Günter Lamprecht; Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons; Urheber: Udo Grimberg; Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported lizenziert. Günter Lamprecht wurde am 21. Januar 1930 als Sohn eines Taxifahrers und einer Portierfrau in Berlin geboren. Nach vier Jahren Grundschule verdiente er sich als Kofferträger am Schlesischen Bahnhof sein Taschengeld; später übernahm er Gelegenheitsjobs, trainierte auch als Amateurboxer mit Bubi Scholz und machte schließlich eine Lehre als Orthopädiemechaniker. Kurz vor dem Diplom entschloss er sich 1953 Schauspielunterricht zu nehmen, bestand die Aufnahmeprüfung an der Max-Reinhardt-Schule in Berlin und erlernte dort das Schauspielerhandwerk – unter anderem bei Lucie Höflich – "von der Pike auf". Sein Theaterdebüt gab Lamprecht 1954 am Schillertheater, danach erhielt er zwischen 1955 und 1959 ein festes Engagement in Bochum. Später war er bis 1972 Ensemble-Mitglied an verschiedenen Schauspielhäusern in Deutschland, danach freischaffender Theater- und Filmschauspieler und ab Ende der 1960er Jahre auch in unzähligen Rollen auf dem Bildschirm zu sehen.
Seine erste große Fernsehrolle spielte Lamprecht 1968 an der Seite von Willy Millowitsch in dem Schwank "Der Meisterboxer". In den darauffolgenden Jahren machte er sich dann schnell als Charakterdarsteller einen festen Namen in der deutschen Schauspielerriege, wurde von namhaften Regisseuren mit schwierigen und anspruchsvollen Rollen bedacht. Eindrucksvoll war Lamprechts Interpretation des Alkoholikers Manfred Burger in Peter Beauvais' Fernsehspiel "Rückfälle"1) (1977), für seine Leistung erhielt Lamprecht ein Jahr später eine "Goldene Kamera".
 
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Nach Fernsehproduktionen wie beispielsweise dem Mehrteiler "Die große Flatter"1) (1979), folgte 1980 eine Rolle, die Lamprecht schon zu Lebzeiten unsterblich werden ließ: Unter der Regie von Rainer Werner Fassbinder, der Lamprecht bereits in den TV-Spielen "Welt am Draht"2) (1973) und "Martha"2) (1974) sowie in dem Kinofilm "Die Ehe der Maria Braun"2) (1979) besetzt hatte, verkörperte er in der 14-teiligen TV-Produktion "Berlin Alexanderplatz" nach dem Roman von Alfred Döblin brillant und sehr eindringlich den Protagonisten Franz Biberkopf. Den armen Schlucker im verschwitzten Unterhemd mit der Bierflasche in der Hand spielte Lamprecht so lebensnah wie kaum ein anderer.

 

Foto: © Werner Bethsold*)

Günter Lamprecht 01; Copyright Werner Bethsold
Für die Darstellung des Franz Biberkopf in Fassbinders "Berlin Alexanderplatz" erhielt er den Darstellerpreis der Berliner Filmfestspiele und einen Preis bei der Biennale in Venedig. Anlässlich der Uraufführung in den USA wurde er zusammen mit Barbara Sukowa dorthin eingeladen und frenetisch gefeiert. Während der Synchronarbeiten zu Alexanderplatz soll Fassbinder gesagt haben: "Ich möchte hiermit laut und deutlich betonen: Günter Lamprecht ist kein Fassbinder-Schauspieler. Er ist ein Mann, der alles aus sich selber geschaffen hat." (Quelle: www.deutsches-filmhaus.de)
Günter Lamprecht 02; Copyright Werner Bethsold Wie Lamprecht selbst einmal sagte, wolle er realistische Rollen spielen und dafür erfand er auch Anfang der 1990er Jahre den zerknautschten und unrasierten Kommissar Markowitz für die TV-Tatort-Reihe; diese Figur verkörperte er zwischen 1991 und 1995 insgesamt neun Mal und spielte sich damit in die Herzen der Zuschauer; mehr bei www.tatort-fundus.de
Auch danach trat Lamprecht in verschiedensten TV-Serien und ambitionierten Fernsehspielen mit prägnanten Rollen auf, so etwa in den Thriller "Berlin – Moskau" (1997) und "Glatteis" (1998) oder der Tragikkomödie "Mein Freund Balou" (1998).

