mit, in nachhaltiger
Erinnerung ist sie als ebenso liebreizende wie entschlossene Gräfin von
Claudieuse in dem Mehrteiler "Der
Strick um den Hals"3) (1975) geblieben. Danach machte sich dann aber
auf dem Bildschirm rar und wirkte neben ihrer umfangreichen Theaterarbeit vermehrt in Kino-Produktionen mit, wo
sie manches Mal als "Femme Fatale" besetzt wurde.
Ihr Leinwanddebüt gab die Pluhar 1968 als Julia in "Moos auf
Steinen", in den folgenden Jahren sah man sie unter
anderem 1971 als Gloria in Wim Wenders "Die Angst des Tormanns
beim Elfmeter" nach dem Roman von Peter Handke. 1977 agierte
sie als Rachel Fachmin in "Die Brüder" sowie als Nicole
von Beck in "Tod oder Freiheit" neben Mario Adorf,
Gert Fröbe und Peter Sattmann. 1979 übernahm sie die Rolle
der Eva in David Hemmings "Schöner Gigolo, armer Gigolo",
1983 sah man sie in dem Krimi "Liebe ist kein Argument" mit
Günter Lamprecht, Nina Hoger und Heinz Schubert
sowie 1994 als Susanne in "Etwas am Herzen"; ihr Regiedebüt
gab Erika Pluhar 2001 mit dem TV-Film "Marafona – Ein
Film über das Leben", zu dem sie auch das Drehbuch geschrieben sowie die
kleine Rolle einer alten, schweigsame Frau übernommen hatte.
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin
Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
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Nach längerer Leinwandabstinenz stand Erika Pluhar aktuell wieder einmal
als Darstellerin vor der Kamera und ist in dem von Dr. Jo Baier
inszenierten Kinofilm "Das
Ende ist mein Anfang"1) (La fine è il mio
inizio2))
nach dem gleichnamigen Bestseller des
italienischen Journalisten Tiziano Terzani1)
(1938 2004) zu sehen sein. Bruno Ganz verleiht der Figur
des langjährigen Spiegel-Korrespondenten bzw. Autors authentische Züge,
der in der Zeit bis zu seinem Tod seinem Sohn Folco (Elio Germano)
die Geschichte seines Lebens erzählt; Erika Pluhar spielt die
Angela Terzani, Ehefrau von Tiziano Terzani. "Eine außergewöhnliche
Geschichte über die Beziehung zwischen Vater und Sohn, über das
faszinierende Leben des Tiziano Terzani und vor allem über das
Abschiednehmen." kann man bei www.collinafilm.de
lesen; Kinostart war der 7. Oktober 2010.
Anfang der 1970er Jahre startete die dunkelhaarige Schönheit
mit den großen Augen und der klangvollen, warmen Stimme eine zweite Karriere
als Sängerin. Anfangs noch mit Chansons der 30er Jahre und eigenwilligen
Texten ihres damaligen zweiten Ehemannes André Heller, sang sie ab Anfang der
80er Jahre vorwiegend Lieder, die aus der eigenen Feder stammen. Zehn Jahre lang
bildete sie mit dem portugiesischen Pianisten und Komponisten Antonio V. D'Almeida
sowie dem inzwischen verstorbenen Gitarristen Peter Marinoff ein ständiges
Trio; in den letzten Jahren arbeitet sie mit dem österreichischen Gitarristen
Klaus Trabitsch zusammen.
1981 machte sich Erika Pluhar mit einer authentischen Auswahl aus ihren Tagebüchern
unter dem Titel "Aus Tagebüchern" auch als Schriftstellerin einen
Namen. Ihren ersten Roman veröffentlichte die vielseitige Künstlerin Ende
der 80er Jahre unter dem Titel "Als gehörte eins zum andern. Eine
Geschichte", ihr Werk "Die Wahl" erschien im
Frühjahr 2003.
Dazwischen liegen so erfolgreiche Bücher wie "Zwischen die Horizonte geschrieben" (1992) mit
Liedern, Lyrik und Prosa, der Roman "Verzeihen Sie, ist das hier schon die Endstation?" (2001),
"Der Fisch lernt fliegen. Unterwegs durch die Jahre" (2002),
letzteres mit Aufsätzen, Briefen, Reden und politischen Kommentaren der
Künstlerin, das thematisch an die beiden autobiografischen Werke "Marisa. Rückblenden auf eine
Freundschaft" (1996) entstanden nach dem Tod der Freundin Marisa Mell
im Jahre 1992 sowie "Am Ende des Gartens. Erinnerungen an eine
Jugend" (1997) anschloss; im Frühjahr 1999 veröffentlichte Erika Pluhar
den Roman "Matildas Erfindungen". In "Verzeihen Sie, ist das
hier schon die Endstation?" (2001) verarbeitete sie u.a. den Tod ihrer
1999 gestorbenen Tochter Anna aus ihrer ersten Ehe mit Udo Proksch. 2003 erschien
"Die Wahl" ein Roman über eine ehemalige Schauspielerin,
die von den Sozialdemokraten gebeten wird, für das Amt des Bundespräsidenten
zu kandidieren, ein Jahr später "Die stille Zeit: Geschichten und
Gedanken nicht nur zu Weihnachten" sowie 2005 der Roman "Reich der
Verluste"; zuletzt erschienen die Bücher "Paarweise" (2007),
"Er" (2008), "Mehr denn je. Alle Lieder" (2009)
und "Spätes Tagebuch" (2010).
