Paul Hörbiger wurde am 29. April 1894 in Budapest geboren; er war ein
Sohn des Ingenieurs Hanns Hörbiger1)
(1860 – 1931), dem Begründer der umstrittenen "Welteislehre"1),
und Spross einer alten Orgelbauerfamilie aus "Hörbig" in der
Tiroler Wildschönau, der Bruder des Schauspielers Attila Hörbiger2)
(1896 – 1987) und Schwager von
Paula Wessely2)
(1907 – 2000). Hörbiger besuchte das Stiftsgymnasium
"St. Paul" in Kärnten und studierte dann Chemie an der
TH Wien, kam aber zu keinem Abschluss, da der Krieg ausbrach, den er in
der österreichisch-ungarischen Armee mitmachte. Nach Ende des
1. Weltkrieges wandte er sich dem Theater zu und fand nach
schauspielerischer Ausbildung in der "Theaterschule Otto" in
Wien eine erste Anstellung zur Spielzeit 1919/20 am Theater im
böhmischen Reichenberg, wo er mit der Rolle des Schneidergesellen Zwirn in
Nestroys Zauberposse "Der böse Geist Lumpazivagabundus" erstmals
Aufmerksam erregte. Von Reichenberg kam er 1920 nach Prag, wo er sechs
Jahre lang am "Neuen Deutschen Theater" verpflichtet war und sich
als Charakterkomiker einen Namen machte.
Von 1926 bis 1940 war Hörbiger Mitglied des "Lessingtheaters" und
des "Deutschen Theaters" in Berlin. Unter der Intendanz von Max Reinhardt1)
(1873 – 1943) und Heinz Hilpert1)
(1890 – 1967) interpretierte er klassische und moderne Rollen,
wie zum Beispiel in Shakespeares "Der Widerspenstigen Zähmung", in
Paul Armonts "Madame hat Ausgang" und ähnlichen Stücken.
Ab 1929 wirkte er zudem in Berlin an den "Baranowsky-Bühnen"
und am "Kabarett der Komiker".
Paul Hörbiger signiert seine 1979 veröffentlichten
Erinnerungen "Ich hab für euch gespielt",
aufgezeichnet von Georg Markus.
Das Foto, welches 1980 entstand, wurde mir freundlicherweise von der Fotografin
Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt. Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
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Hörbiger lebte und arbeitete 14 Jahre lang in Berlin, musste dann
aber die Stadt verlassen, weil er sich für zwei jüdische Kollegen
eingesetzt hatte. Goebbels selbst als "oberster Schirmherr des deutschen
Films" hatte kein Hehl daraus gemacht, dass er "diese schlappen
Wiener Fresser und Gaudébrüder" zutiefst verachte und in der
Reichshauptstadt nicht mehr wünsche. Hörbiger kehrte nach Wien zurück, wo
er von 1940 bis 1946 dem Burgtheater und der "Scala Wien"
angehörte. Hier erntete vor allem als vorzüglicher Raimund-, Nestroy- und
Goldoni-Darsteller Ruhm.
Seine Burgtheater-Premiere feierte der Schauspieler in dem
Hermann Bahr-Stück "Der Franzl", wo er die Hauptrolle, den
oberösterreichischen Heimatdichters Franz Stelzhammer1)
(1802 – 1874), verkörperte; 1943 trat Hörbiger bei den
Salzburger Festspielen als Papageno mit Gusti Huber als Partnerin in
Mozarts "Die Zauberflöte" auf.
