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Dass Heesters nicht nur als unbekümmerter Herzensbrecher überzeugen konnte, dokumentierte er in der Romanze "Illusion"3) (1941) an der Seite von Brigitte Horney, hier mimte er einen verlassenen Liebhaber und wechselte erstmals in das Charakterfach. Lange Zeit sollte "Illusion" sein Lieblingsfilm bleiben und erst Mitte der 1950er Jahre durch Louis Daquins Guy de Maupassant-Adaption "Bel Ami"2) (1957) abgelöst werden. Diesen eher ernsten Streifen sehen sowohl Kritiker als auch Johannes Heesters selbst heute als Höhepunkt seines Filmschaffens an. Dass Heesters während des Nazi-Regimes in vielen so genannten "Ablenkungsfilmen" auftrat, wurde ihm von seinen niederländischen Landsleuten später verübelt, obwohl dem Schauspieler stets ein eher distanziertes Verhältnis zum Nationalsozialismus nachgesagt wurde. Holländischer Akzent, blitzende Zähne, Glitzern in den Augen und eine dekorative Schmalzlocke waren seine Kennzeichen. Der stattliche Operettentenor mit der hellen Stimme schien manchmal nach Atem zu ringen, was er aber problemlos durch seine Jungenhaftigkeit wettmachte. Sein Credo lautete "man müsste Klavier spielen können"; dieses Glück hatte der Herr in Frack und Zylinder jederzeit.4)
Kein anderer Künstler der Welt hat über so einen langen Zeitraum seinen Beruf so erfolgreich ausüben können wie Johannes Heesters. Trotz aller Erfolge war der Schauspieler und Sänger ein Star ohne Allüren, eine Persönlichkeit, die nichts von ihrer Anziehungskraft eingebüsst hat, ein Künstler, der es verstand, das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Ein Mensch, der im Heute lebte arbeitete – ganz unter seinem Motto: "Was spiele ich als nächstes?" Anlässlich seines 100. Geburtstages war in der Presse zu lesen, dass Heesters erneut Gesang studieren möchte. "Meine letzte Gesangsstunde ist schließlich schon 40 Jahre her", meinte er damals humorvoll in einem Interview. Zu seinem 95. Geburtstag hatte der Jahrhundert-Charmeur Heesters 1998 bei einer "Wetten dass…"-Sendung als Wetteinsatz angeboten, dass er zu seinem 100. Geburtstag wieder in die Sendung käme, falls er mit seiner Meinung falsch läge und das mit dem Lied "Ich werde 100 Jahre alt, darauf könnt ihr bauen!" untermauert. 2003 konnte er sein Versprechen wahr machen, zum seltenen 100. Geburtstag erhielt "Jopie" Heesters am 5. Dezember 2003 Glückwünsche auch von der politischen "Bühne". Unter anderem würdigte Bundeskanzler Gerhard Schröder das vielfältige Talent des Weltstars und Entertainers mit den Worten "Sie können singen, spielen, plaudern mit Elan, Witz und Charme – unglaublich". Heesters hatte in einem Luxushotel in Pöcking am Starnberger See in seinen runden Geburtstag hineingefeiert; zuvor hatten die 100 geladenen Gäste zusammen mit dem Jubilar auf einer Großleinwand die ARD-Geburtstagsgala verfolgt, die eine beachtliche Publikumsresonanz verzeichnen konnte. Der Grandseigneur der Operette bewies in dieser Sendung erneut einem Millionenpublikum und den Zuschauern im Saal, welches die Filmlegende mit "standing Ovations" feierte, seine unglaubliche Vitalität und sang wie eh und je mit kräftiger Stimme.
Im Oktober 2002 veröffentlichte Johannes Heesters seine Erinnerungen unter
dem Titel "Johannes Heesters. Auch hundert Jahre sind zu kurz";
bereits 1980 hatte der Künstler in dem Buch "Es kommt auf die
Sekunde an. Erinnerungen an ein Leben im Frack" aus seinem Leben erzählt
sowie erneut 1993 in "Ich bin gottseidank nicht mehr jung". Im
November 1998 publizierte Simone Rethel zusammen mit Beatrix Ross
den Bildband "Schönheit des Alters – Johannes
Heesters"; die Fotografien zeigen den ältesten Schauspieler wie ihn nur
sehr wenige kennen und – das macht diese Sammlung so
besonders – wie ihn nur ein einziger Mensch fotografieren kann:
seine Ehefrau Simone Rethel-Heesters.
