Kurt Meisel wurde am 18. August 1912 als Kurt Franz Joseph Meisel in Wien geboren und stammte aus einer Arbeiterfamilie. Nach dem Besuch des Realgymnasiums seiner Geburtsstadt und der Matura, dem österreichischen Abitur, begann er zunächst ein Jurastudium, entschloss sich dann aber, Schauspieler zu werden. Meisel machte ein Praktikum am Wiener "Volkstheater" bei Rudolf Beer1) (1885 – 1938) und erhielt anschließend 1933 ein erstes Engagement bei Otto Falckenberg1) (1873 – 1947) an den "Münchner Kammerspielen". Sein Bühnendebüt hatte er mit einem kleineren Part in Shakespeares "Wie es Euch gefällt"1) gegeben, ein Jahr später erhielt er in Richard Billingers Komödie "Die stillen Gäste" seine erste Hauptrolle. Eine weitere Verpflichtung führte den Schauspieler Ende 1934 zu Detlef Sierck1) (=Douglas Sirk;1897 – 1987)  nach Leipzig an das "Alte Theater", wo Meisel zwei Jahre lang auf der Bühne stand. 1937 erhielt er ein Engagement an das Berliner "Staatstheater", wo er unter Gustaf Gründgens2) (1899 – 1963) und Jürgen Fehling1) (1885 – 1968) große schauspielerische Leistungen bot, so unter anderem in August von Kotzebues1) Lustspiel "Die beiden Klingsberg" oder in Nestroys Posse mit Gesang "Einen Jux will er sich machen"1).
Szenenfoto mit Kurt Meisel 1952 in "König Richard II." von William Shakespeare am Berliner "Schiller Theater"; Regie: Heinz Hilpert; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0004003_018); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek; Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983); Datierung: 29.01.1952; Quelle: www.deutschefotothek.de Nach Ende des 2. Weltkrieges spielte Kurt Meisel bis Mitte der 1950er Jahre vor allem an Berliner Bühnen, Teilverträge hatte er zwischen 1947 und 1960 mit den "Münchner Kammerspielen", dem Wiener "Burgtheater" und dem Wiener "Theater in der Josefstadt" abgeschlossen. Mit Beginn der Spielzeit 1960 berief man ihn zum Oberspielleiter und Schauspieler an das "Bayerische Staatsschauspiel" in München.
 

Szenenfoto mit Kurt Meisel 1952 in "König Richard II."1)
von William Shakespeare am Berliner "Schiller Theater"
Regie: Heinz Hilpert1)
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0004003_018)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek
Urheber: Abraham Pisarek1) (1901–1983); Datierung: 29.01.1952
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017

Nach einem heftigen Konflikt mit einem Teil der Münchner Theaterkritiker resignierte er Anfang 1964 vorzeitig und ging nach Wien, wo er ab 1966 vier Jahre lang als Oberregisseur und stellvertretender Direktor am "Burgtheater" fungierte; gleichzeitig übernahm er Lehraufträge am "Mozarteum" in Salzburg und an der "Wiener Filmakademie". Im Mai 1970 wurde Meisel als Nachfolger von Helmut Henrichs Intendant des "Bayerischen Staatsschauspiels" und somit Chef des "Residenztheaters", das er von 1972 bis 1983 leitete. Danach war er wieder der "Künstler fürs Publikum", spielte Theater in Wien, Hamburg, Stuttgart, Berlin und filmte in Paris. So feierte er beispielsweise 1987/88 in Hamburg Triumphe in Herb Gardners1) Broadway-Hit "Ich bin nicht Rappaport", war 1989 ein umjubelter George Bernard Shaw1) in "Geliebter Lügner", einem als Bühneversion aufbereitetem Briefwechsel Shaws mit der Schauspielerin Stella Patrick Campbell2). 1990 glänzte er als Großindustrieller Rudolph Herrenstein in Thomas Bernhards "Elisabeth II."1), mit der beeindruckenden Interpretation des alten Ekdal in Ibsens "Die Wildente"1) verabschiedete sich Meisel 1993 von der Bühne.
 
