Fritz Kortner wurde am 12. Mai 1892 in Wien als Fritz Nathan Kohn und Sohn des Juweliers Juda Jakob Kohn geboren. Nach der Schulausbildung begann er 1908 ein Studium an der Wiener Akademie für Musik und Darstellende Kunst bei Professor Ferdinand Gregori und machte 1910 seinen Abschluss. Sein Bühnendebüt gab Kortner Ende des gleichen Jahres in Kleists "Das Käthchen von Heilbronn" am Mannheimer Theater. Über Dresden und Hamburg kam der Schauspieler 1919 nach Berlin an das Deutsche Theater zu Max Reinhardt, mit dem er sich jedoch kurze Zeit darauf zerstritt. Kortner ging anschließend an das Berliner Staatstheater zu Leopold Jessner, wo er bis 1933 auf der Bühne stand. Zu seinen erfolgreichsten Rollen jener Ära gehören "Richard III.", "Othello" sowie der "Wurm" in Schillers "Kabale und Liebe". Schon zu dieser Zeit nahm er häufig Einfluss auf die Regiekonzeption der Inszenierungen, in denen er auftrat. Kortner galt als "sprachberauschter" und wortgewaltiger Schauspieler und seine mit dem ganzen Körper erspielten Auftritte gaben dem Wedekindschen Satz "Das Leben ist eine Rutschbahn" schicksalhafte Ausmaße. Als Scheusal, Sünder oder Dämon beeindruckte Kortner ebenso wie als Idealist und Verlierer. (…) Seine mit berserkerhaften Gestik und klarem Intellekt demonstrierte schauspielerische Urkraft überzeugte auch da noch, wo er interpretatorisch übers Ziel hinausschoss.1)
 
Das Portrait stammt von dem renommierten Maler Günter Rittner
der es mir freundlicherweise gestattet hat, das Bild zu zeigen; das Copyright liegt bei dem Künstler.
Fritz Kortner 1967
Mit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten emigrierte der nach der Sprachregelung der Nazis als "rassefremd" eingestufte Kortner zunächst nach Österreich, später nach Dänemark und Großbritannien sowie schließlich in die USA, wo er von 1938 bis 1947 arbeitete; am Ende seines Aufenthaltes wurde er amerikanischer Staatsbürger.  
Nach Kriegsende kam Kortner 1949 nach Deutschland zurück und arbeitete fast nur noch als Regisseur; als Schauspieler trat er im Verlauf der kommenden Jahre noch in vier Stücken auf, so unter anderem 1968 unvergesslich als " Shylock" in der von Otto Schenk für das Fernsehen realisierten Fassung von Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig". Bereits im amerikanischen Exil hatte Kortner einige Regiearbeiten übernommen, seine erste Inszenierung in Deutschland war sein im Exil geschriebenes Stück "Ein Traum, kein Leben", das am 15. Dezember 1949 in einer überarbeiteten Fassung unter dem Titel "Donauwellen"2) an den "Münchner Kammerspielen" zur Uraufführung gelangte. Die "Kammerspiele" wurden vor allem unter der Intendanz von Hans Schweikart3) (1895 – 1975), später August Everding3) (1828 – 1999), seine künstlerische Heimat, alleine bis 1967 inszenierte Kortner dort siebzehn Stücke. Außerdem wirkte er als Regisseur in München am "Residenztheater", in Berlin am "Hebbel-Theater" und am "Deutschen Schauspielhaus", am "Kleinen Haus" der Städtischen Bühnen Frankfurt, am Wiener "Burgtheater" und am "Theater in der Josefstadt". Stücke, die seine "Handschrift" trugen waren beispielsweise "Dantons Tod" (1959 mit Hans Christian Blech in der Titelrolle) oder Shakespeares " Heinrich IV" (1956 mit Klaus Kinski als Prinz Heinrich); Kortners letzte Inszenierung war 1970 "Emilia Galotti" am Wiener "Theater in der Josefstadt", mit mit Klaus Maria Brandauer und Marianne Nentwich in den Hauptrollen.
Fritz Kortner (rechts) mit Curt Bois im Schiller-Theater; am 20.2.1959 gelangen im Berliner Schiller-Theater "Die Räuber" von Friedrich Schiller in der Inszenierung von Fritz Kortner zur Aufführung. Quelle: Bilddatenbank Deutsches Bundesarchiv, B 145 Bild-P047613; Fotograf: Unbekannt / Datierung: 20. Februar 1959 / Lizenz CC-BY-SA 3.0. Die Zusammenarbeit mit Fritz Kortner galt allgemein als "schwierig", der Regisseur hatte den Ruf, eigensinnig sowie ein fanatischer "Workaholic" zu sein. Seine Arbeiten jedoch waren stets brillant und Glanzpunkte des Theaters. Einige seiner Regiearbeiten gelten als umstritten, aber immer als beispielhaft und er schrieb damit Theatergeschichte.

