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Vollkommen konträr war dann nur ein Jahr später die Figur der kühlen Gerda Arnoldsen in Alfred Weidenmanns zweiteiligen, starbesetzten Thomas Mann-Adaption "Buddenbrooks"1) (1959), die noch im gleichen Jahr mit dem "Deutschen Filmpreis" ausgezeichnet wurde. Da das Niveau des deutschen Films Ende der 1950er Jahren immer flacher wurde, suchte Nadja Tiller, wie andere deutsche Stars, Alternativen in französischen Produktionen, drehte aber auch in England, Italien und Hollywood. In rund 70 weiteren Filmen nutzen verschiedenste Regisseure in den kommenden Jahren ihre geheimnisvoll-attraktive Ausstrahlung, zeitweilig galt sie neben Sophia Loren als erotischste Frau des europäischen Films. 1986 zeigte sie sich noch in dem Thriller "Der Sommer des Samurai"1) von Hans-Christoph Blumenberg als mysteriöse Waffenexpertin Dr. Feuillade. Wie andere Filmstars, die nach den für die Kinokassen glorreichen 1950er und 1960er Jahren etwas ins Abseits gerieten, konnte Nadja Tiller ihren Filmglamour nur zögerlich ins Medium Fernsehen hinüberretten. Später gab sie einmal zu Protokoll, man habe sie beim Fernsehen wohl vergessen. Größere Produktionen wie die Serien "Es muss nicht immer Kaviar sein" (1977), "Die schöne Marianne" (1977), "Hotel zur schönen Marianne" (1978) oder die Pferdesaga "Alles Glück dieser Erde" (1994, neben Rolf Hoppe als dessen Freundin) und Bernd Boehlichs "Sturmzeit"1) (1998), ein Fünfteiler nach der Romantrilogie von Charlotte Link, blieben Ausnahmen. Um so mehr begeisterte sie auf Boulevard-Theatertourneen mit und ohne ihren Film- und Lebenspartner Walter Giller2) (1927 2011), mit dem sie seit 1956 verheiratet war, das Publikum; zusammen mit ihm bestritt sie 1983 auch einige Ausgaben der TV-Sketch-Reihe "Locker vom Hocker".
In Christine Kabischs heiter-turbulenten Ehekomödie "Ich heirate meine Frau"3), der temporeichen Fortsetzung von "Der Traum vom Süden" (2006) mit Elmar Wepper und Gila von Weitershausen in den Hauptrollen des Ehepaares Walter und Henriette, war Nadja Tiller Anfang März 2007 mit der Rolle der gewitzten Schwiegermutter zu sehen, die mit Raffinesse versucht, zwischen den inzwischen getrennt lebenden Eheleuten zu vermitteln. Unterhaltsam war auch die von Matthias Tiefenbacher in Szene gesetzte heitere Geschichte "Liebling, wir haben geerbt!"3), die Anfang Juni 2007 in der ARD ausgestrahlt wurde. Nadja Tiller gab die traditionsbewusste Großtante Käthe, die ihrer Nichte Hannah Held (Sabine Postel) und deren Zahnarzt-Gatten Martin (Florian Martens) ein millionenschweres Erbe anvertrauen will. Doch diese Erbschaft kann nur bei einem intakten Familienleben zustande kommen, durch Martins Affäre mit seiner Arzthelferin und Hannahs Scheidungsabsichten müssen sich beide etwas einfallen lassen, um der Erbtante Harmonie vorzugaukeln. Doch die beiden ahnen nicht, dass die kluge und vorausschauende Erbtante ihnen längst auf die Schliche gekommen ist Wie in den vergangenen Jahren war auch Walter Giller mit einer Gastrolle (als Franz Todsen) in dieser Familienkomödie mit von der Partie. (siehe auch www.radiobremen.de) Danach erlebte man Nadja Tiller Mitte April 2009 als Mutter des Hochzeits-Planers Max Palfy (Heikko Deutschmann) in der witzigen Geschichte "Liebe ist Verhandlungssache"3), gemeinsam mit ihrem Mann Walter Giller war sie auch in Xaver Schwarzenbergers Tragikomödie "Und ewig schweigen die Männer"3) zu sehen; die ARD zeigte den Film am 20. Mai 2009. In der NDR-Verfilmung über den Aufstieg und Fall des ersten Fernsehkochs der Wirtschaftswunder-Zeit Clemens Wilmenrod2) (1906 1967) mit dem Titel "Es liegt mir auf der Zunge"1) gehörte sie neben den Protagonisten Jan Josef Liefers als Clemens Wilmenrod und Anna Loos als dessen Ehefrau Erika ebenfalls zur Star-Besetzung und verkörperte die Mutter des kochenden TV-Pioniers. Auch Ehemann Walter Giller hatte einen Mini-Auftritt, gezeigt wurde der Film in der ARD erstmals am 25. November 2009. Im Kino präsentierte sich Nadja Tiller nach etlichen Jahren Leinwandabstinenz in Till Schweigers mit einem "Bambi" prämierten Roadmovie "Barfuss" (2005), das Schauspieler-Ehepaar Tiller/Giller tauchte dann ab 24. Dezember 2009 in der von Leander Haußmann inszenierten Komödie "Dinosaurier Gegen uns seht ihr alt aus!"1) auf; Haußmann realisierte ein Remake des erfolgreichen Dramas "Lina Braake"1) von Bernhard Sinkel aus dem Jahre 1975 mit Lina Carstens und Fritz Rasp (→ www.deutsches-filmhaus.de). Hauptfigur des Films über Senioren in einem Altersheim ist eine pensionierte Lehrerin, gespielt von Eva-Maria Hagen2), die von ihrer Bank betrogen wurde