Eine zweite Karriere hatte Meisel als Darsteller in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen gemacht. Bereits 1935 konnte  er sich in dem Bauernlustspiel "Der Ehestreik" mit einer größeren Aufgabe vor der Kamera beweisen, wurde mit seinen folgenden Filmen jedoch oft auf verführerisch-verschlagene Schurken oder wenig sympathisch-affektierte Typen festgelegt. Zu Meisels Filmen der 1930er und 1940er Jahre zählen unter anderem Detlef Siercks Melodram "Schlussakkord"3) (1936) und Erich Waschnecks musikalische Komödie "Die göttliche Jette"1) (1937), in Herbert Maischs musikalischem Historienstreifen "Nanon"3) (1938) mimte er den jungen Charmeur Hector, zeigte sich in Luis Trenkers Drama "Der Feuerteufel"1) (1940) als Erzherzog Johann1). Veit Harlan besetzte Meisel in den NS-Propagandaproduktionen "Der große König"1) (1942), "Die goldene Stadt"1) (1942) und in dem bis heute zu den "Vorbehaltsfilmen"1) zählenden monumentalen "Durchhaltefilm" "Kolberg"1) (1945). 
Seit den späten 1940er und vor allem in den 1950er Jahren führte Meisel auch häufig Regie, so beispielsweise in "Tragödie einer Leidenschaft" (1949), "Das Sonntagskind"1) (1956), "Kriegsgericht"1) (1959) oder "Die Rote Hand"1) (1960).
Als Darsteller erlebte man ihn schon kurz nach Kriegsende mit der eindrucksvollen Interpretation der Titelfigur in der DEFA-Verfilmung von Georg Büchners Dramenfragment "Wozzeck"1) (1947), es folgten Auftritte in verschiedenen weiteren Produktionen, etwa als Herr Grundeis in Robert A. Stemmles Kästner-Adaption "
Emil und die Detektive"1) (1954) oder als Oberkellner Philip Youmac in der Krimikomödie "Gestatten, mein Name ist Cox"1) (1955). Zu Meisels letzten Leinwandauftritten zählen die Rolle des Emirs Feofar in der italienischen Jules Verne-Verfilmung "Der Kurier des Zaren" (1970, Strogoff), der ehemalige SS-Offizier Alfred Oster in dem britisch-deutschen Thriller "Die Akte Odessa" (1974, The Odessa File) sowie seine Rolle des Urkundenfälschers Eisenbeiss in Duccio Tessaris Krimi-Melodram "Bitte lasst die Blumen leben" (1986) nach dem Roman von Johannes Mario Simmel1).
Auch für das Fernsehen übernahm Kurt Meisel seit den 1960er Jahren vermehrt Aufgaben, zeigte sich in verschiedensten TV-Spielen und -Serien, stand auch hier öfter hinter der Kamera.
  
Der "Bayerische Staatsschauspieler", Intendant und Regisseur Kurt Meisel, der seit 1973 Ehrenmitglied des "Bayerischen Staatsschauspiels" war, starb am 4. April 1994 mit 81 Jahren in einer Wiener Klinik an den Folgen eines Schlaganfalls. Er war seit 1953 mit der renommierten Schauspielerin Ursula Lingen2), Tochter des legendären Theo Lingen2) (1903 – 1978), verheiratet und hinterließ einen Sohn Christoph (geb. 1952). Die letzte Ruhe fand er in einem ihm ehrenhalber gewidmeten Grab auf dem Wiener Zentralfriedhof → Foto der Grabstätte bei www.knerger.de. Ursula Lingen starb am 20. Oktober 2014 im Alter von 85 Jahren in Wien und wurde an der Seite ihres Mannes beigesetzt.
Die Auszeichnungen, die der Künstler während seiner langen Karriere erhalten hat, können sich sehen lassen: So überreichte man ihm 1952 den "Berliner Kunstpreis"1), 1975 erhielt Meisel den "Bayerischen Verdienstorden"1), ein Jahr später die "Ludwig-Thoma-Medaille". 1979 wurden seine Leistungen von der Stadt Wien mit der "Ehrenmedaille in Gold"1) gewürdigt. Vom "Verein der Freunde des Bayerischen Staatsschauspiels" wurde zu Ehren des vielseitigen Künstlers 1997 der "Kurt-Meisel-Preis"1) ins Leben gerufen, der jährlich für herausragende künstlerische Leistungen am "Bayerischen Staatsschauspiel" vergeben wird.
Der Nachlass Kurt Meisels wird von der Berliner "Akademie der Künste" verwaltet → Kurt Meisel Archiv
Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch, filmportal.de
Fotos bei www.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3) Murnau Stiftung
  
Filme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database, filmportal.de
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia, filmportal.de, Die Krimihomepage)
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