Rollenporträt Elisabeth Flickenschildt (Fotografie, Weltpostkarte; Dresden, um 1950); Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pos-2009-a_0004317); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Jutta Landgraf; Urheber: Jutta Landgraf; Datierung: um 1950; Quelle: www.deutschefotothek.de Elisabeth Flickenschildt wurde am 16. März 1905 im Hamburger Stadtteil Blankenese als Tochter des Kapitäns Heinrich Friedrich August Flickenschildt geboren. Sie besuchte dort die Schule, machte ihr Abitur und ging anschließend in einem Hamburger Modegeschäft in die Lehre. Dann entschloss sie sich, zunächst gegen den Willen ihres Vaters, Schauspielerin zu werden und brach die Lehrausbildung ab. Sie besuchte die Schauspielschule in Hamburg, wurde unter anderem von dem Schauspieler Robert Nhil1) (1858 – 1938) ausgebildet, anschließend erfolgte 1931 ihr Theaterdebüt und erstes Bühnenengagement  als Bäuerin Armgard in Schillers "Wilhelm Tell" am dortigen Schauspielhaus. 1933 bewarb sie sich bei Otto Falckenberg1) an den "Münchner Kammerspielen" und gehörte drei Jahre lang zum Ensemble. Anschließend ging sie nach Berlin, wo sie von 1937 bis 1945 am "Deutschen Theater" und am "Staatstheater Berlin", zunächst bei Heinz Hilpert1) und seit 1941 bei Gustaf Gründgens2), auf der Bühne stand.
Nach dem 2. Weltkrieg war die Schauspielerin in Tübingen zu Hause, wo sie auf ihrem Bauernhof "Maria Rast" lebte. 1947 holte Gustaf Gründgens sie in sein Ensemble nach Düsseldorf und 1955 folgte sie dem legendären Theatermann nach Hamburg. Unter Gründgens, der ihr das Äußerste abverlangte, entwickelte sich die Flickenschildt zu einer der größten deutschen Theaterschauspielerinnen und diese Ära war für ihre künstlerische Existenz die entscheidende. Nach dem plötzlichen Tod von Gründgens im Jahre 1963 ließ sich die "Königin des Theaters", wie sie von vielen bezeichnet wurde, auf kein festes Engagement mehr ein, trat nur noch bei Gastspielen und Tourneen auf.

Rollenporträt Elisabeth Flickenschildt (Fotografie, Weltpostkarte; Dresden, um 1950)
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pos-2009-a_0004317)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Jutta Landgraf
Urheber: Jutta Landgraf; Datierung: um 1950;
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017

Elisabeth Flickenschildt spielte alle klassischen Frauenrollen der Weltliteratur wie beispielsweise die Jokaste in der griechischen Tragödie "König Ödipus" von Sophokles, William Shakespeare's "Lady Macbeth" oder die Marthe Schwerdtlein in "Faust"; sie war aber ebenso meisterhaft in den großen Dramen der Moderne wie u. a. als Brecht's "Mutter Courage" oder Dürrenmatts "Alte Dame". Ihre Rollen zeichneten sich durch beißende Ironie, Abgründigkeit, Intelligenz, Herzlichkeit und Demut aus und ihre faszinierende, eindringlich rollende Stimme konnte zugleich drohen und schmeicheln, tönen und locken, lachen und keifen. Ab Mitte der 1930er Jahre sah man Elisabeth Flickenschildt auch auf der Leinwand; sie wirkte unter anderem in den 1930er und 1940er Jahren in den Filmen "Der zerbrochene Krug"1) (1937), "Der Maulkorb"1) (1938), "Ein Mädchen geht an Land" (1938), "Die barmherzige Lüge" (1939), "Robert Koch, der Bekämpfer des Todes"1) (1939), "Trenck, der Pandur"1) (1940), "Ohm Krüger"1) (1941), "Der große König"1) (1942), "Ewiger Rembrandt"1) (1942), "Zwischen Himmel und Erde" (1942), "Altes Herz wird wieder jung" (1943) oder "Romanze in Moll"1) (1943) mit.
Im bundesdeutschen Nachkriegsfilm zeigte sie sich in verschiedensten Unterhaltungsproduktionen, in nachhaltigster Erinnerung ist sie hier wohl mit ihren Rollen in einigen Wallace-Streifen geblieben, so beispielsweise als Kneipenbesitzerin Nelly Oaks in "Das Gasthaus an der Themse"1) (1962) oder als Lady Emily Lebanon in "Das Indische Tuch"1) (1963). In den Ludwig Thoma-Adationen "Lausbubengeschichten"1) (1964), "Tante Frieda – Neue Lausbubengeschichten"1) (1965), "Onkel Filser – Allerneueste Lausbubengeschichten"1) (1966) und "Wenn Ludwig ins Manöver zieht"1) (1967) mimte sie Tante Frieda.
Doch oft waren ihre Filmrollen in den 1950er und 1960er Jahren Übertragungen ihrer Theaterauftritte und sie besaß eine überragende Präsenz in der Medienöffentlichkeit. Ihre legendäre Marthe Schwerdtlein aus "Faust"1) war 1960 die filmische Aufbereitung der berühmten Gustaf Gründgens Inszenierung für das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg, wo die Flickenschildt die alte Kupplerin an der Seite von Gustaf Gründgens als "Mephisto" spielte.
Elisabeth Flickenschild mit Margaret Carl (links) in dem TV-Film "Das Missverständnis" (1966); Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; Copyright SWR Neben der Arbeit für den Film wirkte die Flickenschildt als Sprecherin in Hörspielen mit und begeisterte auch in verschiedenen TV-Produktionen das Publikum. Glänzend war hier auch ihre Darstellung der Protagonistin in der am 19. Februar 1959 ausgestrahlten Fernsehfassung des von Ludwig Cremer inszenierten Dürrenmatt-Dramas "Der Besuch der alten Dame"3). Ludwig Cremer betraute sie auch mit der Figur der Mutter in "Das Missverständnis" (1966), einer Fernsehfassung des 1941 entstandenen Schauspiels in drei Akten "Le Malentendu" von Albert Camus.
Zu ihren letzten Arbeiten vor der Kamera zählen die Eric Malpass-Verfilmung "Als Mutter streikte"1) (1974), Michael Verhoevens Satire "MitGift"1) (1975) und das Psychodrama "Die Nacht aus Gold" (1976, Nuit d'or) von Regisseur Serge Moati.
 
