Marianne Koch; Copyright Virginia Shue Marianne Koch wurde am 19. August 1931 als Tochter eines Kaufmanns und einer Pianistin in München geboren. Schon mit 10 Jahren spielte sie Theater und hospitierte an der Opernschule. 1949 machte sie ihr Abitur und begann danach ein Medizinstudiums an der Universität in München. Ein Jahr später übernahm sie zunächst in den Semesterferien kleinere, dann größere Rollen beim Film. Ungezwungenheit und Echtheit des Ausdrucks bildeten die wesentlichen Vorzüge der Filmdebütantin. Sie trat zu einem Zeitpunkt in Erscheinung, als das Publikum die Diskrepanz zwischen dem Alter junger Menschen im deutschen Film und ihrer Interpreten nicht mehr akzeptieren wollte und sich für neue, unverbrauchte Gesichter empfänglich zeigte.
 

Das Foto, welches Marianne Koch in Salzburg während einer Pressekonferenz
zu "Über die Dörfer" zeigt, wurde mir freundlicherweise von der
Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt. 
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
Marianne Koch erregte erstmals 1951 in einer kleinen Rolle als Kammerzofe in dem Schell/Borsche-Melodram "Dr. Holl"1) durch ihr spontanes Auftreten die Aufmerksamkeit der Filmemacher und brachte auch sonst die notwendigen Voraussetzungen mit, sich neben anderen Neulingen in den Vordergrund zu spielen. 1952 machte sie nach neun Semestern noch ihr Physikum, brach dann aber ihr Studium ab und ging Filmverträge in Hollywood, Frankreich, Deutschland ein; insgesamt spielte sie in den nachfolgenden Jahren in rund 70 Filmen mit, die ganz dem Geschmack der Zeit entsprachen.
Nach Streifen wie "Wetterleuchten am Dachstein"1) (1953) oder "Skandal im Mädchenpensionat" (1953) konnte Marianne Koch in Harald Reinls Ganghofer-Verfilmung "Der Klosterjäger"1) (1953) als aufopfernde liebende Grittli erstmals auch ihr dramatisches Potential beweisen und zeigen, dass sie nicht nur den hübschen Backfisch spielen konnte. Als Darstellerin profilierter Frauenfiguren überzeugte sie wenig später mit der Rolle der jungen, politisch engagierten Schauspielerin Diddo Geiß in Helmut Käutners Zuckmayer-Adaption "Des Teufels General"1) (1955) an der Seite von Curd Jürgens als General Harras; für diese Charakterstudie erhielt Marianne Koch den Bundesfilmpreis als "Beste Nebendarstellerin des Jahres".  
Es waren die leichten Unterhaltungsfilme und melodramatischen Geschichten, welche Marianne Koch ohne jegliche Schauspielausbildung zum Publikumsliebling werden ließen, als Partnerin der männlichen Stars jener Jahre mimte sie frische junge Frauen, Landärztinnen oder Frontschwestern ebenso wie problemorientierte Heldinnen und machte auch Ausflüge ins heiter-komische Rollenfach. Da ihr herb-natürliches, kultiviertes Gesicht sympathische Klugheit ausstrahlte, spielte sie mit zunehmendem Alter immer häufiger den Kameradinnen-Typ und die vertrauenswürdige Beraterin für schwierige Seiten des Lebens.*) So agierte sie beispielsweise mit Adrian Hoven in dem Kriegsdrama "Solange du lebst"1) (1955) und spielte das aufopferungsvolle Mädchen Teresa, welches im Spanischen Bürgerkrieg einen verwundeten Soldaten versteckt, in Arthur Maria Rabenalts Melodram "Die Ehe des Dr. med. Danwitz"1) (1956) war sie die junge attraktive Frau des Titelhelden alias Karlheinz Böhm, der in schwere Gewissenskonflikte gerät. Unbeschwert und heiter ging es in der Verfilmung des Kästner-Romans "Der kleine Grenzverkehr" zu, den Kurt Hoffmann unter dem Titel "Salzburger Geschichten"1) (1957) auf die Leinwand brachte. In dieser Verwechslungskomödie gab Marianne Koch glänzend die burschikose Tochter eines Schlossherrn und Schriftstellers, die ein Stubenmädchen simuliert und sich in einen attraktiven, wohlhabenden Mann (Paul Hubschmid) verliebt.
  
