Maximilian Schell wurde am 8. Dezember 1930 als Sohn des Schriftstellers Hermann Ferdinand Schell1) (1900 – 1972) und der österreichischen Schauspielerin Margarethe Noé von Nordberg1) (1905 – 1995) geboren; die Geschwister Maria Schell*) (1926 – 2005), Carl Schell1) (geb. 1927) und Immy Schell1) (1935 – 1992) ergriffen ebenfalls den Schauspieler-Beruf.
Maximilian Schell, dessen Eltern vor den Nazis in die Schweiz flohen, stand schon mit elf Jahren in der Rolle des "Wilhelm Tell" in Zürich auf der Bühne. Als er die Schule beendet hatte, studierte er zunächst Philosophie, Kunstgeschichte und Germanistik, bis er sich 1952 dann doch entschied, in die Fußstapfen seiner Mutter zu treten und Schauspieler zu werden. Er begann an der Baseler Bühne als Dramaturg und Regisseur und gab dann seine Künste auch auf der Bühne zum Besten, 1955 folgte mit László Benedeks Nachkriegsdrama "Kinder, Mütter und ein General"1) und der Rolle eines Deserteurs sein Leinwanddebüt.

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*) Kurzportrait innerhalb dieser HP

Maximilian Schell 01; Copyright Virginia Shue
Schell blieb jedoch dem deutschen Film nur wenige Jahre erhalten, so als Leutnant Alex Haller in Käutners Film "Ein Mädchen aus Flandern"1) (1956) mit Nicole Berger in der Titelrolle. Es folgten die Filme "Ein Herz kehrt heim"1) (1956), "Die Ehe des Dr. med. Danwitz"1) (1956), "Die Letzten werden die Ersten sein"1) (1957) und "Taxichauffeur Bänz" (1957), dann gelang es ihm, in dem Hollywoodstreifen "Die jungen Löwen"1) (1958, The Young Lions) als Gegenspieler von Marlon Brando und Montgomery Clift eine Rolle zu bekommen und so eine außergewöhnliche Hollywood-Karriere zu starten.
1961 zeichnete er in Stanley Kramers preisgekröntem Film "Das Urteil von Nürnberg"1) (Judgment at Nuremberg) einen entschlossenen Nazi-Verteidiger und erhielt für seine schauspielerische Leistung als erster deutschsprachiger Schauspieler nach dem Kriege den "Oscar". Danach spielte er fast ausschließlich in amerikanischen, englischen oder italienischen Produktionen, wie beispielsweise neben Peter Ustinov und Melina Mercouri in der von Jules Dassin inszenierten Komödie "Topkapi"1)
(1964). Es folgten weitere Oscar-Nominierungen, so als "Bester Hauptdarsteller" in Arthur Hillers Drama "The Man in the Glass Booth" (1975): Hier gestaltete Schell eindringlich einen Nazi, der sich nach Kriegsende in den USA als Industrieller niedergelassen hat und sich als wohlhabender Jude Arthur Goldman ausgibt – bis ihm der israelische Geheimdienst auf die Spur kommt. Die Oscar-Nominierung als "bester Nebendarsteller" erhielt er in Fred Zinnemanns "Julia"1) (1977) mit den Protagonistinnen Vanessa Redgrave und Jane Fonda.
  