Elisabeth Flickenschild mit Margaret Carl (links) in "Das Missverständnis"
Foto mit freundlicher Genehmigung von SWR Media Services; © SWR
Link: tls.theaterwissenschaft.ch
1965 wurde Elisabeth Flickenschildt von der nordrhein-westfälischen Landesregierung der Professorentitel verliehen, 1975 ehrte man sie wegen ihrer Verdienste für die Kultur mit dem "Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland". Weitere Auszeichnungen waren 1964 das "Filmband in Gold" für ihre darstellerische Leistung einer älteren Dame in Alfred Weidenmanns starbesetztem Episodenfilm "Das große Liebesspiel"1) (1963) sowie ein "Bambi" im Jahre 1967.
Als Verkörperung alter Theaterseligkeit verfügte die Grande Dame über einen Hauch von Hoheit, der auch auf der Leinwand zu spüren war. Ihre Theaterauftritte verschafften ihr genügend Legende, deshalb konnte sie selbst in den Edgar Wallace-Filmen glaubhaft böse Intrigantinnen und Kupplerinnen verkörpern; sie spielte flotte alte Tanten und verarmte Adelige, schleierumhüllte Fürstinnen und Wirtinnen. Vom Theater her kam auch ihr Grunzen und Kichern aus tiefster Kehlengruft; ihre Stimme verdunkelte mehr, als sie enthüllte. Ob mit eisgekühlter Brillanz, mit vertracktem Sarkasmus oder als bizarre, entrückte Tragödin: Die königliche Frau trat nie wirklich hinter ihren Schleiern hervor, die ihr wie kostbare Schleppen nachwehten.4)

Elisabeth Flickenschildt, 1961 fotografiert von Fritz Eschen1) (1900–1964)
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_e_0040876)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Fritz Eschen
Urheber: Fritz Eschen; Datierung: 07.09.1961;
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017

Elisabeth Flickenschildt, 1961 fotografiert von Fritz Eschen (1900–1964); Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_e_0040876); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Fritz Eschen; Urheber: Fritz Eschen; Datierung: 07.09.1961; Quelle: www.deutschefotothek.de
Die "magic lady" des Theaters, die zwischen 1936 und 1944 mit dem Theaterwissenschaftler, Dramaturgen und persönlichen Gründgens-Assistenten Rolf Badenhausen (1907 – 1987) verheiratet war, starb am 27. Oktober 1977 mit 72 Jahren in Stade (Niedersachsen) an den Folgen eines schweren Autounfalls. Im April 1976 hatte sie einen Bauernhof in Guderhandviertel im Landkreis Stade als Wohnsitz erworben. Ihre letzte Ruhe fand die legendäre Künstlerin in Bernau am Chiemsee auf dem Friedhof im Ortsteil Hittenkirchen → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
Bereits 1971 hatte sie ihre Autobiographie "Kind mit roten Haaren – Ein Leben wie ein Traum" veröffentlicht und erzählt darin von ihrer Kindheit, ihren Eltern, ihrem Weg zum Theater und von ihrem Privatleben. 1974 kam ihr Roman "Pflaumen am Hut" in die Buchhandlungen, 1982 veröffentlichte Rolf Badenhausen "Pony und der liebe Gott: Geschichten aus dem Nachlass".
   Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch, www.fembio.org, www.kultura-extra.de sowie
die Artikel in DER SPIEGEL (45/1977) und www.zeit.de
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3) prisma.de
4) Quelle: "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf  Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 103
     
Kinofilme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: filmportal.de, Wikipedia, prisma.de)
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