Rudolf Prack
Rudolf (Anton) Prack wurde am 2. August 1905 als Sohn eines Postbeamten in Wien geboren. Sein Vater Rudolf Prack verstarb mit nur 43 Jahren im März 1922, Prack besuchte nach dem Realgymnasium eine Handelsakademie, absolvierte dann zunächst eine Banklehre. Als Bankangestellterer finanzierte er sein Studium am "Reinhardt-Seminar" in Wien und wurde später auf Vermittlung von Hans Thimig1) (1900 – 1991) an das "Theater in der Josefstadt" engagiert.
Der Film entdeckte ihn erst relativ spät als Frauenliebling, zwar hatte Prack schon seit Ende der 1930er Jahre in etlichen Streifen Haupt- und Nebenrollen gespielt, doch zu einem gefragten Leinwanddarsteller avancierte er erst nach Ende des 2. Weltkrieges.
Sein Kinodebüt gab Prack in Carl Lamacs Lustspiel "Florentine" (1938), nach einigen weiteren Produktionen stellte sich 1939 ein erster Erfolg in Gustav Ucickys Rührstück "Mutterliebe" als Filmsohn von Käthe Dorsch ein. Zum Publikumsliebling wurde er dann als ballernder Wilddieb Thomas Werndl in Karl Köstlins Literaturadaption "Krambambuli" (1940; → Wikipedia) nach der gleichnamigen Novelle von Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach. In rascher Folge drehte Prack während des Krieges Filme wie "Spähtrupp Hallgarten" (1941), "Der Ewige Klang"2) (1943), "Aufruhr der Herzen"2) (1944), "Orient-Express"2) (1944) oder "Die Heimlichen Bräute" (1944). In Veit Harlans Melodram "Die goldene Stadt"3) (1942) erlag er als Bauernbursche bzw. Großknecht Thomas den Verführungskünsten von Kristina Söderbaum.
  
Nach 1945 bildete der attraktive Prack mit der 23 Jahre jüngeren Sonja Ziemann1) in sechs Heimat- und Edelschnulzen ein ideales Liebespaar und beide bedienten damit das vom Publikum gewünschte "Heile Welt"-Klischee jener Ära. Mit Hans Deppes "Schwarzwaldmädel"3) nach der Operette von Leon Jessel hatte 1950 der Siegeszug des Traumpaares Ziemann/Prack – von Spöttern auch "Zieprack" genannt – begonnen, der Streifen wurde zum größten Leinwanderfolg des deutschen Nachkriegskinos und ließ mit rund 14 Millionen Zuschauern die Kassen klingeln. Die Trachten sind bunt und die Schwarzwaldtannen grün; eine Dreiecksgeschichte sorgt für Verwicklungen, doch in der harmoniesüchtig heiteren Welt endet alles happy – "und die Geigen erklingen dazu". Ein Heimat-, Musik- und Ausstattungsfilm, der in den fünfziger Jahren die Herzen höher schlagen ließ.4) Vor einer idyllischen Naturkulisse spielte auch der Streifen "Grün ist die Heide"3) (1951), "Johannes und die 13 Schönheitsköniginnen" (1951), "Die Diebin von Bagdad"3) (1952) "Die Privatsekretärin" (1953), "Danny, bitte schreiben Sie"3) (1956) und "Kaiserball"3) (1956) waren weitere Erfolgsproduktionen mit den Kassenmagneten Ziemann/Prack. Doch auch bei anderen Partnerinnen ließ Prack seinen Charme auf der Leinwand spielen, in "Wenn am Sonntagabend die Dorfmusik spielt"3) (1953) verliebte er sich in einer idyllischen Schwarzwaldlandschaft als Jazzmusiker in Ingeborg Körner, Winnie Markus musste sich in "Tausend rote Rosen blühn"3) (1952) zwischen Prack und O. W. Fischer entscheiden. Als Erzherzog Ludwig betörte er seine Kaiserin Elisabeth alias Maria Holst in Franz Antels "Kaiserwalzer"3) (1953) oder als Zar Alexander das Mädchen Christl alias Johanna Matz in Antels Remake "Der Kongress tanzt"3) (1956). In Rudolf Jugerts "Kronprinz Rudolfs letzte Liebe"3) (1956) waren Christiane Hörbiger und Lil Dagover an seiner Seite, in "Heimweh… dort, wo die Blumen blüh'n"3) (1957) kam es mit Sabine Bethmann zum Happy End, in "Die Landärztin vom Tegernsee"3) (1958) stand er Marianne Koch nicht nur als Kollege hilfreich zur Seite. Mit Cornelia Froboess drehte er das rührselige Remake "Mariandl"3) (1961) sowie die Fortsetzung "Mariandls Heimkehr"2) (1962) und wechselte, nun etwas in die Jahre gekommen, als Hofrat Geiger vom Rollenfach des Liebhabers zum leicht ergrauten älteren, charmanten Herrn. "Für mich ist es das Wichtigste, in jeder Rolle etwas anderes zu spielen. Vom Knecht und Großbauern über den Sportberichterstatter bis zum singenden Jazzkomponisten." sagte Prack einmal über seine Rollen. Der "Herzensbrecher" Prack geriet mit seinen Filmen besonders beim weiblichen Geschlecht zum Publikumsmagneten, wurde zum Protagonisten des Heimat- und Unterhaltungsfilm-Genres schlechthin.
  
