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Dieter Borsche wurde am 25. Oktober 1909 als Dieter Albert Eugen
Rollomann Borsche in Hannover geboren; sein Vater Willi Felix Borsche
war Musiklehrer und Kammermusiker der Städtischen Oper, seine Mutter Anna
Friederike Berta Oratoriensängerin.
Nach dem Gymnasium, das er bis zur Oberprima besuchte, nahm
Dieter Borsche Tanzunterricht bei der Hannoveraner Ballettmeisterin und
Choreographin Yvonne Georgi1)
(1903 1975) sowie bei dem legendären
Harald Kreutzberg1)
(1902 1968). Anschließend erhielt er 1930 ein Engagement
an der Städtischen Oper in Hannover, dessen Ballettensemble er bis 1935
angehörte. Parallel dazu nahm Borsche Unterricht an der Schauspielschule
Blech, erhielt nach Abschluss der Studien in Weimar ein erstes
Theater-Engagement als jugendlicher Liebhaber. Nach einem kurzen Intermezzo
in Kiel wurde 1939 Danzig eine weitere Theaterstation, drei Jahre
später wechselte Borsche an die "Städtischen Bühnen" in Breslau,
wo er bis zur Schließung des Theaters im Herbst 1944 auftrat. Gegen
Kriegsende wurde Borsche noch zum Wehrdienst eingezogen, in der Eifel
verwundet und gefangen genommen. Nach seiner Entlassung lag er noch längere
Zeit in einem Tübinger Lazarett, fand seine Familie im Bayerischen Wald
wieder und betätigte sich dort eine Zeit lang als Schreiner und
Spielzeighersteller mit eigener Werkstatt.
Foto: Dieter Borsche und Lotte Berger1)
(1907 1990) in Goethes Lustspiel "Die Mitschuldigen"1)
Urheber: Helmuth Ellgaard1)
(1913 1980), aufgenommen 1937 bei Proben am Theater
Quelle: Familien-Archiv Ellgaard bzw. Wikipedia;
Genehmigung durch den Nutzungsrechte-Inhaber bzw. Sohn Holger
Ellgaard1) (CC-by-sa
2.0/de) |
Ende 1946 traf Borsche in München den Charaktermimen Bernhard Minetti2)
(1905 1998), der ihn wieder zurück nach Kiel an das Theater
holte. Dort stand Borsche ab 1947 wieder erfolgreich auf der Bühne,
gleichzeitig war er bis 1949 als Oberspielleiter des Schauspiels tätig.
Etwa zu dieser Zeit fand Borsche mit der Rolle des Kaplans in
Harald Brauns Melodram "Nachtwache" (1949) auch wieder zum Film
zurück.
Sein Leinwanddebüt hatte der Schauspieler bereits 1935 im dem
Weiß-Ferdl-Film "Alles wegen dem Hund" gegeben, 1937 folgte das
Melodram "Wie einst im Mai"3) und ein Jahr später Paul Martins
Historienstreifen "Preußische
Liebesgeschichte"1), der jedoch von
Goebbels wegen dessen Affäre mit der Filmschauspielerin Lída Baarová
vor der Premiere verboten wurde; erst Mitte April 1950 gelangte die Geschichte
unter dem Titel "Liebeslegende"3) in die Kinos.
Als Borsche 1935 seine Filmkarriere startete, hatte man in ihm zunächst
als jugendlichen Liebhaber besetzt, doch er besaß zu wenig
Ausstrahlungskraft, um sich in diesem Rollenfach entscheidend durchzusetzen.
Erst 1949 kamen die eigentlichen Qualitäten von Borsche zum Durchbruch.
Nach seiner Rolle als Geistlicher in "Nachtwache" (1949) hier
spielte er einfühlsam den Ex-Flieger und katholischen Kaplan von Imhoff,
der seinem protestantischen Amtsbruder aus einer Lebens- und Glaubenskrise
hilft avancierte Borsche rasch zum populärsten
Filmschauspieler im Nachkriegsdeutschland. Borsche wurde "zu einer
Identifikationsfigur, die vor Augen führt, was der Kulturjournalist Walther Schmieding1)
(1928 1980) die "Rückführung der durch den Krieg glaubens- und heillos gewordenen Menschen
zu den Quellen des Christentums" genannt hat. Der religiöse Film der
Nachkriegsgeschichte, der richtiger als klerikaler Film zu bezeichnen wäre,
nimmt mit der 'Nachtwache' seinen Ausgang." so
1985 der Filmhistoriker Klaus Kreimeier1).Dass Borsche auch
weniger schwergewichtige Rollen glaubhaft zu interpretieren verstand, bewies
er in der Thomas-Mann-Verfilmung "Königliche Hoheit"1) (1953).