Von Januar bis April 1945 saß der Schauspieler wegen angeblichen Hochverrats
in Untersuchungshaft. Die österreichische Schriftstellerin und Journalistin Hilde Spiel1)
(1911 – 1990) sah in Hörbigers kaisertreuer Vergangenheit sowie
in seinem "stolzen Bewusstsein, eine
slawisch-magyarisch-österreichische Mischung" zu sein, eine
Hauptursache für seinen Konflikt mit den braunen Machthabern. Die BBC
meldete sogar, dass Hörbiger hingerichtet worden sei und im Gedenken an ihn
wurde das "Fiakerlied" gespielt – doch Totgesagte leben
lang …
Nach Jahrzehnten erfolgreicher Arbeit für den Film – insgesamt hat
der Grandseigneur unter den Wiener Volksschauspielern in über
250 Filmen mitgewirkt, war ab den 1930er Jahren zu einem der
meistbeschäftigten Filmschauspieler überhaupt avanciert –
konzentrierte sich Hörbiger ab Mitte der 1960er Jahre wieder verstärkt
auf seine Rollen am Theater, gehörte ab 1965 erneut zum Ensemble des
Wiener Burgtheaters; seinen letzten Bühnenauftritt hatte er dort als
Dienstmann in Canettis "Komödie der Eitelkeit".
Auch wenn Hörbiger nach Ende des 2. Weltkrieges überwiegend vor der
Kamera stand, spielte er dennoch regelmäßig Theater, hatte unter anderem
Bühnenauftritte in Österreich, der Schweiz und in Deutschland, wie
beispielsweise am Berliner "Renaissance-Theater". Gastspielreisen
führten ihn überdies nach New York, Moskau und Israel.
Seit 1927 arbeitete Hörbiger für den Film, bereits in stummen Dramen fiel
er durch seine vorzüglichen Darstellungen auf. So unter anderem als Diener
des Agenten "No. 326" (Willy Fritsch) in Fritz Langs
Abenteuerfilm "Spione"1) (1928).
Hörbiger verkörperte in der Stummfilm-Ära in über 20 Produktionen
sowohl witzige als auch bösartige Charaktere, wurde jedoch in Filmen wie
"Dyckerpotts Erben" (1928), "Die Dame mit der
Maske"2) (1928), "Die
Räuberbande" (1928), "Asphalt"2) (1929)
oder "Der Sträfling aus
Stambul"2) (1929) meist nur mit prägnanten
Nebenrollen besetzt.
Kurz nach dem Beginn der großen Zeit des Tonfilms machte er in Filmen wie
Gustav Ucickys Operettenadaption "Der unsterbliche Lump"3) (1930),
wo er an der Seite von Gustav Fröhlich, Liane Haid und Bruder
Attila auftrat, von sich reden, spielte nun meist den herzensguten Menschen,
der Lebenslust und Güte ausstrahlte. Obwohl er ähnliche Rollen wie
Hans Moser darzustellen pflegte – Kellner, Dienstmänner,
Fiaker, Portiers – entstand keine Konkurrenz, sondern man
besetzte beide Darsteller oftmals im gleichen Film, die sich ideal zu
ergänzen wussten – Moser war der missmutige Grantler, Hörbiger der
gemütliche Sympathieträger. Hörbiger glänzte in k.u.k.-Operetten und
musikalischen Komödien wie "Zwei
Herzen im Dreiviertel-Takt"3) (1930) oder "Die
lustigen Weiber von Windsor" (1931), sein Name wird mit Wiener
Schmäh und Heurigen-Glückseligkeit in Verbindung gebracht. Als
Heurigensänger trat er in dem Kinoklassiker "Der
Kongress tanzt"1) (1931) auf und sang das
unvergessene Lied "Das muss ein Stück vom Himmel sein", in
Georg Jacobys Operettenadaption "Die
Csardasfürstin"3) (1934) schmetterte er mit
Paul Kempf "Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht". Seine
Sangeskünste zeigte Hörbiger in etlichen musikalischen Komödien, etwa auch
in "Prinzessin
Sissy"3) (1938), wo er als Herzog Max Joseph in
Bayern bzw. Filmvater der künftigen Kaiserin Sisi (Traudl Stark) die
Lieder "Geh frag' nicht warum wir heut' so glücklich sind" und
"So blau, wie Du es willst, kann der Himmel nicht sein" zu Gehör
brachte. Am berühmtesten wurde Hörbiger mit dem "Hobellied"1)
aus dem Alt-Wiener Zaubermärchen "Der Verschwender" von
Ferdinand Raimund sowie dem Leitmotiv aus dem 1936 von E.W. Emo
gedrehten Alt-Wiener Volksstück "Fiakerlied", das vom Schicksal
des (fiktiven) feschen Fiakerkutschers Ferdinand Strödl
(Paul Hörbiger) und einer Volkssängerin (historische Figur der "Fiaker-Milli"1)),
gespielt von Gustl Huber, handelt; siehe auch den Text bei Wikipedia.
