
Jannings Weltruhm gründet sich jedoch vorwiegend auf sein Filmschaffen,
insgesamt trat er in über 70 Kinoproduktionen auf; eigenen Angaben
zufolge soll ihn sein chronischer Geldmangel zu dem neuen Medium
getrieben haben. Sein Leinwanddebüt gab Jannings 1914 mit einer
kleinen Chargenrolle in dem Stummfilm "Passionels Tagebuch",
es folgte der Streifen "Im Schützengraben" (1914), bereits
mit seinem dritten Film "Arme Eva" (1914) erregte er das
Interesse der bedeutenden Filmregisseure seiner Zeit. Jannings erhielt
nun größere Aufgaben, spielte in rascher Folge Hauptrollen in stummen Melodramen wie
"Nächte des Grauens" (1916), "Die Ehe der Luise
Rohrbach" (1916), "Aus Mangel an Beweisen" (1916) oder
"Die Bettlerin von St. Marien" (1916). Vor allem durch die
Zusammenarbeit mit Ernst Lubitsch avancierte Jannings rasch zu den bedeutendsten Stummfilmstars,
mit den Murnau-Filmen "Herr Tartüff"1) (1925), "Der letzte Mann"1) (1925) und
"Faust eine deutsche Volkssage"1) (1926) erreichte er internationale Anerkennung.
Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme hatte Jannings seine Kunst in den Dienst des NS-Regimes gestellt; obwohl er selbst nie Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) wurde, bekannte er sich öffentlich zur NS-Ideologie. Als einer der Lieblingsschauspieler von Adolf Hitler verkörpert er in zahlreichen Filmen den von der NS-Propaganda idealisierten "Herrenmenschen". Zu Jannings Filmen bis Kriegende zählen "Ohm Krüger"1) (1941), Wolfgang Liebeneiners Bismarck-Film "Die Entlassung"1) (1942) und "Altes Herz wird wieder jung"2) (1943); der Streifen "Wo ist Herr Belling?"2) (1945) wurde nicht mehr vollendet. Trotz des Vorwurfs, aus seiner Vorliebe für die "großen Kerls" seinen Namen der Propaganda des "Dritten Reichs" zur Verfügung gestellt zu haben, wird jedoch nicht verschwiegen, dass seine Autorität auch gefährdeten Branchenkollegen zugute gekommen ist. 1939 verhindert er so die Drucklegung seiner Autobiografie, weil der Verlag einige unzeitgemäße Äußerungen und die Namen von jüdischen Künstlern verfälschte. Das Buch erscheint schließlich in der ursprünglichen Fassung ein Jahr nach seinem Tod. Nach der deutschen Kapitulation im Mai 1945 verhängten die Alliierten ein lebenslanges Berufsverbot über Jannings aufgrund seiner schauspielerischen und unternehmerischen Tätigkeit während des Nationalsozialismus. Ohne Engagement und gemieden, zog der Schauspieler sich bald tief enttäuscht und krank vom Filmgeschäft zurück, setzte sich intensiv mit dem katholischen Glauben auseinander und konvertierte wenige Tage vor seinem Tod vom Protestantismus zum Katholizismus. 1948 erwarb er die österreichische Staatsbürgerschaft, Auswanderungspläne nach Argentinien hatten sich zerschlagen.Jannings spielte die Kraftnaturen der Weltgeschichte und -literatur, war Ludwig XV., Danton, Othello, Heinrich VIII., Götz von Berlichingen, Mephisto und Faust; nicht zuletzt durch komödiantisches Raffinement vermenschlichte er sie. Mit seiner natürlichen Schnauzigkeit, dem verschmitzten und raunzenden Kutschercharme verkörperte er auch starke Persönlichkeiten aus dem Alltag: Industrielle, Forscher, Haustyrannen in Hemdsärmeln, Spießer. Der Alchimist einer wirkungsvollen Mixtur aus Spiel und Ernst, Realismus und Illusion kam von Naturalismus und Expressionismus, konnte Figuren gestalten, die Otto Dix und Max Beckmann visionär entworfen hatten. Dabei blieb er stets volkstümlich, auch wo er Hochfahrende und Aufgestiegene interpretierte. Der Tonfilm gab ihm auch Leidensrollen, Sünder und Scheiternde, deren tragische Dimensionen sein Einfühlungsvermögen einzigartig erfasste.3) Jannings größte Auszeichnung war wohl 1928 der "Oscar" und bis heute ist er der einzige deutsche Schauspieler, der diese Ehrung erhalten hat. An weiteren Ehrungen erhielt er 1936 die "Ernennung zum Staatsschauspieler", 1937 die "Ernennung zum Kultursenator", im gleichen Jahr überreichte man ihm den "Nationalen Filmpreis". 1939 erhielt er die "Goethe-Medaille" und 1941 den "Ehrenring des deutschen Films". Der legendäre Schauspieler Emil Jannings starb am 2. Januar 1950 mit 63 Jahren im österreichischen Strobl, einer Gemeinde im Salzburger Land; seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof Sankt Wolfgang im Salzkammergut. In Potsdam-Babelsberg erinnert die "Emil-Jannings-Straße" an den legendären Künstler. Jannings, der auf dem "Walk of Fame" in Hollywood verewigt wurde, hat seit 2011 auch einen "Stern" auf dem "Boulevard der Stars"1) in Berlin. Jannings war in zweiter Ehe um 1920 herum kurz mit der Schauspielerin Hanna Ralph1) (1888 1978), in dritter Ehe mit der Schauspielerin Lucie Höflich4) (1883 1956) und in vierter Ehe seit 1923 mit der Diseuse und Schauspielerin Gussy Holl1) (1888 1966) verheiratet; aus seiner ersten, in Stettin geschlossenen Ehe stammte die 1920 geborene Tochter Ruth Maria.5) Seine Erinnerungen veröffentlichte Jannings unter dem Titel "Theater, Film- das Leben und ich", welche, wie bereits erwähnt, erst nach seinem Tod in einer Bearbeitung von C. C. Bergius auf den Markt kamen und mit zahlreichen Bildern, die aus dem Privatbesitz des Witwe des verstorbenen Künstlers stammen, das Leben von Jannings dokumentieren; eine Biografie über den Schauspieler erschien im Hamburger Prismenverlag unter dem Titel "1000 Prozent Jannings". |
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1) Wikipedia, 2) Murnau Stiftung, 4) Kurzportrait
innerhalb dieser HP Quelle: 3) "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz, Ausgabe 2000, S. 176/77 5) www.film-zeit.de |
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Textbausteine des Kurzportraits aus "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch, www.dhm.de, www.prisma-online.de Fotos bei film.virtual-history.com und silentgents.com |
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