| Oskar Werner | ||
|
Oskar Werner wurde am 13. November 1922 in Wien-Gumpendorf
als Oskar Josef Bschließmayer und Sohn eines Versicherungsangestellten geboren; seine Eltern ließen sich scheiden,
als er sechs Jahre alt war.
Werner blieb bei seiner Mutter, die in einer Hutfabrik arbeitete
und besuchte die Realschule bis zur Oberprima. Von Jugend an war
er für das Theater begeistert, besuchte aber zuerst ein Technikum,
bevor er sich für den Schauspielberuf entschied und Unterricht bei dem
Burgschauspieler Professor Helmuth Krauss nahm. Schon als Schüler hatte er in der Hörspielreihe "Das ist mein Wien" den Mozart unter der Regie von Lothar Müthel gesprochen, 1940 kam er gleich nach der Schule zum Arbeitsdienst, war anschließend ab 1941 als Soldat die meiste Zeit in Wien stationiert und für die Bühne beurlaubt. 1941 hatte ihn Intendant Lothar Müthel an das Wiener Burgtheater geholt, dem Werner (1946 hatte er seinen Namen geändert) dann mit kleinen Unterbrechungen zunächst bis 1949 angehörte. Er trat in jenen Jahren in klassischen und modernen Stücken in etwa 50 Bühnenrollen auf. 1944 wurde er noch einmal zu einem Offizierslehrgang eingezogen, doch nach zwei Monaten wieder als ungeeignet entlassen; bei einem amerikanischen Luftangriff wurde er verletzt. Ende 1944 flüchtete der Pazifist mit seiner "halbjüdischen" und zwölf Jahre älteren Frau, der Kammerschauspielerin Elisabeth Kallina (1910 2004), die er im gleichen Jahr geheiratet hatte, und der grade geborenen gemeinsamen Tochter Eleonore in die Umgebung von Wien, wo sich das Paar bis Kriegsende versteckt hielt. Trotz späterer Scheidung blieben beide bis zu Oskar Werners Tod freundschaftlich verbunden. Nach Kriegsende nahm Werner die Arbeit am Burgtheater wieder auf, hatte 1947 außerdem Engagements am Wiener "Raimund-Theater", bei den Salzburger Festspielen und am Wiener "Volkstheater". Ab 1950 gehörte er dem Wiener "Theater in der Josefstadt" an, von 1952 bis 1954 trat er am Schauspielhaus Zürich auf; ab 1955 wirkte er dann vor allem wieder am Wiener Burgtheater. Einige seiner wichtigsten Bühnenrollen waren 1946 der Clitandro in Molières "Der Misanthrop", der Leporello in Calderons "El Mayor Encanto Amor", 1948 der Hartmann in Zuckmayers "Des Teufels General", der Brackenburg im "Egmont" und 1951 der Louis im "Gesang im Feuerofen", eine Rolle, die Zuckmayer ihm auf den Leib geschrieben hatte. 1947 entdeckte Karl Hartl den jungen Künstler für den Film. Sein Leinwanddebüt gab er 1948 in dem Paula-Wessely-Film "Der Engel mit der Posaune", an der Seite von Ewald Balser als Beethoven stand er für "Eroica" (1949) vor der Kamera, 1951 sah man ihn unter der Regie von Karl Hartl in der britisch-österreichischen Produktion "Wonder Kid" (Entführung ins Glück). 1950 hatte Werner mit der "20th Century Fox" in Hollywood" einen Vertrag abgeschlossen, nach der Darstellung des Obergefreiten "Happy" in Anatole Litvaks Kriegsdrama "Decision Before Dawn" (1951, Entscheidung vor Morgengrauen) geriet der Name Oskar Werner auch in Amerika zum Begriff; den ursprünglich siebenjährige Vertrag mit Hollywood löste er allerdings kurze Zeit später wegen "künstlerischer Bevormundung" wieder auf. In Frankreich drehte er unter der Regie von René Chanas "Un sourire dans la tempete" (1951, Ein Lächeln im Sturm), weitere Filme aus diesen Jahren waren "Ruf aus dem Äther" (1951), "Das