Emil Jannings wurde als Theodor Friedrich Emil Janez und Sohn des amerikanischen Kaufmanns Emil Janez und dessen deutscher Frau Margarethe (geb. Schwabe) am 23. Juli 1884 in Rorschach am Bodensee (Schweiz) geboren, Seine frühe Kindheit verlebte er in Zürich, als er zehn Jahre alt war siedelten seine Eltern nach Görlitz über.
Eigentlich sollte Jannings auf Wunsch seiner Eltern Ingenieur werden, doch er verließ vorzeitig die Schule, machte zunächst als Schiffsjunge mehrere Seereisen, auf denen er alle Illusionen über das Abenteuer christlicher Seefahrt verlor. Danach begann er 1901 eine Bühnenlaufbahn als Volontär am Görlitzer Stadttheater und später spielte er einige Jahre an kleineren Bühnen unter dem Pseudonym "Baumann"; im "Goldenen Lamm" des böhmischen Städtchen Bürgstein hatte er als Mitglied einer Wandertruppe sein Bühnendebüt gegeben. Zu den Theaterstationen jener Zeit gehörten Gardelegen, Bremen, Leipzig, Mainz und Darmstadt, 1915 kam Jannings auf Empfehlung von Werner Krauss an Max Reinhardts "Deutsches Theater" in Berlin. 
 
Foto: Emil Jannings als Gustav Bumke in dem Film "Stürme der Leidenschaft"1) (1932)
Foto mit freundlicher Genehmigung der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
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Emil Jannings als Gustav Bumke in dem Film "Stürme der Leidenschaft" (1932)
Hier hatte er rasch Erfolg mit klassischen und modernen Rollen. Als sein größter Bühnentriumph ist wohl seine Interpretation des Dorfrichters Adam in Kleists "Der zerbrochene Krug" zu nennen, mit dem er erstmals 1918 am "Königlichen Schauspielhaus" in Berlin brillierte. Anfang der 30er Jahre glänzte er wiederholt in Stücken von Gerhart Hauptmann, so als "Wehrhahn" in "Der Biberpelz", mit der Titelrolle in "Fuhrmann Henschel" und als "Geheimrat Clausen" in "Vor Sonnenuntergang", eine Figur, der er auch auf der Leinwand (1936, Der Herrscher) eindrucksvoll Leben einhauchte. Im Mai 1934 wurde Jannings an das Staatliche Schauspielhaus verpflichtet, wo er 1936 als Bismarck in "Der Ministerpräsident" von Wolfgang Goetz letztmalig auf der Bühne stand.

Jannings Weltruhm gründet sich jedoch vorwiegend auf sein Filmschaffen, insgesamt trat er in über 70 Kinoproduktionen auf; eigenen Angaben zufolge soll ihn sein chronischer Geldmangel zu dem neuen Medium getrieben haben. Sein Leinwanddebüt gab Jannings 1914 mit einer kleinen Chargenrolle in dem Stummfilm "Passionels Tagebuch", es folgte der Streifen "Im Schützengraben" (1914), bereits mit seinem dritten Film "Arme Eva" (1914) erregte er das Interesse der bedeutenden Filmregisseure seiner Zeit. Jannings erhielt nun größere Aufgaben, spielte in rascher Folge Hauptrollen in stummen Melodramen wie "Nächte des Grauens" (1916), "Die Ehe der Luise Rohrbach" (1916), "Aus Mangel an Beweisen" (1916) oder "Die Bettlerin von St. Marien" (1916). Vor allem durch die Zusammenarbeit mit Ernst Lubitsch avancierte Jannings rasch zu den bedeutendsten Stummfilmstars, mit den Murnau-Filmen "Herr Tartüff" (1925), "Der letzte Mann" (1925) und "Faust" (1926) erreichte er internationale Anerkennung.
Mit Lubitsch drehte er unter anderem den Kostümfilm "Madame DuBarry" (1919) als Partner von Pola Negri, die die Titelrolle spielte, "Kohlhiesels Töchter" (1920) und "Anna Boleyn" (1920) an der Seite von Henny Porten, oder "Das Weib des Pharao" (1922), wo er den Pharao Amenes mimte. Er war unter der Regie Dimitri Buchowetzkis der "Danton" (1921) nach Georg Büchners Bühnenstück oder der Shakespeare'sche "Othello" (1922); in Leo Birinskys Horrorstreifen "Das Wachsfigurenkabinett" spielte er 1924 den "Harun al Raschid" neben Conrad Veidt als "Iwan der Schreckliche", 1924 die Titelrolle in Dimitri Buchowetzkis Historiendrama "Peter der Große", im gleichen Jahr den "Nero" in der international besetzten Produktion "Quo Vadis?" sowie an der Seite von Elisabeth Bergner in Paul Czinners "Nju"; wie eine Sensation wirkte in Amerika Murnaus Kammerspiel "Der letzte Mann" (1924) mit Jannings in der Rolle eines alternden, zermürbten Hotelportiers. Murnau besetzte ihn als "Mephisto" in seiner legendären Stummfilmfassung von Goethes "Faust" (1926), im gleichen Jahr erhielt Jannings einen 3-Jahres Vertrag von der Paramount und ging bis 1929 mit Lubitsch nach Hollywood, wo er für eine Wochengage von 42.000 Mark der bestbezahlte deutsche Filmschauspieler war.

