Heinrich Schweiger wurde am 23. Juli 1931 in Wien geboren und wuchs auch dort auf. Gleich nach der Schule ließ er sich am renommierten "Max-Reinhardt-Seminar"1) zum Schauspieler ausbilden, anschließend erhielt er 1948 am Wiener "Burgtheater" einen Vertrag als Eleve. Am 21. September 1949 hatte dort in "Der Hauptmann von Köpenick" seinen ersten Auftritt, gehörte bis 1956 zum Ensemble. Dann wechselte er zur Spielzeit 1956/57 an das "Bayerische Staatsschauspiel", dem er mit einer kurzen Unterbrechung – von 1957 bis 1959 spielte er unter Karl Heinz Stroux am "Düsseldorfer Schauspielhaus" – wieder bis 1961 angehörte; danach kehrte er an das Burgtheater zurück. Seither gehörte er dort zu den prägnanten Charakterdarstellern. Darüber hinaus war Schweiger immer wieder mit Gastspielen an bedeutenden Häusern zu sehen, so beispielsweise in den 1960er Jahren in Berlin an der "Freien Volksbühne" und am "Theater am Kurfürstendamm", zur Spielzeit 1972/73 war er unter Boy Gobert Mitglied des "Thalia-Theaters" in Hamburg, er unternahm zahlreiche Theatertourneen und machte sich auch als Regisseur einen Namen.
 
Heinrich Schweiger (links) und Hilmar Thate in der legendären Ingmar Bergman-Inszenierung von Molières "Dom Juan", Salzburger Festspiele 1983; Copyright Virginia Shue
Heinrich Schweiger (links) und Hilmar Thate
in der legendären Ingmar Bergman-Inszenierung
von Molières "Dom Juan", Salzburger Festspiele 1983
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt. Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
 
Vor allem am "Burgtheater" entwickelte sich Schweiger zu einer unverzichtbaren Größe, der sowohl mit klassischen als auch modernen Figuren brillierte. Unvergessen bleiben seine Titelrollen in "Othello" und "Richard III." von Shakespeare, als Interpret von Schillers "Don Carlos" und Goethes "Götz von Berlichingen" schrieb er Theatergeschichte. Schweiger glänzte als Dorfrichter Adam in Kleists "Der zerbrochene Krug" ebenso wie als Mephisto in Goethes "Urfaust", feierte bei den Salzburger Festspielen zwölf Jahre lang Triumphe sowohl als "Mammon" und "Teufel" in Hofmannsthals "Jedermann". Seine Bandbreite war enorm, als Puntila in Brechts "Herr Puntila und sein Knecht Matti" wusste er das Publikum ebenso in seinen Bann zu ziehen wie als Alfred P. Doolittle in dem Musical "My Fair Lady".
Vielen Bühnenfiguren verlieh Schweiger mit seinem facettenreichen Spiel eindrucksvolle Bühnenpräsenz, die Liste seiner Theatererfolge ist lang. Stücke von Raimund, Nestroy und Schnitzler gehören dazu, als Brechts "Mackie Messer" konnte man ihn bewundern, als Hassenreuter in Hauptmanns "Die Ratten", als König Heinrich in Anouilhs "Becket oder Die Ehre Gottes" oder als "Cyrano de Bergerac" – um nur einiges zu nennen. Zu recht galt der Charaktermime, der in den letzten Jahren Ehrenmitglied des Burgtheaters war, zu den "ganz Großen in der Theater- und Filmwelt", wie ihn der Österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel anlässlich der Verleihung des Berufstitels "Professor" im Mai 2003 bezeichnete. Er sei stets mit unglaublicher Begeisterung von Publikum und auch von den Kritikern aufgenommen worden, denn niemand spiele seine Rollen so perfekt wie er, betonte Schüssel in seiner Laudatio und verwies auf die Vielzahl der von Schweiger dargestellten Charakteren der Weltliteratur sowie auf seine Zusammenarbeit mit großen Schauspielern und Regisseuren.

Erste Erfahrungen vor der Kamera hatte Schweiger mit der Kinoproduktion "Franz Schubert – Ein Leben in zwei Sätzen"1) (1953) unter der Regie von Walter Kolm-Veltée sammeln können, der ihm gleich die Titelrolle anvertraut hatte. Weitere Kinofilme wie "Das Licht der Liebe" (1954), "Das Schöne Abenteuer" (1959) oder "Elf Jahre und ein Tag" (1963) schlossen sich an. In Harald Reinls Jack London-Adaption "Der Schrei der schwarzen Wölfe"1) (1972) gab er neben Raimund Harmstorf den Sam Jenkins, verschiedentlich stand er mit prägnanten Nebenrollen für Manfred Purzer vor der Kamera, so für "Die Elixiere des Teufels" (1976) und "Der Mann im Schilf" (1978). In Franz Antels "Bockerer"-Filmreihe1) mimte er zwischen 1981 und 2003 vier Mal den Sowjetobersten Novotny.
Doch vor allem im Fernsehen wurde Schweiger nicht zuletzt durch die Ausstrahlung verschiedener Theateraufführungen populär. Er wusste in Mehrteilern wie "Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk" (1972, mit Fritz Muliar) oder "Ringstraßenpalais"1) (1980) zu überzeugen, verschiedentlich agierte er beim "Tatort" oder in der beliebten Krimi-Serie "Kommissar Rex". Zu Schweigers letzten Arbeiten vor der Fernsehkamera zählte die die Episode "Am Scheideweg" aus der TV-Serie "Der Winzerkönig"1) (2006).
Dass Schweiger auch hinter der Kamera erfolgreich war, hat der leidenschaftliche Hobbyfotograf mit dem Fotoband "Bilder eines Schauspielers" bewiesen, den er Mitte der 90er Jahre gemeinsam mit seiner Frau veröffentlichte und mit dem er sich zugleich als kenntnisreicher Theaterchronist empfahl.
 
Heinrich Schweiger starb wenige Tage vor seinem 78. Geburtstag am 14. Juli 2009 in Salzburg an Herz-Kreislaufversagen in Folge einer Gehirnblutung; seine letzte Ruhestätte fand er in einem ihm ehrenhalber gewidmeten Grab im Ehrenhain des Wiener Zentralfriedhofs.
Verschiedene Auszeichnungen belegen die darstellerischen Leistungen des Burgschauspielers. Neben den erwähnten Würdigungen wurde der Kammerschauspieler 1969 mit der "Kainz-Medaille"1) geehrt, er war Träger des "Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst I. Klasse"1) (1986) sowie der "Goldenen Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien" (1987). Das "Goldene Ehrenzeichen des Landes Salzburg für Verdienste um die Salzburger Festspiele" wurde ihm 1987 überreicht, zuletzt konnte er 2008 die "Nestroy-Medaille" entgegennehmen.
Heinrich Schweiger war seit 1983 in dritter Ehe mit der Journalistin und Politikerin Ursula Stenzel1) verheiratet, die seit 2005 das Amt der Bezirksvorsteherin des ersten Wiener Gemeindebezirks inne hat.
 
Link: 1) Wikipedia
Siehe auch Wikipedia; Filmografie bei www.imdb.de und Wikipedia
Um zur Seite der Publikumslieblinge zurückzukehren, bitte dieses Fenster schließen.
Home: www.steffi-line.de