Vilma Degischer wurde am 17. November 1911 Tochter eines Departementchefs und
Hofrates in Wien geboren. Nach dem Besuch der höheren Schule ließ sie sich
zunächst in Ausdruckstanz und klassischem Ballett bei Grete Gross,
Gertrude Bodenwieser1)
(1890 1959) und Ellinor Tordis
ausbilden, da sie Tänzerin werden wollte. Doch dann entschied sie
sich anders, besuchte das Wiener "Reinhardt-Seminar" und
erlernte dort ihr Handwerk als Schauspielerin. Noch vor ihrem erfolgreichen
Abschluss gab sie ihr Bühnendebüt als "Hermia" in Shakespeares
"Ein Sommernachtstraum" bei Max Reinhardt am "Deutschen Theater" in Berlin. Nach Beendigung
ihrer Ausbildung wurde Vilma Degischer an die Reinhardt-Bühnen in Wien und
Berlin verpflichtet, sie brillierte bei den Salzburger Festspielen sowie
zwischen 1935 und 1938 am Wiener "Volkstheater", avancierte
rasch zu einer renommierten Schauspielerin.
Foto: Vilma Degischer als Adele Schönfeldt mit Hans Holt als
amerikanischem Häusermakler Curtis
in dem TV-Spiel "Nachsaison" (1962)
nach dem gleichnamigen Drama von Herbert
Asmodi
Regie: Rainer Wolffhardt
Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services
mit weiteren Infos
zu dem Fernsehspiel; © SWR
Link: Kurzportrait innerhalb dieser HP bzw. Wikipedia
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Ab 1939 fand sie ihre
künstlerische Heimat am Wiener "Theater in der Josefstadt", dem sie zeitlebens
verbunden blieb. Hier glänzte sie als charmante Konversationsschauspielerin mit Eleganz, Noblesse und Sprachkultur
im Rollenfach der Salondame und Charakterheroine vor allem in Stücken von Schnitzler, Hofmannsthal, Anouilh und
Grillparzer. So beeindruckte sie beispielsweise als "Helene" in
Hofmannsthals "Der Schwierige", als "Generalin" in Anouilhs "Der
Walzer der Toreros" oder als "Königin" in Grillparzers
"Die Jüdin von Toledo"; zu ihren weiteren herausragenden
Bühnenrollen zählten auch unter anderem die "Marie" in
Hermann Bahrs "Das Konzert", die "Mutter Carmen" in Lorcas
"Maria Pineda", die "Frau Midway" in Turners "Ein wunderbarer
Gatte", die "Gräfin Ostenburg" in Christopher Frys "Das Dunkel ist licht
genug", die "Natalja" in Tschechows "Drei Schwestern"
oder die "Michaline Kramer" in Hauptmanns "Michael Kramer".
Ihre vielseitige Schauspielkunst bewies sie aber auch in Musicals wie
"Gigi" oder "Feuerwerk" sowie in verschiedenen Spiel- und Fernsehfilmen. Zu ihrem 75. Geburtstag schrieb die
"Schwäbische Zeitung" am 15.11.1986: "Vilma Degischers nicht nachlassender Zauber besteht wohl darin,
dass sie die Grenzen zwischen Darstellerin und Dargestelltem auf immer neue Art vergessen
lässt. Und mit dem Geheimnis dieser Transfusion weckt sie auch eine Blutsverwandtschaft
zwischen Bühne und Parkett: das Familiäre im Theater." Charakteristischerweise war sie
die erste, nicht am Burgtheater wirkende Schauspielerin, die mit dem Titel einer Wiener
"Kammerschauspielerin" geehrt wurde.
Seit Ende der 1940er Jahre übernahm Vilma Degischer auch
vereinzelt Aufgaben im Film: Ihr Leinwanddebüt hatte sie 1948 als Suzette Alberti
in "Das Andere Leben" gegeben, in den 50ern erlebte man sie
beispielsweise in der "Sissi"-Trilogie "Sissi"1) (1955),
"Sissi Die junge Kaiserin"1) (1956)
und "Sissi Schicksalsjahre einer Kaiserin"1) (1957)
als Erzherzogin Sophie und Mutter von Kaiser Franz Josef, alias Karlheinz Böhm.
In der Franz Werfel-Verfilmung "Der Veruntreute Himmel"1) war sie 1958 die Livia Argan,
1963 in Otto Premingers "The Cardinal"1)
(Der Kardinal) die Schwester Wilhelmina oder 1965 in Géza von Radvanyis
Literaturadaption "Onkel Toms Hütte" die Mrs. Shelby. 1963verkörperte
sie in dem musikalischen Disney-Biopic "The Waltz King" (Liebe im 3/4-Takt) die Mutter
des jungen Johann Strauß (Kerwin Mathews), spielte im Fernsehen zwei Jahre später in
John Oldens mit Stars wie Attila Hörbiger, Christiane Hörbiger, Paul Verhoeven oder
Fritz Muliar hochkarätig besetztem Drama "An der schönen blauen Donau",
der Geschichte eines jungen Paares in den letzten Stunden vor dem Naziputsch,
die Ehefrau von Oberst Schanti (Erik Frey). Sie stand beispielsweise für die ORF-ZDF-Produktion "Mich wundert, dass ich so fröhlich
bin" (1983) nach einem Roman von Simmel als Therese Reimann sowie
für den Fernsehfilm "Trostgasse 7" (1989) vor der Kamera. Zu
ihren letzten Arbeiten für das Fernsehen zählt die Figur einer tanzenden alten
Dame in der österreichischen, sechsteiligen Filmbiografie "Die Strauß-Dynastie"1) (1992).
Während ihrer langen schauspielerischen Karriere wurde Vilma Degischer
mehrfach ausgezeichnet: So erhielt sie neben ihrer Ernennung zur "Kammerschauspielerin"
unter anderem die "Goldene Ehrenmedaille" der Stadt Wien, 1959 als
erste Frau das Österreichische "Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst erster
Klasse" sowie 1972 die "Josef-Kainz-Medaille".
Hervorgehoben werden Degischers Vorzüge in Konversationsstücken, so ihre Eleganz, Noblesse, ihr Charme und ihre große sprachliche
Meisterschaft.*) Sie galt als Verkörperung des legendären Josefstädter Stils aus
musikalischer Sprachkultur und Haltung, die dort als
"Contenance" bezeichnet wird.**)2)
Vilma Degischer, die von 1939 bis zu dessen Tod mit dem Schauspieler Hermann Thimig3)
(1890 1982) verheiratet war, starb am 3. Mai 1992 im Alter von 80 Jahren in Wien; aus
ihrer Verbindung mit Hermann Thimig stammen zwei Töchter, von denen Tochter
Johanna ebenfalls
eine anerkannte Schauspielerin wurde.
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Link: 1) Wikipedia, 3) Kurzportrait innerhalb dieser HP
2) Quelle: Wikipedia (nach *) Wolfgang Beck: Degischer, Vilma. In: Theaterlexikon 2. 2007, S. 144.
und **) Weinzierl in Frankfurter Allgemeine Zeitung 22. November 1999, zitiert nach: Wolfgang Beck: Degischer, Vilma. In: Theaterlexikon 2. 2007, S. 144.
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