In den USA drehte er unter anderem mit Victor Fleming "The Way of All Flesh" (1927), mit Ludwig Berger "Sins of the Fathers" (1928) und mit Lewis Milestone "Betrayal" (1929); für seine Darstellung des General Dolgorucki bzw. des Großherzogs Sergius Alexander in Josef von Sternbergs "The Last Command" (1927) sowie des Zaren Paul I. in  Ernst Lubitschs "The Patriot" (1928) wurde ihm der Oscar für den besten Darsteller verliehen. Die amerikanische Akademie für Kunst und Wissenschaft erklärte Jannings durch Überreichung eines Ehrenpreises im Frühjahr 1929 zum "Besten Schauspieler Amerikas". Trotz der Erfolge und seines laufenden Kontraktes kehrte er im August des gleichen Jahres nach Deutschland zurück, da er sich mit Aufkommen des Tonfilms der englischen Sprache nicht mächtig genug fühlte. Zunächst ließ er sich am Wolfgangsee im Salzkammergut nieder und betätigte sich als Landwirt, bis es ihn wieder zu Theater und Film trieb. Er spielte im Ensemble des "Deutschen Theaters" und ab 1934 am "Staatlichen Schauspielhaus" in Berlin, war aber vor allem als Darsteller in in großen Kinoerfolgen unvergesslich.

Mit seinem ersten Tonfilm in Deutschland gelang Jannings 1930 ein Comeback als Filmschauspieler in "Der blaue Engel"; an der Seite von Marlene Dietrich feierte er als Darsteller des "Professor Unrat" – nach der gleichnamigen Romanvorlage von Heinrich Mann – große Erfolge, wurde einer der bestbezahlten deutschen Filmschauspieler und "der" männliche Schauspieler Deutschlands vor und nach 1933. Man sah ihn unter anderem als Tenor Albert Winkelmann in "Liebling der Götter" (1931), mit Titelrollen in "Stürme der Leidenschaft"1) (1931), "Die Abenteuer des Königs Pausole" (1933), "Der Schwarze Walfisch" (1934), "Der Alte und der junge König – Friedrichs des Grossen Jugend" (1935), "Traumulus" (1936) und "Der Herrscher"1) (1937); eine grandiose Leistung gelang ihm noch einmal mit seiner Paraderolle des "Dorfrichter Adam" in Gustav Ucickys Kleist-Adaption "Der zerbrochene Krug"1)  (1937) sowie mit den Titelrollen in Hans Steinhoffs "Der alte und der junge König"1) (1937) und dem Biopic "Robert Koch" (1939).
Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme hatte Jannings seine Kunst in den Dienst des NS-Regimes gestellt; obwohl er selbst nie Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) wurde, bekannte er sich öffentlich zur NS-Ideologie. Als einer der Lieblingsschauspieler von Adolf Hitler verkörpert er in zahlreichen Filmen den von der NS-Propaganda idealisierten "Herrenmenschen". Zu Jannings Filmen bis Kriegende zählen "Ohm Krüger"1) (1941), der Bismarck-Film "Die Entlassung" (1942) und "Altes Herz wird wieder jung" (1943); der Streifen "Wo ist Herr Belling?" (1945) wurde nicht mehr vollendet. Trotz des Vorwurfs, aus seiner Vorliebe für die "großen Kerls" seinen Namen der Propaganda des "Dritten Reichs" zur Verfügung gestellt zu haben, wird jedoch nicht verschwiegen, dass seine Autorität auch gefährdeten Branchenkollegen zugute gekommen ist. 1939 verhindert er so die Drucklegung seiner Autobiografie, weil der Verlag einige unzeitgemäße Äußerungen und die Namen von jüdischen Künstlern verfälschte. Das Buch erscheint schließlich in der ursprünglichen Fassung ein Jahr nach seinem Tod.

