Hans Holt wurde am 22. November 1909 als Johann Hödl in Wien als Sohn eines Glasermeisters (nach anderen Quellen war der Vater Beamter) geboren. Hier absolvierte er die "Akademie für Musik und Darstellende Kunst" und debütierte am "Volkstheater" seiner Geburtsstadt. Danach arbeitete er drei Jahre lang an Provinzbühnen. Während seiner Schauspielerkarriere spielte er am Wiener "Burgtheater" und auch in Zürich und in Berlin, doch wollte man eine Bühne mit seinem Namen in Verbindung bringen, so wäre es das "Theater in der Josefstadt", dem der Schauspieler mehr als vierzig Jahre angehörte. Holt glänzte auf der Bühne vor allem in Schauspielen von Hofmannsthal, Schnitzler und Mólnar, spielte aber auch in Stücken, die aus seiner Feder stammten, etwa in der Komödie "Herzspezialist", welche am 27. Oktober 1956 im "Deutschen Theater" in Göttingen zur Uraufführung gelangte. Seine letzte Rolle am "Theater in der Josefstadt" war der alte, verwitwete Oberbaurat in Lotte Ingrischs bitterbösen Posse "Vanillikipferln". 
 
Foto: Hans Holt als amerikanischer Häusermakler Curtis mit
Vilma Degischer (Adele Schönfeldt) in dem TV-Spiel "Nachsaison" (1962)
nach dem gleichnamigen Drama von Herbert Asmodi, Regie: Rainer Wolffhardt
Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services
mit weiteren Infos zu dem Fernsehspiel; © SWR
Link: Kurzportrait innerhalb dieser HP bzw. Wikipedia
Hans Holt als amerikanischer Häusermakler Curtis mit Vilma Degischer (Adele Schönfeldt) in dem TV-Spiel "Nachsaison" (1962) nach dem gleichnamigen Drama von Herbert Asmodi; Regie: Rainer Wolffhardt; Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; Copyright SWR
Seit 1948 war er auch mit zunehmendem Erfolg als Dramatiker tätig. Im Frühjahr 1956 vollendete er seine Arbeit an der "kleinen Komödie" "Herzspezialist", deren Uraufführungsrechte sich sofort Heinz Hilpert für das Deutsche Theater in Göttingen sicherte. Am 27. Oktober 1956 erfolgte sodann in der Inszenierung Franz Reicherts die Premiere. Hans Holt wirkte hierbei selbst mit, er spielte die Rolle des Dr. Friedl und litt daher doppeltes Lampenfieber: als Schauspieler und auch als Autor. Mit "Herzspezialist" gelang ihm ein überragender Erfolg, der in viele europäische Sprachen übersetzt wurde.1)    
1935 erhielt der Schauspieler eine erste kleine Aufgabe in dem Streifen "Fasching in Wien", im gleichen Jahr mimte er den Hans von Gerstikow in Henry Kosters heiteren Geschichte "Katharina, die Letzte". "Eine Aschenputtel-Geschichte im Gewand der dreißiger Jahre, virtuos gespielt von Franziska Gaal, kongenial unterstützt von Hans Holt in seiner ersten Hauptrolle" notiert film.at. Es folgten prägnante Rollen in Filmen wie "Konfetti"2) (1936), "Hannerl und ihre Liebhaber" (1936), "Lumpacivagabundus"2) (1936), "Menschen vom Varieté"2) (1939) oder Gustav Ucickys vielbeachtete Puschkin-Verfilmung "Der Postmeister"2) (1940), wo Holt an der Seite von Heinrich George den Fähnrich Mitja spielte. In E. W. Emos "Unsterblicher Walzer" (1939), der Romanze um die Walzer-Dynastie Strauss, gab er den Josef Strauss
2), Sohn des Johann Strauss sen. (Paul Hörbiger), 1940 sah man ihn als Adam Landberger in "Rosen in Tirol"2), der stark veränderten Operetten-Adaption von Carl Zellers "Der Vogelhändler". Weitere Kinoproduktionen mit Hans Holt in jenen Jahren waren beispielsweise die Komödie "Wir bitten zum Tanz"2) (1941), 1942 verkörperte er den Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart2) in Karl Hartls Literaturadaption "Wen die Götter lieben"2) an der Seite von Irene von Meyendorff als Sopranistin Aloisia Lange2) und Winnie Markus als Mozarts Ehefrau Constance2), in Ernst Marischkas "Schrammeln"2) (1944) war Marte Harell seine Partnerin. Bis Kriegsende wirkte Hans Holt in rund 50 Filmen mit, gab meist "fesche", eher gutherzige junge Männer vor allem an der Seite der österreichischen Stars Paula Wessely, Attila und Paul Hörbiger sowie Hans Moser.
Ich werde Dich auf Händen tragen; DVD-Cover mit freundlicher Genehmigung von www.e-m-s.de Nach Ende des 2. Weltkrieges blieb das österreichische und deutsche Unterhaltungskino, das sich nach solch stillen, unkomplizierten Charmeuren, wie Holt sie verkörperte sehnte, weiterhin sein Hauptbetätigungsfeld und Holt konnte auch im vorgerückten Alter als vielbeschäftigter Leinwanddarsteller das Publikum erfreuen. Er agierte er in mehr als achtzig Heimatfilmen und Lustspielen, so etwa neben Kristina Söderbaum unter der Regie von Veit Harlan als "Johannes S." bzw. Rudolf Asmus in den Melodramen "Unsterbliche Geliebte" (1951) und "Ich werde Dich auf Händen tragen" (1958), als Herzog Ferdinand bzw. Partner von Ilse Werner in Kurt Hoffmanns heiteren Verwechslungskomödie "Königin einer Nacht"2) (1951) oder zusammen mit Inge Egger als konservativer Chemiker Dr. Robert Bruhn in Géza von Bolvárys "Meine Frau macht Dummheiten" (1952). In Franz Antels "Der Obersteiger"2) (1953), einem Film nach Motiven und mit Melodien der gleichnamigen Wiener Operette von Carl Zeller, mimte Holt den Herzog Max von Bayern, in der musikalischen Komödie "Wenn ich einmal der Herrgott wär" (1954) die Hauptrolle des Dr. Paul von Schmerda, der eine Partnerschaftsvermittlung leitet.

