Rudolf Prack
Rudolf (Anton) Prack wurde am 2. August 1905 als Sohn eines Postbeamten in Wien geboren. Sein Vater Rudolf Prack verstarb früh, Prack besuchte nach dem Realgymnasium eine Handelsakademie, absolvierte dann zunächst eine Banklehre. Als Bankangestellterer finanzierte er sein Studium am "Reinhardt-Seminar" in Wien und wurde später auf Vermittlung von Hans Thimig1) (1900 – 1991) an das "Theater in der Josefstadt" engagiert.
Der Film entdeckte ihn erst relativ spät als Frauenliebling, zwar hatte Prack schon seit Ende der 1930er Jahre in etlichen Streifen Haupt- und Nebenrollen gespielt, doch zu einem gefragten Leinwanddarsteller avancierte er erst nach Ende des 2. Weltkrieges.
Sein Kinodebüt gab Prack in Carl Lamacs Lustspiel "Florentine" (1938), nach einigen weiteren Produktionen stellte sich 1939 ein erster Erfolg in Gustav Ucickys "Mutterliebe" an der Seite von Käthe Dorsch ein. Zum Publikumsliebling wurde er dann als ballernder Wilddieb Thomas Werndl in Karl Köstlins "Krambambuli" (1940) nach der gleichnamigen Novelle von Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach. In rascher Folge drehte Prack während des Krieges Filme wie "Spähtrupp Hallgarten" (1941), "Der Ewige Klang"2) (1943), "Aufruhr der Herzen"2) (1944), "Orient-Express"2) (1944) oder "Die Heimlichen Bräute" (1944). In Veit Harlans Melodram "Die goldene Stadt"3) (1942) erlag er als Bauernbursche bzw. Großknecht Thomas den Verführungskünsten von Kristina Söderbaum.
  
Nach 1945 bildete Prack mit der 23 Jahre jüngeren Sonja Ziemann1) in sechs Heimat- und Edelschnulzen ein ideales Liebespaar und beide bedienten damit das vom Publikum gewünschte "Heile Welt"-Klischee jener Ära. Mit Hans Deppes "Schwarzwaldmädel"3) nach der Operette von Leon Jessel hatte 1950 der Siegeszug des Traumpaares Ziemann/Prack – von Spöttern auch "Zieprack" genannt – begonnen, der Streifen wurde zum größten Leinwanderfolg des deutschen Nachkriegskinos und ließ mit rund 14 Millionen Zuschauern die Kassen klingeln. Die Trachten sind bunt und die Schwarzwaldtannen grün; eine Dreiecksgeschichte sorgt für Verwicklungen, doch in der harmoniesüchtig heiteren Welt endet alles happy – "und die Geigen erklingen dazu". Ein Heimat-, Musik- und Ausstattungsfilm, der in den fünfziger Jahren die Herzen höher schlagen ließ.4) Vor einer idyllischen Naturkulisse spielte auch der Streifen "Grün ist die Heide"3) (1951), "Johannes und die 13 Schönheitsköniginnen" (1951), "Die Diebin von Bagdad" (1952) "Die Privatsekretärin" (1953), "Danny, bitte schreiben Sie"3) (1956) und "Kaiserball"3) (1956) waren weitere Erfolgsproduktionen mit den Kassenmagneten Ziemann/Prack. Doch auch bei anderen Partnerinnen ließ Prack seinen Charme auf der Leinwand spielen, in "Wenn am Sonntagabend die Dorfmusik spielt"3) (1953) verliebte er sich in einer idyllischen Schwarzwaldlandschaft als Jazzmusiker in Ingeborg Körner, Winnie Markus musste sich in "Tausend rote Rosen blühn"5) (1952) zwischen Prack und O. W. Fischer entscheiden. Als Erzherzog Ludwig betörte er seine Kaiserin Elisabeth alias Maria Holst in Franz Antels "Kaiserwalzer"5) (1953) oder als Zar Alexander das Mädchen Christl alias Johanna Matz in Antels Remake "Der Kongreß tanzt" (1955). In Rudolf Jugerts "Kronprinz Rudolfs letzte Liebe"3) (1956) waren Christiane Hörbiger und Lil Dagover an seiner Seite, in "Heimweh… dort, wo die Blumen blüh'n"3) (1957) kam es mit Sabine Bethmann zum Happy End, in "Die Landärztin vom Tegernsee"3) (1958) stand er Marianne Koch nicht nur als Kollege hilfreich zur Seite. Mit Cornelia Froboess drehte er das rührselige Remake "Mariandl"3) (1961) sowie die Fortsetzung "Mariandls Heimkehr"2) (1962) und wechselte, nun etwas in die Jahre gekommen, als Hofrat Geiger vom Rollenfach des Liebhabers zum leicht ergrauten älteren, charmanten Herrn. "Für mich ist es das Wichtigste, in jeder Rolle etwas anderes zu spielen. Vom Knecht und Großbauern über den Sportberichterstatter bis zum singenden Jazzkomponisten." sagte Prack einmal über seine Rollen. Der "Herzensbrecher" Prack geriet mit seinen Filmen besonders beim weiblichen Geschlecht zum Publikumsmagneten, wurde zum Protagonisten des Heimat- und Unterhaltungsfilm-Genres schlechthin.
  