Mit Abebben der Heimatfilm-Welle , aber auch dem Aufkommen des Fernsehens wurde es dann in stiller um den Schauspieler, einen beachtlichen Publikumserfolg konnte Prack in den sechziger Jahren noch einmal mit der Titelrolle in der 26-teiligen Fernsehserie "Landarzt Dr. Brock"1) verzeichnen, seine letzten Leinwandauftritte hatte er 1974 als sächsischer Justizminister in Hans-Jürgen Syberbergs gleichnamigen Filmstudie über den Schriftsteller Karl May3) (siehe auch www.syberberg.de), 1976 als heruntergekommener Major a.D. in Wilhelm Pellerts modernem Passionsspiel "Jesus von Ottakring"5) sowie ein Jahr später mit einem kleinen Part in dem Historienfilm "Die Standarte"3) (1977), von Regisseur Ottokar Runze gedreht nach einem Roman von Alexander Lernet-Holenia.
Prack war ein Kavalier der alten Schule, in dessen Hände jede Frau ihr Schicksal gern legte. Auch wenn er mal einer anderen nachschaut, bleibt er seinem Schwarzwaldmädel doch treu. Uniformen standen ihm, auch als k.u.k. Offizier brachte er manches Mädchenauge zum Glänzen. In ihm verband sich knorriges Naturburschentum mit seriöser Eleganz, die getragen wurde von der überlegenen Haltung eines in sich ruhenden Charakters.6)

Im Alter von 71 Jahren zog Prack sich weitgehend von Film und Fernsehen zurück und wollte nur noch für seine drei Kinder Adelheid, Adalberta und Michael (aus seiner ersten Ehe mit Maria Heinisch) und seine Lebensgefährtin Gerda Krug da sein. Nur selten ließ er sich überreden, wie für die genannten Filme vor die Kamera zu treten, oder noch kurz vor seinem Tod als Diener Ferdinand in fünf Folgen der TV-Serie "Ringstraßenpalais"3) (1981).
Rudolf Prack, der 1950 und 1959 mit einem "Bambi"3) für seine Leistungen geehrt worden war, starb am 2. Dezember 1981 im Alter von 76 Jahren in Wien infolge einer Lungenentzündung an Herzversagen; seine letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof im Wiener Gemeindebezirk Hietzing (Gruppe 50, Nummer 37) → Foto der Grabstelle bei knerger.de; Prack hatte bis zuletzt in einer Villa in Hietzing gelebt
"Er war ein Idol wie aus dem Bilderbuch, der aufrechte, verlässliche Held, der auch ein bisschen spröde sein durfte. Er verkörperte Werte, die in der Nachkriegszeit zählten – charmant und doch kein Spieler, warmherzig und doch dominant, ein Naturbursche, der auch Herr sein konnte und umgekehrt." schrieb unter anderem die "Schwäbische Zeitung" anlässlich des 100. Geburtstages im Jahre 2005 → www.schwaebische.de (01.08.2005).

Siehe auch www.cyranos.ch, Wikipedia, Deutsches Historisches Museum,
www.deutsche-biographie.de, www.whoswho.de, www.cineastentreff.de, filmportal.de sowie
filmstarpostcards.blogspot.de (englisch)
Fotos bei film.virtual-history.com
Link: 1) Kurzportrait bzw. Beschreibung innerhalb dieser HP, 2) Murnau Stiftung, 3) Wikipedia, 5) filmarchiv.at
Quelle: 4) Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz in Lexikon "Filme im Fernsehen"
6) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S. 284)
  
Kinofilme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Murnau Stiftung, filmportal.de, Wikipedia)
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