Hilde Krahl im August 1980 als Anna Meinhold-Aigner in Arthur Schnitzlers "Das weite Land"; Inszenierung: Maximilian Schell; Copyright Virginia Shue Hilde Krahl wurde am 10. Januar 1917 als Hildegard Kolačný in Brod an der Save (Kroatien) geboren. Die Mutter Paula war Kroatin mit schwäbischen Vorfahren, der Vater ein Wiener Eisenbahningenieur. Schon als Kind kam sie mit ihren Eltern nach Wien, studiert dort nach dem Abitur an der Musikakademie und nahm gleichzeitig Unterricht an der Schauspielschule "Lambert-Offer". 1936 machte sie die Abschlussprüfung, erste Bühnenauftritte hatte sie an der politisch engagierten Wiener Kleinkunstbühne "Literatur am Naschmarkt"1), wo sie unter anderem mit einer Parodie auf Paula Wessely auf sich aufmerksam machte. Nach einem ersten Engagement als Schauspielerin am "Theater in der Josefstadt" wurde Hilde Kral 1938 von Heinz Hilpert1) (1890 - 1967) an das "Deutsche Theater" in Berlin berufen, rasch avancierte die junge Schauspielerin mit Rollen wie der "Klara" in Hebbels "Maria Magdalena", der "Luise" in Schillers "Kabale und Liebe" oder mit Titelrollen in Ibsens "Nora" und Schillers "Maria Stuart" zu einer von Publikum und Kritik gefeierten Charakterdarstellerin.
 
Parallel zu ihren Bühnenerfolgen war der Film auf Hilde Kral aufmerksam geworden, erste Aufgaben übernahm sie in Streifen wie "Mädchenpensionat" (1936) und "Die Puppenfee" (1936). In der Folgezeit verkörpert sie die unterschiedlichsten Frauengestalten vom schlichten Mädchen bis hin zur erfolgreichen, verwöhnten Dame der gehobenen Gesellschaft. Sie beweist, dass sie das heiter-komische Fach ebenso beherrscht wie dramatische Rollen.2)

Foto: Hilde Krahl im August 1980 als Anna Meinhold-Aigner in Arthur Schnitzlers "Das weite Land"1)
(Inszenierung: Maximilian Schell; → www.salzburgerfestspiele.at)
Das
Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

Willi Forst holte sie für seine erotische Filmromanze "Serenade" (1937) vor die Kamera, Werner Klingler übertrug ihr die Rolle der Anja Hoster in dem Melodram "Die barmherzige Lüge"3) (1939) neben Elisabeth Flickenschildt und Otto Gebühr. Doch erst mit ihrer eindringlichen Darstellung des Mädchens Dunja, der Tochter des Postmeisters (Heinrich George) in Gustav Ucickys Puškin-Verfilmung "Der Postmeister"1), gelang Hilde Krahl der Durchbruch zum Kinostar. Mit großer Natürlichkeit verkörperte sie diese tragische Frauenfigur, die den Verführungen eines Rittmeisters (Siegfried Breuer) erliegt und als Prostituierte in Petersburg endet, überzeugte als dramatische Charakterdarstellerin.
Bis Kriegsende folgten Filme wie "Herz – modern möbliert" (1940) oder "Komödianten"3) (1941), wo sie auch ihr komödiantisches Talent unter Beweis stellen konnte, Helmut Käutner besetzte sie als Bauernmädchen "Anuschka"3) (1942) in dem gleichnamigen Melodram, unter der Regie von Wolfgang Liebeneiner mimte sie in "Großstadtmelodie"3) (1943) die junge angehende Fotografin Renate, die sich in Publizisten Rolf (Werner Hinz) verliebt und nach Umwegen zum Glück findet. In nachhaltiger Erinnerung bleibt Hilde Krahl als erfolgreiche Pianistin Clara Wieck in Harald Brauns Filmbiografie "Träumerei"1) (1944), der Geschichte über die tragische Ehe zwischen der Pianistin und dem depressiven, später in geistige Umnachtung verfallenden Komponisten Robert Schumann, gespielt von Mathias Wieman.
Hilde Krahl als Anina Wiedt in dem Film "Die Venus vom Tivoli" (1953); Quelle: www.cyranos.ch bzw. Archiv "Praesens-Film AG, Zürich", mit freundlicher Genehmigung von Peter Gassmann (Praesens-Film AG, Zürich); Copyright Praesens-Film AG Auch nach 1945 blieb Hilde Krahl neben ihren Theaterverpflichtungen eine vielbeschäftigte Filmschauspielerin und zeigte in Produktionen unterschiedlichsten Genres ihre darstellerische Bandbreite. Zu nennen ist etwa der von Regisseur und Ehemann Wolfgang Liebeneiner in Szene gesetzte Streifen "Liebe 47"1) (1949), der Verfilmung des Hörspiels "Draußen vor der Tür" von Wolfgang Borchert, den die Krahl selbst als ihren besten Film angesehen hat. Mit Regisseur Hans Schweikart und Paul Hubschmid als Partner drehte sie die Historienromanze "Das Gesetz der Liebe"3) (1949) nach dem Roman von Fred Andreas, weitere Filme der beginnenden 1950er Jahre waren beispielsweise die Komödie "Meine Nichte Susanne" (1950), die heitere Geschichte mit Filmliebling Johannes Heesters "Wenn eine Frau liebt" (1950, auch: Melodie des Herzens) oder Helmut Käutners kammerspielartig inszeniertes Melodram "Weiße Schatten" (1951) mit Hans Söhnker. In Harald Brauns Biopic "Herz der Welt"1) (1952) verkörperte Hilde Krahl überzeugend die Schriftstellerin und erste Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner1), in Paul Verhoevens "Ewiger Walzer"1) (1954), einem biographischen Unterhaltungsfilm über Johann Strauß (Sohn)1) (gespielt von Bernhard Wicki), mimte sie die gefeierte Sängerin Henriette Treffz1), welche später erste Ehefrau des Walzerkönigs wurde. 
  