DVD-Cover mit freundlicher Genehmigung von www.e-m-s.de
Seine Paraderolle war zweifellos der tapfere, rechtschaffene Baron von Trapp in den Heimatfilmen "Die Trapp-Familie"2) (1956) und "Die Trapp-Familie in Amerika" (1958) neben Ruth Leuwerik. Das Salzburger Alpen-Melodram um den verarmten Baron und dessen siebenköpfige singende Kinderschar, aus dem später das Musical "The Sound of Music"2) entstand, rekonstruierte ein Österreich im Postkartenformat, koloriert in den Farben "Monarchie", "Religion" und "Familie". Bis Ende der 1950er Jahre erlebte man den Schauspieler unter anderem als Pater Benedikt in "Heimweh … dort, wo die Blumen blühn"2) (1957), als König Alexander I. von Alanien in "Wien, du Stadt meiner Träume"2) (1957) oder als Kaplan Seydel in Ernst Marischkas Werfel-Adaption "Der Veruntreute Himmel"2) (1958) neben Annie Rosar → Murna-Stiftung. In "Whisky, Wodka, Wienerin"2) (1958), einer österreichischen Filmkomödie nach dem Lustspiel "Rendezvous in Wien" von Fritz Eckhardt, verkörperte er als Partner von Margit Saad die männliche Hauptrolle und in Franz Antels "Glocken läuten überall" (1960) sah man ihn einmal mehr mit Annie Rosar. Danach, als die heile Welt im Film und auf der Bühne längst nicht mehr gefragt war, wurde es auf der Leinwand ein wenig stiller um den beliebten Schauspieler. An letzten Arbeiten vor der Kinokamera ist  Wolfgang Liebeneiners Streifen "Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand"2) (1979) mit der Rolle des Bischofs von Bamberg sowie Franz Antels "Der Bockerer"2) (1981) nach dem gleichnamigem Bühnenstück von Ulrich Becher und Peter Preses zu nennen.
Hans Holt konzentrierte sich ab den 1970er Jahren vermehrt auf seine Arbeit beim Theater, übernahm auch gelegentlich Aufgaben für das Fernsehen. So präsentierte er sich beispielsweise 1972 dreizehn Folgen lang an der Seite von Marika Rökk als Patriarch Franz Schöngruber  in der Familienserie "Die Schöngrubers" → fernsehderien.de. In nachhaltiger Erinnerung bleibt Holt auch als liebenswürdigen Wiener Onkel Rudolf in Peter Wecks populären TV-Serie "Ich heirate eine Familie"2) (
1983–1986). Zu seinen letzten Fernsehproduktionen zählt die Rolle des Franz in der ORF-Serie "Der Leihopa"2) (1985–1989) sowie seine Auftritte in Tom Toelles "Der Bierkönig" (1988) und in der Serie "Oppen und Ehrlich" (1992) .
    