Maximilian Schell und Bibi Johns; Copyright Virginia Shue
Maximilian Schell und Bibi Johns*)
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Dazwischen lagen Produktionen wie der US-amerikanische Katastrophenfilm "Krakatoa – Das größte Abenteuer des letzten Jahrhunderts" (1969, Krakatoa, East of Java) oder Michael Andersons Filmdrama "Papst Johanna"1) (1972, Pope Joan). Die hohen Gagen, die Schell mit Filmen wie "Die Akte Odessa"1) (1975, The Odessa File), "Die Brücke von Arnheim"1) (1977, A Bridge Too Far), "Steiner – Das eiserne Kreuz"1)  (1977) oder "Das schwarze Loch"1) (1979, The Black Hole) verdiente, steckte das Multitalent in eigene, hochgelobte Produktionen wie die Dürrenmatt-Adaption "Der Richter und sein Henker"1) (1975) oder die Heinrich-Böll-Verfilmung "Ansichten eines Clowns"1) (1976) mit Helmut Griem und Hanna Schygulla in den Hauptrollen.
Maximilian Schell 03; Copyright Virginia Shue Sein Regie-Debüt hatte er mit der historischen Romanze "Erste Liebe"1) (1970) gegeben, einer Geschichte, welche auf einer Novelle von Iwan Turgenjew basierte und die Schell auf eigenwillige Weise umsetzte. Die Resonanz der Kritik war überwältigend, Schells Erstlingswerk wurde als "Bester ausländischer Film" für einen Oscar nominiert. Nur zwei Jahre später inszenierte er "Der Fußgänger"1) (1974), ein Drama um ein fruchtbares Verbrechen im Dritten Reich, das durch einen Boulevardjournalisten aufgedeckt wird, und erntete erneut internationale Anerkennung; ein "Golden Globe" sowie eine erneute Oscar-Nominierung als "Bester fremdsprachiger Film" sind nur zwei von weiteren zahlreichen Preisen für diese Arbeit.
Nach seiner Ödön von Horváth-Adaption "Geschichten aus dem Wienerwald"1) (1979) erregte Maximilian Schell 1983 Aufmerksamkeit mit "Marlene"2), in dem er ausführliche Begegnungen mit der Dietrich zu einem bewegenden, intellektuellen Portrait montierte. Für die Dietrich-Dokumentation durfte er das 17-stündige Interview mit der Filmlegende nur per Tonband aufnehmen. Dabei ließ sich der feinfühlige Porträtist sogar von der oft betrunkenen Diva beleidigen: "Geh du zu Mama Schell und lern Manieren." Gerade aufgrund dieser Brüche, die Schell klugerweise nicht wegretuschierte, ist eine der eindringlichsten Schauspieler-Biografien entstanden. Der Film wurde 1986 für den Oscar als "Bester Dokumentarfilm" nominiert. in Deutschland gewann er den "Deutschen Filmpreis"; mehr zu Schells Marlene Dietrich-Portrait bei Wikipedia.

 
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Ein viel beachtetes Werk wurde auch sein Dokumentarfilm über seine Schwester Maria, der im Frühjahr 2002 mit dem Titel "Meine Schwester Maria"2) in die Kinos kam (mehr dazu auf der Seite "Maria Schell"); im März 2004 kam die bewegende Lebensgeschichte auch in Buchform auf den Markt.
 
 

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Meine Schwester Maria; Copyright Einhorn-Film
Maximilian Schell spielte in den 1990er Jahren in Produktionen wie der Krimikomödie "The Freshman"1) (1990, Freshman) an der Seite von Marlon Brando und Matthew Broderick, für seine Interpretation des Mordecai Weiss in der preisgekrönten Theateradaption "Miss Rose White"1) (1992) wurde er für einen "Emmy Award" nominiert. In der Disney-Produktion "A Far Off Place"1) (1993, Die Spur des Windes – Das letzte große Abenteuer) mimte er den Wildhüter Colonel Mopani Theron, eine eindrucksvolle Leistung bot er als Zürcher Kantonsrat Dr.h.c. Isaak Kohler in Hans W. Geissendörfers Dürrenmatt-Adaption "Justiz"1) (1993). Seine wohl bekanntesten Kinoproduktionen der vergangenen Jahrzehnte dürften 1998 Mimi Leders Katastrophenfilm "Deep Impact"1) mit der Rolle des Jason Lerner sowie 1999 Gabriel Baryllis Romanze "Wer liebt, dem wachsen Flügel"1) sein, wo er als Vater der weiblichen Hauptdarstellerin Maria Hochberg (Lisa Martinek) vor der Kamera stand. Unter anderem besetzte ihn Nick Lyon in dem Thriller "I love you, Baby"2) (2000), Henry Jaglom in der Komödie "Festival in Cannes" (2001), zuletzt stand Schell in Vadim Glownas Kinofilm "Das Haus der schlafenden Schönen"2) (2006) nach dem Roman des japanischen Nobelpreisträgers Yasunari Kawabata vor einer deutschen Kinokamera.
  