Foto: © Werner Bethsold*)
Seine erste Hauptrolle auf der Leinwand spielte Lamprecht 1976 unter der Regie von Erwin Keusch in dessen Handwerkerstudie "Das Brot des Bäckers"2) und gewann damit bei den Filmfestspielen in Berlin einen "Silbernen Bären". Weitere Kinofilme folgten, wie 1979 Xavier Kollers Komödie "Das Gefrorene Herz", in Wolfgang Petersens perfekt inszenierten und preisgekrönten Kriegsfilm "Das Boot"2) (1979) gehörte Lamprecht ebenfalls zur Starbesetzung und war der Kapitän von der "Weser". In Henning Stegmüllers Biopic "Milo Barus, der stärkste Mann der Welt" agierte er 1983 als legendärer Emil Bahr2) (1906 – 1977), der als Kraftsportler berühmt wurde, ein Jahr später sah man Lamprecht in dem Holocaust-Drama "Blutiger Schnee"2) als Hauptmann Kleinschmidt, sowie in den Streifen "Super" und "Is' was, Kanzler". 
1990 glänzte er mit der Figur des André in Urs Odermatts "Der Tod zu Basel"2), in nachhaltiger Erinnerung bleibt Günter Lamprecht mit der Figur des Berliner Revue-Königs Eric Charell in Joseph Vilsmaiers gelungener Künstlerbiografie "Comedian Harmonists"2) (1997), in Urs Eggers Drama "Epsteins Nacht"2) (2002) beeindruckte er an der Seite von Mario Adorf, Otto Tausig und Bruno Ganz als katholischen Priester bzw. als ehemaliger KZ-Lagerkommandant Giesser.
 
 
Das Foto wurde mir freundlicherweise von dem Fotografen Edmond Frederik zur Verfügung gestellt.
© Edmond Frederik
Günter Lamprecht; Copyright Edmond Frederik
Lamprecht macht sich in den letzten Jahren sowohl auf der Leinwand als auch auf dem Bildschirm rar. 2005 sah man ihn auch im Fernsehen als Josef in "Josef und Maria", bereits sechs Mal gingen Claudia Amm und Günter Lamprecht mit Peter Turrinis Stück auf Tournee (siehe auch www.theater.de sowie www.3sat.de). Zuletzt gab Lamprecht in Jörg Bruhns Kurzfilm "Der Fährmeister" (2007) den Herrn Arnold. Nominiert für den Deutschen Kurzfilmpreis 2007, erzählt der Film in eindrucksvollen Bildern die Parabel vom alten Fährmann, der die Seelen der Toten vom Diesseits ins Jenseits bringt. Günter Lamprecht spielt einen alten ungewöhnlichen Leichenbestatter, der mit seinem jungen Kollegen auf einer Landstraße in der nächtlichen Provinz mit dem Leichenwagen unterwegs ist. In der Enge des Leichenwagens philosophieren beide über Leben und Tod, abgeklärt der ältere, in traumatischen Erinnerungen an den Suizid des Vaters befangen der Jüngere. Ruhige Kamerabewegungen und eine brillante Lichtsetzung unterstreichen den meditativen Charakter des Films. (Quelle: www.filmbuero-nds.de)
Günter Lamprecht 03; Copyright Werner Bethsold Der Schauspieler, welcher 2000 für seine Verkörperung des Kommissar Markowitz erneut mit der "Goldenen Kamera" ausgezeichnet wurde, kam im November 1999 in die Schlagzeilen, als er während einer Theatergastspielreise in Bad Reichenhall von einem 16-jährigen Amokschützen auf offener Straße angeschossen und durch zwei Kugeln schwer verletzt wurde. Seine Lebensgefährtin, die Schauspielerin Claudia Amm2), und sein Fahrer erlitten ebenfalls schwere Verwundungen; drei Personen starben, der Attentäter erschoss sich nach seiner schrecklichen Tat.

Foto: © Werner Bethsold*)
Lamprecht, der zwei Mal verheiratet war und heute in der Nähe von Köln lebt, veröffentlichte im Oktober 2002 den ersten Teil seiner Erinnerungen unter dem Titel "Und wehmütig bin ich immer noch. Eine Jugend in Berlin". Er blickt mit diesem Buch auf seine frühe und dramatische Zeit seines Lebens zurück und entpuppt sich dabei als ein erstklassiger Erzähler voller Wehmut und echtem Berliner Humor. Im März 2007 folgte mit "Ein höllisch Ding, das Leben" der lange erwartete zweite Teil seiner Erinnerungen, hier erzählt er nicht nur von seiner einzigartigen Fernseh-, Film- und Theaterkarriere, sondern er lässt auch das bedrückende Deutschland der Nachkriegsjahre wieder auferstehen.
 
Lamprechts tiefe, tragende Stimme ist in verschiedenen Audio-Produktionen zu hören. So liest er beispielsweise den Krimi "Spanisches Blut" sowie "Zierfische. Eine Detektivstory" von Raymond Chandler. Auch seine Autobiografie "Ein höllisch Ding, das Leben" ist als Hörbuch erhältlich – natürlich vorgetragen vom Autor selbst.