Vor allem in den 1930er Jahren spielte Hörbiger etliche Hauptrollen, so als
Partner von Luise Ullrich in "Das
Einmaleins der Liebe"3) (1935) nach Motiven des
Nestroy-Bühnenstück "Einen Jux will er sich machen", mit
Maria Andergast in der Komödie "Endstation"3) (1935),
in Carmine Gallones heiteren Geschichte "Wenn
die Musik nicht wär'"3) (1935) neben
Karin Hardt und als "Kinderarzt
Dr. Engel"3) in dem gleichnamigen Heimatfilm von
Johannes Riemann aus dem Jahre 1936. Eine blendende Figur machte
Hörbiger als Wiener Walzerkönig Johann Strauß in "Petersburger
Nächte"3) (1934), als volkstümlicher
Straßensänger "Der liebe Augustin" brachte er in E.W. Emos
gleichnamigen Film aus dem Jahre 1940 mit Spottliedern auf eine
einflussreiche Mätresse am Hofe Kaiser Leopolds II. Kaiserhof und Adel
in Verlegenheit und fordert damit die Rache der Gräfin Valais
(Hilde Weissner) heraus. In dem von Leopold Hainisch inszenierten
Melodram "Lache
Bajazzo"3) (1943) nach Motiven von Leoncavallos Oper
"Der Bajazzo" überzeugte Hörbiger, neben Benjamino Gigli als
Opernsänger Morelli, mit einer seiner wenigen Charakterrollen, die er auf
der Leinwand zeigen konnte und verkörperte die zentrale Figur des alten
Canio, der wegen Totschlags aus Eifersucht zwanzig Jahre hinter Gittern
gesessen hat. Eine Zusammenarbeit mit Gigli hatte es ebenfalls in dem
parallel in Italien gedrehten pathetisch-theatralischen Opernfilm "I
Pagliacci"3) (1943, Bajazzo) von Guiseppe Fatigati
gegeben, auch hier hatte Hörbiger den Canio gestaltet. Andere Streifen mit
Hörbiger als Protagonist sind in Vergessenheit geraten, etwa "Heimkehr
ins Glück"3) (1933, mit Heinz Rühmann),
"Ich
heirate meine Frau"3) (1934), "Spiel
mit dem Feuer"3) (1934), "Liebelei
und Liebe"3) (1938) oder "Oh,
diese Männer"3) (1941).
Zu Hörbigers Leinwandauftritten bis Ende der 1940er Jahre zählen die
unterschiedlichsten Figuren, etwa der der Wissenschaftler Dr. Stephan
Paulus, der in dem Melodram "Der Blaufuchs" (1938) seine Frau
Ilona (Zarah Leander) an den attraktiven Flieger Tibor Vary
(Willy Birgel) verliert oder der nette Portier Franz Huber in
Helmut Käutners, von den Nazis gleich nach der Premiere am
25. August 1939 verbotenes Spielfilmdebüt "Kitty
und die Weltkonferenz"3) (siehe auch
prisma-online.de). Der Clown Doddy in der Romanze "Männer
müssen so sein"3) (1939), der Stationsvorsteher
Lautenschläger in Paul Verhoevens opulentem Kostümfilm "Salonwagen E 417" (1939;
siehe auch Wikipedia)
oder der Geigenvirtuose Georg Hellmesberger in Herbert Maischs
Musikfilm "Die
Zaubergeige"3) (1944) sind einige weitere Rollen,
mit denen sich Hörbiger in die Herzen des Kinopublikums spielte.
