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Richard Tauber wurde am 16. Mai 1891 im österreichischen Linz geboren.
Seine Mutter Elisabeth Seifferth, geborene Denemy, war
Operettensoubrette am Linzer Theater und hatte seinen Vater, den
ungarischen Schauspieler Richard Anton Tauber wohl wegen des
erheblichen Altersunterschiedes (er war vierzehn Jahre jünger) nicht
geheiratet. Erst 1913 wurde Richard Tauber von seinem Vater adoptiert, trug
eine Zeit lang den Doppelnamen Richard Denemy-Tauber, ließ dann später den
ersten Teil des Namens weg.
Die Kindheit des kleinen Richard war außerordentlich unstet, vor allem,
weil er zwischen den beiden "Wanderexistenzen" seiner beiden
Eltern hin und her geschoben wurde. Wichtig für seine spätere Entwicklung
wurden ab 1903 die Jahre bei seinem Vater in Wiesbaden, der am dortigen
Hoftheater engagiert war; Richard Tauber bekam Klavierunterricht bei dem
später bekannten Dirigenten Arthur Rother und schwärmte für den damaligen
Heldentenor Heinrich Hensel (1874 1935).
Foto: Richard Tauber singt im August 1932 anlässlich einer Wohltäigkeits-Matiné
im Berliner Zoologischen Garten.
Quelle: Deutsches
Bundesarchiv, Digitale
Bilddatenbank, Bild 102-13781;
Fotograf: Unbekannt / Datierung: August 1932 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Genehmigung des Bundesarchivs zur Veröffentlichung innerhalb dieser
Webpräsenz wurde am 11.10.2010 erteilt.
Originalfoto und Beschreibung:
Deutsches Bundesarchiv Bild 102-13781 bzw. commons.wikimedia.org
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Als 17-Jähriger entschied sich Tauber ebenfalls
Sänger zu werden und aufgrund der freundschaftlichen Beziehungen seines
Vaters zu dem Wiener Bariton Leopold Demuth1)
(1861 1910) erhielt er die Gelegenheit,
diesem vorzusingen. Die Beurteilung des Sängers war niederschmetternd:
"Um Gottes Willen, halte Deinen Sohn davon ab, Sänger zu werden. Was
er besitzt, ist ein Zwirnsfaden, keine Stimme", schrieb Demuth damals
an Taubers Vater. Richard Tauber ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken,
machte eine Opern- und Operettenausbildung u. a. an dem "Hoch'schen
Konservatorium" in Frankfurt und besuchte auch die
Dirigentenklasse, da er noch zwischen dem Beruf eines Sängers oder
Dirigenten schwankte.
Durch die Empfehlung seiner Dozenten wurde Tauber in der Zeit zwischen
1911 und 1912 in Freiburg im Breisgau Schüler von Carl Beines1)
(1869 1950) und ließ sich im Gesang ausbilden. Dort konnte er dann auch am 12. Mai 1912 als Solist des Gesangsvereins
"Concordia" öffentlich debütieren.2)
Am 2. März 1913 sang Tauber
am "Neuen Stadttheater" in Chemnitz erstmals in einer Oper, konnte
als "Tamino" in Mozarts "Die Zauberflöte"1)
einen überwältigenden Erfolg feiern. Anschließend ging er
nach Dresden, wo er ab August 1913 an der "Königlichen Hofoper" engagiert
war. Der "Dresdner Staatsoper" folgte ab 1919 die "Berliner
Staatsoper", wo er
u. a. als "Bacchus" in der Richard Strauss-Oper "Ariadne auf
Naxos" auftrat, ab 1925 die "Wiener Staatsoper" und in den folgenden
Jahren avancierte Tauber vor allem mit Operetten von Léhar zu einem der
berühmtesten Tenöre seiner Zeit. Mit der Premiere von Léhars
"Paganini"1) am 30. Januar 1926 endete die Opernlaufbahn des
"Deutschen Caruso", seine Operettenkarriere begann.
