
1961 spielte er in Stanley Kramers preisgekröntem Film "Das Urteil von Nürnberg"1) (Judgment at Nuremberg) einen entschlossenen Nazi-Verteidiger und erhielt für seine schauspielerische Leistung als erster und bis heute einziger deutschsprachiger Schauspieler nach dem Kriege den "Oscar". Danach spielte er fast ausschließlich in amerikanischen, englischen oder italienischen Produktionen, wie beispielsweise neben Peter Ustinov und Melina Mercouri in der von Jules Dassin inszenierten Komödie "Topkapi"1) (1964). Es folgten weitere Oscar-Nominierungen, so als "Bester Hauptdarsteller" in Arthur Hillers Drama "The Man in the Glass Booth" (1975); hier spielte Schell eindringlich einen Nazi, der sich nach Kriegsende in den USA als Industrieller niedergelassen hat und sich als wohlhabender Jude Arthur Goldman ausgibt – bis ihm der israelische Geheimdienst auf die Spur kommt. Die Oscar-Nominierung als "bester Nebendarsteller" erhielt er in Fred Zinnemanns "Julia"1) (1977) mit den Protagonistinnen Vanessa Redgrave und Jane Fonda.
Dazwischen lagen Produktionen wie der US-amerikanische Katastrophenfilm "Krakatoa Das größte Abenteuer des letzten Jahrhunderts" (1969, Krakatoa, East of Java) oder Michael Andersons Filmdrama "Papst Johanna"1) (1972, Pope Joan). Die hohen Gagen, die Schell mit Filmen wie "Die Akte Odessa"1) (1975, The Odessa File), "Die Brücke von Arnheim"1) (1977, A Bridge Too Far), "Steiner – Das eiserne Kreuz"1) (1977) oder "Das schwarze Loch"1) (1979, The Black Hole) verdiente, steckte das Multitalent in eigene, hochgelobte Produktionen wie die Dürrenmatt-Adaption "Der Richter und sein Henker"1) (1975) oder die Heinrich-Böll-Verfilmung "Ansichten eines Clowns" (1976) mit Helmut Griem und Hanna Schygulla in den Hauptrollen. Sein Regie-Debüt hatte er mit der historischen Romanze "Erste Liebe"1) (1970) gegeben, einer Geschichte, welche auf einer Novelle von Iwan Turgenjew basierte und die Schell auf eigenwillige Weise umgesetzt hat. Die Resonanz der Kritik war überwältigend, Schells Erstlingswerk wurde als "Bester ausländischer Film" für einen Oscar nominiert. Nur zwei Jahre später inszenierte er "Der Fußgänger"1) (1974), ein Drama um ein fruchtbares Verbrechen im Dritten Reich, das durch einen Boulevardjournalisten aufgedeckt wird, und erntete erneut internationale Anerkennung; ein "Golden Globe" sowie eine erneute Oscar-Nominierung als "Bester fremdsprachiger Film" sind nur zwei von weiteren zahlreichen Preisen für diese Arbeit.