Hans Holt, der 1987 für sein "langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film" mit dem "Filmband in Gold"2) ausgezeichnet worden war, starb am 5. August 2001 mit 91 Jahren nach längerer Krankheit in Baden bei Wien; seine letzte Ruhe fand der beliebte Schauspieler auf dem Friedhof in Neustift am Walde → Foto der Grabstätte bei knerger.de.
Seine eindrucksvollen Leistungen auf der Bühne waren 1964 mit der "Kainz-Medaille"2) für die Rolle des George in "Wer hat Angst vor Virginia Woolf" sowie 1989 mit dem "Raimund-Ring" gewürdigt worden. Bereits 1963 hatte er das Österreichische "Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst"2) I. Klasse erhalten.
Der Schauspieler war seit 1936 mit dem ehemaligen Scriptgirl Renate Bremer verheiratet; die einzige Tochter aus dieser Verbindung verstarb 1945 im Alter von zwei Jahren.
 
"In vielen Filmen hat Holt seine Tendenz zur Unaufdringlichkeit, fast zum Verschwinden. Einer, der eben gern beiseite tritt, die anderen vorbei ziehen lässt. Er zeigte eine Fähigkeit zum Understatement, die natürlich nicht selten ist im Wiener Milieu. Aber unter einem guten Regisseur konnte er sogar etwas richtig Cooles, fast Amerikanisch-Professionelles schaffen und in besonderen Fällen etwas Boshaftes, fast Subversives" so die "Süddeutsche Zeitung" anlässlich des Todes von Hans Holt (SZ, 6.8.2001).
Er war und ist der typische 'Josefstädter' und verkörpert die besondere, ebenso vornehme, verhaltene wie eigenwillige Atmosphäre dieses Hauses, wo auch die größten Ausbrüche von Zorn, Verzweiflung oder Heiterkeit stets etwas gedämpfter klingen als anderswo" (Munzinger). Auf der Bühne war er der ideale Interpret der seelisch labilen und schwierigen Helden von Arthur Schnitzler, Luigi Pirandello, Hugo von Hofmannsthal oder Franz Molnar, noch im hohen Alter bezauberte er als rührender Vater in Schnitzlers "Liebelei". Seine Abschiedsvorstellung aber gab er 1993 in dem Singspiel "Das weiße Rößl" an der Wiener Volksoper. "Auf der Bühne entwickelte er auch den eigenen gedämpften und leicht näselnden Kammerspielton, zu dem sich eine Haltung einstellte, die Holt das Attribut des 'Liebenswürdigen' verlieh" (FAZ). Dieser Ton machte ihn auch auf der Leinwand unverwechselbar.3)
In der Welt der österreichischen Alltags-, Musik- und Künstlermilieus war der unauffällige, musikalische Liebhaber-Darsteller zuhause. Er "pflückte Rosen in Tirol" (1940), tanzte den "Unsterblichen Walzer" und machte in der Nachkriegszeit die "Ferien vom Ich" (1963) mit. Negativ-Rollen spielte er aufgrund seiner sympathisch-liebenswürdigen Art nur selten. In der zweiten Karrierehälfte gelangen ihm sensible Charakterstudien von angekränkelten und auch lebensfrohen, erfahrenen Herren.4)
  
Quellen:
1) Vertriebsstelle und Verlag Deutscher Bühnenschriftsteller und Bühnenkomponisten GmbH)
3) www.br-online.de (die Seite ist nicht mehr aufrufbar)
4) Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S.  162/163)
Link: 2) Wikipedia
Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch
  Viele Fotos gibt es bei film.virtual-history.com
  
Filmografie (Auswahl, nach Wikipedia)
Siehe auch Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, filmportal.de, Murnau-Stiftung)
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