Curd Jürgens 1938; Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Körperschaft: Weltbild; Copyright ÖNB/Wien; Datierung: 10.12.1938; Bildarchiv Austria (Inventarnummer P 1097) Curd Jürgens (Curd Gustav Andreas Gottlieb Franz Jürgens) wurde am 13. Dezember 1915 in München-Solln1) geboren. Jürgens' Vater, ein bedeutender, wohlhabender Hamburger Exportkaufmann lernte die Mutter Mouissia Noir, eine Südfranzösin, am Zarenhof in Petersburg kennen. In die große Welt der High Society, in der er sich stets am wohlsten fühlte, wurde Curd Jürgens sowie seine beiden älteren Schwestern Jeanette und Marguerite bereits hineingeboren. "Auf alles könnte er verzichten", zitierte er einmal Oscar Wilde1), "nur auf Luxus nicht". Jürgens wuchs zweisprachig auf und besuchte im Alter von zehn Jahren die "Herder-Schule", ein Reform-Realgymnasium in Berlin. Auf Wunsch seiner Eltern sollte er die Diplomatenlaufbahn einschlagen, der junge Jürgens jedoch hatte andere Pläne und begann zunächst als Reporter beim Berliner "8-Uhr-Abendblatt". Doch dann faszinierte ihn das Theater, bereits vorher hatte er in der Laiengruppe seines Gymnasiums als abgefeimter Halunke in dem Stück "Zwölftausend" von Bruno Frank1) begeistert, nun nahm er Schauspielunterricht bei Walter Janssen (1887 – 1976) und trat 1935 sein erstes Bühnenengagement am "Metropoltheater" in Dresden an– als singender Bonvivant in der Operette "Ball der Nationen" von Fred Raymond1).

Curd Jürgens 1938
Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB)1)
Körperschaft: Weltbild; © ÖNB/Wien; Datierung: 10.12.1938
Bildarchiv Austria (Inventarnummer P 1097)

Weitere Theaterstationen wurden in Berlin das "Theater am Kurfürstendamm"1) (1936/37) und die "Komödie" (1937–1939; → berlin.de), das "Deutsche Volkstheater"1) in Wien (1938–1941) und erneut die "Komödie" in Berlin (1940–1942).
1941 gelang Jürgens durch Vermittlung der Schauspielerin Lizzy Waldmüller der Sprung an das Wiener "Burgtheater"1), dessen Ensemble er zunächst bis 1953, dann von 1965 bis 1968 und wieder ab 1973 angehörte. Sein Bühnendebüt hatte er dort als Don Juan d'Austria in dem Lustspiel "Madame Kegels Geheimnis" von Joachim Zimmermann gegeben. Am "Burgtheater" diente er sich langsam nach oben, mit Figuren wie Romeos Vetter Benvolio in dem Shakespeare-Drama "Romeo und Julia"1), dem Siegfried in der Tragödie "Genoveva" von Friedrich Hebbel1) und als Mercutio, erneut in "Romeo und Julia". Mehrmals brillierte er darüber hinaus bei den "Salzburger Festspielen"1), so 1947 als Potiphar in der Komödie "Die Frau des Potiphar" von Alexander Lernet-Holenia1) mit Gusti Wolf als Frau des Potiphar (Regie: Oskar Wälterlin1)) und von 1973 bis 1977 als umjubelter Titelheld im "Jedermann"1) von Hugo von Hofmannsthal1) (Regie: Ernst Haeusserman1)). Das Salzburger Publikum begeisterte Jürgens 1976 auch als Anwalt Clarence Darrow1) in dem Einpersonenstück "Im Zweifel für den Angeklagten" ("Clarence Darrow For The Defense") von David W. Rintels, diese Inszenierung von Willi Schmidt1) feierte zudem im darauffolgenden Jahr Premiere (16.09.1977) am "Theater in der Josefstadt"1), eine Tournee durch verschiedene Städte schloss sich an. 1977 brachte Haeusserman die szenische Lesung "Tod eines Jägers" von Rolf Hochhuth1) mit den Texten aus Werken von Ernest Hemingway1) in Salzburg auf die Bühne  – Bernhard Wicki war "der Jäger", Jürgens "der Autor". → siehe auch "Curd Jürgens auf der Bühne" bei Wikipedia.
Berühmt und populär wurde Jürgens jedoch vor allem als charismatischer, wandlungsfähiger Filmschauspieler, der auch international Lorbeeren erntete. Sein Leinwanddebüt hatte er 1935 als jugendlicher Kaiser Franz Joseph1) in Herbert Maischs K.u.K.-Romanze "Königswalzer"2) gegeben, einem harmlos heiteren Oberflächenschwank, in dem die schöne Herzogin Elisabeth1), genannt Sisi, (Heli Finkenzeller) dem feschen Grafen Ferdinand von Tettenbach (Willi Forst) einen unbezahlbaren Gefallen tut. Im Film jener Jahre war Jürgens zunächst nur auf das Klischee "arrogant und schön" festgelegt, mimte dekorative Leutnants oder Adlige, wie etwa den Grafen Erik Stjernenhö in "Familienparade" (1936), den Prinz Heinrich Karl in Paul Verhoevens "Salonwagen E 417"1) (1939) oder den Kaiser Joseph II.1) in "Wen die Götter lieben"1) (1942) mit Hans Holt als Wolfgang Amadeus Mozart1).
Erst nach dem zweiten Weltkrieg kamen allmählich die prägnanten Figuren auf Jürgens zu, die ihn als Kraftprotz, Liebhaber und Landsknecht des deutschen Nachkriegskinos unvergessen machen. Anfangs verharrte er noch in dem bekannten Rollenklischee, so etwa als Graf Lechenberg in der bereits 1944/45 von und mit Willi Forst in Szene gesetzten musikalischen Filmbiografie um den österreichischen Komponisten Carl Michael Ziehrer1) mit dem Titel "Wiener Mädeln"1) (1949) oder als weltberühmter Dirigent Felix Adrian und Partner von Olga Tschechowa in der Komödie "Das Geheimnis einer Ehe"2) (1951).