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Vor allem ab den 1980er Jahren arbeitete Schell vermehrt für das Fernsehen und trat mit prägnanten Figuren in internationalen Produktionen in Erscheinung. So gab er beispielsweise den Sándor Korvin bzw. das "Phantom" in "The Phantom of the Opera"1) (1983), oder spielte die Titelfigur in dem Historiendrama "Peter der Große" (1986, Peter the Great). Man sah ihn beispielsweise 1990 als Amado Guzman in der TV-Serie "Wiseguy" (Kampf gegen die Mafia), ein Jahr später schlüpfte er in das Kostüm Friedrich des Großen in dem Zweiteiler "Young Catherine"1) (1991, Die junge Katharina). Nach seiner Rolle des Pharao in dem Zweiteiler "Abraham"1) (1993, Die Bibel Abraham) kam er in "The Thorn Birds: The Missing Years" (1996, Die Dornenvögel Die verlorenen Jahre) als Kardinal Vittorio daher, 1999 verkörperte der charismatische Darsteller den Bruder John in Christian Duguays Historienspektakel "Johanna von Orleans"1) (Joan of Arc). In der von Marco Serafini aufwendig in Szene gesetzten mehrteiligen Familienchronik "Liebe, Lügen, Leidenschaft", den heißen Affären und spannende Intrigen rund um den Wäschemodenkonzern "Aphrodite", agierte er 2002 als Firmenpatriarch Franz Steininger. In jüngerer Zeit überraschte Maximilian Schell die Fernsehzuschauer mit der die Titelrolle des Fürsten Thorwald in der zunächst zwölfteiligen Adelssaga "Der Fürst und das Mädchen"1); ab Mitte September 2005 wurden mit der zweiten Staffel die melodramatischen Geschichten um Intrigen und Romanzen im Adelsmilieu fortgesetzt, seit Anfang Januar 2007 lief die dritte Staffel, in der Schell gegen Ende als Fürst Friedrich von Thorwald an gebrochenem Herzen den Fernsehtod stirbt und somit die Serie verließ. Mit einer ganz anderen Rolle beeindruckte der Schauspieler Anfang April 2004 die Fernsehzuschauer: In der spannenden, hochkarätig besetzten Verfilmung des Bestsellers von Henning Mankell "Die Rückkehr des Tanzlehrers"1) spielte er unter der Regie von Urs Egger neben Tobias Moretti und Veronica Ferres den alten Argentinier Fernando Hereira, einen jüdischen Emigranten, der 60 Jahre nach dem Mord an seinem Vater durch den SS-Mann Herbert Molin diesen in Schweden aufspürt, tötet, und glaubt, damit seine innere Ruhe wieder zu finden. An der Seite von Uschi Glas tauchte er in dem eher seichten Fernsehfilm "Alles Glück dieser Erde"2) (2003) auf, in dem TV-Melodram "Die Liebe eines Priesters" über eine verbotene Liebe mimte er dann im Mai 2005 den Pater Christoph und väterlichen Freund des Priesterseminaristen Michael alias Erol Sander, der sich zwischen Berufung und der Liebe zu einer Frau entscheiden muss. Unter der Regie von Franz Josef Gottlieb konnte Maximilian Schell wieder einmal alle Register seiner schauspielerischen Darstellungskraft ziehen. In den letzten Jahren stand Schell für die vom britischen Fernsehen produzierte hochkarätig besetzten Neuverfilmung "Die Muschelsucher" (Ausstrahlung im ZDF am 25.12.2006) nach dem millionenfach verkauften Bestseller "The Shell Seekers" von Rosamunde Pilcher vor der Kamera. An der Seite von Vanessa Redgrave als Witwe Peneople Keeling, die ihr Leben Revue passieren lässt, mimt er unter der Regie von Piers Haggard deren Vater, den berühmten Maler Lawrence Sterne, dessen Bild "Die Muschelsucher" eine besondere Bedeutung für Penelope hat.
Neben seinen umfangreichen Film- und Fernsehauftritten blieb Schell jedoch stets dem Theater treu; er spielte an unzähligen Bühnen wie Essen, Bonn, Lübeck, München oder Berlin. 1957 gastierte er in London, 1958 in New York, berühmt wurde 1963 sein "Hamlet" unter Gründgens. Unvergessen bleibt wohl sein Auftritt 1978 als "Jedermann" bei den Salzburger Festspielen, den er auch in den nachfolgenden Jahren bis 1982 brillant verkörperte.