Vor allem ab den 1980er Jahren arbeitete Schell vermehrt für das Fernsehen und trat mit prägnanten Figuren in internationalen Produktionen in Erscheinung. So gab er beispielsweise den Sándor Korvin bzw. das "Phantom" in "The Phantom of the Opera"1) (1983), oder spielte die gereifte Titelfigur in dem Historiendrama "
Peter der Große"2) (1986, Peter the Great). Man sah ihn beispielsweise 1990 als Amado Guzman in der TV-Serie "Wiseguy" (Kampf gegen die Mafia), ein Jahr später schlüpfte er in das Kostüm Friedrich des Großen in dem Zweiteiler "Young Catherine"1) (1991, Die junge Katharina). Nach seiner Rolle des Pharao in dem Zweiteiler "Abraham"1) (1993, Die Bibel – Abraham) kam er in "The Thorn Birds: The Missing Years" (1996, Die Dornenvögel – Die verlorenen Jahre) als Kardinal Vittorio daher, 1999 verkörperte der charismatische Darsteller den Bruder John in Christian Duguays Historienspektakel "Johanna von Orleans"1) (Joan of Arc). In der von Marco Serafini aufwendig in Szene gesetzten mehrteiligen Familienchronik "Liebe, Lügen, Leidenschaften"2), den heißen Affären und spannende Intrigen rund um den Wäschemodenkonzern "Aphrodite", agierte er 2002 als Firmenpatriarch Franz Steininger. In jüngerer Zeit überraschte Maximilian Schell die Fernsehzuschauer mit der Titelrolle des Fürsten Thorwald in der zunächst zwölfteiligen Adelssaga "Der Fürst und das Mädchen"1); ab Mitte September 2005 wurden mit der zweiten Staffel die melodramatischen Geschichten um Intrigen und Romanzen im Adelsmilieu fortgesetzt, seit Anfang Januar 2007 lief die dritte Staffel, in der Schell gegen Ende als Fürst Friedrich von Thorwald an gebrochenem Herzen den Fernsehtod stirbt und somit die Serie verließ.
 
Mit einer ganz anderen Rolle beeindruckte der Schauspieler Anfang April 2004 die Fernsehzuschauer: In der spannenden, hochkarätig besetzten Verfilmung des Bestsellers von Henning Mankell "Die Rückkehr des Tanzlehrers"1) spielte er unter der Regie von Urs Egger neben Tobias Moretti und Veronica Ferres den alten Argentinier Fernando Hereira, einen jüdischen Emigranten, der 60 Jahre nach dem Mord an seinem Vater durch den SS-Mann Herbert Molin diesen in Schweden aufspürt, tötet, und glaubt, damit seine innere Ruhe wieder zu finden.
An der Seite von Uschi Glas tauchte er in dem eher seichten Fernsehfilm "Alles Glück dieser Erde"2) (2003) auf, in dem TV-Melodram "Die Liebe eines Priesters"2) über eine verbotene Liebe mimte er dann im Mai 2005 den Pater Christoph und väterlichen Freund des Priesterseminaristen Michael alias Erol Sander, der sich zwischen Berufung und der Liebe zu einer Frau entscheiden muss. Unter der Regie von Franz Josef Gottlieb konnte Maximilian Schell wieder einmal alle Register seiner schauspielerischen Darstellungskraft ziehen.
In den letzten Jahren stand Schell für die vom britischen Fernsehen produzierte hochkarätig besetzten Neuverfilmung "Die Muschelsucher" (Ausstrahlung im ZDF am 25.12.2006) nach dem millionenfach verkauften Bestseller "The Shell Seekers" von Rosamunde Pilcher vor der Kamera. An der Seite von Vanessa Redgrave als Witwe Peneople Keeling, die ihr Leben Revue passieren lässt, gab er unter der Regie von Piers Haggard deren Vater, den berühmten Maler Lawrence Sterne, dessen Bild "Die Muschelsucher" eine besondere Bedeutung für Penelope hat.
Maximilian Schell; Copyright Edmond Frederik