gestohlene Jahr" (1951), "Lola Montez"1) (1955), "Der letzte Akt" (1955), "Reich mir die Hand, mein Leben" (1955) und "Ein gewisser Judas" (1958). Werner galt in den 50er Jahren als einer der besten Liebhaber-Darsteller, später konzentrierte er sich auf die Darstellung sensibler und widersprüchlicher Charaktere, oft mit neurotischem Einschlag. Auch auf der Bühne feierte er in jenen Jahren seine größten Erfolge, beispielsweise als "Hamlet" und als "Prinz von Homburg", aber auch als Kinderkönig in "Der Turm" von Hofmannsthal, als "Don Carlos", als "Ferdinand" in "Kabale und Liebe" und als "St. Just" in "Dantons Tod", in verschiedenen Shakespeare-Dramen, in Cocteaus "Bacchus" und in Shaws "Candida". 1958 führte ihn eine Tournee als "Hamlet" durch ganz Westdeutschland, 1959/60 ging das von ihm begründete Oskar-Werner-Ensemble mit "Weh dem, der lügt" und "Kabale und Liebe" auf Gastspielreisen. Triumphe feierte er dann wieder 1960 als Oswald in Ibsens "Gespenster" sowie als "Tasso"; auch im Fernsehen war Werner 1964 in dieser Rolle zu sehen. Nachdem Werner sich 1960 mit der Wiener Leitung des Burgtheaters überworfen hatte, trat er acht Jahre lang nicht mehr in Österreich auf. Erst Ende 1968 spielte er wieder den "Jedermann" bei den Salzburger Festspielen. Sein Salzburger "Hamlet" markierte 1970 eine Wende, deutete einen physischen Absturz an. Ebenfalls noch in den 60er Jahren gelangen ihm im internationalen Film Meisterleistungen; 1961 sah man ihn als Partner von Jeanne Moreau in Truffauts berühmt gewordenen Film "Jules und Jim"1). Für die Rolle des Schiffsarztes in Stanley Kramers hochkarätig besetztem Film "Ship of Fools" (1964, Das Narrenschiff) wurde er mit dem New Yorker Kritikerpreis, einer Oscar- und einer "Golden Globe"-Nominierung sowie einem französischen Filmpreis ausgezeichnet. Er soll über seine Rolle als Schiffsarzt in diesem Film gesagt haben: "Sie ist zwar nicht allzu groß, kommt aber meinem Charakter ungemein entgegen. Ich weiß, was Melancholie ist." Für seine Verkörperung des ehrgeizigen Kommunisten Fiedler und Gegenspielers von Richard Burton in dem Spionagethriller "The Spy Who Came in from the Cold"2) (1965, Der Spion, der aus der Kälte kam), den Martin Ritt nach dem Bestseller von John le Carré in Szene gesetzt hatte, wurde Werner mit dem "Golden Globe" ausgezeichnet. Ein weiterer Film, mit dem der charismatische Schauspieler auf der Leinwand unsterblich wurde, war die Rolle des Feuerwehrmannes Montag in François Truffauts pessimistischer Utopie "Fahrenheit 451"1) (1966), mit Kevin Billington drehte er das Drama "Interlude" (1968, Zwischenspiel) und mimte einen verliebten Dirigenten, Michael Anderson besetzte ihn als zweifelnden Geistlichen David Telemond in "The Shoes of the Fisherman" (1968, In den Schuhen des Fischers) neben Antony Quinn in der Hauptrolle des Kiril Lakota, der vom einfachen Priester zum Papst aufsteigt. Seit Anfang der 70er Jahre hat sich der eigenwillige Schauspieler nur noch selten aus seinem Refugium in Triesen (Liechtenstein) fortbewegt. Er liebte die Einsamkeit in seinem Triesner Haus und schätzte es, zusammen mit seinen rund 5000 Büchern in vollkommener Anonymität zu leben. An der Pforte zu seinem Grundstück hing ein Schild mit der Aufschrift: "Gewähret dass ich ersuche, bitte keine unangemeldeten Besuche!"2) Sporadisch unternahm er ausgedehnte