Deutsche Produktionen wie "Der Stern von Afrika"1) (1957) oder "Vater sein dagegen sehr"1) (1957, mit Heinz Rühmann) gerieten zu Kassenschlagern, auch in internationalen Produktionen wie Douglas Sirks "Interlude" (1957, Der letzte Akkord) oder Jack Shers "Four Girls in Town" (1957, Wem die Sterne leuchten) konnte Marianne Koch ihre darstellerische Vielseitigkeit beweisen. Eine herausragende Rolle hatte sie 1960 in dem kammerspielartigen Kriminalfilm "Die Frau am dunklen Fenster" von Hans Peter Wirth. Marianne Koch brillierte mit der Hauptrolle einer Fernsehansagerin, interpretierte eindringlich eine Frau, die unter einem körperlichen Gebrechen und einer großen Liebesenttäuschung leidet. Der Gefühlsradius reichte von Erbitterung über Rachegefühle bis zum schweren Gewissenskonflikt, der in einen psychischen Zusammenbruch mündet → filmreporter.de. Großartig war auch ihre Darstellung der Minna von Barnhelm in Dietrich Haugks freien Lessing-Adaption "Heldinnen"1) (1960) neben einem glänzenden Paul Hubschmid als Major von Tellheim.
Georg Marischka besetzte sie als Partnerin vom O.W. Fischer in der Gaunerkomödie "Mit Himbeergeist geht alles besser"3) (1960) nach Johannes Mario Simmel, in Claude Boissols Historienstreifen über den Sohn des Kaisers Napoleon, den Herzogs von Reichstadt, "Kaiserliche Hoheit (1961, Napoléon II, l'aiglon) tauchte sie als Kaiserin Marie Louise auf, wenig später agierte sie an der Seite von Peter van Eyck in dem Spionagefilm "Im Namen des Teufels" (1961, The Devil's Agent) und in dem Gerichtsdrama "Unter Ausschluss der Öffentlichkeit" (1961). Mit der frivol-koketten Rolle der "Rosalinde" in Géza von Cziffras Filmversion der Operette "Die Fledermaus"1) (1962) wurde der Schauspielerin dann eine neue Chance geboten, alle Register ihres komödiantischen Talents zu ziehen. Peter Alexander als Dr. Gabriel Eisenstein, Marika Rökk als Hausmädchen Adele, Boy Gobert als Graf Orlofsky, Hans Moser als Gerichtsdiener Frosch und nicht zuletzt Willy Millowitsch als Gefängnisdirektor Frank versprachen 100 Minuten vergnügliche Kinounterhaltung. Danach flachten die Filme, in denen Marianne Koch agierte, merklich ab. Reißerische Geschichten wie "Der Schwarze Panther von Ratana"1) (1963), "Das Ungeheuer von London City"1) (1964) oder "Todestrommeln am großen Fluß"1) (1963, Death Drums Along the River) zeigten den allmählichen Niedergang des Unterhaltungskinos und boten Marianne  Koch kaum noch Gelegenheit, ihr schauspielerisches Potential zu zeigen. Lediglich ihre Rolle der verzweifelten Mutter Marisol in Sergio Leones Italo-Western "Für eine Handvoll Dollar"
1) (1964, Per un pugno di dollari) verlangten der Schauspielein an der Seite von Clint Eastwood noch einmal eine eindringliche darstellerische Leistung ab.

So war es mehr als günstig, dass sich Marianne Koch durch ihre Filmpopularität ab Anfang der 1960er Jahre eine zweite Karriere im Fernsehen aufgebaut hatte. In Serien wie dem Sechsteiler "Tim Frazer"4) (1962) oder dem Dreiteiler "Der Tod läuft hinterher"4) (1967) hatte sie schon früh auf dem Bildschirm ein neues Publikum gewonnen, in den 1970ern folgte die Titelrolle der Renate Albrecht in der 13-teiligen ZDF-Reihe "Die Journalistin" (1970; → fernsehserien.de) und auch als Talkmasterin war sie erfolgreich wie in der Sendung "III nach Neun"1), in der sie ab 1975 regelmäßig auftrat für die sie 1976 mit dem "Grimme-Preis" ausgezeichnet wurde. In dem legendären Ratespiel "Was bin ich"1) gehörte die Schauspielerin jahrelang zu den treffsicheren "Ratefüchsen" (Foto rechts) und bleibt dem Publikum auch damit in nachhaltiger Erinnerung.
Doch trotz aller medialen Erfolge entschied sich Marianne Koch für ihre eigentliche Berufung und nahm 1971 ihr Medizinstudium wieder auf. "Ich wusste die ganze Zeit – Schauspielerin zu sein ist nicht mein Beruf, ich bin da nicht wirklich gut. Ich bin ganz gut zu fotografieren, habe mit anständigen Regisseuren ganz anständige Sachen gemacht.", sagte sie einmal in einem Interview. 1973 schloss sie die Ausbildung mit dem Staatexamen ab, 1974 folgten Approbation und Promotion. Dann war sie bis 1997 als internistische Fachärztin in ihrer eigenen Praxis tätig. Doch so ganz sagte sie der Kamera nicht Adieu, 10 Jahre lang war sie Studioredakteurin von "Medizin Magazin" beim Westdeutschen Rundfunk. Marianne Koch veröffentlichte diverse populärmedizinische Publikationen, trat in Medizin-Serien auf und hielt ferner Arzt-Patienten-Seminare ab.