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Am 5. Dezember 2008 wurde "Jopi" Heesters unglaubliche
105 Jahre alt. An diesem Ehrentag stand der älteste aktive Schauspieler der
Welt auf der Bühne. Seit der Premiere am 21. November 2008 gab
er täglich den Kaiser Franz Joseph in dem Singspiel "Im weißen Rößl"2)
von Ralph Benatzky im Hamburger Theater "Komödie im Winterhuder
Fährhaus", bis 18. Januar 2009 waren die Vorstellungen geplant, Daniela Maria Kiefer spielte die Wirtin Josepha, Marcus Ganser den Leopold und Hans Teuscher den Siegesmund. Bereits 1952 hatte
Heesters in Willi Forsts musikalischen Filmversion
mitgespielt und an der Seite von Johanna Matz als hübscher Wirtin Josepha den
flotten Anwalt Dr. Siedler, Konkurrent des Oberkellners Leopold (Walter Müller),
gemimt; den Kaiser Franz Josef gab damals Rudolf Forster. Den 2007 versprochen "Sonder-Bambi", der ihm anlässlich der Gala am 27. November 2008 in Offenburg verliehen werden sollte, konnte Heesters wegen seiner Theaterverpflichtung leider nicht persönlich entgegen nehmen; auch der achte "Bambi" wurde ihm am 26.11.2009 im Rahmen der Gala in der Metropolis-Halle in Potsdam-Babelsberg in Abwesenheit verliehen. Der weltweit älteste noch aktive Schauspieler hatte für den Sommer 2009 eine neue Aufgabe übernommen, im Stuttgarter "Alten Schauspielhaus" war der 105-Jährige in Hugo von Hofmannsthals "Jedermann" als "Gottvater" zu bewundern. Heesters verlieh bereits vor einigen Jahren in einer Kölner "Jedermann"-Inszenierung dem "Gott" seine Stimme. Die Premiere war am 11. Juni, bis 24. Juli 2009 stand das von Klaus Hemmerle inszenierte Stück auf dem Spielplan. Den seltenen 106. Geburtstag am 5. Dezember 2009 feierte der betagte Künstler bereits am Vorabend mit zahlreichen prominenten Gästen aus Film und Fernsehen in Wien. Im Rahmen einer Veranstaltung im Steinernen Saals des Wiener Rathauses wurde Heesters, seit 1984 Ehrenmitglied der Wiener Volksoper mit einer "Goldenen Wien-Plakette" für seine schauspielerischen Leistungen geehrt. Zur Feier gab es einige musikalische Einlagen mit Stücken von Franz Lehár und Robert Stolz. Auch Johannes Heesters selbst griff am Ende der Feier zum Mikrofon und sang zwei Stücke: "Ich knüpfte manche zarte Bande" und das "Zigarettenlied".8) Heesters blieb trotz Verlust des Sehvermögens nach einer Makula-Degeneration und eines 2007 aufgetretenen Glaukoms erblindete Heesters 2009 vollständig "unverwüstlich", als König in Rolf Hochhuths "Inselkomödie oder Lysistrate und die NATO" feierte auch er im "Theater am Schiffbauerdamm", der Spielstätte des "Berliner Ensembles", am 28. Juli 2010 die Vorpremiere; die eigentliche Premiere fand zwei Tage später am 30. Juli statt. In der von Regisseur Heiko Stang inszenierten Musicalfassung (Musik: Florian Fries) des bereits 1974 uraufgeführten Hochhuth-Stücks "Lysistrate und die NATO" sang Heesters allerdings nicht, sondern sprach auf einem prachtvollen Thron sitzend zwei kurze Monologe. Weitere prominente Gesichter waren die Fernsehmoderatorin und Schauspielerin Caroline Beil2) in der Titelrolle der Amazone Lysistrate sowie der langjährige "Lindenstraßen"-Wirt Kostas Papanastasiou2) als Vater von Lysistrate; bis 8. August 2010 konnten die Zuschauer Heesters in dieser Rolle bewundern → www.stern.de und www.rbb-online.de). Auch seinen (unglaublichen) 107. Geburtstag beging Johannes Heesters auf der Bühne, zwei Tage nach seinem Ehrentag, den er im Kreise seiner Familie verbrachte, lud er am 7. Dezember 2010 zu einer großen Geburtstags-Gala im Erfurter Kaisersaal ein. Er trat vor das Publikum, wie man ihn liebte, im Frack, weißer Weste und Seidenschal und erfreute die rund 600 Gäste mit seinen Erfolgs-Hits wie "Ich knüpfte manche zarte Bande" oder "Ich bin Gott sei Dank nicht mehr jung". Begleitet wurde er vom Salonorchester Weimar, das ihm bereits ihm 2008 das Programm "Jopie Eine Jahrhundert-Revue" gewidmet hatte. Durch den Abend führte unter anderem Caroline Beil, Schauspieler Thomas Fritsch las aus Heesters Erinnerungen. Das Publikum feierte den Jubilar, dem anlässlich der Gala ein weiterer "Sonder-Bambi" verliehen wurde, mit stehenden Ovationen, Heesters versprach "Ich werde auch 108, das könnt ihr mir glauben." Dieses Versprechen löste er ein, allerdings konnte er seine Pläne, diesen Ehrentag wie gewohnt mit einer Geburtstagsgala zu feiern, nicht verwirklichen. Wegen eines Ende November erlittenen Schwächeanfalls musste Heesters das Konzert im südbadischen Breisach absagen; auch die Premiere von Stefan Herings Kurzfilms "TEN", wo er als Petrus in Erscheinung tritt, musste am 30. November 2011 ohne den Star stattfinden. Rechtzeitig