 
Foto: Fritz Kortner (rechts) mit Curt Bois4) im Schiller-Theater; am 20.2.1959 gelangen im Berliner Schiller-Theater "Die Räuber" von Friedrich Schiller in der Inszenierung von Fritz Kortner zur Aufführung.
 
Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, B 145 Bild-P047613;
Fotograf: Unbekannt / Datierung: 20. Februar 1959 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Genehmigung des Bundesarchivs zur Veröffentlichung innerhalb dieser Webpräsenz wurde am 11.10.2010 erteilt.
Originalfoto und Beschreibung:
Deutsches Bundesarchiv B 145 Bild-P047613 bzw. Wikimedia Commons
Daneben gab Kortner Rezitationsabende, nahm Schallplatten auf und schrieb Ende der 1950er Jahre seine Autobiografie unter dem Titel "Aller Tage Abend". Seine Frau Johanna Kortner veröffentlichte 1971 aus dem Nachlass ihres verstorbenen Mannes das Buch "Fritz Kortner – Letzen Endes".
Auch auf der Leinwand war Kortner schon in frühen Jahren zu sehen. Bereits 1913 hatte er sein Debüt als Filmschauspieler in dem Stummfilm "Der Andere" gegeben, in den folgenden Jahren wirkte er unter anderem in Sensationsstreifen neben Harry Piel mit, was er selbst später als "eine damals noch obskure Pioniertätigkeit" bezeichnete. Während der Stummfilm-Ära agierte er beispielsweise in Filmen wie "Police Nr. 1111"5) (1915), "Die Brüder Karamasoff"5) (1920), "Die Nacht der Königin Isabeau"5) (1920), "Luise Millerin" (1922), "Schatten"4) (1923), "Orlacs Hände"5) (1924) oder "Mata Hari" (1927).
Seine erste Regiearbeit für den Tonfilm war 1931 "Der brave Sünder" mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle, als Schauspieler zeigte sich Kortner beispielsweise 1930 mit der Titelrolle in "Dreyfus", ein Jahr später als brillanter "Danton" in dem gleichnamigen Film3) sowie als Leutnant Dimitri Karamasoff in "Der Mörder Dimitri Karamasoff"5); siehe auch die Filmografie bei Wikipedia.

Die Auszeichnungen die der von vielen als "Regie-Ikone" bezeichnet Kortner im Verlaufe seiner Karriere erhalten hat, können sich sehen lassen, unter anderem verlieh man ihm 1957 das "Große Verdienstkreuz des Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland", 1966 das "Filmband in Gold" für "langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film", 1967 wurde er mit der "Kainz-Medaille"4) geehrt und 1970 erhielt er den "Pour le mérite für Wissenschaft und Künste"3).
Fritz Kortner, der seit 1924 mit der Schauspielerin Johanna Hofer4) (1896 – 1988) verheiratet war, starb am 22. Juli 1970 in München nach langer Krankheit an Leukämie; seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Münchener Waldfriedhof, wo später auch seine Witwe Johanna Hofer beigesetzt wurde.
Aus der Ehe mit Johanna Hofer stammte Sohn Peter Kortner (1924 – 1991), der sich in den USA einen Namen als Filmproduzent, Drehbuchautor und Regisseur machte. Die 1929 geborene Tochter Marianne Brün-Kortner lehrte unter anderem 24 Jahre lang an der Universität von Illinois und hielt eine Reihe von Seminaren unter dem Titel "Social Change" (Gesellschaftsveränderung). Jahrzehnte teilte sie ihre Zeit zwischen Berlin und Urbana (Illinois, USA), wo sie mit "Non Sequitur Press" einen kleinen Verlag betrieb. 2010 zog sie endgültig in die USA zu ihren beiden Söhne, von denen einer ein Theater in Chicago leitet und der andere Professor für Ökonomie ist. Seit 1968 ist Marianne Brün-Kortner aktives Mitglied der "Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit"; siehe auch den Artikel bei www.welt.de sowie das Interview bei www.faz.net.

Fritz Kortners Nachlass wird von der Berliner "Akademie der Künste" verwaltet; mehr bei www.adk.de.
 

Textbausteine des Kurzportraits aus: "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 200/201
1) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 201
Link: 2) www.theatertexte.de, 3) 
Wikipedia, 4) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 5) Murnau Stiftung
Siehe auch Wikipedia, www.deutsches-filmhaus.de, www.cyranos.ch
Fotos bei film.virtual-history.com; Filmografie: www.imdb.de
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