Nach der deutschen Kapitulation im Mai 1945 verhängten die Alliierten ein lebenslanges Berufsverbot über Jannings aufgrund seiner schauspielerischen und unternehmerischen Tätigkeit während des Nationalsozialismus. Ohne Engagement und gemieden, zog der Schauspieler sich bald tief enttäuscht und krank vom Filmgeschäft zurück, setzte sich intensiv mit dem katholischen Glauben auseinander und konvertierte wenige Tage vor seinem Tod vom Protestantismus zum Katholizismus. 1948 erwarb er die österreichische Staatsbürgerschaft, Auswanderungspläne nach Argentinien hatten sich zerschlagen.
Jannings spielte die Kraftnaturen der Weltgeschichte und -literatur, war Ludwig XV., Danton, Othello, Heinrich VIII., Götz von Berlichingen, Mephisto und Faust; nicht zuletzt durch komödiantisches Raffinement vermenschlichte er sie. Mit seiner natürlichen Schnauzigkeit, dem verschmitzten und raunzenden Kutschercharme verkörperte er auch starke Persönlichkeiten aus dem Alltag: Industrielle, Forscher, Haustyrannen in Hemdsärmeln, Spießer. Der Alchimist einer wirkungsvollen Mixtur aus Spiel und Ernst, Realismus und Illusion kam von Naturalismus und Expressionismus, konnte Figuren gestalten, die Otto Dix und Max Beckmann visionär entworfen hatten. Dabei blieb er stets volkstümlich, auch wo er Hochfahrende und Aufgestiegene interpretierte. Der Tonfilm gab ihm auch Leidensrollen, Sünder und Scheiternde, deren tragische Dimensionen sein Einfühlungsvermögen einzigartig erfasste.
("Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz)

Seine größte Auszeichnung war wohl 1928 der "Oscar" und bis heute ist er der einzige deutsche Schauspieler, der diese Ehrung erhalten hat. An weiteren Ehrungen erhielt er 1936 die "Ernennung zum Staatsschauspieler", 1937 die "Ernennung zum Kultursenator", im gleichen Jahr überreichte man ihm den "Nationalen Filmpreis". 1939 erhielt er die "Goethe-Medaille" und 1941 den "Ehrenring des deutschen Films".
Der legendäre Schauspieler Emil Jannings verstarb am 2. Januar 1950 mit 63 Jahren im österreichischen Zinkenbach am Wolfgangsee; er war in zweiter Ehe kurz mit Hanna Ralph (1895 – 1978), in dritter Ehe mit der Schauspielerin Lucie Höflich (1883 – 1956) und in vierter Ehe seit 1923 mit der Diseuse und Schauspielerin Gussie Holl (1888 – 1966) verheiratet; aus seiner ersten, in Stettin geschlossenen Ehe stammt Tochter Ruth Maria.
 
Seine Erinnerungen veröffentlichte Jannings unter dem Titel "Theater, Film- das Leben und ich", welche, wie bereits erwähnt, erst nach seinem Tod in einer Bearbeitung von C. C. Bergius auf den Markt kamen und mit zahlreichen Bildern, die aus dem Privatbesitz des Witwe des verstorbenen Künstlers stammen, das Leben von Jannings dokumentieren; eine Biografie über den Schauspieler erschien im Hamburger Prismenverlag unter dem Titel "1000 Prozent Jannings".
 