1927 schrieb Léhar für Tauber den "Zarewitsch"1) und auch
in "Friederike"1) feierte das Publikum den Sänger frenetisch. Ab 1929
trat Tauber in über 700 Vorstellungen in "Land des
Lächelns"1) auf, einem Léhar-Stück, dem vormals unter dem Titel
"Die gelbe Jacke" keinerlei Erfolg beschieden gewesen war;
das Lied "Dein ist mein ganzes Herz" aus dieser Operette
wurde "der Tauber-Hit". Daneben nahm Tauber unzählige
Platten auf und avancierte zum absoluten "Pop-Star" der 1920er Jahre. Über den Rundfunk
erreichte er Millionen, er war der Liebling
der Frauen, ein Idol der Massen, er sang sich in die Herzen und er
sang alles: Oper und Operette, Schlager und Lieder.
Seine Platten waren Melodien für Millionen, seine Konzerte und Gastspiele ausverkauft,
seine Tourneen umjubelt, seine Filme Kassenschlager. Mehr als fünfzig Jahre nach
seinem Tod werden Taubers Platten noch millionenfach verkauft und sein berühmtestes Lied
"Dein ist mein ganzes Herz" wird in jeder Sprache gesungen Tauber, die Legende,
lebt.
Foto: Richard Tauber 1932 vor einem Auto stehend, im Hintergrund das
Brandenburger Tor
Quelle: Deutsches
Bundesarchiv, Digitale
Bilddatenbank, Bild 102-13848E;
Fotograf: Unbekannt / Datierung: 1932 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Genehmigung des Bundesarchivs zur Veröffentlichung innerhalb dieser
Webpräsenz wurde am 11.10.2010 erteilt.
Originalfoto und Beschreibung:
Deutsches Bundesarchiv Bild 102-13848E bzw. commons.wikimedia.org
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Mit der Machtergreifung der Nazis endete die steile Karriere des berühmtesten Tenor seiner
Zeit in Deutschland. Der Sohn eines nach dem damaligen Jargon
"Volljuden" durfte ab 1933 nicht mehr in Deutschland auftreten,
zumal er für die Nazipresse schon länger ein Symbol für den
"sittenlosen Kulturverfall" der Weimarer Republik gewesen war.
Tauber emigrierte zunächst nach Österreich, dann 1938 endgültig nach
Großbritannien. Doch aufgrund seiner Tätigkeit als Operetten-Sänger
blieben ihm die Türen des Londoner "Covent Garden"
verschlossen, zumal seine Stimme durch die übermäßigen Belastungen er
hatte allein mehr als 700 Schallplattenaufnahmen gemacht stark
angegriffen war.
Doch das Publikum liebte ihn weiterhin, Tauber ging auf
umfangreiche Tourneen, gab Gastspiele rund um den Globus und übernahm auch Rollen im
britischen Film; am bekanntesten wurde dort seine Filmversion der Oper
"Der Bajazzo", die als "Pagliacci" 1936 in die Kinos kam.
Tauber sang im Exil neben seinen Operettenliedern von vielen
"Hits" gibt es englischsprachige Versionen wie " You are my heart's delight" auch
weiterhin Tenorlieder, Serenaden, Elegien und Schlager und blieb auch nach
Kriegsende in England, wo er im Londoner Westend wohnte. Seine Gastspiel in den USA, wo er am New Yorker
Broadway in der amerikanisierten Fassung von "Land des
Lächelns" auftrat, geriet zum Desaster. Das Ende einer glanzvollen
Karriere zeichnete sich ab.
Während des ganzen Zweiten Weltkriegs blieb Tauber in Großbritannien und trat u.a. in vielen Städten
zur Truppenbetreuung auf. 1940 wurde ihm dann auch die britische Staatsbürgerschaft verliehen. Verschiedentlich wirkte er auch als Dirigent beim
"London Philharmonic Orchestra". 1941 konnte Tauber mit seiner Operette
"Old Chelsea" in London eine weitere Premiere feiern. Die offizielle Kritik verlieh ihm auf Grund seines Äußeren den Namen
"Der Mann mit dem Monokel". 1946 gab Tauber in Zürich ein Abschiedskonzert (ein Mitschnitt der Radiosendung
ist erhalten) und widmete sich die nächsten zwei Jahre fast ausschließlich dem Komponieren und Dirigieren.2)
Als der Tenor am 8. Januar 1948 im Alter von nur 56 Jahren nach
einem letzten glanzvollen Auftritt in Mozarts Oper "Don Giovanni" in London an
Lungenkrebs starb, war er nicht zuletzt wegen seines luxuriösen Lebens
sowie seiner Beziehungen zu Frauen bankrott. Nun hinterließ der Sänger,
der während seiner Glanzzeiten zwei Villen in Berlin sowie eine
Sommerresidenz in Bad Ischl besessen hatte, 750.000 Mark
Steuerschulden das Geld
für sein Begräbnis wurde unter den Gästen anlässlich der
Trauerfeier in der "Royal Albert Hall" gesammelt. Seine letzte Ruhestätte fand Richard Tauber auf dem
"Brompton Cemetery" in London, ein Gedenkstein befindet sich auf dem Friedhof in Bad Ischl.