und nun zu verhindern versucht, dass die Bank in ihrer Straße ein Einkaufszentrum baut. Leander Haußmanns Vater Ezard Haußmann2) (1935 2010) verkörpert die Figur des Johann Schneider, wobei der gewählte Rollenname durchaus an den Baulöwen Jürgen Schneider1) erinnern soll. Mitwirkende sind neben den Hauptdarstellern Eva-Maria Hagen und Ezard Haußmann sowie den Publikumslieblingen Nadja Tiller und Walter Giller weiterhin unter anderem Ralf Wolter2), Horst Pinnow1) und von der "jungen Garde" Daniel Brühl. Auch im fortgeschrittenen Alter nimmt Nadja Tiller sporadisch Gelegenheiten wahr, um sich auf der Bühne dem Publikum zu zeigen. Im September/Oktober 2010 war Nadja Tiller in der Rolle der "größten Diva aller Zeiten" in einem Stargastauftritt in Schorsch Kameruns Inszenierung des Stückes "Vor uns die Sintflut" im "Thalia-Theaterzelt" in der Hamburger Hafencity zu sehen.4) Nadja Tiller lebte zusammen mit Walter Giller lange Jahre in Castagnola im Tessin/Schweiz; aus der Verbindung stammen Tochter Natascha (geb. 1959) und Sohn Jan-Claudius (geb. 1964). In der Sendung "Beckmann" vom 28.11.2005 kündigte das Ehepaar an, dass es die Schweiz verlassen werde: "Wir haben uns entschlossen, 2006 ins Seniorenheim nach Hamburg zu ziehen", zwar seien "übliche Altersprobleme mit Haaren, Augen, Zähnen, Herz, Hüfte, Knie und Füßen mit Ersatzteilen" zu lösen, aber auf keinen Fall wollten sie jedoch ihren Kindern "auf den Wecker" fallen. In ihrem neuen Domizil wolle das Paar zwei getrennte Apartments beziehen, "Walter schnarcht", verriet Nadja Tiller den Zuschauern. Seit Mitte März 2008 lebte Nadja Tiller nun gemeinsam mit ihrem Ehemann im Seniorenstift "Augustinum" in Hamburg. Walter Giller, der seit einigen Jahren an Lungenkrebs litt, erlag am 15. Dezember 2011 mit 84 Jahren in einer Hamburger Klinik seiner Krankheit. Für ihr langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film gab es für die Wienerin 1979 das "Filmband in Gold". Zu ihren weiteren Ehrungen zählen unter anderem die "Ehrenmedaille der Stadt Wien", das "Österreichische Ehrenkreuz 1. Klasse für Kunst und Wissenschaft", seit 2000 ist Nadja Tiller Trägerin des "Bundesverdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland". Am 27. Januar 2005 feierte im "Deutschen Theater" in München der "DIVA-Award"1), mit dem herausragende Lebensleistungen, langjährige künstlerische Arbeit, dauerhafter Erfolg bei Publikum und Kritik und besondere Verdienste gewürdigt werden, in ihrer neuen Form als "Deutscher Entertainment Preis" Premiere. Der "Lifetime Achievement Award 2005" ging an "das" Traumpaar des deutschen Films, Fernsehens und Theaters: Das Künstlerehepaar Nadja Tiller und Walter Giller wurden auf der Gala für ihr herausragendes Lebenswerk ausgezeichnet. Einen weiteren begehrten Medienpreis, den "Bambi"1), erhielt Paar für sein Lebenswerk am 30. November 2006 in Stuttgart. Die beiden hätten im Wirtschaftswunder-Deutschland das Traumpaar des Show-Business verkörpert und seien dies bis heute geblieben, hieß es zur Begründung. 2009 folgte mit dem "Askania Award" ein neuerlicher Preis für das "cineastische Lebenswerk". Anlässlich des 80. Geburtstages von Nadja Tiller am 16. März 2009 würdigten die Medien die Leistungen der Schauspielerin. "Ikone, Diva und endlich Charakterdarstellerin" titelte beispielsweise Dieter Bartetzko in seinem Portrait in der F.A.Z., der Berliner TAGESSPIEGEL wählte die Überschrift "Nadja Tiller: Die Furchtlose". Das "Filmarchiv Austria" widmete der "Grande Dame" des Unterhaltungsfilms zu dem runden Geburtstag bis Ende März 2010 eine umfassende Filmschau. Die ehemalige Laufsteg-Schönheit wandelte sich zur ungeliebten Madame Pompadour der fünfziger Jahre. Lebenshungrig und triebhaft erweckte die großäugige Wienerin mit den langen Beinen das ganze Typenarsenal von Glamour Girls, Salonschlangen und verworfenen Biestern zu wollüstigem Leben, das man damals verabscheute, aber immer wieder sehen wollte. Später verkörperte Nadja Tiller in vielen Filmen den Typus "Erfolgsfrau", der sich in einer Welt der Männer deren Spielregeln aneignet, sich durchsetzt, ohne ihre erotische Ausstrahlung zu verlieren.5) |
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| Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser Webpräsenz, 3) prisma-online.de Quelle: 4) Wikipedia (abgerufen 30.09.2011), 5) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz", Ausgabe 2000, S. 352 |
Stand: Dezember 2011 | ||||
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Textbausteine des Kurzportraits von www.prisma-online.de
Siehe auch Wikipedia |
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