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Allerdings war sie nach dem Krieg wegen ihrer Darstellungen des von den Nazis propagierten Idealtyps der deutschen Frau blaue Augen, blond und eine kindlich-helle Stimme heftig umstritten. Sie schien ein Gretchentyp und war doch nicht "Gretchen", weil sie ideal für die Rassephantasien des Dritten Reiches nicht fragil erschien, sondern kerngesund, mit kräftigen Handgelenken und Fesseln, aufrechten Schultern und festem Gang. Nur der scheu leidensbereite Blick verhieß die Prädisposition zu ergreifendem fraulichem Opfer, schlichte Gemüter spielte sie, Mädchen vom Lande. Man sah die Söderbaum 1938 als Seraphine, die in "Verwehte Spuren"3) in Paris ihre verschwundene Mutter sucht, in dem Melodram "Das Unsterbliche Herz"2) spielte sie 1939 an der Seite von Heinrich George als Nürnberger Uhrenerfinders Henlein dessen sexuell vernachlässigte Ehefrau, in "Die Reise nach Tilsit"3) (1939) mimte sie die Elske Settegast, die ihrem untreuen Mann, im Fall einer Scheidung droht, das gemeinsame Kind zu töten. Wegen ihrer Hauptrolle der Dorothea in dem antisemitischen Hetzfilm "Jud Süß" (1940) musste sich auch die Söderbaum nach dem Krieg gerichtlich verantworten. Der berüchtigte und perfide Streifen gilt als folgenreichster Propagandafilm der Nazis, wurde unter anderem SS-Kommandos vor deren Einsätzen gegen Juden vorgeführt und zählt heute zu den "Vorbehaltsfilmen"1) (VB-Film). Bis Ende des 2. Weltkrieges folgten dann beispielsweise die Harlan-Produktionen "Der große König"2) (1942) mit Otto Gebühr in der Titelrolle des Friedrich II., in der Storm-Adaption "Immensee"3) (1943) sowie dem Melodram "Opfergang"2) (1944) hatte sie Carl Raddatz als Partner; in dem Nazi-Duchhaltestreifen "Kolberg"2) (1945) mimte sie die Figur der Maria neben Heinrich George als "Volksheld" Joachim Nettelbeck2) und Horst Caspar als junger Major Gneisenau2). 1947 wurde Veit Harlan zwar als "Entlasteter" eingestuft, auf Intervention der Öffentlichkeit aber Ende Juli 1948 erneut wegen "Verbrechens gegen die Menschlichkeit" angeklagt und 1950 von der Anklage freigesprochen. Erst danach wirkte die Söderbaum wieder in Filmen ihres Mannes mit, konnte aber nicht mehr so recht an ihre früheren Erfolge anknüpfen. Sie hatte zunächst Theater gespielt und aus Solidarität mit ihrem mit einem mehrjährigen Berufsverbot belegten Mann auch internationale Filmangebote abgelehnt. Ab 1950 drehte sie dann wieder mehrere Film unter der Regie ihres Mannes; die "Gloria-Filmproduktion" schickte sie und Harlan unter anderem nach Asien, um dort Filme zu machen, in denen neben einer unechten Handlung auch echte Elefanten und echte Palmen zu sehen waren die zwar künstlerisch missglückten, aber die Sehnsucht des Publikums nach der weiten Welt und Exotik befriedigten. Bis zum Tode Veit Harlans im Jahre 1964 entstanden Melodramen wie "Unsterbliche Geliebte" (1951), "Hanna Amon"2) (1951), "Die Blaue Stunde" (1953), "Die Gefangene des Maharadscha" (1953), "Sterne über Colombo" (1954), "Verrat an Deutschland" (1955, auch "Der Fall Dr. Sorge"), "Ich werde dich auf Händen tragen" (1958) und "Die Blonde Frau des Maharadscha" (1962); "Ein Traumspiel" (1963) war der letzte gemeinsame Film von Söderbaum und Harlan.
Erst nach dem Tod ihres Mannes im April 1964 begann die Schauspielerin sich aus den Schatten ihrer Vergangenheit zu lösen, die Respekt abnötigte; nach 25 Jahren Gattentreue und freiwilliger Abhängigkeit stand die Witwe mit einem Berg Schulden da. Die Mutter zweier Söhne ließ sich zur Fotografin ausbilden, arbeitete erfolgreich als Mode- und Porträt-Fotografin und lichtete andere Stars mit der Kamera ab. Nur noch vereinzelt stand sie selbst vor der Filmkamera; so als Emma May und Frau des Schriftstellers in Hans-Jürgen Syberbergs "Karl May" (1974), mit kleinen Parts in Giorgio Cristallinis "Lets go crazy" (1986) und Carlo U. Quinterios Thriller "Night Train to Venice"2) (1993) sowie in der TV-Serie "Der Bergdoktor". Am 12. Februar 2001 starb der einstige Ufa-Star Kristina Söderbaum, die in den letzten Jahren meist in München bei einem ihrer Söhne lebte, mit 88 Jahren in einem Pflegeheim im niedersächsischen Hitzacker; ihre letzte Ruhestätte fand sie auf dem Friedhof in Seeshaupt am Starnberger See. Christina Söderbaum hinterließ die Söhne Kristian Veit (geb. 1939) und Caspar Harlan (geb. 1946). Kristian Veit Harlan, der als Kind in dem Film "Der Große König" (1942) neben seiner Mutter auftrat, arbeitet als Filmregisseur, auch Bruder Caspar realisierte als Autor und Regisseur einige Kinderfilme. Ihre Erinnerungen hatte die Söderbaum 1983 unter dem Titel "Nichts bleibt immer so. Rückblenden auf ein Leben vor und hinter der Kamera" veröffentlicht; in der Neufassung (1993) hatte sie gefragt: "Verjährt nicht auch einmal für mich die Schuld?". |
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| Link: 1) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 2) Wikipedia, 3) Murnau Stiftung | ||||||
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Textbausteine des Kurzportraits
von Dirk
Jaspers Filmlexikon; siehe auch Wikipedia, www.dhm.de, www.cyranos.ch Fotos bei film.virtual-history.com |
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