Hörbigers Rollen-Repertoire war breit gefächert, mehrfach verkörperte er
historische Persönlichkeiten, etwa Musiker wie die Komponisten
Joseph Haydn in "Die Abschieds-Symphonie" (1934),
Franz Schubert in "Drei Mäderl um Schubert" (1938),
Carl Millöcker in "Glück muss man haben" (1945, auch:
Operettenklänge) sowie den Walzerkönig Johann Strauß Vater neben dem
erwähnten Film "Petersburger Nächte" (1934) auch in dem
Historienepos "Unsterblicher Walzer" (1939) sowie
Johann Strauß Sohn in "Rosen aus dem Süden" (1934).
Hörbiger spielte Schriftsteller wie den Franz Grillparzer in
"Brüderlein fein" (1942), Militärs wie den
Generalfeldmarschall Radetzky in "Hoch klingt der
Radetzkymarsch" (1958) und gerne hochrangige Adlige wie den
österreichischen Kaiser Leopold I. in "Des jungen Dessauers große Liebe"3) (1933)
mit Willy Fritsch und Trude Marlen. Den gütigen Kaiser
Franz Joseph mimte er bereits 1934 in dem von Géza von Bolváry
inszenierten Jahrhundertwende-Märchen "Frühjahrsparade", der
Geschichte über die Entstehung des "Deutschmeister-Regimentsmarsches"1)
von
Wilhelm August Jurek1),
in diese Rolle schlüpfte Hörbiger erneut in dem farbenprächtigen Remake
"Die
Deutschmeister"1) von Ernst Marischka aus dem
Jahre 1955 mit Romy Schneider, für das Robert Stolz die Musik
komponiert hatte. Ein "gefälliger, volkstümlicher Film in der
operettenhaften Atmosphäre des alten Wien", notiert das "Lexikon
des internationalen Films". Dass Hörbiger den Kaiser Franz Joseph
nie als senilen alten Herrscher darstellte, sondern immer als einen in Würde
gealterten Monarchen, mag auch mit Hörbigers kaisertreuer Gesinnung zu tun
gehabt haben. Einen weiteren österreichischen Kaiser, Ferdinand V., gab
er in dem Historiendrama "Maria
Ilona"3) (1939, mit Paula Wessely), den Herzog
Max Joseph in Bayern verkörperte er nicht nur in "Prinzessin
Sissy"3) (1938), auch in "Königswalzer"3) (1935)
war er mit dieser Figur zu sehen gewesen, an der Seite von Curd Jürgens
als Kaiser Franz Joseph von Österreich und Carola Höhn als
Herzogin Elisabeth in Bayern, genannt Sisi.
In den Nachkriegsjahren konnte Paul Hörbiger seine Film- und
Theater-Karriere nahtlos fortsetzen, wobei vor allem die 1950er Jahre
ein regelrechtes Paul-Hörbiger-Jahrzehnt wurden. Hörbiger verstand es,
Dienstmännern, Hausmeistern, Fiakerkutschern oder Schustern ebenso Kontur zu
verleihen wie Ärzten, Professoren, Kavalieren, Geheimräten oder Fürsten.
Man sah ihn beispielsweise 1948 in der Literaturverfilmung "Der
Engel mit der Posaune" zusammen mit seinem Bruder Attila und
seiner Schwägerin Paula Wessely, im dem Klassiker "Der dritte
Mann"1) (1949, The Third Man) mimte er den
verschüchterten Hausmeister, beeindruckend war 1949 auch seine
Interpretation des Tods in "Die
Seltsame Geschichte des Brandner Kaspar"3) neben
Carl Wery als Kaspar Brandner, inszeniert von Josef von Baky
nach einer Novelle von Franz von Kobell bzw. dem Bühnenstück "Der
Brandner Kaspar schaut ins Paradies" von Joseph Maria Lutz.
