Lil Dagover wird am 30. September 1887 als Martha Seubert, Tochter eines Forstbeamten in holländischen Diensten in Madiun auf Java geboren. Um sich zu "verjüngen", behauptet sie später, sie sei am 30. September 1897 geboren.
Nach Jahren in England, Frankreich und der Schweiz wächst sie nach dem frühen Tod der Mutter bei Verwandten auf und besucht die höhere Mädchenschule in Tübingen. 1913 heiratet sie den Schauspieler Fritz Daghofer, aus der Verbindung geht eine Tochter hervor. 
1916 überredet sie ein Photograph in Weimar, indische Tänze vor der Kamera vorzuführen. Mit diesen bis heute erhaltenen Aufnahmen stellt sie der befreundete Regisseur Robert Wiene (1873 – 1938) in Berlin bei Filmproduzenten und Regisseuren vor. 1919 gibt sie unter ihrem Künstlernamen Lil Dagover ihr Filmdebüt in "Harakiri" von Fritz Lang. Noch bekannter wird sie durch ihre Hauptrolle in Wienes "Cabinet des Doktor Caligari". Ohne jemals Schauspielunterricht genommen zu haben, ist sie als Schauspielerin anerkannt. 

Foto: Lil Dagover als Mrs. Erlynne in "Lady Windermeres Fächer"*),
einer Literaturverfilmung aus dem Jahre 1935 
Foto mit freundlicher Genehmigung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
*) Der Link führt zur Filmbeschreibung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung

Lil Dagover als Mrs. Erlynne in Lady Windermeres Fächer, einer Literaturverfilmung aus dem Jahre 1935; Foto: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
1919 – 1926 feiert die Dagover große Filmerfolge in der "Hochzeit" des deutschen Stummfilms. Sie spielt in "Phantom" (1923) und "Tartüff" (1925) von Friedrich Wilhelm Murnau sowie in Fritz Langs "Der müde Tod" (1921) und in dessen "Dr.-Mabuse"-Filmen (1922).
In dieser Zeit kristallisiert sich in ihrer Art des Schauspielens schon der Typus der "Dame" heraus, den sie auch in den folgenden Jahren verkörpert.
1920 Scheidung der Ehe mit Fritz Daghofer.
1926 Heirat mit dem um zwölf Jahre jüngeren Produktionsleiter Georg Witt, der viele ihrer folgenden Filme produziert. Max Reinhardt ist durch ihre Filmerfolge auf Dagover aufmerksam geworden und holt sie für die Rolle der "Schönheit" in Hugo von Hofmannsthals "Jederman" ans Deutsche Theater. Weiterhin engagiert er sie für sechs Jahre an die Salzburger Festspiele und an das Theater in der Josefstadt in Wien.
1930 Ihre erste Tonfilmrolle spielt Dagover unter der Regie von Erich Waschneck (1887-1970) in der Kriminalkomödie "Va Banque".
1931 Der erhoffte Durchbruch in Hollywood mit der Produktion "The Woman from Monte Carlo" stellt sich nicht ein. Dagover kehrt enttäuscht nach Deutschland zurück.
1932 An der Seite von Otto Gebühr brilliert sie in "Die Tänzerin von Sanssouci" von Friedrich Zelnik (1885-1950). 1933 Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten kann Dagover ihre erfolgreiche Karriere beim Film fortsetzen, obwohl sie sich politisch nicht hervortut. Mit insgesamt 23 Rollen bis 1944 gehört sie zu den bekanntesten und beliebtesten Leinwanddarstellern in der Zeit des NS-Regimes. Sie verkörpert vor allem die Rolle der "Galanten Dame": Kaiserinnen, Adlige, Künstler- und Unternehmersgattinnen.
1935
An der Seite von Karl Ludwig Diehl (1896 – 1958) feiert Dagover in dem Spionagefilm "Der höhere Befehl" von Gerhard Lamprecht (1897 – 1974) einen großen Publikumserfolg.
1937 Joseph Goebbels verleiht ihr den Titel "Staatsschauspielerin" ab 1937 als die NS-Politik zunehmend Einfluss auf den Film nimmt, konzentriert sie sich mehr auf das Theater. Sie spielt u.a. in Schillers "Kabale und Liebe" und "König Ödipus" von Sophokles.
1939