Curd Jürgens als Kaiser Franz Joseph von Österreich
in dem Ufa-Film "Königswalzer"
Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek1) (ÖNB)
Körperschaft: United States Information Service1) (USIS)
© ÖNB Wien/USIS/Ufa; Bildarchiv Austria (Inventarnummer US 9610/1)

Curd Jürgens als Kaiser Franz Joseph von Österreich in dem Ufa-Film "Königswalzer"; Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Körperschaft: United States Information Service (USIS); Copyright ÖNB Wien/USIS/Ufa; Bildarchiv Austria (Inventarnummer US 9610/1)
Spätestens mit der Figur des zweifelhaften, draufgängerischen Fliegergenerals Harras in Helmut Käutners brillant inszenierten Zuckmayer-Verfilmung "Des Teufels General"1) (1955) fand Jürgens auch als charismatischer Charakterdarsteller Anerkennung. Bereits im gleichen Jahr eroberte er als vom Weltkrieg gezeichneter Wolf Gerke in dem französischen Abenteuer "Les Héros sont fatigués"1) (1955, Die Helden sind müde) von Yves Ciampi neben Yves Montand die internationale Filmszene und avancierte rasch zum anerkannten Star. Ein Jahr später besetzte ihn Roger Vadim1) als Lover von Brigitte Bardot in der erotisch-prickelnden Geschichte "Et Dieu… créa la femme"1) (1956, …und immer lockt das Weib); Brigitte Bardot war es im übrigen, die das berühmte "Etikett" vom "normannischen Kleiderschrank" erfand und das fortan Jürgens' Markenzeichen werden sollte.
Für Carmine Gallone1) war er in dessen Jules Verne-Verfilmung "Michel Strogoff" (1956) der mutige "Kurier des Zaren"1), mit Regisseur André Cayatte1) drehte er das Wüsten-Abenteuer "Oeil pour oeil" (1956, "Auge um Auge"), machte 1957 in Kriegsstreifen wie Nicholas Rays1) "Bitter Victory" ("Bitter war der Sieg") und Dick Powells "The Enemy Below"1) ("Duell im Atlantik"), wo er sich als als deutscher U-Boot-Kommandant von Stolberg und Gegenspieler von Robert Mitchum präsentierte, oder dem Spionagethriller "Les espions"1) ("Spione am Werk") von Georges-Henri Clouzot1) eine ausnehmend blendende Figur. Ingrid Bergman war 1958 seine Partnerin in dem Drama "The Inn of the Sixth Happiness"1) ("Die Herberge zur 6. Glückseligkeit"), gedreht nach den Erlebnissen der britischen Missionarin Gladys Aylward1) bzw. dem daraus resultierenden Roman "The Small Woman" von Alan Burgess: Als britisches Dienstmädchen kommt Gladys Aylward (Bergman) während des japanisch-chinesischen Krieges ins finsterste China, um als Missionarin zu wirken. Robert Donat1), einst Frauenliebling und Heldenstar, mimte den undurchsichtigen Mandarin von Yang Cheng, Curd Jürgens den halbchinesischen Offizier Lin Nan. Herausragend und von vielen als Jürgens' beste internationale Leinwandrolle angesehen war sein Oberst Prokoszny in der Tragikkomödie "Me and the Colonel"1) (1958, "Jakobowsky und der Oberst") nach dem gleichnamigen Bühnenstück1) von Franz Werfel1) mit Danny Kaye als dem polnischen Juden Samuel L. Jakobowsky. Die Darstellung des polnischen Oberst auf der Flucht vor deutschen Truppen ist "ein bißchen Jürgens-Selbstparodie – nur sehr wenig unsympathisch und sein rauher Charme auf die Dauer unwiderstehlich", so R. Becker 1958 in "Filmkritik", Nr. 12.  
