|
||||||
|
||||||
Thomas Bernhard setzte dem Mimen schon zu Lebzeiten ein literarisches Denkmal: 1976 benannte erd sein Stück kurz und bündig "Minetti"; "A bitter Fool Ein bitterer Narr" stellte der Dramatiker als Motto dem Stück voran und Minetti spielte sich selbst in Stuttgart unter Claus Peymann. 1982 brillierte Minetti in der ambivalent beurteilten, dennoch bewunderten "Faust"-Inszenierung von Klaus Michael Grüber an der Berliner "Freien Volksbühne", drei Jahre später ging für ihn mit der Titelrolle in Shakespeares "König Lear" an der Berliner Schaubühne ein weiterer Theatertraum in Erfüllung. Seine letzte Rolle hatte Minetti am 28. Januar 1998 zwei Tage nach seinem 93. Geburtstag: Am "Berliner Ensemble" war er der "Nebel" in Robert Wilsons "Der Ozeanflug Landschaft mit Argonauten", einer Collage aus Brechts Radiolehrstück über die erste Atlantiküberquerung durch Charles Lindbergh. Im Bühnendunkel saß Minetti schemenhaft auf einem Stuhl, seine ruhige, bedächtige Stimme legte sich bleischwer wie Nebelschwaden über die Bühne.
Geprägt vom expressionistischen Theater der 1920er Jahre gab er im Film meist Nebenfiguren, die unvergesslich bleiben. Sein Leinwanddebüt hatte er 1931 als Iwan Karamasoff in der Literaturverfilmung "Der Mörder Dimitri Karamasoff"2) gegeben, danach folgten im Laufe der Jahre kleinere Rollen in Produktionen unterschiedlichen Genres, die er mit Bravour und geistiger Durchdringung spielte. So zeigte er sich unter anderem als Kommissar in "Henker, Frauen und Soldaten"1) (1935) und als Graf Wallis in dem Historienfilm "Der Alte Fritz"2) (1937). Weitere Auftritte hatte er beispielsweise in dem Luis Trenker-Abenteuer "Der Kaiser von Kalifornien"2) (1936), in den Krimis "Geheimzeichen LB 17"2) (1938) und "Der Grüne Kaiser"2) (1939) oder der Filmbiografie "Robert Koch, der Bekämpfer des Todes"2) (1939) an der Seite von Emil Jannings. Neben Heinrich George als Peter Henlein1) verkörperte er in Veit Harlans "Das Unsterbliche Herz"2) (1939) den Dr. Martin Luther, Napoléons Polizeiminister Fouchè mimte er in Erich Waschnecks Propagandastreifen "Die Rothschilds"2) (1940); siehe auch Wikipedia. Die Dreharbeiten zu einem Berg-Melodram nach Eugen d'Alberts Oper "Tiefland" mit Bernhard Minetti in der männlichen Hauptrolle des Don Sebastian, Aribert Wäscher als dessen Verwalter Camillo und Leni Riefenstahl als Betteltänzerin Martha begannen nach jahrelanger Vorbereitung 1940. Der von der "Riefenstahl-Film GmbH" von Leni Riefenstahl nach einem eigenen Drehbuch inszenierte Film wurde erst nach Kriegsende fertiggestellt und gelangte am 11. Februar 1954 zur Uraufführung; siehe auch www.helmut-schmidt-online.de. Im bundesdeutschen Nachkriegsfilm erlebte man Minetti kaum, erst der "Neue Deutsche Film" besetzte Minetti mit unvergesslichen Altersrollen. Die Fernsehzuschauer erlebten den Schauspieler vor allem in Dramen-Adaptionen, die er selbst mit bearbeitete. So agierte er auf dem Bildschirm beispielsweise 1984 als Großinquisitor in "Don Carlos" oder zuletzt 1996 als Schauspieler bzw. Lehrer von Arturo Ui in der Aufzeichnung von Heiner Müllers Brecht-Inszenierung "Der Aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui". Bernhard Minetti, einer der ganz Großen des deutschen Theaters im 20. Jahrhundert, starb am 12. Oktober 1998 mit 93 Jahren in Berlin. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem evangelischen Dorotheenstädtischen Friedhof im Berliner Bezirk Mitte. Minetti war in erster Ehe seit 1925 mit Anne Gerbrandt verheiratet, aus der Verbindung stammen zwei Kinder: Der am 21. April 1926 geborene Sohn Hanns-Peter aus dieser Ehe avancierte ebenfalls zu einem renommierten Schauspieler, die am 8. Januar 1940 geborene Tochter Jennifer begann ihre Theaterkarriere Ende der 1950er Jahre und machte sich rasch einen Namen als Charakterdarstellerin. Nach dem Tod von Anne Gerbrandt heiratete Bernhard Minetti ein zweites Mal: Die zur Schauspielerin ausgebildete Elisabeth Minetti (1917 2003) machte sich durch Veröffentlichungen von Theaterkritiken, Gedichten und Kurzgeschichten sowie ihrer politischen Journalistentätigkeit einen Namen. Hanns-Peter Minetti3) starb am 10. November 2006 im Alter von 80 Jahren während einer Kur in Cheb (Eger, Tschechien) an Herzversagen, Jennifer Minetti1) am 5. August 2011 71-jährig im oberbayerischen Bad Aibling.
|
||||||
| Link: 1) Wikipedia, 2) Murnau Stiftung, 3) Kurzportrait innerhalb dieser HP | ||||||
|
Siehe auch www.cyranos.ch,
Wikipedia
sowie den Nachruf bei www.spiegel.de Filmografie bei www.imdb.de |
||||||
|
|
||||||
|
Um zur Seite der legendären Bühnenstars zurückzukehren, bitte dieses Fenster
schließen. Home: www.steffi-line.de |