Nach zwei gescheiterten Ehen und persönlichen Schicksalsschlägen lebt die Wiener Künstlerin
mit Enkel Ignaz heute in ihrem zweihundert Jahre
alten Wohnhaus im Wiener Stadtteil Grinzing. Die 1962 geborene Tochter Anna, mit der sie in den
letzten Jahren zusammenlebte und die Anfang Oktober 1999 mit nur 37 Jahren an einem
Asthmaanfall verstarb, stammte aus der Verbindung mit dem zwielichtigen Designer
Udo Proksch1)
(1934 2001), der 1992 wegen sechsfachen Mordes und Mordversuchs zu lebenslänglicher Haft verurteilt
wurde; die 1970 geschlossene Ehe mit dem exzentrischen André Heller1)
hielt (auf dem Papier) nur bis 1984, seit Mitte der 1970er Jahre war ihre Beziehung mit dem Schauspieler
Peter Vogel3)
(1937 1978),
der mit Schauspielerkollegin Gertraud Jesserer3) verheiratet war und der sich 1978
das Leben nahm, durch die einschlägigen Gazetten gegangen. Der
Schauspieler Ignaz Pluhar, Adoptiv-Enkelsohn von Erika Pluhar, hat
afrikanische Wurzeln, seine Vorfahren stammen aus Westsahara. Er kam als Findelkind in das Haus von Erika Pluhar und wurde dort von deren Tochter Anna Proksch
aufgezogen; mehr bei ignazpluhar.com.
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Am 28. Februar 2004 feierte das Multitalent Erika Pluhar ihren 65. Geburtstag.
Aus diesem Anlass erschien im Verlag Hoffmann & Campe "Erika
Pluhar. Ein
Bilderbuch" mit Fotos aus über drei Jahrzehnten, aufgenommen von den drei
befreundete Fotografinnen Christine de Grancy, Alisa Douer und Evelin Frerk,
unveröffentlichten Tagebuch-Passagen und seit Jahren vergriffenen Texten.
Verschiedenste Auszeichnungen belegen die künstlerische Präsenz der
Erika Pluhar, 1979 überreichte man ihr die
"Josef-Kainz-Medaille"1) der Stadt Wien,
die "Robert-Musil-Medaille" der Stadt Klagenfurt und des "Robert-Musil-Archivs"
ist eine weitere Ehrung, die sie 1984 entgegen nehmen konnte. 1986 wurde
ihr der Titel "Kammerschauspielerin" verliehen, 2000 erhielt
sie die "Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold"1). 2007 folgte der "Billy Wilder Award"
und 2009 der "Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für
Toleranz in Denken und Handeln"1).
Foto: Erika Pluhar anlässlich der Lesereihe "Rund um die
Burg" (2009 neben dem "Burgtheater" in Wien)
Quelle: Wikipedia
bzw. Wikimedia Commons;
Urheber: Manfred Werner Tsui; Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Lizenz zur Veröffentlichung siehe hier
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Wenige Tage vor ihrem 70. Geburtstag stand die Schauspielerin, Sängerin
und Autorin auf der Bühne, gemeinsam mit ihrem Freund, dem Kabarettisten
und Autor Werner Schneyder, präsentierte sie am 22. Februar 2009 im
Wiener Akademietheater das Zwei-Personen-Stück mit dem Titel "Verzeihen Sie, ist das hier schon die Endstation?",
das Schneyder nach Pluhars gleichnamigen Buch dramatisiert hatte. Seit
zehn Jahren hatte die Künstlerin nicht mehr auf der Bühne des
Burgtheaters gestanden. Die zarte Liebesgeschichte zweier reifer Menschen wirkt
elegisch, sie handelt von früheren Verletzungen und lässt auf spätes Glück
hoffen. (
) In leichtem Parlando erzählen sich die zwei von Liebe
und Leidenschaft, Glück und Unglück vor allem aber von Entfremdung und
Verletzung. Ein romantischer Stoff also, im Plauderton, vorgetragen. Man kann in hundert
Minuten ein Näherkommen beobachten, mit zarten Zwischentönen. Zum Erlebnis wird die
Aufführung durch die unnachahmliche Stimme Pluhars, ihrer starken Präsenz,
die Schneyder durch ironische Larmoyanz kontrastreich ergänzt.
(Quelle: ("Die Presse", Print-Ausgabe vom 24.02.2009)
Der runde Geburtstag der populären Allrounderin mit der unverwechselbaren
Stimme und dem wechselvollen Leben wurde am 10. März 2009 mit einer
Gala-Veranstaltung im Wiener Brucknerhaus gefeiert, ab 25. April 2009
konnte man
sich auf ihr neues Musikprogramm "Es war einmal" mit Klaus Trabitsch
freuen. "Seit ich quasi in Rente gegangen bin nach vier Jahrzehnten Burgtheater, arbeite ich noch heftiger als je
zuvor" sagte die Pluhar jüngst in einem Interview.
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Große Erfolge feierte Erika Pluhar seit 1982 in dem von Margarethe Krajanek nach Simone de Beauvoir
realisierten szenischen Monolog "Eine gebrochene Frau".
Die Fotos (1990, Hamburger Kammerspiele) wurden mir
freundlicherweise von der Fotografin
Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt. Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
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