Doch es sind vor allem die Lustspiele, mit denen der sympathische
Schauspieler als kongenialer Partner von Hans Moser2)
(1880 – 1964), in Erinnerung geblieben ist. So etwa in "Wir
bitten zum Tanz"1) (1941), "Schrammeln"1) (1944),
"Der Hofrat Geiger"1) (1947),
"Ober zahlen" (1957) oder "Hallo Dienstmann"1) (1952),
ein Streifen nach einer Idee Hörbigers, zu dem Rudolf Österreicher das
Drehbuch verfasst und Hörbiger das Titellied geschrieben hatte. Auch der
Text des berühmten Songs "Der alte Sünder" aus der gleichnamigen,
1950 von Franz Antel gedrehten Komödie, stammte aus Hörbigers
Feder.
Zur Filmografie zählt auch Klassiker des Heimatfilms "Schwarzwalmädel"1) (1950),
wo Hörbiger an der Seite von Sonja Ziemann und Rudolf Prack als
Domkapellmeister auftauchte oder der herzig-sentimentale
Romy Schneider-Film "Mädchenjahre
einer Königin"1) (1954). Nicht ganz so gute
Kritiken bekam Paul Martins kabarettistisch angehauchtes Lustspiel
"Die Frauen des Herrn S."1) (1951),
dennoch lieferte Hörbiger neben Loni Heuser als zänkischer Xanthippe
und Sonja Ziemann als schöner Sklavin Euritrite als Philosoph Sokrates
einen neuerlichen Beweis seiner Schauspielkunst ab. Mit Marianne Koch
zeigte er sich in der Heimatkomödie "Und
der Himmel lacht dazu"1) (1954), glänzend seine
Verkörperung des Gymnasialprofessors Gollwitz in dem Schwank "Raub
der Sabinerinnen"1) (1954) neben einem ebenso
brillanten Gustav Knuth als Schmierentheaterdirektor Emanuel Striese.
Bis Ende der 1950er Jahre agierte Hörbiger vornehmlich in Heimatfilmen wie
"Die
Försterbuben"1) (1955), "Die
Christel von der Post" (1956), "Das
Donkosakenlied"1) (1956), "Wien,
du Stadt meiner Träume"1) (1957), "Heimweh
dort, wo die Blumen blühn"1) (1957),
"Hoch
droben auf dem Berg"1) (1957), aber auch in
klamaukhaften Komödien wie "Charley's
Tante"1) (1956, mit Heinz Rühmann) und "Der
schräge Otto" (1956, mit Walter Giller). Dass
Hörbiger gerne österreichische historische Persönlichkeiten mimte, zeigte
er noch einmal als Erzherzog Joseph von Österreich-Ungarn in
Wolfgang Liebeneiners Biopic "Sebastian
Kneipp Ein großes Leben"1) (1957)
neben dem unvergessenen Carl Wery in der Titelrolle des durch seine
Wasserheilmethoden bekannt gewordenen bayerischen Priester Sebastian Kneipp1)
(1821 – 1897).
Während Paul Hörbiger in den 1960er und 1970er Jahren weiterhin
anspruchsvolle Rollen am Theater erhielt, wurden die Filmangebote immer
seichter und flacher. Er hatte meist den Parade-Wiener zu verkörpern, wo
keine schauspielerische Tiefe verlangt wurde, beispielweise als
Amtsgerichtsrat Zwicker in "Im
singenden Rößl am Königssee"1) (1963)
oder als Severin Petermann in "Happy-End
am Wörthersee" (1964).
Zu seinen letzten Arbeiten für das Kino gehörten "Ruf der Wälder"1) (1965),
"Sie
nannten ihn Krambambuli"1) (1972) und "Man
spielt nicht mit der Liebe" (1974).
Populär wurde Paul Hörbiger in seinem letzten Lebensabschnitt vor allem
auch durch Fernsehserien wie "Der alte Richter" und in mehreren
Folgen von "Hallo, Hotel Sacher… Portier".