1948
Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs leistet Dagover Truppenbetreuung für die Wehrmacht. Mit einem eigenen Tourneetheater gastiert sie 1943 an der Ostfront und 1944 auf den von den Deutschen okkupierten Kanalinseln Jersey und Guernsey. Für ihren Einsatz erhält sie das Kriegsverdienstkreuz II. Klasse.
Nach ihrer Entnazifizierung spielt sie zunächst an der "Berliner Komödie" am Kurfürstendamm und erreicht ein glänzendes Comeback an der Seite Otto Gebührs in Anton Tschechows (1860-1904) "Der Kirschgarten".

1948 ist sie erstmals nach dem Krieg ist sie wieder auf der Leinwand zu sehen, und es gelingt ihr sofort, an frühere Filmerfolge anzuknüpfen. In dem Film "Die Söhne des Herrn Gaspary" geht es um das Auseinanderbrechen einer deutschen Familie unter dem Nationalsozialismus.
1950 Auch in der Filmtragödie "Es kommt ein Tag" geht es um die Aufarbeitung des Nationalsozialismus. Dagover spielt eine Frau, die ihren Sohn im Krieg verloren hat. Ab 1950 liegen die meisten ihrer folgenden Filme im Trend der Kinozeit: heiter-beschwingte, unkomplizierte und völlig unpolitische Heimatfilme wie "Schloss Hubertus" (1954) und "Die Barrings" (1955). Sie wächst in das Rollenfach der älteren Dame hinein, das sie besonders vorzüglich in der Rolle der spinnerten Hofdame in "Königliche Hoheit" (1953) nach einem Roman von Thomas Mann erfüllt.
1951 In der Inszenierung des "Jedermann" bei den Bad Hersfelder Festspielen gibt sie wie schon in ihrer Jugend die Rolle der "Schönheit". Weitere bedeutende Rollen als seltsame alte Dame spielt sie in den folgenden Jahren in Friedrich Dürrenmatts (1921-1991) "Besuch der alten Dame" und in John Patricks "Eine etwas sonderbare Dame".
1954 Sie erhält das "Filmband in Silber" des Deutschen Filmpreises für ihre Rolle in "Königliche Hoheit".
1961 Im Stadttheater Hildesheim spielt sie erstmals in dem Jean Giraudoux (1882 – 1944) Schauspiel "Die seltsame Gräfin". 
Diese Rolle, die sie bis zum Ende ihrer Bühnenlaufbahn immer wieder gibt, wird zur Krönung ihrer Karriere.
1962 Dagover wird mit dem "Filmband in Gold" für ihr Lebenswerk geehrt.
1964 "Bambi" für Verdienste um den deutschen Film.
1967 Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.
Ab 1970 wird die Dagover wieder vermehrt im filmischen Bereich tätig. Sie feiert große Erfolge in Filmen von Maximilian Schell (geb. 1930) und Hans-Jürgen Syberberg (geb. 1935). So spielt sie in Syberbergs "Karl May" (1974) Bertha von Suttner und überzeugt durch ihre Darstellung einer an den Rollstuhl gefesselten Zeugin eines Mords in Schells Dürrenmatt-Verfilmung "Der Richter und sein Henker" (1975).
1978/79 hat Lil Dagover ihren letzten Filmauftritt in Schells Horvath-Adaption "Geschichten aus dem Wienerwald".
1979 erscheint ihre Autobiographie "Ich war die Dame".
Am 23. Januar 1980 stirbt Lil Dagover in ihrem Haus auf dem Bavaria-Filmgelände in München-Geiselgasteig.
  