Eine weitere interessante Rolle war die des Albert Einstein in Gero von Boehms Doku-Reihe "Giganten", die im Herbst 2007 im ZDF unter dem Titel "Albert Einstein – Superstar der Wissenschaft" ausgestrahlt wurde. Als kompetenter Moderator zeigte er sich 2008 in der dreiteiligen ZDF-Geschichtsreihe "Imperium der Päpste", erzählte vom Aufstieg und Fall des Papsttums (siehe auch www.3sat.de). Seit 2005 bzw. der Folge "Imperium – Kampf um Rom" führt er überdies durch die "Imperium"-Folgen der ZDF-Dokumentationen aus der Reihe "Terra X", bereits 14 Mal präsentierte er spannende Rückblicke in geheimnisvoll-vergangene Epochen und beleuchtete geschichtliche Zusammenhänge. Danach brachte Schell 2010 den Zuschauern "Das Weltreich der Kalifen" nahe, ging dem "Fluch des Diamanten" der indischen Maharadschas nach und wandelte in "Das Schwert der Shogune" im mittelalterlichen Japan auf den Spuren der legendären Samurais.
Im Juli 2011 folgten mit "Der letzte Kampf der Ritter" (EA: 10.07.), "Das Gold der Piraten" (EA: 17.07.) und "Der Kriegsruf der Indianer" (EA: 24.07.) weiter sehenswerte "Imperium"-Geschichten, erneut fesselnd vorgestellt von Maximilian Schell.
 
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Eher nette Unterhaltungskost bot der Anfang Oktober 2007 in der ARD gezeigte, von Peter Weck inszenierte romantische Liebesfilm "Die Rosenkönigin"1). Neben den Protagonisten Mirjam Weichselbraun, Erol Sander, Gaby Dohm und Peter Weck selbst mimte Maximilian Schell diesmal den Karl Friedrich Weidemann, Patriarch einer traditionsreichen Parfüm-Firma, dessen Unternehmen knapp vor dem Bankrott steht. Als er die junge Parfümeurin Marie Gruber (Mirjam Weichselbraun) kennenlernt, setzt er auf deren Fähigkeiten, die sie, wie sich später herausstellt, von ihm geerbt hat. Das Stück, zusammengemixt aus Familienintrigen, kriminalistischen Elementen und natürlich einer gefühlvollen Liebesgeschichte vor der imposanten Kulisse Salzburgs, hob sich nicht zuletzt wegen des großen Mimen Schell aus dem üblichen Melodram-Einheitsbrei ab. Zu seinen eher selten gewordenen Leinwandauftritten zählt die US-amerikanische Abenteuerkomödie "The Brothers Bloom"1) (2008) mit der Rolle des Betrügers Fagin. In der internationalen Produktion "Schwarze Blumen"2) (2009, Flores negras) von Regisseur David Carreras zeigte sich der Schauspieler neben  Tobias Moretti. Schell spielte in diesem Spionagethriller nach dem Bestseller "Schwarzer Mohn" des katalanischen Journalisten Daniel Vázquez Sallés den Jakob Krinsten, ehemaliger Leiter der Europäischen Kommission für Entwicklungsarbeit, bei dem alle Fäden einer Geheimorganisation zusammenzulaufen scheinen (siehe auch www.opalfilm.de).
 
