Axel von Ambesser vor dem Theater an der Josefstadt Der Regisseur, Autor und Schauspieler Axel von Ambesser wurde am 22. Juni 1910 als Axel Eugen Alexander von Oesterreich in der Hansestadt Hamburg geboren; väterlicherseits hatte die Familie drei Generationen lang in Russland gelebt, eine Großmutter Ambessers war Engländerin. Der Sohn eines Kaufmanns interessierte sich schon früh für das Theater, bereits 1930 erhielt er, ohne eine professionelle Ausbildung zum Schauspieler gemacht zu haben, vom damaligen Intendanten Erich Ziegel erste Rollen an den Hamburger Kammerspielen. Engagements am Stadttheater Augsburg bei Erich Papst und an den Münchner Kammerspiele bei Otto Falckenberg schlossen sich an. Zwischen 1936 und 1945 stand von Ambesser am Deutschen Theater in Berlin, dem Theater in der Josefstadt in Wien (beide Male unter der Intendanz von Heinz Hilpert) sowie am Berliner Staatstheater bei Gustaf Gründgens auf der Bühne. Nach Kriegsende kam er wieder an die Münchner Kammerspiele, zunächst unter der Intendanz von Erich Engel, ab 1948 leitete Hans Schweikart das Haus, danach war Axel von Ambesser als freischaffender Schauspieler tätig. So glänzte er in München unter anderem neben Heinz Rühmann in "Der Mustergatte". Vom jugendlichen Held über Liebhaberrollen hatte sich von Ambesser vor allem rasch einen Namen als brillanter Charakterkomiker gemacht.

Axel von Ambesser vor dem Theater an der Josefstadt
Bildquelle: Gwendolyn von Ambesser
 
Sein Leinwanddebüt gab von Ambesser 1935 in Carl Boeses Streifen "Der Gefangene des Königs", weitere prägnante Rollen in zahlreichen Filmen sollten folgten. So war er beispielsweise 1939 neben Jenny Jugo als "Verehrer" in Erich Engels Komödie "Ein Hoffnungsloser Fall" zu sehen, gab den Kaiser Joseph II in Georg Jacobys "Tanz mit dem Kaiser" (1941) neben Marika Rökk und Wolf Albach-Retty, oder mimte 1943 den Richard Anden als Partner von Marte Harell in dem Willi Forst-Film "Frauen sind keine Engel". Unter der Regie von Wolfgang Staudte spielte er 1944 die Hauptrolle des Fridolin Biedermann in der bitterbösen Bürokraten-Groteske "Der Mann dem man den Namen stahl"1), da der Film von der nationalsozialistischen Zensurbehörde verboten wurde bzw. unvollendet blieb, drehte Staudte erneut mit von Ambesser in der Titelrolle für die DEFA das Remake "Die seltsamen Abenteuer des Fridolin B."2) (1947/48); für die Darstellung dieser Figur wurde von Ambesser in Frankreich auf eine Stufe mit Charles Chaplin gestellt.
Nach Ende des 2. Weltkrieges machte sich von Ambesser vor allem als Theater- und Spielfilmregisseur einen Namen, wobei seine Domäne die Komödie war. Mit Heinz Rühmann drehte er "Der Pauker" (1958), "Der brave Soldat Schwejk" (1960) und den Pater-Brown-Film "Er kann’s nicht lassen" (1962). Mit Gert Fröbe realisierte er "Der Gauner und der liebe Gott" (1960), mit Liselotte Pulver kam zwei Jahre später die Erfolgskomödie "Kohlhiesels Töchter" in die Kinos. Weitere, von ihm inszenierte Erfolgsfilme wurden beispielsweise "Bezaubernde Arabella" (1959) mit Johanna von Koczian und Carlos Thompson, wo er auch die Rolle des Lord Fleetwood spielte, "Die Schöne Lügnerin" (1959) mit Romy Schneider und Jean-Claude Pascal sowie "Frühstück im Doppelbett" (1963) mit O.W. Fischer und Liselotte Pulver. 

Das Foto wurden mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt. Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
Axel von Ambesser 01
Seine letzte Arbeit als Regisseur für das Kino war 1965 der Film "Die Fromme Helene" nach Wilhelm Busch, danach setzte er verschiedene Fernsehspiele in Szene .
Daneben übernahm er nach wie vor prägnante Nebenrollen im bundesdeutschen Unterhaltungsfilm, etwa in Géza von Cziffras "Tanzende Sterne" (1952) oder in Rolf Hansens "Gustav Adolfs Page" (1960), wo er als Wallenstein auftrat. Als Erzähler hörte man ihn Géza von Radványis "Es muss nicht immer Kaviar sein" (1961) oder als Stimme von Charlie Chaplin in "Monsieur Verdoux".
Axel von Ambesser 02 Auch als Schriftsteller und Bühnenautor war Ambesser überaus erfolgreich; so verfasste er nach dem 2. Weltkrieg zusammen mit Erich Kästner Sketche für das Kabarett "Die Schaubunde" und zu seinen bekanntesten Theaterstücken zählt "Das Abgründige in Herrn Gerstenberg", welches 1945 in Dresden von Helmut Käutner uraufgeführt und 1966 von Ambesser als Fernsehspiel mit Wolfgang Kieling in der Hauptrolle realisiert wurde. Weitere Bühnenstücke von und mit dem unvergessenen Axel von Ambesser waren beispielsweise "Max Mahnke als Mensch", "Begegnung im Herbst", "Wie führe ich eine Ehe?" oder "Omelette surprise"3), die unter anderem an Bühnen in Berlin, München, Hamburg, Köln, Düsseldorf und Wien, aber auch im Fernsehen erfolgreich ausgestrahlt wurden.
Bildquelle: Gwendolyn von Ambesser
Darüber hinaus bearbeitete er Schauspiele wie etwa Lope de Vegas "Tumult in Narrenhaus", Moličres "Der eingebildete Kranke" oder Joseph von Eichendorfs "Die Freier".
Für das Fernsehen inszenierte er beispielsweise 1977 "Begegnung im Herbst" mit Hilde Krahl und Friedrich Schoenfelder und spielte darin die Hauptrolle des Junggesellen Ferry, der nach genau 24 Jahren seine einstige große Liebe wiedertrifft, von der er damals unglückselig getrennt wurde. Mit Alice Treff als Lady Evelyn und Karl Schönböck als Butler Hawkins kam 1980 die von ihm in Szene gesetzte Komödie "Der Eisvogel" von William Douglas Home auf den Bildschirm, in dem von Ambesser den Schriftsteller Sir Cecil spielte, der Lady Evelyn, die er vor 50 Jahren geliebt hat, kurz nach der Beerdigung ihres Gatten einen Heiratsantrag macht. Als Schauspieler erlebte man ihn unter anderem in dem Krimi "Tod auf der Themse" (1973), mit Inge Meysel drehte er "Frau Juliane Winkler" (1983), seinen letzten Fernsehauftritt hatte von Ambesser als Landesgerichtsrat Eckner in der "Schwarzwaldklinik"-Episode "Der alte Herr" (1988).
 