Foto: © Rainer Binder
Das Foto wurde mir freundlicherweise von dem Fotografen Rainer Binder zur Verfügung gestellt. 
Das Copyright liegt bei Rainer Binder; das Foto darf nicht für andere Zwecke verwendet werden.

Marianne Koch; Copyright Rainer Binder
Seit 1997 war sie Präsidentin der "Deutschen Schmerzliga e.V.", gab ihr Amt laut Information des Vereins nach 14 erfolgreichen Jahren 2011 ab, "wird sich als Ehrenpräsidentin aber weiterhin für Patientinnen und Patienten einsetzen", wie es auf der Website www.schmerzliga.de hieß außerdem ist sie seit 1995 Schirmherrin der "Deutschen Hochdruckliga". Als Medizinjournalistin und Autorin schaffte sich Marianne Koch ein weiteres Standbein, im Mai 1999 erschien in München ihre Publikation "Mein Gesundheitsbuch", weitere zahlreiche medizinische Ratgeber wie "Körperintelligenz" (2005) oder "Die Gesundheit unserer Kinder" (2007) stammen aus ihrer Feder; mit "Das Herz-Buch", publizierte sie im August 2011 einen neuen fundierten, allgemeinverständlichen Ratgeber rund um das "Wunderwerk Herz".
Im Jahre 2000 wurde Marianne Koch von der bayerischen Landeshauptstadt mit der Medaille "München leuchtet"1) geehrt, 2002 konnte Marianne Koch für ihr Lebenswerk das "Bundesverdienstkreuz "entgegennehmen. 2005 folgte die "Bayerische Staatsmedaille für Verdienste um Umwelt und Gesundheit"1). Die damalige Popularität als Filmschauspielerin lässt sich mit drei Bronzenen "Bravo Ottos"1) (1965, 1966, 1971) der Jugendzeitschrift BRAVO belegen.
 
Die in Tutzing am Starnberger See lebende Medizinerin und Autorin feierte am 19. August 2011 ihren 80. Geburtstag und denkt noch nicht daran, sich aufs Altenteil zu setzten. Seit Ende der 90er Jahre hält Dr. Marianne Koch regelmäßige Medizin-Ratgebersendungen im Familienfunk des Bayerischen Rundfunks ab, so seit 2000 jeden Samstag die einstündige Live-Sendung "Gesundheitsgespräch" im "Bayern 2"-Radio, in der sie mit dem Medizinjournalisten Werner Buchberger über ein jeweils anderes medizinisches Thema spricht und Hörerfragen beantwortet.

Von 1953 bis 1973 war Marianne Koch mit dem Internisten Gerhard Freund verheiratet, trotz der zwei gemeinsamen Söhne Thomas und Gregor ließ sie sich wegen dessen Affäre mit Petra Schürmann1) (1933 – 2010) nach 20-jähriger Ehe scheiden. Gerhard Freund heiratete seine langjährige Geliebte Petra Schürmann1), die gemeinsame Tochter und BR-Moderatorin Alexandra Freund kam 2001 mit nur 34 Jahren bei einem Autounfall mit einem Geisterfahrer ums Leben.
Marianne Koch lebt seit Mitte der 1980er Jahre mit dem Schriftsteller und Publizisten Peter Hamm1) zusammen.
  
Textbausteine des Kurzportraits von prisma.de
Siehe auch Wikipedia, filmportal.de
*) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 198
Link: 1) Wikipedia, 2) Murnau Stiftung, 3)  prisma.de, 4) Beschreibung innerhalb dieser HP
Stand: Februar 2015
    
Kinofilme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, filmportal.de, prisma.de, Murnau Stiftung)
Um zur Seite der Leinwandstars zurückzukehren bitte dieses Fenster schließen.
Home: www.steffi-line.de