Seine Darstellung als Prinz Klaus Heinrich ist mit verhaltenem, um Liebe
und humanistisches Verständnis werbenden Einfühlungsvermögen gezeichnet.
Zusammen mit Ruth Leuwerik2) bildete der eckig smart-coole Borsche das
Traumpaar des deutschen Nachkriegsfilms; in heiteren Familienfilmen wie
"Vater braucht eine Frau" (1952) oder ironischen
Gesellschaftskomödien wie "Muss man sich gleich scheiden
lassen?" (1953) bildete er mit seiner geradlinigen Männlichkeit
und diskretem Charme die perfekte Ergänzung zu Leuweriks gepflegtem
Darstellungsstil. Beide gaben in den 1950ern ein ebenso ehrenhaftes wie
tröstliches Bild deutscher Familienidylle, die durch kein Ärgernis zu
zerstören war. Doch auch für andere weibliche Stars jener Zeit war Borsche
der perfekte Partner in verschiedensten Melodramen: So erlebte man ihn
beispielsweise 1950 als schmucken Korporal Friedrich Mombour in
Rudolf Jugerts "Es kommt ein Tag" und ein Jahr später im
makellosen Arztkittel als "Dr. Holl" an der Seite von
Maria Schell. Mit Gisela Uhlen zeigte er sich in Harald Brauns
unkonventionellem Drama "Der fallende Stern" (1950), als
Komiker versuchte er sich in Kurt Hoffmanns Travestie-Schwank "Fanfaren der
Liebe"1) (1951, einem Vorläufer von "Some
Like It Hot") und Hans Grimms "Fanfaren der Ehe"1) (1953).
Doch Borsche bleibt eher mit seinen "edlen" Figuren in Erinnerung,
so als Fried von Barring und Partner Nadja Tillers in
Rolf Thieles Familienepos "Die Barrings" (1955) oder als
König Friedrich Wilhelm in Wolfgang Liebeneiners "Königin
Luise" (1957) erneut als Partner von
Ruth Leuwerik. In einigen internationalen Produktionen bewies Borsche,
dass er durchaus dem Klischee entrinnen konnte, so als Bandenchef Abdel in
Jacques Beckers Komödie "Ali Baba et les quarante voleurs" (1954,
Ali Baba) mit Fernandel in der Titelrolle. Jean Dréville besetzte ihn
neben Heinz Rühmann in der Krimikomödie "Escale à Orly"1) (1955,
Zwischenlandung in Paris), Douglas Sirk in dem Kriegsdrama
"A Time to Love and a Time to Die"1) (1958), dass nach
dem Roman von Erich Maria Remarque entstanden war.
Spätestens mit seinen Rollen der 1960er Jahre verabschiedete sich Borsche von
seinem bisherigen Leinwand-Image und bevorzugte nun meist zwielichtige
Charaktere. So tauchte er in einigen Wallace-Krimis auf, mimte den
geheimnisvollen Heimleiter Paul Dearborn in dem Wallace-Krimi "Die Toten Augen von
London"1) (1961), den undurchsichtigen Lord
Harry Chelford in "Der Schwarze
Abt"1) (1963) und den Dr. Mac Ferguson in
"Der Henker von
London"1) (1963). In "Das
Phantom von Soho"1) (1964) ging er dann als Chefinspektor Hugh Patton selbst
auf Mörderjagd, um dann in die Welt von Karl May einzutauchen: In
"Der Schut"1) (1964),
"Durchs wilde Kurdistan"1) (1965)
und "Im Reiche des silbernen Löwen" (1965)
verkörperte er den Sir David Lindsay. Weitere Filme der 1960er
waren unter anderem Falk Harnacks eher mäßiges Melodram "Ein
Frauenarzt klagt an" (1964), Paul Martins Abenteuer "Die
Goldsucher von Arkansas" (1964), Rolf Olsens Krimi "Der
Arzt von St. Pauli" (1968, mit Curd Jürgens) und
Christian-Jaque's Historienabenteuer "Lady Hamilton Zwischen
Schmach und Liebe" (1968).
