Carl Raddatz (mit Christoph Bantzer) in der TV-Fassung von Jean Paul Sartres "Die schmutzigen Hände" (1968); Regie: Franz Peter Wirth; Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; Copyright SWR Carl Raddatz wurde am 13. März 1912 in Mannheim geboren. Zunächst nahm er Schauspielunterricht in Mannheim, unter anderem bei Willy Birgel, der ihm auch ein erstes Engagement am Mannheimer Nationaltheater verschaffte. Weitere Verpflichtungen führten Raddatz ab 1933 auf die Theaterbühnen von Aachen, Darmstadt, Worms, Bremen und schließlich nach Berlin, das seine künstlerische Heimat wurde.
Zum Film kam Raddatz Ende der 30er Jahre und war erstmals 1938 in "Urlaub auf Ehrenwort" auf der Leinwand präsent. Schnell wurde er ein populärer Ufa-Star, drehte Filme wie beispielsweise "Verklungene Melodie" (1938), "Zwölf Minuten nach zwölf" (1939), "Wunschkonzert"1) (1940), "Heimkehr"1) (1941), "Stukas" (1941), "Immensee" (1943) oder "Opfergang"1) (1944). Vor allem seine Rolle des Hendrik Feldkamp in Helmut Käutners poetischem Meisterwerk "Unter den Brücken"1) (1945) an der Seite von Hannelore Schroth und Gustav Knuth bleibt unvergessen.
 
 
Foto: Carl Raddatz (mit Christoph Bantzer) in der TV-Fassung von
Jean Paul Sartres "Die schmutzigen Hände" (1968)
Regie: Franz Peter Wirth1)
Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services
mit weiteren Infos zu dem Fernsehspiel; © SWR
Auch im deutschen Nachkriegsfilm blieb Raddatz ein vielgefragter Darsteller; die Hauptrolle in Staudtes "Die Mörder sind unter uns" (1946), dem ersten deutschen Nachkriegsfilm, hatte er abgelehnt, in dem Glauben, darin werde die deutsche Kollektivschuld propagiert. 1947 spielte er dann in Käutners dramatischem Episodenfilm "In jenen Tagen"1) in der siebten Geschichte den Kradmelder Josef, der das Flüchtlingsmädchen Maria alias Bettina Moissi und deren Kind unter Lebensgefahr nach Hamburg bringt. Bis Ende der 50er Jahre folgten Filme wie "Schatten der Nacht" (1950), "Taxi-Kitty" (1950), "Gift im Zoo" (1952), "Regina Amstetten" (1953) oder "Geständnis unter vier Augen" (1954); in der Effi Briest-Verfilmung "Rosen im Herbst"1) (1955) sah man Raddatz 1955 als Major von Crampas, in "Friederike von Barring" (1956) als Archi von Barring, in "Das Mädchen Rosemarie"1) (1958) als Konrad Hartog oder mit der männlichen Titelrolle in Helmut Käutners "Jons und Erdme" (1959), nach dem Buch von Hermann Sudermann.
In den sechziger Jahren wurden die Leinwandauftritte seltener und Raddatz konzentrierte sich vermehrt auf seine Theater- und Fernseharbeit; zu seinen letzten Kinoproduktionen zählen der US-Amerikanische Kriegsfilm "The Counterfeit Traitor"
1) (1960, Verrat auf Befehl) sowie Alfred Vohrers Fallada-Verfilmung "Jeder stirbt für sich allein"1) (1975). Die Fernsehzuschauer erlebten Raddatz unter anderem 1974 als König Friedrich Wilhelm I. in "Die Preußische Heirat" und 1979 als Johann Buddenbrook sen. in dem Mehrteiler "Die Buddenbrooks"2). Seine letzten Rollen für das Fernsehen übernahm er 1988 in der TV-Produktion "Rosinenbomber" sowie 1990 in der Derrick-Folge "Solo für vier".

Häufig war Raddatz auch als Synchronsprecher von Leinwandstars wie Humphrey Bogart, Robert Taylor und Lee Marvin zu hören; neben umfangreicher Hörfunkarbeit spielt er weiterhin Theater, unter anderem am Berliner Schiller- und Schlossparktheater. So begeisterte er beispielsweise 1962 als der Narr in Shakespeares "Was ihr wollt" oder 1964 als Schuster Voigt in Zuckmayers "Hauptmann von Köpenick" unter der Regie Boleslaw Barlogs; 1967 glänzte er als Fliegeroffizier Harras in Zuckmayers "Des Teufels General", ein Jahr später als Meister Anton in Hebbels "Maria Magdalene" oder 1970 erneut in einem Stück von Zuckmayer, als Zirkusdirektor in "Katharina Knie". Das Jahr 1975 gehörte zu den Höhepunkten seiner Karriere als namhafter Bühnendarsteller: Samuel Beckett inszenierte im Berliner Schiller-Theater "Warten auf Godot" mit Raddatz als grandiosem "Pozzo", der seinen Knecht Lucky barsch traktiert, jedoch einen Rest an Zuneigung zu dem armen Kerl zeigen darf. 1986 nahm Raddatz dann seinen Abschied von der Theaterbühne, wurde für seine herausragenden Leistungen mit der " Ernst-Reuter-Plakette" geehrt.

Der große Schauspieler und Ufa-Star Carl Raddatz starb am 19. Mai 2004 mit 92 Jahren in Berlin, wo er bis zu seinem Tod gelebt hatte. Er wurde im engsten Familien- und Freundeskreis auf dem St.-Annen-Friedhof in Berlin beigesetzt; an der Trauerfeier nahm auch Altbundespräsident Richard von Weizsäcker teil. Der Schauspieler war von 1944 bis 1945 mit der Schauspielerin Hannelore Schroth2) (1922 – 1987) verheiratet, seine zweite Frau Hildegard verstarb 1966. Erst wenige Jahre vor seinem Tod hatte er 2001 seine Hausärztin Helga Cartsburg geheiratet, die er 1984 kennen gelernt hatte und die bis zuletzt an seiner Seite war.
An Auszeichnungen erhielt er 1972 das Bundesverdienstkreuz und 1979 das Filmband in Gold für "langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film".

Im Film des "Dritten Reiches" war Raddatz der Prototyp des – idealisierten – deutschen Fliegeroffiziers, ein vorbildlicher Führer und Draufgänger mit Verantwortungsgefühl. Nach dem Krieg zog er die Uniformen aus und trat, unrasiert und in schmutziger Heimkehrerkleidung, den Rollenrückzug in das Zivilleben an. Als schnauziger und rauer aber herzlicher Kumpel, Schiffer oder Naturbursche drückte er der Trümmerzeit des deutschen Films seinen Stempel auf. Sein illusionsloser, deutscher Männertonfall, immer auf Kontrast zum gekünstelten Habitus anderer Filmstars seiner Zeit, blieb in allen Auftritten gleich: eigensinnig, reizbar, gemütlich und autoritär.3) (
Link: 1) Wikipedia, 2) Beschreibung bzw. Kurzportrait innerhalb dieser HP
3) Quelle: "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S. 295/296)
Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch
Fotos bei film.virtual-history.com
  
Kinofilme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Murnau Stiftung, Wikipedia)
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