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In erster Ehe war der Tenor mit der Hamburger Soubrette Carlotta Vanconti
verheiratet, die er 1924 kennen gelernt hatte. Bereits 1928 trennte sich
das Paar wieder, 1930 wurde die Ehe geschieden und die Vanconti mit 1 Millionen Mark abgefunden.
Seine Liebesaffäre mit der Sängerin Mary Losseff3) (1907 1972) hatte
schon während seiner Ehe mit Carlotta Vanconti begonnen. Für sie hatte
er das Lied "Du bist die Welt für mich" komponiert, doch die
Beziehung endete nicht zuletzt wegen der Alkoholkrankheit der Geliebten.
1935 lernte Tauber die britische Schauspielerin Diana Napier (1904 1982)
während der
Dreharbeiten zu "Heart's Desire" kennen und heiratete sie im
darauffolgenden Jahr. Auch dieser Ehe war letztlich kein Glück
beschieden, das Paar ging während des 2. Weltkrieges oft getrennte
Wege.
Foto (Originalbeschreibung): Der berühmte Kammersänger Richard Tauber läßt
sich scheiden! Der berühmte Kammersänger Richard Tauber hat die Scheidung
seiner Ehe mit der Sängerin Charlotte Tauber-Vanconti beantragt. Letzte
Aufnahme des Ehepaares Tauber (November 1928).
Quelle: Deutsches
Bundesarchiv, Digitale
Bilddatenbank, Bild 102-06802;
Fotograf: Unbekannt / Datierung: November 1928 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Genehmigung des Bundesarchivs zur Veröffentlichung innerhalb dieser
Webpräsenz wurde am 11.10.2010 erteilt.
Originalfoto und Beschreibung:
Deutsches Bundesarchiv Bild
102-06802 bzw. commons.wikimedia.org
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Seine letzten Lebensjahre verbrachte Tauber mit seiner neuen Liebe Esther Moncrieff.
Michael Jürgs erzählt in seiner Biografie "Gern hab'
ich die Frau'n geküßt" das Leben eines Mannes,
der vom und für den Glanz der öffentlichen Auftritte lebte, zugleich aber
ein Getriebener und Heimatloser war. Er erzählt von den frühen Tingeltouren
durch die Provinz. Von der zweifachen Vertreibung des Halbjuden Tauber durch
die Nazis: zunächst aus Berlin, ein paar Jahre später aus Wien. Er beschreibt
auf Grund von Interviews mit Zeitzeugen Taubers gefeierte Auftritte in den
berühmtesten Theatern der Welt. Und recherchiert präzise das ganz private Leben
des Mannes, der publikumswirksam zahllose Affären inszenierte, aber in Wahrheit
erst spät zum Mann
wurde.
Am 4. September 2003 brachte die ARD eine Spielelementen durchsetzte
Dokumentation von Regisseur Kai Christiansen über den "König der
Operette" mit der samtweichen, verführerischen Stimme unter dem
Titel "Richard Tauber Dein ist mein ganzes Herz". Die Biografie
von Michael Jürgs diente als Grundlage für diese 90minütige
Erinnerung; Armin Rhode1) gab den "Jahrhundertsänger" als linkischen, unbeholfenen dicklichen Mann,
alte Schmalfilmaufnahmen zum Teil selbst von dem Hobbyfotografen Richard Tauber
gedreht zeigen den Künstler wie er "leibt und lebt": mit Monokel und Zylinder,
umgeben von schönen Frauen in Glanz und Glamour.
Der Musikdramaturg Marcel Prawy und Biograf Michael Jürgs kommen ebenso zu Wort wie Zeitzeugen und Bewunderer
des begnadeten Sängers. Von Taubers unzähligen Plattenaufnahmen sind im Film auch Klassiker wie
"Ich küsse Ihre Hand, Madame", "Wenn der weiße Flieder wieder blüht" oder das Liebesbekenntnis
"Du bist die Welt für mich" zu hören.
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