Seit den 1960ern übernahm Dieter Borsche vermehrt Aufgaben für das Fernsehen;
so überraschte er auch hier mit der "Schurkenrolle" des Malers
John Hopedean in dem legendären sechsteiligen Durbridge-Straßenfeger
"Das
Halstuch"2) (1962). Doch überwiegend waren es
Charakterrollen, die Borsche auf dem Bildschirm verkörperte. In "Die
Kleinen Füchse" (1962), nach dem Bühnenstück "The
Children's Hour" von Lillian Hellman, mimte er unter der Regie
von Peter Beauvais den herzkranken Horace Giddens, der von seiner
korrupten Ehefrau Regina (Gisela Uhlen) in den Tod befördert wird, als
er nicht bereit ist, deren windige Bankgeschäfte zu unterstützen. Eine
schöne Rolle war auch die des Intendanten in der TV-Fassung von
Heinrich Bölls Satire "Dr. Murkes gesammeltes
Schweigen" (1964), zu der Dieter Hildebrandt das Drehbuch
geschrieben hatte. In den 70ern stand Borsche wiederholt für die
beliebte Krimi-Serien "Der Kommissar" vor der Kamera, spielte
beispielsweise den Chef von Scotland Yard in dem Krimi "Hoopers letzte
Jagd" (1972, mit Max Mairich) oder war der Erzähler in dem
Mehrteiler "Die
Powenzbande"2) (1973). Zu seinen letzten
Arbeiten für das Fernsehen zählen die Serie "Algebra um
acht" (1973), der Sechsteiler "Der Strick um den
Hals"4) (1976), nach dem gleichnamigen Roman von Emile Gaboriau,
und die Serie "Goldene Zeiten Bittere
Zeiten"5) (1981) mit der Figur des Generals Walter Bielstock.
Ebenfalls seit den 1960er Jahren konzentrierte sich Dieter Borsche auf seine
Arbeit am Theater um der Gefahr der Standardisierung zu entgehen. So erlebte
man ihn 1963 an der Berliner "Freien Volksbühne" in einer Inszenierung
von Erwin Piscator eindrucksvoll als "Papst Pius XII." in
Rolf Hochhuths Schauspiel "Der Stellvertreter", ein Jahr später
glänzte er mit der Titelrolle in Heiner Kipphardts "In der Sache
J. Robert Oppenheimer", 1965 wurde er in Peter Weiss'
"Die Ermittlung" gefeiert.
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Der von allen Kollegen wegen seiner Professionalität hochgeschätzte
Star litt seit 1944 an Muskelschwund und konnte in seinen letzten
Jahren oft auf der Bühne
nur noch wenige Schritte gehen. Als Psychiater in Peter Shaffers "Equus", bei dessen Aufführungen Borsche schon wegen
der fortschreitenden Krankheit an den Rollstuhl gefesselt war, feierte er an
der "Freien Volksbühne" einen seiner letzten großen Theater-Erfolge.
Dennoch blieb Borsche aktiv, war zunehmend für den Hörfunk tätig oder
arbeitete als Synchronsprecher.
Dieter Borsche starb am 5. August 1982 im Alter von 72 Jahren
in einem Nürnberger Krankenhaus; seine letzte Ruhestätte fand er in
einem anonymen Grab auf dem Hauptfriedhof Öjendorf in Hamburg.
Borsche hinterließ seine dritte Ehefrau, die Schauspielerin Ursula Willick, die er 1970 geheiratet
hatte. Aus seiner 1935 mit der Bühnenbildnerin Ursula Poser
geschlossenen ersten Ehe stammen die Söhne: Kai (geb. 1938), Peter (geb. 1940) und Michael (geb. 1944);
Sohn Kai Borsche1) hat sich inzwischen einen Namen als
Kameramann und Regisseur gemacht. 1958 ließ sich das Paar scheiden, zwei
Jahre später ehelichte Borsche die damals 25-jährige Berliner
Zahnarzttochter Monika Drum; aus dieser 1970 geschiedenen Ehe
stammt Sohn Christian.
Foto: © Werner Bethsold
Das Foto entstand Ende der 70er Jahre während einer Hörspielproduktion. |
Dieter Borsche gehört zu den Schauspielern, die den deutschen Nachkriegsfilm
maßgeblich geprägt haben. Mit seinem Primanergesicht konnte er noch im Alter von Vierzig
Studenten, Erbprinzen und Nachwuchsärzte spielen. Er verkörperte, was in
der Adenauer-Zeit gesucht wurde: das Edle, Anständige und eine klare
Welt, die nach Persönlichkeit und geistiger Reife geordnet sein sollte. Trotz
virtuoser Ausflüge ins Heitere wie in
"Fanfaren der Liebe" (1951) blieben seine Paraderollen die des
Seelenvollen mit tiefen Blicken und einem Siegelring am Finger, der in eine
Liebesbeziehung wie in einen Gottesdienst eintritt; ebenso im steifen Hemd
gespielte preußische "Exerzierstöcke", deren eckige Körpersprache im
anrührenden Gegensatz zum warmen Stimmen-Timbre des
Schauspielers standen.6)
An Auszeichnungen erhielt der Schauspieler 1951 und 1952 einen "Bambi"
jeweils als "publikumsstärkster Filmstar des Jahres" sowie 1974
das "Filmband in Gold" für "langjähriges und
hervorragendes Wirken im deutschen Film". 1979 überreichte man
Borsche das "Bundesverdienstkreuz".
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