und gut besuchte Rezitationstourneen, die ihn durch die deutschsprachigen Länder und die USA führten. Alkoholprobleme und Depressionen kennzeichneten seine letzten Lebensjahre, 1983 versuchte er mit einem eigenen "Wachau-Festival" in Krems ein Comeback, doch geriet dieses private Festival zu eine Katastrophe. Zur Premiere des "Prinzen von Homburg" verließ nach der Pause die Hälfte des Publikums den Saal. Auch Lesungen arteten zur Publikumsbeschimpfung aus, eine geplante Aufführung des "Julius Caesar" an der Wiener Burg platzte als Folge des Wachauer Debakels. Ein Jahr später starb der als schwierig und exzentrisch geltende Oskar Werner am 23. Oktober 1984 in einem Hotel Marburg an der Lahn im Alter von fast 62 Jahren an Herzversagen kurz vor Beginn einer Rezitationstournee durch Deutschland; er hatte in Marburg die Dichterlesung vorbereitet. In seinem Testament hatte Werner, obwohl er ein hundertprozentiger Wiener war, sein Begräbnis in Liechtenstein verfügt, das ihm von der Stadt Wien angebotene Ehrengrab hat er schon zu Lebzeiten abgelehnt. Der Charakterdarsteller war von 1954 bis 1968 in zweiter Ehe mit Anne Power, der Stieftochter des Hollywood-Stars Tyrone Power, verheiratet, 1966 kam der gemeinsame Sohn Felix auf die Welt. Zwischen 1970 und 1979 war Schauspielerin Antje Weisgerber seine Lebensgefährtin, sich ihm zuliebe gänzlich aus ihrem Beruf zurückzog. In frühen Jahren war Werner von fast mädchenhafter Zartheit, mit einem Kopf wie ein blonder Boticelli-Engel, war die geniale Ausnahmegestalt des Nachkriegs-Schauspiels. Der brillante Darsteller mit der kapriziösen Sprechtechnik fiel immer "aus der Rolle", war jedoch dabei komödiantisch lebendig, wandlungsfähig und charmant, ein jugendlicher Liebhaber mit schwierigem Charakter. Später spielte er oft den Vergrübelten, Leidenden, im Theater den "Prinz von Homburg", auf der Leinwand den Beethoven-Neffen Karl wie in "Eroica".(Quelle: Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz) Oskar Werner ist der wohl berühmteste Schauspieler Österreichs und wird allgemein als Genie betrachtet. Sein Freund Spencer Tracy hielt ihn für den besten Schauspieler der Welt. Der blonde, attraktive, stets jugendlich wirkende Werner war durch sein Aussehen, seine Intelligenz und sein Charisma der geborene Filmdarsteller. Berühmt wurde seine fast hypnotische Stimme, die mit ihrer sanften, poetischen Modulation und der charakteristischen Wiener Sprachfärbung noch heute eine besondere Faszination ausstrahlt. Diese kommt gerade auch in den Hörpielproduktionen zur Geltung, in denen er als Sprecher mitwirkte.2) Im November 2002 wäre der international berühmte österreichische Theater- und Filmschauspieler Oskar Werner 80 Jahre alt geworden. Das Wiener Theatermuseum ehrte den Künstler mit einer Retrospektive, von Ulrike Dembski und Christiane Mühlegger-Henhapel erschien aus diesem Anlass das Begleitbuch "Oskar Werner. 'Welch einen sonderbaren Traum träumt ich'". |
||
| 1) Der Link führt zu prisma-online.de 2) Quelle: Wikipedia | ||
|
Eine Hommage an Oskar Werner bei www.oskarwerner.com Siehe auch: www.prisma-online.de, wikipedia.org |
||
|