Die von Richard Brooks1) realisierte Joseph-Conrad-Verfilmung "Lord Jim"1) (1965) mit Peter O'Toole in der Titelrolle war einer der wenigen Kinoproduktionen, in denen Jürgens mit einem amerikanischen Regisseur zusammenarbeitete. "Le  jardinier d'Argenteuil"1) (1966, "Blüten, Gauner und die Nacht von Nizza") mit Jean Gabin als altem Einsiedler, Maler und Kleingauner Tulipe und Jürgens als weltmännischer Baron Édouard de Santiskam als eine eher harmlos-nette, augenzwinkernde Gaunerkomödie daher. Eine rüde Mischung aus Kriegsfilm und Gangsterdrama mit Jürgens als Stadtkommandant General Edwin von Keist war die internationale Produktion "Dalle Ardenne all'inferno"1) (1968, "…und morgen fahrt ihr zur Hölle"). Bis weit in die 1970er Jahre stand Jürgens für mehr oder minder erfolgreiche internationale Kinofilme vor der Kamera, ein Highlight war ohne Zweifel seine Rolle des Bösewichts in dem von Lewis Gilbert gedrehten James-Bond-Thriller "The Spy Who Loved Me"1) (1977, "Der Spion, der mich liebte"): Roger Moore alias "007" muss gegen sowjetische Agenten kämpfen. Es geht um das Rüstungspotential des Westens, um die rote Gefahr, die abgewendet werden muss. Curd Jürgens  ist der perfide Karl Stromberg, der die Welt zerstören und umkrempeln will, ein ideologischer Verbrecher, wie ihn der Kalte Krieg in der Wirklichkeit gerne als Popanz gehabt hätte.
Curd Jürgens; Copyright Virginia Shue

Jürgens trat mit unterschiedlichsten Figuren in rund 160 Filmen auf, ließ sich nie auf ein Rollenklischee festlegen und beeindruckte immer wieder durch seine enorme Wandlungsfähigkeit. Filme, die Curd Jürgens vor allem in den 1950er und 1960er Jahren zum Kassenmagneten werden ließen, waren unter anderem auch verschiedene deutsche bzw. österreichische Produktionen wie die Literaturadaption "Meines Vaters Pferde, 1. Teil: Lena und Nicoline"1) (1953) mit Eva Bartok und Martin Benrath, erneut mit Eva Bartok tanzte er als schneidiger Adjutant des Großfürsten, Rittmeister Graf Dimitri Sarassow, in "Der letzte Walzer"2) (1953). Georg Wilhelm Pabst1) besetzte ihn als Partner von Elisabeth Müller in dem melodramatischen Krimi "Das Bekenntnis der Ina Kahr"1) (1954), in dem eher mittelmäßigen Problemfilm "Teufel in Seide"1) (1955) sah man Jürgens als Thomas Ritter an der Seite von Lilli Palmer, die ihren Selbstmord so geschickt als Mord tarnt, dass sie das Leben ihres Ehemanns zerstört. Zu Curd Jürgens' Lieblingsrollen gehörte der Johannes Bückler1) in dem Film "Der Schinderhannes"1) (1958), den Helmut Käutner1) nach dem gleichnamigen Theaterstück1) von Carl Zuckmayer1) unter anderem mit Maria Schell in Szene setzte – Jürgens gab den legendären Räuberhauptmann, der Ende des 18. Jahrhunderts gegen die Obrigkeit kämpfte, Maria Schell dessen Braut Juliana "Julchen" Blasius1). Bereits drei Jahre zuvor hatte Jürgens gemeinsam mit Maria Schell vor der Kamera gestanden und in Robert Siodmaks1) freien Hauptmann-Adaption "Die Ratten"1) (1955) neben der Schell als Pauline Karka beeindruckend einen heruntergekommenen Bruno Mechelke abgeliefert. An der Seite von Romy Schneider als "Katja, die ungekrönte Kaiserin"1) mimte Jürgens 1959 unter der Regie von Robert Siodmak den russischen Zaren Alexander II.1); das französisches Filmdrama war dem Roman der französischen Schriftstellerin Prinzessin Marthe Bibesco1) nachempfunden, die ihrerseits frei die Lebensgeschichte von Jekaterina Dolgorukowa1) erzählt, jugendliche Geliebte und später morganatische1) Ehefrau des Zaren Alexander II.. 
 