Mit Abebben der Heimatfilm-Welle , aber auch dem Aufkommen des Fernsehens wurde es dann in stiller um den Schauspieler, einen beachtlichen Publikumserfolg konnte Prack in den sechziger Jahren noch einmal mit der Titelrolle in der 26-teiligen Fernsehserie "Landarzt Dr. Brock"1) verzeichnen, seine letzten Leinwandauftritte hatte er 1974 als sächsischer Justizminister in Hans-Jürgen Syberbergs gleichnamigen Filmstudie über den Schriftsteller Karl May (siehe auch www.syberberg.de), 1976 als heruntergekommener Major a.D. in Wilhelm Pellerts modernem Passionsspiel "Jesus von Ottakring"6) sowie ein Jahr später mit einem kleinen Part in dem Historienfilm "Die Standarte" (1977), von Regisseur Ottokar Runze gedreht nach einem Roman von Alexander Lernet-Holenia.
Prack war ein Kavalier der alten Schule, in dessen Hände jede Frau ihr Schicksal gern legte. Auch wenn er mal einer anderen nachschaut, bleibt er seinem Schwarzwaldmädel doch treu. Uniformen standen ihm, auch als k.u.k. Offizier brachte er manches Mädchenauge zum Glänzen. In ihm verband sich knorriges Naturburschentum mit seriöser Eleganz, die getragen wurde von der überlegenen Haltung eines in sich ruhenden Charakters.7)

Im Alter von 71 Jahren zog Prack sich weitgehend von Film und Fernsehen zurück und wollte nur noch für seine drei Kinder Adelheid, Adalberta und Michael (aus seiner ersten Ehe mit Maria Heinisch) und seine Lebensgefährtin Gerda Krug da sein. Nur selten ließ er sich überreden, wie für die genannten Filme vor die Kamera zu treten, oder noch kurz vor seinem Tod als Diener Ferdinand in fünf Folgen der TV-Serie "Ringstraßenpalais" (1981).
Rudolf Prack, der 1950 und 1959 mit einem "Bambi" für seine Leistungen geehrt worden war, starb am 2. Dezember 1981 im Alter von 76 Jahren in Wien infolge einer Lungenentzündung an Herzversagen; seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof im Wiener Gemeindebezirk Hietzing (Gruppe 50, Nummer 37); Prack hatte bis zuletzt in einer Villa in Hietzing gelebt.
  

Link: 1) Kurzportrait bzw. Beschreibung innerhalb dieser HP, 2) Murnau Stiftung, 3) Wikipedia, 5) prisma.de, 6) filmarchiv.at
Quelle: 4) Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz in Lexikon "Filme im Fernsehen"
7) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 284
Siehe auch www.cyranos.ch, Wikipedia, Deutsches Historisches Museum,
www.deutsche-biographie.de, www.whoswho.de, www.cineastentreff.de
Fotos bei film.virtual-history.com
  
Kinofilme
Filmografie bei www.imdb.de
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia, prisma.de)
1938: Florentine
1938: Prinzessin Sissy
1939: Mutterliebe
1940: Der Liebe Augustin
1940: Krambambuli
1941: Spähtrupp Hallgarten
1942: Die goldene Stadt (siehe auch Murnau Stiftung)
1943: Die Große Nummer
1943: Reise in die Vergangenheit
1943: Der Ewige Klang
1943: Orient-Express (Erstaufführung 01.12.1944)
1943: Die Unheimliche Wandlung des Axel Roscher
1944: Aufruhr der Herzen
1944: Die Heimlichen Bräute
1944: Ein Herz schlägt für dich (Erstaufführung 12.04.1949)
1945: Leuchtende Schatten
1946: Der Weite Weg
1946: Glaube an mich
1947: Liebe nach Noten
1948: Königin der Landstraße
1948: Leckerbissen
1948: Morgen ist alles besser
1948: Zyankali
1949: Fregola
1949: Um eine Nasenlänge
1949: Heimliches Rendezvous
1950: Mädchen mit Beziehungen
1950: Schwarzwaldmädel
1950: Maharadscha wider Willen
1951: Grün ist die Heide
1951: Eine Frau mit Herz
1951: Die Dame in Schwarz
1951: Engel im Abendkleid
1951: Johannes und die 13 Schönheitsköniginnen
1952: Die Diebin von Bagdad
1952: Ferien vom Ich
1952: Tausend rote Rosen blühn
1952: Lockende Sterne
1952: Wenn abends die Heide träumt
1953: Kaiserwalzer
1953: Wenn am Sonntagabend die Dorfmusik spielt
1953: Die Privatsekretärin
1953: Komm zurück…
1954: Roman eines Frauenarztes
1954: Kaisermanöver
1955: Ball im Savoy
1955: Heimatland
1956: Der Kongress tanzt
1956: Danny, bitte schreiben Sie
1956: Kaiserball
1956: Kronprinz Rudolfs letzte Liebe
1956: Roter Mohn
1957: Das Einfache Mädchen
1957: Heimweh… dort, wo die Blumen blüh'n
1958: Der Page vom Palast-Hotel
1958: Der Priester und das Mädchen
1958:Die Landärztin vom Tegernsee
1958: Eine Reise ins Glück
1959: Aus dem Tagebuch eines Frauenarztes
1959: Du bist wunderbar
1959: Was eine Frau im Frühling träumt
1960: Die Junge Sünderin
1960: Frau Irene Besser
1961: Das Tagebuch der Brigitte B.
1961: Mariandl
1961: Vertauschtes Leben
1962: Mariandls Heimkehr
1963: Schwejk's Flegeljahre
1964: Die Lustigen Weiber von Tirol
1964: Happy-End am Wörthersee
1964: Holiday in St. Tropez
1965: Heidi
1965: Ruf der Wälder
1969: Ein Dreifach Hoch dem Sanitätsgefreiten Neumann
1970: Frau Wirtin bläst auch gern Trompete
1971: Verliebte Ferien in Tirol
1972: Was geschah auf Schloß Wildberg/Sie nannten ihn Krambambuli
1973: Wenn jeder Tag ein Sonntag wär
1974: Der Jäger von Fall
1974: Karl May
1976: Jesus von Ottakring
1977: Die Standarte
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