Neben seinen umfangreichen Film- und Fernsehauftritten blieb Schell jedoch stets dem Theater treu; er spielte an unzähligen Bühnen wie Essen, Bonn, Lübeck, München oder Berlin. 1957 gastierte er in London, 1958 in New York, berühmt wurde 1963 sein "Hamlet" unter Gründgens. Unvergessen bleibt wohl sein Auftritt 1978 als "Jedermann" bei den Salzburger Festspielen, den er auch in den nachfolgenden Jahren bis 1982 brillant verkörperte.
Senta Berger und Maximilian Schell 1981 bei den Salzburger Festspielen in JEDERMANN 01; Copyright Virginia Shue Senta Berger und Maximilian Schell 1981 bei den Salzburger Festspielen in JEDERMANN 02; Copyright Virginia Shue
Senta Berger 1981 bei den Salzburger Festspielen als Buhlschaft in Hofmannsthals "Jedermann" neben Maximilian Schell in der Titelrolle. 
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Der Oper wandte er sich 2001 zu und inszenierte in Los Angeles auf Einladung von Placido Domingo Wagners "Lohengrin" sowie 2005 den "Rosenkavalier von Richard Strauss. 2007 konnte er auch als Operettenregisseur Meriten ernten, seine Inszenierung der Operette "Wiener Blut" von Johann Strauß auf der Seebühne im österreichischen Mörbisch wurde hochgelobt. Zuvor hatte er als Darsteller im Frühjahr 2006 im Londoner "Old Vic Theatre" Triumphe mit seiner Interpretation des Generals in Arthur Millers Bühnenstück "Resurrection Blues" gefeiert, rund drei Monate war das Stück aufgeführt worden. Er hatte zudem ein Theaterengagement im Nationaltheater in Luxemburg (Théatre National de Luxembourg (TNL)) angenommen, bei den Ruhrfestspielen war er vom 15. bis 19. Mai 2009 in Recklinghausen mit dem Programm "Lieben Sie Strindberg?" auf der Bühne zu bewundern. Ingo Wazerka hat aus Zitaten, Daten und Musikeinspielungen eine Bühnen-Biographie gebastelt, die von der Präsenz des Großdarstellers Schell und seiner Strahlkraft der Stimme lebt. (…) Die Grandezza, mit der Schell die Dichterfigur an sich zieht, aus Gesten, Gedankenschnipseln eine Strindberg-Statue formt, ist beeindruckend. So geht an diesem Abend alles ineinander über – Leben und Traum, Dasein und Dichtung, Starkult und Kunstwillen. (Quelle: www.derwesten.de)
 
Der Schauspieler und Regisseur Maximilian Schell fiel durch seine seine vielfältigen Talente auf, war nicht nur ein bemerkenswert guter Pianist und Maler, sondern betätigte sich auch als Übersetzer von Werken von John Osborne und William Shakespeare. Als Schriftsteller veröffentlichte er im September 1997 unter dem Titel "Der Rebell" eine Erzählung mit stark autobiografischen Zügen, an der er über zehn Jahre lang geschrieben hatte; es ist eine Abrechnung mit den Illusionen und Lebenslügen einer modernen Schauspielerexistenz; er selbst sah sich als "Sehnsüchtiger", der beständig zwischen den kulturellen Welten wandelt.
An Maximilian Schell war alles markant, der ehemals dunkelhaarige Typ mit dem überlegenen Lächeln und am Theater geschulter, markanter Sprache bewies seine Stärke in dämonisch-bedrohlich wirkenden Gestalten, die jedoch nie eindimensional blieben. Ein Star von großer Eloquenz und Wandlungsfähigkeit, der ebenso unbeugsame Helden, verbohrte Intellektuelle oder existentiell gebrochene Individuen darstellen konnte.
Maximilian Schell war schon immer ein Rebell, der gegen den Strom und die Konventionen schwamm. Als die ganze Welt auf den angeblich pädophilen Michael Jackson losging, schrieb er einen offenen Brief an den Sänger, weil er Hexenjagden allgemein nicht mochte.
Auch wenn sich Schells Timbre dunkler gefärbt hat, das pechschwarze Haar grau-weiß und der Körper massiger geworden ist, gilt er immer noch als Gentleman alter Schule. Seit er die Tilgung der Schulden seiner schwer kranken Schwester Maria übernommen hat, spielt er nicht nur, was ihm gefällt, sondern auch, was Geld einbringt; "John Carpenters Vampire" etwa gehört zu diesen Brotarbeiten.
Eigene Projekte interessieren ihn, wie oft in diesem Schauspielerleben, mehr: die "Lohengrin-Inszenierung" für die Oper Los Angeles, ein Film übers Leben nach dem Tod oder die Dokumentation über "Meine Schwester Maria", die für ihn darstellerisch "immer mehr als nur das 'Seelchen' war". Er sei "noch auf der Suche nach meinen Beruf", sagt er. "Schauspielerei ist doch nur mehr was für die Jungen."
(Zitat "Welt am Sonntag vom 8.12.2000 anlässlich des 70. Geburtstages des Schauspielers)
 