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt.  Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Vom Publikum und auch von der Kritik eher kaum beachtet wurde die von Gerd Oswald1) inszenierte Verfilmung "Schachnovelle"1) (1960) nach der gleichnamigen Novelle1) von Stefan Zweig, Curd Jürgens gestaltete den österreichischen Rechtsanwalt Werner von Basil, Mario Adorf den amtierenden Schach-Weltmeister Mirko Czentovic, Hansjörg Felmy den Gestapo-Mann Hans Berger und Claire Bloom dessen Freundin, die Balletttänzerin Irene Andreny: Zehn Minuten lang starrt der Schachweltmeister unbeweglich auf die Figuren, dann schiebt er sie mit einer ruckartigen Handbewegung vom Brett. In nervenzerrender Manier schildert Stefan Zweig in seiner Novelle die Begegnung des stumpf bäuerlichen Schachweltmeisters und des gebildeten Amateurs, der ihn an Bord eines Überseedampfers besiegt. In nachhaltiger Erinnerung bleibt Jürgens wohl auch mit der Figur des Schwedenkönigs bzw. dem Film "Gustav Adolfs Page"1) nach der gleichnamigen Novelle1) von Conrad Ferdinand Meyer1) mit Liselotte Pulver als jungem Nürnberger Bürgersmädchen, das im Dreißigjährigen Krieg für den Schwedenkönig Gustav Adolf1) so sehr schwärmt, dass es sich bei ihm als Page verdingt und mit ihrem Geliebten auf dem Schlachtfeld der Ehre stirbt.
"Die Dreigroschenoper"1) (1962), gedreht von Wolfgang Staudte frei nach Bertolt Brechts1) und Kurt Weills1) gleichnamigem Bühnenstück1) mit unter anderem Curd Jürgens als Mackie Messer, Hildegard Knef als Spelunken-Jenny, Gerd Fröbe als Peachum und Lino Ventura als Tiger Brown, war ein aufwendiger Unterhaltungsfilm, der trotz gelungener Showszenen nach Meinung einiger Kritiker weit hinter der Brechtschen Vorlage zurückblieb. Der Episodenfilm "Das Liebeskarussell"1) (1965), eine eher mäßige Umsetzung des Arthur Schnitzler-Dramas "Der Reigen" geriet nicht zuletzt wegen der internationalen Starbesetzung dennoch zum Kassenschlager, Nadja Tiller, Ivan Desny, Catherine Deneuve, Anita Ekberg, Johanna von Koczian, Gert Fröbe, Heinz Rühmann und Peter Alexander waren hier neben Jürgens zu sehen. Einen eindrucksvollen Kardinal gab der Mime in Rolf Thieles "Der Lügner und die Nonne"1) (1967), inszeniert nach dem gleichnamigen Stück von Curt Goetz, Rolf Olsens Krimi "Der Arzt von St. Pauli"1) (1968) und Rolf Thieles Komödie "Ohrfeigen"1) (1970, mit Gila von Weitershausen) waren weitere Produktionen der 1960er Jahre. Der Arzt von St. Pauli Ohrfeigen
DVD-Cover mit freundlicher Genehmigung der heute
nicht mehr existierenden "e-m-s new media AG"
Ohne Dich wird es Nacht