Hilde Krahl als Anina Wiedt in dem Film "Die Venus vom Tivoli" (1953)
Quelle/Link: cyranos.ch bzw. Archiv "Praesens-Film AG", Zürich,
mit freundlicher Genehmigung von Peter Gassmann (Praesens-Film AG, Zürich); © Praesens-Film AG
In László Benedeks Anti-Kriegsfilm "Kinder, Mütter und ein General"1) (1955) spielte sie einmal mehr beeindruckend die Helene Asmussen, welche mit fünf anderen Müttern an die Ostfront fährt, um ihren zum Kriegsdienst eingezogenen halbwüchsigen Jungen nach Hause zu holen. Nach dem Melodram um eine Schauspieler-Ehe "Mein Vater, der Schauspieler" (1956) mit O.W. Fischer und Oliver Grimm, wurde ihre Interpretation der intriganten Hofdame Lady Churchill in dem Kinoerfolg "Das Glas Wasser" (1960), welches Helmut Käutner nach dem Bühnenstück von Eugčne Scribe mit Gustaf Gründgens und Liselotte Pulver inszeniert hatte, ein weiteres Highlight in ihrer Filmografie → filmportal.de. Zu Hilde Krahls letzten Leinwandauftritten zählt die Komödie "Heute kündigt mir mein Mann" (1962) mit Gert Fröbe als Partner sowie der eher zu vernachlässigende Krimi "90 Minuten nach Mitternacht"1) (1962) mit Martin Held und Christine Kaufmann.

Danach übernahm Hilde Krahl interessante Aufgaben für das Fernsehen, bereits seit Mitte der 1950er Jahre hatte sie für das noch junge Medium vor der Kamera gestanden. Auch hier ist die Liste ihrer herausragenden Rollen lang, neben ambitionierten TV-Spielen und Literatur-Adaptionen wie der Brecht-Verfilmung "Schweyk im zweiten Weltkrieg" (1961), "Der Schlaf der Gerechten" (1962) nach Albrecht Goes' Novelle "Das Brandopfer" oder der Hauptrolle in "Die Troerinnen des Euripides" (1966) war die Schauspielerin auch in einigen beliebten Serien wie "Hallo–Hotel Sacher… Portier!" (1973), "Die Liebe Familie"1) (1980) oder "Wie gut, dass es Maria gibt"
1) (1990/91) auf dem Bildschirm präsent.
  