Foto: Maximilian Schell beim "Deutschen Filmpreis 2006" (12.05.2006)
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Maximilian Schell beim "Deutschen Filmpreis 2006" (12.05.2006); Copyright BP PHOTO
Maximilian Schell Anfang Mai 2006; Urheber: Hugo Heikenwaelder (www.heikenwaelder.at); Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons; Lizenz: Der Urheberrechtsinhaber dieses Werkes, veröffentlicht es als gemeinfrei. Auch anlässlich des 80. Geburtstages von Maximilian Schell würdigten die Medien die Lebensleistung des Künstlers, nach fast sechs Jahrzehnten hatte er sowohl auf der Bühne als auch im Film mit mehr als 100 Produktionen bemerkenswerte Spuren hinterlassen, konnte auf eine imposante Karriere zurückblicken. Schell war noch voller Pläne, laut eines Artikels in DIE ZEIT (www.zeit.de) arbeitete er an einer Autobiografie mit dem Titel "Ich fliege über dunkle Täler", für sein Projekt, einen Kinofilm über den Komponisten Ludwig van Beethoven und dessen Auseinandersetzung mit dem französischen Kaiser Napoléon, war er auf der Suche nach einem Produzenten.
Seinen runden Geburtstag beging der Ausnahmekünstler auf seinem Berghof in Kärnten in der Nähe des Ortes Preitenegg. Nicht nur Schells Heimatgemeinde feierte ihren berühmten Ehrenbürger mit einem großen Fest, auch der österreichische Bundespräsident Dr. Heinz Fischer übermittelte dem Jubilar Glückwünsche, bezeichnete Schell als "Weltbürger mit großer Ausstrahlungskraft" und würdigte dessen "jahrzehntelanges vielseitiges künstlerisches Wirken als Schauspieler, Regisseur und Produzent". Die offizielle Geburtstags-Gala zu Ehren des runden Geburtstages fand zwei Tage später am 10. Dezember 2010 in der Wiener "Albertina" statt, neben hochrangigen Politikern wie der österreichischen Bildungsministerin Dr. Claudia Schmied oder langjährigen Weggefährten und Freunden wie dem Regisseur und Journalisten Gero von Böhm ließ es sich auch Opernstar Placido Domingo nicht nehmen, persönlich zu gratulieren.
 

Foto: Maximilian Schell Anfang Mai 2006
Urheber: Hugo Heikenwaelder (www.heikenwaelder.at)
Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons
Lizenz: Der Urheberrechtsinhaber dieses Werkes, veröffentlicht es als gemeinfrei.