zum 108. Geburtstag am 5. Dezember konnte der momentan zweitälteste in Deutschland lebende Mann die Klinik jedoch wieder verlassen und ließ sich im Kreise seiner Familie feiern. Am 17. Dezember 2011 wurde Heesters erneut im Klinikum Starnberg stationär aufgenommen. In der Pressemitteilung auf seiner Webseite hieß es: "Herr Johannes Heesters wurde am Samstag, 17. Dezember 2011, abends im Klinikum Starnberg stationär aufgenommen und wird seitdem auf unserer Intensivstation behandelt. Sein Gesundheitszustand hat sich seit seinem letzten Aufenthalt in unserer Klinik akut verschlechtert und er befindet sich in einem kritischen Zustand. Seine Familie ist bei ihm " Am 24. Dezember 2011 verließ die Schauspielerlegende Johannes Heesters für immer die Bühne des Lebens, laut Medienberichten sei er im Beisein seiner Ehefrau Simone Rethel und Enkelin Wiesje Herold gegen 10:15 Uhr im Krankenhaus Starnberg "friedlich gestorben". Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) ehrte den Schauspieler und Sänger, Träger des " Bayerischen Verdienstordens, nach dessen Ableben als "Grandsegnieur der leichten Muse". "Mit seiner einzigartigen Bühnenausstrahlung eroberte er die Herzen des Publikums. Charme, Eleganz und Leichtigkeit waren sein Markenzeichen", teilte die Staatskanzlei in München mit. Mit seiner optimistischen Ausstrahlung und Lebensbejahung, die ihn bis ins hohe Alter nicht verließen, habe Heesters vielen Menschen Freude bereitet und Mut gemacht. Sein Publikum habe ihn verehrt und geliebt.9) "Ich hab mein Leben gelebt und bin zufrieden mit meiner Karriere, ich habe mich auch stets bemüht, den Weg meines Lebens geradezugehen, auch im Sturm der Zeit", sagte Heesters rückblickend auf sein langes Leben. Seinen künstlerischen Nachlass hat er der Berliner "Akademie der Künste" übergeben.10) → Nachrufe unter anderem bei www.spiegel.de, Hamburger Abendblatt, WELT-ONLINE, www.sueddeutsche.de, www.tagesschau.de. Seit dem 29. Dezember 2011 lagen in der Aussegnungshalle des Münchener Nordfriedhofs Kondolenzbücher für den verstorbenen Johannes Heesters aus, zahlreiche Trauernde trugen sich ein. Die auf Wunsch der Fanilie nicht öffentliche Trauerfeier für Heesters fand am Freitag, dem 30. Dezember 2011, auf dem Münchner Nordfriedhof statt. Neben den Familienangehörigen erwiesen rund 200 geladene Gäste, Freunde und Kollegen dem Ausnahmekünstler die letzte Ehre. Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle, Jürgen Wölffer, früherer Leiter des Theaters und der Komödie am Kurfürstendamm, sowie der Düsseldorfer Theaterdirektor René Heinersdorff erinnerten in ihren Reden an die künstlerische Lebensleistung von Heesters, geleitet wurde die Trauerfeier von dem früheren Starnberger Pfarrer Konrad Schreiegg. Heesters' Sarg war mit einem weißen Blumengebinde und einer Trauerschleife seiner Frau geschmückt. Fast ein Dutzend Blumenkränze und -gebinde waren in der Aussegnungshalle um den Sarg drapiert. Die Feier im geschlossenen Kreis wurde von Bekannten und Weggefährten des Schauspielers gestaltet. ( ) Die Pianisten Florian Fries und Uli Kofler, die über viele Jahre mit Heesters aufgetreten waren, begleiteten die Feier musikalisch. Sie spielten Lieder, die dem Entertainer "am Herzen lagen", sagte Kofler vor Beginn der Zeremonie. Darunter seien "Ich liebe die Sonne, den Mond und die Sterne", "Lippen schweigen" und der Walzer "Illusion" aus Heesters' gleichnamigem Film.11) Im Rahmen der sich anschließenden Beisetzung in einer von einer runden Mauer umgebenen Grabstätte konnten dann auch Hunderte Fans von dem Grandseigneurs der Operette und ihrem Leinwandidol Abschied nehmen. |
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Link: 1) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 2) Wikipedia, 3) Murnau Stiftung Quelle: 4) Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars von Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 151 5) Zitat der amazon-Redaktion 6) Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf 7) Akademie der Künste 8) wien.orf.at 9) www.abendblatt.de bzw. www.spiegel.de 10) www.spiegel.de (am 7. Juni 2004 übergab Heesters seinen Nachlass der "Akademie der Künste) 11) www.welt.de |
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Webpräsenz: www.johannes-heesters.de mit vielen Informationen zu der Bühnen- und Filmlegende Siehe auch Wikipedia, www.volksschauspieler.de, www.cyranos.ch, www.whoswho.de sowie die Artikel zum Thema "Johannes Heesters" bei www.spiegel.de Johannes-Heesters-Archiv bei der Berliner "Akademie der Künste" Fotos bei film.virtual-history.com |
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