Wolfgang Liebeneiner und Hilde Krahl 01; Copyright Virginia Shue Wolfgang Liebeneiner und Hilde Krahl 02; Copyright Virginia Shue
Wolfgang Liebeneiner probt mit seiner Frau Hilde Krahl an den Hamburger Kammerspielen (01.02.1981)
Die Fotos wurden mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt. 
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
  
Vor allem der Bühne konnte Hilde Krahl ihr vielfältiges Repertoire, welches sowohl klassische als auch moderne Frauentypen umspannte, ausbreiten, Von 1945 bis 1954 gehörte sie unter der Intendanz von Ida Ehre zum Ensemble der "Hamburger Kammerspiele", bei Gastspielen in Zürich, Düsseldorf, München, Frankfurt am Main, Berlin oder bei den Festspielen in Bad Hersfeld und Recklinghausen zeigte sie immer wieder ihre darstellerische Dominanz. Ende der 1950er, Anfang der 60er Jahre spielte Hilde Krahl am Wiener "Burgtheater", an den "Hamburger Kammerspielen" und am Wiener "Volkstheater". Für ihre Rolle in "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" erhielt sie 1964 die "Josef Kainz-Medaille"1) der Stadt Wien. Weitere Auszeichnungen wie das "Filmband in Gold"1), welches sie 1961 als "Beste Hauptdarstellerin" in "Das Glas Wasser" erhielt, belegen die schauspielerische Präsenz aber auch die Beliebtheit der Hilde Krahl. Einen "Goldenen Bambi"1) konnte sie 1965 entgegennehmen, 1980 erhielt sie das "Filmband in Gold" für "langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film", drei Jahre später erneut die "Josef-Kainz-Medaille" für "herausragende Leistungen an Wiener Bühnen". Im gleichen Jahr wurde sie mit dem "Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland" geehrt. Weitere Preise sind unter anderem der "Große Bad-Hersfeld-Preis"1) (1966) sowie der "Goldene Rathausmann"1)  (Wien, 1973).
 
Die Dokumentation von Reinhart Hoffmeister "Der Kreis der Hilde Krahl – Porträt einer Schauspielerin" entstand 1969 in Wien, New York, Bad Hersfeld und am Neusiedler See, der Autor unternahm den Versuch, Persönlichkeit und Leistung Hilde Krahls aus ihren Rollen zu erschließen. Aufnahmen als "Mutter Courage" sowie Ausschnitte aus den Filmen "Kinder, Mütter und ein General", "Das Glas Wasser", "Herz der Welt", "Träumerei" und aus den Fernsehaufzeichnungen "Lady Frederick" (Maugham), "Mittagswende" (Claudel) und "Troerinnen" (Euripides/Sartre) ergänzen die Dokumentation.4)
Nicht nur auf der Leinwand wirkte ihre spröde Schönheit immer integer, vertrauenerweckend. Auch wo sie Verführerinnen spielte, war sie absolut, wahrhaft liebend oder leidend; wo sie plänkelte, wirkte sie unterfordert. Als herbe, dunkle Frau gab die "schöne Unbedingte" (Friedrich Luft) den Gegentyp zu den Blondinen, denen der Erfolg leichter zufällt. Auch ihre Stimme war klar, offen; nicht zuletzt durch dieses Instrument wirkte sie noch im Alter von bezaubernder Jugendlichkeit.5)

Die große Mimin starb am 28. Juni 1999 im Alter von 82 Jahren in Wien, wo sie seit vielen Jahren gelebt hatte. Sie vermachte ihren Körper der Wissenschaft (Gedenkstätte der Anatomie auf dem Wiener Zentralfriedhof → Foto bei knerger.de).
Nicht nur beruflich waren Hilde Krahl und Wolfgang Liebeneiner1) (1905 – 1987) verbunden, 1944 hatte das Paar geheiratet. Die ein Jahr später geborene Tochter Johanna Liebeneiner1) avancierte ebenfalls zu einer renommierten Schauspielerin.

Siehe auch www.cyranos.ch, Wikipedia sowie
den kurzen Nachruf bei www.zeit.de 
Fotos bei film.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia, 3) Murnau-Stiftung
Quelle:
2) filmportal.de, 4) ZDF Theaterkanal (Seite nicht mehr existen)
5) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 203
  
Filme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, filmportal.de, Murnau Stiftung, fernsehserien.de)
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