In einer Welt der Zukunft, die nirgendwo zeitlich oder örtlich festgelegt wird, legt der Feuerwehrmann Montag Feuer, statt Feuer zu löschen. Er verbrennt Bücher, denn in dieser Gesellschaft ist es verboten, Bücher zu lesen und zu besitzen. Als er eines Tages trotz Warnung seines Vorgesetzten selbst der Faszination des Lesens unterliegt, wird er verraten und flieht in die Wälder, wo Büchermenschen leben, die ihre Lieblingsbücher auswendig gelernt haben, um sie der Nachwelt zu erhalten. François Truffauts erster Farbfilm bezeichnet im Titel den Angelpunkt seiner Geschichte: Bei 451 Grad Fahrenheit beginnt Papier zu brennen. Er zeigt eine total entpersönlichte Science-Fiction-Welt, in der Kommunikation völlig technisiert ist und das Fernsehen als wichtigster Agent einer anonymen Staatsmacht fungiert, in der aber auch eine kleine Anzahl von Leuten Sensibilität entwickelt. "Selbst mit geschlossenen Augen könnte ich ihren Beruf erraten", sagt Clarisse, das Mädchen, das Bücher liebt, als sie den Feuerwehrmann Montag trifft. Kein Wunder: Montag riecht nach Kerosin wie ein Metzger nach Blut. Angesichts anonymer Manipulation und Bedrohung kann auch der Held nur anonym bleiben: ein Anti-Held, mit dem man sich nicht mehr identifizieren kann. Montags Beziehungen zu anderen Menschen sind total versachlicht, im Beruf auf das Vernichten, im privaten Leben auf kommunikative Kurzformeln. Unmenschlichkeit zeigt sich in dieser Ordnung weniger im Verbot der Kommunikation als in der Bereitwilligkeit der Betroffenen, Verbote zu akzeptieren. In "Fahrenheit 451" gibt es nur wenige Menschen, die eigene Initiative zeigen: Clarisse, die zum aktiven Widerstand entschlossen ist, und besonders die alte Frau, die sich mit ihren Büchern verbrennen lässt, weil sie so sterben will, wie sie gelebt hat. Mit ihr verbrennen jene Bücher, die als anerkannter Kulturbesitz seit Generationen überkommen sind, sterben Balzac ebenso wie die "Cahiers du Cinéma". Die Bücher, um die es hier geht, bleiben nicht Objekte. Sie bestimmen das Verhalten von Menschen. Schon deshalb erfasst die Kamera sie nicht im Anschnitt, sondern total. Truffaut hat dazu in seinem Tagebuch von den Dreharbeiten notiert: "Die Bücher sind hier Personen, und sie auf ihrem Weg abzuschneiden, käme auf das gleiche heraus, wie wenn man den Kopf eines Schauspielers außerhalb des Filmausschnittes ließe."Oskar Werner überzeugt in der Rolle des Feuerwehrmanns Montag, der seine Liebe zu den Büchern entdeckt, die er eigentlich verbrennen soll. An Werners Seite agiert Julie Christie, die hier in einer Doppelrolle zu sehen ist: als Montags debile Ehefrau Linda und als Clarisse, die Montags Läuterung einleitet. Für die gelungenen Kamerafahrten zeichnet der spätere Regisseur Nicolas Roeg verantwortlich. Quelle: www.mynetcologne.de |
|
Kinofilme Filmografie bei der german.imdb.com |
| 1938: Geld fällt vom Himmel |
| 1939: Leinen aus Irland |
| 1939: Hotel Sacher |
| 1948: Der Engel mit der Posaune |
| 1949: Eroica |
| 1950: Ein Lächeln in Sturm |
| 1950: Das Gestohlene Jahr |
|
1951: Decision Before Dawn (Entscheidung vor Morgengrauen) |
|
1951: Entführung ins Glück (Das Wunderkind) |
| 1951: Ruf aus dem Äther |
| 1955: Lola Montès |
| 1955: Mozart |
| 1955: Spionage |
| 1955: Der Letzte Akt |
| 1962: Jules et Jim |
| 1965: The Spy Who Came In from the Cold |
| 1965: Ship of Fools |
| 1966: Fahrenheit 451 |
| 1968: The Shoes of the Fisherman |
| 1968: Interlude |
| 1976: Voyage of the Damned |
|
Um zur Seite der Leinwandstars zurückzukehren bitte dieses Fenster
schließen. Home: www.steffi-line.de |