Der vielseitige Künstler engagiert sich für verschiedenste soziale und karitative Organisationen und ist ein vehementer Verfechter für den Umweltschutz, engagiert sich nicht nur in seiner Wahlheimat, Schloss Rösberg bei Bornheim, ehrenamtlich. 2001 erhielt er für seine Leistungen den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen, 2006 folgte der Verdienstorden 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland. Bei der Verleihung des Hessischen Filmpreises im Oktober 2007 wurde Lamprecht im Rahmen einer imposanten Gala in der Frankfurter Alten Oper für sein Lebenswerk bzw. für besondere Leistungen im Film- und TV-Bereich mit einem undotierten "Ehrenpreis des Hessischen Ministerpräsidenten" ausgezeichnet. Schauspielerkollege Joachim Król bezeichnete Günter Lamprecht in seiner Laudatio als einen der "größten Schauspieler seiner Zeit". Eine erneute Ehrung für sein Lebenswerk, aber auch für sein Wirken im Rheinland und im Ruhrgebiet, erhielt Lamprecht im September 2010 im Theater Oberhausen mit dem "Großen Kulturpreis 2010" der Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland.
 
Am 21. Januar 2010 beging der Ausnahmeschauspieler seinen 80. Geburtstag, einen Tag später fand im Berliner "Interconti" ein Empfang mit zahlreichen Freunden und Kollegen statt, den Produzentin Regina Ziegler für ihren langjährigen Freund ausgerichtet hatte. Auch wenn es in den letzten Jahren um Günter Lamprecht etwas ruhiger geworden ist, so erfreut er doch nach wie vor sein Publikum im Rahmen von Lesungen aus seinen beiden Autobiografien, so beispielsweise auch am 24. Januar 2010 im Berliner "Schlosspark Theater". Aktuell befindet sich Lamprecht auf einer Lesereise durch verschiedene deutsche Städte, um dem Publikum seine Erinnerungen bzw. den Roman "Stellenweise Glatteis" von Max von der Grün näher zu bringen.
 
Anlässlich des runden Geburtstages des Ausnahmeschauspielers widmete das rbb-Fernsehen bereits am 16. Januar 2010 dem Künstler den Fernsehabend "Günter Lamprecht zum 80." Nach dem Tatort "Tödliche Vergangenheit"3) aus dem Jahre 1991 mit Lamprecht als Ermittler Markowitz folgte das überaus bemerkenswerte Portrait über die ebenso bemerkenswerte Karriere Lamprechts mit dem Titel "Da musste jetzt durch, Jünta!" von Dagmar Wittmers und Jens Rübsam sowie Peter Deutschs mehrteilige Historienfilm "Christian Rother – Bankier für Preußen"4) aus dem Jahre 1986 mit Günter Lamprecht in der Titelrolle; am Geburtstag selbst wurde der Tatort "Tini"3) (EA: 1991) gesendet. Der Filmtitel der Dokumentation "Da musste jetzt durch, Jünta!" lehnt sich an Lamprechts "Leitspruch für alle Lebenslagen" an. "Die 45-minütige rbb-Produktion zeichnet sein bewegtes Leben und seine einzigartige Schauspielerkarriere nach". (Quelle: www.rbb-online.de)

    
Günter Lamprecht mit Sigfrit Steiner; Copyright Virginia Shue Günter Lamprecht in Ein Mond für die Beladenen; Copyright Virginia Shue GünterLamprecht und Claudia Amm; Copyright Virginia Shue
Günter Lamprecht 1984 mit Sigfrit Steiner (links) und Claudia Amm (rechts)
 in "Ein Mond für die Beladenen" von Eugene O'Neill.
Die Fotos wurden mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
  
*) Die Fotos entstanden 1990 während einer Hörspielproduktion.
Link: 1) www.deutsches-filmhaus.de, 2) Wikipedia, 3) tatort-fans.de, 4) www.fernsehserien.de
Lizenz Foto Günter Lamprecht (Urheber Udo Grimberg):
Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported lizenziert.
Stand: November 2011
Siehe auch www.prisma-online.de, Wikipedia, www.deutsches-filmhaus.de und www.br-online.de
   
Kinofilme (Auszug)
Filmografie bei www.imdb.de
(Link: Wikipedia, deutsches-filmhaus.de, prisma.de)
1976: Das Brot des Bäckers 1979: Das Gefrorene Herz
1979: Die Ehe der Maria Braun 1979: Das Boot
1983: Milo Barus, der stärkste Mann der Welt 1984: Blutiger Schnee
1983: Super 1984: Liebe ist kein Argument
1984: Is' was, Kanzler 1990: Der Tod zu Basel
1991: Moebius 1992: Herzsprung
1993: Engel ohne Flügel 1997: Comedian Harmonists
1997: Friedrich und der verzauberte Einbrecher 2002: Epsteins Nacht
2007: Der Fährmeister (Kurzfilm)
Günter Lamprecht; Copyright Virginia Shue
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin
  Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
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