
Jannings Weltruhm gründet sich jedoch vorwiegend auf sein Filmschaffen,
insgesamt trat er in über 70 Kinoproduktionen auf; eigenen Angaben
zufolge soll ihn sein chronischer Geldmangel zu dem neuen Medium
getrieben haben. Sein Leinwanddebüt gab Jannings 1914 mit einer
kleinen Chargenrolle in dem Stummfilm "Passionels Tagebuch",
es folgte der Streifen "Im Schützengraben" (1914), bereits
mit seinem dritten Film "Arme Eva" (1914) erregte er das
Interesse der bedeutenden Filmregisseure seiner Zeit. Jannings erhielt
nun größere Aufgaben, spielte in rascher Folge Hauptrollen in stummen Melodramen wie
"Nächte des Grauens" (1916), "Die Ehe der Luise
Rohrbach" (1916), "Aus Mangel an Beweisen" (1916) oder
"Die Bettlerin von St. Marien" (1916). Vor allem durch die
Zusammenarbeit mit Ernst Lubitsch avancierte Jannings rasch zu den bedeutendsten Stummfilmstars,
mit den Murnau-Filmen "Herr Tartüff" (1925), "Der letzte Mann" (1925) und
"Faust" (1926) erreichte er internationale Anerkennung. In den USA drehte er unter anderem mit Victor Fleming "The Way of All Flesh" (1927), mit Ludwig Berger "Sins of the Fathers" (1928) und mit Lewis Milestone "Betrayal" (1929); für seine Darstellung des General Dolgorucki bzw. des Großherzogs Sergius Alexander in Josef von Sternbergs "The Last Command" (1927) sowie des Zaren Paul I. in Ernst Lubitschs "The Patriot" (1928) wurde ihm der Oscar für den besten Darsteller verliehen. Die amerikanische Akademie für Kunst und Wissenschaft erklärte Jannings durch Überreichung eines Ehrenpreises im Frühjahr 1929 zum "Besten Schauspieler Amerikas". Trotz der Erfolge und seines laufenden Kontraktes kehrte er im August des gleichen Jahres nach Deutschland zurück, da er sich mit Aufkommen des Tonfilms der englischen Sprache nicht mächtig genug fühlte. Zunächst ließ er sich am Wolfgangsee im Salzkammergut nieder und betätigte sich als Landwirt, bis es ihn wieder zu Theater und Film trieb. Er spielte im Ensemble des "Deutschen Theaters" und ab 1934 am "Staatlichen Schauspielhaus" in Berlin, war aber vor allem als Darsteller in in großen Kinoerfolgen unvergesslich. Mit seinem ersten Tonfilm in Deutschland gelang Jannings 1930 ein Comeback als Filmschauspieler in "Der blaue Engel"; an der Seite von Marlene Dietrich feierte er als Darsteller des "Professor Unrat" nach der gleichnamigen Romanvorlage von Heinrich Mann große Erfolge, wurde einer der bestbezahlten deutschen Filmschauspieler und "der" männliche Schauspieler Deutschlands vor und nach 1933. Man sah ihn unter anderem als Tenor Albert Winkelmann in "Liebling der Götter" (1931), mit Titelrollen in "Stürme der Leidenschaft"1) (1931), "Die Abenteuer des Königs Pausole" (1933), "Der Schwarze Walfisch" (1934), "Der Alte und der junge König Friedrichs des Grossen Jugend" (1935), "Traumulus" (1936) und "Der Herrscher"1) (1937); eine grandiose Leistung gelang ihm noch einmal mit seiner Paraderolle des "Dorfrichter Adam" in Gustav Ucickys Kleist-Adaption "Der zerbrochene Krug"1) (1937) sowie mit den Titelrollen in Hans Steinhoffs "Der alte und der junge König"1) (1937) und dem Biopic "Robert Koch" (1939).Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme hatte Jannings seine Kunst in den Dienst des NS-Regimes gestellt; obwohl er selbst nie Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) wurde, bekannte er sich öffentlich zur NS-Ideologie. Als einer der Lieblingsschauspieler von Adolf Hitler verkörpert er in zahlreichen Filmen den von der NS-Propaganda idealisierten "Herrenmenschen". Zu Jannings Filmen bis Kriegende zählen "Ohm Krüger"1) (1941), der Bismarck-Film "Die Entlassung" (1942) und "Altes Herz wird wieder jung" (1943); der Streifen "Wo ist Herr Belling?" (1945) wurde nicht mehr vollendet. Trotz des Vorwurfs, aus seiner Vorliebe für die "großen Kerls" seinen Namen der Propaganda des "Dritten Reichs" zur Verfügung gestellt zu haben, wird jedoch nicht verschwiegen, dass seine Autorität auch gefährdeten Branchenkollegen zugute gekommen ist. 1939 verhindert er so die Drucklegung seiner Autobiografie, weil der Verlag einige unzeitgemäße Äußerungen und die Namen von jüdischen Künstlern verfälschte. Das Buch erscheint schließlich in der ursprünglichen Fassung ein Jahr nach seinem Tod.
Nach der deutschen Kapitulation im Mai 1945 verhängten die
Alliierten ein lebenslanges Berufsverbot über Jannings aufgrund seiner
schauspielerischen und unternehmerischen Tätigkeit während des
Nationalsozialismus. Ohne Engagement und gemieden, zog der Schauspieler
sich bald tief enttäuscht und krank vom Filmgeschäft zurück, setzte
sich intensiv mit dem katholischen Glauben auseinander und konvertierte
wenige Tage vor seinem Tod vom Protestantismus zum Katholizismus. 1948 erwarb er die
österreichische Staatsbürgerschaft, Auswanderungspläne
nach Argentinien hatten sich zerschlagen. |
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Textteile aus "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch, www.dhm.de, www.prisma-online.de Fotos bei film.virtual-history.com |
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