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Gustaf Gründgens wurde am 22. Dezember 1899 in Düsseldorf-Oberkassel
als Gustav Heinrich Arnold Gründgens und Sohn des Arnold Gründgens und seiner Frau Emmy in eine
wohlhabende, alteingesessenen rheinische Industriellenfamilie hineingeboren
(nach anderen Quellen war der Vater kaufmännischer Angestellter); seine
jüngere Schwester war die einst sehr bekannte Chansonette und Kabarettistin
Marita Gründgens1) (1903 1985). Nach dem Besuch des Gymnasiums und eines katholischen Internats im
Eifelstädtchen Mayen diente er 1916
als Kriegsfreiwilliger an der Westfront, ein Jahr später kam er als Mitglied
zu einer Fronttheatergruppe in Saarlouis, dessen Leiter er 1918 mit der
Verlegung nach Thale (Harz) wurde und das nach Kriegsende in "Bergtheater Thale" umbenannt wurde.
1924 debütierte Gründgens als Regisseur und inszenierte unter anderem die Zweitaufführung von Klaus Manns "Anja und Esther" sowie 1927 die Uraufführung von Manns "Revue zu Vieren". In beiden Stücken spielte Gründgens mit Erika und Klaus Mann sowie Pamela Wedekind die Hauptrollen. Im Juli 1926 heiratete der Künstler Erika Mann, die Tochter des berühmten Schriftstellers Thomas Mann, ließ sich jedoch am 9. Januar 1929 wieder von ihr scheiden. 1927 erhielt Gründgens ein Engagement an den Kammerspielen des Deutschen Theaters in Berlin. Zwischen 1928 und 1933 inszenierte und spielte er an verschiedenen Berliner Bühnen; 1929 folgte die erste Opernregie bei Mozarts "Die Hochzeit des Figaro" (unter der musikalischen Leitung von Otto Klemperer), daneben hatte er Kabarett-Auftritte mit Grethe Weiser und Ernst Busch in der Nelson-Revue. Im selben Jahr begann Gründgens auch beim Film zu arbeiten. Durch seine Theaterarbeit war er auf zwielichtige Charaktere festgelegt, in den Gesellschaftskomödien spielte er häufig Verführer, elegant-zynische Lebemänner, Hochstapler und Erpresser Rollen, die auch beim Film beliebt waren. Den Ganovenanführer "Schränker" in Fritz Langs Tonfilm-Meisterwerk "M eine Stadt sucht einen Mörder" (1931) gestaltet Gründgens mit manieriert-glatter, eleganter Brutalität und großer krimineller Energie. Dennoch strahlte ein Stück der Komik seiner Untergebenen (Paul Kemp, Theo Lingen) auch auf ihn ab. Verschlossen, stur auf die eigene Ehre bedacht und von kalter Grausamkeit war 1933 auch Gründgens Baron Eggersdorff in Max Ophüls Schnitzler-Adaption "Liebelei".2) Auf der Operettenbühne war das Multitalent Gründgens ebenfalls erfolgreich: Nachdem Künneke seine Operette "Liselott von der Pfalz" am 25. Dezember 1927 in Altenburg erstmals auf die Bühne gebracht hatte errang es in einer Neufassung am 17. Februar 1932 im Berliner Admiralspalast mit Gustaf Gründgens in der Partie des Herzogs von Orléans einen durchschlagenden Erfolg. Als Schlager noch heute weithin bekannt "Oh Gott, wie sind wir vornehm", damals interpretiert von Hilde Hildebrand und Gustaf Gründgens. 1932 begann Gründgens Arbeit am Preußischen Staatstheater in Berlin, gleich mit seiner ersten Rolle des "Mephisto" in Lothar Müthels Inszenierung von Goethes "Faust" feierte Gründgens Triumphe, gehörte fortan zu den Charakterdarstellern schlechthin und interpretierte die großen Rollen der dramatischen Weltliteratur. 1933 wurde er durch Hermann Göring zum künstlerischen Leiter des Preußischen Staatstheaters ernannt, ein Jahr später folgte die Ernennung zum Intendanten des Preußischen Staatstheaters und zum Staatsschauspieler; 1936 verlieh man ihm den Titel "Preußischer Staatsrat". Von 1937 bis 1945 war Gründgens Generalintendant der Preußischen Staatstheater, unter seiner Leitung standen vornehmlich deutsche Klassiker auf dem Spielplan. Furore machte er beispielsweise 1941 mit seiner Neuinszenierung von "Faust I", bei der er, wie auch bei "Faust II" (1942), Regie führte und erneut als "Mephisto" brillierte eine Figur, mit der er Theatergeschichte schrieb und die untrennbar mit dem Namen Gründgens verbunden bleibt.