Ende Juni 2012 legte Maximilian Schell seine Autobiografie mit dem Titel "Ich fliege über dunkle Täler. Mein Leben" vor. Das im Verlag "Hoffmann und Campe" mit zahlreichen Fotos erschienene Buch "ist als "lockere Erinnerungen an Begegnungen, voller Poesie und Rhythmus." zu verstehen, so das ARD-Magazin "titel thesen temperamente" (ttt, 24.06.2012; mehr bei www.hoffmann-und-campe.de.
2012 zeigte sich Maximilian Schell in München in einer Inszenierung des "Staatstheaters am Gärtnerplatz" gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin in dem Erfolgs-Singspiel "Im weißen Rössl" mit der Musik von Ralph Benatzky. Die Premiere im Zelt des "Deutschen Theaters" fand am 11. Oktober 2012 statt, Schell gab unter der Regie des Intendanten Josef E. Köpplinger den österreichischen Kaiser Franz Joseph I., Iva Mihanovic die Ottilie, Tochter des Fabrikanten Giesecke. Weitere Hauptrollen spielen Sigrid Hauser als Wirtin Josepha Vogelhuber,, Daniel Prohaska als Kellner Leopold, Hans Teuscher als Berliner Fabrikant Wilhelm Giesecke und Michael von Au als der "schöne" Sigismund → www.staatstheater-am-gaertnerplatz.de.
Maximilian Schell, der zweifellos einer der bekanntesten und erfolgreichsten deutschsprachigen Schauspieler weltweit war, lebte mit russischen Schauspielerkollegin Natalija Andrejtschenko1) und seiner Tochter abwechselnd in Beverly Hills sowie auf dem elterlichen Berghof in Kärnten; 1985 hatte das Paar geheiratet, vier Jahre später wurde die gemeinsame Tochter Nastassja geboren. Bereits 2002 vermeldete die einschlägige Presse, Schell wolle sich von seiner Frau trennen, 2005 erfolgte dann die Scheidung. Seit etwa 2002 war die Wiener Top-Galeristin Elisabeth Michitsch an Schells Seite, doch Mitte April 2008 vermeldeten die Medien, dass Schell und Elisabeth Michitsch getrennte Wege gingen.
Im gleichen Jahr wurde bekannt, dass Maximilian Schell mit der über 45 Jahre jüngeren Opernsängerin Iva Mihanovic1) liiert sei, am 20. August 2013 heiratete das Paar im privaten Rahmen in der kleinen Gemeinde Preitenegg in Kärnten. Dass der gemeinsame Lebensweg nur noch von kurzer Dauer sein sollte, konnte damals Niemand ahnen.
 

Foto: Maximilian Schell Ende Januar 2011 bei "Markus Lanz"1)
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Maximilian Schell Ende Januar 2011 bei "Markus Lanz"; Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons; Urheber: Udo Grimberg; Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported lizenziert.
Mit Maximilian Schell ging am 1. Februar 2014 einer der ganz Großen, er starb überraschend im Alter von 83 Jahren in einem Innsbrucker Krankenhaus. Noch wenige zuvor Tagen war er nach einer Lungenentzündung aus dem Krankenhaus im österreichischen Kitzbühel entlassen worden, wo er sich für ZDF-Dreharbeiten aufhielt, teilte www.tagesschau.de in einem Nachruf mit. Neben zahllosen Nachrufen in den Print- und Online-Medien würdigte unter anderem der österreichische Kulturminister Josef Ostermayer den Verstorbenen als einen "der größten Schauspieler des deutschen Sprachraums". Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny bezeichnete Schell als "überragenden Künstler, Ausnahmemenschen und intellektuellen Weltbürger" (Quelle: wien.orf.at)
Der charismatische Schell hat eine ganze Generation begleitet, war das Gesicht einer ganzen Ära. Er empfand sein Schaffen weniger als Beruf denn als Berufung, wird als Theatermann mit seinen Paraderollen des jungen "Hamlet" oder des "Jedermann" in nachhaltiger Erinnerung bleiben. Zu Recht wurde der "Weltstar" 2000 auf dem "Baltijas Perle Filmfestival" in der lettischen Hauptstadt Riga als "Bester Schauspieler des Jahrtausends" geehrt. "DIE ZEIT" bezeichnete ihn als "Wanderer durch die Künste", bezugnehmend auf Schells eigene Aussage "Ich habe eigentlich gar keinen Beruf. Ich wandere durch das Leben und durch alle Bereiche der Kunst".
Die offizielle Trauerfeier für Maximilian Schell fand am 08. Februar 2014 im Kärntner Dorf Preitenegg statt, neben der Witwe sowie Familienangehörigen wie dem Bruder Carl Schell, Tochter Nastassja und Adoptivsohn Dimitri gaben Freunde und Weggefährten dem Star das letzte Geleit. Zu den Trauergästen zählten unter anderem die Schauspieler Christian Wolff und Waltraud Haas sowie Bernhard-Wicki-Witwe Elisabeth Endriss. Nach der Trauerfeier in der Aufbahrungshalle bzw. in der Pfarrkirche wurde der geschlossene Sarg auf den Dorfplatz gebracht, damit sich auch die Bevölkerung von ihrem berühmten Einwohner bzw. Ehrenbürger verabschieden konnte. Laut Medienberichten fand die Beisetzung später im kleinsten Familienkreis statt, die Urne mit den sterblichen Überresten Maximilian Schells wurde laut knerger.de endgültig in einem Felsbrocken auf dem Anwesen der Schells beigesetzt.
 Textbausteine des Kurzportraits von www.prisma.de
Siehe auch Wikipedia, www.whoswho.de, www.deutsches-filmhaus.de
Link: *) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 1) Wikipedia, 2) prisma.de
Lizenz Foto Maximilian Schell (Urheber Udo Grimberg):
Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported lizenziert.