Während seiner Karriere wurden dem Multitalent Axel von Ambesser zahlreiche Ehrungen zuteil: Für den Film "Der brave Soldat Schwejk" erhielt er 1961 den "Golden Globe" als "Bester ausländischer Film", 1968 verlieh man ihm den "Nestroy-Ring", am 9. Dezember 1981 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, 1985 folgte das "Filmband in Gold für hervorragendes Wirken im Deutschen Film."
Axel von Ambesser war seit 1937 mit Ingeborg Flemming (1914 – 1995) verheiratet, die unter dem Namen Inge von Oesterreich-Ambesser oft gemeinsam mit ihrem Mann auf der Bühne stand. Die gemeinsame Tochter Gwendolyn (geb. 1949) wurde ebenfalls eine erfolgreiche Schauspielerin, hat sich als Regisseurin sowie Autorin von Büchern zur Theatergeschichte einen Namen gemacht. Unter anderem gewann sie 1980 mit einem Filmdrehbuch den Förderpreis des Jahres, zuletzt erschien im Herbst 2006 das Buch "Schaubudenzauber – Geschichte und Geschichten eines legendären Kabaretts" (siehe auch Wikipedia).

Axel von Ambesser und seine Frau Inge von Oesterreich-Ambesser
Bildquelle: Gwendolyn von Ambesser
Axel von Ambesser und seine Frau
Im Film war Axel von Ambesser stets unverwechselbar: hochgewachsen, mit feinen Manieren, bewegte er sich auf der Leinwand als sei die Welt der Schauplatz für eine Salonkomödie. Auch mit Lachfältchen um die Augen und sparsamer Mimik blieb er als nonchalanter Kavalier immer Herr der Situation. Als Könner in der Kunst der Konversation amüsierte er sein Publikum durch seinen doppelbödigen Witz. 
(Quelle: "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz)
 
Axel von Ambesser verstarb am 6. September 1988 mit 78 Jahren in München, wo er noch kurz bis vor seinem Tod in der "Kleinen Komödie" tätig gewesen war. Seine letzten Bühnenrollen waren die Titelrolle in der Uraufführung von Curth Flatows "Romeo mit grauen Schläfe" sowie der Kaiser Franz Joseph in Ralph Benatzkys Operette "Im weißen Rößl" am Wiener Raimundtheater. Wenige Jahre vor seinem Tod hatte von Ambesser seine Biografie unter dem Titel "Nimm einen Namen mit A." (1985) veröffentlicht. Der Titel spielt auf die Wahl seines Künstlernamens an, den er auf Anraten seines Vaters mit einem "A" gewählt hatte, um bei alphabetischer Reihenfolge gleich zu Beginn genannt zu werden. 1987 publizierte der Künstler den Roman "Aber fragt mich nur nicht wie…".
 
Der Link führt zu 1) Der Murnau-Stiftung, 2) www.deutscher-tonfilm.de, 3) Wikipedia
Siehe auch wikipedia.org, www.cyranos.ch
Bilder bei film.virtual-history.com
    
Kinofilme (Auszug)
Filmografie bei der german.imdb.com
1935: Der Gefangene des Königs 1938: Kampf um Anastasia
1939: Eine Kleine Nachtmusik 1939: Ritorno
1939: Salonwagen E 417 1939: Die Unheimlichen Wünsche
1939: Ein Hoffnungsloser Fall 1940: Das Herz der Königin
1940: Traummusik 1941: Tanz mit dem Kaiser
1941: Annelie 1943: Die Kluge Marianne
1943: Karneval der Liebe 1943: Frauen sind keine Engel
1944: Der Mann, dem man den Namen stahl 1945: Das Mädchen Juanita
1948: Die Seltsamen Abenteuer des Herrn Fridolin B. 1949: Verspieltes Leben
1950: Komplott auf Erlenhof 1950: Verlobte Leute
1951: L'Aiguille rouge 1951: Verträumte Tage
1952: Der Mann in der Wanne 1952: Tanzende Sterne
1953: Drei, von denen man spricht 1959: Bezaubernde Arabella
1960: Gustav Adolfs Page 1963: Es war mir ein Vergnügen
1965: Das Liebeskarussell 1965: Die Fromme Helene
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