Mit dem Niedergang des deutschen Kinos waren auch die Filme, in denen Jürgens in den 1970ern mitspielte, qualitativ eher mittelmäßig. Zu nennen sind etwa der Horrorstreifen "The Mephisto Waltz" (1971, "Der Mephisto-Waltzer) von Paul Wendkos", John Olsens Fortsetzung der "St. Pauli"-Reihe "Käpt'n Rauhbein aus St. Pauli"1) (1971) oder Franz Antels Gangsterkomödie "Ab morgen sind wir reich und ehrlich"1) (1976). Letztmalig stand er für die sowjetisch-französiche Co-Produktion "Teheran 43"1) (1981 als als geschäftstüchtiger Anwalt eines ehemaligen Nazi-Mörders (Armen Dschigarchanjan1)) vor der Kinokamera → Übersicht Kinofilme.
Jürgens trat nun gelegentlich auf dem Bildschirm in Erscheinung, übernahm Aufgaben in populären Krimiserien wie "Tatort" (1978: Rot – rot – tot1)), "Der Kommissar" oder "Derrick". 1981 beeindruckte er in dem Zweiteiler "Collin"3), den Peter Schulze-Rohr nach dem Buch von Stefan Heym1) in Szene gesetzt hatte, und zeichnete hier als Gegenspieler eines ehemals einflussreichen DDR-Funktionärs (Hans-Christian Blech) das komplexe Portrait eines DDR-Dichters. Einige Jahre zuvor hatte er als der geheimnisvolle Mann im Rollstuhl in dem spannenden ZDF-Dreiteiler "Babeck" (1968) das Publikum in den Bann gezogen → Übersicht TV-Filme.
   
Wenige Male versuchte sich Jürgens zudem als Regisseur. Dem Melodram "
Ohne Dich wird es Nacht"1) (1956) mit Jürgens als morphiumsüchtigem Rechtsanwalt war nur mäßiger Erfolg beschieden, die Gaunerkomödie "Bankraub in der Rue Latour"1) (1961) mit Jürgens als Hauptdarsteller fand dagegen beim Publikum größere Beachtung. Weitere Regiearbeiten waren der Krimi "Prämien auf den Tod"2) (1950) mit Jürgens als Operntenor sowie "Gangsterpremiere" (1951), wo er einen Kommissar mimte.
  
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Jürgens war fünf Mal verheiratet, seit 15. Juni 1937 mit der attraktiven Theaterschauspielerin Lulu Basler, von der er sich am 8. Oktober 1947 scheiden ließ. Nur wenige Tage darauf ehelichte er am 16. Oktober 1947 die großartige Judith Holzmeister (1920 – 2008). Die Scheidung erfolgte 1955, wenig später trat er am 13. August 1955 mit der temperamentvoll-forschen Eva Bartok (1928 – 1998) vor den Traualtar und ließ sich nach zwei Jahren Ehe 1957 wieder scheiden. Danach folgte mit dem "seidig schönen", rund zwanzig Jahre jüngeren Mannequin Simone Bichéron Ehefrau Nr. 4, die Hochzeit fand am 14. September 1958 statt, die Scheidung erfolgte 1977. Zuletzt war die ebenfalls deutlich jüngere, aus aus Königsberg stammende gelernte Fotografin bzw. das Model Margie Schmitz an seiner Seite, welcher er am 21. März 1978 das Ja-Wort gegeben hatte. Und darüber hinaus war Jürgens ein Liebhaber der Frauen, die ihm scharenweise zu Füßen lagen – obwohl ihm ein schwerer Motorradunfall schon mit 17 die Fähigkeit, Vater zu werden, geraubt haben soll.
Margie Jürgens erlag Anfang August 2003 in Zürich im Alter von 62 Jahren ihrem schweren Krebsleiden.4)