In verschiedenen Filmen der 1930er und 1940er Jahre wurde Gründgens öfter auch als positive männliche Figur besetzt, jedoch blieb er mit diesem Typus, bis auf wenige Ausnahmen wie als "Friedemann Bach"1) in dem gleichnamigen Film von 1940/41, weniger eindrucksvoll. Er agierte beispielsweise in Streifen wie Hans Behrendts "Danton"1) (1931), wo er neben Fritz Kortner in der Titelrolle den Gegenspieler Dantons, Robespierre verkörperte, in Hans Steinhoffs Historienepos "Das Mädchen Johanna" (1935), oder "Tanz auf dem Vulkan"1) (1938), aber auch (gezwungenermaßen) in dem antibritischen Propagandafilm "Ohm Krüger"1) (1941, mit Emil Jannings), wo er den englischen Ministerpräsidenten Chamberlain mimte. 1938 hatte Gründgens bei der " Terra Filmkunst GmbH" eine eigene Herstellungsgruppe übernommen, führte Regie bei der Fliegerkomödie "Capriolen"5) (1937) und inszenierte mit Ehefrau Marianne Hoppe in der Hauptrolle mit "Der Schritt vom Wege"5) (1938) eine vielbeachtete Adaption von Fontanes Roman "Effi Briest". Nach Ende des 2. Weltkrieges wurde Gründgens von den Sowjets in Berlin verhaftet und neun Monate interniert. Ausschlaggebend für seine Entlassung aus der Haft war unter anderem die intensive Bemühung des Schauspielers Ernst Buschs1) (1900 1980), den Gründgens während des Zweiten Weltkriegs durch seine Intervention bei Göring vor dem Galgen gerettet hatte. Weitere prominente Künstler und deren Familien, die Gründgens vor den Nazi-Schergen bewahrte, sind unter anderem der Hamburger Intendant Erich Ziegel1) (1876 1950), die Schauspieler Wolfgang Kühne1) (1905 1969), Adelheid Seeck3) (1913 1973) und Pamela Wedekind1) (1906 1986) sowie sein Freund und persönlicher Referent Erich Zacharias-Langhans. Auch die Theater- und Filmlegenden Paul Bildt3) (1885 1957) und Paul Henckels3) (1885 1967) Bildt hatte eine jüdische Frau und Henckels war durch seinen Vater Paul Abraham Henckels Halbjude , die mit ihren Familien immer durch Gründgens geschützt worden waren, setzten sich für den großen Theatermann ein. Aus Berlin (initiiert von Paul Wegener3)) und München (initiiert von Erich Kästner1) und Axel von Ambesser3)) wurden Sammelschreiben an die Sowjets geleitet, die erfolgreich zur Freilassung Gründgens beitrugen. Bereits 1946 konnte Gründgens seine Bühnenkarriere fortsetzen, zwischen 1947 und 1951 war er Generalintendant der Städtischen Bühnen in Düsseldorf, 1952 gründete er in Düsseldorf die selbständige "Schauspielhaus GmbH"; der Platz vor dem Schauspielhaus wurde nach dem großen Mimen benannt ("Gustaf-Gründgens Platz"). 1955 übernahm er als Generalintendant die Leitung des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg, brachte unter anderem Stücke von Hans Henny Jahnn und Bertolt Brecht auf die Bühne. Daneben gab er Gastspiele im Ausland, so beispielsweise 1959 in Moskau mit der Produktion von "Faust I". 1960 entstand unter der Regie von Peter Gorski die legendäre Hamburger Faust-Inszenierung als Filmversion1) mit Will Quadflieg als "Faust", Elisabeth Flickenschildt als "Marthe Schwerdtlein" und natürlich Gründgens als eindrucksvollem "Mephisto". Kurz zuvor hatte er in der Komödie "Das Glas Wasser"(1960), die Helmut Käutner nach dem Bühnenstück "Un verre d'eau" von Eugène Scribe in Szene gesetzt hatte, als Sir Henry St. John neben Liselotte Pulver noch einmal einen Leinwanderfolg feiern können. Seinen letzten Bühnenauftritt hatte Gründgens als König Philipp II. in Friedrich Schillers "Don Carlos", zur Spielzeit 1962/63 legte er überraschend die Intendanz in Hamburg nieder und ging auf eine Weltreise. Wenig später starb der große "Theatermann" Gustaf Gründgens am 7. Oktober 1963 in Manila auf den Philippinen an einer Magenblutung. Ob diese von einer Überdosis Schlaftabletten ausgelöst wurde, ob es Suizid oder ein Unfall war, wurde nie eindeutig geklärt. