Gustaf Gründgens wurde am 22. Dezember 1899 in Düsseldorf-Oberkassel als Gustav Heinrich Arnold Gründgens und Sohn des Arnold Gründgens und seiner Frau Emmy in eine wohlhabende, alteingesessenen rheinische Industriellenfamilie hineingeboren (nach anderen Quellen war der Vater kaufmännischer Angestellter); seine jüngere Schwester war die einst sehr bekannte Chansonette und Kabarettistin Marita Gründgens1) (1903 – 1985). Nach dem Besuch des Gymnasiums und eines katholischen Internats im Eifelstädtchen Mayen diente er 1916 als Kriegsfreiwilliger an der Westfront, ein Jahr später kam er als Mitglied zu einer Fronttheatergruppe in Saarlouis, dessen Leiter er 1918 mit der Verlegung nach Thale (Harz) wurde und das nach Kriegsende in "Bergtheater Thale" umbenannt wurde.
Gustaf Gründgens 1936  in der Titelrolle des "Hamlet" im Staatlichen Schauspielhaus unter der Regie Lothar Müthels; Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, Bild 183-S01144; Fotograf: Naumann / Datierung: 21. Januar 1936 / Lizenz CC-BY-SA 3.0. Gründgens hatte sich nun endgültig für die Schauspielerei entschieden, 1919 nahm er Unterricht an der Hochschule für Bühnenkunst des Düsseldorfer Schauspielhauses, erhielt anschließend erste Rollen, gab Vortragsabende und Gastspiele an der städtischen Freilichtbühne. 1920 war er an den Städtischen Bühnen in Halberstadt engagiert, übernahm dort auch die Regie bei Tanztheaterstücken. 1921 folgte ein Engagement an den Städtischen Bühnen in Kiel, zu Spielzeit 1922/23 wechselte er an das Berliner "Theater in der Kommandantenstraße".
 
 
Foto: Gustaf Gründgens 1936  in der Titelrolle des "Hamlet" im Staatlichen Schauspielhaus unter der Regie Lothar Müthels.
 
Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, Bild 183-S01144;
Fotograf: Naumann / Datierung: 21. Januar 1936 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Genehmigung des Bundesarchivs zur Veröffentlichung innerhalb dieser Webpräsenz wurde am 11.10.2010 erteilt.
Originalfoto und Beschreibung:
Deutsches Bundesarchiv Bild 183-S01144 bzw. Wikimedia Commons
1923 folgte Gründgens einem Ruf Erich Ziegels an die Hamburger Kammerspiele, wo er in den nächsten fünf Jahren in 71 Rollen auf der Bühne stand und bei 32 Inszenierungen Regie führte. Er erarbeitete sich ein breites Repertoire, von klassischen Dramen über Konversationsstücke bis zur zeitgenössischen Dramatik von Frank Wedekind, Carl Sternheim und Georg Kaiser.
1924 debütierte Gründgens als Regisseur und inszenierte unter anderem die Zweitaufführung von Klaus Manns "Anja und Esther" sowie 1927 die Uraufführung von Manns "Revue zu Vieren". In beiden Stücken spielte Gründgens mit Erika und Klaus Mann sowie Pamela Wedekind die Hauptrollen. Im Juli 1926 heiratete der Künstler Erika Mann, die Tochter des berühmten Schriftstellers Thomas Mann, ließ sich jedoch am 9. Januar 1929 wieder von ihr scheiden.
1927 erhielt Gründgens ein Engagement an den Kammerspielen des Deutschen Theaters in Berlin. Zwischen 1928 und 1933 inszenierte und spielte er an verschiedenen Berliner Bühnen; 1929 folgte die erste Opernregie bei Mozarts "Die Hochzeit des Figaro" (unter der musikalischen Leitung von Otto Klemperer), daneben hatte er Kabarett-Auftritte mit Grethe Weiser und Ernst Busch in der Nelson-Revue.
Im selben Jahr begann Gründgens auch beim Film zu arbeiten. Durch seine Theaterarbeit war er auf zwielichtige Charaktere festgelegt, in den Gesellschaftskomödien spielte er häufig Verführer, elegant-zynische Lebemänner, Hochstapler und Erpresser – Rollen, die auch beim Film beliebt waren. Den Ganovenanführer "Schränker" in Fritz Langs Tonfilm-Meisterwerk "M – eine Stadt sucht einen Mörder" (1931) gestaltet Gründgens mit manieriert-glatter, eleganter Brutalität und großer krimineller Energie. Dennoch strahlte ein Stück der Komik seiner Untergebenen (Paul Kemp, Theo Lingen) auch auf ihn ab. Verschlossen, stur auf die eigene Ehre bedacht und von kalter Grausamkeit war 1933 auch Gründgens Baron Eggersdorff in Max Ophüls Schnitzler-Adaption "Liebelei".
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Auf der Operettenbühne war das Multitalent Gründgens ebenfalls erfolgreich: Nachdem Künneke seine Operette "Liselott von der Pfalz" am 25. Dezember 1927 in Altenburg erstmals auf die Bühne gebracht hatte errang es in einer Neufassung am 17. Februar 1932 im Berliner Admiralspalast mit Gustaf Gründgens in der Partie des Herzogs von Orléans einen durchschlagenden Erfolg. Als Schlager noch heute weithin bekannt "Oh Gott, wie sind wir vornehm", damals interpretiert von Hilde Hildebrand und Gustaf Gründgens.
 