Seine Auszeichnungen
(Quelle: Wikipedia):

1961: Oscar, Bester Hauptdarsteller in "Das Urteil von Nürnberg"
1961: NYFCC, Bester Hauptdarsteller in "Das Urteil von Nürnberg" 
1962: Golden Globe, Bester Hauptdarsteller in "Das Urteil von Nürnberg" 
1962: Golden Laurel, Beste schauspielerische Leistung in "Das Urteil von Nürnberg" 
1965: Ondas Award (Bester Hauptdarsteller) 
1970: San Sebastián International Film Festival: Silver Seashell für "Erste Liebe" 
1974: Goldene Schale für "Der Fußgänger" 
1974: Golden Globe für "Der Fußgänger" 
1974: Oscar-Nominierung für "Der Fußgänger" 
1975: San Sebastián International Film Festival: Silver Seashell für "Der Richter und sein Henker" 
1976: Oscar-Nominierung (Bester Hauptdarsteller) für "The Man in the Glass Booth" 
1976: Golden Globe-Nominierung (Bester Hauptdarsteller) für "The Man in the Glass Booth" 
1977: NYFCC, Bester Hauptdarsteller in "Julia" 
1978: Oscar-Nominierung, Bester Hauptdarsteller in "Julia" 
1978: Golden-Globe-Nominierung, Bester Hauptdarsteller in "Julia" 
1979: Filmband in Silber (Programmfüllender Spielfilm) für "Der Richter und sein Henker" 
1979: Goldener Hugo Award für "Geschichten aus dem Wienerwald" 
1980: Filmband in Silber (Programmfüllender Spielfilm) für "Geschichten aus dem Wienerwald" 
1984: Deutscher Filmpreis, Filmband in Gold für die Rolle "Morgen in Alabama" 
1985: Golden-Globes-Nominierung (Dokumentarfilm) für "Marlene" 
1985: Bundesverdienstkreuz I. Klasse der Bundesrepublik Deutschland 
1990: Ehrenpreis des Deutschen Filmpreises 
1992: Emmy-Nominierung (Bester Hauptdarsteller) in dem Fernsehfilm "Miss Rose White" 
1993: Emmy-Nominierung (Bester Hauptdarsteller) in dem Fernsehfilm "Stalin" 
1993: Golden Globe (Bester Hauptdarsteller) in dem Fernsehfilm "Stalin" 
1999: Method Fest für sein Lebenswerk
1999: Platin Romy für sein Lebenswerk
2000: Satellite Award, Mary Pickford Award für sein Lebenswerk 
2002: Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 
2002: Bambi
2006: Ehrenpreis des Bayerischen Filmpreises für die künstlerische Meisterschaft und Humanismus 
2008: Diva-Award für das Lebenswerk
20. September 2008: Sonderpostmarke der Österreichischen Post AG
Juli 2009: Kulturpreis "Premio Roma"
26. November 2009: "Bambi" für sein Lebenswerk
Juni 2011: Ehrenpreis des "Bernhard-Wicki-Filmpreises – Die Brücke"

Rechts: Sonderpostmarke "Maximilian Schell" der Österreichischen Post AG
Erscheinungsdatum: 20.09. 2008
Entwurf: Renate Gruber
Abbildung mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Post AG
© Renate Gruber, Österreichische Post AG; Internet: www.post.at

Sonderpostmarke "Maximilian Schell" der Österreichischen Post AG; Erscheinungsdatum: 20.09. 2008; Entwurf: Renate Gruber
  
Filme (Auszug)
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, prisma.de)
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