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Hauptfriedhof Ohlsdorf in Hamburg. Nach seiner kurzen Ehe (Heirat 1926, Scheidung 1929) mit Erika Mann1) (1905 1969) hatte Gründgens am 22. Juni 1936 die Schauspielerin Marianne Hoppe3) (1909 2002) geheiratet, mit der er zehn Jahre lang verbunden blieb. Die Ehe existierte jedoch nur auf dem Papier, die Hoppe erklärte später einmal, dass die Ehe nie vollzogen worden sei und nur dazu gedient habe, dem homosexuellen Gründgens im Nazi-Deutschland Schutz vor Verfolgung zu geben bzw. ihre eigene Karriere fördern. Die Rolle Gründgens im Nazi-Deutschland ist umstritten, seine Gegner werfen ihm politischen Opportunismus vor, andere befürworten seine Zusammenarbeit mit den Nazis, weil er auf dieser Grundlage eine gewisse künstlerische Tradition habe bewahren und retten können. Über 30 Jahre lang war er die wohl faszinierendste Gestalt des deutschen Theaters gewesen. Auf der Bühne genial, als "Mephisto" den er 1932 erstmals spielte unerreicht, als Intendant und Regisseur wegweisend, politisch jedoch wegen seiner Nähe zum Dritten Reich schwer belastet.6) Anlässlich des 100. Geburtstages des Künstlers bezeichnete die "Die Frankfurter Allgemeine Zeitung" ihn als einen "Mitmacher, der nicht mitmachte", die "Berliner Zeitung" schrieb unter anderem "Gründgens hat das Theater nicht missbraucht, nicht in den Dienst ideologischen Terrors gestellt." Klaus Manns vielgelesener Exilroman "Mephisto, Roman einer Karriere" aus dem Jahre 1936 beschreibt die Karriere Gustaf Gründgens' (im Buch als "Hendrik Höfgen" deutlich identifizierbar) am schärfsten, Gründgens habe, so Mann, "seine Künstler-Seele schamlos an die Nazis verkauft". 1980/81 verfilmte István Szabó den seit 1966 auf Antrag von Gründgens' Adoptivsohn Peter Gorski in Deutschland gerichtlich verbotenen Roman unter dem Titel "Mephisto" mit Klaus-Maria Brandauer. Das Verbot ist bis heute rechtsgültig, wurde jedoch durch die 1981 im Rowohlt Verlag erschienene Taschenbuchausgabe faktisch aufgehoben. Zum "runden" Geburtstag der Theaterlegende, die zu den
schillerndsten und zugleich umstrittensten Gestalten der deutschen
Theaterszene gehörte, fanden zahlreiche Gedenkveranstaltungen statt, so präsentierte
beispielsweise die Berliner Staatsbibliothek vom 22.12.1999 bis zum 12.02.2000 eine Dokumentenschau
aus dem Nachlass des Schauspielers und Regisseurs. Bereits 1965 war von Curt Riess die Biografie
"Gustaf Gründgens" erschienen, 1999 veröffentlichte Peter Michalzik das Buch "Gustaf Gründgens. Der Schauspieler und die Macht",
in dem der Autor das
Porträt eines charismatischen, theaterbesessenen Mannes, ungreifbar und
gierend nach gesellschaftlichem Aufstieg, nachzeichnet. Jenseits von
Glorifizierung oder Dämonisierung beschreibt Peter Michalzik Gründgens'
Werdegang als Schauspieler, untersucht dessen Verhältnis zu den Größen
des Nazi-Regimes und zeigt, wie es zu dem Mythos "Gründgens"
kommen konnte. |
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| Link: 1) Wikipedia, 3) Kurzportrait
innerhalb dieser HP, 5) Murnau Stiftung, Quellen: 2) www.deutsches-filminstitut.de, 4) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 136 6) www.prisma-online.de |
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Siehe auch Wikipedia,
www.deutsches-filminstitut.de,
www.dhm.de www.cyranos.ch, www.prisma-online.de |
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