1932 begann Gründgens Arbeit am Preußischen Staatstheater in Berlin, gleich mit seiner ersten Rolle des "Mephisto" in Lothar Müthels Inszenierung von Goethes "Faust" feierte Gründgens Triumphe, gehörte fortan zu den Charakterdarstellern schlechthin und interpretierte die großen Rollen der dramatischen Weltliteratur. 1933 wurde er durch Hermann Göring zum künstlerischen Leiter des Preußischen Staatstheaters ernannt, ein Jahr später folgte die Ernennung zum Intendanten des Preußischen Staatstheaters und zum Staatsschauspieler; 1936 verlieh man ihm den Titel "Preußischer Staatsrat". 
Von 1937 bis 1945 war Gründgens Generalintendant der Preußischen Staatstheater, unter seiner Leitung standen vornehmlich deutsche Klassiker auf dem Spielplan. Furore machte er beispielsweise 1941 mit seiner Neuinszenierung von "Faust I", bei der er, wie auch bei "Faust II" (1942), Regie führte und erneut als "Mephisto" brillierte – eine Figur, mit der er Theatergeschichte schrieb und die untrennbar mit dem Namen Gründgens verbunden bleibt.
Szenenfoto aus dem Stück "Der Snob" von Carl Sternheim am "Deutschen Theater" Berlin im März 1946; Antje Weisgerber als Marianne von Palen (rechts) und Gustaf Gründgens als Christian Maske;  Copyright: SLUB Dresden/Deutsche Fotothek; Urheber: Abraham Pisarek; Datierung: 1946.04 / Lizenz CC-BY-SA 3.0. Szenenfoto aus dem Stück "Der Snob" von Carl Sternheim am "Deutschen Theater" Berlin im April 1946
Antje Weisgerber3) als Marianne von Palen (rechts) und Gustaf Gründgens als Christian Maske
 
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0000069_024)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek
Urheber: Abraham Pisarek1) (1901–1983)
Datierung: 1946.04 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
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Die filmische Laufbahn von Gründgens hatte Ende der 1920er Jahre mit prägnanten Nebenrollen in Gesellschaftskomödien und Melodramen begonnen, meist verkörperte er elegante Intriganten, kalte Intellektuelle, zynische Snobs, Lebemänner und Bösewichter, die ihm beeindruckend zu Gesicht standen. Als Gentleman-Gauner mit Monokel hetzte er Peter Lorre in "M – Eine Stadt sucht einen Mörder"1) (1931) durch die Berliner Unterwelt, und als eiskalter adliger Hahnrei mit geschliffenen Umgangsformen rächte er sich in "Liebelei" (1933) an seinem Rivalen. Für den positiven Helden fehlte ihm alles, für Komödien, Historienschinken oder Propagandafilme – obwohl er sie spielte – war das scharfsinnig-psychologisierende Gestaltungstalent dieses Schachspielers unter den Schauspielern verschwendet. Auch wenn er als Oscar Wilde-Weltmann in "Eine Frau ohne Bedeutung" (1936) mit feinziselierten Wortarabesken glänzte, wird er für das Kino nennenswert bleiben als Akteur, der "in kleinen, bösen Rollen als prägnanter Charakterdarsteller unerfreulicher Charaktere" (Friedrich Luft) auftrat.4)
 