Seit Ende der 1960er Jahre lebte der herzkranke Hörbiger meist
zurückgezogen in seinem Landhaus im niederösterreichischen Dorf
Wieselburg, widmete sich der Orchideenzucht und seinen Hunden. Paul
Hörbiger starb am 5. März 1981 im Alter von 86 Jahren in Wien;
beigesetzt wurde der "unvergessliche Volksschauspieler
wienerischer Prägung" (so der Wiener Oberbürgermeister Leopold
Gratz) in einem Ehrengrab der Gemeinde Wien am Wiener Zentralfriedhof,
die ihn damit als einen der ganz Großen für immer anerkannte.
Zahlreiche Auszeichnungen, die Paul Hörbiger während seiner
langen Karriere entgegen nehmen konnte, belegen seine
außergewöhnlichen schauspielerischen Leistungen bzw. seine
Reputation: Bereits 1942 wurde er zum "
Staatsschauspieler" ernannt, das "Goldene Ehrenzeichen der
Republik Österreich" wurde ihm 1964 überreicht. Im
gleichen Jahr erhielt Hörbiger die " Ehrenmedaille der
Bundeshauptstadt Wien", 1969 folgte die Ernennung zum "
Kammerschauspieler". Das " Filmband in Gold" für
"langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen
Film" (1969), der "Girardi-Ring" (1972), das
"Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst Erster
Klasse" (1974), der "Ehrenring der Stadt
Wien" (1977) und der "Nestroy-Ring" (1980)
sind weitere Ehrungen, die dem Künstler zuteil wurden.
Paul Hörbiger war seit 1939 geschieden; aus seiner Ehe mit Josefa
"Pippa" Gethke stammen die Kinder Christl
(geb. 17. 03.1922), Hansi (1926 – 1929), Monika
(geb. 05.05.1930, die Mutter von
Christian Tramitz1))
und Thomas Hörbiger1)
(geb. 11.07.1931), der ebenfalls Schauspieler wurde und sich
einen Namen als Textdichter machte; dessen 1979 geborene Tochter Mavie Hörbiger1)
setzte die Schauspielertradition der Hörbiger-Dynastie erfolgreich
fort.
Paul Hörbiger bleibt unvergessen: Er war die Verkörperung des "Alten Sünders",
der Wein, Weib und Gesang liebt und beim Heurigen den Herrgott einen guten Mann
sein lässt. Der Komödiant und Volksschauspieler vereinte alle Erscheinungsformen
wienerischer Wesensart in sich, das Grantig-Verschmitzte, Lebenslustige ebenso wie
das Vertrottelte und Morbide. Die Palette seiner darstellerischen Möglichkeiten reichte
vom jugendlichen Liebhaber und Spaßvogel bis zum kauzigen Sonderling und verschrobenen
Patriarchen. Er pflegte den romantischen Theaterstil, der Probleme lieber mit
"Schmäh" zudeckt als frontal austrägt, und wenn, dann in Form der
Intrige.4)
Der Schauspieler Paul Hörbiger gehörte zusammen mit Hans Moser zum
Urgestein des österreichischen Films, deren Popularität einmalig war und
sich in unzähligen Filmen widerspiegelte. Bekannt und berühmt wurde Paul
Hörbiger durch das "Fiakerlied", aber auch durch den Film
"Der alte Sünder". Das amerikanische Magazin "Life"
brachte anlässlich einer Amerika-Tounee des Künstlers ein Riesenbild und
den Text "Wer ist das? Ein Weißhaariger im schlecht sitzenden Frack
singt Wienerlieder ohne Stimme – und das Publikum jubelt.
Richtig: Das ist Paul Hörbiger." Der "schlecht sitzende
Frack" mag in Amerika zutreffend gewesen sein; jedoch die Filme, die
Hörbiger als Frackträger zeigen, bestätigen keinesfalls die
"Life"-Meldung.5)
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