Das Foto, welches den Star mit seiner Ehefrau Margie Schmitz zeigt,
wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt.  Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Curd Jürgens und Margie Schmitz; Copyright Virginia Shue.
Dieser Curd Jürgens war auf der Leinwand und im Leben einer der großen Stars, er war ein Vollblutschauspieler und seine Schurken, Rittmeister, Dandys und Frauenhelden gaben allesamt prächtige Figuren ab. Nebenbei war er auch ein PR-Profi, der den Medien gern Stoff lieferte, was er einmal folgendermaßen kommentierte: "Egal was die Presse über mich schreibt, Hauptsache sie schreiben meinen Namen richtig!" Blond, hochgewachsen, mit stahlblauen Augen, markanten Gesichtszügen und breiten Schultern avancierte der "normannische Kleiderschrank" zum Lieblingsstar einer ganzen Generation, der schon zu seinen Lebzeiten eine Legende wurde.
Porträt Curd Jürgens 1969; Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Körperschaft: Ungenannt; Copyright ÖNB/Wien; Datierung: 1969; Bildarchiv Austria (Inventarnummer FO400162/01) Zu recht bezeichnet man Jürgens als einen der wenigen deutschen Weltstars im Kino. Curd Jürgens' meist turbulentes Privatleben lieferte immer wieder willkommenen Stoff für illustrierte Blätter und machte weltweit ein Millionenpublikum glauben, ihn fast eben so gut zu kennen wie den Nachbarn von nebenan. Mitunter nahm die Öffentlichkeit an seinem Dasein mehr Anteil als am politischen Tagesgeschehen. Jürgens war ein Meister der Selbstinszenierung, und es gelang ihm, so wie selten zuvor einem Schauspieler, nachhaltig von sich reden zu machen. Der blonde, blauäugige Draufgänger Jürgens mit dem strahlenden Blick war eine imposante Erscheinung und verströmte stets Optimismus. Man konnte an ihm nicht vorbeisehen, er war – wo immer er auftauchte – Mittelpunkt. Der aristokratische Salonlöwe des deutschen Wirtschaftswunderkinos besaß die seltene Gabe, sein Leben öffentlich zu machen und es dennoch in vollen Zügen zu genießen. Ein weißer Rolls Royce, Champagner, fünf Ehefrauen, Skandale, Ohrfeigen – damit war Jürgens dankbares Objekt der Klatschpresse. Sein Lebensstil wurde zur Legende. (…) Aus dem flotten Windhund und Frauenverführer der frühen Jahre wurde im Film ein urdeutscher Held, der besaß, was vielen fehlte: Format, Flair, Persönlichkeit. 5)
"Schieb mich nie als Gemüse ans Fenster", bat Curd Jürgens seine letzte Ehefrau Margie. Selbst nach einer schweren Herzoperation gab er seine Rolle als "toller Kerl" nicht auf. Das war die Rolle seines Lebens. Curd Jürgens wurde Weltstar, als sich Deutschland gerade von den Schrecken der Kriegsjahre erholte. Produzenten und Regisseure erkannten in ihm die Figur ihrer Zeit: energiegeladen, groß, blond, strahlend blaue Augen. Curd Jürgens lebte für sein Publikum. Er führte seinen Reichtum vor, seine Häuser und seine Affären. Fünfmal war er verheiratet. Die Zeitungen schrieben reihenweise Berichte über ihn, die Leser nahmen teil an dem Luxus, in dem er lebte, an seinem Ruhm und seinen Eskapaden.6)

Porträt Curd Jürgens 1969
Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB)1)
Körperschaft: Ungenannt; © ÖNB/Wien; Datierung: 1969
Bildarchiv Austria (Inventarnummer FO400162/01)

Curd Jürgens starb am 18. Juni 1982 im Alter von 66 Jahren in Wien an Herzversagen und erhielt ein Ehrengrab auf dem dortigen Zentralfriedhof1) (Gruppe 32 C, Nummer 54) → Foto der Grabstelle bei Wikimedia Commons.
Vier Jahre zuvor hatte der damals 62-jährige Jürgens selbst in seinem autobiografischen Roman "… kein bisschen weise" auch ein wenig nachdenklich sein Leben Revue passieren lassen, der überaus erfolgreiche Song "60 Jahre und kein bisschen weise" geriet darüber hinaus zum musikalischen Vermächtnis. Das Werk erregte einiges Aufsehen, insbesondere wegen der fast exhibitionistischen Schilderung seines Liebeslebens.