In verschiedenen Filmen der 1930er und 1940er Jahre wurde Gründgens öfter auch als positive männliche Figur besetzt, jedoch blieb er mit diesem Typus, bis auf wenige Ausnahmen wie als "Friedemann Bach"1) in dem gleichnamigen Film von 1940/41, weniger eindrucksvoll. Er agierte beispielsweise in Streifen wie Hans Behrendts "Danton"1) (1931), wo er neben Fritz Kortner in der Titelrolle den Gegenspieler Dantons, Robespierre verkörperte, in Hans Steinhoffs Historienepos "Das Mädchen Johanna" (1935), oder "Tanz auf dem Vulkan"1) (1938), aber auch (gezwungenermaßen) in dem antibritischen Propagandafilm "Ohm Krüger"1) (1941, mit Emil Jannings), wo er den englischen Ministerpräsidenten Chamberlain mimte. 1938 hatte Gründgens bei der " Terra Filmkunst GmbH" eine eigene Herstellungsgruppe übernommen, führte Regie bei der Fliegerkomödie "
Capriolen"5) (1937) und inszenierte mit Ehefrau Marianne Hoppe in der Hauptrolle mit "Der Schritt vom Wege"5) (1938) eine vielbeachtete Adaption von Fontanes Roman "Effi Briest".
 
Nach Ende des 2. Weltkrieges wurde Gründgens von den Sowjets in Berlin verhaftet und neun Monate interniert. Ausschlaggebend für seine Entlassung aus der Haft war unter anderem die intensive Bemühung des Schauspielers Ernst Buschs1) (1900 – 1980), den Gründgens während des Zweiten Weltkriegs durch seine Intervention bei Göring vor dem Galgen gerettet hatte. Weitere prominente Künstler und deren Familien, die Gründgens vor den Nazi-Schergen bewahrte, sind unter anderem der Hamburger Intendant Erich Ziegel1) (1876 – 1950), die Schauspieler Wolfgang Kühne1) (1905 – 1969), Adelheid Seeck3) (1913 – 1973) und Pamela Wedekind1) (1906 – 1986) sowie sein Freund und persönlicher Referent Erich Zacharias-Langhans. Auch die Theater- und Filmlegenden Paul Bildt3) (1885 – 1957) und Paul Henckels3) (1885 – 1967) – Bildt hatte eine jüdische Frau und Henckels war durch seinen Vater Paul Abraham Henckels Halbjude –, die mit ihren Familien immer durch Gründgens geschützt worden waren, setzten sich für den großen Theatermann ein. Aus Berlin (initiiert von Paul Wegener3)) und München (initiiert von Erich Kästner1) und Axel von Ambesser3)) wurden Sammelschreiben an die Sowjets geleitet, die erfolgreich zur Freilassung Gründgens beitrugen.
  
Bereits 1946 konnte Gründgens seine Bühnenkarriere fortsetzen, zwischen 1947 und 1951 war er Generalintendant der Städtischen Bühnen in Düsseldorf, 1952 gründete er in Düsseldorf die selbständige "Schauspielhaus GmbH"; der Platz vor dem Schauspielhaus wurde nach dem großen Mimen benannt ("Gustaf-Gründgens Platz"). 1955 übernahm er als Generalintendant die Leitung des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg, brachte unter anderem Stücke von Hans Henny Jahnn und Bertolt Brecht auf die Bühne. Daneben gab er Gastspiele im Ausland, so beispielsweise 1959 in Moskau mit der Produktion von "Faust I". 1960 entstand unter der Regie von Peter Gorski die legendäre Hamburger Faust-Inszenierung als Filmversion1) mit Will Quadflieg als "Faust", Elisabeth Flickenschildt als "Marthe Schwerdtlein" und natürlich Gründgens als eindrucksvollem "Mephisto". Kurz zuvor hatte er in der Komödie "Das Glas Wasser"(1960), die Helmut Käutner nach dem Bühnenstück "Un verre d'eau" von Eugène Scribe in Szene gesetzt hatte, als Sir Henry St. John neben Liselotte Pulver noch einmal einen Leinwanderfolg feiern können.
Seinen letzten Bühnenauftritt hatte Gründgens als König Philipp II. in Friedrich Schillers "Don Carlos", zur Spielzeit 1962/63 legte er überraschend die Intendanz in Hamburg nieder und ging auf eine Weltreise. Wenig später starb der große "Theatermann" Gustaf Gründgens am 7. Oktober 1963 in Manila auf den Philippinen an einer Magenblutung. Ob diese von einer Überdosis Schlaftabletten ausgelöst wurde, ob es Suizid oder ein Unfall war, wurde nie eindeutig geklärt. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Hauptfriedhof Ohlsdorf in Hamburg.
 