Die Biografie stammt von der Seite des LeMO-Projekts (Deutsches Historisches Museum).
Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch
Fotos bei film.virtual-history.com

Kinofilme
Filmografie bei der german.imdb.com
(Links: Wikipedia)
1916: Das Rätsel der Stahlkammer

1916: Die Retterin
1918: Das Lied der Mutter 1918: Der Volontär
1919: Der Tänzer 1919: Der Tänzer 1. Teil
1919: Die Maske 1919: Harakiri
1919: Die Spinnen, 1. Teil: Der Goldene See 1919: Phantome des Lebens
1920: Das Blut der Ahnen 1920: Die Jagd nach dem Tode
1920: Das Cabinett des Doktor Caligari 1920: Die Kwannon von Okadera
1920: Der Richter von Zalamea 1920: Die Spinnen, 2. Teil: Das Brillantenschiff
1920: Die Frau im Himmel 1920: Spiritismus
1921: Das Geheimnis von Bombay 1921: Der Müde Tod
1921: Das Medium 1921: Toteninsel
1921: Der Mord in der Greenstreet 1922: Dr. Mabuse, der Spieler
1922: Luise Millerin 1922: Phantom
1922: Macht der Versuchung 1922: Tiefland
1923: Die Prinzessin Suwarin 1923: Seine Frau, die Unbekannte
1924: Komödie des Herzens 1925: Der Demütige und die Sängerin
1925: Liebe macht blind 1925: Zur Chronik von Grieshuus
1925: Wenn die Filmkleberin gebummelt hat 1926: Der Veilchenfresser
1926: Die Brüder Schellenberg 1926: Herr Tartüff
1927: Der Anwalt des Herzens 1927: Orientexpress
1927: Nur eine Tänzerin 1927:Die Lady ohne Schleier
1928: Der Geheime Kurier 1928: Le Tourbillon de Paris
1928: La Grande Passion 1928: Ungarische Rhapsodie
1929: Der Günstling von Schönbrunn 1929: Monte-Cristo
1929: Die Ehe 1929: Spielereien einer Kaiserin
1929: Es flüstert die Nacht 1930: Boykott
1930: Das Alte Lied 1930: Es gibt eine Frau, die dich niemals vergisst
1930: Der Weiße Teufel 1930: Va Banque
1930: Die Große Sehnsucht 1931: Der Fall des Generalstabs-Oberst Redl
1931: Der Kongreß tanzt 1931: Le Congrès s'amuse
1931: Elisabeth von Österreich 1932: Das Abenteuer der Thea Roland
1932: Das Schicksal einer schönen Frau 1932: The Woman from Monte Carlo
1932: Die Tänzerin von Sans Souci 1933: Johannisnacht
1934: Der Flüchtling von Chicago 1934: Ich heirate meine Frau
1934: Eine Frau, die weiß, was sie will 1935: Der Höhere Befehl
1935: Der Vogelhändler 1935: Lady Windermeres Fächer
1936: August der Starke 1936: Fridericus
1936: Das Mädchen Irene 1936: Schlußakkord
1936: Das Schönheitsfleckchen 1937: Kreutzersonate
1937: Streit um den Knaben Jo 1938: Dreiklang
1938: Maja zwischen zwei Ehen 1938: Rätsel um Beate
1939: Umwege zum Glück 1940: Bismarck
1940: Die Räuber 1940: Friedrich Schiller – Der Triumph eines Genies
1942: Kleine Residenz 1943: Wien 1910
1944: Musik in Salzburg 1948: Die Söhne des Herrn Gaspary
1949: Man spielt nicht mit der Liebe 1950: Es kommt ein Tag
1950: Vom Teufel gejagt 1952: Das Geheimnis vom Bergsee
1953: Königliche Hoheit 1953: Rote Rosen, rote Lippen, roter Wein
1954: Schloß Hubertus 1955: Der Fischer vom Heiligensee
1955: Ich weiß, wofür ich lebe 1955: Rosen im Herbst
1956: Die Barrings 1956: Kronprinz Rudolfs letzte Liebe
1956: Meine 16 Söhne 1957: Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull
1957: Unter Palmen am blauen Meer 1958: Das gab's nur einmal
1959: Buddenbrooks – 1. Teil 1959: Buddenbrooks – 2. Teil
1961: Die Seltsame Gräfin 1973: Der Fußgänger
1974: Karl May 1975: Der Richter und sein Henker
1977: Die Standarte 1979: Geschichten aus dem Wienerwald
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