1) Der Link führt zu Wikipedia
Textteile aus "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz
Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch, www.dhm.de, www.prisma-online.de
Fotos bei film.virtual-history.com
   
Der blaue Engel
Siehe auch Wikipedia

Titel Deutschland: Der blaue Engel
Genre: Drama
Farbe, Deutschland, 1930
Kino Deutschland: 1930-04-01
Laufzeit Kino: 108 Minuten 
Darsteller: Emil Jannings (Professor Immanuel Rath),
Marlene Dietrich (Lola Lola), Kurt Gerron (Kiepert),
Rosa Valetti (Guste Kiepert), Hans Albers (Mazeppa), 
Eduard von Winterstein, Reinhold Brent 
Regie: Josef von Sternberg
Die vulgäre und äußerst attraktive Sängerin Lola-Lola ist die unbestrittene Attraktion des Nachtlokals "Der blaue Engel". Wie im Vorübergehen bricht sie das Herz des biederen Gymnasialprofessors Immanuel Rath. Der will die berüchtigte Spelunke eigentlich inspizieren, um seine Schüler vor dem Sündenpfuhl fernzuhalten, aber als er Lola auf der Bühne sieht, vergisst er seine Mission. Die Vorstadt-Sirene lässt sich auf den alten Mann ein und nutzt ihn aus. Als sein Verhältnis zu der Lebedame an die Öffentlichkeit dringt, verliert er Stellung und Ansehen. 
"Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt!" singt Lola nur leicht bekleidet im "Blauen Engel". In dem Moment nimmt das Leben von Unrat eine jähe Wende!
   
Filme
Filmografie bei der german.imdb.com
(Die Links führen zur Murnau-Stiftung)
1914: Passionels Tagebuch 1914: Im Schützengraben
1914: Arme Eva 1916: Aus Mangel an Beweisen
1916: Der Zehnte Pavillon der Zitadelle 1916: Im Angesicht des Toten
1916: Die Bettlerin von St. Marien 1916: Nächte des Grauens
1916: Die Ehe der Luise Rohrbach 1916: Stein unter Steinen
1916: Frau Eva 1916: Unheilbar
1917: Das Fidele Gefängnis 1917: Die Seeschlacht
1917: Das Geschäft 1917: Lulu
1917: Der Ring der Giuditta Foscari 1917: Wenn vier dasselbe tun
1918: Die Augen der Mumie Ma 1918: Keimendes Leben, Teil 1
1918: Fuhrmann Henschel 1918: Nach zwanzig Jahren
1919: Der Mann der Tat 1919: Madame DuBarry
1919: Die Tochter des Mehemed 1919: Rose Bernd
1919: Keimendes Leben, Teil 2 1920: Algol
1920: Anna Boleyn 1920: Der Schädel der Pharaonentochter
1920: Colombine 1920: Kohlhiesels Töchter
1920: Das Große Licht 1921: Danton
1921: Der Schwur des Peter Hergatz 1921: Die Brüder Karamasoff
1921: Der Stier von Olivera 1921: Die Ratten
1921: Vendetta 1922: Das Weib des Pharao
1922: Die Gräfin von Paris 1922: Othello
1923: Tragödie der Liebe 1923: Alles für Geld
1924: NJU – Eine unverstandene Frau 1924: Das Wachsfigurenkabinett
1924: Peter der Große 1924: Der Letzte Mann
1924: Quo Vadis? 1925: Liebe macht blind
1925: Varieté 1926: Faust
1926: Herr Tartüff 1927: The Way of All Flesh
1928: Street of Sin 1928: The Patriot
1928: The Last Command 1929: Betrayal
1929: Fighting the White Slave Traffic 1929: Sins of the Fathers
1930: Der Blaue Engel 1930: Liebling der Götter
1932: Stürme der Leidenschaft 1933: Die Abenteuer des Königs Pausole
1934: Der Schwarze Walfisch 1935: Der Alte und der junge König –
Friedrichs des Grossen Jugend
1936: Traumulus 1937: Der Herrscher
1937: Der Zerbrochene Krug 1939: Robert Koch, der Bekämpfer des Todes
1941: Ohm Krüger 1942: Die Entlassung
1943: Altes Herz wird wieder jung 1945: Wo ist Herr Belling? (unvollendet)
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