Nach seiner kurzen Ehe (Heirat 1926, Scheidung 1929) mit Erika Mann1) (1905 – 1969) hatte Gründgens am 22. Juni 1936 die Schauspielerin Marianne Hoppe3) (1909 – 2002) geheiratet, mit der er zehn Jahre lang verbunden blieb. Die Ehe existierte jedoch nur auf dem Papier, die Hoppe erklärte später einmal, dass die Ehe nie vollzogen worden sei und nur dazu gedient habe, dem homosexuellen Gründgens im Nazi-Deutschland Schutz vor Verfolgung zu geben bzw. ihre eigene Karriere fördern.
Die Rolle Gründgens im Nazi-Deutschland ist umstritten, seine Gegner werfen ihm politischen Opportunismus vor, andere befürworten seine Zusammenarbeit mit den Nazis, weil er auf dieser Grundlage eine gewisse künstlerische Tradition habe bewahren und retten können. Über 30 Jahre lang war er die wohl faszinierendste Gestalt des deutschen Theaters gewesen. Auf der Bühne genial, als "Mephisto" – den er 1932 erstmals spielte – unerreicht, als Intendant und Regisseur wegweisend, politisch jedoch wegen seiner Nähe zum Dritten Reich schwer belastet.6)
Anlässlich des 100. Geburtstages des Künstlers bezeichnete die "Die Frankfurter Allgemeine Zeitung" ihn als einen "Mitmacher, der nicht mitmachte", die "Berliner Zeitung" schrieb unter anderem "Gründgens hat das Theater nicht missbraucht, nicht in den Dienst ideologischen Terrors gestellt." Klaus Manns vielgelesener Exilroman "Mephisto, Roman einer Karriere" aus dem Jahre 1936 beschreibt die Karriere Gustaf Gründgens' (im Buch als "Hendrik Höfgen" deutlich identifizierbar) am schärfsten, Gründgens habe, so Mann, "seine Künstler-Seele schamlos an die Nazis verkauft". 1980/81 verfilmte István Szabó den seit 1966 auf Antrag von Gründgens' Adoptivsohn Peter Gorski in Deutschland gerichtlich verbotenen Roman unter dem Titel "Mephisto" mit Klaus-Maria Brandauer. Das Verbot ist bis heute rechtsgültig, wurde jedoch durch die 1981 im Rowohlt Verlag erschienene Taschenbuchausgabe faktisch aufgehoben.

Zum "runden" Geburtstag der Theaterlegende, die zu den schillerndsten und zugleich umstrittensten Gestalten der deutschen Theaterszene gehörte, fanden zahlreiche Gedenkveranstaltungen statt, so präsentierte beispielsweise die Berliner Staatsbibliothek vom 22.12.1999 bis zum 12.02.2000 eine Dokumentenschau aus dem Nachlass des Schauspielers und Regisseurs. Bereits 1965 war von Curt Riess die Biografie "Gustaf Gründgens" erschienen, 1999 veröffentlichte Peter Michalzik das Buch "Gustaf Gründgens. Der Schauspieler und die Macht", in dem der Autor das Porträt eines charismatischen, theaterbesessenen Mannes, ungreifbar und gierend nach gesellschaftlichem Aufstieg, nachzeichnet. Jenseits von Glorifizierung oder Dämonisierung beschreibt Peter Michalzik Gründgens' Werdegang als Schauspieler, untersucht dessen Verhältnis zu den Größen des Nazi-Regimes und zeigt, wie es zu dem Mythos "Gründgens" kommen konnte.
Eine weitere Lebensbeschreibung des legendären Theatermannes ist das Buch von Dagmar Walach "Gustaf Gründgens. Aber ich habe nicht mein Gesicht. Eine deutsche Karriere", das ebenfalls 1999 erschienen ist. Die Autorin, verantwortliche Organisatorin der Gründgens-Ausstellung in der Berliner Staatsbibliothek, schaut hinter die Kulissen und erläutert die Facetten und Widersprüchlichkeiten seiner Person. 2005 kam von Carola Stern "Auf den Wassern des Lebens. Gustaf Gründgens und Marianne Hoppe" auf den Markt; siehe auch www.spiegel.de.
  

Link: 1) Wikipedia,  3) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 5) Murnau Stiftung, 
Quellen:
2) www.deutsches-filminstitut.de
4) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 136
6)  www.prisma-online.de
Siehe auch Wikipedia, www.deutsches-filminstitut.de, www.dhm.de
www.cyranos.ch, www.prisma-online.de
  
Kinofilme (als Darsteller)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, Murnau Stiftung)
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