Foto: Wohlfahrtsmarke "Curd Jürgens" aus der Serie
"Deutschsprachige Filmschauspieler" (Ausgabetag 12. Oktober 2000)
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Bundesministeriums der Finanzen
sowie der Künstlerin Antonia Graschberger, München (Entwurf)

Wohlfahrtsmarke 2000: Curd Jürgens
Ähnliche Freizügigkeiten zeichnete auch sein Roman "Der süße Duft der Rebellion" aus, den Jürgens 1980 auf den Markt brachte. Ferner war der Schauspieler Autor des Bühnenstücks "Geliebter Michael", welches im März 1946 in München Premiere feierte.
Den schriftlichen Nachlass ihres Mannes übergab Margie Schmitz 1997 dem "Deutschen Filminstitut"1) in Frankfurt am Main → curdjuergens.deutsches-filminstitut.de. Bereits 1985 hatte sie das Buch "Curd Jürgens. Wie wir ihn sahen. Erinnerungen von Freunden" veröffentlicht. Von Gregor Ball stammt die ebenfalls 1985 publizierte Biografie "Curd Jürgens. Seine Filme – sein Leben", drei Jahrzehnte später publizierte Heike Specht anlässlich des 100. Geburtstages Mitte Dezember 2015 das Buch "Curd Jürgens. General und Gentleman, die Biographie" – auf der Grundlage bislang unerschlossener Archivmaterialien und mit exklusiven Fotos, wie es auf der Seite des "Aufbau-Verlages" heißt → aufbau-verlag.de sowie tagesspiegel.de.
Curd Jürgens 1971 mit Ehefrau Simone Bichéron;  Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, B 145 Bild-F034157-0026; Fotograf: Engelbert Reineke  / Datierung: 23. 6.1971 / Lizenz CC-BY-SA 3.0. Die Auszeichnungen, die Jürgens während seiner Karriere erhalten hat, können sich sehen lassen: So wurde unter anderem er 1966 mit der "Kainz-Medaille"1) geehrt, anlässlich der "Filmfestspiele von Venedig"1) hatte er bereits 1955 den "Coppa Volpi"1) für seine Darstellung in "Des Teufels General" und "Die Helden sind müde" erhalten. 1973 wurde er auf der Filmwoche in Neapel mit dem "Premio Sorrento" geehrt, 1976 zum Professor der Österreichischen "Akademie der Künste" ernannt. Seit 1981 war Jürgens Träger des "Bundesverdienstkreuzes" sowie des "Filmbandes in Gold"1) für "langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film", 1982 erhielt er die "Goldene Kamera"1) für den TV-Film "Collin".
 
Foto: Curd Jürgens 1971 mit Ehefrau Simone Bichéron
Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, B 145 Bild-F034157-0026;
Fotograf: Engelbert Reineke  / Datierung: 23. 6.1971 / Lizenz CC-BY-SA 3.0
Originalfoto und Beschreibung: Deutsches Bundesarchiv B 145 Bild-F034157-0026 bzw. Wikimedia Commons
Genehmigung des Bundesarchivs zur Veröffentlichung innerhalb 
dieser Webpräsenz wurde am 11.10.2010 erteilt.
In Münchener Stadtteil Neuperlach1) sowie in Neu-Ulm1) erinnern die "Curd-Jürgens-Straße" an den kraftvollen Schauspieler. 2003 erhielt Matthias Schweighöfer1) im Rahmen der Verleihung der "Goldenen Kamera" die "Curd-Jürgens-Gedächtniskamera"1), als "Bester männlicher Nachwuchsschauspieler", von 2004 bis 2012 ging die mit 20.000 Euro dotierte "Lilli Palmer & Curd Jürgens Gedächtniskamera" an einen männlichen oder weiblichen Nachwuchsschauspieler. Von 2013 bis 2015 trug die Auszeichnung den Namen "Hörzu Nachwuchspreis", seit 2016 wird sie als "Goldene Kamera Nachwuchspreis" verliehen.
Textbausteine des Kurzportraits von prisma.de
siehe auch Wikipedia, whoswho.de, cyranos.ch, filmreporter.de, filmportal.de, geschichtewiki.wien.gv.at und
die Fanseite curd-juergens.zurerinnerung.at sowie

den Artikel zum 30. Todestag bei focus.de/kultur und
die Seiten "Curd Jürgens – Der Nachlass" bei curdjuergens.deutsches-filminstitut.de
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) filmportal.de,  3) fernsehserien.de
Quelle:
4) Artikel "Witwe von Curd Jürgens gestorben" bei www.rp-online.de
5)" Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzlmeier/Berndt Schulz (Ausgabe 2000, S.  181)
6) www.daserste.de zur Sendung "Legenden"
   
Filme
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filmportal.de
(Fremde Links: filmportal.de, Wikipedia,  Die Krimihomepage, fernsehserien.de)
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