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Der Oper wandte er sich 2001 zu und inszenierte in Los Angeles
auf Einladung von Placido Domingo Wagners "Lohengrin" sowie 2005 den
"Rosenkavalier von Richard Strauss. 2007 konnte er auch als
Operettenregisseur Meriten sammeln, seine Inszenierung der Operette "Wiener
Blut" von Johann Strauß auf der Seebühne im österreichischen Mörbisch
wurde hochgelobt. Zuvor hatte er als Darsteller im Frühjahr 2006 im Londoner "Old Vic Theatre"
Triumphe mit seiner Interpretation des Generals in Arthur Millers
Bühnenstück "Resurrection Blues" gefeiert, rund drei Monate
war das Stück aufgeführt worden. Aktuell hatte er ein Theaterengagement im Nationaltheater
in Luxemburg (Théatre National de Luxembourg (TNL)) angenommen, bei den
Ruhrfestspielen war er vom 15. bis 19. Mai 2009 in Recklinghausen mit dem
Programm "Lieben Sie Strindberg?" auf der Bühne zu bewundern. Ingo Wazerka hat aus Zitaten,
Daten und Musikeinspielungen eine Bühnen-Biographie gebastelt, die von der Präsenz
des Großdarstellers Schell und seiner Strahlkraft der Stimme lebt. (
) Die Grandezza, mit der
Schell die Dichterfigur an sich zieht, aus Gesten, Gedankenschnipseln eine
Strindberg-Statue formt, ist beeindruckend. So geht an diesem Abend alles ineinander über Leben und Traum,
Dasein und Dichtung, Starkult und Kunstwillen.
(Quelle:
www.derwesten.de) Der Schauspieler und Regisseur Maximilian Schell fällt durch seine seine vielfältigen Talente auf, ist nicht nur ein bemerkenswert guter Pianist und Maler, sondern betätigt sich auch als Übersetzer von Werken von John Osborne und William Shakespeare. Als Schriftsteller veröffentlichte er im September 1997 unter dem Titel "Der Rebell" eine Erzählung mit stark autobiografischen Zügen, an der er über zehn Jahre lang geschrieben hatte; es ist eine Abrechnung mit den Illusionen und Lebenslügen einer modernen Schauspielerexistenz; er selbst sieht sich als "Sehnsüchtiger", der beständig zwischen den kulturellen Welten wandelt. An Maximilian Schell ist alles markant, der ehemals dunkelhaarige Typ mit dem überlegenen Lächeln und am Theater geschulter, markanter Sprache bewies seine Stärke in dämonisch-bedrohlich wirkenden Gestalten, die jedoch nie eindimensional sind. Ein Star von großer Eloquenz und Wandlungsfähigkeit, der ebenso unbeugsame Helden, verbohrte Intellektuelle oder existentiell gebrochene Individuen spielen kann. Maximilian Schell war schon immer ein Rebell, der gegen den Strom und die Konventionen schwamm. Als die ganze Welt auf den angeblich pädophilen Michael Jackson losging, schrieb er einen offenen Brief an den Sänger, weil er Hexenjagden allgemein nicht mag.
Seinen runden Geburtstag beging der Ausnahmekünstler auf seinem Berghof in Kärnten in der Nähe des Ortes Preitenegg. Nicht nur Schells Heimatgemeinde feierte ihren berühmten Ehrenbürger mit einem großen Fest, auch der österreichische Bundespräsident Dr. Heinz Fischer übermittelte dem Jubilar Glückwünsche, bezeichnete Schell als "Weltbürger mit großer Ausstrahlungskraft" und würdigte dessen "jahrzehntelanges vielseitiges künstlerisches Wirken als Schauspieler, Regisseur und Produzent". Die offizielle Geburtstags-Gala zu Ehren des runden Geburtages fand zwei Tage später am 10. Dezember 2010 in der Wiener "Albertina" statt, neben hochrangigen Politikern wie der österreichischen Bildungsministerin Dr. Claudia Schmied oder langjährigen Weggefährten und Freunden wie dem Regisseur und Journalisten Gero von Böhm ließ es sich auch Opernstar Placido Domingo nicht nehmen, persönlich zu gratulieren.
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Link: 1) Wikipedia, 2) prisma-online Lizenz Foto Maximilian Schell (Urheber Udo Grimberg): Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported lizenziert. |
Stand: Juli 2011 | ||||
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Textbausteine des Kurzportraits von www.prisma-online.de Siehe auch Wikipedia, www.whoswho.de, www.deutsches-filmhaus.de Kontakt: www.ernabaumbauer.de |
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